Wolfgang Michal

Das Leistungsschutzrecht ist ein Segen für das Netz!

Wolfgang Michal | 37 Kommentar(e)


Während die Urheberverbände die Grundsatzrede der Justizministerin mehrheitlich loben, überwiegt im Netz harsche Kritik. Es käme nun darauf an, Konsequenzen zu ziehen.

21.06.2010 | 

Das Leistungsschutzrecht kommt – auch wenn die jetzige Koalition auseinander brechen sollte. Die SPD würde es nicht verhindern. Und die grüne Partei auch nicht.

Das neue Schutzrecht soll den Pressekonzernen (vor allem den marktbeherrschenden Milliardären der Branche) bis zu einer Milliarde Euro zusätzlich in die Kassen spülen. Bezahlt werden soll diese Milliarde von den großen und kleinen Betrieben, von Gewerbetreibenden und Freiberuflern, von Computer- und Smartphone-Käufern, von News-Aggregatoren – und natürlich von all jenen Webseitenbetreibern, die künftig wegen Verletzung von Leistungsschutzrechten teuer abgemahnt werden können. Sie alle kopieren verlegerische „Leistungen“, wenn sie Überschriften, Vorspänne, Bilder, Bildausschnitte, Graphiken, Bildunterzeilen, Sätze, Satzteile (Wörter? Buchstaben? Buchstabenteile?) zufällig oder absichtlich im Netz zur Kenntnis nehmen.

Die kommunikative Kälte, die ein solches Schutzrecht hervorbringt, wird das Image der großen Verlage natürlich beeinträchtigen und die Verkaufszahlen für Zeitungen und Zeitschriften (off- wie online) weiter reduzieren. Schon bald nach den ersten Abmahnwellen (und den flächendeckend zugestellten Abgabenbescheiden) könnten sich die Pressekonzerne einer Boykottbewegung gegenüber sehen, die kräftig an der Rendite nagt.

Das Leistungsschutzrecht könnte also den Medienwandel (unfreiwillig) beschleunigen und einen positiven Effekt auf das Netz ausüben.

Das klingt paradox, liegt aber in der (dialektischen) Natur des Fortschritts. Je stärker gebremst wird, desto heftiger fällt anschließend die Beschleunigung aus. In der Rede von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger findet sich diese Fortschritts-Dialektik in dem lakonischen Satz: „Der Wettbewerbsdruck, den das Internet auf die etablierte Medienwirtschaft ausübt, ist ökonomisch und gesellschaftspolitisch sinnvoll.“

Gegen den Strich gebürstet heißt das: Das neue Schutzrecht wird Webseitenbetreiber, Blogger, Aggregatoren und Netzjournalisten dazu zwingen, eigenständige Medien schneller und professioneller aufzubauen als bisher. Es wird Blogger und Netzjournalisten nötigen, künftig selbst zu recherchieren, um Informationen aus erster Hand bieten zu können, anstatt – wie bisher – bequem der Informationsleistung der herkömmlichen Medien zu vertrauen, diese als Quellen zu verlinken und sie pawlowartig zu interpretieren.

Das Leistungsschutzrecht könnte also dazu führen, dass sich endlich echte Medien-Alternativen entwickeln müssen; Angebote, die gerade nicht auf die „geschützten Leistungen“ von Altmedien angewiesen sind; Angebote, die auch über realistische Refinanzierungsmodelle verfügen (und die heute übliche Almosen-Wirtschaft überwinden). Denn über eins müssen sich die Kritiker des Leistungsschutzrechtes im Klaren sein: Unabhängige Beschaffung und Bewertung von Nachrichten kostet Geld.

So könnte ein rigides Verleger-Schutzrecht durch die „gefühlte“ geistige Aussperrung der Netz-Nutzer einen Kreativitätsschub provozieren. Könnte! Denn ob das Netz (schon) stark genug ist, ob die medienkritischen Nutzer-und-Urheber-Generationen fähig und ausdauernd genug sind, eigene, tragfähige, verlässliche Informationsstrukturen abseits der großen Pressekonzerne zu schaffen, muss sich erst noch zeigen (ich bin da – vorläufig – skeptisch).

Auf jeden Fall zwingt das Leistungsschutzrecht alle Betroffenen dazu, Farbe zu bekennen. Denn die Presseverlage demonstrieren durch ihren beinharten Kampf gegen das angeblich „rechtsfreie Netz“, dass sie nicht gewillt sind, Brücken in die neue Zeit zu bauen. Sie geben zu verstehen, dass sie ihre Auffassungen gegen jede Kritik abschotten werden. Sie suchen die Konfrontation, wo Dialog vonnöten wäre.

