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Wolfgang Michal

Die kalifornische Ideologie und der deutsche Reflex

 | 63 Kommentar(e)


Der Kampf gegen Google, Facebook und Apple entwickelt sich zu einem Kulturkampf, in dem die Fronten verwirrend erscheinen. Manche Beobachter fragen sich: Wehrt sich hier die deutsche Geisteselite gegen eine neoliberale US-Hegemonie oder will eine kulturkonservative Branche die Modernisierung der Informationsgesellschaft verhindern?

05.12.2012 | 

Der Kampf gegen die amerikanischen Internet-Giganten hat eine neue Qualität erreicht. Es geht nicht mehr nur um einen Gesetzentwurf, es geht um die ‚Grundübel der Moderne’: Überfremdung, Enteignung und Kontrollverlust. Und weil es darüber hinaus auch um einen Batzen Geld geht, werden sämtliche Register gezogen. Auf dem Spiel stehen Lebensweise, Kultur, Glück und Demokratie der Deutschen, wenn sie sich weiter von der „kalifornischen Ideologie“ in Gestalt von Apple, Google und Facebook umgarnen lassen.

Kein Vergleich ist den Kritikern inzwischen zu blöd, kein Bild zu schief (Nordkorea, Mullah-Regime), um den „anti-kapitalistischen“ Impuls in den guten Deutschen wachzurufen. Die Karikaturen, die von der Neuen Welt gezeichnet werden – verbal oder als Bild – sind nicht mehr allzu weit entfernt von ähnlichen Mustern in der Vergangenheit. Nur schade, dass sich Steve Jobs und Mark Zuckerberg nicht als Zigarren schmauchende, fette und krummnasige Kapitalisten darstellen lassen, die mit großem Appetit die Weltkugel verspeisen.

Christoph Kappes hat hier bei Carta vor drei Jahren in nüchterner Strenge beschrieben, was das Unternehmen Google ist und will, und gleichzeitig davor gewarnt, den US-Konzern als billiges Ersatz-Feindbild für alle Übel dieser Welt zu benutzen (und dadurch von hausgemachten Problemen abzulenken). Doch genau so ist es gekommen – und die Finanzkrise, die uns Amerika 2008 “geschickt hat”, hat das Feld für die jetzige Kritik perfekt vorbereitet. Banken und Internet hängen ja eng zusammen. Miteinander verquickt bilden sie den aktuell wirkmächtigsten Teil der kapitalistischen Entwicklung (sozusagen Kalifornien plus New York).

Statt aber diese Entwicklung zu analysieren und der politischen Gestaltung damit zugänglich zu machen (Regulierung), werden Kriegsschauplätze ausgekundschaftet und Kriegsvokabeln einstudiert („nukleare Option“, „Endgame“). Der Konflikt wird ideologisch aufgeladen. Zu unterscheiden ist dabei eine (vordergründig) kluge und geschmeidige von einer eher plumpen und fahrlässigen Kritik.

Wenn Frank Schirrmacher und Frank Rieger z.B. gemeinsam gegen die kalifornische Ideologie opponieren, tanzen wenigstens die Verhältnisse, aber wenn Hajo Schumacher blindwütig auf Apple eindrischt und den Konzern wahlweise mit Nordkorea, einem Mullah-Regime oder Opus Dei vergleicht, sollte man bei Amazon schon mal vorsichtshalber ein paar Sicherheitswesten bestellen. Da macht sich eine Haltung in Deutschland breit, die so gefährlich wie bequem ist: In Kalifornien steht der Feind, der unser schönes Leben bedroht. Ohne ihn könnten wir ruhig schlafen und weiter machen wie bisher. Also auf ihn mit Gebrüll!

Ich will mich hier gar nicht mit den handfesten Interessen aufhalten, die hinter solchen hehren Argumentationsmustern (auch) stecken: egal, ob die Kritiker nun ihre Interessen als Datensicherheitsberater deutscher Firmen verteidigen oder als Herausgeber von Zeitungen oder als Auftrag nehmende Journalisten, die für ihre angegriffenen Herrn den Wadenbeißer geben. Diese Interessen sind so legitim wie die Interessen von Apple, Google und Facebook. Es sind wirtschaftliche Interessen – doch “beide Seiten” arbeiten nun verstärkt mit ideologischen Überhöhungen.

Halt! Einen bedeutsamen Unterschied gibt es: Die drei US-Konzerne haben die Phase ihrer ideologischen Selbst-Überhöhung schon weitgehend hinter sich, während die deutschen Opponenten diese gerade erst einüben. Ersteres ist eine typische Aufstiegs-Ideologie, die sich mit dem Erfolg und der wachsenden Akzeptanz allmählich verliert, letzteres ist eine typische Abstiegs-Ideologie, die sich im Zuge der Konfrontation und des Niedergangs zuspitzt und radikalisiert.

Diese chronologische Sicht ist wichtig für die Beurteilung des Konflikts zwischen der amerikanischen Herausforderung und dem deutschen Abwehr-Reflex.

 

Die amerikanische Aufstiegsideologie

Die älteste der heute übermächtig erscheinenden Internetfirmen aus dem kalifornischen Silicon Valley – Apple – startete in den siebziger Jahren als kleine Klitsche mit einer Ideologie, die aus den sozial-romantischen Utopien der damaligen Zeit, dem ökologisch-hedonistischen Hippie-Lebensstil begüterter College-Studenten und “revolutionären” Technologien, die Freiheit und Teilhabe für alle versprachen, zusammengerührt war. Andy Cameron, Designer und später Kreativdirektor der Firma Benetton und der im Hacker-Milieu sozialisierte Politologe Richard Barbrook haben die (dialektische) Entstehung dieser neuen ‚Weltwirtschaft’ 1995 in ihrem Buch „Die kalifornische Ideologie“ beschrieben. Nach Ansicht der britischen Forscher, die damals am „Hypermedia Research Centre“ der Westminster-Universität arbeiteten, beruhte die Kraft und die Zukunftsfähigkeit der neuen „Sharing“-Kultur auf der intelligenten Verbindung zweier gegensätzlicher Prinzipien: einer marktradikalen Ökonomie (in den USA regierte das Konzept der Chicago Boys!) und einer kommunistischen oder besser: kommunitaristischen Gesellschaftsvorstellung. Das Ergebnis war eine Ökonomie des Verschenkens, des Teilens, der Mitteilung und des Austauschs.

Beide Stränge, die anfangs gleich stark vertreten waren, bildeten zusammen den Überbau, die „Religion“, die wir heute in Deutschland als „sektenhaftes“ Verhalten wahrnehmen.

Doch nicht einmal 40 Jahre nach der Gründung von Apple stellt die „kreative Klasse“ (Richard Florida), die den neuen Internet-Kapitalismus trägt und repräsentiert, einen gehörigen Anteil an den Beschäftigten, der Wertschöpfung und dem Umsatz entwickelter Volkswirtschaften. Die religiöse Überhöhung der bescheidenen Anfänge in den kalifornischen Katakomben/Garagen (Religion ist immer Kennzeichen und Bindemittel großartiger Anfänge!) wird zur Stabilisierung der Branche heute nicht mehr benötigt. Die Internet-Konzerne konzentrieren sich jetzt auf ihre wirtschaftliche Tätigkeit. Sie wachsen und gedeihen, und sie verlieren dabei ihre kommunitären Vorstellungen (oder pflegen diese noch zu Werbe- und Kampagnenzwecken). Sie machen sich breit in der Gesellschaft und drücken dabei die zurückgebliebenen Wirtschaftszweige an die Wand.

 

Die deutsche Abstiegsideologie

Der Widerstand gegen diese Entwicklung erscheint uns in Deutschland nur deshalb so gewaltig, weil er vorwiegend von den sprachmächtigen kulturellen Eliten kommt. Diese haben die Fähigkeit und die Mittel (und die Chuzpe), ihre Partikularinteressen zu allgemeinen Interessen aufzublasen und so die Gesellschaft als Ganzes „aufzuhalten“ – mit dem positiven Nebeneffekt, dass sich ihre Verzögerungstaktik als wohltuende „Abfederung“ des Umbruchs erweisen kann. Denn eine Gesellschaft kann nie so schnell umsteuern wie Teilbereiche der Wirtschaft unter den disruptiven Bedingungen der neuen Technologie.

