Ralf Schwartz | 19 Kommentar(e)
Anlässlich der Grosso-Tagung in Baden-Baden hat Richard David Precht eine Rede gehalten – maßgeschneidert für das wehklagende Publikum.
14.09.2012 |
Liebe Verleger,
wieder mal habt Ihr Euch den bestellt, der Euch sagt, was Ihr hören wollt. Das macht Ihr nun seit Anbeginn des Internets. Es hat wenig geholfen, oder?
Ihr solltet Menschen mit Euch (und eben nicht zu Euch) sprechen lassen, die Euch endlich mal Euer krudes Weltbild zurechtrücken, die Euch wecken aus Eurem Dornröschenschlaf, die Tacheles mit Euch reden.
Ihr seid doch intelligente Männer (!), Ihr müsstet doch längst gemerkt haben, dass Ihr keine zweite Meinung neben Eurer zulasst.
Ihr müsstet darüber hinaus längst bemerkt haben, dass selbst die Kanzlerin Euch nach dem Mund redet, sich umdreht, von der Bühne geht und alles vergessen hat, was sie Euch gerade versprach. Dass sie dies mit allen anderen Verbänden ebenso macht.
Aber zurück zu Philosoph Precht (ich wähle zufallsbedingt den boulevardesken W&V-Post als Roten Faden meiner Ausführungen):
Richard David Precht, von Medien geliebter Philosoph und Autor, hat die Grossotagung in Baden-Baden mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für Printmedien gerockt. Mit einem fulminanten Plädoyer pro Print und einer Philippika gegen die “Pöbelkultur” im Internet balsamiert der populäre Denker die vom digitalen Strukturwandel geschundenen Seelen anwesender Grossisten und Verleger.
Soso, Philosophen ‘rocken’. ‘Populärer Denker’ ist ein Widerspruch in sich. So was funktioniert nur auf Boulevard- und TV-Niveau, bei den Geissens et al. Ansonsten sind Denker nie populär, da sie landläufigen Vorurteilen diametral widersprechen. Reine Zustimmung oder Popularität hat meist wenig mit eigenem Denken zu tun.
Das trifft übrigens auch für die ‘Popularität’ seiner Thesen in Eurem Kreis zu. Er hat nur geschickt die Knöpfe gedrückt, die Ihr ihm nippelartig hingehalten habt.
Die Aufgabe von Massenmedien sei es nicht in erster Linie zu informieren und zu unterhalten, sondern “Öffentlichkeit über relevante Themen herzustellen” und so als “sozialer Kitt” zu wirken.
A. Und wer entscheidet, was ‘relevant’ ist? Der Verleger, der Chefredakteur? Anscheinend nicht die Leser. Anscheinend nicht die Zukunft, nicht die Moral, nicht ein weises Wesen, das die Welt zum Besseren wenden möchte. Eher die Quote, die Abverkäufe, die politischen Seilschaften. Diese Öffentlichkeit nutzt der Öffentlichkeit wenig.
B. Wie kann ein Sender ohne Rückkanal “sozialer Kitt” sein? Doch nur in einer stumpfen Masse, die kritiklos folgt und in einer Richtung mitmarschiert. Gleichschaltung als sozialer Kitt? Das erinnert mich an ein bestimmtes Buch und eine bestimmte Realität.
Übrigens: Sozial kann das Netz besser.
Dies könnten Printmedien besser leisten als das Internet. Das Netz stelle zwar ein unglaubliches Verfügungswissen auf Knopfruck zur Verfügung. Doch wer helfe einem, zu unterscheiden was relevant sei und was nicht?
In einer guten Welt würde die Schule lehren, zu unterscheiden zwischen relevantem und irrelevantem Wissen. In unserer Welt sollen das allen Ernstes laut Philosoph Precht die Massenmedien übernehmen!? Klingt nach Mediendiktatur, nach Mediokratie – im doppelten Sinn. Und nicht nach freier Meinungsbildung. Eines Philosophen unwürdig.
