Christoph Kappes

Google, Apple und Facebook – Der Kampf der Internetgiganten

Christoph Kappes | 8 Kommentar(e)


Dominanz, Datenschutz, Zensur und Marktbeherrschung: Die Giganten der Internetwirtschaft ähneln sich strukturell und sollten auch in der Politik strukturell und damit losgelöst von einzelnen Aktivitäten betrachtet werden. Ein Vortrag zur Versachlichung der Diskussion.

16.08.2010 | 

In der Öffentlichkeit entsteht mitunter der Eindruck, zwischen Google, Apple und Facebook finde ein Kampf statt. Ich bin dieser These in einem Vortrag nachgegangen und habe die unterschiedlichen Strategien der beteiligten Unternehmen zusammengestellt.

Seit langem verfolge ich die öffentliche Berichterstattung und möchte mit dieser Präsentation einen weiteren Beitrag zur Versachlichung der Diskussion leisten. Das gilt auch für kritische Punkte; sie sind bei allen Unternehmen strukturell gleich und sollten auch in der Politik strukturell und damit losgelöst von einzelnen Aktivitäten betrachtet werden.

In meinem Vortrag komme ich zu dem Schluss, dass Apple aufgrund seiner Strategie einen Sonderfall darstellt, den man am besten als Qualitätsführerschaft in einem Nischensegment beschreiben kann. Das wird von mehreren Elementen bestimmt, namentlich von einer vertikalen Integration zwischen Hardware- und Software-Ebenen mit gewissen Lock-In-Mechanismen. Diese Sonderstellung Apples ergibt sich auch aus der Umsatzstruktur, die von Hardware im Bundle mit Software geprägt ist, und der Gewinnsituation, die sich auch aus überdurchschnittlichen Hardware-Margen bei gleichzeitigem Innovationstempo mit neuen Produkten erklären lässt.

Google und Facebook sind untereinander direkte Wettbewerber, da sie werbefinanzierte Geschäftsmodelle haben, die rein software- bzw. dienste-basiert sind. Während Google einen weit besseren Umsatz je Kunde erzielt, steht Facebook in puncto Kundenbindung besser da. Googles Kerngeschäft ist durch einige Effekte und den Verteilungskampf um Werbeerlöse mit Facebook mittelfristig in Gefahr, während Facebooks Innovationstempo viele Potentiale zeigt, die Plattform weiter auszubauen. Ich komme zum Ergebnis, dass Google sich in vielen Geschäftsfeldern in einem „Mehrfrontenkrieg“ befindet, – vor allem mit Facebook.

Um einen Überblick zu geben, führe ich außerdem eine Vielzahl der aktuellen Diskussions- bzw. Kritikpunkte mit dem Anspruch auf Vollständigkeit auf. Sie sind bei allen drei Unternehmen gleichartig: Auch bei Facebook wird die Dominanz-Diskussion geführt (Sondertarife mit Telkos bei 0.facebook.com) und die Datenschutz-Diskussion um WLAN-Erfassung gibt es auch bei Apple. Auf eine Wertung verzichte ich jedoch weitgehend.

Abschließend zeige ich mögliche weitere Entwicklungen auf und komme zu dem Ergebnis, dass einerseits mittelfristig seriöse Prognosen über die Zukunft der derzeit großen Player kaum möglich sind, da der Internetmarkt weiterhin sehr dynamisch ist und stark wächst. Andererseits gibt es keinen Grund, von einem wirtschaftlichen Niedergang Googles zu sprechen, nur weil es von Facebook und Apple in verschiedenen Geschäftsfeldern angegriffen wird.

Lesen Sie dazu auch von Christoph Kappes:

Mehr zu : | | | | | | |

CARTA Kaffeekasse
Carta wird FACEBOOK-Kommentare einführen - demnächst hier...

8 Kommentare

  1. Google, Apple, Facebook – Der Kampf der Internetgiganten – Fructus GmbH – Christoph Kappes |  16.08.2010 | 18:42 | permalink  

    [...] diesem Titel ist heute der folgende Beitrag von mir auf Carta.info [...]

  2. Fritz |  17.08.2010 | 08:54 | permalink  

    Ich habe nicht alles auf den Folien kapiert, es scheint mir aber alles sehr logisch zu sein ;)

    In dem “Kampf der Internetgiganten” gibt es einen Aspekt, den man noch ergänzen könnte und der für die weitere Entwicklung nicht ganz unwichtig ist: Die enormen Cash-Positionen und die Fähigkeit, alle 3 Monate weitere Überschuß-Milliarden auf dem Konto begrüßen zu können.

    Microsoft hat derzeit rund 50 Milliarden Dollar ungenutzt herumliegen, Apple etwas über 40 Milliarden in der Kasse, Google etwas über 30 Milliarden.
    Youtube ist dem gegenüber ein armer Hund und könnte derzeit nicht einmal an die Börse wg. dieses kuriosen Prozesses eines Software-Entwicklers gg. Zuckerberg.

