Matthias Schwenk

Bürgerjournalismus? Aber ja doch!

Matthias Schwenk | 17 Kommentar(e)


Bleiben Massenmedien auch in Zukunft eine feste Referenzgröße, wie Thomas Strobl meint und damit zugleich dem Bürgerjournalismus die Zukunft abspricht? Medienhäuser werden das gerne hören, sollten sich aber nicht darauf verlassen: “Resonanzfähigkeit” ist im Internet wichtig und auf diese Dynamik haben Verlage kein Monopol.

17.04.2010 | 

Blogger sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Thomas Strobl jedenfalls liefert uns eine erstaunliche Betrachtung zum Verhältnis von alten und neuen Medien, die man so von einem “Blogger” nicht erwarten würde.

Seiner Auffassung nach werden Massenmedien auch in Zukunft ihre Ankerfunktion in der Gesellschaft behalten, weil Blogs, Foren und Social Networks im Internet eines nicht könnten: Nachrichten und damit “Wahrheit” zu produzieren:

Die Massenmedien sind aber keine Distributeure, sondern Produzenten. Produzenten von Nachrichten, Produzenten von “Wahrheit”, Produzenten von Öffentlicher Meinung, Produzenten von Stabilität in den Erwartungen.

Dieser Aussage könnte man durchaus zustimmen, enthielte sie nicht einen kleinen, aber entscheidenden Fehler. Warum sollten nur “Massenmedien” in der Lage sein, so etwas wie öffentliche Meinung und stabile Erwartungen produzieren zu können? Zeigt uns nicht das Internet längst, dass es der medialen Masse nicht mehr bedarf, um viele Menschen zu erreichen und zu beeinflussen?

Thomas Strobl argumentiert hier entlang eines Paradigmas, das in der vernetzten Gesellschaft des 21. Jahrhundert immer weniger Gültigkeit besitzt, weil hier etwas anderes maßgeblich wird: die Resonanzfähigkeit. Im System der alten Medien wird diese – in Ermangelung effizienter Feedback-Kanäle – von den Medien selbst dargestellt. Im Internet aber ist nicht mehr das Medium, das eine Botschaft verbreitet, entscheidend, sondern die Resonanz im System. Je mehr Resonanz eine Botschaft erzeugt, desto wichtiger ist sie für eine Gesellschaft. Darin liegt die Chance für den Bürgerjournalismus, weil er aus seiner Nische heraus Wirkung erzielen kann und nicht darauf angewiesen ist, schon von Haus aus eine große Reichweite mitzubringen.

Dass wir das erst ansatzweise und partiell erleben, spricht nicht gegen den Trend. Derzeit noch funktionieren die Mechanismen der klassischen, massenmedialen Kommunikation, während gleichzeitig die Vernetzungsdichte im Internet von Jahr zu Jahr weiter steigt. Je mehr Menschen aber vernetzt sind und im “Social Web” partizipieren, desto mehr Resonanz kann erzeugt werden. Aus der Resonanz wird schließlich gesellschaftliche Relevanz und irgendwann kippt das System, das heißt der Einflussmechanismus der klassischen Medien wird immer kleiner, während die neue Form des gesellschaftlichen Agenda-Settings über Vernetzung zur dominierenden Größe aufsteigt.

Dabei sollte niemand davon irritiert werden, dass sich Resonanz im Internet heute noch oft genug an eher banalen Beispielen ohne politische Bedeutung zeigt. Das Internet als Resonanzraum erprobt sich selbst nicht an staatstragenden Themen, sondern zunächst eher am Spielerischen und Beiläufigen. Das meist gesehene Video auf YouTube ist kein politisches Statement und auch keine Nachricht im Sinne klassischer Medien. Interessant daran ist aber die Tatsache, dass dieses Video eine so große Resonanz erzeugen konnte, denn klassische Medien waren daran sicher nicht beteiligt.

Dass sich auch politisch Bedeutsames im neuen Relevanzsystem seinen Weg bahnen kann, zeigt Robin Meyer-Lucht anhand eines Tweets des Bundesverfassungsgerichts: Ein Urteil in Karlsruhe erlangt über Twitter Resonanz, praktisch unabhängig von den klassischen Medien, weil das Gericht direkt mit der interessierten Öffentlichkeit kommuniziert.

