Michalis Pantelouris | 23 Kommentar(e)
Über das Gutachten einer Gruppe von 17 prominenten internationalen Ökonomen wurde von dpa nicht berichtet – es wurde stattdessen “interpretiert”. Weshalb tut die renommierte Nachrichtenagentur so etwas?
30.07.2012 |
Es ist nicht, was ich im Innern bin, was mich definiert – sondern das, was ich tue.
Batman
Die Deutsche Presse-Agentur dpa ist eine Art offizielle Institution in der Art, wie auch die Tagesschau eine Institution ist: an Glaubwürdigkeit gemeinhin nicht zu überbieten. Sie ist so etwas wie die Sparkasse unter den Produzenten journalistischer Inhalte: wenig funky – man erwartet dort keine Texte mit literarischem Anspruch –, aber grundsolide in der Recherche und genau in der Umsetzung. Die dpa ist die Art Agentur, auf deren Informationen sich deutsche Diplomaten im Ausland verlassen. Offenbar ist das keine so gute Idee, wie ich bisher gedacht hätte. Denn die dpa macht nicht nur Fehler (wie jeder andere auch), sie macht Fehler an politisch entscheidenden Stellen: da, wo sie der offiziellen politischen Propaganda gut in den Kram passen.
In der vergangenen Woche berichtete die dpa über das Gutachten einer Gruppe von 17 prominenten internationalen Ökonomen (darunter aktuelle und ehemalige deutsche „Wirtschaftsweise“), die vor den extremen Gefahren der aktuellen Euro-Krise in starken Worten warnten und Lösungsvorschläge präsentierten. Tatsächlich übernahmen praktisch alle Medien den dpa-Bericht (zum Beispiel sowohl bild.de als auch faz.net, was als Kombination ohnehin schon verstörend ist). Zunächst las offenbar kein Journalist außerhalb der dpa den Bericht dieser „Euro Task Force“ des Institute for New Economic Thinking (INET) tatsächlich durch, was einigermaßen fatal ist, denn der dpa-Bericht enthielt einen Fehler an einer entscheidenden Stelle:
Eine langfristige Transferunion lehnen sie […] ebenso ab wie Eurobonds.
Dieser Satz ist selbst für einen Amateur wie mich hier überraschend, wenn man sich auch nur eine Sekunde lang mit der Zusammensetzung der Gruppe beschäftigt. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger ist ein Mitglied, der schon lange vertritt, dass Eurobonds notwendig sind. Patrick Artus sitzt der Kommission vor, der seit Monaten, wenn nicht Jahren, erklärt, eine Transferunion sei völlig unausweichlich und eine gemeinsame Haftung durch das Target-System längst Realität. Und wenn man den Text dann liest, stellt man fest, dass das Gegenteil dessen, was dpa behauptet, darin steht: Eine kurzfristige Vergemeinschaftung der Schulden wird als schnelle Maßnahme ausdrücklich gefordert, auch Werkzeuge, die man durchaus als Eurobonds bezeichnen könnte, einzig die langfristige Einführung solcher Bonds halten in der Gruppe offenbar nicht alle für zwingend, deshalb hat man sich auf die Formulierung geeinigt, Eurobands seien „nicht notwendig“. Ablehnung ist etwas völlig anderes.
Das ist ein schwerer Fehler. Stefan Niggemeier hat ihn für den Bildblog nachrecherchiert und dokumentiert; die dpa erklärt, er basiere auf ihrer „Interpretation“ des Textes – was bizarr ist. Der Text ist eindeutig (und Peter Bofinger hat ihn dem Bildblog noch einmal bestätigt). Interessant ist, dass erstens die FAZ den Fehler am nächsten Tag in einem von einem Wirtschaftsredakteur gezeichneten Artikel wiederholt – und dann auch noch die Bundesregierung in ihrer Reaktion auf die Forderungen der Euro-Task-Force anmerkt, wenigstens sei man sich bei den Eurobonds einig. Die Fehler der dpa pflanzen sich fort, und zwar in einer Weise, die nicht einfach der Bundesregierung nützt, sondern auch ihre längst von den Realitäten entkoppelte Ideologie unterstützt. Und damit kommen wir endlich zurück zu Batman. Zumindest gleich.