Richard David Prechts These: Trotz vieler intelligenter Blogs, die es im Internet gebe, brauche es Print zum Eintrainieren von Orientierungswissen. Precht: “Die Aufgabe der Zeitungen ist es, ideologisch nicht vorformatiertes Orientierungswissen bereitzustellen. Diese Aufgabe dürfen sie nicht verspielen.
A. Haben sie doch längst. Das hätte er Ihnen offen sagen sollen. Stärker als Spiegel, Bild, Fokus, Welt, FAZ, und andere kann man doch gar nicht ‘ideologisch vorformatiertes’ Wissen präsentieren und seine Glaubwürdigkeit verspielen.
B. “Eintrainieren von Orientierungswissen”, das klingt sehr nach katholischem Religionsunterricht. Intelligent Design des kindlichen Hirns.
Orientierungswissen verlangt nicht nach Print, sondern nach freiem Denken, nach kritischem Denken, nach Fragen und Antworten, nach Dialog, nach Verunordnung, nach Diskurs.
Orientierungswissen entwickelt man im Zwiegespräch, und sei es mit sich selbst, nicht aber durch die Bestrahlung mit Vorgefertigtem, Vorgefasstem, Einseitigem, Eindimensionalem.
Weil einem dabei auch Wissen serviert werde, nach dem man – anders als im Internet – gar nicht gezielt gesucht habe, erweiterten vor allem systemrelevante Zeitungen den Horizont der Leser.
Hat Herr Precht schon mal etwas im Internet gesucht? Man erhält dort nämlich nie die 100%ig eindeutige Antwort auf eine Suche. Serendipität ist eingebaut in Suche und Netz. Man muss sich nur darauf einlassen. Und diese Serendipität führt ungefähr 3.000.000 mal weiter als die einzelne Tageszeitung.
Die Funktion des Internet als Produzent von mehr Demokratie und Meinungsvielfalt stellt Precht ebenfalls infrage. Die Meinungsvielfalt habe sich durch das Internet nicht erhöht, sondern die Meinungen seien lediglich transparenter geworden.
A. “Lediglich”, klar, das können weder Herr Precht, noch Sie als Verleger wissen, aber das ist das wichtigste und untrüglichste Zeichen und Qualitätsmerkmal von Demokratie: Transparenz. Denn ohne Transparenz kann Demokratie nicht funktionieren, wie man anschaulich an den Demokratien der Welt sieht.
B. Die Meinungsvielfalt insgesamt wird sich vielleicht nicht erhöht haben, erhöht aber hat sich die Vielfalt der Meinung im Einzelnen, da er sich im Netz einfacher (aktiv und passiv) mit anderen Meinungen konfrontieren kann, als wenn er nur ‘seine’ Tageszeitung, ‘seinen’ Spiegel liest.
Man bekomme vor allem mehr von der Meinung anonymer Leute, die meist “fallbeilartig ihre Meinung äußerten “, sagt der Philosoph. Das Netz fördere eine “Pöbelkultur”.
Spätestens hier muss man mal auf den hinkenden Vergleich Internet vs. Der-qualitativ-hochwertigste-Printtitel-den-Sie-sich-gerade-vorstellen-können eingehen. Denn dies ist der einfachste verallgemeinernde Analyse-Fehler, den man machen kann.
Das Internet des Herrn Precht existiert nicht, auch nicht Ihr Internet, liebe Verleger, oder das Internet der Politik, Musik- und Abmahnindustrie, des Verfassungsschutzes, der Kinderporno- und Terroristenjäger. Sorry. Nicht das Internet, nicht die Muslime, nicht der Islam.
Das Internet ist Abbild unserer Gesellschaft, was schon schlimm genug ist, aber es ist eben auch so viel mehr, denn endlich kann ich über meinen kleinen Gesichtskreis und Horizont hinausschauen. Ich kann sogar den deutschen Sprachkreis verlassen, wenn ich dessen qua Sprache mächtig bin.
Precht: “Sprachkompetenz schließt auch die Entscheidung zu schweigen ein.”