Die Massenmedien werden sich damit arrangieren müssen. In der vernetzten Gesellschaft des 21. Jahrhunderts haben sie zwar durchaus noch ihren Platz, aber nicht mehr die ihnen von Thomas Strobl zugewiesene Rolle der Produzenten von öffentlicher Meinung. Diese bildet sich die Gesellschaft künftig selbst, über Resonanz im Netz.

In diesem Sinne könnte auch eine weitere These von Thomas Strobl falsch sein, wonach auf Blogs kaum originäre Nachrichten verbreitet, sondern nur die von Massenmedien gesetzten Themen diskutiert würden:

“Was wir über die Welt in der wir leben wissen, wissen wir aus den Massenmedien”: an diesem legendären Satz von Luhmann ändern Web, Twitter und Facebook in meinen Augen überhaupt nichts. Das Gegenteil scheint mir eher der Fall: Medieninhalte werden jetzt wesentlich intensiver und differenzierter kommunikativ weiterverarbeitet; werden zum Gegenstand von Forendiskussionen, Tweets und Blogs.

“Was wir über die Welt in der wir leben wissen, wissen wir aus den Massenmedien”: an diesem legendären Satz von Luhmann ändern Web, Twitter und Facebook in meinen Augen überhaupt nichts. Das Gegenteil scheint mir eher der Fall: Medieninhalte werden jetzt wesentlich intensiver und differenzierter kommunikativ weiterverarbeitet; werden zum Gegenstand von Forendiskussionen, Tweets und Blogs.

Diese Aussage ist richtig und falsch zugleich. Richtig insofern, als dass insbesondere auf deutschen Blogs bislang noch wenig eigenständig recherchierte Nachrichten präsentiert werden und statt dessen vielfach kommentierend Bezug auf Meldungen der klassischen Medien genommen wird. Falsch ist sie, weil über Blogs und Social Networks sehr wohl Neues und Neuigkeiten in die Welt gelangen, diese aber oft genug noch nicht die Sphären der klassischen Medien tangieren, wie das Beispiel des meist gesehenen Videos auf YouTube zeigt.

Auch hier gilt es, die Dynamik der Veränderungen im System nicht zu unterschätzen. Der heute erreichte Stand der Dinge im Internet ist kein Endpunkt, sondern immer noch Ausdruck eines sehr frühen Stadiums.

Dass Blogs – speziell in Deutschland – noch wenig eigene Nachrichten verbreiten, sollten die etablierten Medien alter Schule weniger als Beleg eines natürlichen Primats ihrer selbst sehen, als vielmehr die Schwierigkeiten der Monetarisierung von Onlinemedien darin erkennen. Die neuen Medien haben keinen leichten Stand, denn sonst wären sie vermutlich schon sehr viel weiter und würden den Massenmedien bereits richtig Konkurrenz machen. Immerhin haben sie bereits etliche Scoops gelandet und damit ihre mediale Relevanz bewiesen, auch wenn Zeitungen wie die FAZ in ihren Artikeln über “Deutsche Blogger” das noch geflissentlich übergehen.

Dabei muss man auch aufpassen, das Neue nicht zu sehr an den Maßstäben der alten Medienordnung zu messen. Unsere immer komplexer werdende Gesellschaft kann in Zukunft vermutlich gar nicht mehr von ein paar wenigen, großen Massenmedien “zusammengehalten” werden, sondern wird sich viel stärker ausdifferenzieren müssen. Die gesamtgesellschaftliche Balance wird dabei durch die Resonanzfähigkeit im Netz hergestellt werden. Denn uns Menschen leitet, allem Streben nach Individualität zum Trotz, ein Hang zu Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit. Diese Bipolarität wird in der vernetzten Gesellschaft anders ausbalanciert werden können als noch im letzten Jahrhundert, als Macht und Einfluss (nicht nur im medialen Sinn) sehr viel ungleicher verteilt waren.

So gesehen ist das Wort “Bürgerjournalismus” wirklich ein Versprechen und kein Abgesang.  Die Massenmedien muss er dabei gar nicht ablösen. Es reicht schon, wenn er korrigierend wirkt und Lücken füllt. Die Massenmedien aber müssen ihre Überkapazitäten abbauen und dann allmählich ein neues Selbstverständnis entwickeln. Ihr Stellenwert sinkt, da sie künftig nicht mehr mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie früher Themen und Meinungen werden setzen können. Die Rückkanalfähigkeit des Internets hat einen Resonanzraum geschaffen, der die Medien in ein neues Rollenverständnis zwingt, ob sie das wollen oder nicht.

