Matthias Schwenk

Spiegels “Null Blog”-Generation: Kein Grund zur Sorge, sie hören immer noch Musik

Matthias Schwenk | 53 Kommentar(e)


Die “Generation Null Blog” ist gar nicht so souverän und erfahren im Umgang mit dem Internet. Aber entschuldigt ihre fehlende Medienkompetenz auch die ihrer Eltern und Lehrer? Eine Replik auf Manfred Dworschak.

04.08.2010 | 

Es gibt Wichtigeres im Leben der Jugendlichen als das Internet, “aber wenn es darauf ankommt, können sie noch nicht einmal richtig googeln”. Das ist im Grunde die Kurzform und Quintessenz eines Artikels von Manfred Dworschak im aktuellen Spiegel (Ausgabe 31/2010) zur Frage der Internetkompetenz der heutigen Jugend. So treffend seine Beschreibung der Verhältnisse auch ist, so weltfremd wirken die Schlussfolgerungen, die sein Text nahe legt.

Tatsächlich ist unbestritten, dass die erste mit dem Internet groß werdende Generation von Jugendlichen dieses Medium nur oberflächlich kennt und es sehr selektiv nutzt: Im Vordergrund steht der persönliche Dialog (in Chatrooms, über Skype und in Social Networks), daneben tritt die Unterhaltung in Form von Videos (YouTube in erster Linie) und natürlich Spielen.

Was würde man von 12 bis 17-jährigen auch anderes erwarten? Beim Spiegel lag die Messlatte aber offensichtlich sehr viel höher, denn die Feststellung des Ausbleibens einer “Revolution der Lebensweise” und das Erstaunen darüber, dass Jugendliche immer noch die Zeit finden, sehr viel Sport zu treiben, wirkt angesichts der betrachteten Altersgruppe doch etwas seltsam. Hatte man ernsthaft erwartet, das Internet würde aus Kindern und Jugendlichen politische Aktivisten machen, die digital-kollaborativ und am besten noch länderübergreifend eine neue Form von Demokratie erfinden und einführen würden?

Natürlich nicht. Eher schon scheint der Text den Eltern und Großeltern dieser Jugend eine Beruhigungspille sein zu wollen: Seht her, Eure Kinder und Enkel können gar nicht richtig googeln und wissen auch nicht, woher das Internet kommt. Also macht es nichts aus, wenn ihr darüber ebenfalls nicht Bescheid wisst und es auch nicht besser könnt.

Diese (unterstellte) Aussage impliziert allerdings einen Irrtum in gleich mehrfacher Hinsicht: Erstens zu glauben, dass es nichts ausmacht, wenn unsere Jugend wenig Internetkompetenz besitzt, zweitens dass auch die fehlende Kompetenz seitens der Elterngeneration keine Rolle spielt und drittens, und das ist der gefährlichste Trugschluss, dass die scheinbar so geringe Internetkompetenz generell keine Auswirkungen haben wird: Die Revolution bleibt aus.

Die Revolution bleibt aber nicht aus. Sie ist in Teilen heute schon wirksam und wird ihre volle, politische Wirkung dann entfalten, wenn aus den Jugendlichen von heute Erwachsene geworden sind, die mitten im Leben stehen und immer noch so hochgradig vernetzt sind, wie sie es heute schon Tag für Tag praktizieren. Dann nämlich, wenn es nicht mehr um Hausaufgaben, coole Songs oder den nächsten Treffpunkt zum “Abhängen” geht, sondern um Studiengebühren, Kindergartenplätze oder Steuertarife.

Der Spiegel-Artikel und die in ihm zitierten Experten unterschätzen also die Entwicklung, vermutlich weil man hier einem Trugschluss erliegt: Man urteilt über Medienkompetenz anhand der Harmlosigkeit und Oberflächlichkeit medialer Inhalte im Netz, mit denen sich Kinder und Jugendliche befassen, oder die sie selbst hochladen (etwa wackelige Videos vom Besuch am Badesee) und übersieht dabei die technische Kompetenz im Umgang mit den entsprechenden Plattformen und Geräten.

Wer als Jugendlicher auf YouTube nur belanglose Videos anschaut, muss diese Plattform als Erwachsener nicht zwangsläufig in gleicher Weise nutzen: Er wird wissen, dass darüber auch politisch brisantes Material verbreitet werden kann und wie man man dazu auf einem Social Network wie Facebook in kurzer Zeit möglichst viele Menschen aufmerksam macht. Genau das aber verstehen die Bildungsforscher nicht, weil sie diese Medien immer nur von außen betrachten und ihre Relevanz anhand der (heute) vorgefundenen Inhalte einschätzen.

Ebenso unterschätzen sie systematisch die digitalen Netzwerkeffekte, weil diese oft nur in sehr begrenzter Form (oder gar nicht) sichtbar werden. Tatsächlich aber bewegen sich Kinder und Jugendliche in eher engen, persönlichen Beziehungen und noch nicht in Strukturen weitläufigerer Art, wie sie erst für Erwachsene charakteristisch werden. Es ist, als beobachtete man den Vogel im Käfig und käme zum Schluss, er könne gar nicht fliegen.

Es kann demnach auch nicht wirklich überraschen, dass sich Jugendliche kaum für Blogs oder Twitter interessieren. Denn diese beiden Medien-Gattungen richten sich in erster Linie an Menschen, die nicht nur im engeren Bekanntenkreis kommunizieren wollen, sondern sich gerne und bewusst an ein weitläufiges, disperses Publikum wenden.

Insgesamt muss hier also stärker differenziert werden: Jugendlichen oder auch jungen Erwachsenen fehlt es klar an Kompetenz im Umgang mit Inhalten aus dem Netz, während sie mit der zugehörigen Infrastruktur (Hardware) vermutlich weit besser zurecht kommen als ihre Eltern. Zudem ist ihr Verständnis für Reichweiten, dem Alter entsprechend, anders ausgeprägt als bei Erwachsenen.

Seltsamerweise sieht der Spiegel-Text an den Stellen, wo er den Jugendlichen die Internet-Kompetenz korrekt zuschreibt, etwa beim Konsum von Musik oder Filmen, den epochalen Wandel gerade nicht. Dass die Musik nicht mehr aus dem Radio (und von einem Rundfunksender) kommt, sondern über das Internet (und dort von einer Musik- oder Videoplattform), wird eher beiläufig festgestellt: Kein Grund zur Sorge, sie hören immer noch Musik! Rundfunkanstalten, Fernsehsender sowie Musik- und Filmindustrie sehen das allerdings nicht so gelassen, wirft die Jugend von heute damit doch deren jahrzehntealte Geschäftsmodelle einfach mal so über den Haufen.

Überdies entlarven sich hier die Bildungsforscher wie Rolf Schulmeister in ihrer Kompetenz für neue Medien. Er lässt sich sich mit den Worten zitieren: “…sie wissen, wo sie sich Musik und Filme besorgen können. Aber wirklich gut darin ist auch nur eine Minderheit.” Wen will er damit beruhigen?