Was für ein – mit Verlaub – Schwachsinn. Was hat das mit dem Netz zu tun? Das ist überall so, und nirgendwo hält sich jemand dort draußen daran. Dass macht die Spontaneität der Welt und der Menschen aus. Das ist Stammtisch, das ist das Gespräch beim Bäcker, Friseur, Arzt. Da wird nicht geschwiegen, da wird gelästert, sich empört, des Volkes wahre Meinung gesprochen.
Die Like- oder Dislike-Kultur führe dazu, etwas permanent zu bewerten, oft mit Empörung. Bei Print ginge das nicht; es ermögliche deswegen, zunächst über das Gelesene zu reflektieren, …
Hm, vielleicht ist das Volk einfach empört. Punkt. Vielleicht muss man sich über das, was mancher Politiker so treibt und mancher Journalist so schreibt, auch einfach mal empören können.
Vielleicht ist das die eben noch vermisste Meinungsvielfalt, die die Demokratie (und eigentlich auch die Medien, liebe Verleger) so dringend braucht.
Die Bindekraft sozialer Netzwerke stellt der Philosoph dagegen infrage. Soziale Netzwerke seien ein Modephänomen, eine Episode. Prechts steile These: “Facebook wird zusammenfallen wie ein zur Unzeit aus dem Feuer genommener Auflauf.
Liebe Verleger, genau das ist Euch längst passiert! Warum bloß!?
Das ist einfach:
A. Als Philosoph lebt Herr Precht in einer verdächtig gestrigen Welt. Auch in einer Welt, die sich längst mit dem Bildungszustand der Menschen abgefunden zu haben scheint. Einer Welt, die längst alle Antworten hat, sie müssen nur immer wieder gedruckt werden, um sich endlich in der Geschichte zu verfestigen.
Nun, genau diese Denkweise hat ihr Ende mit dem Aufkommen des Internets gefunden. Die neue Individualität, Unabhängigkeit und Ungeduld der Menschen ist nicht mehr zufrieden mit dem Angebot der Medien, der Mächtigen, der Machthungrigen.
B. Philosophie, liebe Verleger, hat in den Niederungen des Vertriebes wenig verloren. Schlimmer noch: Eine Philosophie, die dem Anschaffer nach dem Mund redet, ist keine.
C. Philosophie muss über den Dingen schweben, muss die Menschen der Erkenntnis (an sich, nicht einer bestimmten) zuführen, zur Vielfalt, zur Freiheit, zum Denken. Philosophie muss Neues entdecken, nicht Bestehendes bestätigen. Philosophie sucht ewige Wahrheit(en). Schwadroniert nicht über Internet oder Print. Nicht über Symptome, sondern über Ursachen.
Wahre Philosophen geben längst zu, dass – genau aus diesem Grund – die Philosophie längst zusammengefallen ist “wie ein zur Unzeit aus dem Feuer genommener Auflauf”.
Fazit: Schmücken Sie also nicht länger Ihr sinkendes Schiff, liebe Verleger, mit den letzten Strohhalmen, die Sie noch greifen können, ehe Sie im Morast klebriger Reden und geronnener Untätigkeit auf immer versinken.
Schärfen Sie Ihre Sägen, sehen Sie wieder den Wald vor lauter Bäumen, erkennen Sie endlich Muster, entdecken Sie neue Perspektiven, lesen Sie zwischen den Zeiler Ihrer Hiobsbotschaften.
Verzichten Sie aber auf Philosophien, die längst nicht mehr in unser aller Welt passen wollen, geschweige ihr vorangehen.
Verzichten Sie auf die Protagonisten solcher Philosophie. Sie geben Ihnen für ein paar Minuten ein gutes Gefühl der heimeligen Geborgenheit, Ihren inzwischen Jahre andauernden, selbstverschuldeten Kater vertreiben sie nicht.
In diesem Sinne, liebe Verleger: Get well soon!
Crosspost von Policlinique
Die ursprüngliche W&V-Topmeldung, auf die sich der Text bezieht, ist nicht mehr online. (Red.)





Prechts wirklich große Leistung sind ein genialer Titel und eine noch genialere Inhaltsstruktur für ein durchschnittliches Buch. Darüber hinaus sollte man ihm nicht zuviel zutrauen.