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17 Kommentare

  1. Aufmerksamkeit! |  17.04.2010 | 12:44 | permalink  

    @Matthias Schwenk
    So wie ich den Beitrag von Thomas Strobl verstanden habe, geht es weniger um die Kommunikationswege -auch die etablierten Medien bloggen, tweeten und sind bei Facebook vertreten – , sondern um die Relevanz der Inhalte. Das Beispiel des Bundeverfassungsgerichts widerspricht seiner Argumentation insoweit nicht. Es gibt in Deutschland wohl kaum eine seriösere und glaubwürdigere Instanz als das BVerfG.

  2. Gk |  17.04.2010 | 13:12 | permalink  

    Schön, dass Blogger und Bürgerjournalismus in Gänsefüßchen gesetzt wurden. Irgendetwas stimmt nicht.

    Wenn wir mal von der Quantität abkommen und zur Qualität kämen, hieße es:
    „Journalismus ist das, was dem Pressekodex entspricht.“

    Und da fängt’s an, brenzlig zu werden. Wie hier schon an anderer Stelle von einem „Blogger“ ausgeführt wurde, muss der Begriff „Journalismus“ neu definiert werden.

    Die Trennung in analoge und digitale Medien bringt uns hierbei weniger weiter. Auch heute ist es Bürgern möglich, Vereinszeitungen herauszubringen und diese zu verbreiten. Das gute alte Flugblatt gibt‘s auch noch. Sind das die „Print-Bürgerjournalisten“? Was ist, wenn sich Fachleute zusammentun und eine einmalige Printaktion starten? Sind sie dann nicht vielleicht besser als klassische „Journalisten“?

    Auch wenn mein Beitrag unter http://carta.info/25488/rp10-die-unerfuellte-hoffnung-auf-eine-neue-buergerliche-oeffentlichkeit/#comment-12027 kaum lesbar ist, aber ich plädiere für ein komplettes Neudefinieren der Begriffe „Journalismus“, „Blogger“ (besser streichen, was Neues muss her), „Öffentlichkeit“, „öffentliche Meinung“ in einer Zeit des medialen Wandels. Als Außenstehende, Konsumentin, Interessentin, erlaube ich mir einfach, dies hier zu „bloggen“. Als „bloggende Bürgerin“ agiere ich nicht dabei – das wär nämlich dämlich.

    @Ausfmerksamkeit! schrieb: “Es gibt in Deutschland wohl kaum eine seriösere und glaubwürdigere Instanz als das BVerfG.” Treffend. :)
    Wenn wir dieser Instanz keinen “Glauben” mehr schenken können, stimmt gar nichts mehr.

  3. Matthias Schwenk |  17.04.2010 | 13:19 | permalink  

    @Aufmerksamkeit: Ich würde sagen, es geht darum, wie Relevanz konstruiert wird. Thomas Strobl hält es da mit den alten Medien, die durch ihre Redaktionen bestimmen, worüber in welcher Intensität berichtet wird. Er glaubt, dass dieser Mechanismus noch sehr lange funktionieren wird und durch neuere Instrumente im Web (Twitter, Facebook, Blogs…) allenfalls ergänzt, nicht aber verändert wird. Ich widerspreche dem und sage, dass Relevanz künftig durch die Resonanz im System bestimmt wird (und übernehme damit eine Argumentation von Prof. Peter Kruse).

  4. robin |  17.04.2010 | 13:27 | permalink  

    Lustig finde ich, dass ich Strobl sich auf einen Carta-Text bezieht, in dem insbesondere nicht von Bürgerjournalismus und auch nicht vom Ende der Massenmedien die Rede ist – und dann darauf seinen Text aufbaut.

    Ich finde das Wort Bürgerjournalismus genauso problematisch wie Qualitätsjournalismus, weil ich nie so genau weiss, warum es geht – und die Begriffe doch normativ und definitorisch sehr unscharf scheinen.

    Wirklich bemerkenswert finde ich, wie Strobl die Überkapazitäten in der Journalismuswirtschaft herausarbeitet und Don Alphonso drüben von der “Arroganz alter Printköpfe” spricht. Das sind Distanzierungsbewegungen, wo ich sie gar nicht erwartet hätte.

