Matthias Schwenk | 25 Kommentar(e)
Hat Google gegen Facebook eine realistische Chance oder wird das Social Network den Suchmaschinen-Giganten bezwingen? Eine hochsommerliche Betrachtung unter Berücksichtigung prognostischer Parallelen der Fußballweltmeisterschaft.
07.07.2010 |
Googles Suchmaschine hat keine Zukunft mehr, sie ist praktisch schon tot und jeder weiß es. Denn Facebook wird Google platt machen. Facebook ist der neue Stern am Himmel und Social Search die Wachablösung für Googles Algorithmen. Wie konnte man auch nur auf die Idee kommen, alle Seiten im Internet indizieren zu wollen, sie nach einer kalt berechnenden Logik mit einem Zahlenwert zu versehen und auf Anfrage in seitenlangen Listen auszuwerfen, von denen die User das Meiste ohnehin nicht gebrauchen konnten.
Damit ist jetzt endlich Schluss, denn Facebook kann es besser. Bei Facebook interessiert man sich nicht für das Internet in seiner ganzen Breite und Tiefe und auch nicht für Faktenwissen: Man konzentriert sich vielmehr darauf, was unsere Freunde und die Freunde unsere Freunde gut finden. Social Search greift nur auf Material zurück, was irgendjemand, den Facebook kennt, schon mal besucht und für gut befunden hat. Noch sind das ganz überwiegend die netzwerkeigenen Profilseiten, Anwendungen und Gruppen. Aber über den Open Graph sind schon die ersten externen Webseiten eingebunden und können so als Suchergebnisse angezeigt werden.
Hat Google dagegen eine Chance? Natürlich nicht. Denn Facebook hat schon 500 Millionen User und täglich werden es mehr. Geradezu lächerlich muten da die Bemühungen von Google an, wenigstens einen Hauch von “Social” über seinen Page Rank zu streifen. Social Search made by Google? Das gibt es, wie ein Blogpost auf dem Official Google Blog vom Januar diesen Jahres belegt. Nur gesehen oder gehört hat man seitdem nicht mehr viel davon. Facebook dagegen ist in aller Munde und das reicht doch, oder?
Es muss! Denn was mich immer noch etwas irritiert, ist die Erinnerung an letztes Jahr, als Google auch schon mal abgeschrieben wurde, weil alle Experten das Real Time Web und damit die “Real Time Search” für das nächste große Ding hielten. Google konnte da bekanntlich überhaupt nicht mithalten, weil die Suchtreffer seiner Suchmaschine nicht aktuell genug waren und die neuesten Tweets nicht anzeigen konnten. Wo die doch so wichtig sind!
Und noch ein Jahr früher hielt man große Stücke auf das Semantische Web und war sich ganz sicher, dass Google hier keinen Stich machen würde, weil sein Index nur auf Verlinkungen basierte, während die semantische Suche die wirkliche Bedeutung von Wörtern und Texten erfassen können würde. Gut, das mit dem Semantic Web wurde dann nichts und Google bekam nochmal eine Gnadenfrist.
Diese Gnadenfrist hat Google bekanntlich dazu genutzt, Google Wave und Google Buzz zu entwickeln. Ist es nicht ein bisschen wie der Sturmlauf von Uruguay im Fußballspiel gegen Holland, als kurz vor Schlusspfiff noch das 2:3 fiel? Letztlich aber hatte Uruguay doch keine Chance und so wird es auch mit Google sein. Ganz bestimmt!
Denn jetzt, bei der Social Search, geht es nicht um vage Ideen oder kleine Startups. Jetzt steht Facebook dahinter und mit ihm Mark Zuckerberg. Gegen den ist bekanntlich kein Kraut gewachsen, das musste schon Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner feststellen. Der zieht das durch. Eiskalt, so wie die Holländer.