Problematisch wird die Verzögerungstaktik aber dann, wenn sie sich ideologisch aufzuladen beginnt. Und das ist derzeit der Fall. Statt die Verbindungen von Finanzkapital und Internet-Ökonomie zu analysieren, und daraus eine Perspektive für die Lösung der Euro- und Europakrise zu destillieren, statt nüchtern die Widersprüche und Lebenslügen der „kalifornischen Ideologie“ zu erkunden, fördern die Kritiker der Silicon Valley-Industrie die Einkreisungs- und Überfremdungsängste der Deutschen durch die Produktion weiterer Feindbilder: nach dem politischen Islam und dem übermächtigen China drangsaliert uns nun auch noch der kalifornische Internet-Krake (inklusive seiner „nuklearen Option“!). In den Worten Hajo Schumachers:

„Warum akzeptieren wir ein totalitäres System wie iTunes, obwohl wir so viel Wert auf Freiheit und Individualität legen? Warum bilden wir uns verbissen ein, Apple habe etwas mit kalifornischer Freiheit zu tun, obgleich das System auf Abhängigkeit und Drangsalierung angelegt ist?

Wir kämpfen für ein paar mittelmäßige Mohammed-Karikaturen, wir bangen um die Pressefreiheit, wenn ein CSU-Mensch beim Fernsehen anruft – aber wenn Apple die Pfeiler der Demokratie sprengt, regt sich niemand auf…“

Das ist nichts anderes als ein Ruf zu den Waffen – gegen die Pfeiler sprengenden Terroristen, gegen die Drangsalierer aus Kalifornien und das totalitäre amerikanische System. Und warum? Weil man in einer Hotline-Schleife von Apple hängen blieb und ein paar standardisierte E-Mails bekam (was einem bei jeder deutschen Versicherung genauso gut hätte passieren können).

Der Korschenbroicher Krieger Ansgar Heveling war offenbar nur die Vorhut in diesem Kulturkampf – heute hevelingt es an allen Ecken und Enden. Es ist ein Kennzeichnen von Abstiegsideologien, dass die Anlässe für Erregungen immer kleiner werden, während der dafür aufgewendete Sprachbombast immer größer, pathetischer, wilder und aggressiver wird.

Lesen Sie dazu auch: Apple und der Monopolkapitalismus

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63 Kommentare

  1. Christoph Kappes |  05.12.2012 | 12:48 | permalink  

    Danke, ich stimme Dir zu, wobei ich nicht sicher bin, ob ich alle genannten Texte zu einem ernsthaften Genre zähle oder ob die Mehrheit davon irgendwo zwischen Belletristik, Klamauk und Volksrede einzuordnen ist.
    Es handelt sich bei deutschen Medienunternehmen, das wird ja auch nach tagelangem Nachdenken immer klarer, um Unternehmen. Und die funktionieren nach Nachfrage, die sie erzeugen und bedienen.
    Die Fähigkeit, Teil einer Organisation zu sein (oder zumindest reputationsmässig auf sie angewiesen zu sein) und sich für zugleich von dieser unabhängig zu halten, ist dabei erstaunlich vielen Teilen gegeben.

  2. Klaus Jarchow |  05.12.2012 | 13:07 | permalink  

    Ansgar Heveling ist vor allem ein Beispiel für das geistige Format, das der deutsche Konservatismus unter vielen Mühen mit seiner Maus erklommen hat.

  3. Detlef Borchers |  05.12.2012 | 13:11 | permalink  

    Kleiner korinthenkackender Hinweis: weder Google noch Facebook spielen in den anti-Wired-Schriften von Barbrook, Borsook und Brooks zur kalifornischen Ideologie eine Rolle, auch Apple kommt nur am Rande vor.

  4. Wolfgang Michal |  05.12.2012 | 13:49 | permalink  

    @Detlef Borchers: Das wird ja auch nicht behauptet. Und wäre auch schlecht gegangen, denn Google und Facebook wurden erst nach dem Erscheinen dieser Schrift gegründet. Aber den “Spirit” des Silicon Valley haben die Autoren ganz gut erfasst.

  5. Stefan Engeln |  05.12.2012 | 14:02 | permalink  

    “Endgame” ist keine “Kriegsvokabel” sondern entstammt dem Schach. Auf Deutsch würde man dazu “Endspiel” sagen. Ich hatte für den Artikel, auf den sich der Verfasser bezieht, aus guten Gründen bewußt eben kein Kriegsvokabular gewählt, zumal es mir dort inhaltlich um “Abrüstung” und die Rückkehr zu sachlichen Argumenten ging.

  6. Wolfgang Michal |  05.12.2012 | 14:20 | permalink  

    @Stefan Engeln: Ihr Beitrag war nicht gemeint, sondern der: http://is.gd/6rC1qU
    Da ist auch von Geschossen und Attacken und finalen Machtkämpfen die Rede.

  7. ‘In Kalifornien steht der Feind, der unser schönes Leben bedroht’ — neunetz.com |  05.12.2012 | 14:37 | permalink  

    [...] Wolfgang Michal auf Carta: Wenn Frank Schirrmacher und Frank Rieger z.B. gemeinsam gegen die kalifornische Ideologie opponieren, tanzen wenigstens die Verhältnisse, aber wenn Hajo Schumacher blindwütig auf Apple eindrischt und den Konzern wahlweise mit Nordkorea, einem Mullah-Regime oder Opus Dei vergleicht, sollte man bei Amazon schon mal vorsichtshalber ein paar Sicherheitswesten bestellen. Da macht sich eine Haltung in Deutschland breit, die so gefährlich wie bequem ist: In Kalifornien steht der Feind, der unser schönes Leben bedroht. Ohne ihn könnten wir ruhig schlafen und weiter machen wie bisher. Also auf ihn mit Gebrüll! [...]

  8. Stefan Engeln |  05.12.2012 | 14:41 | permalink  

    Sollte ich mich fälschlich angesprochen fühlen, ziehe ich den Einwurf gerne zurück – aber in dem Artikel von Martin Weigert wird der Begriff “Endgame” nicht verwendet. Wenn ich Google glauben darf, dann lag eine Bezugnahme auf meinen Blogbeitrag nahe. Ansonsten inhaltlich noch die Anmerkung, dass der Beitrag bei netzwertig.com genau der Grund war, weshalb ich – mit ähnlicher Zielrichtung wie hier – gerne für eine massvollere Rhetorik plädieren wollte.

  9. Detlef Borchers |  05.12.2012 | 15:06 | permalink  

    @4 Ja, natürlich kamen sie später. Gerade deswegen ja der Hinweis für flüchtige Leser.

    Inhaltlich fürchte ich, dass die kalifornische Ideologie, die Barbrook seinerzeit angriff, wenig bis gar nichts mit Google & Facebook zu tun hat. Ich lese zufälligerweise wieder in diesen alten Büchern, weil die Cypherpunks ganz wesentlicher Bestandteil der kalifornischen Ideologie sind/waren und der schöne Herr Assange gerade wieder sich via Cypherpunks-Gerede anschlussfähig machen will.

  10. Gregor Keuschnig |  05.12.2012 | 17:36 | permalink  

    Der Artikel spricht ein wichtiges Thema an.

    Aber das hier
    Die Karikaturen, die von der Neuen Welt gezeichnet werden – verbal oder als Bild – sind nicht mehr allzu weit entfernt von ähnlichen Mustern in der Vergangenheit. Nur schade, dass sich Steve Jobs und Mark Zuckerberg nicht als Zigarren schmauchende, fette und krummnasige Kapitalisten darstellen lassen, die mit großem Appetit die Weltkugel verspeisen
    ist nun seinerseits wieder Ausdruck einer anderen Ideologie – der des sogenannten aufdeckerischen Journalisten. Auch er muss muss die Anlässe aufgepumpen wie ein Luftballon, um eine halbwegs sekundentaugliche Wirkung zu erzielen. Dafür wird der Sprachbombast immer größer, pathetischer, wilder und aggressiver.