  5. Matthias Schwenk |  17.04.2010 | 14:07 | permalink  

    @Robin: Distanzierungsbewegung? Bei Don Alphonso ja, aber bei Thomas Strobl doch eher nicht.

  6. vera |  17.04.2010 | 14:32 | permalink  

    Bürgerjournalismus ist ein doofes Wort; ich möchte so nicht bezeichnet werden. Und wieso soll ich mich nicht mehr Bloggerin nennen? Ich finde das Wort treffend, denn es beschreibt genau, was ich mache. Die inflationäre Benutzung des Worts bloggen stammt von den Sendeanstalten, die, um hip zu erscheinen, jeden auf ihre ‘Blogs’ zum ‘Bloggen’ einluden. Hörte sich einfach schicker an als ‘Webseite’ und ‘kommentieren’. Unfug.

    Überhaupt ist die schwarz-weiß-Einteilung Qualiäts-/Bürger-Journalismus kurzsichtig. In unserer rasant sich verändernden Medienwelt sollte doch bitte erst mal diskutiert werden, wohin es geht, welche Optionen, welche Chancen es gibt, ehe das Kind einen Namen bekommt. Die bloße Einordnung in Schubladen stellt noch keinen Konsens her.

  7. Aufmerksamkeit! |  17.04.2010 | 14:51 | permalink  

    @Matthias Schwenk 13:19
    Ich hatte bei meinem ersten Eintrag nur einen Aspekt herausgegriffen. Also jetzt nochmal etwas ausführlicher.
    Ich stimme Ihnen zu, dass es einen Unterschied gibt zwischen echter Relevanz und der Konstruktion von Relevanz. Das geht mit der Frage einher, die ja hier auch schon öfter aufgetaucht ist: Was ist Qualitätsjournalismus? Oder besser: Sie sollte damit einhergehen!
    Guter, informativer Journalismus ist m.E. grundsätzlich vom Kommunikationsweg unabhängig. Um Leser zu erreichen, braucht es allerdings Bekanntheit/Verbreitung.
    (Wenn ich es richtig verstanden habe, dann war dies auch das Thema von @Ulrike Langer, was freie Journalisten und Marke betrifft).
    Das “Verbreitungsmonopol” für die relevanten Themen haben bisher noch – das Internet hat in der “Normalgesellschaft” nicht die Durchdringung – die etablierten Medien. Diese brechen zunehmend weg und werden zum Teil qualitativ schlechter. Trotzdem glaube ich, dass sie das Bild der Medienlandschaft weiterhin prägen.
    Im Netz, und hier rede ich jetzt mal nur von – im weitesten Sinne – journalistischen Blogs, bewegt sich viel, aber, speziell im Vergleich zum englischsprachigen Raum, zu wenig.
    Ist das Netz also dauerhaft in der Lage das Relevanzvakuum zu füllen, das die etablierten Medien hinterlassen?
    Im Moment, so mein Eindruck : Nein!
    Ob das, wie Thomas Strobl es schrieb, noch sehr lange so sein wird, vermag ich nicht zu beurteilen.
    Was ich für mich feststelle, von “Perlen” auf der einen wie der anderen Seite abgesehen, dass die Qualität insgesamt abnimmt.
    Wenn Relevanz also nur bedeutet, wer im skandalträchtigen Sinne die meiste Aufmerksamkeit (um meinem ironischen Namen mal die Ehre zu geben :-)) auf sich zieht, dann ist mir Relevanz völlig egal.
    Wenn Relevanz jounalistische Qualität bedeutet, dann ist es mir erstmal nur egal wo sie stattfindet.

  8. Gk |  17.04.2010 | 16:02 | permalink  

    „Je mehr Resonanz eine Botschaft erzeugt, desto wichtiger ist sie für eine Gesellschaft.“ heißt es im Posting. Ist das so?

    Was heißt hier „wichtiger“? Was ist denn wichtig für die Gesellschaft? Was sind die Kernthemen, die für eine Gesellschaft wichtig sind? Das müssen doch nicht unbedingt die im Web, in etlichen Blogs diskutierten Themen sein.

    Kernfragen: (1) Was ist wichtig für unsere Gesellschaft? Und (2) wie kann das Thema zu einem öffentlichen werden, zur öffentlichen Meinungsbildung beitragen?

