Vera Bunse | 64 Kommentar(e)
Der Sportjournalist wollte DLF und Deutschlandradio Kultur gegenüber keine Ergebenheitsadresse abgeben, sondern weiterhin kritisch über Misstände im Sport berichten. Daraufhin wurde ihm von den beiden Sendern des Deutschlandradios Beschäftigungsverbot erteilt.
10.08.2012 |
Auf seinem Blog don’t mix politics with games berichtet Weinreich kritisch über den deutschen und internationalen Sport und weist immer wieder auf Vorgänge hin, die die übergroße Nähe von Politik und Sport belegen. Seine Spezialthemen sind die FIFA und Sepp Blatter, den er seit vielen Jahren journalistisch begleitet. Weinreich arbeitet regelmäßig für deutsche Zeitungen und Sender und hat u.a. den Grimme Online Award für seine Arbeit bekommen.
Deutschlandradio goutiert diese Arbeit nicht. Bereits im April ging dem Journalisten die Mitteilung über die Beendigung der freiberuflichen Mitarbeit zu. Aber:
Musste drei Monate mit der Veröffentlichung warten, bis ich diese bescheidenen drei Durchchschnittshonorare aus 2011 auf dem Konto hatte. Wollte nichts riskieren.
Wie ich 30-40 Prozent Verdienstausfall ausgleichen soll, weiß ich nicht.
Überhaupt scheint Deutschlandradio neuerdings kritischer Journalismus zu brenzlig zu sein. Erst vor wenigen Tagen wurde ein Radiobeitrag über den Wehrbeauftragten des Bundestags, Hellmut Königshaus, offline genommen, nachdem er bereits gesendet worden war: Königshaus hatte sich beschwert und die “Löschung” verlangt. (Der Beitrag ist mittlerweile wieder online.)
Während es dabei noch vornehmlich um Königshaus’ Rolle ging, ist hier ganz klar ein gravierender Eingriff in die Meinungsfreiheit gegeben. Weinreich schreibt:
Der Sender (DLF und Deutschlandradio Kultur) hat mir Berufsverbot erteilt. Ohne Anhörung. Ohne Angaben von Gründen.
[Nachtrag: Klar nenne ich das so, denn für mich ist das in einem wichtigen Bereich ein Berufsverbot, viel mehr als ein "Beschäftigungsverbot". Innerhalb der ARD, im Sportverbund, war es für mich ohnehin nur im DLF möglich, regelmäßig Beiträge abzusetzen.]
Ein Journalist ist denen, über die er schreibt, nicht genehm? Muss weg. An sich schon ein Skandal, dass Politiker, die Verfassung und Grundgesetz verpflichtet sind, solche Ansinnen überhaupt stellen.
Bei weitem skandalöser ist allerdings die Willfährigkeit, mit der man bei Deutschlandradio nun solchen Anforderungen zu entsprechen scheint. Da sitzen Journalisten, denen klar sein sollte, was Meinungsfreiheit bedeutet. Sie hören, lesen und berichten jeden Tag von undemokratischen Verhältnissen in anderen Teilen der Welt und prangern sie an. Sie berichten auch über Politiker, die diese Zustände anprangern: Solange sie anderswo stattfinden.
Was ist los beim Deutschlandradio?
Vom wem wird Druck ausgeübt, der groß genug ist, dass man kritische Äußerungen von Journalisten nicht mehr senden zu können glaubt? Reicht es, den Verantwortlichen die aufmerksame Lektüre der Verfassung nahezulegen, oder geht es um Vorgänge, die in einer öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt nichts zu suchen haben und näheren Hinsehens bedürfen?
Wir warten gespannt auf eine Erklärung.
- Twitter zum Thema
- Hier findet sich eine aussagekräftige Stellungnahme von Birgit Wentzien, Chefredakteurin des Deutschlandfunks
- Moritz Meyer: @DLF kündigt @JensWeinreich – Über Vorbilder im Journalismus
- Erbloggtes: Staatssportmedien reduzieren Kritik durch Reduzierung der Kritiker
- Steffen Grimberg kommentiert auf taz online: Wenn Egos übern Rasen rasen
- Die Sportredaktion des DLF
- Hier noch ein Leser-Hinweis: Verfahren à la Metternich (Der Freitag, 2008)
- Falk Lüke: Anmerkungen zur Causa Jens Weinreich
- Breitband: Transparenz in der Sportberichterstattung
- foolDC: Staatsradio
- newsroom-Interview mit Grit Hartmann: Rauswurf von Jens Weinreich ist ein „journalistischer Gau“
- newsroom-Interview mit Herbert Fischer-Solms: “Jens Weinreich ist eine Bereicherung für jede Redaktion”
- Matthias Dell hat im ‘Altpapier’von gestern ergänzt:
Noch eine interessante Aktualisierung: Der DJV erklärt etwas zu Leyendecker-Roth-Wallraff. Ein Statement zu Weinreich steht noch aus. Not your cup of tea, Hendrik Zörner?
Gute Frage. Hendrik Zörner ist Sprecher des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV). Auf Fragen von newsroom wischiwaschte er lediglich:
“Vor allem die Sportberichterstattung braucht Journalisten, die kritisch sind, die das Sportgeschehen hinterfragen. Sonst droht uns eine Eins-zu-null-Berichterstattung, die nur noch Aktualität kennt und das Wort Hintergrund nicht mehr buchstabieren kann. Es muss im Sport Journalisten geben, die gegen den Mainstream schreiben und senden. Sonst ist es um die journalistische Vielfalt schlecht bestellt.”
- Matthias Dell (15.12.2011): Herbert Fischer-Solms geht
- Ekkehard Kern, Die WELT: Wider die Wahrheitsallergiker in der Sportpolitik, ähnlich lautend vom 15.:Reichlich unsportlich
- Birgit Wentzien bei newsroom: Deutschlandfunk: Trennung von Jens Weinreich “endgültig”
- Christiane Mitatselis, KStA: Ein unliebsamer Sportjournalist?
- Birgit Wentzien auf dradio.de: Zu den Vorwürfen von Jens Weinreich gegen die DLF-Sportredaktion
- Wolfgang Michal, gleich nebenan: Über den Versuch, den Fall Weinreich auf Verhaltensmängel zu reduzieren, darunter ein Kommentar von Jens Weinreich. Der schließt so:
Ich mache Radio im Internetz und produziere eine wunderbare Podcast-Serie, die es, Großkotzverunglimpfer wie ich bin, so noch nicht gegeben hat. Ab Sonntag.