Setzt du bitte, wenn du den Namen Precht erwähnst, das Wort ‘Philosoph’ zukünftig in Anführungsstriche? Danke …
Dass Facebook zusammenfallen könnte, zu der Vorhersage genügt schon ein wenig Lebenserfahrung – StudiVZ und so. Das bewirkt trotzdem keine reuevolle Rückkehr der Massen zu den Holzmedien. ‘Unzulässige Verknüpfung’ heißt eine solch rabulistische Argumentation wohl in der formalen Logik.
Klaus, ich hatte tatsächlich zu Anfang meines Textes darüber nachgedacht, den ‘Philosophen’ in Anführungszeichen zu setzen. Aber da war mir dann die Richtung zu deutlich.
Über die Beton-Denke von Männern ab 40: “Wenn bestimmte Verschaltungen Erfolg signalisieren, oder wenigstens vermeintlichen Erfolg, dann werden diese Verschaltungen und Verknüpfungen immer dichter und dicker und irgendwann, wenn wir so um die 40 sind (sagt nicht Hüther, sondern weiß jeder 40jährige), sind aus den hübschen kleinen Verflechtungen breite Autobahnen im Hirn geworden, die wir fahren, weil das bisher ja auch Erfolg versprechend war.”
(Zitat Christian Jakubetz http://faz-community.faz.net/123441/print.aspx )
Wer allen Ernstes behaupten will, mit dem Internet habe “neues Denken” Einzug gehalten, sollte nicht mal Precht kritisieren dürfen. Man kann doch nicht etablierte Medien und Internet derart gegenüber stellen, was für ein Schmarrn, egal von welcher Seite aus. Das Internet lebt doch auch nicht aus sich selbst heraus, wird ja ebenfalls durch etablierte Medien bzw. deren Rezeptionen gespeist (und natürlich auch umgekehrt).
Dieser carta-Beitrag ist, leider leider, auf erschreckend niedrigem Niveau.
Klar ist die Haltung vieler Verleger eher hilflos-peinlich. Aber wer meint, auf die “alten” Medien verzichten zu können, der wird mir sicherlich auch erzählen wollen, dass er Infos aus dem Sudan exklusiv aus den Blogs einiger Sudanesen zieht und auf Zeitungen, Magazine und Rundfunk verzichten kann. Spiegel und FAZ in einem Atemzug mit der Bild ‘ideologisch vorformatiertes’ Wissen vorzuhalten, ist dann nur noch dümmliche Polemik.
Da hat einer versucht, Precht anzupinkeln und hat dabei die Windrichtung nicht bedacht.
Tatsächlich haben Staat und Konzerne mit dem Internet viel von ihrem Meinungsmonopol verloren. Um mir eine Meinung bilden zu können, muss ich verschiedene Informationsquellen anzapfen.
Dazu gehören Blogs, Foren und kritische Netzwerke. Den Wortlaut einer Putin- oder Ahmadinedschad- Rede finde ich in keinem bürgerlichen westlichen Printmedium.
Immer wieder steht die Frage im Hintergrund: Wem gehört das jeweilige Medium? Wem nützen bestimmte Diskurse?
Wenn ich mich ständig mit dem üblichen Parteien- Gezänk beschäftige, kann mir schon mal entgehen, dass der Iran keine Atombombe hat oder dass die offizielle Version von 9/11 wohl kaum der Wahrheit entspricht.
Und wenn mich nicht interessiert, was auf der Weltbühne geschieht, könnte ich mich wenigstens fragen, warum ich in einem reichen Land so viel arbeiten muss. Oder wie viel von meinen Steuern in die Rüstung geht.
Natürlich sind unsere üblichen Medien größtenteils gleichgeschaltet. Deshalb sollte man sie nur lesen oder hören, um sich über die aktuell laufenden Diskurse zu informieren.
Interessant sind dann Meinungen von nicht “embedded”- en Journalisten, wie derzeit Christoph Hörstel oder Ken Jebsen.