Der Text von Manfred Dworschak erreicht damit eine sehr seltsame Logik: Den Jugendlichen fehlt es an Kompetenz im Netz und obwohl sie es lange und intensiv nutzen, hat sich praktisch kaum etwas geändert. Das mag vielleicht für den Bereich der Schulbücher zutreffen. Auch Internet-Manifeste werden noch überwiegend von den Digital Immigrants geschrieben (einer kleinen Minderheit unverbesserlicher Optimisten?).

Ansonsten aber müsste man schon ziemlich blind sein um nicht zu sehen, dass das Internet einen grundlegenden und unumkehrbaren Wandel ausgelöst hat, der bei Weitem nicht nur von der Jugend mehr “Literacy” in Bezug auf digitale Inhalte fordert.

Genau das sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen oder gar noch damit kokettieren: Deutschland steht im globalen Wettbewerb Ländern gegenüber, die diese Themen sehr viel ernster nehmen und deutlich weiter sind. Oder um es mit den Worten des Lern- und Wissens-Forschers Martin Lindner zu sagen:

“Der gegenwärtige Stand des Bildungssystems und der Netzgesellschaft in Deutschland ist ein Desaster. Die Prognosen für unsere wirtschaftliche und kulturelle Vitalität und Zukunftsfähigkeit sind sehr, sehr schlecht, weil die Welt sich rasend schnell verändert. Die Diskussion wirkt immer so gemütlich, als lebten wir noch in der 1970er-Welt, in der es nur darum geht, geschmäcklerisch zu überlegen, welche subtilen didaktischen Mittel die kompetenten Lehrer einsetzen müssen, um ihren Schülern das Denken beizubringen. Die Lage ist aber sehr viel ernster. Es ist keine Luxusfrage, sondern schlicht Grundausbildung für die ‘Flat World’, die man den Schülern schuldig bleibt – und sich selbst auch, weil man keine Ahnung hat.”

Der schön gewählte Titel des Spiegel-Textes, “Null Blog”, trifft so gesehen in seinem Kern gar nicht die heutige Schüler-Generation, sondern fällt auf deren Eltern, Lehrer und die Politik zurück: Denn diese Generation ist es, die keinen Bock auf eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Internet hat und die nicht sehen will, dass Deutschland in diesem so wichtigen Zukunftsbereich kaum ein Bein auf den Boden bekommt (außer vielleicht in Fragen der Regulierung des Netzes).

Es ist auch viel bequemer, über Google zu schimpfen, als darüber zu debattieren, warum es bei uns keine vergleichbaren Unternehmen gibt und wie sich das auf die Zukunft des Standorts Deutschland noch auswirken wird. Null Bock auf das Internet hat schließlich auch unsere Presse, für die der Artikel von Manfred Dworschak wie Balsam auf die geschundene Seele sein muss, weil er der Illusion Auftrieb geben mag, dass eine Generation von Jugendlichen, die nicht richtig googeln kann, am Ende wohl wieder zur guten alten Zeitung greifen wird.

Update: Link zum Kommentar von Martin Lindner und auf den Spiegel-Artikel ergänzt.

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53 Kommentare

  1. Tweets that mention Spiegels “Null Blog”-Generation: Kein Grund zur Sorge, sie hören immer noch Musik — CARTA -- Topsy.com |  04.08.2010 | 12:29 | permalink  

    [...] This post was mentioned on Twitter by Carta, Felix Schaumburg, Felix Schaumburg, Sabine Haas, Media Wettbewerbe and others. Media Wettbewerbe said: Spiegels “Null Blog”-Generation: Kein Grund zur Sorge, sie hören …: Seltsamerweise sieht der Spiegel-Text an den… http://bit.ly/apBZfI [...]

  2. Martin Lindner |  04.08.2010 | 12:34 | permalink  

    Gut gegeben, Matthias! Den spontanen (längeren) Kommentar, aus dem hier zitiert wird, habe ich inzwischen als Diskussionsbeitrag gebloggt: http://martinlindner.posterous.com/

  3. Sigi Jakob |  04.08.2010 | 12:47 | permalink  

    Matthias, deinem Kommentar ist níchts hinzuzufügen! Es gibt immer wieder Versuche, den Leuten, die sich der Entwicklung nicht stellen wollen, Sand in die Augen zu streuen, damit sie sich keine Sorgen machen müssen! Wir müssen uns aber Sorgen machen, denn wir verschlafen wieder mal die Entwicklung, sich ducken hilft da nichts!

  4. Bastl |  04.08.2010 | 13:19 | permalink  

    Wäre es eine Rede gewesen würdest du jetzt von mir stehende Ovationen bekommen! Sehr schön gesagt!

    Schade nur das die 70er Jahre Printmedien gerade alles versuchen um ihre Zeitblase zu konservieren. Das wäre dann wirklich ein extremer Rückschritt/Stillstand.

  5. Mela Eckenfels |  04.08.2010 | 13:34 | permalink  

    Danke. Besonders die letzten beiden Absätze möchte ich dick unterschreiben.

  6. Chocosuga |  04.08.2010 | 13:37 | permalink  

    Wegen solchem Schwachsinn lesen ich keinen SPIEGEL. Von wegen SPIEGEL Leser wissen mehr, die wissen eher gar nichts…wie auch, wenn sich die Redakteure mit Themen befassen, die sie sich zusammen fantasieren, wie die BILD Zeitung ihre “Meinung”

  7. Lisa Rosa |  04.08.2010 | 13:39 | permalink  

    Genauso!

  8. Prof. Dr. Karsten D. Wolf » Blog Archiv » Digitale Literalität verlängert die Bildungshebel |  04.08.2010 | 13:56 | permalink  

    [...] Der epochale Wandel wird nicht verstanden [...]

  9. southgeist |  04.08.2010 | 14:32 | permalink  

    Naja, der Spiegel hat schon hanebüchenen Unsinn über 16-jährige geschrieben als ich selbst noch 16 war, und es hat sich offensichtlich hervorragend verkauft. Warum also sollte er ein einmal etabliertes Erfolgskonzept ändern?

  10. Andreas |  04.08.2010 | 17:51 | permalink  

    Grundsätzlich stimme ich zu. Ich finde aber beide Texte durchaus erhellend. Die Kernaussage ist für mich durchaus: Die Jugendlichen stellen das Online-Leben nicht über das “Reale”. Ich mache auch den PC aus und gehe zum Training, oder treffe mich mit Freunden, besuche Termine. Das klingt für sich genommen erst mal selbstverständlich. Das es nochmal bewusst formuliert wird, hat trotzdem seine positive Seite. Denn in Zeiten, in denen (ich sage mal: Wir) wir als ewig online und Real-Life-Fremd betitelt werden, tut diese Klarstellung gut.

    Aber auch deine Ergänzugen/Korrekturen haben ihren Sinn. Beim video-Aspekt dachte ich spontan an Duisburg. Dass so vile Video-Fähige Handys haben und diese auch nutzen könne und nutzen, darüber hinaus mit YouTube umgehen können, hat das Ausmaß der Tragödie erst deutlich gemacht. Ohne diese Bilder hätten wir sicher anders reagiert. Das hat schon Relevanz. Nach Plan wären vermutlich nur private Tanz- und Saufvideos entstanden, wie sie auch im Spiegel-Text erwähnt werden.