    Das ist nur noch komisch. Leider.

  11. Wolfgang Michal |  05.12.2012 | 18:14 | permalink  

    @Keuschnig: Allein heute sind ein Spinnennetz, die Taliban und eine Hehlerbande als Vergleichsbilder für Google dazu gekommen. Da muss also gar nichts aufgedeckt werden, das kommt ganz von selbst. Deshalb ist leider ihr Versuchsbildchen ein bisschen schief.
    http://is.gd/922btZ
    http://is.gd/VPzzNW

  12. Michael |  05.12.2012 | 18:38 | permalink  

    Hegonomie? Modernisierung? Von wegen. Weder das eine noch das andere.

    Apple, Google und Facebook polarisieren, weil die einen sich damit identifizieren und die anderen es stark ablehnen. So weit, so gut – und übrigens schon seit langem bekannt. Das ist ja gerade der Grund warum man damit garantiert Leser bekommt.

    Nichts anderes versuchen einige Medien mit Artikeln über diese US-Konzerne. Nämlich mit den Stichworten Apple, Google und Facebook Leser erzeugen.

    Und die Politiker spielen da natürlich mit. Frei nach Oskar Wilde mit seiner Bemerkung in “Das Bildnis des Dorian Gray”. Nach der es nur eines geben soll was schlimmer ist, als das schlecht über einen geredet wird. Nämlich dass überhaupt nicht über einen geredet wird.

    Also bringen sie sich eben koste es was es wolle ins Gespräch. Zur Not indem sie irgendwas über US-Konzerne sagen. Was ist egal. Hauptsache es erzeugt mediale Aufmerksamkeit. Da jetzt irgendeine philosophisch oder kulturell motivierte Auseinandersetzung hineinzuinterpretieren finde ich ein wenig übertrieben.

  13. Wolfgang Michal |  05.12.2012 | 18:44 | permalink  

    @Michael: Ich finde Ihre Interpretation zu oberflächlich. Da geht es um mehr als nur um das Gieren nach Aufmerksamkeit. Und die Doppel-Frage im Vorspann hat durchaus ihren Sinn.

  14. Peer Steinbock |  05.12.2012 | 19:05 | permalink  

    Viel Lärm um nichts?
    Während Hajo Schumacher gegen Apple polemisiert, haut Stefan Niggemeier einen Artikel nach dem anderen gegen die bösen deutschen Verleger und ihre willigen journalisten Helfer raus. Dabei legt er sich mit jedem an, der Rang und Namen hat – auf gefühlter Augenhöhe, was immer das bei einem Wadenbeißer heißen mag.
    Umso erfreulicher, dass einige wenige nicht in den Schützengräben verharren wollen. Ich wage mal die Behauptung, dass das LSR keinem nützen und niemandem schaden wird.
    LSR, Beschneidung, NPD-Verbot, gleichgeschlechtliches Ehegatten-Splitting, das sind alles so Nebensachen.

  15. Wolfgang Michal |  05.12.2012 | 19:21 | permalink  

    Schon möglich, aber würde man deshalb die Atmosphäre derart vergiften? Also, ich kann Niggemeiers Fassungslosigkeit verstehen.

  16. Peter |  05.12.2012 | 19:49 | permalink  

    Die Anspielungen Michals auf impliziten (?) Antisemitismus sind irre. Er treibt die Dinge ins Noch-Demagogischere (denn niemand hat diesen Vergleich je gemacht), es ist eine brutale Verharmlosung von faktischem Antisemitismus. Ich bin fassungslos. Geht die Sucht nach Aufmerksamkeit so weit?

  17. Michael |  05.12.2012 | 20:09 | permalink  

    Es geht nicht um Aufmerksamkeit. Es geht um politische Karrieren. Karrieren die dadurch überhaupt erst ermöglicht wird, dass solchen Leuten eine Bedeutung beigemessen wird, die sie einfach nicht haben.

    Übrigens: Meine Intepretation mag ja vielleicht oberflächlich sein. Pseudo-Kritik ist es aber auch. Pseudo-Kritik ist hier als Kritik zu verstehen, die das Ziel der Kritik ungerechtfertigt überhöht.

    Einige Textbeispiele stoßen mir einfach sauer auf.
    der deutschen geistige Elite
    sprachmächtigen kulturellen Eliten

    Zweimal Eliten sind genau zweimal zu viel. Das erinnert so unangenehm an altbekannte Sprachmuster. Und dann auch noch in Bezug auf Ansgar Heveling und Hajo Schumacher.

    Abgesehen davon wäre nach diese Definition McDonalds die kulinarische Elite Deutschlands. Ich hoffe sie können einsehen, dass von Eliten zu reden hier einfach nur lächerlich ist.

  18. Michael |  05.12.2012 | 20:43 | permalink  

    P. S. Ich haben vergessen zu sagen an wen sich mein letzte Kommentar richtet. Das hole ich hier nach. Nämlich an den Autor: @Wolfgang Michal

  19. Art Vanderley |  05.12.2012 | 21:01 | permalink  

    Die ideologische Überhöhung geht doch seit langen Jahren vor allem von der ganzen IT-Ecke selber aus.
    Das Aufsehen um die Netzwerke , um apple , um Halbgott Jobs , ist längst nur noch peinlich und hat einen deutlich pseudoreligiösen Charakter.

    Da braucht sich doch niemand wundern , wenn es undifferenzierte Gegenreaktionen gibt , die Ursache hat die Branche da schon selber gesetzt.

    Auffällig auch , daß immer noch die Mär umgeht von der Internetwirtschaft als der “guten” Variante des Kapitalismus , ein Mythos , der seit Anbeginn dieser ganzen Netzgeschichte herumgeistert.

  20. hardy |  05.12.2012 | 21:39 | permalink  

    wolfgang,

    in einem wort?

    chapeau!

    vor allem “Nur schade, dass sich Steve Jobs und Mark Zuckerberg nicht als Zigarren schmauchende, fette und krummnasige Kapitalisten darstellen lassen, die mit großem Appetit die Weltkugel verspeisen.”

    das war der baseballschläger und er trifft den ball auf den punkt.

    danke für das lesevergnügen!

  21. Peter |  05.12.2012 | 21:49 | permalink  

    ja genau: mit dem Bild spielt er auf eine berühmte antisemitische Karikatur an. Kritik an Apple und Google = Antisemitismus. Das ist ein üble Verharmlosung.

  22. nino |  05.12.2012 | 21:51 | permalink  

    Hardy Rupp von tv3 findet solche Vergleiche köstlich.

  23. hardy |  05.12.2012 | 22:12 | permalink  

    nino,

    nicht “köstlich” sondern zu 100% _treffend_

    du magst ja gerne denken, daß sich das mit dem “nazi” darauf reduziert, daß einer mit einem lustigen schnautzer vorne herum blökt und die bösen uniform tragen.

    nope. unlängst las ich – in einer “seriösen” zeitung – in einem leserkommentar, daß wir uns von “den schwachen” trennen und die nicht durchfüttern sollten. interessanterweise war ich der einzige, dem auffiell, daß das mal vor etwa 70 jahren mainstream war.

    sorry, aber irgendwie steckt der nazi ganz tief in dieser gesellschaft, so tief, daß es offensichtlich niemandem auffällt, woher das kommt.

    wolfgang hat genau diesen punkt getroffen.

    köstlich ist es nicht. aber es ist erbärmlich, wenn einem das nicht _sofort_ auffällt, was hier ganz offensichtlich – und nicht mal subtil – bedient wird: der nazi in uns.

  24. nino |  05.12.2012 | 22:22 | permalink  

    nazis sind die die google und apple kritisieren???? Schumacher?

  25. Wolfgang Michal |  05.12.2012 | 23:56 | permalink  

    Diejenigen, die nun – jedes Maß verlierend – anfangen, Google mit den Taliban oder mit einer Hehler-Bande oder mit einer gefräßigen Spinne im Netz zu vergleichen oder Apple mit einem Mullah-Regime, Nordkorea oder Opus Dei, sollten sich vielleicht mal fragen, ob sie damit nicht Geister auf den Plan rufen, die sie am Ende nicht mehr loswerden. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, dass Kritiker des Vorhabens LSR, die in ähnlich verantwortlicher Position stehen, zu derart perfiden Diffamierungs-Methoden gegriffen hätten.