Die traditionellen Urheber stehen diesem Konflikt ratlos und etwas unbeholfen gegenüber. Sie wissen nicht, wie ihnen geschieht. Aufgrund des vagen Versprechens, an den Einnahmen des Leistungsschutzrechtes teilhaben zu dürfen, verhalten sich ihre Verbandsvertreter (zum größten Teil) abwartend und defensiv. Sie applaudieren dankbar der Ministerin, die in ihrer Sonntagsrede die Urheber ins Zentrum ihrer Betrachtungen rückt. Sie hoffen auf ein paar Brosamen vom Tisch der Verlage und ignorieren, dass die meisten Urheber durch die anstehende „Reform“ unterm Strich Geld verlieren werden. Denn das Leistungsschutzrecht ist ein Pyrrhus-Sieg der Presseverlage. Sie werden durch das neue Gesetz viel mehr verlieren als sie jemals durch Schutzgebühren wieder hereinholen können.

Mehr zu : | | |

CARTA Kaffeekasse
Carta wird FACEBOOK-Kommentare einführen - demnächst hier...

37 Kommentare

  1. Tweets that mention Das Leistungsschutzrecht ist ein Segen für das Netz! — CARTA -- Topsy.com |  21.06.2010 | 12:43 | permalink  

    [...] This post was mentioned on Twitter by Ulrike Langer, Carta, jensbest, Jens Arne Männig, doppelfish and others. doppelfish said: RT @maennig: Das Leistungsschutzrecht: Chance für einen schnelleren Medienwandel? http://bit.ly/dwTvIr [...]

  2. jorni |  21.06.2010 | 12:52 | permalink  

    Wirklich interessante These. Dass das Leistungsschutzrecht zu einer Boykott-Bewegung führt, halte ich ebenfalls für realistisch. Zwei Anmerkungen zu Ihrem Artikel:

    Zum einen werden unter den Leuten, die im Netz aktiv sind, viele als Freiberufler von der Bezahlpflicht betroffen sein, was ihnen einen weiteren Stein in den Weg legt, wenn sie Inhalte schaffen möchten.

    Zum anderen bin ich mir nicht sicher, ob ich es begrüßen soll, wenn sich im Netz eine Alternativ-Kultur entwickelt, die mit der der anderen Medien nichts zu tun hat (und natürlich mit Grabenkämpfen einher geht). Ich sehe eine große Chance darin, wenn die alternativen (Netz-)Medien das Geschehen in den etablierten Medien beobachten, kommentieren und selbst Themen setzen – was durch das Leistungsschutzrecht erschwert werden könnte. Außerdem müsste sich die Gegenkultur überlegen, wie sie reagieren möchte, wenn ihre eigenen Leistungen aufgegriffen werden. Da werden Diskussionen geführt werden müssen: Dürfen etablierte Medien unsere Erkenntnisse aufgreifen, im Sinne von Offenheit? Oder schließen wir das zum Beispiel über entsprechende CC-Lizenzen aus, im Sinne des Boykotts?

  3. Swen Wacker |  21.06.2010 | 12:57 | permalink  

    Die Idee, ein Leistungsschutzrecht ginge nach hinten los, weil die dadurch erkennbar werdende “kommunikative Kälte” das (eh schon ramponierte) Image der großen Verlage beeinträchtigte und damit die Verkaufszahlen für Zeitungen und Zeitschriften (off- wie online) weiter reduzierte, ist sicher irreal. Wenn das so wäre, dann wären z.B. Abmahnungen mittlerweile ehrenrührig und kein florierender Geschäftszweig. Und die GEZ hätte längst den Tod der öffentlich-rechtlichen Medien verursacht.
    Deine Skepsis, ob die aktuelle Netz-Generationen schon bereit ist, “eigene tragfähige, verlässliche Informationsstrukturen” zu schaffen, ist aktuell sicher richtig. Wir, auch die medienkritischen, sind es immer noch sehr daran orientiert, uns auf eben diese Medien zu verlassen.

    Ich sehe andere, wahrscheinlichere Fragestellung:

    Wer garantiert denn eigentlich den Verlegern, dass alle mitmachen? Es reicht ja, wenn einer der Großen – etwa in der Hoffnung, damit Marktgewinne zu machen, weil er sich gegenüber der Käufergruppe der Netzbohéme als “modern” geriert – ausschert und öffentlich kund tut, dass es ihn nicht störe, wenn er weiter wie gewohnt zitiert und verlinkt wird?

    Oder was passiert, wenn Google, Bing oder sonst einer sich ap oder dpa schnappt oder mit denen entsprechende Verträge aushandelt? Die werden sicher nicht “Gebühren” für diese Dienstleistung vom Endverbraucher erheben (können).