- Martin Böttger, Ruhrbarone: Deutschlandfunk vs. Jens Weinreich
- Fred Beutel, Blog Ab jetzt im Pott: Selbstüberschätzung
- Die WELT: Reichlich unsportlich
- Bülend Ürük, newsroom: Leser fordern „setzt Euch endlich mal zusammen“
- Wolfgang Michal interviewt Hajo Seppelt: „Die Blogeinträge waren gewissermaßen der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte“
- Bülend Ürük, newsroom: Jens Weinreich: “Gegen derlei Boshaftigkeiten kann ich mich ohnehin nicht wehren”
- World Wide Wagner: u.a. radioeins-Video-Interview mit Jens Weinreich
- Michael Ridder, epd Medien: Die Interessen der Funktionäre. Dreppers Erfolg und Weinreichs Fall
und radioeins-Interview mit Birgit Wentzien





Aber das kann man doch Mediumübergreifend leider seit langem beobachten. “Journalisten” lassen sich zu reinen Mikrofonhaltern degradieren.
Es ab mal Zeiten, da wurde bspw. der Spiegel durch Nichtbeachtung geadelt: “Von wo sind Sie? Vom Spiegel? Aber Sie wissen doch, dass ich mit dem Spiegel nicht spreche!” Leider hat das in Politik (und auch im Sport) Schule gemacht. Wer arschkriechend und speichelleckend mit Mikrofon und Kamera zur Stelle ist, wenn man ihn braucht, der bekommt sein Interview. Die eine Seite hat erkannt, dass sie mit dem Boykott eine gewogenere Berichterstattung provoziert, die andere Seite hat erkannt, dass sie ohne Arschkriecherei keinen O-Ton mehr bekommt. Und wenn nicht nur ein Journalist sondern gleich noch die ganze Postille von wichtigen Informationen abgeschnitten wird, dann beugt man sich halt dem Diktat.
Dass die Qualität darunter leidet und die Leser angewidert abwandern bekommen die Verlage/Sender nicht mit.
Es ist natürlich schwer, erst mal Geld in guten Journalismus zu stecken und erstmal Rückschläge zu erhalten, in dem man geschnitten wird. Aber wenn man das konsequent durchzieht kann man damit auch Erfolg haben. Wer sich dahingehend etabliert, vor diesem Medium (leider nicht der einzelne Journalist) kann man sich kaum durch Nichtbeachtung entziehen, da die Negativschlagzeile verheerend wäre.
Die Blöd ist zwar hier jetzt im Bezug auf Qualitätsjournalismus unverdächtig, aber sie hat es zumindest geschafft, dass sich ihr kaum jemand entziehen kann (außer man will eine dauerhafte Negativpresse riskieren). Warum sich die “Qualitätsmedien” aber dem Blöd-Niveau annähern müssen, ist mir unbegreiflich. Zumal die Luft da unten für alle auch nicht sonderlich üppig sein dürfte.
Es gab auch mal Zeiten (also vor der Zeit mit Kohl von oben), da sind Leute wegen dem Spiegel auf die Straße gegangen. Ich wiederhole mich ungern, aber heutzutage würde niemand mehr wegen dem Spiegel (oder einem anderen Medium zur Zeit) auf die Straße gehen. Leider. Die Sturmgeschütze der Demokratie haben nur noch Platzpatronen geladen.
im grunde geht mir sport und die berichterstattung über sport sonstwo vorbei, aber …
ich war erst einmal erfreut, daß jens im letzten jahr überhaupt im dlf auftauchte, was ich damals als beleg dafür nahm, daß “mein” dlf sich einer unabhängigen berichterstattung verschrieben hat – mir gehen nämlich schon seit jahren die sog. “mainstream-medien” auch sonstwo vorbei und bevor ich überhaupt so ein schangel-blatt wie spiegel online mit spitzen fingern anfasse, habe ich zuerst einmal den dlf “zu rate” gezogen.
weil, grundsätzlich sind wir uns hoffentlich einig darüber, daß so etwas wie der dlf informativer und objektiver berichtet als die mainstream-medien, oder?
was da gerade beim dlf los ist, kann ich mir allerdings auch nicht erklären. zuerst diese geradezu dummdreiste “königshaus nummer” und jetzt der “fall weinrich”, das stimmt mich dann doch schon bedenklich.
aber, wie gesagt: im moment sind das wohl eher ausreisser.
hoffe ich doch mal …
Ich würde erstmal die Erklärung vom DLF abwarten, eventuell hat der Journalist auch gegen die Qualitätskriterien des Senders verstossen.
@marco tullney: Ich würde mir erst einmal den Blogeintrag von jw durchlesen. Dort schreibt er nämlich, dass er um eine Erklärung VOR seiner Anhörung gebeten hat. Was ihm verwehrt wurde.
Auch die “Stellungnahme” des DLF (im Update) ist (noch) keine Begründung, sondern allenfalls eine haltlose (weil nicht begründete) Anschuldigung. Ich glaube Jens Weinreich hätte nichts dagegen, wenn der DLF die Anschuldigungen mal mit Fakten füllen würde.
kleiner nachtrag: wenn der dlf seinen job nicht macht, dann macht ihn doch der SWR2, wie er gestern hiermit
http://mp3-download.swr.de/swr2/wissen/sendungen/2012/08/marionette-mappus.12844s.mp3
ganz eindeutig bewiesen hat.
viel spaß beim hören!
obwohl, der “spaß” kann einem schon vergehen, wenn man es hört …
Mir fällt es schwer, einen neutralen Kommentar abzugeben. Einerseits schätze ich Weinreichs Arbeit, lese auch regelmäßig seinen Blog und finde vor allem seine Beiträge um Korruptionsaufklärung herausragend.
Andererseits scheint er dafür Defizite im sozialen Umgang mit Kollegen zu haben. Beispielhaft scheint mir hierfür eine Twitter-Gespräch (https://twitter.com/jensweinreich/statuses/230703405654503425) von Weinreich mit Roger Pielke Jr. (amerikanischer Professor, war mit Weinreich bei Play the Games in Köln) zu sein. Pielke ist anderer Meinung zu einem Thema, Weinreich wird direkt persönlich und beleidigend.
Mit so einem *** würde ich auch nicht gerne zusammen arbeiten, seien seine Beiträge noch so gut. Wenn Weinreich jetzt einen auf Tränendrüse macht und argumentiert, es gehe nur um die Ausrichtung seiner Beiträge, sollte man das mit einer Prise Skepsis betrachten, vielleicht ist er einfach auch nur genügend Leuten auf den Sack gegangen.