    Einzig: Ich glaube nicht, dass der Artikel das Internet kleinreden soll. Aber wissen kann ich es natürlich nicht, auch wenn ich gerade nur ein Haus neben den Spiegel-Redakteuren arbeite ;)

  11. Detlef Borchers |  04.08.2010 | 22:11 | permalink  

    Manfred hat in einem Punkt recht. Ich seh es bei meinen Jungs, 22 und 18 Jahre alt und mit IT.-Krempel ohne Ende aufgewachsen: Das Internet wird heftig genutzt, aber nicht verklärt. Es ist eine Art Kupplung, die man beim Kommunikations-Schalten treten muss. Mehr nicht, der Rest ist Tulpenfieber alter Kacker. In den Dritte-Welt-Initiativen, in denen sie leben, ist Internet ein Alltags-Vehikel ohne besonderen Reiz. Wenn Ur-Oma zum Geburtstag gratuliert, sind sie mit Video-Skype dabei und bieten an, beim Online-Banking zu helfen. Daraus eine Mission, zu machen, darüber werden sie wohl heftig lachen. –Detlef

  12. Der schwache Internet-Standort Deutschland |  04.08.2010 | 22:14 | permalink  

    [...] Matthias Schwenk auf Carta: [...]

  13. Digital Life – Links des Tages vom 04.08.2010 » aliens, Facebook, gmail, null blog, stubenrein, suchmaschinen, Twitter » Digital Life |  04.08.2010 | 22:26 | permalink  

    [...] Spiegels “Null Blog”-Generation Sehr interessant zu lesen und den Eindruck habe ich auch des öfteren bei [...]

  14. Matze |  04.08.2010 | 22:39 | permalink  

    Mein persönlicher Eindruck ist ein anderer:
    Jugendliche wissen nicht, wann sie Google fragen sollen (grundsätzlich immer), Erwachsene wissen nicht, wie sie Google fragen sollen.
    Vielen Erwachsenen ist z.B. nicht bewußt, daß Google zur Suche dient, sie tippen die URLs einfach in die Suche ein, um sie dann anzuklicken.
    Oder sie versuchen die Suchanfragen “Computergerecht” abzusenden, was dann in entweder zu wenig Treffern oder zuviel mündet (konkretes Beispiel habe ich hier nicht, ist einfach zu lang her, daß ich meinen Eltern Google erklärt habe).
    Das Beispiel mit der Jugend habe ich aber präsent:
    Ich bin Administrator in einem Team von 4 Leuten. Wir haben einen Praktikanten bekommen, der “mal in die Computerei reinschnüffeln” wollte (Schulpraktikum, auf dem Weg zur Selbstfindung, 15 Jahre alt).
    Er hat bei uns erklärt bekommen, aus welchen Komponenten ein PC besteht und seine Aufgabe war, aus den vorhandenen “Leichen” (PCs, wo Komponenten fehlen) funktionierende zusammenzubauen.
    Es kam natürlich, wie es kommen mußte, daß einer der zusammengebauten PCs nicht hochfuhr und nur ein piepsen von sich gab. Ergebnis war ein ratloses Gesicht vom Praktikanten und ein Grinsen der Admins. Auf seine Frage, was es denn sein könnte, gab es die Antwort: “Du kannst jetzt anfangen, den PC wieder auseinander zu bauen und jedes Teil überprüfen (sprich Raten), oder Du nimmst den funktionierenden dort und fragst Google. Wir wissen zwar, was es ist, aber finde es selber raus.” Keine 5 Minuten später war der Fehler mit Hilfe von Google gefunden (kein RAM eingebaut).
    Bemerkenswert ist aber, nach was gesucht wurde: “rechner piept beim einschalten zwei mal”. Ich bin mir relativ sicher, daß mein Vater eingegeben hätte “rechner piept”.

    Das nur zu dem Thema, daß der zu Untersuchende dem Untersucher voraus ist.
    Weniger Nutzung heißt nicht zwangsläufig, daß man sich damit nicht auskennt, es kann auch bedeuten, daß man es einfach effektiver nutzt.

  15. Christoph Kappes |  04.08.2010 | 22:50 | permalink  

    Hm, wenn irgendein Bildungsforscher kompetent zum Thema Neue Medien ist, dann ist es Prof. Rolf Schulmeister. Der hat sich schon 1987 mit Hypertext und eLearning befasst, da sassen andere Experten noch auf den Bäumen. Er sagt und schreibt nicht immer Gefälliges, aber die Kompetenz sollte man ihm nicht abstreiten. Meine ganz persönliche Meinung.

  16. Womit wir im Netz unsere Zeit verbringen « Das Zahni Weblog |  04.08.2010 | 23:23 | permalink  

    [...] Matthias Schwenk bei carta.info über die Spiegel-These schreibt: „Es ist, als beobachtete man den Vogel im Käfig und käme [...]

  17. Martin |  05.08.2010 | 01:29 | permalink  

    ACK!

  18. Blogs Freie Universität Berlin » Blog Archiv » NullBlog Generation? |  05.08.2010 | 11:15 | permalink  

    [...] Mathias Schwenk [...]

  19. User-Blogs Freie Universität Berlin » NullBlog Generation? |  05.08.2010 | 11:17 | permalink  

    [...] Mathias Schwenk [...]

  20. Tweets that mention Spiegels “Null Blog”-Generation: Kein Grund zur Sorge, sie hören immer noch Musik — CARTA -- Topsy.com |  05.08.2010 | 11:25 | permalink  

    [...] This post was mentioned on Twitter by Markus Trapp, Braintribe.org. Braintribe.org said: http://carta.info/31613/ guter artikel http://fb.me/FqoLmRnV [...]

  21. Tim |  06.08.2010 | 07:15 | permalink  

    Manchmal sollte man einfach mal auch den Autor in die bewertung einbeziehen. Manfred D. hatte erst Anfang des Jahres mit einer Spiegelstory großes Medieninteresse erzeugt. Er hatte das Interview mit dem Wachkoma-Patienten geführt. In einer Ausgabe musste D. einräumen, dass Rom Houben, der Patient, nicht mit der angeführten “gestützten Kommunikation” mit ihm reden konnte. Die Richtigstellung hatte das Nachrichtenmagazin unauffällig in einem langen Artikel über neue Ideen der Hirnforschung versteckt.

    Es gibt Journalisten und Stories, bei denen jeder Diskussion darüber Zeitverschwendung ist.

  22. „Null Blog“? – Schüler und Lehrer der KAS im Spiegelinterview « Steuergruppe der Kaiserin Augusta Schule, Köln |  06.08.2010 | 10:28 | permalink  

    [...] Schwenk antwortet auf den Artikel von Manfred Dworschak in seiner Replik „Spiegels Null Blog-Generation: Kein Grund zur Sorge, sie hören immer noch Musik“ mit der Frage, ob die fehlende Medienkompetenz der Schüler auch die ihrer Eltern und Lehrer [...]