Die Frage ist: Kann es sein, dass hier ein dpa-Mitarbeiter einfach nur einen Fehler gemacht hat? Das ist schwer vorstellbar. Dafür ist der Text der Task Force zu eindeutig, dafür sind auch die Positionen zumindest einiger ihrer Mitglieder zu bekannt. Und dpa selbst nennt ihre Berichterstattung eine „Interpretation“ – warum auch immer die Information, jemand halte etwas für „nicht notwendig“, interpretiert werden müsste. Es wirkt natürlich schräg, dass ein Wirtschaftsredakteur der FAZ noch einen Artikel über die Empfehlungen der Task Force schreibt, ohne ihn zu lesen, aber ich habe ja schon beschrieben, welche Glaubwürdigkeit dpa-Meldungen normalerweise haben. Natürlich muss gerade einem Wirtschaftsredakteur auffallen, was da passiert, aber das Versagen ist zumindest mit Faulheit oder Zeitmangel erklärbar. Und dass unsere Bundesregierung Stellung nimmt zu Texten, die sie nicht gelesen hat, ist … vielleicht Absicht? Immerhin sieht sich die Bundesregierung so in einem Kernstück ihrer Wirtschaftspolitik bestätigt, das sich ansonsten ausschließlich auf Ideologie gründet.
An welche Mittel Menschen wirklich glauben, sieht man daran, worauf sie setzen, wenn es für sie eng wird. Das ist so beim ewigen Kampf zwischen Schulmedizin und Homöopathie, aber eben auch bei pro- oder antizyklischer Wirtschaftspolitik. Die deutsche Bundesregierung hat (in der großen Koalition) unter Merkel eindeutig antizyklisch auf die Wirtschaftskrise reagiert (z.B. mit zwei Konjunkturpaketen, Kurzarbeitergeld und der Abwrackprämie), also „auf Pump“ die Nachfrage belebt. Das hat gut funktioniert. Jetzt verlangt sie im Brustton der Überzeugung von allen anderen in Europa das Gegenteil, nämlich im Abschwung zu sparen.
Das hat, für jeden offensichtlich, nicht funktioniert. Nirgendwo. Es treibt ganze Völker ins Elend. Es gibt keinen aufgrund von Zahlen und Fakten argumentierbaren Grund mehr, an diesem Weg festzuhalten – aber eben eine nicht auf Tatsachen basierende Überzeugung, eine Ideologie. Sie wird gern mit intuitiv verständlichen Phrasen erklärt, wie „Schulden kann man nicht mit Schulden bekämpfen“ und „wenn der Staat Schulden macht ist das unsozial, weil es die Probleme der Gegenwart auf zukünftige Generation abwälzt“. Beides ist Blödsinn, aber es klingt vernünftig, wenn man fälschlicherweise versucht, die Erfahrungen eines Privathaushaltes mit denen eines Staatshaushaltes zu vergleichen (was Wähler offenbar oft genug tun). Die prozyklische Wirtschaftspolitik, verbunden mit der neoliberalen Ideologie des „schlanken“ Staates, nützt vor allem denen, die den Staat nicht brauchen, weil sie sich besseres leisten können. Auftritt FDP.
Im Zuge der Neoliberalisierung der deutschen Politik ist es den daran interessierten Kreisen in beeindruckender Art und Weise gelungen, falsche Vorstellungen zu vermeintlichem Allgemeinwissen werden zu lassen. Dazu gehört nicht zuletzt, dass Eurobonds schlecht für Deutschland wären, weil sie Deutschland überfordern würden. Die Wahrheit ist genau anders: Ein Zusammenbrechen des Euroraumes würde Deutschland überfordern, wie es durch das momentane System mit nationalstaatlichen Anleihen sehr viel wahrscheinlicher ist, weil einzelne Staaten mörderische Zinsen zahlen müssen und so zahlungsunfähig werden könnten. Die einzigen, denen das momentane System nützt, sind diejenigen, die die hohen Zinsen erhalten: Banken und diejenigen, denen sie gehören (und denen seit Jahren von den Steuerzahlern regelmäßig der Arsch gerettet wird).
