Matthias Schwenk | 21 Kommentar(e)
Das ZDF zeigt Medienkompetenz im Internet mit seiner Fanseite auf Facebook. Das gut gemachte Angebot wirft aber die Frage auf, ob der gebührenfinanzierte Rundfunk hier nicht systematisch im Vorteil gegenüber privaten Medien ist.
21.03.2010 |
Das Fernsehen ist in Deutschland nach wie vor das wichtigste Medium, was aber ARD und ZDF nicht daran hindert, ihr Angebot im Internet immer weiter auszubauen. Ein bemerkenswertes Beispiel hierfür ist die Fanseite der ZDF-Heute-Redaktion auf Facebook.
Denn diese ist nicht nur gut gemacht, sondern hat mit etwas über 22.000 Fans auch schon eine ganz erhebliche Reichweite, verglichen mit anderen deutschen Medienmarken auf Facebook. Vor dem ZDF liegt nur noch Spiegel Online, während knapp hinter ihm Bild.de folgt. Dieses Trio ist damit derzeit tonangebend, wenn es um (allgemeine) Nachrichten und die Diskussionen darüber auf diesem Social Network geht.
Das Konzept der Fanseite selbst ist im Grunde nichts weiter als eine öffentliche, also für alle einsehbare, Profilseite. Der Begriff des “Fans” muss dabei großzügig interpretiert werden: Man wird es mit einem einzigen Mausklick und es ist nicht ungewöhnlich, dass Mitglieder auf Facebook hundertfach Fan von Marken, Kampagnen oder einfach nur witzigen Aktionen sind.
Ob also eine Fanseite auf Facebook läuft, sieht man weniger an der absoluten Zahl ihrer Fans, als vielmehr an deren Interaktion mit den dort präsentierten Inhalten. Im Fall von ZDFheute zeigt sich, dass die eingestellten Themen sehr rege diskutiert werden. Das Angebot wird also wahrgenommen und genutzt. Für das ZDF ist das ein voller Erfolg und zugleich ein wichtiger Schritt dabei, als Medienmarke bei einem überwiegend jungen Publikum akzeptiert und genutzt zu werden. Zumindest ansatzweise kann das ZDF damit ausgleichen, dass der Sender sonst eher als Kanal für ein älteres Publikum angesehen wird.
Ganz nebenbei könnte die Fanseite noch einem weiteren Zweck dienen: Die Menge der dort eingestellten Nachrichten mit ihren Links auf die Heute-Webseite des ZDF dürfte diese in Suchmaschinen etwas leichter auffindbar machen. Zwei Fliegen also mit einer Klappe: Markenbindung und Suchmaschinenoptimierung.
Wie sorgfältig das ZDF mit dieser Fanseite umgeht, zeigt sich bei den Nachrichten. Diese werden nicht einfach nur per RSS-Feed von anderen Internetseiten des ZDF übernommen, sondern erhalten manuell einen eigenen, vollständigen Teaser (und nicht nur das Snippet aus dem Feed). Jedes Thema wird so verständlich umrissen und lädt mit einer Frage zur Diskussion in den Kommentaren ein. Die Sorgfalt macht sich bezahlt, erfordert aber auch eine permanente, redaktionelle Begleitung des Mediums.
An dieser Stelle setzt die Kritik ein. Denn nur auf den ersten Blick ist so eine Fanseite auf Facebook ein kostenloses, zusätzliches Medium. Wer mit seiner Marke hier punkten will, muss Zeit investieren und das gebührenfinanzierte ZDF scheint hierfür über die erforderlichen Ressourcen zu verfügen.
Die meisten Zeitungen dagegen haben entweder die Vorteile einer gut gepflegten Fanseite auf Facebook noch nicht recht erkannt (die FAZ etwa, mit weniger als 500 Fans), oder befürchten vielleicht, dass sie damit Klicks auf ihre Hauptseite im Internet verlieren. Diese Sorge mag nicht ganz unbegründet sein und weist auf eine Ungleichheit des Wettbewerbs im Internet hin: Während Anbieter, die auf Einnahmen aus Werbung angewiesen sind, darauf achten müssen, dass sie den Traffic auf ihren eigenen Seiten maximieren, brauchen gebührenfinanzierte Wettbewerber darauf keine Rücksicht zu nehmen und können überall umfänglich Präsenz zeigen.