    Da die Zukunft immer auch eine finanzielle Angelegenheit ist, wird es sehr spannend sein zu beobachten, wie Apple und Microsoft ihr Internet-Monopoly weiterspielen, d.h. welche Technologien sie kaufen und in welche Bereiche sie investieren. Die machen das praktisch ständig – die investieren Beträge bis 50 Millionen wie andere Unternehmen einen Eimer Farbe kaufen. (Microsoft ist ja auch mal mit “Kleingeld in Höhe von 240 Mio. an Facebook beteiligt).

    Youtube ist von dieser Finanzstärke noch weit entfernt, während man bei Google und Apple sehen kann, wie das Aufsteigen in die Hochprofitabilität den Unternehmen plötzlich Entwicklungsmöglichkeiten gibt, die einem gerade zu utopisch vorkommen (z.B. alle Bücher, die je gedruckt wurden, einfach mal einscannen, Android verschenken etc. etc. – Geld spielt keine Rolle). Im Vergleich damit kommt mir Facebook beinahe “bewegungsunfähig” vor.

  3. Christoph Kappes |  17.08.2010 | 18:28 | permalink  

    @Firtz: Youtube ist eine Tochter von Google. Der geringe Erfolg von Google Video und die Übernahme von Youtube ist einer der Gründe, warum ich Google beim Kriterium “Innovation” abgewertet habe. Auch der gemeinsame Vorschlag von Google und Verizon zur Netzneutralität ist u.a. vor dem Hintergrund Youtube und auch VoIP zu sehen.
    Sorry, das habe ich leider vorausgesetzt, die Präsentation ist an einigen Stellen sehr komprimiert. Viele Begriffe sind aber bewusst so ausgewählt, dass man sie googeln kann, zB “kill switch” und “dirty mp3″.

  4. Fritz |  17.08.2010 | 18:37 | permalink  

    Oh gott, ich habe mich da zweimal verschrieben. Wo Youtube steht, sollte “natürlich” facebook stehen.
    Facebook ist der arme Hund, der noch weit von den Finanzkräften von Google und Apple entfernt ist. Und Microsoft kann auch immer noch aus der Deckung kommen, 50 Milliarden auf der hohen Kante and still counting. Investmentbanker sprechen dann immer gerne von der “prallgefüllten Kriegskasse” :))

  5. Christoph Kappes |  17.08.2010 | 18:47 | permalink  

    @Fritz: Genau. Die hohe Bewertung von Facebook beruht allein auf entsprechenden Prognosen für die Zukunft. Sie mögen gerechtfertigt sein, aber die Monetarisierung zu Milliardengewinnen kann erstens viele Jahre dauern (Google ist jetzt im achten Jahr und auch die Werbekunden-Seite muss aufgebaut werden), zweitens kann Google mit Google Me oder ein Dritter noch angreifen, drittens ist die Nutzerakzeptanz von Werbung in Communities kein Selbstgänger, viertens spielt Facebook mit seiner Plattform-Strategie das Spiel “Einer-Gegen-Alle” (sollten tatsächlich individualisierbare Nutzerhomepages kommen, wird das jedem deutlich, auch den Werbetreibenden; Partner MS und Apple ausgeschlossen). Also alles nicht ganz so einfach. Der Begriff “Grösste Nation im Internet” führt also nicht nur völkerrechtlich, sondern auch wirtschaftlich in die Irre.

  6. CARTA |  20.08.2010 | 16:53 | permalink  

    Facebook Places: Ich bin hier, wie sag ich’s dir?…

    Geolocation ist ein interessantes Feature für Smartphones und Dienste im Web. Auch Facebook möchte mit “Places” ein Stück von diesem Kuchen, der einmal ein lukrativer Markt werden soll. Allerdings könnte er sich anders e…

  7. Marcel |  23.08.2010 | 15:22 | permalink  

    Muss Christoph Kappes Recht geben. Die Monetarisierung in Größenordnungen scheint bei Facebook nicht gerade im Eiltempo zu laufen. Kommt einem ein wenig so vor, dass da einer eine Idee hatte und dann erschrocken feststellt dass er Erfolg hat. Aber was machen mit dem Erfolg?
    Erfolg ist eben nicht gleich Geld.

  8. Google, Apple, Facebook – Der Kampf der Internetgiganten (Carta) | Christoph Kappes |  10.01.2012 | 12:14 | permalink  

    [...] Apple, Face­book – Der Kampf der Inter­net­gi­gan­ten (Slidehare-Link) und ist auch auf Carta.info [...]

Sie möchten diesen Text kommentieren?

Ihr Name (erforderlich):

Ihre E-Mail (erforderlich):

Ihre Website:

Über Facebook oder Twitter einloggen:

Sie können Ihren Kommentar mit HTML-Befehlen formatieren.