All das den Wählern zu erklären, nimmt sich selbst bei SPD und Grünen schon gar kein Politiker mehr vor. Auch dort haben sie vor der vermeintlichen Dummheit der Wähler kapituliert. Anstatt mit echten Informationen um Vertrauen zu werben, anstatt mit echten Lösungen den Euroraum wieder in die starke Stellung zu bringen, die ihm zusteht (ein Euroraum mit gemeinschaftlichen Schulden hätte nach Aussage der Ratingagenturen selbstverständlich ein AAA-Rating und keinerlei Probleme, seine Schulden zu finanzieren, die dann überschaubare 87 Prozent des BIP ausmachen würden). Stattdessen wird argumentativ in einem virtuellen Raum agiert, in dem die Logik der viel zitierten „schwäbischen Hausfrau“ zu Naturgesetzen mutiert ist. Selbst die dpa „interpretiert“ Informationen dabei so, dass sie passen. Die Euro-Krise ist eine Art Ego-Shooter für Politiker geworden, eine eigene Realität. In der echten Realität verdienen derweil Banken weiter Geld mit Geschäften, deren Risiko der Steuerzahler trägt.
Die Frage ist: Ist das Absicht? Auf Seiten der Bundesregierung ganz sicher. Es ist nicht so, dass sie keine soziale Ader hätte: Sie dient immerhin als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für eine Reihe von Menschen, die ansonsten schwer vermittelbar wären. Philipp Rösler ist ja nicht einfach nur nicht ministrabel, um von Dirk Niebel und Rainer Brüderle mal gar nicht erst anzufangen. Das Beste, was man über Guido Westerwelle sagen kann ist, dass man wenig von ihm hört. Ironischerweise ist es diese FDP, die in der möglicherweise letzten Legislaturperiode ihres Bestehens den Schwenk von der antizyklischen, handelnden Bundesregierung in der Großen Koalition zur paralysierten, aber mit dem Mund prozyklischen Traumkoalition begründet hat. Es ist jene Fraktion, der die Bundeskanzlerin in einem besonders bizarren Moment versprochen hat, es gäbe keine gemeinsamen europäischen Anleihen, „so lange sie (Angela Merkel) lebe“. Da wäre es ein Geschenk, wenn tatsächlich eine derart prominent besetzte Riege wie die der INET ihren Kurs unterstützen würde, der so offensichtlich bisher nicht greift. Da ist es sogar verständlich, wenn sich die Bundesregierung in ihrer Antwort eher auf die erkennbar falsche dpa-Berichterstattung stützt, als auf den Text selbst. Es bleibt unethisch, aber verständlich ist es schon. Bleibt die Frage, warum dpa „interpretiert“ anstatt einfach zu berichten.
Es will mir kein einfacher Grund einfallen. Auch bei mehrmaligem Lesen ist es unmöglich, den Originaltext der INET-Task Force falsch zu verstehen – ganz besonders für jemanden, der das, anders als ich, hauptberuflich macht und wahrscheinlich noch viel mehr mit den Positionen der Unterzeichner vertraut ist. Man muss ihn schon unbedingt falsch verstehen wollen. Und dafür fallen mir wiederum nur zwei mögliche Gründe ein: Entweder man ist so gehirngewaschen, dass man widersprechende Positionen nicht mehr bemerkt – was für einen Journalisten hieße, er wäre berufsunfähig. Oder man will jemandem einen Gefallen tun. Dann gilt das mit der Berufsunfähigkeit umso mehr.
Ich weiß, das sind viele Buchstaben für ein vermeintlich kleines Beispiel. Aber es ist nicht klein. Es zeigt, wie Europa von Regierungen an die Wand gefahren wird, die ihre falschen Vorstellungen von der Welt mit falschen „Fakten“ untermauern, assistiert von unfähigen oder willfährigen Journalisten, und die sich mit ihren Erklärungen inzwischen so weit von der Realität entfernt haben, dass sie in einer virtuellen Welt agieren müssen, damit ihr Handeln noch irgendeinen Sinn ergibt.
Man ist, sagt Batman, was man tut. Die Vorgängerregierung hatte unter derselben Kanzlerin für Deutschland einen vernünftigen Weg gefunden. Seitdem redet sie aber (in einer anderen Koalition) überzeugt vom Gegenteil, selbst wenn sie dabei wie in diesem Beispiel die Wahrheit um 180 Grad drehen muss – und tut ansonsten am liebsten gar nichts.
In dieser Euro-Krise ist unfassbar viel falsch berichtet worden. Immer wieder argumentieren selbst Minister oder die Bundeskanzlerin öffentlich mit falschen Zahlen – um nicht zu sagen: auf der Grundlage von Vorurteilen. Und suchen Schuldige, wenn sich die Realität nicht ihren Vorurteilen fügt.