  23. Thilo Specht |  06.08.2010 | 12:25 | permalink  

    @Detlef Borchers made my day – der beste Kommentar zu Thema. :-)

    Es ist doch so: Wir reden über Jugendliche. Im Alter von 16 gab und gibt es genau drei große Themenkomplexe: Musik, Mode und Sport. Über die lassen sich nämlich eigene Jugendkulturen definieren.

    Sonst sollten wir bei Jugendlichen nicht so viel vorraussetzen. Seit dem Urschlamm stehen die nämlich immer vor den gleichen Herausforderungen: Die Welt der Erwachsenen verstehen zu lernen und zu akzeptieren, obwohl sie von den Erwachsenen nicht für voll genommen werden.

    Die Kids bloggen nicht? Ja und? Ich bin mir sicher, die Tagebuchschreiber sind in meiner Generation auch eher eine Minderheit. Kreatives Schaffen in Textform turnt in dem Alter eher ab. Das mag daran liegen, dass es von der Schule schon viel zu häufig abverlangt wird. Ätzend.

    Fuck. Wer nicht weiß, was die Kids im Social Web machen, sollte sich einfach mal 100 YouTube-Kommentare durchlesen. Danach ist man heilfroh, dass die nicht twittern…

  24. herrlarbig.de » Blog Archiv » Das Netz, seine Funktionen und die „Null Blog“-Debatte |  06.08.2010 | 18:55 | permalink  

    [...] Matthias Schwenk: Spiegels “Null Blog”-Generation: Kein Grund zur Sorge, sie hören immer noch Musik [...]

  25. Jens Best |  06.08.2010 | 21:36 | permalink  

    Für die Jugend

    Die Normalität des Social Web und die von einigen (mehr oder weniger) utopistischen Denkern und Machern hineingesehenen Möglichkeiten des menschlichen Fortschritts befinden sich gerade an einer spannenden Stelle in der Historie.

    Der Reaktionäre will das Web jetzt mal “normal” machen, von seinem “anders ist möglich-Duktus” lösen.

    Der Hardcore-Progressive verweigert sich zu sehen, dass es unterschiedliche Geschwindigkeiten in der Gesellschaft gibt. Wer diese verkennt, vergräbt Entwicklungschancen der Gesamtgesellschaft, sonnt sich in seiner Avantgarde und evangelisiert sich einen vor.

    An der nachfolgenden Generation wird sich zeigen, ob das Web seine Versprechen für eine partizipativere, transparentere und offenere Gesellschaft erfüllen kann. Vermittlungswege dafür müssen formuliert werden (auch noch während sich einige Verfahren selbst in Beta-Phasen befinden) und gleichzeitig muss den geistigen Besitzstandwahrern die Stirn geboten werden, die das Web “domestizieren” wollen.

    Die Aufgaben sind nun nachhaltiger Natur, das Herausarbeiten der neuen Qualität einer digitalen Gesellschaft. Konkret an vielen Stellen der Gesellschaft.

    Um es mit Rudi Dutschke zu sagen:

    Revolution ist nicht eine Sache von Tagen,
    wo geschossen wird und Auseinandersetzungen stattfinden.

    Revolution ist ein langer langandauernder Marsch und Prozess,
    um die Schaffung von neuen Menschen, die fähig sind,

    nicht eine Clique durch eine andere zu ersetzen nach der Revolution
    sondern massenhaft Demokratisierung von unten, bewusste Produzentendemokratie
    entgegenzusetzen bürokratischer Herrschaft von oben.

    An diesem Kampf habt ihr weiterzuarbeiten,
    in diesem Kampf habt ihr eure Bedürfnisse zu entfalten
    und in diesem Kampf ist jeder beteiligt, wo auch immer er sich in der Welt befinden mag.

    (Aus einer anderen Zeit, aber ich finde es passt sehr gut.)

  26. paulinepauline |  07.08.2010 | 10:06 | permalink  

    Ich finde, es reicht, wenn man das Thema auf die Kommentare von Detlef Borchers (11) und Thilo Specht (23) reduziert. Genau meine Meinung. Und der Spiegel Artikel räumt hoffentlich endlich mal mit diesem nervigen Digital Natives-Gelabere der Social Media Experten auf. Ich kanns nicht mehr hören! Wesentlich sinniger ist die Unterscheidung zwischen Offlinern und Onlinern.

  27. Tweets that mention Spiegels “Null Blog”-Generation: Kein Grund zur Sorge, sie hören immer noch Musik — CARTA -- Topsy.com |  07.08.2010 | 10:30 | permalink  

    [...] This post was mentioned on Twitter by paulinepauline, paulinepauline. paulinepauline said: @carstenpoetter der carta-artikel ist mir viel zu überzogen, ich mag die kommentare http://bit.ly/azFLju und http://bit.ly/bkOQeu :) [...]

  28. Gerald Pechoc |  07.08.2010 | 20:05 | permalink  

    Selbstverständlich gibt es Unterschiede bei der Entwicklung von Jugendlichen selbst wenn der Altersunterschied nicht groß ist. Ich denke, aus eigener Erfahrung urteilend, daß nicht nur das Wissen der Eltern und das Vorhandesein von Infrastruktur eine wesentliche Rolle spielen, sondern vor allem die eigenen Anlagen.
    der eine will diese Technologie gerne nutzen, der andere schreibt die Nachrichten lieber mit dem ungespitzten Bleistift auf eine alte Rechnung.
    Ich persönlich denke, daß die Entwicklung in letzter Zeit wieder etwas Energie aus der Menge bekommen hat (500Mio. Facebook User bedeuten eine Menge Marktpotential).
    Noch kann man die Internetnutzung “verweigern”, aber in Zukunft ?
    -> http://kaffeeplausch.wordpress.com/2010/08/07/cloud-9-computing/

  29. SpOn und die Net-Generation « |  07.08.2010 | 22:31 | permalink  

    [...] ist auf Carta zu lesen, der Autor würde von der Jugend von heute zuviel erwarten, nämlich nichts weniger als [...]

  30. Hotte |  07.08.2010 | 23:46 | permalink  

    Ich finde den Spiegel-Artikel gut, weil er schön zeigt, dass die Apologeten des Web 2.0 ihr Anderssein nur dadurch kaschieren wollen, dass sie möglichst viele mit reinzuziehen versuchen. Vor 10, 15 Jahren waren das noch picklige Nerds, die unter sich waren und auf einmal sind sie sozial, weil irgendwo ne Liste mit 500 “Freunden” steht? Wers glaubt.

  31. Surfer |  08.08.2010 | 12:20 | permalink  

    Es gibt wohl nichts Interessanteres, Weitschweifigeres, Redundanteres, Putzigeres, Vermesseneres als Diskussionen im Internet (und anderswo) über das Internet. Die Macher wie die Leser eines Blogs wie diesem hier sollten sich nichts darüber vormachen: Grundsätzliche Fragen und Debatten wie die hier geführten werden auch mit und im Internet weiterhin nur eine Minderheit von Intellektuellen interessieren. Wie sollte ein neues technisches Medium und die mit ihm gewachsenen neuen technischen Möglichkeiten für solche intellektuellen Foren daran etwas ändern … Neue Techniken schaffen keine grundsätzlich neuen und anderen Menschen, sondern nur neue technische Möglichkeiten für ihre bestehenden Neigungen. Menschen werden also auch das Internet nur für die Neigungen und Vorlieben nutzen, die sie bereits ohne Internet hatten bzw. auch ohne das Internet gehabt hätten.