Dabei wäre es auch für Zeitungen und Zeitschriften sehr wichtig, ähnlich wie das ZDF, über Social Networks ihre Marken und Inhalte bei einem jungen Publikum besser zu verankern. Denn wie eine aktuelle Studie von tns infratest für die BLM (Bayerische Landeszentrale für neue Medien) wenig überraschend zeigt, driftet der Gebrauch verschiedener Medien bei den verschiedenen Altersgruppen erheblich auseinander. Während die Generation 50+ ihre Nachrichten überwiegend noch aus dem Fernsehen und aus Zeitungen bezieht, dominiert bei den 14 bis 29jährigen das Internet.
Dazu kommt noch, dass die “informierende Bewegtbildnutzung”, also der Konsum von Nachrichten über Videoformate im Internet bereits von 39 % der befragten User praktiziert wird und dabei die öffentlich-rechtlichen Sender leidlich gut, die Tageszeitungen aber sehr schlecht abschneiden. Auch vor diesem Hintergrund ist man beim ZDF mit der Facebook-Fanseite genau auf dem richtigen Weg, denn die Verlinkungen von dort führen natürlich nicht nur zu Texten, sondern oft auch zu Ausschnitten aus dem Fernseh-Programm.
Im Ergebnis bleibt festzuhalten, dass für sich betrachtet, das ZDF seine Sache auf Facebook sehr gut gemacht hat. Das Konstrukt der Fanseite zeigt aber auch, wie die Konvergenz der Medien im Internet Schranken aufhebt und bisher strikt getrennte Gattungen einer neuen Wettbewerbssituation aussetzt, in der nicht alle Akteure mit gleichen Chancen gegeneinander antreten.




Interessante Geschichte. Ich hatte jüngst die gleiche Idee – ein Text über die Einbindung von Facebook und Twitter bei ARD und ZDF. Allerdings komme ich zu einem anderen Fazit. Werden doch bereits die Online- Auftritte der Öffentlich- Rechtlichen im Hinblick auf ihren Content in Frage gestellt, kann m.E. nach nicht auch noch der Versuch kritisiert werden, über social networks auf die Marken ARD und ZDF aufmerksam zu machen, um damit dem Auftrag zur Meinungsbildung neue Kanäle zu eröffnen… Auf meinem Blog nehme ich ausführlicher Stellung.
[...] Schwenk gibt nun bei carta.info den Kritikern neues Futter. Trockenfutter, um genau zu sein. Um den Trend des social networking [...]
Wenn die junge Zielgruppe erst einmal dahinter kommt, das all diese Angebote vor allem dem Zweck dienen, sie als aktuelle oder künftige Zahlungspflichtige dingfest zu machen und an ihre Zahlungspflicht zu erinnern, wird das wohl stark nachlassen mit dem “Fan-sein”.
Wie die Rundfunkhäuser mit dem Thema Datenschutz umgehen, merkt man am Agieren der GEZ. Umgezogen, beim Einwohnermeldeamt der Weitergabe persönlicher Daten widersprochen, vergeblich, die GEZ hat genau daher die neue Adresse.
Das pikante an dieser neuen Wettbewerbssituation ist, das ja selbst jene Menschen, die als Arbeitnehmer auf der Seite der Akteure mit schlechteren Chancen stehen, per Computer- oder Mobiltelefonbesitz zur Rundfunkgebühr gezwungen werden (und später zur vollen Rundfunk- und Fernsehgebühr auch ohne Fernseher) und dadurch mit ihrem sauer verdienten Geld zum eigenen Untergang beitragen sollen. Die Gewerkschaft wird da nicht helfen, denn die fett verdienenden öffentlich-rechtlichen Medienschaffenden sind ja auch die dicksten Beitragszahler.
Die Politik wird da nicht helfen, denn ein privat finanzierter Journalismus immer kurz vorm Untergang und eine blühende öffentlich-rechliche Szene ist genau das, was sie an beiden Enden gut kontrollieren kann, mal über den Gebührenhahn, mal über den Regulierungshahn. Außerdem wandern Personen in Leitungsfunktionen von den Landesrundfunkhäusern in die Landesregierungen und umgekehrt. Man kann es auch Verfilzung nennen.