Wo ist dieser Batman, wenn man ihn mal braucht?
Crosspost von Michalis Pantelouris





[...] Michalis Pantelouris auf Carta über eine falsche Interpretation eines Gutachtens durch die dpa: Interessant ist, dass erstens die FAZ den Fehler am nächsten Tag in einem von einem Wirtschaftsredakteur gezeichneten Artikel wiederholt – und dann auch noch die Bundesregierung in ihrer Reaktion auf die Forderungen der Euro-Task-Force anmerkt, wenigstens sei man sich bei den Eurobonds einig. Die Fehler der dpa pflanzen sich fort, und zwar in einer Weise, die nicht einfach der Bundesregierung nützt, sondern auch ihre längst von den Realitäten entkoppelte Ideologie unterstützt. [...]
Es vergeht keinTag, an dem sich nicht eine kleine oder größere Schar von mehr oder weniger wichtigen Wirtschaftswissenschaftlern zur Euro-Krise äußert, was wiederum zu Anmerkungen von anderen Wirtschaftswissenschaftlern, Politikern oder Journalisten führt.
Insofern ist es Jacke wie Hose, ob die 17 sich äußernden Wirtschaftswissenschaftler ganz, teilweise oder gar nicht für sogenannte Eurobonds sind oder ob sie dagegen sind.
Herr Niggemeier weist zutreffend auf den Widerspruch in der Zusammenfassung des sogenannten Gutachtens durch die DPA hin.
Wenn Herr Pantelouris das mit seinen Verschwörungstheorien anreichert, ist das im Rahmen der Meinungs- und Schwurbelfreiheit zu akzeptieren.
“Die deutsche Bundesregierung hat (in der großen Koalition) unter Merkel eindeutig antizyklisch auf die Wirtschaftskrise reagiert (z.B. mit zwei Konjunkturpaketen, Kurzarbeitergeld und der Abwrackprämie), also „auf Pump“ die Nachfrage belebt. Das hat gut funktioniert. Jetzt verlangt sie im Brustton der Überzeugung von allen anderen in Europa das Gegenteil, nämlich im Abschwung zu sparen.”
Treffer , versenkt.
Das ist nicht nur dumm , sondern auch ekelhaft , primitiver kleinbürgerlicher Egoismus , der uns aber noch auf die Füße fallen wird.
Merkel ist hier so gar nicht die Ziehtochter Kohls , wie man zu Kohl auch immer gestanden haben mag , für eine solche Europa-Politik hätte er sich in Grund und Boden geschämt.
Über die dpa würde ich mich nicht wundern , es ist seit langen Jahren erkennbar , daß es drastische Einflußnahmen gibt aus interessierten Wirtschaftskreisen auf den gesamten Journalismus .
Welche Methoden dabei angewandt werden , ist gar nicht so wesentlich , die häufigste dürfte die der indirekten Bestechung sein , einen erheblichen Teil der Schreiber muß man bekanntlich nicht mal bestechen , sondern nur einladen.
Könnte mir gut vorstellen , daß da so manches ans Licht kommen wird, wer wen auf welchem verschwurbeltem Weg in den Allerwertesten gekrochen ist…
Ich stime dem ersten Kommentator voll und ganz zu. Wenn interessiert es noch es gib täglich “Expertenmeinungen, Gutachten, etc.” und Ich habe nicht das Gefühl das sich viele Menschen noch dafür interessieren. Erstens sind die Themen hochkomplx (selbst unsere Politiker tuen nur das was die Berater denen sagen) so das kaum ein normaler Leser damit etwas anfangen könnte. Ich lese zwar regelmässig darüber aber den meisten Mitmenschen denen Ich begegne sind sehr pesimistisch eingestellt und wünschten sich eine klare Linie der Politik und auf keinen Fall das man immer mehr in diese “EU reingezogen wird”.
Hoffentlich tut sich bald etwas, aber wie es aussieht wird uns das Thema noch eine ganze Weile verfolgen.