@maik
>> Ich würde mir erst einmal den Blogeintrag von jw durchlesen
ds habe ich – leider – getan und mich hat das mit gemischten gefühlen zurück gelassen
wenn ich ein klitzekleines bißchen “ausholen” darf: ich kannte den namen jens weinreich schon bevor er mir im dlf auffiel, als plötzlich ab und an ein kommentar nach 19.00 von ihm auftauchte, die ich in der regel auch als sportverächter goutieren konnte, weil er ziemlich unverblümt die korruption in der FIFA thematisierte.
ich dachte damals “aha, die wollen der FIFA an die wäsche und haben sich einen experten gekauft”. mittlerweile scheint da ja wieder ruhe im karton zu sein, alles ist wie vorher, aber – so meine unmaßgebliche und absolut inkompetente meinung zum thema – beim dlf will man nicht in einen “krieg” mit der FIFA verwickelt werden, in dem es um die korruption geht, die uns wohl das “sommermärchen” bescherte.
wie gesagt, ich habe keine ahnung von so was, es ist halt der eindruck, der sich mir aufdrängt. jens passt da einfach nicht mehr in das konzept, das mal dazu geführt hat, daß er da überhaupt alimentiert wurde.
an den beiden bösen worten “alimentiert” und “gekauft” kannst du vielleicht meine “gemischten” gefühle ablesen: ich störe mich ein klitzekleines bißchen an der attitüde, mit der jens einerseits formvollendet den rebellen gibt – und andererseits vergessen hat, daß er eine vergangenheit _vor_ dem dlf hatte, in der er ohne deren geld auskommen konnte/musste. es schmeckt ein bißchen nach “entzugserscheinung”.
ich sage das deshalb so “harsch”, weil es “da draussen” eine menge kompetenter, kritischer, unangepasster geister wie jens gibt, die durch die ritzen der oa. “konzepte” fallen. die beissen sich halt durch ohne den anspruch, das öffentlich beklagen zu müssen oder konnten, weil sie mal für irgendeinen “zweck” eingekauft wurden.
versteh’ mich richtig – ich habe auch einen schalen geschmack auf der zunge bei dieser sache, aber ich kann den “skandal” nicht sehen.
jens macht einen hervorragenden job und ich denke und hoffe mal, daß er bald einen hoffentlich noch besser bezahlten job bekommt, über diese kleinkarierte sportredaktion beim dlf nur noch den kopf schüttelt.und _froh_ ist, nicht mehr mit denen zusammenarbeiten zu müssen ;-)
@karl
>> vielleicht ist er einfach auch nur genügend Leuten auf den Sack gegangen.
verdammt, ich habe es absichtlich nicht so drastisch formuliert, aber ja: auch das liegt durchaus im rahmen des denkbaren ;-)
Schon allein die Behauptung, der Deutschlandfunk habe gegen Jens Weinreich ein “Berufsverbot” verhängt, zeigt die Maßlosigkeit dieses Herren, was nicht ausschließt, dass er ein sehr guter investigativer Sportjournalist sein mag.
Es ist aber nicht die Pflicht des Deutschlandfunks, bestimmte freie Journalisten zu beschäftigen. Noch bestimmt jedes Medium selber, wen es für sich arbeiten lässt.
Die Sackgang-Argumentation hinkt mE doch ein wenig. Selbst wenn dem so wäre, ist es doch Aufgabe postpubertärer Redaktionsleiter, so etwas im Sinne eines qualitativ hochwertigen, ja, diskursiven journalistischen Gesamtproduktes einfach mal auszuhalten, gerade im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Oder?
@dirk
>> Oder?
also, ich habe ja noch nie für eine redaktion gearbeitet und mir generell den umgang mit vorgesetzten oder kollegen vom hals gehalten, aber: in meinem verständnis lebe ich auf einem planeten, der von halbstarken affen mit zu viel testosteron am laufen gehalten wird.
warum sollte diese beobachtung nicht auch auf den einen oder anderen redaktionsleiter beim dlf zutreffen, zumal im sportbereich?
alle nachgeschobenen begründungen auch in dieser sache sind nur der hanebüchene versuch, affiges instinktverhalten schönzureden, egal von welcher seite …
Dazu auch der Berater Thomas Knüwer in seinem Blog:
http://www.indiskretionehrensache.de/2012/08/gesine-dornblueth-weinreich/#comments
@ B.Schneider-Mohel: Hallo Kleinbürger, auch hier unterwegs? Sie sind so typisch deutsch, dass es fast schon wieder lustig ist.
[...] seinem Beitrag vom 6. März 2012 und der Einforderung einer “Ergebenheitsadresse”[1] korrekt ist, kann auch jeder selbst das Maß an Kritik, vermeintlicher Verunglimpfung, [...]
@ B.Schneider-Mohel (9): Klar, die Welt dieser Sender ist eigentlich schon in Ordnung, wir merken es bloß nicht; politische Direktiven hat es nie gegeben … und wer nur ‘maßzuhalten’ weiß, der glaubt dem dollsten PR-Geschmeiß.
@13: Verehrter Johannes, ich lasse mich gerne von einem offensichtlichen Kleingeist als Kleinbürger beschimpfen.
Nebenbei: Haben Sie auch etwas zur Sache selbst zu sagen?
Ich war aufgrund neuerlichen finanziellen Segens jetzt schon fast soweit, mir einen Fernseher zu kaufen und den Rechtsweg gegen die neue Rundfunkkopfsteuer nicht zu beschreiten.
Selbst in der Hundezucht tut man mittlerweile etwas gegen falsche Maßstäbe und inzestuöse Probleme. Beim ÖRR anscheinend gegen mindestens eins davon nicht. Mit dem Verhalten des DLFs, steht für mich fest: Geld bekommt dieses System nur aus meinen kalten toten Händen.
@ Schneider-M. Ich weiß, ich hab getroffen. Und nun tut’s weh.
@18: Zur Sache, Johannes!
@ B.Schneider-Mohel: Da die ÖRR eine journalistische Alternative im Hörfunk strategisch verhindert bis aktiv bekämpft haben und unter den Sendern der ARD eine schwarze Liste existiert, sind die Auswirkungen durchaus mit einem Berufsverbot vergleichbar. Und das war die letzte Troll-Fütterung für heute.
Hat denn jemand mal mit einem Vertreter des DLF gesprochen? Vielleicht jemand von Carta?
Der Rundfunkausschuss betrachtet uns, die Zuhörer, nun mal als Volksempfänger …
[...] Weinreich fasst in der Badischen Zeitung zusammen, u.a., was Verbände und BMI nach der Information an [...]
@20: Falk D., welche journalistische Alternative im Hörfunk meinen Sie?
Können Sie die Existenz dieser “schwarzen Liste” belegen?
Wie Maik schon im ersten Kommentar ansprach , gibt es fast schon eine Tradtion der gezielten Verblödung und Gleichschaltung.