Den Verlust an kritischer Öffentlichkeit wird der Bürger so schnell nicht bemerken, denn man kann viel Schaum schlagen mit einem derart üppig ausgestatten öffentlich-rechlichen Apparat. Aber wenn so ein großer Apparat erst einmal selbstreferenziell geworden ist und sein Ausweitungsinteresse vor der eigentlichen Funktion in der Gesellschaft steht (Der Zustand ist längst erreicht), wird sich die Gebührenspirale immer schneller drehen. Jetzt sollen die Fernsehverweigerer zur Kasse gebeten werden. Nach einer Schamfrist dann wieder alle. Und dann jedes Jahr mehr.
Herr Schwenk, wenn man sich vor Augen hält, dass man mit dem Geld, das für eine einzige Wetten dass-Sendung drauf geht ~ 100.000 Jahre den Facebook-Auftritt pflegen kann, finde ich das ganz schön irrelevant. Die Leute zahlen Gebühren, wieso sollen sie dafür nicht auch Leistungen erhalten, auch wenn sie eher bescheiden ausfallen?
Viel schlimmer finde ich einen anderen Punkt, den Sie ansprechen. Die elendigen Klickstrecken und die boulevardesquen Inhalte der Online-Ableger vieler Zeitungen, um der IVW möglichst hohe Klickzahlen zu melden und damit Werbung besser zu verkaufen. Das ist der Mechanismus mit dem die Verlage sich ihre Gräber schaufeln. Betrachten Sie es doch einmal von dieser Seite.
@Peter: Die Zahlungspflicht im Zusammenhang mit der GEZ wird in der Blogosphäre gerne kritisch gesehen. Die Fans des ZDF auf Facebook haben da aber offenbar eine andere Einstellungen, denn sonst wären sie ja nicht Fans. In gewisser Weise rechtfertigt jeder Fan die Gebührenpflicht für “neuartige Rundfunkgeräte”, denn das ZDF erreicht zumindest dieses Publikum auf genau jenen Geräten.
@Tharben: Prinzipiell finde ich auch, dass ein Etat von 100.000,- Euro besser in eine Facebook-Fanseite investiert ist, als in eine Show mit Thomas Gottschalk. Jenseits persönlicher Geschmacksfragen geht es aber darum, dass das ZDF Geld für alles zu haben scheint: Aufwendige Shows, Sportübertragungsrechte, Filmlizenzen und das Engagement auf Social Networks.
Die Klickstrecken privater Anbieter im Netz sind ein bedauerlicher Auswuchs einer rein quantitativ fixierten Honorierung von Werbeeinblendungen. Hier müssten dringend andere Modelle her.
Die Argumentation, die Privaten müssten einen Teil ihrer (heutigen) Werbeerlöse aufbringen, um (vielleicht in der Zukunft wirksame) Imagewerbung zu betreiben (früher hat man das “Investition” genannt!), läuft ins Leere und müsste in letzter Konsequenz zu einem Verbot jeglicher Imagewerbung der Öffentlich-Rechtlichen führen. Denn das Problem, das dahinter steht, ist kein spezielles, sondern ein allgemeines: die Öffentlich-Rechtlichen sind nicht auf Erlösgenerierung angewiesen. Das aber liegt in ihrer Natur und ist politisch gewollt.
Der Kern der kritischen Argumentation gegen über den öffentlich-rechtlichen Sendern ist ja”ob der gebührenfinanzierte Rundfunk hier nicht systematisch im Vorteil gegenüber privaten Medien ist”.