[news engineering] Willkommener Beitrag zum Thema, zum besseren Verständnis der Mechanismen und zwar ausgehend von einem sehr wichtigen Beispiel. Die DPA ist sicherlich eine Top-Nachrichtenagentur, aber auch da können Pannen vorkommen. So müssen diese auch durchleuchtet und diskutiert werden. Aber nicht alle haben Zugang zum DPA-Material, siehe z.B. [[www_dpa.de/FAQ.57.0.html]] (Auszug): «Warum finde ich auf der dpa-Website keine aktuellen Nachrichten? Die Deutsche Presse-Agentur GmbH ist ein Nachrichten-Großhändler und veröffentlicht daher keine Nachrichten auf der eigenen Website. Stattdessen finden Sie umfangreiches dpa-Material im Internet bei unseren Kunden.»
Ein Wiki-Zitat: «stand mehrfach in der öffentlichen Kritik wegen Verbreitens ungeprüfter Falschmeldungen,»
[[de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Presse-Agentur]]
Nach DPA-Quellen hat es manche Berichte zu einem anläßlich der Geburtstagsparade der Queen am 16.06.2012 getragenen herzoglichen Hut gegeben, das habe ich (Paul Ney) in meinem Posting “augenscheinlich die Sicht versperrt” in der deutschen Usenet-Newsgroup [de.etc.sprache.deutsch] am 17.06.2012 07:03 konstruktiv-kritisch thematisiert. Der anschließende Thread ist auch über Google-Groups einsehbar:
[[groups.google.de/group/de.etc.sprache.deutsch/]]
(nicht-klickbare Links in [[+]]-Klammern)
Die – angeblich – mangelnde Glaubwürdigkeit der dpa mit einem Wiki-Zitat belegen zu wollen, dürfte dann hoffentlich die unterste Niveau-Stufe dieses Kommentarstranges darstellen.
Wer denkt sich neuerdings eigentlich die Überschriften bei Carta aus? In der Ballung ist das ein wenig Renitenz in Überdosis. “Alle doof außer uns”.
@André
Nein, auch wenn du da einen bestimmten Verdacht haben solltest, es sind immer noch die Autoren. ,)
Schade eigentlich… aber nach dem Zitat von einem “Batman” war für mich Schluß.
Es ist wirklich faszinierend zu beobachten, dass ausgerechnet jene, die Journalismus in erster Linie als selbstgefälliges und selbstgerechtes Dozieren betreiben, die großspurige Pauschalurteile an die Stelle von Recherche setzen, die kaum Fakten verbreiten, aber sich dafür umso leidenschaftlicher in Verschwörungstheorien suhlen, so groß darin sind, anderen Medienleuten bei tatsächlichen oder vermeintlichen Fehlern umgehend Meinungsmache, Verschwörung, Faktenferne und mangelnde Recherche vorzuwerfen.
Und selbst ein Jens Weinreich, der sich anders als Michalis Pantelouris (der Meinungsstärke auch noch damit verwechselt, einfach alles und jeden “bizarr” zu finden: http://bit.ly/PiYZdE) schon viele Rechercheverdienste erworben hat, scheint inzwischen in seinem absolut ehrenwerten Kampf gegen Korruption, Doping und Manipulation im Sport verschroben genug geworden zu sein, um Kollegen pauschal den Respekt zu verweigern und in die Eier zu treten, wenn sie seinem monothematischen Ansatz nicht mit der gleichen Tiefe und Radikalität folgen.
Weinreich wie Pantelouris unterscheidet da nicht mehr allzu viel von all den radikalen Tierschützern, radikalen Eurogegnern, radikalen Christen, radikalen Windkraftgegnern, radikalen Fußballfans, radikalen Väterbewegten usw.usf,., die sofort Obstruktion, Verschwörung, Verrat wittern, wenn Journalisten ausgerechnet in ihren geliebten Themengebieten Fehler machen oder zumindest nicht die gewünschte Hingabe zeigen.
Und dann wundern sich manche, warum viele Blogs Parallelwelten bleiben, in denen Verschrobene – oft unter Missachtung aller Kommaregeln – die große Weltverschwörung abfeiern und sich gegenseitig ihrer moralischen Überlegenheit versichern.
@ Markus: Ach gott, ach Gott – solch schweres Geschütz, bloß um ein Omelette zuzubereiten. Wie wäre es denn mal mit den ‘Parallelwelten’ einer Andrea Seibel, eines Helmuth Markwort oder eines Jan Fleischhauer …?
Nebenbei: Kommafehler gab’s bei dir auch gleich drei.