    Oder was passiert, wenn Twitter, Facebook oder andere “social media” ihre Nutzungsbedingungen dahingehend anpassen (wenn das man eh nicht schon aktueller Standard ist), dass jeder, der dort etwas veröffentlicht, sein Recht verwirkt, die Weiterveröffentlichung per Spezialrecht zu verbieten? Ob die Medien sich dann tatsächlich aus den Netzwerken zurückziehen?

    Was aber wohl, und das fände ich schmerzlich und unsagbar idiotisch, durch das Leistungsschutzrecht ein Ende finden wird, sind zum Lesen und Konsumieren animierende Angebote wie der Perlentaucher. Hoffentlich läuft das nicht unter “Kollateralschaden”.

  4. Tharben |  21.06.2010 | 13:02 | permalink  

    Verzeihen Sie, geehrter Wolfgang Michal: Auf mich wirkt auch dieser Eintrag “ratlos und etwas unbeholfen”.

    Davon ausgehend, dass man Satzteile oder gar Buchstabenfragmente nicht unter ein Monopolrecht wird stellen können: Es ist ja nicht so, als würden Blogs heute unbedingt abhängig von Pressekonzernen sein. Vieles, was beispielsweise auf carta.info steht, behandelt die Metaebene, jenseits der Agenturmeldungen. Die Einträge vertiefen, erklären, zeigen Zusammenhänge auf. Dazu bedarf es nicht unbedingt irgendwelcher Zitate aus den klassischen Medien.

    Sollten aber Netzmedien tatsächlich in eigene “News-Strukturen” investieren, sollten sie also tatsächlich dazu in der Lage sein, rentable zu werden, würden sie gleichsam auf die dunkle Seite der Macht gezogen, weil sie dann – soviel darf man den Architekten des Leistungsschutzrechts zutrauen – ebenfalls unter den Verlagsbegriff im Sinne des LSR fallen würden und ebenso davon profitieren und gegen Blogger vorgehen könnten.

    Außerdem habe ich einen dunklen Verdacht: Ein wichtiges Motiv für das Presse-LSR ist, dass Blogger und alternative Medien aus dem Web gekantet werden. Die Pressekonzerne, die unser Bild der Realität bestimmen, mit ihren ausgezeichneten Verbindungen zu Politik und Wirtschaft, sollen wieder die alleinigen Meinungsmacher werden. Nennen Sie mich einen Verschwörungstheoretiker, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass einige Herrschaft der Kontrollverlust und die Gegenöffentlichkeit im Web so manche schlaflose Nacht bereitet. So gesehen sind Ausschließlichkeitsrechte wie Urherber- und Leistungsschutzrecht der Hebel für die Zurückerlangung der Meinungshoheit.

  5. Joachim Losehand |  21.06.2010 | 13:04 | permalink  

    Wer m. E. in der ganzen UrhR-Debatte nur schemenhaft oder als filesharende Konsumenten auftauchen sind die Internetnutzer der Generation der 15-25jährigen, die sich auch künstlerisch-kreativ ausdrücken wollen, die kommenden Musiker, Komponisten, Autoren, Künstler, Photographen und Journalisten, die mit dem Web 2.0 aufgewachsen sind.

    Im Gegensatz zu den als “Grüß-Ulrich” aufgestellten Protagonisten der “Urheber-als-Werkherrscher”-Clique, die freiwillig unkomisch wirken, wenn sie ihr trotziges “Mein Werk gehört mir!” in die Welt krächzen, sind die kommenden Urheber alleine schon von ihrem Nutzerverhalten her anders sozialisiert und werden sicherlich davon beeinflußt auch andere Vorstellungen von dem entwickeln und haben, was für den Urheber Recht und billig ist.

    Die Stärkung der Urheber, wie sie Sabine Leutheusser-Schnarrenberger anmahnte, ist nicht gleichbedeutend mit der Stärkung einer traditionalistischen Urheberrechtsdogmatik, sondern impliziert auch die Möglichkeit, daß Urheber gegen die kommerziellen Interessen der Intermediären eigene Vorstellungen verwirklichen könn(t)en. Das darf man nicht zu hoch hängen und zu sehr idealisieren, nichtsdestotrotz sind die Konsequenzen des Medienwandels bei Konsumenten und Urhebern noch lange nicht in dem Ausmaß spürbar.

    Eine Stärkung der Interessen von (kommerziellen) Oligopolen als Reaktion auf gesellschaftliche Erosionen ist historisch gesehen nichts anderes als eine weitere Phase auf der Zeitachse größerer technischer und gesellschaftlicher Umwälzungen.

    Es wird immer erst schlimmer, bevor es besser wird.

  6. Dr. Hubertus |  21.06.2010 | 14:22 | permalink  

    Ich möchte mich Kommentar 4 anschließen: Leider ist dies ein nicht ganz so überzeugender Text.