    Hiermit haben sich Journalisten, ob Print oder Web ist unerheblich, zu befassen, dies müssen sie erkennen. Auf die Resonanz können sie sich hierbei nicht verlassen, die kann lediglich als Indiz für die Relevanz eines Themas herangezogen werden.

    Herr Prof. Kruse erwähnte in seinem Beitrag das Einzelunternehmen Anton Schlecker. Zeitarbeit ist jetzt ein Thema, weil Herr Schlecker es auf die Spitze getrieben hat. Dabei ist denjenigen, die sich in diesem Bereich auskennen, schon seit vielen Jahren klar, dass mit Zeitarbeit Schmu betrieben wird.

    Zu erkennen, was für die Gesellschaft wichtig ist, ist die große Kunst (für Journalisten neben der reinen Nachricht). Dies ergibt sich nicht aus der Resonanz im Web.

    Im Zusammenhang mit der Neudefinition von Begriffen könnte die Frage nach dem, was für die Gesellschaft wichtig ist, Relevanz bekommen(, ganz ohne Resonanz).

  9. Chat Atkins |  17.04.2010 | 16:05 | permalink  

    Ich finde schon das Wort ‘Journalismus’ problematisch. Denn im Netz sind die Dinge nicht mehr ‘für den Tag’ geschrieben – nur um danach im Papierkorb zu landen.

  10. Detlef Borchers |  17.04.2010 | 16:14 | permalink  

    Als Journalist finde ich Bürgerjournalismus auch problematisch, aber immer noch viel sympathischer als Qualitätsjournalismus. Manchmal entstehen so wunderbare Artikel, es ist ja nicht das täglich Brot des Bürgers. Noch problematischer finde ich allerdings diesen US-Trend, wo sich 52 % der Blogger mittlerweile für Journalisten halten, während ehrbare Pressehäuser von den Investoren notgeschlachtet werden.

  11. Android |  17.04.2010 | 18:32 | permalink  

    Sehr geehrter Matthias Schwenk

    Ein sehr richtiger Text!

    Und trotz allem, was Sie “komplexer werdende Gesellschaft” nennen – nennen Wir eine “heterogene Gesellschaft”.

    Was Sie,Herr Matthias Schwenk,”Bürgerjournalismus” nennen – nennen Wir “Menschen mit journalistischem Sachverstand”.

    Was Sie “konstruierte Relevanz” nennen – nennen Wir “Relevanz aus der Retorte”

    Also was sollte der seriöse Journalismus neben seiner Hauptfunktion der Recherche\Gegenrecherche auch noch tun?

    Ganz Einfach! Menschen in die Lage versetzen, seriösen Journalismus von unseriösen Journalismus zu unterscheiden!

    Monopoly + Monopole + Monokulturen = System Instabilität!

    Das visualisierte System versagen!

    Auch mit “M”!

    Multipoly + Multipole + Multikulturen = System Stabilität!

    Der weg ist das Ziel

    Hier ein Beleg für die Gefährlichkeit der Resonanz (Selbstresonanz):

    In extremen Fällen kann die „Aufschaukelung“ zur Zerstörung des Systems führen (Resonanzkatastrophe). Quelle:Wiki -Physik

    Beispiel: WesterwelLLLLle!

    Off topic:

    Ach, Herr Wolfgang Michal Sie denken an Trolle und Wir,die R… – ihr wisst schon wer, wissen das die “ASCHE” ist die die Welt bewegt(oder auch nicht)!

    MfG

    Money-Money-Money makes the world go around

    Roboter

  12. Wolfgang Wegener |  18.04.2010 | 18:34 | permalink  

    Die Aussage von Thomas Strobl finde ich schon bemerkenswert: “Die Massenmedien sind aber keine Distributeure, sondern Produzenten. Produzenten von Nachrichten, Produzenten von “Wahrheit”, Produzenten von Öffentlicher Meinung, Produzenten von Stabilität in den Erwartungen.”

    “Produzenten von Nachrichten” sind Leute, die Banken überfallen, Menschen ermorden oder in politischen Gremien Anträge stellen und Entscheidungen treffen. Print, TV und Radio berichten nur (Neutral, einseitig oder sie lassen weg). Für mehr habe die dort Beschäftigten auch von niemandem ein Mandat, sie sind ja lediglich Angestellte eines Wirtschaftsunternehmens. Sie sind nicht “Produzenten von Meinung”, sie sollen lediglich dem Leser die Bildung einer eigenen Meinung ermöglichen. Und zwar in aller Bescheidenheit.