Wenn ich dieses Argument ernst nehmen, dann müsste ich damit auch grundsätzlich gegen die öffentlich-rechtlichen Fernseh- und Rundfunksender argumentieren und nicht erst gegen deren Onlineseiten. Aus Sicht eines GEZ-Zahlers finde ich meine Gebühren auf den Onlineseiten optimal eingesetzt: Tegesschau versetzt sehen können, Ratgebersendungen im Mediaarchiv, ergänzendes Hintergrundmaterial und weitergehende Informationen, das sind tolle Angebote. Ich finde mich als Nutzer eher dadurch gegängelt, dass hier immer noch Restriktionen vorgenommen werden (z. B. gibt es arte-Sendungen nur sieben Tage nach der Ausstrahlung im Mediaarchiv zu sehen.) Insofern wünsche ich mir mehr Selbstbewußtsein der öffentlich-rechtlichen Sender gegenüber den Angriffen der privaten Verlage, bei dem sich vor allem die “Frankfurter Allgemeine” als Sturmgeschütz – leider nicht der Demokratie – sondern eindeutiger ökonomischen Verlegerinteressen versteht und die Kriterien einer ausgewogenen und objektiven journalistischen Berichterstattung zu diesem Thema meines Erachtens verletzt
@Matthias Schwenk (#5)
Haben Sie sich verlesen? Ich sprach von ~ 100.000 Jahren, nicht von EUR 100.000,-. Jedenfalls wüsste nicht, ob ich gerne EUR 100.000,- in ein Facebook-Auftritt investiert sehen würde. Aber für 100.000 Jahre wäre dies sicher ein echtes Schnäppchen. EUR 1,- pro Jahr. Und wenn ich dann noch an die Inflation denke. Da müsste Guido aber wirklich hart durchregieren, bis sich jemand bereit erklärte, für dieses Entgelt den ZDF-Facebook-Auftritt zu pflegen.
Um genau zu sein, müssten Bezahlmodelle her, siehe die Beispiele zu dem Eintrag Mehr Werbung wagen: Paid Content wird Online-Medien nicht helfen
@christoph (#6)
Leider macht man die Zuschauerquote, deren Messung eher fragwürdig ist, zur Messlatte der Gebührenlegitimität. Insofern gibt es schon einen Wettbewerb. Das hat bislang zur Folge, dass hochqualitative Sendungen zur Nachtzeit laufen oder auf Spartenkanälen ausgelagert werden.
@Dieter Wesp (#7)
Die öffentlich-rechtlichen Sender müssen natürlich bei einem Technologiewechsel mitgehen, logisch. Wer wollte das ernsthaft bestreiten? Mal abgesehen von blindwütigen Marktradikalen und Springer?
Ich würde auch lieber heute als in 10 Jahren sehen, dass endlich alle Sendungen unbegrenzt in offenen Formaten – sprich die kompletten Archive in freien Standards – dem Gebührenzahler angeboten werden. Aber leider üben Privatverleger unheimlichen Druck auf die Politik aus. Und das ist der wirkliche Skandal.
Das ZDF auf Facebook: Nur ein Fall für Fans? — CARTA…
Das ZDF zeigt Medienkompetenz im Internet mit seiner Fanseite auf Facebook. Das gut gemachte Angebot wirft aber die Frage auf, ob der gebührenfinanzierte Rundfunk hier nicht systematisch im Vorteil gegenüber privaten Medien ist….
@Tharben: Sorry, ich habe mich da tatsächlich verlesen und 100.000,- Euro für eine Facebook-Fanseite ist sicher etwas hoch gegriffen. Wie viel mag so etwas tatsächlich kosten? Einige 10.000,- Euro im Jahr aber schon, wenn man den Aufwand für Planung und Gestaltung einerseits und die laufende, redaktionelle Betreuung andererseits auf Vollkostenbasis kalkuliert.
@Christoph: Stimmt, das Problem ist ein Generelles. Man kann es aber auch mal von den Rändern her diskutieren. ;-)
@Matthias Schwenk – Ich habe das schon verstanden, dass das ZDF diese Leute auf genau diesen Geräten erreicht. Mein Problem ist – und da ist der Anteil erst mal völlig egal – das ich auch da wieder zur Zahlung herangezogen werde, obwohl ich bestimmt kein Fan von ZDF auf Facebook werden möchte. Da gilt wohl auch wieder: Ich hätte die Möglichkeit dazu. Auf die würde ich gern verzichten, denn das ZDF wie die ARD sind Einrichtungen, die zig Millionen für gesellschaftlich irrelevanten Schund zum Fenster hinaus werfen, nur um irgendwie weiter als wichtig zu gelten, und solche Einrichtungen sind mir generell unsympatisch. Wenn die Herrschaften die neuen Kommunikationskanäle nutzen würden, um anderer Stelle Kosten zu sparen, na wunderbar. Ist aber nicht so. Wenn die Herrschaften die neuen Kommunikationskanäle und die neuen technischen Möglichkeiten nutzen würde, um jene für Telenovelas, Gottschalk, Fußball usw. zahlen zu lassen, die glauben, sie müssten das unbedingt sehen, um mündige Bürger sein zu können und dafür die Gebühren für die anderen etwas senkten, auch das wäre schön.