Ohne die konkrete Situation genau einschätzen zu können , wäre es einfach alles Andere als ein Wunder , wenn jetzt auch die (noch) qualitativ besseren Hörfunkprogramme dran wären.
Auch im Sport ist dieses Trimmen auf Boulevard-Niveau zu beobachten ,guten Sport-Journalismus gibt es noch , aber er wird seltener, und dann diese Sportler-”Portraits” auf ARD und ZDF , bei denen es Einem vor lauter Servilität schlecht werden könnte , das ständige Gelabere über Freundinnen und Freunde der Sportler , usw.usw.
@art
“Tradtion der gezielten Verblödung und Gleichschaltung”
oha.
also bei mir haben ca 25 jahre ÖR als primärquelle eher das konkrete gegenteil erzeugt – ich verstehe aber nach 5 minuten lektüre des “spiegel” zb. ziemlich genau, was mit “Tradtion der gezielten Verblödung und Gleichschaltung” wohl gemeint sein muss.
ich habe oben einen podcast des swr2 von vorgestern verlinkt.
einfach mal hören und danach reden wir weiter über die mär von der “Tradtion der gezielten Verblödung und Gleichschaltung” durch die ÖR.
und – für vergnügungssüchtige gleich noch ein highlight der vergangenen woche:
ein “Interview mit Norbert Geis, CSU-Innen- und Rechtspolitiker”
http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2012/08/08/dlf_20120808_0649_01198a36.mp3
wenn ich das _gelesen_ hätte, hätte ich nicht so viel spaß gehabt, aber wie elegant der interviewer hier sein “opfer” von einer peinlichkeit in die nächste treibt, das ist hohe kunst, einem dinosaurier zumindest die chance zu geben, zu verstehen, daß er gerade ausgestorben ist …
Oh je,
der Artikel hier greift im Grunde einfach nur die Argumentation von Herrn Weinreich auf und mündet dann in der These, der DLF “scheine” Probleme mit kritischen Journalisten zu haben. Ich habe nix beruflich mit dem DLF zu tun, aber kenne persönlich Menschen, die mit diesem Herrn zusammenarbeiten oder ihn gar redigieren mussten; was man so hört, ist ein professionelles Arbeiten jenseits persönlicher Attacken (“Berufsverbot”) nicht so ganz einfach…
Finde es etwas bedenklich als Aussenstehender, dass der Verzicht auf eine Weiterbeschäftigung mit einer schwierigen Person als Eingriff in die Meinungsfreiheit gewertet wird.
Gilt für Blogs eigentlich der journalistische Grundsatz, eine Sache zu prüfen oder mind. 2 Quellen heranzuziehen nicht?
Die Darstellung des DLF steht hier http://www.dradio.de/aktuell/1836405/
Ich kenne den Herrn Weinreich nicht persönlich. Aber etwas fiel mir positiv auf. Kritische Kommentare auf seinem Blog lässt er zu. So mancher andere wichtige Blogger manipuliert in den Kommentarteilen seines Blogs wie wild.
@Damian
Es ist ein Meinungsartikel, und er ist von mir, ich bitte, das nicht mit “dem Blog” zu verwechseln. Der Link zu der Stellungnahme wurde bereits kurz nach Erscheinen unter den obigen Text gesetzt.
Dass jemand schwierig ist, heißt nicht, dass er keinen guten Journalismus macht – und den macht Jens Weinreich. Im Gegensatz zum Deutschlandradio hat er offengelegt, was vorgefallen ist. Außer diesem einen kurzen Kommentar der Chefredakteurin gab es von dort (nach meiner Kenntnis) bis gestern Abend keine weiteren Informationen.
@ “Damian”: Wie gut, wenn Mann/Frau sich hinter nicknames verstecken können, gelle?
@Damian: Was Frau Bunse schreibt, erscheint mir auch etwas einseitig. Aber das ist nichts gegen den kruden Artikel eines gewissen Herrn Klüwer, der sein Geld mit “Beratung für das digitale Zeitalter” zu verdienen scheint.
Er stellt einen Zusammenhang zur Lage in Weißrussland her, der so hanebüchen ist, dass ich mich nie von ihm beraten lassen würde.
http://www.indiskretionehrensache.de/2012/08/gesine-dornblueth-weinreich/
Die Überschrift seines maßlosen Artikels lautet: “Bundestag und Deutschlandfunk zensieren kritischen Journalisten”.
Dazu kommentierte ich für die Moderationsschleife in seinem bekannten Blog “Indiskretion Ehrensache”: “Wenn ein freier Journalist keine Aufträge mehr von einem seiner Auftraggeber bekommt, ist das ganz und gar kein Berufsverbot, sondern eine ganz normale Angelegenheit in einem freien Land.”
@Vera Bunse: Sie schreiben: “Im Gegensatz zum Deutschlandradio hat er offengelegt, was vorgefallen ist”. Das halte ich gerade für das Problem in diesem Fall. Hier gibt es nichts von öffentlichem Interesse. Herr Weinreich kann recherchieren und schreiben, was er will, z.B. in seinem Blog. Er kann seine Arbeiten anbieten, wem er will, und – schlag nach bei Google – das tut er ja auch mit Erfolg.
Der Deutschlandfunk wiederum kann Aufträge vergeben, wie er es will. Er muss nicht bestimmte Journalisten beschäftigen, weil diese sich öffentlich beklagen und versuchen, eine Empörungswelle herbeizuschreiben.
Eine andere Sache ist die, dass Herr Weinreich auf seinem Spezialgebiet einen guten Ruf hat. Das ist aber nicht nur dem Deutschlandfunk bekannt.
@ hardy
Mit dem Spiegel haben Sie ja schon ein Paradebeispiel genannt ,gerade die überregionalen Blätter sind weitere , mit Ausnahmen.
Die “mär” , naja , mich wundert es immer wieder , mit welcher Vehemenz diese an die Wand gemalt wird- das werden Sie vermutlich genau umgekehrt sehen-, meines Erachtens ist nur sehr schwer zu übersehen , wie auch in den ÖR kritische Formate und Inhalte kassiert werden .
Offen gesagt , ich kenne mich mit Hörfunk nicht so aus , eher mit Fernsehen , (was Einen bei vielen Intellektuellen schon mal latent in die Idiotenecke schiebt ) .
Im TV geht die Verflachung nicht mal mehr an den Spartensendern vorüber , bei arte etwa ist das unübersehbar.
Ausnahmen bestätigen die Regel ,einzelne Beispiele können “Kopf-in-den-Sand” aber nicht rechtfertigen.
@B.Schneider-Mohel
Natürlich ist das einseitig. Menschen sind ganz und gar auf ihrer eigenen Seite, wenn sie ihre Meinung vertreten.