Gut. Facebook ist zwar nicht Orange sondern Blau. Aber sonst stimmen die Parallelen eigentlich ziemlich gut. Einzig vielleicht, dass im Weltmeisterschafts-Endspiel Holland gegen Deutschland als Kombination möglich ist. Was dann? Gewinnt am Ende doch noch Google gegen Facebook? Nicht auszudenken…




[...] This post was mentioned on Twitter by Robin, Carta. Carta said: Die Google-Suche ist tot. Ganz sicher. http://goo.gl/fb/3jqas [...]
Sicherer als sicher. ;)
“Bei Facebook interessiert man sich nicht für … Faktenwissen” Bei Wikipedia auch nicht. Und wenn die beiden social Giganten zusammenarbeiten, hat Google überhaupt keine Chance mehr. :-)
hihihi
:-)
Frage mich vorallem, wer schneller Gegner sammelt – FB oder google. (Ilse kann whrschl beide nicht ausstehen.)
Und an Twitter denkt wieder keiner ;-)
Was ist denn dieses Google von dem hier dauernd gesprochen wird?
Zum Glück sind Web und Fußball immer noch zwei verschiedene Paar Stiefel.
Herrlicher Artikel, Matthias. Gleich geflattert.
Sorry, vielleicht bin ich schon zu alt für Social Kram. Irgendwie hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass der Artikel ironisch gemeint sein könnte, was sich aber letztlich nicht bestätigte. So sehr ich dem vertraue, was mein Umfeld kennt, meint, empfiehlt: Letztendlich ist mir das, was da rumkommt zu sehr nur ein Ausschnitt aus meinem Umfeld. Ich bin der Meinung, dass Google (oder andere Suchmaschinen) Bestand haben werden und sehr gut parallel zu Social Networks bestehen können.
Okay. Ich nutze dann mal das schöne Wetter, um im Garten unter dem Kirschbaum mit dem brainstorming zu beginnen. Schließlich geht es um große Summen bei der Frage, ‘wie bauen Verleger Facebook in ihr Feindbild ein?’ Und vor allem: Wie bauen sie Google wieder aus?
Hach. Das wird ein Stück Arbeit …
Ein Keim. Als ob sich meine Freunde immer für das gleiche interessieren wie ich.
Wenn ich bei Facebook nach “***** Hardcore Big ****” suche, zeigts mir dann an was meine Kontakte geil finden?
[Ein paar Wörter entfernt, die der Spamfilter – und wohl auch minderjährige Leser – nicht so angemessen finden ;) , die Redaktion]
@Jan
Dieser Eindruck der Ironie ist bei mir auch kurz aufgekeimt ;) Warum hat er sich bei dir denn nicht bestätigt?
Bin mir eigentlich sicher, dass Facebook das Suchmaschinengeschäft aufrollen möchte. Hier geht es wohl um die Suche nach aktuellen News und da hat FB bessere Möglichkeiten als Google, Caffeine hin, Twitter her. IMO stagniert Googles Qualität bei den Suchergebnissen seit Jahren und da wäre Semantic Web gar nicht das schlechteste gewesen.
[...] »Die Google-Suche ist tot. Ganz sicher.« — 07/07/2010 — Wie konnte man nur auf die Idee kommen, »alle Seiten im Internet indizieren zu wollen, sie nach einer kalt berechnenden Logik mit einem Zahlenwert zu versehen und auf Anfrage in seitenlangen Listen auszuwerfen, von denen die User das Meiste ohnehin nicht gebrauchen konnten«, fragt Matthias Schwenk auf Carta. Für ihn hat Google den Wettlauf um die Vorherrschaft im Netz heute schon verloren — gegen Facebook. [...]
Alles Quatsch. Google als Suchmaschine ist nur noch Futter für die Masse, die machen doch längst in Handies und Geschäftkommunikation. Das hat nichts mit Facebook zu tun. Und dann wird demnächst Facebook Twitter kaufen und die beiden werden dann von Apple geschluckt, wo Mark Zuckerberg Steve Jobs ablöst – dann kann man auch endlich Musik kaufen bei Facebook. Und E-Books.