  26. hardy |  05.12.2012 | 23:59 | permalink  

    nino,

    hast du es immer noch nicht verstanden?

    es ist etwas anderes, darauf hinzuweisen, daß jemand subtile reflexe bedient, die in genau dieser karrikatur kummuliert, als zu sagen: der ist ein nazi!

    das haben weder wolfgang oder ich getan – er hat darauf hingewiesen, woran ihn das erinnert – und ich finde, er hat recht. einfache sache, oder?

    ich kritisiere google übrigens auch und vermeide es, deren dienste mehr als nötig zu verwenden, ich verabscheue auch f#ckbook. aber wenn ich das tue, dann erkläre ich, warum ich das konkret so sehe – ich schüre nicht aversionen unter verwendung subtiler, aber tief in uns sitzender reflexe gegen “den” kapitalismus oder “die” juden.

  27. hardy |  06.12.2012 | 01:10 | permalink  

    nino

    [...] Ihre Assoziationen sind furchtbar.

    sorry, aber ich bin nun mal weit jenseits der 50er, alt genug jedenfalls, um zu wissen, wovon ich rede – und komme mir gerade so vor wie in “good fellas”: “was du findest mich witzig? wie meinst du das …”

    “furchtbar” sind nicht meine assoziationen, es sind genau die nie ausgerotteten subtilen assoziationen in dieser gesellschaft, die heute dazu führen, daß man in jeder xbeliebigen kommentarspalte rudel von nazis trifft, die noch nicht einmal wissen, daß sie es ideologisch gesehen doch sind.

    die allen ernstes denken, wenn sie “wir lieben israel” kreischen und sich gleichzeitig auf die “islamisten” stürzen, weil ja alle “muselmanen” per se “islamisten” sind, kämen sie damit durch.

    das von wolfgang diagnostizierte publikum ist da, ich begegne dem herz- und verstandlosen pack jeden tag. was ihnen fehlt ist einer, der die grenze überschreitet. wir befinden uns in einer vorphase und nur, weil etwas noch nicht manifest ist, heisst das nicht, daß es das nicht wird. im gegenteil: je weiter man es von sich weist, um so näher ist es.

    mir zu sagen, ich assoziiere juden=kapitalisten, weil ich diese subtile fama _benenne_, ist natürlich schon “a bißerl perfid”, oder? und nicht zu verstehen, nicht verstehen zu wollen, daß wolfgang da einen mehr als heiklen punkt perfekt getroffen hat, ist entweder ignorant oder absichtlich boshaft.

    auch wenn sich die herrschaften, die sich in ihren philosemitischen ritualen selbstgefällig für die “guten” halten – sie sind ewig unbelehrbare, die denken, sie könnten an der oberfläche “aufklärung” zeigen … unter der haut brodelt der selbe reflex:

    die sind anders als wir. wir sind die guten. am deutschen wesen …

    na danke.

    ich empfehle an dieser stelle mal wieder die sendung “heidschi bumm beidschi”. das ist eine doku von arte über das deutsche schlager-un-wesen der 60er. ich hatte den zusammenhang bis zu dieser sendung nie richtig verstanden, danach war es mir klar:

    natürlich leben wir (immer noch) in einer nazistisch verseuchten gedankenwelt. wir haben die uniformen ausgezogen aber wir denken immer noch so, weil unsere eltern uns das beigebracht haben, weil sie es so gelernt hatten …

    was bei mir persönlich ein witz ist: als die nazis im saarland einrückten, haben sie zunächst einmal meinen großvater (vitus heller bewegung) in ein lager gesteckt. daraus sollte man schliessen können, daß sein sohn verstanden hätte, worum es “damals” eigentlich ging, es hat ihnen aber nicht davon abgehalten, permanent über “die amis” zu schimpfen, coca cola und kaugummi zu hassen und mich aufzufordern, die “negermusik” auszumachen. nein, man vater war kein nazi, nicht mal “damals”.

    aber der dreck steckte in ihm drin.

    und er steckt immer noch unreflektiert in _uns_ drin, heute noch und wolfgang hat den finger in diese eiternde wunde gesteckt.

    daß du jetzt kreischst, daß du das nicht verstehst, okay … aber lass hier mal nicht den politisch korrekten raushängen und versuch schon gar nicht, mir unterzujubeln, daß meine assoziationen “furchtbar” seien und in wirklichkeit _ich_ den kapitalismus mit “den” juden zu verwechseln.

    in einer anderen diskussion wäre ich jetzt mit dem vorwurf des “antisemitismus” konfrontiert, dummdreiste schwachmaten neigen zu derlei kurzuschlüssen, das kenne ich seit 20 jahren. wenn man in der sache nichts zu sagen hat, reichen halt die üblichen anwürfe.

    bei mir bist du da an den falschen geraten. definitiv.

  28. Erbloggtes |  06.12.2012 | 04:50 | permalink  

    Prima Text! Auch eine sehr interessante Diskussion!

    @hardy (zuletzt): Es sind ja nicht nur “der” Kapitalismus, gegen den sich solche Aversionskonstrukte (Geister, die man nicht mehr los wird) richten. Es ist schon genauer “der kalifornische Kapitalismus” (meinetwegen auch “der Silicon-Valley-Kapitalismus”). Der wird durch diese Spezifizierung als “fremd” hingestellt und etwas Diffusem entgegengesetzt, das “nicht fremd” sei. “Rheinischer Kapitalismus” vielleicht, oder “gutes deutsches Verantwortungsunternehmertum”, ach ja, natürlich “die deutschen demokratischen Zeitungsverleger”, Sinnbild an Freiheit und Individualität, wie der Staatsrat sie sich nicht besser hätte vorstellen können.

    Das ist genau der Umstellungs- und Überfremdungsgedanke, der eine Bedrohung von außen suggeriert, gegen die “wir” zusammenhalten müssten. Deshalb war es für den LSR-Diskurs in der Öffentlichkeit problematisch, dass Google eine große Kampagne gestartet hat. Die Verleger konnten sich dann als von der “fremden” Übermacht bedroht inszenieren. “Wir” müssten diese “Stützpfeiler unserer Demokratie” gegen die [hier beliebiges Feindbild des Fremden einsetzen] verteidigen. Dass ich nicht lache!

    Springer würde natürlich niemals nie antisemitische Klischees rauskramen, um diese Bedrohungszenarien zu zeichnnen. Da würde man sich schon andere Angstfiguren ausdenken, es gibt ja genug im deutschen kulturellen Gedächtnis.

    Dringend noch lesen sollte zum Thema, wer es noch nicht kennt: Google und die Linke von Michael Seemann. Da wird der Antiamerikanismus als naheliegende Hauptprojektion der LSR-Kampagne ausgemacht. Aber die obige Zusammenstellung, dass es genausogut Taliban (Muslime), Spinnennetz (antisemitisches Propagandamotiv), totalitäres System (China) sein könnten, überzeugt doch, dass es nicht auf das Auto ankommt, mit dem die Hetzer fahren, sondern nur auf das Ziel, auf das sie zusteuern.

    Was ist eigentlich mit Russland? Hat der deutsche Michel davor heute keine Angst mehr? Weil es sich um lupenreine Demokraten handelt, oder weil man dort mit Altbundeskanzlern gut verkehrt? Oder ist vielleicht Schumachers (Apple hasst der ja schon lange) “Drangsalierung” das Bildnis für Russland?

  29. Stefan |  06.12.2012 | 08:41 | permalink  

    Erblloggtes: Google-Kritik mit NS Rassenhetze zu vergleichen ist pervers und eine Beleidigung der Opfer. Auf der Suche nach Pointen ist hier wohl jedes Mittel Recht. Es geht an der Sache völlig vorbei. Schwindelerregend wie Sie jetzt noch einen drauf setzen, und Google, gegen das die eigene Regierung vorgeht, mit Amerika gleichsetzen.

