#Bundespräsident

Bußtage in Sachen Wulff

von , 10.4.13

Die Süddeutsche Zeitung, die ja oft und gern (und pauschal!) die Bösartigkeit des Netzes beklagt, stellt nun im Büßerhemd fest, dass die wahren Shitstorm-Produzenten dieses Landes in den analogen Redaktionen sitzen. Ein selbstkritischer Heribert Prantl schreibt zerknirscht:

„Wenn man sich (sic!) nachträglich durch die Artikelstapel von damals blättert, stellen sich Verwunderung, Beklemmung und auch Bestürzung ein – schon über die schiere Masse. Schon diese Masse kann den Eindruck erwecken, dass hier Macht ausgeübt werden soll; schon in der Dichte und Frequenz von Artikeln und Sendungen mag eine Art von Gewalttätigkeit liegen.“

„Wer die Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft und des Landeskriminalamts liest, der erschrickt über die Selbstgerechtigkeit, Missgunst, Feindseligkeit und Häme gegen Wulff, die dort zum Ausdruck kommt. Sie ist aber die – nun freilich paragrafengestützte – Fortsetzung der Selbstgerechtigkeit, der Missgunst, der Feindseligkeit und der Häme, die zuvor in den Medien geherrscht hatte. Auf den Skandalisierungsexzess folgte der Ermittlungsexzess. Der eine Exzess löste den anderen aus. Und jeweils fehlte – unter anderem – die Selbstkontrolle. Das darf man, bei allen Unterschieden, die es zwischen einzelnen Zeitungen und Medien gab, so generell feststellen.“

Wohl wahr! Es fehlte die Selbstkontrolle, auf die man in Sonntagsreden bei Journalistenkongressen so gerne hinweist. Und wer war während der medialen Wulffsjagd die Stimme der Vernunft? Natürlich das Internet: das wahre Sturmgeschütz die wahre Selbstkontrolle der Demokratie!

Okay, auch das stimmt natürlich nicht ganz. Auch im Netz gab es jede Menge Übertreibungen. Aber insgesamt war die Diskussionskultur in Sachen Wulff doch erheblich vielfältiger und meinungs-pluralistischer als in der Printwelt. (Aktuell z.B. besteht eher die Sorge, dass die Printmedien aus lauter Scham ins andere Extrem verfallen und den Ex-Bundespräsidenten heilig sprechen).

 

Während der Wulffsjagd ‘ins Internet’ geschrieben:

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