    Aus drei Gründen:
    1.) Der Autor übersieht absichtlich, dass das Leitungsschutzrecht so nie kommen wird, wie die Verleger es fordern. Die Justizministerin hat eindeutig gesagt, dass das Zitatrecht nicht beschädigt werden darf. Die ganze Aufregung ist also inszeniert.

    2.) Sollte das Leistungschutzrecht kommen, dann würden auch unabhängige Netzjournalisten davon profitieren – nicht nur die “Multis”. Hier wird also auseinanderdividiert, was so nicht auseinanzudividieren ist.

    3.) Der Autor phantasiert mit kaum verhohlener Lust einen Verlagsboykott herbei. Das geht über den guten Stil hinaus.

    Richtig ist hingegen, dass ohne Leistungsschutzrecht wohl nur die Hälfte der Artikel auf Carta erscheinen würden. Zumindest so gesehen ist es ein Programm für “alternative Medien”.

  7. Tweets that mention Das Leistungsschutzrecht ist ein Segen für das Netz! — CARTA -- Topsy.com |  21.06.2010 | 14:26 | permalink  

    [...] This post was mentioned on Twitter by Klaus-Dieter Knoll, ? Andreas Wagner. ? Andreas Wagner said: RT @kadekmedien Das #Leistungsschutzrecht ist ein Segen für das Netz! — CARTA: http://carta.info/29347/ [...]

  8. Tharben |  21.06.2010 | 14:42 | permalink  

    @Dr. Hubertus (#4)

    Ich freue mich ja immer über Zuspruch, aber ich denke, dass wir sehr unterschiedliche Ansichten vertreten.

    Außerdem müssen Sie mir bitte zumindest Folgendes erklären: “Richtig ist hingegen, dass ohne Leistungsschutzrecht wohl nur die Hälfte der Artikel auf Carta erscheinen würden.

    Wie meinen? Ich sehe zwar auf carta.info weit und breit keine CC-Lizenz, was für ein Blog eher ungewöhnlich ist, aber welches (bisher nicht vorhandene!?) Leistungsschutzrecht meinen Sie, ohne das carta.info nur die Hälfte seiner Einträge hätte online stellen können? Oder meinen Sie eher, dass carta.info in Zukunft doppelt soviel Einträge veröffentlichen könnte, sofern das Presse-LSR Realität wird? Inwiefern? Und weshalb sollte carta.info noch mehr Beiträge veröffentlichen wollen? Sie verwirren mich.

  9. Sam |  21.06.2010 | 14:51 | permalink  

    @Tharben
    Ich glaube, #6 meint, dass Carta mittlerweile ein Leistungsschutzrecht-Blog ist, in dem ab und an auch mal andere Themen behandelt werden… ;)

  10. Tweets that mention http://carta.info/29347/das-leistungsschutzrecht-ist-ein-segen-fuer-das-netz/comment-page-1/#comment-15541?utm_source=pingback -- Topsy.com |  21.06.2010 | 14:53 | permalink  

    [...] This post was mentioned on Twitter by . said: [...]

  11. ebertus |  21.06.2010 | 14:55 | permalink  

    Das LSR wird kommen; und das ist auch gut so. Da gehe ich mit der impliziten Botschaft von Wolfgang Michal sehr konform. Und die mediale Parallelgesellschaft wird ebenfalls kommen, soweit Big Brother dies nicht überwachungstechnisch konterkariert.

    Lassen wir sie doch mit “Brot und Spielen” allein, weder Verlinken noch Zitieren des medialen Mainstream muss wirklich sein. Wer das braucht, möge es manuell suchen. Ein guter Beitrag, der (auch mir) Grund zur Reflektion gab und weiter gibt, der zumindest rudimentäre Handlungsanweisung sein kann:

    http://netzwertig.com/2010/06/17/blogs-wie-ein-neues-linkverhalten-die-blogosphaere-beleben-koennte/

  12. Dr. Hubertus |  21.06.2010 | 15:21 | permalink  

    @ Tharben: Leistungsschutzrecht >>> Thema für Carta >>> Aufgrund dieses Anlasses mehr Artikel auf Carta.

  13. Robin Meyer-Lucht |  21.06.2010 | 15:34 | permalink  

    LSR-Einnahmen von bis zu einer Milliarde ??!?

    Nach DJV-Vorstellung wären das dann bis zu 500 Mio. für Journalisten.

    http://www.djv.de/SingleNews.20+M5a046792364.0.html

  14. Tharben |  21.06.2010 | 15:47 | permalink  

    @Dr. Hubertus (#12 – diesmal müsste es stimmen)

    Ach so, ohne das Thema Leistungsschutzrecht für Presseverleger hätte carta.info, ebenso wie andere “alternative Medien”, nur noch halb soviel, worüber sie schreiben könnten. Darauf muss man aber erstmal kommen.