  30. Moki |  06.12.2012 | 09:58 | permalink  

    Kalifornien gegen Korschenbroich… das spiegelt das Niveau der Debatte wider. Und wo schon über Kriegsrhetorik gesprochen wird: Keese hat ja Google schon mit den Taliban verglichen, ja mehr noch, gleichgesetzt. (http://www.horizont.net/aktuell/medien/pages/protected/Springer-Lobbyist-Christoph-Keese-Google-ist-eine-Art-Taliban_111793.html)

  31. MIsterspock |  06.12.2012 | 10:42 | permalink  

    Lieber Wolfgang Michal,

    ein sehr schöner und polemischer Text, den sie da geschrieben haben. Zur Lösung des Problems allerdings trägt er genausoviel bei, wie zum Beispiel Hajo Schumachers Nordkorea-Beitrag, aus dem sie so gerne zitieren, und den ich auch als wunderbar polemisch empfunden habe. Allerdings ist es mit Polemik ja nicht getan. Dass Sie es gleich als Ruf zu den Waffen interpretieren, wenn jemand anspricht, dass es bei bestimmten Internet- oder Cloud-Angeboten keine Möglichkeiten zum Mitreden mehr gibt. Warum zitieren Sie eigentlich nicht die konkreten Probleme, die Schumacher anspricht? Dass man als normaler Sterblicher nicht weiß, wie oft man seine bei Itunes gekauften mp3s wohin überspielen kann oder dass es Verlage aus kommerziellen Interessen nicht gut finden, wenn an ihren Inhalten jemand mitverdient, der dafür nicht zahlt?

    Natürlich ist das mit den Verlagen und Google so eine Sache. Symbiose könnte man es wohl auch nennen. Die einen nehmen die Inhalte ohne Geld her, bereiten sie auf und werfen sie als Suchergebnisse wieder auf. Davon profitiert ein Verlag ja auch, viele Leser kommen über Google auf die Internetseiten. Aber bei der Debatte fällt immer ein bisschen hinten runter, dass es Google doch – ebenso wie den Verlagen – nicht um irgendwelchen Nutzen für andere geht, sondern um Gewinn. Genau wie Facebook. Dafür muss ich Mark Zuckerberg und Eric Schmidt und wie sie alle heißen nicht als zigarrequalmende Bösewichter darstellen. Dass Facebook seine Nutzer rundweg verarscht und die Arglosigkeit der Mehrzahl seiner Nutzer gnadenlos ausnutzt kann man (noch) an den Abstimmungen über die eigene Geschäftspolitik sehen. Die funktioniert nämlich wie in einer Diktatur. Man sagt, wir machen jetzt mal Wahlen, wissen aber alle, wie es vorher ausgeht. In Nordkorea fälscht man die Ergebnisse, bei Facebook wird die nötige Wahlbeteiligung so hoch angesetzt, dass von vornherein klar ist, wie das Ergebnis aussieht.

    Warum glaubt eigentlich irgendjemand, die Kritik an mächtigen Großkonzernen wäre etwas neues? Erinnert sich noch jemand an die anhaltende Kritik an Microsoft bis vor vielleicht zehn Jahren, wie wir uns alle heimlich gefreut haben, dass US-Regierung und EU-Kommission mit dem Kartellrecht gewedelt haben. Und heute? Was ist denn Facebook im Bereich Soziale Netzwerke? Nur ein Player unter vielen? Also wirklich, dass hier für polemisch formulierte Kritik an gewinnorientierten Unternehmen geübt wird, ist ziemlich komisch, besonders von Bloggern. Und Google droht im Gegenzug mit Liebesentzug für die Medienkonzerne. Mehr ein Streit unter kleinen Kindern, würde ich sagen. Beide Seiten sind bockig, drohen und reden wahlweise wirres oder unwahres Zeug.

    Dehnt eure Kritik mal auf Google, Apple, Facebook und natürlich auch Amazon aus. Für den Nutzer vordergründig alles ein Segen. Aber wenn man genau hinschaut, sind die Kosten bei all diesen Monopolisten versteckt. Bei Amazon und Apple kriegen die Künstler immer weniger von ihrem eigenen Werk. Bei Apple steckt man im goldenen Käfig und bei Facebook dürfen die Daten vermutlich nach der nächsten “abgestimmten” AGB-Änderung an sonstwen verkauft werden. Solche Sachen zumindest gibt es bei den bösen Medienkonzernen nicht. Wenn die Inhalte nicht gut genug sind, kauft man die Zeitung eben nicht, ganz einfach.

  32. Wolfgang Michal |  06.12.2012 | 10:57 | permalink  

    Lieber Misterspock,
    würden Sie Carta regelmäßig lesen (was Sie offensichtlich nicht tun), dürfte Ihnen nicht entgangen sein, dass hier schon reichlich Kritik an Google, Facebook, Amazon und Apple geübt wurde (3 Beispiele sind unten verlinkt). Wir versuchen es aber zu vermeiden, aus kleinen Kalamitäten gleich einen Weltanschauungskrieg zu machen.
    http://carta.info/50555/amazon-ist-nun-vergangenheit/
    http://carta.info/41702/warum-beschweren-sich-deutsche-verleger-nicht-schon-langst-uber-facebook/
    http://carta.info/41178/monopol-kapitalismus/
    Im übrigen machen diese Firmen nicht nur Gewinne, sie nützen mir auch etwas.
    Die Umformung dieser Plattformen zu Verlagen neuen Typs (die durch das Recht ja erzwungen wird), wird die damit verbundene Markt- und Beeinflussungsmacht sicher noch stärkerer Kritik aussetzen. Wir werden sehen.
    http://carta.info/47392/wie-aus-internet-plattformen-verlage-werden/

  33. SILen(e |  06.12.2012 | 12:39 | permalink  

    @Misterspock

    Als normaler Sterblicher muss man nicht wissen wie oft man seine MP3s (die übrigens keine sind, aber trotzdem von jedem besseren Player auf jeder Plattform abgespielt werden können) überspielen kann, da das seit beinahe 4 Jahren (Januar 2009) gar nicht mehr gefragt werden muss, die Dateien besitzen keinen Kopierschutz mehr.

    Und die “nicht bösen” Medienkonzerne die keine Daten an sonstwen verkaufen waren doch diejenigen die erstmal übel losheulten, als Apple ihnen erst keine und dann nur per Opt-In erzeugte Personendaten zu Abonnenten ihrer Zeitungs-Apps zur Verfügung stellte.

    Davon abgesehen müssen sie die Daten auch gar nicht verkaufen, da ein guter deutscher Medienkonzern heutzutage doch so breit aufgestellt ist, dass er dem Leser von Chips bei Lidl bis zu Gebrauchtwagen, Mietwohnungen und Partnerinnen alles anbieten kann.

    Da gibt man die Daten einfach innerhalb der Firma weiter.

    Deutsche Verleger sind so abgrundtief verlogen, wenn man es nicht live erleben würde, dann würde man es nicht glauben.

  34. Wolfgang Michal |  06.12.2012 | 13:10 | permalink  

    Jetzt mal Klartext: Welchen konkreten Sinn hat denn dieser Kulturkampf?

    Springer versucht gerade mit allen Mitteln, Google zu provozieren (die dabei verursachten Kollateralschäden wie Klimavergiftung interessieren die nicht). Erst wenn Google als Reaktion auf die Provokationen die Zeitungen aus seinem Index nimmt, könnte Springer wettbewerbsrechtlich einen Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung von Google konstatieren. Und genau das möchten Döpfner und Keese erreichen.

    Deshalb sind alle gut gemeinten Vorschläge von Lesern, Google solle die Nörgler doch einfach aus dem Index werfen, zwar gut gemeint, aber Google wird natürlich den Teufel tun, in diese Falle zu tappen.

    Alternativ geht es noch darum, das Kartellrecht so zu novellieren, dass man eine marktbeherrschende Stellung auch dann rechtlich angreifen kann, ohne dass diese zuvor “missbraucht” worden ist. Das Problem: Die FDP (hier: Brüderle und Rösler) hat nicht geliefert. Und beim LSR ist es nicht gelungen, Leutheusser-Schnarrenberger aus dem Amt zu drängen.