Ob es “populäre Denker” gibt? Abgesehen davon, dass jeder, der populär ist und als denkend wahrgenommen wird- für mich gibt es da schon Beispiele: Georg Schramm etwa. Oder, für die, denen Kabarett zu unterhaltsam ist (weil Manchem der Sinn praktischer Philosophie nach Sokrates nicht aufgehen will): Noam Chomsky, Norman Finkelstein, Moshe Zuckermann. Letztere erscheinen hauptsächlich im Internet. Warum wohl?
@ theo: Zu deinem Sudan-Beispiel – aus Internet-Veranstaltungen wie dem free-libya-Blog habe ich damals mehr über den Libyen-Konflikt erfahren als aus allen Qualitätsmedien dieser Welt (gut, Al Jazeera mal ausgenommen). Da saßen die Korrespondenten nämlich zunächst und zumeist “in Kairo” herum, wobei Wanne-Eickel es dann ja auch getan hätte … und heute im Sudan ist es wieder ähnlich. Es gibt viel mehr Infos im Netz als in allen Zeitungen dieser Welt, und die jeweiligen ‘Interessen’ muss ich bei der lieben Presse ja auch im Auge behalten (zumeist sind es die ‘des Westens’). Ich denke, du hast einfach mal vollmundig in einen leeren Blecheimer getrötet, und so klang es dann auch:
http://www.sudanesethinker.com/
http://africanarguments.org/
http://www.bundeswehr.de/portal/a/bwde/!ut/p/c4/FcxLDoAgDEXRFUnnzlyFn4l5QINNaDEKmrh6NXd6cmmhL8MlCVWKIdNEc5De387fkZ22XEU5ClyxLMYViX3jsPHhWOxEfXwuaT1bhNH47_YDSUGzlS7gg7SrDi-eNTXY/
http://wholeheartedly-sudaniya.blogspot.de/
http://www.ssrc.org/programs/making-sense-of-darfur-blog/
http://stillsudan.blogspot.de/
http://www.sudanreeves.org/
http://sudanwatch.blogspot.de/
usw. usf.
Klaus,
klar findet man was, wenn man sucht. Aber willst du erwarten, dass die Leute bei der Breite der politischen Themenscala sich durchs Web wühlen, bis sie glaubwürdige Infos auf irgendeinem Spezialblog finden?
Oder wolltest du nur ein wenig mit deinem Kenntnisstand angeben? Liest sich ein wenig so.
Ich lese gerne zwei, drei Zeitungen und habe dann schon das Gefühl, den Stand der Dinge in einem überschaubaren Maß erfasst zu haben. Das leistet bislang kein Blog.
Wie viele Korrespondenten arbeiten, ist mir auch bewusst. Aber das heißt ja nicht, dass ALLE so arbeiten.
Und wenn ich das als Blecheimertröter mal sagen darf: So ein Spruch
“Es gibt viel mehr Infos im Netz als in allen Zeitungen dieser Welt. ”
ist dann wohl virtuelles Topfschlagen. ;-)
@theo
Doch, das leisten Blogs durchaus. Was du meinst, ist die Aufbereitung, bei der du alles auf einen Blick hast, du sagst ja selbst “überschaubar”. Die Informationen sind da, die Zusammenstellung musst du selbst bewerkstelligen, das ist natürlich unbequemer. Ein gut geölter Feedreader ist ein praktisches Hilfsmittel, wie auch mittlerweile viele – grafisch ansprechendere – utilities wie Tweeted Times, newstral o.ä.
@Theo und Klaus:
Lieber Theo, das Selber- Denken nimmt Dir Keiner ab. Weder die Springer- Presse noch der Bertelsmann- Konzern, um mal zwei der größten Lügenmaschinen zu nennen.
Informiere dich, wem welche Zeitung gehört. Dein Gefühl, ausreichend informiert zu sein, ist eben nur ein Gefühl. Das muss noch nichts mit Fakten zu tun haben.