    Ich mache hier in meiner (kleinen) Stadt seit 15 Jahren Kommunalpolitik, seit 10 Jahren habe ich ( anfangs auch aus Frust über die Lokalzeitung) meine eigene Website. Die Stadt ist klein, ich denke, dass ich alle Akteure, deren Motive und Interessenkollisionen ganz gut kenne. Die Zeitung habe ich im Laufe der Jahre von Tag zu Tag schneller durchgeblättert und schließlich abbestellt. Auf nationaler Ebene halte ich mir u. a. die FAZ. Da lese ich die Überschriften, und wenn mich was interessiert, bekomme ich eine ganz ordentliche, vertiefte Darstellung. Davon sauber getrennt auch Kommentare. Ich denke mal, auf nationaler Ebene sind Zeitungen unverzichtbar. So als kurzgefasste Zusammenschau.

    Entscheidend dafür, ob ich bereit bin, für Infos zu bezahlen, ist die Glaubwürdigkeit des Presseorgans (nur bei Frau Wiedemeyer bin ich leider gezwungen). Stehen die Autoren auf Seiten ihrer Leser, oder verfolgen sie eigene Interessen, sind also möglicherweise im weitesten Sinn korrupt?

    Ich denke, es wird immer schwieriger, einseitig oder falsch zu berichten, oder Wichtiges wegzulassen. Dafür bejubele ich das Netz. Und wenn jetzt noch alle Aufrechten in allen Medien gegen Zensur, Zensursula und Censilia kämpfen, dann müsste es doch eigentlich immer besser werden mit unserer Erkenntnis der “Wahrheit”, oder?

  13. egghat |  19.04.2010 | 12:31 | permalink  

    Ich finde den Weissgarnix Artikel vergleichsweise schwach. DonAlphonso gibt mir zu diesem Thema deutlich mehr.

    Weissgarnix macht IMHO nicht mehr als eine passende Zustandsbeschreibung. Was relevant ist, entscheiden heute noch die Massenmedien. Wird ein Thema aus der Blogosphäre dort nicht aufgenommen, ist es nicht relevant. Punkt. Allerdings übersieht er, dass auch in heutige Massenmedien bereits viel mehr Feedback eingebaut wird, als vielleicht von außen ersichtlich ist. Jedes erfolgreiche Online-Angebot beobachtet, welche Themen kommentiert, diskutiert, retweetet, etc. werden. Das beeinflusst die Anzahl der Artikel zu diesem Thema deutlich. Auch welche Artikel auf die Startseite kommen, bestimmt heute nicht mehr allein der Chef, sondern der User, indem er bestimmte Artikel liest und andere nicht.

    Außerdem vergisst weissgarnix die großen finanziellen Probleme, die Teile der Presse heute schon haben. Spätestens wenn sich die Mainstreampresse hinter Paywalls verzieht (oder vom Markt verschwindet), schlägt die große Stunde der Bürgerjournalisten/Blogger. Das heisst aber auch, dass ich nicht glaube, dass die Bürgerjournalisten/Blogger die klassische Presse verdrängen, sondern ich glaube vielmehr, dass die Blogger die Lücken auffüllen, die die Medien hinterlassen werden. Das geht also weniger auf die Stärke der Blogger/Bürgerjournalisten oder des Modells Bürgerjournalismus zurück, sondern eher auf die Schwäche der Mainstreammedien zurück …

    DonAlphonso hat übrigens – auch wenn es hart formuliert – IMHO Recht, wenn er schreibt, dass die Mainstreampresse von der “Verachtung des Lesers und des Kommentars” gezeichnet ist. Da steckt man immer noch fest im Denken des Leserbriefs. Das Maximum an Reaktion, das man da verlangen kann, ist offenbar die Veröffentlichung … Was aber in einem interaktiven Kommunikationsmedium viel zu wenig ist …

  14. Matthias Schwenk |  19.04.2010 | 13:16 | permalink  

    @egghat: Sehr interessante Feststellung, dass auch die Massenmedien heute schon stark auf das Feedback (Klickverhalten) der Leser achten und sich dadurch in der Auswahl und Platzierung von Artikeln leiten lassen.