Jens Weinreich hat über die Jahre immer wieder beschrieben und belegt, welche Verflechtungen zwischen Sport und Politik und leider auch dem Journalismus bestanden und bestehen. Ich finde es wunderbar und unverzichtbar, dass es lästige, nervige, unbequeme Journalisten gibt, die sich trauen, sich mit einem solchen System anzulegen. Wenn ich weiß, dass “denen da oben” auf die Finger geguckt – und, wenn nötig, gehauen – wird, ist das für mich sehr beruhigend.
Dabei ist mir ziemlich gleichgültig, ob der Rechercheur “nett” ist oder pflegeleicht. Wahrscheinlich ist er das nicht – ein besonders harmoniebedürftiger Mensch würde weder das nötige Durchhaltevermögen aufbringen, solche Recherchen überhaupt zu machen, noch erst recht, sie zu veröffentlichen. Aber wir sind vermutlich schon zu sehr an kuschelige, völlig inhaltslose Nach-dem-Spiel-Fragen und Homestorys gewöhnt.
Ich erinnere an die Aufregung über die Ostseestrand-Schmonzette während der EM. “Das ist doch kein Journalismus!” In 70 Prozent aller Kommentare, Tweets, in den sozialen Netzwerken, …, lese ich gerade während und nach Sportberichten, es gebe ja gar keinen zupackenden Journalismus mehr, und die Interviewer seien nur noch Sprechpuppen. Die offiziellen Medien schließen sich dem teilweise an.
Jetzt macht mal einer, kassiert dafür Existenzangst – ist auch verkehrt. Tut mir leid, das ist mir zu mühsam.
@art
>> Offen gesagt , ich kenne mich mit Hörfunk nicht so aus
ich hatte mal einen ti 99/4A, der verlangte nach einem tv gerät als monitor und hat mir in der folge die tür in die wunderbare welt des wortradios geöffnet … ich denke mal, ich kenne mich damit ein wenig aus.
es ist mit dem WR so wie mit allem: es gibt solche und solche. nicht jeder ist ein paul assal, eine gaby weber, eine dorothea jung, eine regine igel oder eine martina schulte. die waren/sind sicher auch “nervensägen” und gehen ihrer redaktion auf den geist, aber … naja, wenn mal einer der genannten damen sang und klanglos verschwinden würden, würde ich wahrscheinlich laut zeter und mordio schreien.
wie gesagt: ich mag jens weinreichs arbeit. aber da es “nur” sport ist und ich den “skandal” nicht sehe, betrachte ich die sache nüchterner. ein mann hat einen teil seiner einkünfte verloren, das ist mir als selbstständigem auch schon passiert, ohne daß ich wütende blogposts verfasst und ein “berufsverbot” beklagt habe.
ansonsten: ich mag auch tv, bin eingeschworener “buffy” fan – aber ein tag ohne ein minimum von ca 2 stunden dlf, am besten noch eine gute dosis hr2 der tag (mit peter zudeick am besten) wäre ein verlorener tag.
einfach mal als “übung” eine woche lang von 18:00 bis 19:00 den dlf hören, danach kann man sich tagesthemen und heute-journal ersparen. den spiegel sowieso, der berichtet eh immer erst eine woche später über die dinge, die man als dlf hörer schon weiss.
[...] Jens Weinreich soll nicht mehr für Deutschlandradio arbeiten — CARTA – [...]
[...] Jens Weinreich soll nicht mehr für Deutschlandradio arbeiten [...]
@ hardy
“Übung” , schön gesagt , das hat in der Tat was mit Gewohnheiten zu tun, und ich kann nur zustimmen , Tagesthemen und heute-journal schreien nach niveauvollem Ersatz.
Mein Fazit:
Jens Weinreich blies die Backen auf, aber zu einem “Shitstorm” hat es nicht gereicht.
Für so dumm, in einer einen so verhältnismäßig kleinen Kreis betreffenden Angelegenheit einen Shitstorm zu intendieren, halte ich Jens Weinreich nicht. Es wäre aber schön, wenn hier gelegentlich in der Sache – gerne subjektiv – argumentiert würde.
@vera
>> wenn hier gelegentlich in der Sache – gerne subjektiv – argumentiert würde
was man als beobachter, der nicht “drin steckt” und aus der distanz beobachtet, zum thema sagen kann, wurde doch gesagt: es ist kein “skandal” sondern halt das leben mit all seinen unwägbarkeiten. über das, was “objektiv” passiert ist, kann man sich im grunde kein urteil bilden.
es macht auch keinen sinn, einen troll mit einem so abstrusem nom de guerre zu füttern, oder? der werte beschneider (mohel) hätte sich auch “gus kammer” nennen können, das wäre sicher noch “widdzischer” gewesen …
@40: Der Troll ist immer der andere, nicht wahr “hardy”? Ein Indiz für Trolltum ist in der Tat die Häufigkeit von Kommentaren zu einem Artikel. Wenn von 40 Kommentaren 8 vom Pseudonym “B.Schneider-Mohel” stammen, ist das so ein Hinweis. Zählt man allerdings nach, kommt “hardy” bisher auch auf 8 Kommentare (jeweils mit einem Link zu einem kommerziellen Projekt, in das er augenscheinlich involviert ist.
Trollen hier zwei, einer (aber welcher) oder keiner? Das ist genauso wenig objektiv zu klären wie die Angelegenheit Jens Weinreich und Deutschlandfunk.
jens,
zu blöd, ich heisse tatsächlich hardy (steht jedenfalls in meinem pass) und wenn du schlicht meine verlinkte seite auf http://www.tv3.de angeklickt hättest, wüsstest du, was ich tue.
und warum ich mich an dieser diskussion und nicht auch noch an 300 anderen beteilige, liegt in der natur der sache: ich bin mit der arbeit von jens und dem programm des dlf halbwegs vertraut ….
jetzt bin ich übrigens “erster” und habe einen kommentar mehr als der troll ;-)
und, um meinen status als trollkönig zu festigen, schiebe ich gleich noch einen link nach
http://www.newsroom.de/news/detail/738510
ich bemerke, nicht nur die (befreundete) autorin sondern auch meine lieblingsstimme im sportteil (herbert fischer solms) bricht eine lanze für jens weinreich.
Brilleeen, frische Brilleeen! Kauft Brillen! Brilleeen, frische Brilleeen!
Die Geschichte sei all jenen ins Stammbuch geschrieben, die glauben, öffentlich-rechtlich sei die Garantie für Pluralismus und investigativen Journalismus. Eher ist es das Verbot von Filesharing, als es diese teuren Anstalten sind.