@Klaus Jarchow
Das “schwere Geschütz” ist also nicht die Verschwörungstheorie, sondern die Kritik an der Verschwörungstheorie? Interessant.
Und gespannt bin ich auf den Nachweis der 3 Kommafehler :-) (selbst wenn man den Vertipper bei “usw.usf,.,” dazurechnet)
Nein, nein – aber die Kritik an der Verschwörungstheorie kann aber dort selbst eine werden, wo jemand überall nur noch Verschwörungstheoretiker am Werke wähnt – “radikale Tierschützer, radikale Eurogegner, radikale Christen, radikale Windkraftgegner, radikale Fußballfans, radikale Väterbewegte.”
Das sind Ihre eigenen Worte – sie scheinen mir also auch an eine Weltverschwörung der vereinigten Radikalinskijs zu glauben, nehme ich Ihren ebenso ausufernden wie monotonen Adjektivgebrauch mal zum Maßstab. Ich weiß nicht, ob es Ihnen schon mal jemand gesagt hat, aber Radikalität ist noch kein Tatbestand.
Und – na gut, bitte den Unterstreichungen folgen: “Und selbst ein Jens Weinreich, der sich___anders als Michalis Pantelouris____ (der Meinungsstärke auch noch damit verwechselt, einfach alles und jeden “bizarr” zu finden: http://bit.ly/PiYZdE)___ schon viele Rechercheverdienste erworben hat, scheint …” Im letzten Fall kann man darüber streiten, ob nun die Klammer oder das fehlende Komma irritierender ist, ganz abgesehen von dem arg verknoteten Satzbau. Ich habe jedenfalls schlicht aufgehört zu zählen …
Nein, ich wähne keineswegs überall Verschwörungstheoretiker am Werk, ich erkenne nur die gleiche Handschrift. Und da unterscheidet sich ein Michalis Pantelouris nur wenig z.B. von väterbewegten Leserbriefschreibern, die die Redaktionen mit allerlei Irrsinn bombadieren.
Und zumindest interessant ist, dass ein solcher Autor blindlings, unrecherchiert und damit völlig unjournalistisch irgendwelche Behauptungen aufstellt (z.B., dass “ein Wirtschaftsredakteur der FAZ noch einen Artikel über die Empfehlungen der Task Force schreibt, ohne ihn zu lesen”) und gleichzeitig andere Journalisten Berufsunfähigkeit unterstellt.
Für Sie mögen das normale Reaktionen sein, ich werde mich dagegen nie an pauschalen Mist wie z.B. diesen hier gewöhnen
“Entweder man ist so gehirngewaschen, dass man widersprechende Positionen nicht mehr bemerkt – was für einen Journalisten hieße, er wäre berufsunfähig. Oder man will jemandem einen Gefallen tun. Dann gilt das mit der Berufsunfähigkeit umso mehr.”
Es tut mir leid, dass meine Schachtelsätze Sie überfordern. Aber die von Ihnen bemängelten Kommafehler sind allesamt keine. Es sind jeweils Kann-Kommas, aber keine Muss-Komma
..s. (hier bitte das fehlende -s und den fehlenden Punkt für oben rausnehmen :->)
Sorry, lieber Klaus Jarchow, lese jetzt erstmals überhaupt etwas von Ihnen und frage mich angesichts solcher Passagen….:
“Prompt faucht meine Logik wie eine Katze, die gebadet werden soll, weil in ihrer schlichten Welt die Kollektive eher für ‘Gleichmacherei’ zuständig sind, so wie dies unter gleichgeschalteten Taliban im schönen Afghanistan noch heute der Fall ist, so, wie einst auch beim Onkel Adolf in der Hitlerjugend, diesem Hort der ‘kollektiven Vielfalt’.”
…, woher bloß Ihre Abneigung gegen Schachtelsätze kommt. Aber: Die Kommas sitzen alle an der richtigen Stelle, Respekt. Das zumindest unterscheidet Sie von den Verschrobenen. Und auch das Bild von der Katze Adolf, die in ihrer Hitlerjugend von schönen afghanischen Taliban kollektiv zu heiß gebadet wurde und die deshalb prompt faucht – was ebenso schlich wie logisch ist, ist echt gelungen!
Ich finde den Artikel gut, habe das Original nicht gelesen und verlasse mich – d.h. ich muß mich verlassen – an das, was die online Zeitungen schreiben.