    Dann stimmen Sie mit mir sicherlich darin überein, dass das Presse-LSR nie Realität werden möge – auf dass carta.info (und anderen “alternativen Medien”) niemals die Themen ausgehen. Sehen Sie? Darauf muss man aber auch erstmal kommen.

  15. Wolfgang Michal |  21.06.2010 | 16:10 | permalink  

    @Robin: Wir wollen ja nicht kleckern! Und beherzt in die Zukunft schauen!!
    Die Summe, geteilt durch die Wahrnehmungsberechtigten (siehe andere Verwertungsgesellschaften) wäre, nach Abzug der Verwaltungskosten, durchaus überschaubar.

    Die anderen 500 Mio. stören dich weniger?

  16. Robin |  21.06.2010 | 16:25 | permalink  

    @ Wolfgang: Bevor der Kuchen verteilt wird, sollte man lieber darüber sprechen, welche berechtigten Ansprüche es gibt. Da sehe ich derzeit noch eher sehr wenig, weil a) Zitate, b) freiwillig bereitgestellte Snipps und c) die gewöhnliche Nutzung am Arbeitsplatz nicht abgabenpflichtig sein sollten. Daher lieber keine Neid-Debatte um die Verteilung.

    Die Zahl von 1 Mrd. scheint mir aber sehr hoch.

    lg,

    robin

  17. noName |  21.06.2010 | 16:31 | permalink  

    Kann es sein, dass die Diskussion um das überflüssige Leistungsschutzrecht mürbe macht und die “Gegner” nun einknicken, es schönreden, auf das Prinzip Hoffnung setzen? ;)

    Bitte nicht kleinkriegen lassen!

  18. Reiner/SB |  21.06.2010 | 16:35 | permalink  

    Würde ein derart absurdes Leistungsschutzrecht vor dem Bundesverfassungsgericht überhaupt bestehen können? Wieviele Klagen gäbe es denn? Wahrscheinlich mehr als jemals zuvor.

  19. Gunther |  21.06.2010 | 16:57 | permalink  

    Wenn Lawrence Lessig (?) in einem seiner Vorträge Recht hatte, dann gab es mal ne ähnliche Situation in der Musikwirtschaft. Wenn ich mich richtig erinnere, dann wollte eine Lizenzgesellschaft für Musik in den 30ern/40ern immer mehr Geld einnehmen und erhöhte wo es nur ging. Sie waren sich ihrer Sache sehr sicher, da die freien Musikstücke nicht an die Qualität “ihrer” Werke heranreichte (klingt doch sehr bekannt). Tja, das ging so lange gut, bis alle die Nase voll hatten und sich auf die billigen Alternativen stürzten. Ein paar Jahre später war die bis dahin so erfolgreiche Lizenzgesellschaft ein Teil der Geschichte. Trotz der diversen Unterschiede (z.B. dass ein Journalist bezahlt werden muss, also die Produktion eine Rolle spielt im Gegensatz zur reinen Lizenzierung, also Verwertung) war es nicht allzu schwer für mich, “Lizenzgesellschaft” durch “Verlag” zu ersetzen.

    Die These des Artikels könnte also durchaus mal wahr werden.

    Egal, ich denke, die Verlage werden Sich noch wünschen, sie hätten das LSR nie forciert. Erstens wrid das ziemlich schnell einen ziemlichen Imageverlust nach sich ziehen, aus vielerlei Gründen. Zweitens werden die eventuellen Gewinne marginal ausfallen. Eine Milliarde Euro? Sicher, sicher, und die Erde ist eine Scheibe.

    Mal aber ne Frage an alle: warum gründen wir nicht einfach unseren eigenen “Verlag” und sichern uns schonmal alles Wichtige, worauf die klassischen Verlage so scharf sind? Weiterhin könnte dieser “Verlag” einmal die LSR entrichten und alle Blogger zitieren dann von den Meldungen dieses “Verlages”. Ok, beim ersten Nachdenken könnte das Projekt schwierig werden, aber interessant auf alle Mal. Oder gab’s nicht schon einen ähnlichen Versuch vor ein paar Jahren?

  20. Tharben |  21.06.2010 | 17:25 | permalink  

    @Gunther (#19)

    Soweit ich mich erinnere hatte Matthias Spielkamp in Medienradio 23 (oder auf der re:publica 2010?) gesagt, das die Presseverleger peinlich genau darauf achten werden, dass ausschließlich Pressekonzerne in den Genuß des Leistungsschutzrechtes kommen werden.

    Es soll explizit eine Subvention für milliardenschwere Pressekonzerne sein. Blogger sollen, soweit sie tangiert sind, zahlen – nicht etwas bekommen.