Nebenbei wird das Semantic Web gegründet, ein neuer Player erscheint auf dem Spielfeld …
@Harald – wenn das passiert ist sofortiger Reboot des Internet’s fällig.
Ich dachte, das Internet wird eh jede Nacht gerebootet?
Was für ein Schwachsinn, in jeder Hinsicht!
Beeindruckend!!
[...] This post was mentioned on Twitter by Carta and Michael v. Seydlitz. Michael v. Seydlitz said: Die Google-Suche ist tot. Ganz sicher – eine hochsommerliche Betrachtung (Carta) http://bit.ly/bg0tCO [...]
[...] oder des Like-Buttons – skeptisch bin. Und damit stehe ich offenbar nicht allein. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass die Definition von Suchmaschine schwammig zu [...]
CARTA ist tot. Ganz sicher.
Google ist doch selbst eine riesige Social Search Machine durch sein Klick-Ranking. Was am meisten angeklickt wird, steht ganz oben.
Das kann sicher auch manipuliert werden. Aber in Facebook ja genauso. Das ist aber in vielen Bereichen, z.B. Wissen oder Journalismus kaum relevant. Weil es dort keine so direkten Geschäftsinteressen gibt wie etwa bei Onlineshopping oder Pornoseiten.
Ich mach nichts mit Facebook. Google ist in der allgemeinen Suche viel verbreiteter als Facebook. Informationen über irgend eine Stadt findet man z.B. gewiss mehr und bessere in Google als in Facebook.
PS. Hihi, guter Fake.
Was ist den dieses neue “social search”?
Mich interessiert die Meinung all der Leute um mich herum nur zu einem geringen Teil. Dafür habe verschieden Quellen, die mich mit den Neuigkeiten versorgen, die mich bewegen. Für den schnellen Überblick ist das Google News, da schau ich so alle 2-3 Tage mal rein. Netzpolitik ist spannend.. also regelmäßig Beckedahls Blog. Dann noch Telepolis, fefe und scienceblogs.de… Ich les noch unregelmäßig, also nach Zeit und Laune ein paar Blogs zu Wirtschaftsthemen. Und wenn mir in all dem was spannendes lese, dann bemühe ich dazu die Google-suche. Ja, und Carte lese ich auch.. obwohl ich das Layout immer noch ein wenig seltsam finde, da ich in den Leads nie sehe, wieviel (Substanz) noch folgt.
Und Facebook… ja.. da hab ich auch einen Account. Der dient dazu, das Leute meinen Namen und meine E-Mail finden können. Vielleicht hab ich ja auch kein gute Meinung von Facebook, weil alle Leute die ich von früher kannte, dort nun Farmville und MafiaWars spielen. Ich gebs zu, ich habs auch probiert, aber es ist eine Verschwendung von Energie und Zeit. Und was ist sonst toll an Facebook.. ich kann Leuten Nachrichten schreiben.. welche Innovation nach 30 Jahren E-Mail. Oh, und die Statusmeldungen.. naja.. es gibt inzwischen auch Twitter.
Wenn mir also jetzt nicht jemand den tollen Vorteil des “social search” zeigt, halte ich ehr Facebook für tot, zu mindestens aber für mich für nutzlos.
Für die hochsommerliche Analyse – sprich: die Auffüllung es Sommerlochs sage ich vielen Dank, Herr Schwenk. Ich bin doch froh die meisten satirischen Seitenhiebe bemerkt zu haben.
[...] gerade erst gesehen, der Beitrag “Google ist tot” bei Carta.Info von Matthias [...]
Auch ironischer Mist ist Mist!
Mehr fällt mir zu diesem Artikel wirklich nicht ein…
[...] wie es so schön heißt. Aber werden wir in Zukunft auch sozialer suchen? Oder wird das Prinzip der Suche gar ausgetauscht durch das Prinzip der Empfehlung? Die Erfolgsgeschichte von Facebook, bald als [...]