Selbst wenn der “Fehler” keiner gewesen wäre, hätte ich mich nur gewundert, dass da jemand seine Meinung geändert hat – dieses aber auch in meinem Artikel kurz angesprochen, wenn ich einen hätte schreiben müssen.
Da der Fehler echt war, muss man gar kein Theoretiker von Verschwörungen sein, sondern einfach nur seinen gesunden Menschenverstand walten lassen. Dieser Fehler geschah mit Absicht. Oder hat dpa sich am nächsten Tag, nach dem Auffallen des Fehlers offiziell entschuldigt und den richtigen Text geschrieben ? Nein. Und daran können wir alle sehen – das war reine Manipulation, Verdrehung von Tatsachen zu gunsten der Bundesregierung und Merkel..
Der Rest ist mir egal. Ob Merkel mit der SPD eine antizyklische Politik gemacht hat oder nicht kann man gut benutzen, um sie zu widerlegen, was aber auch im Hier und Jetzt keine Veränderung einleiten würde.
Die ganze Regierung muss weg, das ist es.
Journalisten sind auch nur Menschen – da sie aber Meinung schreiben – haben sie viel Macht und stehen laufend in Gefahr, diese zu missbrauchen und wie LehrerInnen beinah, alles besser zu wissen. In GR mag die Welt untergehen – Neoliberale halten das noch für eine heilsame und notwendige Kur, damit sich alle an Armut gewöhnen.
@ Markus: Sie wervechseln da einiges, nicht nur bewusst: Ein ‘langer Satz’ ist noch kein ‘Schachtelsatz’. Man muss es eben können …
„Stahlblau und leicht, bewegt von einem leisen, kaum merklichen Gegenwind, waren die Wellen des Adriatischen Meeres dem kaiserlichen Geschwader entgegengeströmt, als dieses, die mählich anrückenden Flachhügel der kalabrischen Küste zur Linken, dem Hafen Brundisium zusteuerte, und jetzt da die sonnige, dennoch so todesahnende Einsamkeit der See sich ins friedvoll Freudige menschlicher Tätigkeit wandelte, da die Fluten, sanft überglänzt von der Nähe menschlichen Seins und Hausens, sich mit vielerlei Schiffen bevölkerten, mit solchen, die aus ihm ausgelaufen waren, jetzt, da die braunsegeligen Fischerboote bereits überall die kleinen Schutzmolen all der vielen Dörfer und Ansiedlungen längs der weißbespülten Ufer verließen, um zum abendlichen Fang auszuziehen, da war das Wasser beinahe spiegelglatt geworden; perlmuttern war darüber die Muschel des Himmels geöffnet, es wurde Abend, man roch das Holzfeuer der Herdstätten, sooft die Töne des Lebens, ein Hämmern oder ein Ruf von dort hergeweht oder herangetragen wurde.“ (Hermann Broch: Tod des Vergil)
„Von kurz nach zwei Uhr an bis fast zum Sonnenuntergang des langen regungslos heißen todmatten Septembernachmittags saßen sie in dem, was Miss Coldfield immer noch das Büro nannte, weil ihr Vater es so genannt hatte – ein düster stickig heißes Zimmer, dessen Fensterläden seit dreiundvierzig Sommern fest geschlossen waren, weil irgend jemand, als sie ein junges Mädchen war, geglaubt hatte, dass Licht und Zugluft Hitze hereinbrächten und Dunkelheit immer kühler wäre, und in das nun (da die Sonnenstrahlen voller und voller diese Hauswand trafen) gitterartige Lichtstreifen gelbleuchtenden Staubs fielen, die Quentin so erschienen als hätte ein Wind Atome der uralten trocken abblätternden Farbe der Läden hereingeblasen” (William Faulkner: Absalom, Absalom! – erster Satz).
“Schneebälle haben ihre Bahn gezogen, die Wände von Nebengebäuden ebenso wie Vettern und Basen besternt und Hüte in den frischen Wind von Delaware geschleudert – nun schafft man die Schlitten unter Dach, trocknet und fettet sorglich ihre Kufen, stellt Schuhe im hinteren Flur ab und fällt strümpfig in die große Küche ein, die von früh an in planvollem Aufruhr, untermalt vom Deckelgeklirr verschiedener Pfannen und Schmortöpfe, duftend von Küchengewürz, geschälten Früchten, Nierenfett, erhitztem Zucker – und nachdem die Kinder, in fortwährender Unrast, zum rhythmischen Geklatsch von Teig und Löffel, alles Erdenkliche erschmeichelt und stiebitzt, begeben sie sich, wie den ganzen verschneiten Advent lang an jedem Nachmittag, in ein behagliches Zimmer im hinteren Teil des Hauses, das schon seit zwei Jahren ihrem unbekümmerten Ansturm überlassen” (Thomas Pynchon: Mason & Dixon – erster Satz).