    Sie dürfen also sicher sein, dass dafür gesorgt wird, dass Ihre Idee keine Chance hat.

  21. Jörn |  21.06.2010 | 18:19 | permalink  

    Das mit dem Boykott halte ich für Unsinn, denn so eine Bewegung würde nur von Betreibern kleiner Seiten getragen werden. Die Konsumenten / Leser interessiert es doch nicht, ob mich oder dich jemand abmahnt, weil er der Meinung ist, dass wir seine schöne Überschrift geklaut haben. Ich finde es auch äußerst krank, so etwas in ein Gesetz zu gießen.

    Wenn wir auf apfelwahn.de einen Test über irgendein Produkt schreiben, tun wir das in einer fast überall gebräuchlichen Form. Die Überschrift gliedert sich bei uns immer in “Test: – Firmenname – Produktnahme”. So – und jetzt kommt Medium XY und die sind richtig groß. Die haben jetzt auch Bock darauf, Tests über Produkte zu bringen, die wir auch behandeln und nutzen womöglich dieselbe Form der Überschrift – auch inhaltlich wird womöglich (sehr wahrscheinlich sogar) einiges übereinstimmen, denn es geht halt um dasselbe Produkt – wer hat jetzt hinsichtlich der Überschrift und des Inhalts das Urheberrecht? Der große Verlag?

    Dürfen wir in Zukunft nur noch so “kreative” Überschriften erfinden, dass niemand mehr auf den Inhalt des Artikels schließen kann? Das ist ja eine ganz tolle neue Medienwelt.

    Wenigsten kann ich mir immer sagen, dass diese Regierung (und diese Oposition) nicht mit meiner Stimme legitimiert wurde.

    Jörn

  22. Florian |  21.06.2010 | 19:46 | permalink  

    Anfangs war ich voll und ganz gegen das LSR – aber hier in den Kommentaren wurden einige Argumente aufgeführt, die man nicht unter den Tisch fallen lassen sollte. Auf der anderen Seite muss ein ganz klarer bzw. deutlicher Rahmen geschaffen werden.

  23. Was so bewegt! » Blog Archive » Maßnahmen zu Sicherung des Meinungsmonopol!? |  21.06.2010 | 21:20 | permalink  

    [...] Hier findet sich ein interessanter Beitrag, welchen eine noch interessantere Diskussion folgt, der zum Gegenstand das „Leistungsschutzrecht“ hat. Und einmal davon abgesehen, dass ich durch diesem Beitrag überhaupt erst einmal mit dieser Form des Urheberrechts konfrontiert wurde, ist es durchaus interessant über die Hintergründe solcher Vorhaben nachzudenken. Meines Erachtens geht es dabei eigentlich weniger um urheberrechtlich Erwägungen, als vielmehr um die Wiederherstellung des Meinungsmonopol der Medienkonzerne. Das Urheberrecht, hier in Form eines „Leistungsschutzrechtes“, ist da nur ein Mittel zum Zweck, wobei dieses auch nicht der erste Versuch ist, den bis jetzt unkontrollierten Entwicklungen im Netz entgegen zu wirken. [...]

  24. vera |  21.06.2010 | 21:34 | permalink  

    Ich schüttele nur noch meinen Kopf. Da soll es willkürliche Eingriffe in die Meinungsfreiheit geben, die unnötig und kontraproduktiv sind. Urheber sollen noch weiter benachteiligt werden, obwohl sie die eigentlichen Leistungserbringer sind. Lobby und Politik setzen uns ein weiteres benachteiligendes, einschränkendes Gesetz vor.

    Und wir diskutieren einfach mögliche Gegenmaßnahmen.

  25. Andrea Kamphuis |  21.06.2010 | 23:41 | permalink  

    “Die traditionellen Urheber stehen diesem Konflikt ratlos und etwas unbeholfen gegenüber … Aufgrund des vagen Versprechens, an den Einnahmen des Leistungsschutzrechtes teilhaben zu dürfen, verhalten sich ihre Verbandsvertreter (zum größten Teil) abwartend und defensiv.”

    Leider wahr. Wobei die Zahl derer, die zur Kasse gebeten werden sollen, die Zahl jener, die eventuell profitieren, erheblich übersteigt und die Journalistengewerkschaften lediglich für ihre eigene Klientel eine Ausnahme auszuhandeln versuchen, also die Archive der Journalisten schützen wollen – nicht aber die Archive der Übersetzer, Lektoren usw., die ebenfalls publizistisch tätig und auf umfangreiche Online-Recherchen angewiesen sind.

    Aber die lieben Kolleginnen und Kollegen dafür zu interessieren und zu sensibilisieren, ist ein zähes Geschäft.