  32. Laura |  08.08.2010 | 12:58 | permalink  

    Herrlich, gut gesprochen! *applaudier*

  33. Lisa Rosa |  08.08.2010 | 14:18 | permalink  

    @Surfer
    “Menschen werden also auch das Internet nur für die Neigungen und Vorlieben nutzen, die sie bereits ohne Internet hatten bzw. auch ohne das Internet gehabt hätten.”
    Schon richtig, aber nicht ausreichend. Denn die Art und Weise, wie Bedürfnisse realisiert werden (können), hängt vom Medium ab. Und die Art und Weise der Realisierung wirkt sich wieder auf die Bedürfnisse selbst aus. Wenn das nicht so wäre, dann wären wir noch die gleichen Menschen wie in der Steinzeit. Und die Frage, warum sich Kultur verändert, Menschheit entwickelt und auch neue Realisierungsbedingungen (z.B. Medien) von Bedürfnissen sich entwickeln, wäre nicht zu beantworten. Unter der Annahme, dass der Mensch immer gleich bleibt, ist Kulturentwicklung (also auch Technologieentwicklung) ein Ding der Unmöglichkeit.

  34. Surfer |  08.08.2010 | 14:50 | permalink  

    Der Einfluss der Mittel, u.a. von Medientechniken, auf die Entwicklung von Neigungen wird völlig überschätzt. Die Neigung über Gesellschaftliches zu debattieren hatten Menschen auch schon vor Jahrhunderten ohne Internet, in Tabakskollegien, Lesestuben, Zeitungen u.ä.. Es war damals eine Minderheit, die das ausgeprägte Bedürfnis dazu hatte, das in einem öffentlich relevanten Rahmen zu machen und wird es auch heute mit Internet sein. Neue Medien können daran wenig bis garnichts ändern, weil sie Menschen nicht grundsätzlich ändern, sondern nur ihre Mittel für ihre grundsätzlichen Neigungen.
    Technik ist nicht völlig deckungsgleich mit Kultur. Technik ist sicher ein Kulturmittel – aber dass Menschen mit neuen technischen Möglichkeiten engagierter, kulturvoller, kultivierter oder sonst irgendwie anders werden, ist überhaupt nicht zwangsläufig gegeben. Denn das ist tatsächlich keine Sache von Medien, sondern von Menschen selbst. Menschen können auch über Medien nur das übertragen, was sie mit sich selbst anstellen. Mit dem Internet ist nur eine Verbesserung der Übertragung dessen gewonnen, was Menschen anstellen, aber kaum eine Verbesserung der Menschen selbst. Technik verändert keine Menschen – sondern allenfalls Menschen sich selbst, u.a. mit Technik. Wer sich vor dem Internet bereits für Politik interessierte, wird das auch im Internet. Wer sich vor dem Internet vorwiegend für Schnullifax interessierte, wird das auch im Internet. Die Art des Mediums ist dafür eher bis völlig sekundär.

  35. Jens Best |  08.08.2010 | 15:42 | permalink  

    @lisarosa

    Lass den anonymen “Surfer”, der will nur trollen.

  36. Sven |  08.08.2010 | 16:10 | permalink  

    Was bleibt also unter dem Strich,

    zum einen die Alte Generation, die anscheinend trotz Unmut nicht in der Lage ist sich über Politik, Steuern und Kita Gebühren zu vernetzen und etwas zu verändern und daneben die junge Generation, die das noch nicht interessiert, aber wenn erst 10 Jahre vergangen sind dann…….

    Unter dem Strich bleibt also der Wunschgedanke, wenn der Spiegel schon zeigt, dass derzeit eine Null Blog Generation heranwächst, dass diese Generation in 10 Jahren dann endlich der Hype ist den man sich wünscht.

    Die Frage ist was dann in wenigen Jahren passiert, wenn die gewünschten Verhaltensmuster ausbleiben, aber ich denke da wird dem Artikelschreiber schon das passende einfallen um entweder das ganze noch 10 Jahre ins futuristische zu verschieben, oder auf die nächste Generation zu hoffen.

  37. Alexander Malek |  08.08.2010 | 16:56 | permalink  

    Dazu passt auch: http://www.wdr5.de/fileadmin/user_upload/Sonderseiten/2010/Literaturmarathon_2010/Audios/100805payback.mp3

    Frank Schirrmacher sieht düstere Zeiten auf uns zukommen: Haben wir das selbstständige Denken längst verlernt, weil uns Computer immer mehr Arbeit abnehmen? Bei der Litcologne 2010 diskutierte der FAZ Herausgeber die wichtigsten Thesen seines aktuellen Buchs “Payback” mit Frank Plasberg und warnte vor einer Diktatur der neuen Medien. Der freie Wille steht auf dem Spiel, wenn wir uns unkritisch auf die Logik und die Zwänge des Internetzeitalters einlassen. Schirrmacher betrachtet aber auch die andere Seite: War früher – also ohne Computer und dergleichen – wirklich alles besser? Bis zu welchem Punkt ist die Technik nützlich und ab wann wird ihre stumpfe Intelligenz zur Bedrohung? Bereits mit seinen Büchern „Der Methusalem-Komplex“ und „Minimum“ löste Frank Schirrmacher Debatten über die Vergreisung der Gesellschaft und die Bedeutung der Familie aus. Jetzt, in Payback fordert er eine Rückbesinnung auf unsere analogen Stärken in einer digitalen Zeit.

    Na ja, wie schon festgellt wurde, hört “Generation Null Blog” wenigstens noch Musik.

  38. chris123.net » Spiegels “Null Blog”-Generation |  08.08.2010 | 17:20 | permalink  

    [...] Spiegels “Null Blog”-Generation: Kein Grund zur Sorge, sie hören immer noch Musik — CARTA. | Tags: Gesellschaft « WWW::Mechanize: 1 Kommentar = 1 [...]

  39. Surfer |  08.08.2010 | 21:05 | permalink  

    Interessantes Interview mit Schirrmacher. Die zahlreiche Kritik an seinen Warnungen vor dem Internet führe ich u.a. darauf zurück, dass Schirrmachers Kritiker die durchaus zutreffenden und realistischen Punkte seiner Beschreibungen nicht wahrhaben wollen.
    Ich würde mich selbst anfangs teils sogar mit dazu zählen – muß aber mittlerweile konzedieren, dass er in vielem durchaus recht hat.
    Den ständigen Zwang, Informationen zu widerstehen und sie nicht anzuklicken, übt das Internet, wenn man es nutzt, ohne Zweifel aus. Dieser Druck ist durch die Überfülle an Informationen und Interaktionen im Internet viel größer als etwa in einzelnen Printtiteln. Multitasking verneine ich zwar nicht grundsätzlich – aber gewisse Vermatschungstendenzen stelle ich in meinem Hirn durchaus auch fest.
    Auf alle Fälle haben wir uns mit dem Internet was eingehandelt, das sich viel schwieriger beherrschen läßt als bisherige Medien und das noch ein gehöriges Stück Reflexion und Ordnung benötigt.