Aber nein, wie eine eklige klebrige Masse legen sie sich auf jedes neue Gerät, auf jeden neuen Kommunikationskanal und belegen ihn mit ihrer sogenannten Gebühr, in welchem verlogenen Gewand auch immer. Dabei konzentriert man sich auf die, die sich schlecht wehren können, die mit ihren Arbeit für das Funktionieren dieser Gesellschaft sorgen und sehr wenig Zeit haben, sich bespaßen zu lassen. Große Firmen zahlen nur einmal pro Betriebsstätte, Hartz IV-Empfänger können sich befreien lassen. Und mit einer “Haushaltsabgabe”, wie sie wohl überlegt wird, sind die Unternehmen dann wohl ganz raus. Keine Frage, die hätten ja auch eine Rechtsabteilung, die mal gegen den Irrsinn vorgehen kann. Wenn in einer solchen Situation Zeitungsverleger für sich das selbe Gebührenparadies einfordern, ist das ja eigentlich nur verständlich und konsequent. Viele Orchester und Theater überleben ja auch nur subventioniert. Allerdings sind dort die Einkommen nicht so üppig wie beim öffentlich-rechtlichen und die Existenz steht immer mal wieder in Frage.
Ein Hort des investigativen Journalismus sind die öffentlich-rechtlichen auch nicht. Man schaut in die regionale Tageszeitung, jeden Morgen, solange es sie noch gibt, und entscheidet dann, wo das Fernsehnachrichtenteam hin fährt. Ein wirklich förderungswürdiger Ansatz.
Nur darum geht es: Das Preis-Leistungsverhältnis beim ÖR und wie dafür gesorgt wird, das eben dieses angemessen bleibt. Aber vermutlich werden die Leute erst wach, wenn pro Monat 150 € fällig sind.
[...] Schwenk analysiert auf Carta die Facebook-Fanpage der Heute-Website des ZDFs, die mit 22.000 ‘Fans’ zu den [...]
Ich muss mich Tharben anschließen: Ich zahle viel Geld für Sendungen und Nachrichten, die das ZDF produziert. Dann habe ich auch das Recht, es auf allen Kanälen serviert zu bekommen. So teuer dürfte eine gute Facebook-Seite auch wieder nicht sein. Ich halte das eher für eine einmalige Investition mit anschließend moderaten Wartungs- und Updatekosten.
Wenn Zeitungen wie die “FAZ” fürchten, dass sie Geld und Leser verlieren, wenn sie eine Facebook-Seite eröffnen, dann kann doch das fortschrittlichere ZDF nichts dafür. Ich stimme allerdings auch Ihnen zu, wenn Sie sagen, dass es neue Modelle geben sollte. Zum Beispiel, dass jemand, der eine Facebook-Seite schaltet, seinen Vermarkter mitnehmen und Werbung entsprechend schalten kann.
[...] This post was mentioned on Twitter by Ulrike Langer, Twittwoch e.V., Carta, Stefan, Marcus Schwarze and others. Marcus Schwarze said: RT @vipraum: RT @mauisurfer25 Lesetipp bei @carta_: Das ZDF auf Facebook: Nur ein Fall für Fans? http://bit.ly/cVBB7v #allesschonbezahlt [...]
Das Problem ist nicht, was das ZDF macht, sondern diese Idee der Konkurrenz. Die Prämisse der klassischen Konkurrenten ist, dass öffentlich-rechtliches Engagement ihnen “Marktanteile” wegschnappt. Genau da hakt es in den Medienhäusern, welche die neuen Realitäten nicht verstehen.
Wie oben angesprochen ist das Netz ein Peanutsmedium auf der Produktionsseite. Ob Bannerwerbung in Bahnhöfen durch öffentlich-rechtliche Sender anderen Werbetreibenden die Plätzchen wegschnappt und die Preise hochtreibt?
@André Rebentisch: Der Begriff “Marktanteile” ist hier wohl wirklich der falsche Begriff, auch wenn noch weite Teile der Medienwelt so denken mögen. Wie aber steht es mit der Aufmerksamkeit bzw. der Attention Economy?
Bindet nicht ein erfolgreiches Engagement des ZDF auf Facebook Aufmerksamkeit, die dann nicht mehr für andere Marken zur Verfügung steht?