Ach, mein lieber Klaus Jarchow, ist es nicht schön, dass wir uns am Ende einer aufregenden Begegnung in einer Ihrer Parallelwelten einträchtig in den Armen liegen und einander versichern können, des Schachtelns nicht mächtig zu sein? Oder wollten Sie Ihre nasse Katze Adolf etwa auf eine Stufe mit William Faulkner gestellt haben?
Ich kann mich über die vermeintliche medienkritische Sesselfurtzerei nur wundern !!
Bzw. eigentlich nicht, wenn die Namen der jenigen Medienkritiker lesen.
Der Satz bei dpa war völlig korrekt übersetzt.
@ Markus: Jeder Mensch ist unvergleichlich – an Ihnen allerdings mit Ihrem Satz alter Schachteln voller “Kann-Kommas” auf dem Arm ziehe ich höchst unbeschwert vorbei.
Autosuggestion ist das LSD der Parallelwelten, lieber Klaus Jarchow. Da wird dann auch mal schnell sprachlicher Stillstand zu pseudo-literarischem Stilstand verklärt. Und das muss definitiv irgendwas mit Drogen zu tun haben.
Der Nationalsozialismus, wie er heute z. B. in Russland und China existiert, unterscheidet sich insofern vom „real existierenden Sozialismus“, als dass sich die Staatsmacht allein auf Propaganda, Polizei, Geheimdienste und Militär stützt, um das arbeitende Volk zu unterdrücken, während die Produktionsmittel (Sachkapitalien) im Besitz privater Wirtschaftsdiktatoren (Konzerne) bleiben, die sich immerhin noch durch einen letzten Rest von Konkurrenz gegenseitig in ihrer Macht beschränken. Einzelne Wirtschaftsdiktatoren werden nur dann enteignet und das Sachkapital umverteilt, wenn sie sich gegen die Staatsmacht auflehnen und nicht „im Sinne der Partei“ kooperieren. Da die Privatinitiative des arbeitenden Volkes nicht gänzlich unterdrückt wird, ist der Nationalsozialismus gegenüber dem „real existierenden Sozialismus“ wirtschaftlich leistungsfähiger. Das ist der Grund, warum sich diese Form der Machtausübung in Russland und China durchgesetzt hat.
Die sozialistisch orientierten EU-Politiker streben nun ebenfalls den Nationalsozialismus für die ganze „Europäischen Währungsunion“ an (die Bezeichnung „EUdSSR“ ist also nicht ganz zutreffend), weshalb sie sich auch mehr als die etwas „liberaler“ eingestellten EU-Politiker dafür einsetzen, z. B. Griechenland „mit aller Gewalt“ in der Ausbeutungsunion zu halten und europäische Staatsanleihen einzuführen (Vergemeinschaftung der Staatsverschuldung). Andere sozialistische Bestrebungen sind z. B. die Verstaatlichung von Geschäftsbanken oder europäische Geheimdienste und ein europäisches Militär. Die Frage ist jetzt: Wäre der Europäische Nationalsozialismus wirtschaftlich leistungsfähiger, bzw. könnte er länger überleben als die (noch) bestehende EU? Antwort: leider JA.
Glücklicherweise wird es nicht soweit kommen, weil die globale Liquiditätsfalle (Armageddon) schon vorher evident wird, um alles auszulöschen, was „diese Welt“ (Zinsgeld-Ökonomie, zivilisatorisches Mittelalter) an politischen Perversionen hervorgebracht hat. Da die einzige „Alternative“ (für weniger als 10% der heutigen Weltbevölkerung) der Rückfall in die Steinzeit wäre, ist die Verwirklichung der Natürlichen Wirtschaftsordnung (echte Globale Soziale Marktwirtschaft) „in letzter Minute“ wahrscheinlicher:
2012 – Weltuntergang oder Gelduntergang?
http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/01/2012.html