  40. Jens Best |  09.08.2010 | 00:00 | permalink  

    @surfer

    Vielleicht bist du doch kein Troll, klingst eher nach einem jugendlich-ungestümen Leser.

    Deswegen ein Versuch:

    Viele von denen, die Schirrmachers Payback kritisieren, hören und lesen seine Meinung sehr wohl gerne an. Ich für meinen Teil war zu Beginn hoffnungsvoll, dass es ggf. einige interessante Äußerungen aus der berufenen Feder eines konservativen Intellektuellen geben könnte. Aber leider greift die Kritik zu kurz in ihrem “The Rise of the Algorithm-Machines”-Menetekel. Der gepflegte Kulturpessimismus, für den ich die konservativen Denker (u. insbesondere das FAZ-Feuilleton) schätze, kippt in apokalyptische, wenn auch wohl formulierte Prophezeiungen, deren Begründungen in ihrer Unwissenschaftlichkeit in der Sache und in ihrem Misstrauen gegen den Menschen…..bedauernswert sind.
    Die Angst war noch nie ein guter Berater.

    Dennoch, und damit will ich versuchen den Bogen zur obigen “Null Blog”-Response schlagen, ist klar, dass das Web, wie alles andere um uns herum, das Gehirn beeinflusst. Zwar schlagen die meisten Neurowissenschaftler die Hände über dem Kopf zusammen, wenn sie die kruden Ableitungen Schirrmachers und Carrs aus ihren Studien lesen, aber es ist sicher festzustellen, dass die aktuellen Web-Nutzungsgewohnheiten auf einen kulturell unvorbereiteten Boden fallen. Dort kann man sie kritisieren, ignorieren oder sich hinsetzen und überlegen, was man den jetzt mit diesen neuen Techniken sozial anfangen kann.

    Da kommen die mitgebrachten Menschen- und Gesellschaftsbilder ins Spiel. Deine oben aufgeführte verquarzte ‘Theorie’ zur Entwicklung von menschlichen Neigungen endet in einer richtigen Erkenntnis: Menschen werden tatsächlich nicht einfach durch neue technische Möglichkeiten “engagierter, kulturvoller oder kultivierter”. Und weiter führst du richtig an, es sei “keine Sache von Medien, sondern von den Menschen selbst” diese Entwicklungen umzusetzen. “Menschen können auch über Medien nur das übertragen, was sie mit sich selbst anstellen” – Da triffst du – unwissentlich wohl – genau den Punkt. Das Web, dieses all-verknüpfende (und damit auch ab und an konfuse) Medium, bietet den Menschen die Möglichkeit Dinge und Prozesse zu machen, die bis jetzt nur mit größerem organisatorischen Aufwand umzusetzen waren und deswegen für die meisten people, insbesondere Kids, eher frustrierend in seiner langwierigen Umsetzung waren. Und ja, der ein oder andere Mensch muss erst quasi drauf gestossen werden, mal wieder etwas zu wagen, was über eine Bewerbung bei DSDS hinausgeht (wobei das ja schon die Wagemutigeren sind).

    Und ja, die meisten setzen das Web auch vor allem für die alltäglichen Dinge der Kommunikation, des Quatsch(machens) und soweiter ein. Das ist auch gut so, denn damit lernen sie, wie selbstverständlich man sich austauschen, verknüpfen kann, wie unkompliziert gemeinsame Projekte mit Webtools organisiert werden können. Sie erhöhen spielerisch und ohne großen tieferen Sinn ihre Medienfähigkeit. Es bedarf nur noch eines kleinen Schrittes, um vom passiven youtuber zum “ich probier’ mal mein erstes Video”-youtuber zu werden. Und ja, das erste Video wird crappy sein, aber ist das erste eigene Video. Drehen, Schneiden, Vertonen sind kulturelle Partialfähigkeiten, die aber dazu beitragen, dass die Suggestivkraft des Bewegtbildes entzaubert wird. Es entwickelt sich ein kritischer Blick auf das Präsentierte, mag es von Freunden, von Politikern, von “Rockstars” oder Werbung sein. Nimmt man dann noch das meinungsgeladene Bloggen, Social Networks mit all ihren neuen Aspekten und Kräften in den weak ties und die ganzen “Mitmach”-Möglichkeiten bei wikipedia, flickr und tausend anderen gut oder schlecht gemachten Social Web Tools, dann sind…

    …Diese “Vermatschungstendenzen”, die du in deinem Kopf hast, sind ja wohl total verständlich. Bei all den neuen Möglichkeiten, Eindrücken und Umbrüchen. Trotzdem hoffe ich, dass dein Tonfall einer momentanen “Ich brauch mal Pause”-Stimmung geschuldet ist. Kulturpessimismus ist unsäglich leicht in den heutigen Tagen. Wirklich spannend ist es, die neuen Möglichkeiten mit Sinn zu füllen und den verschütteten, wenig gepflegten “Neigungen” der Menschen in den Dienst zu stellen. Dafür braucht es eine große kulturelle Anstrengungen. In Unternehmen, in Freundeskreisen, in Schulen – kurz in der Gesellschaft. Mit einem Internet-Knigge ist es nicht getan, um die neuen Tools voll zu benutzen, um das Menschenbild wieder ein Stück emphatischer, effizienter und zukunftsfreudiger zu machen. Gerade in Deutschland.

    Gott, wer bis hier den Kommentar gelesen hat, dem kann ich auch in aller Ruhe diesen Film empfehlen, der das ganze ein wenig anschaulicher in der Praxis macht. “Us Now” http://vimeo.com/4489849

    PS: Und für die unverbesserlichen Schirrmacher-Fans sei dieser böse, ablenkende Hyperlink erwähnt. ;) http://www.edge.org/3rd_culture/schirrmacher09/schirrmacher09_index.html

  41. blogoscoop » Rund um den Blog (09.08.2010) |  09.08.2010 | 08:06 | permalink  

    [...] Spiegels “Null Blog”-Generation: Kein Grund zur Sorge, sie hören immer noch Musik Antwort von Matthias Schwenk auf den Artikel “Null Blog”. [...]

  42. Thilo Specht |  09.08.2010 | 10:02 | permalink  

    In der Diskussion werden mittlerweile zwei Themen teilweise recht undifferenziert behandelt.

    a) Welche Auswirkungen hat “das Internet” auf die Gesellschaft? Verändert es den Menschen? (Allein die Frage ist schon falsch: Was ist mit “Internet” gemeint? Die Einzelaspekte – Kommunikation, Soziale Beziehungen, Partizipation, etc. pp. – sollten getrennt voneinander betrachtet werden. Es geht nicht um die Technologie, sondern deren Anwendung.)

    b) Tickt die Jugend nicht so, wie gewünscht? Sind Digital Natives gar nicht so digital?

