Ironie der Geschichte: Mit dem Mord an Ohnesorg hätte die Stasi ihr eigenes Grab geschaufelt
Der Tod von Benno Ohnesorg wird gerne zur Geburtsstunde der radikalen Studentenbewegung verkürzt. Dabei war er viel mehr: Er war die Initialzündung der Modernisierung Westdeutschlands. Diese hat letztlich auch das westdeutsche Gesellschaftsmodell viel attraktiver gemacht als das ostdeutsche. Falls die Stasi den Mord an Ohnesorg in Auftrag gab, so hätte sie damit ihr eigenes Grab geschaufelt.
Der Präsident hat immer Recht
David Frost brauchte noch 600.000 Dollar Gage und 30 Stunden, um Richard Nixon ein Geständnis abzuringen. Nun haben ein paar couragierte Studenten Condoleezza Rice auf YouTube bloßgestellt. Exemplarischer kann man den Medienwandel kaum veranschaulichen.
Wahlkampf in der Warteschleife: „Die Tonalität muss erst noch festgelegt werden“
Der Auftakt des Bundestagswahlkampfs 2009 ist lahm: Die Krise zwingt die Parteien zum Warten. Keine will sich jetzt schon zu genau festlegen. Der Trend aber zum dialogischen Wahlkampf an den klassischen Massenmedien vorbei ist nun auch hierzulande zu spüren.
Der Deutschlandfonds: weder sozial noch mit Prinzipen der Marktwirtschaft vereinbar
115 Milliarden Euro stellt der Deutschlandfonds der Regierung zur Rettung von Unternehmen bereit. Die Entscheidungen über die Mittelvergabe sind völlig intransparent. Der Fonds höhlt das marktwirtschaftliche Prinzip der Risikohaftung der Eigentümer aus und sozialisiert die Verluste der Wirtschaft über den Bankensektor hinaus. Der Strukturwandel wird nur hinausgezögert.
ARD-Börsenfrau Anja Kohl moderiert auch für DAX-Firmen, Banken und Atomindustrie
Moderatorinnen und Moderatoren von Nachrichtensendungen sollten besonders glaubwürdig sein. Jede öffentliche Werbung, jede Nebentätigkeit für eine Firma färbt auf ihr Image ab.
Aus die Maus: Mit SZ-WISSEN verschwindet ein Stück «public interest»
Wenige Monate nach dem Relaunch verliert die «Süddeutsche» das Interesse an ihrem Magazin. Wissenschaft gilt immer noch als «special interest» oder als netter Füller für anzeigenbedingte Restflächen. Ihre Rolle wird unterschätzt.
Blamage ist Teil der Recherche: Online-Wahlkampf ist kein Plug & Play-Produkt
TAZ, FAS und NZZ lästern über die Online-Wahlkampfexperimente der Parteien. Neugier und Gelassenheit ist in den Augen von vielen Journalisten offenbar keine akzeptable Haltung.
CDU-Medienpoltik: Lieber nicht mit den Nutzern reden und alte Medien fördern
Die CDU hat ihre Thesen zur Medienpolitik vorgestellt: In Sachen Kinderporno-Sperren möchte sie mit so manchem reden – aber nicht mit den ganz grundsätzlich betroffenen Internetnutzern. Die Partei möchte lieber Printmedien pauschal beatmen, statt sich zu fragen, wie sie Qualität gerade auch im Netz sicherstellen kann.
Wer traut noch Westerwelle?
Wählermaximierung ist schön und gut, aber man kann sich in der Politik auch zu Tode – oder wie im Fall der FDP – wieder unter die 10 Prozent taktieren.