  35. LSR – Lächerliche System Reaktion – große Show um Systemkämpfe « World-Net-News: Weblog |  06.12.2012 | 14:17 | permalink  

    [...] Auf carta.info erkennt man ganz gut so etwas wie einen ideologischen Grabenkampft, in dem man die kalifornische NetzIdeologie mit der deutschen Sichtweise anführt. Zwischen moderenen, offenen Herangehensweisen und sich ‘panzernden, deutschen [...]

  36. „Das heilige Versprechen“ – eine ernüchternde Analyse von Frank Schirrmacher | NachDenkSeiten – Die kritische Website |  06.12.2012 | 14:30 | permalink  

    [...] Müller Erstaunlich ist, wie sich Wolfgang Michal in Carta mittelbar daran festbeißt: „Die kalifornische Ideologie und der deutsche Reflex“. Er stürzt sich auf die „Abrechnung mit Apple. Das Nordkorea der Konsumwelt“ von Hajo [...]

  37. Detlef Borchers |  06.12.2012 | 15:41 | permalink  

    @34 Wolfgang Michal: Kulturkampf ist wohl übertrieben. Da sind 2 Springer-Leute, die Google provozieren wollen, richtig. Und in Kalifornien läuft noch einer rum (Dieckmann) und wird häufig auf dem Googleplex gesichtet. Jetzt basteln wird uns ne kleine VT…..

  38. Leistungsschutzrecht « Tante Jays Café |  06.12.2012 | 16:11 | permalink  

    [...] dann dieses Fundstück auf dem Juwel Carta. Eigentlich hat er genau auf den Punkt getroffen, was ich sagen wollte. [...]

  39. Wolfgang Michal |  06.12.2012 | 16:55 | permalink  

    @36: Albrecht Müller äußerst sich in den NachDenkSeiten (bei denen man immer noch nicht kommentieren kann/darf) erstaunlich schwach zur laufenden Auseinandersetzung. Es geht in meinem Beitrag ja nicht um Verharmlosungs-, sondern um Dämonisierungtendenzen. Also um ein anderes Thema. Die Tendenz zur Monopolbildung wurde dafür andernorts kritisiert (siehe den Linkhinweis unter dem Beitrag).
    Aber für irgendwas wird Müllers Beitrag schon gut gewesen sein.

    @Detlef Borchers: “da sind 2 Springer-Leute…” gehört sicher zu den gelungensten Untertreibungen der Woche ;-)

  40. Stefan |  06.12.2012 | 17:31 | permalink  

    Ach, Müller erstaunlich schwach? Er hat Sie für Ihren Nazi Vergleich ja noch geschont.

  41. Erbloggtes |  06.12.2012 | 17:52 | permalink  

    Das ist ja wirklich sehr interessant, dass Müller Google als Monopolkapitalisten ablehnt. Verstehe ich das richtig, dass er deshalb alles begrüßt, was den Monopolisten einhegt, und sei es das Leistungsschutzrecht? Da wird’s dann wirklich absurd.

    Es scheint so zu sein, dass die erfolgreiche Strategie der LSR-Propagandisten darauf hinaus lief, einen Gegensatz zwischen Verlagen und Google zu konstruieren. In diesem Gegensatz könne man auf der Seite der Verlage stehen – dann müsse man angeblich das LSR befürworten (*lol*). Oder man stünde auf der Seite von Google, dann sei man für *böse* Monopolisten (oder Kalifornier, Amerikaner oder was einem sonst noch so einfällt).

    Um es nochmal klar zu sagen: Der Gegensatz ist falsch.
    Der Gegensatz ist die Ideologie, mit der die Verleger die Öffentlichkeit in ihre Burgfriedenszone holen wollen.
    Google kontrolliert man nicht durch ein LSR.

  42. Wolfgang Michal |  06.12.2012 | 18:09 | permalink  

    @ER: Exakt. Müller ging es aber vor allem um eine Verteidigung Schirrmachers, der hier kurioserweise gar nicht angegriffen wird, weil er nie darauf käme, Google mit den Taliban oder Apple mit einem Mullah-Regime zu vergleichen.

  43. Peer Steinbock |  06.12.2012 | 18:46 | permalink  

    @39: Stimmt, bei den Nachdenkseiten kann man nicht kommentieren. Aber dann doch, wenn die Artikel von Jens Berger stammen, weil sie auch auf seiner Seite http://spiegelfechter.com erscheinen.
    Im übrigen wäre es entspannend für die Leser, wenn nicht jeder Artikel kommentiert werden könnte, nicht wahr, hardy, Art Vanderley, Detlef Borchers oder Amigo Seure.

  44. Detlef Borchers |  06.12.2012 | 21:46 | permalink  

    @43 Ich will jetzt keinen Nebenstrang aufmachen, aber für Online-Journalisten sind die Kommentare ein ganz wesentlicher Bestandteil des Produktionsprozesses. Mindestens ein Dutzend haben in diesem Jahr bei mir zu neuen Artikeln geführt, auch wenn das klassische “hey, fang” per Mail noch mehr Artikel generierte.

    Und damit zurück zum Funkhaus: man stelle sich vor, dass die Verlage ihre aufgelaufenen Leserkommentare unter ein weiteres Leistungschutzrecht stellen und das Zitieren von Tweets, die einen ihrer Zeitungsartikel twittern, ebenso leistungsmäßig für sich beanspruchen. Gibbet es nich? Abwarten.

  45. hardy |  06.12.2012 | 21:50 | permalink  

    @er

    zum thema oder dessen “umfeld” gab’s heute einen schönen hintergrund im dlf Der Wert der Inhalte – Zeitungen im digitalen Zeitalter

    im grunde zirkuliert alles um das ewig deutsche motto: “an unserem wesen kann die welt genesen”, wären alle nur so toll wie wir, dann … tja, ich versuche mir gerade einen amerikanischen markus lanz vorzustellen.

    an “unserem wesen” ist gar nichts mehr “gut”,

    “wir” sind in einer “neobiedermeier”-schleife stecken geblieben, finden “uns” ganz ganz toll – während die anderen die entwicklungen vorantreiben. ein bißchen wie dieser spruch in büros “wer viel arbeitet macht fehler. also …” dazu sollte mal jemand eine musik schreiben, als nationalhymne wäre das ziemlich brauchbar.

    eigentlich wird nur noch _geredet_. angekündigt, daß demnächst etwas getan wird … und wenn “demnächst” ist, hat jeder vergessen, worum es “damals” (also vor zwei wochen) ging.

    die verleger der “qualitätspresse” haben, muss man einfach nüchtern feststellen, jetzt zwei jahrzehnte zeit gehabt, ihr produkt der gegenwart anzupassen … statt dessen sitzen sie in der wolfsschanze und haben schon mal die pistole und das zyankali bereit gelegt, weil sie genau wissen, der RUSSE (sprich das internet kommt).

    alles, was wir gerade erleben, ist das aktuelle pendant zur rede im sportpalast: propaganda bis zur letzten patrone, ein letztes beschwören des feindbildes.

    und dann? dann kommt “der ami” und kauft sie alle weg.

    wir erinnern uns? danach ging es den deutschen erheblich besser … ich habe da kein mitleid.

    der “echte” russe, hmmm … macht mir persönlich weniger angst als zb. “der” echte ungar. da kann man nämlich ganz gut beobachten, wohin das läuft und wie schnell das gehen kann mit der hetzerei.

    ich möchte putin nicht verteidigen, aber ich erinnere mich an meine letzte physikalische demo … gegen das massaker auf dem platz des himmlichen friedens. (sorry, ich kann solche sachen nur als ergebnis von erfahrungen erklären, fensterreden sind mir ein greuel …)

    fast drei jahrzehnte später frage ich mich, wie doof ich da eigentlich war. nach diesen drei jahrzehnten geht es “den” chinesen alles in allem nicht soooo schlecht, ich kann keine gulags erkennen (naja, vielleicht wissen wir es nur nicht), das land ist nicht in zwei drei bürgerkriegen vor die hunde gegangen, die meisten werden satt. ist zwar doof, zugeben zu müssen, daß man doof war, aber … ich war’s.

    mit putin kann man das, wenn man denn die russen als ewig besser wissender deutscher nicht belehren möchte, vielleicht (…) ähnlich sehen: er ist kein lupenreiner demokrat, ich möchte auch die frauen von pussy riot wieder in freiheit sehen, das land stagniert, alles gut und schön. immerhin: noch regiert in russland keine explizit orthodox/nationalistische regierung, die uns offensiv mit raketen droht … noch nicht.

    wie sagte die nette dame heute abend in “reload”: “und wenn euch das jetzt alles ziemlich genervt und irritiert hat … in 10 jahren werden es die ‘guten alten zeiten’ gewesen sein …”

    wahrlich: weise worte.