    Ich denke übrigens auch, dass Don Alphonso richtig liegt. Die Massenmedien konnten in der Vergangenheit Feedback der Leser (oder Zuschauer) nur in homöopathischen Dosen bekommen und verarbeiten, so dass sie die Offenheit im Netz offenbar wie einen Kulturschock erleben.

  15. linksmusssexysein |  21.04.2010 | 11:56 | permalink  

    Ich denke, dass es sich bei allem was unter “Social Media” läuft, um so etwas wie einen Teil der Pflicht in einem Wettbewerb handelt, ebenso wie die Bereitstellung einer Software-Infrastruktur. In naher Zukunft werden alle – etablierte wie alternative – Multiplikatoren die Funktionalitäten von sozialen Netzwerken, Kommentarspalten usw. restlos ausschöpfen. Alle sind dabei annähernd auf dem gleichen Stand, man braucht keinen Programmierer mehr um sich die Software zu besorgen. Daher richte ich mein Augenmerk auch gar nicht so sehr auf diese Seite der Online-Medien.
    Mich interessiert mehr die Kür, und das ist der Inhalt. Irgendeinen Inhalt online zu stellen, ohne Qualität, Konzept und Perspektiven, wird im Orkus versinken. Content wird die oben erwähnten Kämpfe entscheiden. Dabei möchte ich dem Kommentar von Wolfgang Wegener ausdrücklich zustimmen. Akteure produzieren Nachrichten, Multiplikatoren berichten über sie. Das sind doch die Lehren aus Twitter u. Co. Die Lehre aus Twitter ist doch nicht, dass es total sinnvoll und für jeden unbedingt notwendig ist, über diesen Kanal zu kommunizieren. Sondern die Lehre ist, dass sich das exklusive Recht der Berichterstattung durch etablierte Multiplikatoren qua Technik in Luft aufgelöst hat.
    Ein Teil der Kür wird nun darin bestehen, den Informationsüberfluss intelligent abzuschöpfen und daraus ein ansprechendes mediales Format zu gestalten. Ein anderer Teil der Kür wird darin bestehen, völlig neue Dinge auszuprobieren und bestehende neu miteinander zu verknüpfen. Hier ist längst noch nicht ausgeschöpft, was der Online-, der Bürger-, der sonstwie-Journalismus an Möglichkeiten bereit hält.
    Oben wurde von einigen Kommentatoren gesagt, dass die traditionellen Medien nicht untergehen werden. Ich sag mal, das liegt ja wohl eigentlich auf der Hand. Ich würde noch weiter gehen und sagen, dass die ehemaligen “Holzmedien” (oder wie man sie auch immer bezeichnen möchte) mittel- und langfristig sogar sehr gut aufgestellt sind. Ihre Infrastruktur und die Breite ihrer Möglichkeiten sind konkurrenzlos. Aber sie sind keine Avantgarde, auch wenn sie das in missverstehender Erinnerung an ihren Gründungsmythos (bürgerliche Revolution, Zeitungsschwemme des 19. Jh., etc., oder die glorreiche Gründerzeit des Fernsehens…) vielleicht selbst bisweilen noch denken. Sie müssen sich heute der Avantgarde im Netz anpassen bzw. ihr hinterher laufen, und die wird bestimmt noch für fünf oder zehn Jahre das Tempo und die Richtung vorgeben. Vielleicht sogar noch etwas länger, weil nun mehrere Net-Natives-Generationen als Verstärkung der relevanten Zielgruppe nachrücken.

  16. Blick in die Welt der Wirtschaftsblogs, die sich nicht rechnen (+ Update Mindmap) « Blick Log |  28.04.2010 | 01:58 | permalink  

    [...] Carta: Carta: Bürgerjournalismus? Aber ja doch! [...]

  17. Bürger-Journalismus – Qualität oder lediglich Rauschen? | Citizen Times |  19.08.2010 | 08:14 | permalink  

    [...] nittlerweile dazu.[2] Ohne auf die vielen Pros und Contras einzugehen, sei hier auf einen neueren Kommentar zur Bürger-Journalismus-Debatte von Matthias Schwenk bei Carta verwiesen. Er zeigt auf, dass die deutsche Bloggerszene zwar noch [...]

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