  26. timmilein |  22.06.2010 | 07:51 | permalink  

    Finde diesen Ausblick sehr positiv – sie verkaufen uns quasi den Strick an dem wir sie später aufhängen ;-)

  27. JF |  22.06.2010 | 10:12 | permalink  

    Wenn u.a. wie im Artikel gemeint, das LSR die Blogger in Zugzwang zu
    einer Weiterentwicklung bringt, dann hat sicherlich was für sich. Da gibt es
    gerade in Deutschland einen vergleichbar grossen Nachholbedarf.

    Zwei Beispiele aus den USA, Blogs die sich selber als Tabloid bezeichnen:
    - Deal Breaker, ein Wall Street Blog, der sich selber als Tabloid bezeichnet
    und mit dieser schlichten Selbstbezeichnung “Tabloid” in aller Schlichtheit
    neue Kriterien setzt. U.a. ist auf diesem Blog immer wieder sachlich sehr
    Interessantes zu finden. Die haben immer wieder sehr interessante Hinweise,
    sind anderen Medien zeitlich oft weit voraus im Aufdecken von Skandalen,
    Problemen in diesem Metier. Die sind wegen den fachlich / sachlichen Hinweisen
    auch für short seller interessant wegen der frühzeitigen Problemdiagnose.
    http://dealbreaker.com/

    Der andere ist The Awl. Ein Blog der auf Unerthaltung macht, irgendwie links
    ist. Freichlich sich dadurch auszeichnet, dass sie erst gar nicht auf die sonst
    übliche linke Tour des ewigen Jammern, Raunzens, Entsetzen, Entrüsten usw. über
    die politische Gegenseite machen, sondern Witz haben. Mit all dem von der
    rechten Seite umgehen können.
    http://www.theawl.com/

  28. Richtungskämpfe im Urheberrecht « Kulturkampf |  22.06.2010 | 11:52 | permalink  

    [...] kann nicht sein, dass das Schielen auf “gemeinsame Vergütungsregeln” dazu führt, ein tendenziell innovationsfeindliches Recht [...]

  29. Wolfgang Michal |  22.06.2010 | 12:43 | permalink  

    @JF: Genau so meine ich das.

  30. Chat Atkins |  22.06.2010 | 19:28 | permalink  

    Die angedachte Verfügungsgewalt der Verleger über alles Sprachliche und auf jeden dahergetippten Rülpser ihrer Content-Sklaven wird wohl eher im Chaos enden. Wo fängt es denn an, wo hört es auf? Wenn ich “realistische Finanzierungsmodelle” schreibe, hätte ich dann oben aus deinem Artikel zitiert? Wenn ich “Aufhören!” schreibe, plündere ich dann den Spiegel der vergangegen Woche? Wenn ich für ein “Katzenklo” inseriere, steigt mir dann der Anwalt der Plattenfirma von Helge Schneider aufs Dach? Und kauft irgendeine arme Socke eine CD mehr von ihm, nur weil ich “Katzenklo” NICHT hätte schreiben dürfen? Die Vorstellungen der Verleger von Sprache sehen immer eine Ware, sie glauben, man könne ein immaterielles Verständigungsmittel in die üblichen Regale packen, es auszeichnen und auf dem Markt für informationelle Verbrauchsgüter als Besitzer meistbietend verkloppen. Teppichhändler sind das – ohne jede Ahnung von dem dezidierten ‘Nichtwarencharakter’ der Sprache!

    Die Sprache ist Gemeingut, sie kann gar nichts anderes sein, das ist ihr einziger Sinn. Sie formt Gesellschaften und keine Verlage, bildet dabei ständig Floskeln aus, geflügelte Worte, Zitate, eine gemeinsame Sprachebene, die selbstverständlich aufs jeweils Zeitgemäße und Öffentliche rekurriert. “Mutti” hat sich bspw. nun mal als treffendes und satirisches Synonym für Angela Merkel eingebürgert, auch wenn irgendein Journalist das in irgendeinem Zelluloseprodukt sicherlich als erster mal schrieb. Selbst davon aber – vom Anwendungsfall des neuen Gesetzes – hätte der Erfinder ja gar nichts, sondern nur sein Verleger will verdienen. Wer in der Sprache aus Renditegier Monopole schaffen will, der wird ihr gegenüber immer das, was er als Journalist oder Verleger angeblich ja gar nicht sein will: Ein Sprachverhunzer und Sprachverarmer …

    Ich sehe also nur eine riesige Lachnummer voraus, einen verlegerischen Riesenfurz unter der Zirkuskuppel, in der Folge halbbetäubt herabstürzende Paragraphen und Paragraphenritter, während das Publikum aus den Zelten flieht (und wehe, einer zitiert jetzt meinen “Riesenfurz unter der Zirkuskuppel”).