    @peer

    einfach nicht lesen ;-)

  46. Quentin Quencher |  06.12.2012 | 22:00 | permalink  

    Lieber Herr Michal, Sie schreiben:

    »Denn eine Gesellschaft kann nie so schnell umsteuern wie Teilbereiche der Wirtschaft unter den disruptiven Bedingungen der neuen Technologie.«

    Dies entspricht in etwa der Theorie des »Cultural Lag« nach William F. Ogburn. Demnach müssen sich die verschiedenen Kulturbereiche einer Gesellschaft ausgleichen, wobei allerdings in unserer modernen westlichen Kultur die Technik das vorauseilende Kulturgebiet ist. Ich hatte dies auch schon mal unter dem Titel «Anthropozän und Technium« beschrieben. Die Theorie des Techniums wiederum besagt, dass sich technische Entwicklungen nicht verhindern lassen, weder gut noch böse sind, sondern einen evolutionären Charakter haben.

    Es wird einen Ausgleich zwischen diesen Beiden Kulturbereichen der Technik und des Konservatismus geben müssen, oder die Gesellschaft als ganzes wird destabilisiert.

  47. VonFernSeher |  06.12.2012 | 23:31 | permalink  

    Statt die Verbindungen von Finanzkapital und Internet-Ökonomie zu analysieren, und daraus eine Perspektive für die Lösung der Euro- und Europakrise zu destillieren…

    Die Verbindung von Google, Facebook und Co. mit dem Finanzkapital enthält Lösungen für die III. Bankenkrise*?

    Das ist aber – zusammen mit dem angeblichen amerikanischen Auf- und dem deutschen Abstieg – entweder traumwandlerisch naiv oder – denn das sind Sie nicht – genauso ideologisch angehaucht. Man muss seine Ideologie ja nicht kennen, um eine zu haben.

    *das wäre der noch sachlichste für den ideologischen Begriff der Euro- und Europakrise

  48. Erbloggtes |  06.12.2012 | 23:43 | permalink  

    @Detlef Borchers: Ich finde die Theorie von den per LSR ins Eigentum der Verlage übergehenden Leserkommentaren und Tweets gut. Vielleicht steckt das im aktuellen Gesetzentwurf sogar schon mit drin?

  49. Wolfgang Michal |  06.12.2012 | 23:51 | permalink  

    @Von Fernseher: Nicht die Verbindung enthält Lösungen, sondern: Das Zusammenwirken der beiden genannten Bereiche genau analysieren und daraus Konsequenzen für die politische Gestaltung (Regulierung) erarbeiten.

    @Quentin Quencher: Interessanter Hinweis. Hier würde ich mir ein paar intelligente Überlegungen von Seiten der Konservativen wünschen. Also nicht einfach nur bremsen, sondern sagen, wie und wo die Entwicklung abgefedert werden muss, damit die Gesellschaft nicht destabilisiert wird.

  50. Linkwertig: DPI, Reflex, Post, Bahn » netzwertig.com |  07.12.2012 | 07:00 | permalink  

    [...] uns nun auch noch der kalifornische Internet-Krake (inklusive seiner „nuklearen Option“!).» Die kalifornische Ideologie und der deutsche Reflex Deutsche Post Die Deutsche Post hingegen plant einen bundesweiten [...]

  51. Quentin Quencher |  07.12.2012 | 08:32 | permalink  

    @ Wolfgang Michal #49

    Unter Konservativismus verstehe ich nicht unbedingt die hauptsächliche Denkrichtung der politische Gruppe die man hierzulande gewöhnlich »die Konservativen« nennt. Dort ist man technischen Neuerungen durchaus aufgeschlossen, wengleich nicht durchgängig. Sondern eher diejenigen die den Wert von bestehenden oder ideologischen, somit auch erstrebenswerten, Ordnungen üben den Interessen des Individuums setzen. Vergangene, gegenwärtige oder ideelle Strukturen und Ordnungen sollen geschaffen oder erhalten werden. Ich würde das »gesellschaftlichen Kreationismus« bezeichnen.

    Demgegenüber steht die Theorie des Techniums nach Kevin Kelly, in der sich Mensch und Technik gleich einem Ökosystem evolutionär weiter entwickeln. In Novo-Argumente ist ein toller Artikel darüber zu finden (leider noch nicht online). Evolution vs. Kreationismus, darauf würde ich es verkürzen und Konservatismus als eine Form des Kreationismus bezeichnen.

    Wie man nun die verschiedenen Kräfte unter einen Hut bringen könnte weiß ich auch nicht, eine Diskussion darüber ist höchst überfällig. Vorstellen könnte ich mir, bildlich gesprochen, so etwas wie gesellschaftliche Leitplanken die der evolutionäre Entwicklung genügend Raum zur Entfaltung geben. So etwas wie ein Kartellamt, welches sicher stellt, dass auch noch ganz junge und zarte Entwicklungen nicht von übermächtigen Akteuren sogleich tot getrampelt werden.

    Der „anti-kapitalistische Impuls“, von dem Sie sprechen, ist aber sicher in die Kategorie der Kreationisten einzuordnen, weil er vorgibt zu wissen was gut oder schlecht ist.

  52. Kunterbunte Blogger-Welt: Speed-Dating und Ernährung | Jeden Tag ein Tipp |  07.12.2012 | 11:04 | permalink  

    [...] Sprengsatz: Steinbrück in der Grube Heidtmanns Z(w)eitgeist: Freie Wirtschaft? CARTA: Die kalifornische Ideologie und der deutsche Reflex Stiftung Warentest: Riester-Rente: Endspurt zur Riester-Zulage für 2010 Stiftung Warentest: [...]

  53. Art Vanderley |  07.12.2012 | 21:22 | permalink  

    Die genialsten Kommentare stammen übrigens von Peer Steinbock.

  54. Wolfgang Michal |  07.12.2012 | 21:35 | permalink  

    Hoffentlich wird er kein Problem-Peer!

  55. Stardust lyrics » Post Topic » Die Zeit läuft ab |  07.12.2012 | 22:20 | permalink  

    [...] ich schon mit einiger Faszination verfolgt. Das nun alles im Schatten des LSR. Dazu wiederum hatte Wolfgang Michal Vorgestern wirklich Interessantes zu geschrieben. Ich habe mich dazu hier bisher auch nicht [...]

  56. Frank |  08.12.2012 | 03:32 | permalink  

    In Sachen “Leistungsschutzrecht” könnte Google folgendes machen:

    1. Die Presseverleger werden künftig wie jeder kleine Webmaster auch auf ihre Privilegien im Suchmaschinen-Ranking verzichten.

    2. Die Preise für das bezahlte Ranking werden noch mal nachgerechnet.

    3. Die Indizierung kommerzieller Inhalte wird kostenpflichtig. Das betrifft alle Webseiten, die keinen privaten Charakter haben bzw. nicht der Unternehmenspräsentation dienen.

    4. Die Nutzung der Suchmaschine für kommerzielle Zwecke wie journalistische Recherche wird kostenpflichtig.

    5. Im Gegenzug erhalten Presseverleger für jeden durch Google übergeleiteten Besucher eine angemessene Vergütung.

    6. Die Qualitätsrichtlinien von Google News werden den künftigen Anforderungen angepasst. (4000 Zeitungskopien einer Agenturmeldung wird es dann nicht mehr geben.)

    7. Qualitativ hochwertige Blogs bekommen bei Google News eine eigene Rubrik.

    6. Die Aufnahme-Bedingung “Autorenliste / Redaktion” entfällt.

    7. Google übernimmt eine der Top-Nachrichten-Agenturen und integriert deren Meldungen in sein News-Portal.

    Ich an Googles Stelle würde über diese Optionen nachdenken. Die eine oder andere ist sicher interessant.