Natürlich muss man im großen und ganzen der Politik gefügig sein. Zwar kassieren ÖR-Intendanten jetzt schon mehr Jahressalär als die Bundeskanzlerin, aber NOCH braucht man die Politik, die jene Gesetze beschließt und durchsetzt, die diese fetten Pfründe sichert.
ich will mal meine subjektive Sicht hier offenlegen, weshalb ich diese Causa für (milde gesprochen) bedenklich halte. Ich kenne dabei jw nicht persönlich und kann auch seinen “Charakter” nicht einschätzen. Auch wenn er ein “nicht einfacher” Mitmensch sein mag, so gibt es doch ein paar Dinge, die man ungeachtet der Person(en) beachten sollte.
Zunächst einmal ist es nat. das Recht eines Boss einen Mitarbeiter – wie jw’s Anwalt schrieb – aus betriebl. Gründen zu kündigen.
Was mir hier aber sauer aufstößt sind zwei Sachen: Erstens, finde ich hat der “Betroffene” das Recht über die Gründe informiert zu werden. Wenn aus irgendwelchen Gründen ein “Klärungsgespräch” vor der Kündigung stattfinden soll, muss der Betroffenen in meinen Augen vor dem Gespräch über die ihm zur Last gelegten Dinge informiert werden.. Ansonsten kann man sich das Gespräch im Prinzip sparen, da eine effektive “Verteidigung” kaum möglich ist. Wer irgendwann schon einmal mit Vorwürfen überrascht wurde, der wird diese Argumentation nachvollziehen können. Bei den Juristen ist das deshalb auch Usus, dass der Verteidiger nicht erst vor Gericht mit irgendwelchen Fakten konfrontiert werden darf, um eine effektive Verteidigungslinie aufbauen zu können.
Zweitens, haben wir es bei öffentlich-rechtlichen Vereinen grds. ähnlich wie mit privaten Aktiengesellschaften zu tun. Das mag jetzt zwar etwas krude klingen, aber die ÖR’s und die Politik sind vom Prinzip her nix anderes wie AG’s mit dem Gebühren-/Steuerzahler als Aktionär. Wie eine AG seinen Aktionären Rechenschaft schuldig ist, sollte das eine ÖR-AG auch. Dies gilt im ÖR-Rundfunk umso mehr, als dort immer wieder der nicht erlaubte poltische Einfluss gemutmaßt wird. Um also a) diesem Anschein aus Eigenzweck entgegenzuwirken und b) den Aktionären also dem Bürger Rechenschaft=Transparenz abzulegen sollte m.M. nach die Entlassung begründet werden – die Stellungnahme des DLF/DLR ist allenfalls heiße Luft, schlimmstenfalls (falsche bzw. unbegründete) Tatsachenbehauptungen.
Ich als Hörer = Gebührenzahler = “Aktionär” wüsste also schon gerne, was mit “meinem Geld” passiert. Schließlich hat die Entscheidung jw auch Auswirkungen auf das Programm, für das ich ja zahlen darf. Das halte ich nicht nur für fair, sondern für zwingend notwendig.
Etwas ähnliches – Achtung jetzt schweifts ein bissel ab – hatten wir ja bei unserer freiwilligen Flexi-Ministerin und unserem Terror-Fritz. Beide haben Spitzenbeamte in den vorzeitigen Ruhestand geschickt (ob gerechtfertigt oder nicht?), was lt. geltendem Recht ein Minister ohne Gründe darf. Allerdings bedeutet der vorzeitige Ruhestand ja für den Steuerzahler zusätzliche Kosten und warum diese entstehen, sollte er schon aufgeklärt werden.
Fazit: Egal was “für ein Mensch” jw ist, was für ein Journalist er ist, also unabhängig der Person, muss Transparenz über die Entscheidung her. Denn der ÖR ist keine private AG sondern eine “Bürger-AG”. Das vermisse ich bisher. Dem sehr ausführlichen Beitrag von jw sind lediglich zwei dünne Absätze ohne Inhalt entgegengehalten worden.
@vera
gerade in prüm eine gekauft. yep, einer meiner sätze macht ohne “auch” den eindruck, als hötte ich jens nicht vollständig gelesen. als old school kavallier überlasse ich dir aber gerne den status der troll-queen ;-)
@maik
das hier ist keine pfarrer niemöller situation (“erst haben sie den jens …”) und – auch wenn ich abschweifungen goutiere – dein verweis auf zwei inkompetente ministerdarsteller greift nicht, jens bekommt ja keine staatliche appanage, er ist einfach raus aus dem spiel. in deiner logik sparst du als aktionär jetzt lohnkosten …
wobei ich immer noch denke, in ein paar jahren wird er froh sein, sich nicht mehr mit der kleinkarierten astrid rumzoffen zu müssen.
mein problem mit der sache sieht so aus: ich will mich nicht “instrumentalisieren” lassen, auch nicht von jens. was zwischen ihm und astrid gelaufen ist, wissen wir nicht wirklich. wir haben seine klage und ein dürres, formelles statement des senders. wir haben zudem parteigänger und sympathisanten.
>> Ich als Hörer = Gebührenzahler = “Aktionär” wüsste
>> also schon gerne, was mit “meinem Geld” passiert
die einen verjubeln es für nutzlosen quatsch wie sportberichterstattung, daily soaps, quiz und sonstige shows – die anderen geben es für sinnvolle information aus. da ich die tv-ör’s weitgehend ignoriere (na gut, ich erstelle eine “kommerzielles” tv-programm, weiss also durchaus, was läuft) und mich eher für die information interessiere, weiss ich, daß dieser teil jedenfalls gut angelegt ist.
es ist nicht so, als ob ein virtueller goebbels per ordre de mufti festlegt, was gesendet werden darf und was nicht. im grunde herrscht innerhalb der wortradio-sender so etwas wie konkurrenz. und – natürlich, alles nur menschen – auch der übliche korrupte kleinkram. grit hartmann hat mich ja gerade in ihrem beitrag zur debatte darüber informiert, daß der mir verhassteste kommentator auf der payroll der bundeswehr steht. habe ich so schon immer vermutet, wenn er mal wieder seine “warum wir unbedingt krieg spielen müssen”-kommentare abgefeuert hat, aber so deutlich wusste ich es bislang nicht.
die niemöller-situation würde – das habe ich weiter oben ja schon gesagt – eintreten, wenn etwa gaby weber, regine igel, peter zudeick etc peu a peu verschwinden und durch stefan seibert clone ersetzt werden würden.
dem ist nicht so und ich stimme in keine “wehret den anfänge”-gesänge ein, weil eine kleinkarierte sport-ische ihren antipathieen freien lauf läßt, weil sie die macht dazu hat. weiß der teufel, was da konkret gelaufen ist, wir jedenfalls wissen es nicht.
eher rege ich mich darüber auf, daß jemand “berufsverbot” kreischt. wer das echte erlebt hat (habe ich als zeitzeuge), kichert darüber, wenn in zeiten freier meinungsäußerung jemand diesen begriff entwertet.
jetzt habe ich also zwei, über die ich den kopf schüttele, jens & astrid …
und denke halt, das alles hat mehr mit hormonen als mit politik oder verstand zu tun.