@André Rebentisch
Es geht um die Marktanteile in der Geldbörse des Bürgers. Da haben die öffentlich-rechtlichen schon mal ungefragt ordentlich hingelangt. Selbstverständlich wird es dadurch für andere Angebote schwieriger. Wer das leugnet, zählt wohl zu den “Besserverdienern”. Für die Aufmerksamkeit gilt das selbe, da ist das Problem aber weniger akut.
@Peter
Die “Geldbörse des Bürgers” wird ausser via Pay-TV von den privaten Fernsehsendern gar nicht direkt angezapft sonder indirekt über die Einpreisung der Kosten für Werbung der beworbenen Produkte. Daher kann auch nicht davon die Rede sein, dass es “für andere Angebote schwieriger” wird. Bei Zeitungen sieht das anders aus, aber eben nicht zuletzt deshalb, weil die meisten Zeitungsverlage überspitzt gesagt vertriebstechnisch vor 50 Jahren die Weiterentwicklung eingestellt haben.
Im Übrigen haben nicht die öffentlich-rechtlichen hingelangt sondern allenfalls Vater Staat, der die entsprechenden Verfahrensweisen festlegt. Das mag einem unsympathisch sein, aber man steigert die Glaubwürdigkeit im Bezug auf eine freie Presse nicht unbedingt, wenn man demokratisch legitimierte Handlungen schlicht nicht akzeptieren will weil sie einem nicht in den Kram passen. Da passt dann auch die Phrase von den “Besserverdienenden” rein, die ziemlich dreist und verlogen ist, können sich doch Geringverdiendende von den GEZ-Gebühren befreien lassen. Das Gegenteil ist also wahr: Es sind die Besserverdienenden, die über die GEZ-Gebühren schimpfen, weil sie sich zu fein dafür sind, das Medienangebot für HartzIV-Empfänger mitzufinanzieren.
@Oliver
Also ich schrieb rein gar nichts über private Fernsehsender, sondern über das Hineinlangen in die Geldörse des Bürgers durch die öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten, die natürlich dafür ihre historisch gewachsenen Erfüllungseinrichtungen und Erfüllungsverfahren haben. Und ich finde es überhaupt nicht lustig, wenn man da auch nur durch unklare Bezugnahme auf meinen Text Irritation beim Leser begünstigt. Verwirrnis und Intransparenz sind ja gerade die Mittel, die es diesem Staat im Staate Öffentlich-rechtlicher Rundfunk gestatten, sich immer weiter aufzublähen. Tatsächlich glauben viele Leute, sie zahlten an die GEZ für SAT1 und RTL.
Die These von der Mitfinanzierung des Privatfernsehens oder anderer privat finanzierter publizistischer Angebote über die in den Produkten eingepreisten Werbekosten wurde hier und anderswo schon mehrfach widerlegt. Aber gern noch einmal: Auch das wegen der “eingepreisten Werbekosten” angeblich teuerere Produkt muss sich – im Gegensatz zu den öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten – einem echten Wettbewerb stellen. Es kann – im Gegensatz zu den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten – vom Verbraucher auch abgewählt werden. Auch die Information über das Produkt kann ( und wird ) zu verschwindend geringen Kosten für beide Seiten vom Hersteller im WWW bereit gestellt werden. In diesem System hat also jeder die Wahl.
In dem von mir kritisierten allerdings nicht.
Selbstverständlich haben die öffentlich-rechtlichen ordentlich hingelangt, ungefragt, in die Geldbörse des Bürgers. Denn die sind es, die Jahr für Jahr einen gleichbleibenden oder höheren Geldbedarf anmelden und “rein zufällig” immer kurz vor der nächsten Gebührenrunde in dem Miesen sind. Oder hast Du, lieber Oliver, vielleicht mal was von GEBÜHRENSENKUNG gehört, vielleicht wegen der WIRTSCHAFTSKRISE? Der Staat nickt das nur ab.