  57. Stefan Wehmeier |  08.12.2012 | 20:12 | permalink  

    Grundvoraussetzung des Denkens – sofern es das menschliche Zusammenleben im weitesten Sinne betrifft – ist die Unterscheidungsfähigkeit zwischen Marktwirtschaft und Kapitalismus, die dem unbewussten Kulturmenschen seit jeher von der Religion (selektive geistige Blindheit gegenüber makroökonomischen Konstruktionsfehlern) verwehrt wird.

    http://www.deweles.de/intro.html

  58. Google und die Zeitungsverlage (Teil 1): Das Leistungsschutzrecht | Wirtschaftswurm |  10.12.2012 | 12:47 | permalink  

    [...] der besten Kommentare zur ausufernden Diskussion um das Leistungsschutzrecht  stammt vom Chefredakteur von sueddeutsche.de, Stefan [...]

  59. „Das heilige Versprechen“ – eine ernüchternde Analyse von Frank Schirrmacher « linkepower |  10.12.2012 | 16:58 | permalink  

    [...] ist, wie sich Wolfgang Michal in Carta mittelbar daran festbeißt: „Die kalifornische Ideologie und der deutsche Reflex“. Er stürzt sich auf die „Abrechnung mit Apple. Das Nordkorea der Konsumwelt“ von Hajo [...]

  60. Leman |  11.12.2012 | 10:15 | permalink  

    Es ist irre, wie viele sich an dem Thema “Digitaler Untergang des Abendlandes” intellektuell laben. Niemand ist gezwungen, Google oder Apple zu nutzen. Es gibt genügend Alternativen, man muss sich nur die Mühe machen, sie zu benutzen. Selbst Microsoft ist komplett ersetzbar, Linux sei’s gedankt.

    Interessanterweise gibt es auch in Deutschland Zustände wie in Nordkorea: Stichwort GEZ. Da regen sich nur wenige drüber auf, wie ein System zur Zwangsernährung durch die gebührenfinanzierten Medien ab 2013 fröhliche Urständ feiert. Zur GEZ gibt es leider keine Alternative. Also, liebe Kulturkämpfer des vom Untergang bedrohten Abendlandes, jeder kehre vor seiner eigenen Haustüre…

  61. Georg Hansen |  25.12.2012 | 12:03 | permalink  

    Ich glaube nicht, dass es den Altmedien darum geht, etwas gegen die amerikanischen Riesen zu unternehmen. Das sie das nicht können, sollte ihnen klar sein. Ich sehe die Absichten woanders:

    1.) Der Feind heißt “Das Internet”, und die 3 Riesen sind nur die Symbole des Internet.

    2.) Bis es das Internet gab, hatten die Altmedien, stark verbandelt mit Herschaftsinteressen, das Meinungsmonopol, konnten nach Belieben Menschen hochpuschen oder abstürzen lassen. Damit hatten sie auch das Monopol über die politische Meinung und kontrollierten, was “politisch korrekt” war oder nicht.

    3.) Die Anzeigenerlöse: es ist nach dem Aufstieg Googles auch dem letzten Verleger klar geworden, dass er mit den Möglichkeiten der Werbung im Internet niemals mithalten können wird und dass damit das Ende seiner Objekte besiegelt ist. Das ist nur noch eine Frage der Zeit.

    Die Reaktionen der Altmedien waren: ignorieren, dass es das Internet überhaupt gibt. Es hat bis etwa 2005 gedauert, bis es überhaupt normal wurde, im Fernsehen und Printmedien URL anzugeben, über “Internet” zu berichten (außer auf exotischen Sendeplätzen).
    Als das Ignorieren nicht mehr klappte, begann man, “Internet” ideologisch zu bekämpfen. Das tat man, indem man Pornographie, Internetbetrug, Abmahnmaschen, Kinderpornos und Terrorismus zu dem Zweck aufblähte. Die vorher genannten Begriffe haben viele Menschen abgeschreckt, die noch nicht das Internet nutzen. Das sehe ich nicht als Randerscheinung an, sondern als gezielte Diffamierung.

  62. hardy |  27.12.2012 | 05:13 | permalink  

    @georg

    schon witzig, als ich es das erste mal las, war ich fast bereit zuzustimmen, aber …

    ich denke, die sache ist viel banaler: die “altmedien”, bzw. die personen, die deren abwicklung verwalten, sind einfach strunzdumm. jedenfalls zu dumm, für eine “strategie” oder eine “idee”.

    klar, das sind gute verwaltungsangestellte, die natürlich versuchen, beim bankrott so viel wie möglich von der konkursmasse zu “retten”. aber sie haben eben keine “zündenden” ideen.

    im grunde sind sie so was wie höhlenmenschen, die sehen, wie draußen ein blitz in einen busch fährt und den in brand setzt. aber sie kommen halt nicht auf die idee, sich einen ast zu schnappen, rauszulaufen, den ast und mit ihm ein feuerchen in der höhle anzuzünden.

    auf so eine idee muss man _kommen_ – und das ist das problem.

    entweder kommt keiner auf die idee oder der, der auf die idee kommt, ist mit einer bande höhlenmenschen konfrontiert, die nichts besseres zu tun hat, als ihm zu erklären, daß es eine saublöde idee ist und er sie sich aus dem kopf schlagen soll – und dann eben weiter ungebratenes wild – gut abgehangen – in sich rein zu stopfen.

    deutschland halt, provinziell wie wir es kennen und lieben.

    so macht man das hier halt schon immer – als in den 50ern/60ern die “negermusik” ins land schwappte, mussten sich elvis & co erblöden, _deutsche_ texte zu singen, um das “artfremde” vor der tür zu halten.

    nur, zu blöd: der evolution ist es ziemlich egal, wer wann auf den fahrenden zug aufspringt und so tut, als sei er der konstrukteur.

    und: die ideen, die nun einmal in der welt sind, seien es die bürgerrechtsbewegung, die emanzipation (des einzelnen vom staat, der mann vom frau), die hippie-ideen vom friedlichen “sharen” und “liken” … sorry, die katze ist aus dem sack und auch wenn es noch dummbeutel gibt, die glauben, sie bekämen sie da wieder rein: nope.

    [..] “politisch korrekt”

    ich denke, das war es, was mich so irritiert hat, daß ich dir am ende widersprochen habe. was ist falsch daran, anderen menschen respektvoll gegenüber zu treten, behinderte nicht “krüppel” und homosexuelle nicht “schwuchteln” zu nennen?

    und, was ist falsch daran, durch vernunft und schlechte erfahrungen gewonnene einsichten auch dann noch für richtig zu halten, wenn die zahl derer, die lieber politisch inkorrekt segeln möchten, weil sie zu dumm sind, die komplexität des “ist” zu verstehen, konstant ansteigt – und ihre dummheit als kampf gegen “politische korrektheit” labeln?

    Robert Menasse zb. hat früher gerne über die EU und ihren aufgeblasenen apparat gelästert.

    ich finde, wenn man das gespräch vorgestern im dlf hört, kann man sich mit ihm freuen, daß er mittlerweile ein paar dinge in ihrer komplexität erkannt hat – und am ende ziemlich “politisch korrekt” daher kommt ;-)

  63. hardy |  27.12.2012 | 05:23 | permalink  

    kleines ps: weil der interviewer den meinungswandel selbst nicht thematisiert, hier noch schnell ein interview vom oktober mit robert menasse, der ja mit dcb ein buch über die eu geschrieben hat.

    das klingt zwar jetzt ein wenig off-topic, aber es zeigt halt schön, wie in deutschland lieber zuflucht zu veralteten ideen (nationalstaat) oder traumatische bzw. gut verdrängte erlebnisse in eine provinzielle sackgasse führen, die man eigentlich nur sieht, wenn man mal den “bezugsrahmen” (unsere altmedien und ihre ziemlich statischen vorstellungen von dem was ist und wie’s weiter geht) verläßt und von aussen drauf guckt.

    hier regiert halt, siehe titel von wolfgang michal, eher der _reflex_.

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