@hardy: Du verstehst mich nicht/willst mich nicht verstehen. “erst haben sie den jens…” ist mir hier relativ egal. Es geht mir darum, dass ich gerne wüsste, warum eine von mir bezahlte Person eine von mir bezahlte Person kündigt. Es muss ja einen Grund gegeben haben das “Arschloch” (ist bei uns (ich bin neigschmeckter) Schwaben kein Schimpfwort!) einzustellen, was ist nun der Grund ihn zu entlassen.
und die Lohnkosten stehen nur auf einer Seite der Medaille. Ein Sender/Firma kann nat. seine (gesamten) Lohnkosten sparen, was ist mit dem Output?
Das mit dem Berufsverbot finde ich auch sehr weit hergeholt (wobei man da nicht gleich die Goebbels-Schiene ausfahren muss). Aber nochmal: Darum geht es mir nicht! Es geht nicht um die Person jw. Es geht darum, wie mit dem Geld der Gebührenzahler / Steuerzahler umgegangen wird. Was Du in Deiner privaten Klitsche machst bleibt Dir überlassen. Da kannst Du einstellen und feuern wen Du willst, das ist mir herzlich egal. Du bist Deinen Geldgebern Rechenschaft pflichtig – eben genau wie der ÖR-Rundfunk.
@maik
mit meiner neuen brille hatte ich
“Allerdings bedeutet der vorzeitige Ruhestand ja für den Steuerzahler zusätzliche Kosten”
gelesen und das so verstanden, wie du es gemeint hast – und eben zuende gedacht ;-)
>> output
also, nach meiner nach ca 25 jahren hardcore konsum immer noch unmaßgeblichen meinung: hervorragend! ich kann den verlust eines sportjournalisten problemlos verkraften, von mir aus könnten sie die ganze sportredaktion einsparen, was sich nach zwei wochen geballtem irrsinn, der auch auch einige meiner lieblingsseiten (politblogger zb.) infizierte, nur noch verfestigt hat.
was die sache für mich noch ärgerlicher macht: hier wird über einen journalisten gestritten – und dabei aus den augen verloren, daß wir zwei wochen geballten schwachsinns hinter uns haben, in dem irgendwelche inkompetenten schwachmaten dumm und dusselig in dumpfen nationalismus gebadet haben.
ua. hier, http://www.zeit.de/kultur/film/2012-08/olympia-berichterstattung-sportjournalismus/komplettansicht – den rest kann man sich ja im “bildblog” holen.
_darüber_, lieber maik, verlange _ich_ rechenschaft. denkst du, ich würde die bekommen? ach was …
ich rege mich also nicht über einen einzelnen journalisten, der sich ungerecht behandelt fühlt, auf. keine der schlecker frauen hatte die aufmerksamkeit, die hier ein einzelner, der im grunde glänzende aussichten im medialen teich hat, für sich verlangt. du verstehst?
>> Was Du in Deiner privaten Klitsche machst bleibt Dir überlassen
maik, äh, ich schreibe als selbstständiger software. da ist niemand, den ich feuern könnte, es gibt nur kunden und wenn ich die nerve, feuern die mich auch. kapitalismus halt …
mein radio-hören in einem blog zu dokumentieren, das tv-programm – das sind sachen, die mache ich für jemanden, den ich vor ca 15 jahren in einer ganz frühen variante des spiegel-forums kennen lernte, da ist geld da weniger der entscheidende faktor, eher freundschaft.
heute nennt man das soziales netzwerk ;-)
@maik
kleines ps
nachdem ich das alles noch mal gelesen habe, verstehe ich die “metaebene” des dilemmas oder unseres mißverständnisses.
kennst du “wir waren helden”? nein nicht den film, _das_ da:
http://forum.chip.de/smalltalk/waren-helden-697574.html
es ist mir schon klar, daß heute jeder denkt, “transparenz” sei ein g*ttgegebenes recht und ungerechtigkeit als solche “i-bäh”. wenn man in den 60ern aufgewachsen ist schüttelt man natürlich den kopf über so viel naivität, für menschen, die eher kinder der 90er sind, ist man fassungslos über die ignoranz der “vorgeborenen”. daher rührt wohl unser miss-verstehen.
was hier mit jens passiert ist, ist “normal” auf einem planeten, der immer noch von affen regiert wird, auch wenn die jetzt mit computern rumspielen, das wort “transparenz” buchstabieren können und das gegenseitige entlausen durch den “like-button” ersetzt haben.
wir haben dafür gesorgt, daß man menschen, die eine andere frisur hatten, nicht mehr mit sätzen wie “so was wie euch hätte man früher vergast” über die strasse weg angröhlt und eine kleine gut funktionierende revolution angezettelt, die stattfand und offensichtlich perfekt funktioniert, ohne daß bis heute lang und breit darüber geredet wird, wie gut – ihr lebt ja mit dieser offenen gesellschaft
jetzt müsst ihr halt nur noch dafür sorgen, daß in zukunft keine unbequemen mitarbeiter mehr entlassen werden. ob ihr das via “transparenz” (wer hat’s erfunden? genau, die grünen in den 80ern …) oder liquid ecs … äh … democracy, ist mir wurschd.
hauptsache es funktioniert auch dann noch, wenn der große stecker gezogen wird.
Falls meine Brille noch was taugt, könnte man diesen Link nachtragen, in dem Frau Wentzien eine Rückkehr von Jens kategorisch ausschließt:
http://www.newsroom.de/news/detail/$HVEQKUKSGMHL/deutschlandfunk_trennung_von_jens_weinreich_endgltig
danke, wolfgang.
ich bemerke gerade, daß ich – als eingefleischter sportverächter – wohl jahrzehnte jens weinreich verpasst habe. das hatte mich schon beim fischer-solms beitrag irritiert.
schön, die sache auch mal aus der anderen perspektive sehen zu können und damit auch wieder festeren boden für meine zuneigung zum dlf und seiner arbeit zu bekommen. ich reagiere da immer sehr (zu?) heftig, wenn die übliche zynische kritik von leuten geäußert wird, die noch nie den sender gehört aber eine feste vorstellung zu haben scheinen, in der es “geheime obere”, “schwarze listen” und reaktionen gibt, die sich sofort bücken, wenn das telefon klingelt.
womit diese königshaus-nummer allerdings immer noch nicht so ganz geklärt wäre … aber immerhin klar ist, daß man beim dlf nicht mehr machen kann, was man will, weil mittlerweile alles bemerkt und kommentiert werden kann.