Und setzt es durch mit einer “demokratisch legitmierten Handlung” die “rein zufällig” immer kurz unter der Wutschwelle gehalten wird, aktuell, in dem man ein Mehrheit gegen ein Minderheit (die Fernsehverweigerer) ausspielen will. Und wenn ich in einer Demokratie nicht darüber diskutieren kann, ob eine heute “demokratisch legitimierte Handlung” morgen eben nicht mehr legitimiert sein könnte, weil sich die Bedingungen, in denen sie legitimiert wurde, eben so sehr geändert haben, das sie heute nicht mehr legitim ist, diese Handlung, warum – lieber Oliver – diskutieren wir dann überhaupt? Eben das ist die Glaubwürdigkeit der Presse (und diverser Blogs), das man dort so etwas sagen und veröffentlichen darf!
Und nun noch etwas zu der “Phrase”, die angeblich dreist und verlogen sei.
Wer 100 000 € im Jahr verdient ( so das Durchschnittseinkommen beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk für fest angestellte ), dem wird es wohl auch egal sein, wenn sich die Gebühr verdoppelt, Hauptsache dieses System bleibt unangetastet. Von den kickenden Millionären, den volkstümlichen Schwerverdienern und den Gottschalks (ist ein netter Mann, aber zu teuer) mal ganz abgesehen. Also um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: Den Leuten, die die Macht haben in diesem Staat (auch die Meinungsmacht, die mediale Hauptpräsenz), denen ist die Effizienz, die Gerechtigkeit dieses öffentlich-rechtlichen Systems völlig egal. Es dient ihnen, so wie es ist.
Der HartzIV-Empfänger allerdings muss schon mal tätig werden, um sich befreien zu lassen. Er muss da Unterlagen einreichen, hat bürokratischen Aufwand. Und wenn er auch nur ein wenig zu viel dazu verdient, wird er gleich wieder “gebührenpflichtig”! Der Geringverdiener ist also durchaus gebeutelt. Und hätten diese die Wahl, mal eine Telenovela und einen Musikantenstadl nicht zu schauen und dafür das Geld zurück zu bekommen, oh böse sähe es aus um die ach so wichten Einschaltquoten.
Niemand ist sich zu fein, ein Medienangebot für HartzIV-Empfänger mitzufinanzieren. Aber nicht eines, dessen Umfang und Inhalt vollständig von einer fremden, einseitig interessierten Seite bestimmt wird.
Die heutige Technik macht es möglich, genau den für einen Programmbestandteil zahlen zu lassen, der ihn sehen will. Und niemand anderen!
Wer etwas für HartzIV-Empfänger tun will, sollte die Gebühr umleiten, um allen Geringverdienern Breitband-Internetzugang erschwinglich zu machen, auch auf dem Dorf. Das wäre fair und sozial gerecht und hätte etwas mit Chancengleichheit zu tun.
Aber nicht, das Opa aus seiner schmalen Rente den Lucas Podolski und die Frau Sabine Christiansen finanziert.
Die öffentlich-rechlichen sind inzwischen dick genug. Die können sich mal am Markt dem Wettbewerb stellen.
@Peter und Oliver: Gut argumentiert, aber bitte die Contenance wahren. :-)
Beiden Sichtweisen kann man etwas abgewinnen und letztlich bleibt es eine Debatte, die wir als Gesellschaft führen müssen. Über Jahrzehnte war die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland kein streitbares Thema. Jetzt ist die Situation eine andere und das Thema gehört auf den Tisch.
Denn es sollte gerade nicht so sein, dass “Vater Staat” das alles irgendwie regelt (und die öffentlich-rechtlichen Sender damit von jeder Selbstlegitimation im Medienwandel befreit), sondern wir Bürger müssen uns aktiv einbringen, eine Meinung bilden und gegenüber der Politik Forderungen artikulieren.
Letztlich wird dann demokratisch entschieden, ob die öffentlich-rechtlichen Sender “dick genug” sind und sich “am Markt dem Wettbewerb” werden stellen müssen.
Ich finde es skandalös, daß angeblich “seriöse” Medien versuchen immer mehr Leute nach facebook und Konsorten zu locken, wo auf der anderen Seite immer öfter davor gewarnt wird… auch und gerade in Sendungen der Öffentlich-Rechtlichen!
Dieser Widerspruch macht diese Medien in meinen Augen unglaubwürdig und unseriös!
Und außerdem stellt sich mir die Frage in welcher Hinsicht diese “Firmen” davon wohl profitieren? Möglicherweise sind sie ja weniger an den “Fans” interessiert, als am regen Datenaustausch, um so besser schwarze Schafe ausfindig zu machen?