Dabei ist das symptomatisch für die Mehrheit in unseren Breiten. Ich empfehle eine vergnügliche Bildungsmöglichkeit: http://www.youtube.com/watch?v=5k5LbtS4SXM
Lieber Klaus, ich stimme Deiner Kritik an Theo zu. Dein Verweis auf hauptsächlich englisch- sprachige Seiten ist bedenklich. Wer von uns kann perfekt(!) englisch?
Sprachliche Feinheiten werden gern verdreht, das ist die übliche Variante der Manipulation. So glauben viele Deutsche, Ahmadinedschad wolle “Israel auslöschen”
Der Übersetzungs- Fehler war sicher gewollt.
@ Wolf: Ich kann ja nur das rezipieren, was meinen Sprachkenntnissen entspricht. Nach deutsch, englisch, französisch ist bei mir nun mal Schluss, denn auf Latein gibt’s nur wenige Seiten. Arabisch oder nubisch spreche ich nicht – so kann ich auch nicht verfolgen, was die Leute vor Ort dort posten mögen. Aber dort oben hatten wir immerhin schon mal Einwohner aus zwei unterschiedlichen Richtungen, wobei ich mir klar sein muss, dass es immer die Schicht der Gebildeten ist, die dort englisch spricht – dazu die werte Friedenstruppe der Bundeswehr, einen Journalisten, der dort vor Ort residiert, eine Menschenrechtsorganisation, kurzum: jederzeit mehr, als ich aus SZ, FAZ, taz oder Welt entnehme. Man muss es nicht lesen – aber ein wenig großschnäuzig wie der Theo rumzupupen, dass man wahrhaft valide Informationen nur aus Holzhausen bekäme, das ist doch arg blauäugig. Das Netz übertrifft den Alltagsjournalismus zu jedem Zeitpunkt an informativer Qualität eindeutig.
Im zweiten Post sagt Theo ja auch worum es ihm geht: Er möchte seine Infos vorverdaut und eingeordnet. Diese Bequemlichkeit allerdings, die haut das Netz jetzt zu Klump. Die großen Mandarine und journalistischen Welterklärbären, die danken jetzt ab … ob zum Segen oder Schaden, ja, was weiß denn ich. Es ist einfach so, sonst wäre es ja keine Medienrevolution.
Ja, ich bin faul und konsumiere Vor-Verdautes. ;-) Und ihr, vor allem Klaus, seid super-informiert. ;-) Wären wir jetzt in einem Café und säßen uns real vor Augen, könnten flott mal die Biographien austauschen, dann hätte dein Ego-Spielchen, lieber Klaus, ein schnelles Ende und wir würden vernünftig miteinander reden. Hier aber ist Virtualität und da plustern wir uns mächtig auf mit all den Blogs, die wir gegoogelt haben. Hier zählt Plakatives, und so werden alle Journalisten, die irgendwann mal für z.B. Bertelsmann gearbeitet haben, zu Hlfern der – laut Wolf – “Lügenmaschinen”.
Das ist einfach nur noch absurd. Und irgendwann ist Ahmadinedschad noch ein Israel-Freund. Klar doch. War sonst noch was?
theo,
von meiner seite: zustimmung, auch wenn ich es nicht (mehr) so mit den zeitungen habe, seit die hauptstadt plötzlich berlin hieß und alles mehr oder weniger zur einer inzestuösen veranstaltung wurde. ich setze da mehr auf’s radio, martin durch, esther saoub, marc thörner zb. sind sicher vertrauenserweckender als etwa aus ihren hotelzimmern “berichtenden” ard korrespondenten.
vieles von dem, was man als bloggerei im internet erlebt ist nur ein rudel abschreiber, die selten eigene gedanken einbringen, dafür aber den quark, den sie glauben, verstanden zu haben, noch breiter treten – ausnahmen bestätigen hier die regel.