    Zu b) wurde IMHO schon alles gesagt. Zu a) noch ein Hinweis, nachdem Jens Best hier schon sehr gut ausgeholt hat:

    Kultur bedingt auch immer Innovation – die Lust am Neuen, am Entdecken, auch fern von Zweckrationalität. Neues ist immer nicht da gewesenens. Es muss eine Einordnung erfolgen aufgrund bestehender Wertemuster. Diese können sich dadurch verändern.

    Ergo: Natürlich verändern neue Technologien unsere Lebensweisen und damit auch uns selbst. Home-office und Teilzeitarbeit, Väter in Elternzeit und Frauen in Führungspositionen – alles Dinge, die es zu Zeiten der Industrialisierung nicht (oder sehr selten) gab. Zum einen ermöglicht durch die “Telearbeit” (ein putziges Wort), zum anderen durch die gesellschaftliche Gleichstellung von Mann und Frau (die immer noch nicht zu 100 % hergestellt ist, work in progress).

    Letztere wurde unter anderem ermöglicht durch den freien Zugang zu Bildungseinrichtungen wie Universitäten (und der Humboldtschen Idee von Lehre und Forschung als Einheit).

    Frauen mit einem enormen Wissen, das für die kapitalistische Wertschöpfung geeignet ist, passen nicht mehr zwangsläufig in die sozial konstruierte Rolle des Heimchens am Herd.

    Summa sumarum: Mehr Menschen konnten sich bilden, die technologischen Entwicklungen gingen in immer kürzeren Prozessschritten von statten.

    Ähnlich ist es mit dem Internet: Allein schon der Zugang wird viele Prozesse beschleunigen. Nicht alle werden besser, aber mehr junge Menschen mit großem Potential bekommen die Möglichkeit, ihr Potential auch auszuleben – ich denke da nicht unbedingt an OECD-Länder, sondern vielmehr an Afrika, Südamerika und andere Regionen, die dringend Anschluss an die Möglichkeiten des Internet zur Wissensvermittlung benötigen.

    Apologeten wie Prof. Kruse sprechen auch gerne von direkter Demokratie, mehr Partizipation und allem Guten dieser Welt, die dem Internet zu verdanken sein werden. Hier ist in der Tat Skepsis angebracht. Nur für Deutschland betrachtet: Das Parteiensystem hat sich seit Anbeginn der BRD nicht verändert. Unsere Lebensweisen tlw. sehr drastisch.

    Solangen bürgerliche/liberale/soziale Kräfte das Grundgerüst unserer Demokratie sowie halbwegs soziale Gerechtigkeit erhalten, ist das für die Meisten ok. Mehr Politik, mehr Engagement, ist dann für diese menschen nicht notwendig und wird es auch in Zukunft nicht sein.

  43. Surfer |  09.08.2010 | 12:35 | permalink  

    Wie man einen Text versteht, hat ja nicht nur was mit dem Text, sondern auch mit dem eigenen Verstehen zu tun. Mag sein (das habe ich garnicht so genau untersucht), dass Schirrmachers Konsequenzen besonders apokalyptisch und alarmistisch sind. Zumal er sowieso zum Alarmieren und Aufbauschen neigt. Seine Problembeschreibungen halte ich nichtsdestotrotz für großteils zutreffend. Seine Diagnosen, dass das Internet wesentlich mit zur derzeitigen Unruhe, Hektik, Unübersichtlichkeit, zu Chaos, Zeitmangel, Konzentrationsmangel, Zersplitterung u.ä. beiträgt, ist ja wohl ohne Zweifel zutreffend. Ich schätze also vor allem Schirrmachers Beschreibungen des Problems, weil sie bisher kaum jemand so öffentlichkeitswirksam vorgebracht und zugespitzt hat. Welche Schlussfolgerungen und Haltungen zum Internet man aus diesen realen Problembeschreibungen zieht, ist die nächste, ganz andere und wohl die eigentliche Streitfrage zu Schirrmachers “Payback”. Eine Frage, die zwei Seiten von Akteuren betrifft, 1.) die der “Internetmacher” und 2.) der Internetnutzer.
    Also 1.) eine Frage brauchbarer Strukturen und Ordnungen im Internet, von Recherchemitteln (insbesondere von bisher weitgehend fehlenden großen guten Katalogen) sowie der Anstrengungen von Onlinemedien zu solcher Ordnung und Struktur.
    2. ) ist das eine Frage des eigenen, persönlichen, individuellen Umgangs mit dem Internet.

    Ich glaube, mit Schlussfolgerungen aus den u.a. von Schirrmacher beschriebenen Problemen stehen die Gesellschaften noch völlig am Anfang, weil die Probleme als solche noch wenig erkannt sind und sich dazu womöglich erst noch weiter verschärfen müssen. Die weitgehend ungeordneten Informationsfluten müssen wahrscheinlich erst noch viel größer werden, um als problematisch empfunden zu werden, geschweige denn, dass man sich zu Konsequenzen zu ihrer stärkeren Begrenzung aufmacht.
    Die Hoffnungen darauf, dass sich plötzlich sehr viele Menschen der Techniken des Internets für gesellschaftliche Ziele (welche genau?!) bedienen würden, halte ich im übrigen weiterhin für hoffnungslos überzogen. Die Lebenswirklichkeit der meisten Menschen spielt sich weiterhin überwiegend in ihrer privaten Nische ab, woran auch eine neue Technik wie das Internet wenig bis nichts ändert, und insofern würde ich den Aussagen des Spiegel-Artikels in ihrer Essenz weitgehend beipflichten. Hier muß wohl zwischen Wünschen und Wunschbildern (der ich nenn sie mal “Internet-Intelligenzja”) auf der einen Seite und den Realitäten auf der anderen Seite unterschieden werden.

  44. Jens Best |  09.08.2010 | 13:10 | permalink  

    @surfer

    Du musst dich mal entscheiden

    “Entweder die Menschen gestalten ihre Umwelt und nicht das Internet.”

    oder

    Das Internet ist an “Unruhe, Hektik, Unübersichtlichkeit, Chaos, Zeitmangel, Konzentrationsmangel, Zersplitterung” schuld.

    Beides geht nicht.

    Was willst du die ganze Zeit mit “ungeordneten Informationsströmen” die ggf. “stärker begrenzt” werden müssten?

    Nur weil einige altgeprägte Gehirne es nicht gebacken bekommen, ihren Informationshaushalt interessant UND im Griff zu behalten, ist das keine gültige gesellschaftliche Gesamterfahrung.

    Die wie du es nennst “Internet-Intelligenzia” ist zwar eine sehr heterogene Mischpoke, aber eines kann man sicher feststellen: Die machen sich Gedanken, wie ein offenere und partizipativere Teilnahme an allen möglichen kommunikativen Gesellschaftsprozessen ermöglichen werden kann.