[...] dazu auch die Beiträge von Ulrich Horn und Vera Bunse In einem Anfall von Medienüberdruss hat die Mehrheit des sportpolitischen Ausschusses des [...]
Es wäre mal ein Investigativ-Job, herauszufinden, wer dieser Troll ist, der unter dem pubertär-geschmacklosen Pseudonym Beschneider-Mochel schreibt. Sicherlich ist das nicht irgendein Kleinbürger. Wenn man irgendwo eine Kommentarspalte zum Thema Weinreich/DLF anschaut, war er schon da. Entweder hat er mit JW schon zu tun gehabt oder mit dem DLF (oder beiden). Als Online-Spindoctor ist er allerdings offenkundig Amateur.
@ JW:
So ganz nehme ich Ihnen nicht ab, dass Sie nicht erwartet haben, dass der quasi-staatliche PR-Sender der Parteienrepublik Deutschland AG & Co. KG MdB-kritischen Journalismus nur wohldosiert als Feigenblatt im Programm zulässt. Sie sind ja nicht als naiv bekannt. Mich würde es weniger wundern, wenn Sie es sogar darauf angelegt hätten, dass bestimmte Leute endlich ihr wahres Gesicht zeigen.
Nur: Mussten Sie die Angelegenheit unbedingt selbst öffentlich machen? Gab es keinen Kollegen, der das mit einem Quentchen mehr Distanz hätte tun können? Mag ja sein, dass Sie ein Über-Bande-Spielen als intrigant empfunden hätten und es deshalb nicht tun wollten. Dennoch: In eigener Sache so auf den Putz zu hauen, ist kontraproduktiv. Es fehlt schlicht die journalistische Distanz.
Sie machen es der Gegenseite zu leicht, den Eindruck zu erwecken, Sie hätten einen kräftigen Anteil an der Eskalation gehabt. Man kann Sie jetzt gut als einen bisweilen maßlosen Polterkopf erscheinen lassen. Auch mich hat das Wort “Berufsverbot” irritiert. Hätte “Maulkorb” nicht gereicht?
Schade. Die Hörer müssen auf Sie verzichten und Sie auf Honorar. Davon profitieren ausgerechnet: die kungelnden Sportpolitiker.
@Ulf
Ja.
[...] Link-Liste zum Thema finden Sie unter dem Beitrag von Vera Bunse. Carta: Herr Seppelt, Sie sind seit 1985 Sportreporter für die ARD und haben sich durch [...]
@ulf
ad a. schon die bizarr degoutante namenssegel, unter dem der “herr” kreuzte, verbietet eigentlich, daß man ihm antwortet. das bißchen fuzzy-logic, um sich einen reim d’rauf zu machen, sollte eigentlich reichen. aber nein, ihm jetzt die ehre zu machen, den kämmerling zu geben, wäre zu viel aufwand für einen troll.
ad b. präzise und schön gesagt. so ist es.
@57: Niemand muss mir antworten. Wer es aber tut, hat kein Recht, mich zu beleidigen. “Troll” ist im Internet eine Beleidigung ähnlicher Güte wie “Arschloch” im wirklichen Leben. Beleidigungen sind strafbar gem. § 185 StGB.
Freie Meinungsäußerung ist dank Bundesverfassungsgericht auch unter Pseudonym geschützt. Das “Outing” eines Pseudonyms verstößt gegen das Persönlichkeitsrecht und kann zu hohen Schadensersatzforderungen führen.
Deshalb hüte ich mich, die wahre Identität des lustigen Pseudonyms “Ulf J. Froitzheim” zu lüften. Meine erste Vermutung “J.” stehe für “Juchtenkäfer” hat sich allerdings als falsch erwiesen.
Was aber auch immer irgendein Gericht sagt, hier herrscht Hausrecht. Ich bitte daher, sich an den Kommentarkodex zu halten. Alle weiteren Kommentare ad personam werden gelöscht.
@59
Regel 1: “Der Kommentierende gibt seinen Klarnamen (mindestens Vornamen) und eine zutreffende E-Mail-Adresse an.”
Ich bin natürlich heilfroh, dass ich mit zweitem Vornamen Jochen heiße und nicht “Juchtenkäfer”. Gleichwohl käme ich nicht im Traum darauf, jemanden nach §185 oder sonstwas zu verklagen, nur weil er mich “Juchtenkäfer” nennt. Der Name ist zwar nicht schön, aber ich wurde schon schlimmer gehänselt. Außerdem sind das doch ganz possierliche Tierchen. ;-)
Außerdem kann ich bestätigen, dass ich tatsächlich ich bin, dass mein Name kein Pseudonym ist und dass mir der spezielle Umgangston des Herrn Schneider leider bestens vertraut ist – von einem Herrn, der definitiv weder Bernd noch Schneider heißt, dessen Fantasie beim Ausdenken falscher Namen aber ähnlich legendär ist wie seine Affinität zur Juristerei. Wäre erstaunlich, wenn es zwei von der Sorte gäbe.
vera,
meinen ersten troll konnte ich ja im sommer 1984 noch so lange ans herz drücken, bis er von alleine verstand, warum die anwesenden einen auftritt a la “in frankfurt wird schon wieder eine synagoge gebaut. natürlich von unseren steuergeldern. wo es doch hier kaum noch juden gibt” schlicht als “unanständig” empfanden.
da den trollen heute ja dieses quäntchen anstand abgeht, dürfte das wohl nicht mehr funktionieren. naja, damals waren ja auch noch klarnamen üblich, heute denken sie sich kompliziert-widdzische pseudo-nyme aus und spekulieren darauf, daß nur die pi-kumpels den “witz” verstehen. dummheit stirbt halt nie aus.
zum thema “hausrecht” habe ich mich üübrigens mal ziemlich wütend geäußert
http://hinterwaldwelt.blogspot.de/2011/07/zensur-zensur-zensur.html
aber – auf mich hört ja keiner .
Nee, ich hab keine Lust (und keine Zeit), das hier zu diskutieren.
@60: Ging es hier nicht um Jens Weinreich und sein berufliches Verhältnis zum Deutschlandfunk? Da kann ich das Interview empfehlen, das Wolfgang Michal mit dem ARD-Sportexperte Hajo Seppelt führte, hier auf Carta.
[...] Jens Weinreich soll nicht mehr für Deutschlandradio arbeiten, carta, 10.08.2012 * Über den Versuch, den Fall Weinreich auf Verhaltensmängel zu reduzieren, [...]