>> “da plustern wir uns mächtig auf”
ach, das ist schon okay, das eigentliche problem besteht ja eher darin, daß man “früher” schlau und doof relativ schnell auseinander halten konnte, heute hat doof wikipedia und es gelingt so, eine halbe stunde lang länger, “schlau” zu mimen.
bis man in besagtem cafe sitzt ;-)
ach ja,
precht fand ich schon gut, als er noch beim wdr “politikum” (ca 2007) saß und keine bücher auf dem markt hatte. hier nach anführungszeichen in sachen “philosoph” zu schreien ist schon von einer gewissen blödhaftigkeit, die eher von neid und dem nagenden gefühl von “zu kurz gekommen zu sein” zeugt.
dieses “wieso kommt _der_ ins fernsehen, ich bin viel schlauer als der!”
man ist ja heute eh viel schlauer als andere, man hat internet …
und es sollte natürlich martin _durm_ heissen:
wer sein zusammen mit esther saoub verfasstes feature über die revolution in ägypten verpasst hat und sich mit den knallchargen bei der “qualitätspresse” zufrieden geben muss, der ist eh schon gestraft genug.
ich unterschlug übrigens auch bettina rühl (nicht zu verwechseln mit der terroristentochter mit “ö”), deren “treibsand” ich gerne verlinken würde, aber der dlf legt erst seit kurzer zeit auch die features als pod raus ..
Es ist sinnfrei darüber zu diskutieren wer mehr abschreibt bzw. recherchiert denn beides gibt es sowohl bei Bloggs als auch bei den PrintMedien. Insofern ist keiner von beiden “besser”.
Jeder Mensch hat seine Art und Weise wie er sich informiert. Solange man diese immer wieder hinterfragt und überlegt wie man es verbessern kann ist man eventuell sogar gut informiert.
Ob ich da hinterfrage was für einen Schmarrn Blog XY meines Feedreaders heute mal hingelegt hat oder warum der Artikel im Spiegel oder in der Süddeutschen von faktischen Fehlern oder Schubladendenken nur so wimmelt ist irrelevant solange ich davon die Lehre ableite das die erhaltenen Informationen immer nur eine Perspektive und niemals die “ganze Wahrheit” sind.
Insofern – jedem das Seine aber das Gefühl auf Ewig super informiert zu sein wenn man sich auf einem Status Quo ausruht kann man sich meiner Meinung nach schenken..
Ich finde sehr vieles in diesem Artikel zu schnell, zu kurz, zu empört und erregt “gedacht”, und von den Kommentaren finde ich vor allem den bisher letzten – Sebastians – klug und hilfreich, aber ein Detail ist noch nicht angesprochen worden, das mich, vorsichtig gesagt, am meisten befremdet. Ich zitiere:
“C. Philosophie muss über den Dingen schweben, muss die Menschen der Erkenntnis (an sich, nicht einer bestimmten) zuführen, zur Vielfalt, zur Freiheit, zum Denken. Philosophie muss Neues entdecken, nicht Bestehendes bestätigen. Philosophie sucht ewige Wahrheit(en). Schwadroniert nicht über Internet oder Print. Nicht über Symptome, sondern über Ursachen.”
Wie bitte? Was ist das denn für ein Philosophie-Verständnis? Vielleicht mit Theologie verwechselt? Und Richard Sennett bspw. ist dann sowas von kein Philosoph, ja? (Und Heidegger dafür umso toller, nehme ich an.)
Ich staune.
Die Ware Wahrheit und der mediale Widerstand im Internet
Die ReWASH Filmproduktion hat ihre erste Online-Dokumentation mit dem Titel „Die Ware Wahrheit und der mediale Widerstand im Internet“ veröffentlicht. Die Doku beschäftigt sich mit der Frage, ob die Massenmedien Ihre Informations- und Kontrollfunktion noch ausreichend wahrnehmen und was alternative Internetmedien zukünftig bewegen können. (Helmut Schnug, Kritisches Netzwerk, siehe: http://www.kritisches-netzwerk.de)
Link zur Doku: http://www.youtube.com/watch?v=EA0vow8mTH0&feature=player_embedded
ich glaube, precht hat von irgendjemandem einen autrag. erst wurde er gehypt, neue tv-show, jetzt diese kruden thesen: http://www.horizont.net/aktuell/medien/pages/protected/showRSS.php?id=110022&utm_source=RSS&utm_medium=RSS-Feed