    Dass Krethi und Plethi die Lust und Fähigkeit an solchen Prozessen teilzunehmen selten in die Wiege gelegt bekommen hat. Auch dass gesellschaftlich in den letzten Jahrzehnten eher das Ego-Ich als das solidarische Wir gefördert worden ist, steht einer größeren sinnhaften Nutzung des Web entgegen.

    Womit wir also bei gesellschaftlichen Aufgaben wären, denn wenn du nicht ein völliger Misanthrop bist, sollte dir klar sein, dass kulturelle Befähigung des Einzelnen mehrheitlich von den gesellschaftlichen Machtstrukturen abhängt und nicht der individuellen Genmasse.

    Fazit: Nicht die (huh, Angst) “Informationsflut” ist ein Problem, sondern die Befähigung des Menschen, Kommunikation und Information weniger manipulativ, sondern solidarisch einzusetzen.

    Also, @surfer, ein bißchen mehr Konsistenz in deinen Aussagen und ein wenig mehr Inhalt als das gewollte Zitieren von Schirrmacher-Thesen. Wie sieht denn deine “Gehirnvermatschung” genau aus? Vielleicht musst du einfach mal deinen RSS-Feedreader aufräumen? Und – nichts gegen Nicknames, aber mit einem “surfer” zu reden ist irgendwie….öde.

  45. Surfer |  09.08.2010 | 13:57 | permalink  

    Ich glaube, wir unterscheiden uns in der Auffassung, dass Menschen befähigt werden oder sich weitgehend selbst befähigen. Ich tendiere eher zu letzterem. Auch das Befähigtwerden braucht eine Bereitschaft derer, die zu etwas befähigt werden sollen, sich befähigen zu lassen. Diese Bereitschaft, sich in gesellschaftlichen Belangen (meine Frage lautet weiterhin, in welchen Belangen genau eigentlich?) zu etwas “befähigen” zu lassen, ist vielfach eher verfestigt unterentwickelt, würde ich mal sagen. Fragt sich auch, wer genau da wen genau zu was genau befähigen soll.

    Mit Informationsflut meine ich vor allem die Vielzahl der interessanten Informationsanbieter und Informationen, Artikel, Videos usw., die dem vielseitig interessierten User im Internet täglich zur Verfügung stehen – und das ständige Problem, die Auswahl zu treffen, welchen Artikel man anklickt und welchen nicht. Ein Problem, das in der Art mittlerweile auch die Wirtschaft hat, wo obendrein auch noch der Wust an digitaler Kommunikation wie E-Mail hinzukommt.
    http://www.tecchannel.de/news/themen/business/1765330/informationsflut_in_unternehmen_steigt_stetig/
    Dieses Problem der Informationsflut, das mit der in meinen Augen haarsträubend unleserlichen Portionierung von Informationen einhergeht – und die Frage, zu welchen Zielen man das Internet wie nutzt, sind im übrigen zwei ziemlich verschiedene Paar Schuhe. Die letztere Frage, zu welchen Zielen man das Internet nutzt, ändert nichts an der Existenz des anderen Problems der Informationsfluten.
    Außerdem meine ich mit Informationsfluten, dass das Internet bisher thematisch nach wichtigen und wichtigsten Seiten weitgehend ungeordnet ist. Auch Googles Katalog finde ich in der Hinsicht völlig unzureichend und nutze ihn deshalb kaum.
    Der Eindruck der geistigen Vermatschung ergibt sich bei mir häufig, wenn ich das Internet ausschalte. Liegt vermutlich an der Vielzahl der einzelnen Artikel, die man so im Internet liest und an der Vielzahl der Dinge, die man so am PC und im Internet tut.

    PS. Im übrigen ist natürlich tatsächlich nicht das Internet an irgendwas schuld, sondern Menschen selbst in ihrer Art es zu nutzen und es überhaupt zu nutzen. Nichtsdestrotrotz übt die Art eines Mediums indirekt auch einen Einfluss auf dessen Nutzer aus. Ein Medium mit Millionen Einzelartikeln, Homepages, Videos, Audios, Fotos usw. eben leider Einflüsse der Vermatschung und Verzettelung. Das Internet stellt in dieser Hinsicht – mal ganz pauschal gesagt – völlig neue Anforderungen in der Mediennutzung.

  46. Sigi Jakob |  09.08.2010 | 14:31 | permalink  

    @surfer:
    Ausser dir, der sich hinter einem Pseudonym versteckt, diskutieren hier alle mit ihren echten Identitäten. Allein das zeigt schon die innere Einstellung zur Nutzung des Mediums und des Umhangs miteinander in einem wie auch immer gearteten sozialen Netzwerk. Wenn du hier weiterhin kommentieren möchtest, fände ich es den Lesern gegenüber rücksichtsvoll, deine Gedanken nach dem KISS (keep it short and simple) Prinzip zu formulieren. Sorry, aber das konnte ich mir jetzt nicht mehr verkneifen!

  47. Surfer |  09.08.2010 | 15:07 | permalink  

    Bei meinen längeren Beiträgen handelt es sich weniger um Kommentare, sondern um Teile einer Diskussion mit einem anderen Leser. Die werden dann leider mal etwas länger, wenn man auf jeden angesprochenen Punkt auch nur kurz eingeht. Wenn man das Internet schon zum Discktutiern propagiert, muß man auch inkauf nehmen, dass solche Diskussionsbeiträge und Reaktionen dann mal, wenn es sich nicht vermeiden läßt, etwas länger werden.
    Zur Nickfrage: Ob ich mich Johann oder Surfer nenne, ist beides nicht nachprüfbar. Ich bin hier sicher nicht der einzige mit einem Nick oder Pseudonym. Hicks (g)

  48. CARTA |  09.08.2010 | 16:16 | permalink  

    In 8 Schritten zur Medienkompetenz: Ein Lehrplan für Schüler, Lehrer, Eltern und Politiker…

    “Wer die digitale Welt nicht versteht, kann von ihr auch nicht profitieren.” Martin Weigert sammelt Vorschläge für einen Medienkompetenzlehrplan…….

  49. Dumpfer Revolutionsgedanke « Lonesome Rider's Blog |  11.08.2010 | 08:13 | permalink  

    [...] bereits Nerds sind. Die geplante revolutionäre Zukunftsmusik klingt nur dumpf ans Expertenohr. Matthias Schwenk schreibt in seinem Blog sehr anschaulich über diese Fehlsicht der Experten. Eltern = unwissend und [...]

  50. Smolix |  24.08.2010 | 23:17 | permalink  

    Allein die Reaktion auf den Artikel zeigt mir, dass es Hoffnung gibt. Übrigens ist ein Jugendlicher dabei ;-)))

  51. Matthias Schwenk |  26.08.2010 | 11:09 | permalink  

    @Smolix: Schön, dass hier auch Jugendliche mitlesen und mitdiskutieren! :-)

  52. Digitale Literalität verlängert die Bildungshebel « CIPPool |  26.08.2010 | 17:04 | permalink  

    [...] Der epochale Wandel wird nicht verstanden [...]

  53. Digitale Literalität verlängert die Bildungshebel | CIPPool |  27.08.2010 | 19:47 | permalink  

    [...] Der epochale Wandel wird nicht verstanden [...]

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