  31. Wolfgang Michal |  22.06.2010 | 21:00 | permalink  

    Ich hab ja “realistische Re-Finanzierungsmodelle” geschrieben, also: kein Zitat. “Realistische Finanzierungsmodelle” ist ganz deine “Leistung”. Lass sie rechtzeitig schützen!!

  32. Wittkewitz |  23.06.2010 | 00:21 | permalink  

    @ Chat Atkins

    Das Absurde tritt heutzutage immer als seriöses Geschäftsmodell in die Realität. Anders könnte es gar nicht Teil der Wirklichkeit werden. Steigbügelhalter ist und bleibt der servile Advokat, der sich zur Judikativen aufmacht, um seine kleinbürgerliche Herkunft in einem Fanal des Gehorsams gegenüber dem großbürgerlichen ererbten oder erbeuteten Vermögen ungeschehen zu machen. Wir haben das mit Putzfrauensöhnen erlebt und wir werden das mit Pfarrerstöchtern erleben.

  33. Helge Weinberg |  23.06.2010 | 01:20 | permalink  

    Als Blogger fühle ich mich durch das Leistungsschutzrecht nur eingeschränkt betroffen. Sicher, die klassischen Medien geben mir eine Menge Impulse und Ideen und ich möchte sie nicht missen. Ich arbeite im Internet. Hochwertige Blogs und Online-Quellen sind für mich sehr wichtig geworden. Diese zitiere ich und auf diese beziehe ich mich stressfrei, dank Creative Commons. Was allerdings passieren wird, wenn diese Quellen versiegen, das stelle ich mir nur ungern vor. Einen Boykott der klassischen Medien und deren Online-Ableger in meiner Arbeit (nicht als interessierter Leser) kann ich mir aber zumindest für eine gewisse Zeit gut vorstellen.

    Ich halte das vom BDZV und VDZ propagierte LSR für einen hilflosen Versuch, sich nicht mit einem geänderten Umfeld auseinandersetzen zu müssen. Leider klappt eine solche Denke in Deutschland oft genug, siehe Steinkohlesubventionen und GEZ-Diskussion. Den Trend wird das nicht aufhalten. Das LSR ist zudem für mich ein Versuch der Verleger, schnell abzukassieren. Zu Lasten der Blogger und nicht zu Gunsten der Autoren, wie man weiß. Denn die sollen ja von dem Geldsegen möglichst nichts abbekommen. Wie der VDZ so den deutschen Qualitätsjournalismus sichern will, das würde mich schon interessieren.

    Ach ja: Freischreiber e.V., der Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten, spricht sich strikt gegen das LSR aus. Der Verband plädiert für „eine gesellschaftliche Diskussion über die Rolle und den Wert von Journalismus und Journalisten im Zeitalter des Internet“.

    Mit „ProPublica“ erhielt in 2010 erstmals ein Online-Medium den Pulitzer-Preis. Auf der Web Site von ProPublica finden interessierte Leser den Menüpunkt „Steal Our Stories“. Es geht also auch hier mit CC.

  34. Chat Atkins |  23.06.2010 | 10:01 | permalink  

    @ Wittkewitz: Das Schlimme ist doch, dass sie etwas ‘privatisieren’ möchten, wovon sie ersichtlich keine Ahnung haben. Das Ergebnis ist absehbar … demnächst meldet ein cleverer Anwalt Patentrechte auf ‘Freiheit’, ‘Gerechtigkeit’ oder ‘Systemtheorie’ an. Wenn du allen Diskurs unterbinden und alle Kommunikation erfolgreich um die Ecke bringen willst, dann verfahre so wie unsere vereinigte Verlegerschaft, dieses Renditejagdrudel von “Sprachrohrkrepierern” [(C) Chat Atkins 2010 unter Creative Commons License] …

  35. Die Woche im Rückspiegel – 25. KW « kadekmedien's Blog |  25.06.2010 | 09:51 | permalink  

    [...] CARTA – Das Leistungsschutzrecht ist ein Segen für das Netz! [...]

  36. die FDP als wettbewerbsfeindliche Partei: das Leistungsschutzrecht | Kajüte |  28.06.2010 | 01:07 | permalink  

    [...] CARTA: Das Leistungsschutzrecht ist ein Segen für das Netz! [...]

  37. Postdramatiker - Ätschivederci Leistungsschutzrecht |  28.06.2010 | 14:03 | permalink  

    [...] Ein pointierter Artikel zum Leistungsschutzrecht “Das Leistungsschutzrecht ist ein Segen für das Netz” von Wolfgang Michal auf Carta hier. [...]

Sie möchten diesen Text kommentieren?

Ihr Name (erforderlich):

Ihre E-Mail (erforderlich):

Ihre Website:

Über Facebook oder Twitter einloggen:

Sie können Ihren Kommentar mit HTML-Befehlen formatieren.