szmtag
Marvin Oppong

ARD-Börsenfrau Anja Kohl moderiert auch für DAX-Firmen, Banken und Atomindustrie

Marvin Oppong | 16 Kommentar(e)


21.05.2009 | 


Moderatorinnen und Moderatoren von Nachrichtensendungen sollten besonders glaubwürdig sein. Jede öffentliche Werbung, jede Nebentätigkeit für eine Firma färbt auf ihr Image ab.

Dies gilt auch für die ARD-Börsenmoderatorin Anja Kohl, die vor der 20-Uhr-Tagesschau in der “Börse im Ersten”, im ARD-Morgen- und Mittagsmagazin und in den “Tagesthemen” aus der Frankfurter Börse berichtet. Neben ihrer Tätigkeit als Wirtschaftsjournalistin ist Kohl regelmäßig selbst für die Privatwirtschaft tätig.

So moderierte sie im September 2008 eine “festliche Gala” zur Verleihung des “Deutschen PR-Preises” und des “Deutschen Image Awards” im Kurhaus in Wiesbaden. Die Veranstaltung wurde von Firmen wie Adidas, Bayer oder Metro mitfinanziert – allesamt DAX-Firmen, die auch Gegenstand von Kohls Börsenberichterstattung in der ARD sind.

In den Jahren 2007 und 2008 moderierte Kohl die Jahresveranstaltungen der “Initiative Ener­gieeffizienz” der Energiekonzerne E.on, EnBW, RWE und Vattenfall und der Deutschen Energie-Agentur (DENA), die zur Hälfte der KfW-Bankengruppe, der Allianz, der Deutschen Bank sowie der DZ Bank gehört. Für den “Informationskreis Kernenergie” moderierte Kohl im Oktober 2008 eine Podiumsdiskussion mit dem Titel “Kernenergie in Deutschland: Ungeliebt, aber nötig?”. Mitglieder des “Informationskreises Kernenergie” sind die Kernkraftwerksbetreiber RWE Power AG, E.on Kernkraft GmbH, EnBW AG, Vattenfall Europe AG und die im Nuklearbereich aktive Siemens Power Generation. Der “Informationskreis” firmiert unter derselben Adresse wie die “Kerntechnische Gesellschaft” und die Lobbyeinrichtung “Deutsches Atomforum”. Das Atomforum wurde vom Bundesamt für Strahlenschutz kritisiert, weil es im Noveber 2007 behauptet hatte, in Deutschland gebe es einen geeigneten Enlagerstandort für hochradioakive Abfälle. (Mehr über die “Kerntechnische Gesellschaft” erfährt man auch in diesem Zeit-Artikel).

Im Jahr 2007 übernahm Kohl eine Moderation beim Mittelstandsforum Hessen, zu dessen Mitveranstaltern unter anderem die KfW, die HypoVereinsbank und die IKB Deutsche Industriebank zählen. Im Februar dieses Jahres moderierte Kohl auf dem Immobilienkongress “Quo Vadis” in Berlin. Partner und Mitfinanziers des dreitägigen Kongresses, bei dem die Teilnahme 2490 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer kostete, waren unter anderem die zu den Sparkassen und Landesbanken gehörende Deka Immobilien und die Immobilientöchter der angeschlagenen Landesbanken Baden-Württemberg (LBBW Immobilien) und der WestLB (WestImmo).

Im Jahr 2005 moderierte Kohl eine Podiumsdiskussion im Rahmen des sogenannten Bad Dürkheimer Gesprächs, zu dem regelmäßig der Verein der Industrieverbände Neustadt an der Weinstraße einlädt. Der Zusammenschluß, dem auch der Verband der Pfälzischen Metall- und Elektroindustrie angehört, verschickt schon einmal Hinweise auf “Politik-Checks” und “Gesetzes-Checks” der “Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft” (INSM), die von den Unternehmerverbänden der Metall- und Elektroindustrie getragen wird, an seine Mitgliedsverbände. Die INSM ist bekannt für ihre aggressive PR- und Lobbyarbeit, zu der auch Schleichwerbung in der ARD-Serie “Marienhof” gehörte.

Anja Kohl wird gleich von mehreren Agenturen auf deren Homepage als Moderatorin, Rednerin oder Referentin präsentiert: Neben der Münchener Econ Referenten-Agentur ist Kohl auch bei der Hamburger Agentur Nowak Communications, der in Hamburg und im hessischen Obertshausen ansässigen Podium Redneragentur, bei “Energy die Agentur” aus Bad Honnef, bei der im badischen Forst ansässigen “red:x” Agentur für Kommunikation, Werbung & Design und bei “The London Speaker Bureau Germany” im Angebot. Für eine Veranstaltung mit Anja Kohl verlangt die Econ Referenten-Agentur nach CARTA-Recherchen, “7800 EUR + MWSt. + Reisespesen”.

Auf Anfrage antwortete Kohl zunächst, nicht für Unternehmen tätig gewesen zu sein, die auch Gegenstand ihrer Berichterstattung sind. Später teilte sie dann mit: “Bei den von Ihnen genannten Veranstaltungen liegt kein Interessenkonflikt vor. Meine Moderationen haben stets und ausschließlich journalistischen Charakter”. Sie versicherte, dass sie von den Agenturen “red:x” und “Energy die Agentur” “noch nie gehört” habe. “Energy die Agentur” bestätigte jedoch, dass man mit Kohl zusammenarbeite und sogar eine ausdrückliche Zusage von Kohl habe, mit ihrem Namen auf der Agentur-Homepage werben zu dürfen. Zu diesem Widerspruch nahm Kohl auch auf mehrfache Nachfrage keine Stellung. Nach wie vor ist Kohl auf der Referentenliste der Agentur aufgeführt. Da sie beim Hessischen Rundfunk freie Mitarbeiterin ist, muss sie sich ihre Nebentätigkeiten nicht genehmigen lassen. Nach Aussage von HR-Sprecher Tobias Häuser informiert Kohl ihren Redaktionsleiter Michael Best von jeder ihrer Nebentätigkeiten, damit der HR gegebenenfalls Bedenken anmelden kann. Best, Leiter der HR-Redaktion Fernsehen Börse, lässt sich wie Kohl allerdings selbst von “Energy die Agentur” als Referent vermitteln.

Mehr zu : | | | | | |

CARTA Kaffeekasse
Carta wird FACEBOOK-Kommentare einführen - demnächst hier...

16 Kommentare

  1. Christian Humborg |  22.05.2009 | 00:43 | permalink  

    Ich vermute, Anja Kohl steht nur stellvertretend für eine Vielzahl ihrer Kolleginnen und Kollegen. Schön, wie konkret es in diesem Fall dokumentiert ist.

  2. 6 vor 9: Meckel, Stellenkürzungen, ARD-Börse » medienlese.com |  22.05.2009 | 08:55 | permalink  

    [...] 3. ARD-Börsenexpertin arbeitet für DAX-Firmen (carta.info, Marvin Oppong) Anja Kohl, Börsenexpertin der ARD und oft persiflierte Figur, ist regelmässig für die Privatwirtschaft tätig, so Marvin Oppong. Er wirft ihr vor, Veranstaltungen moderiert zu haben, die von “DAX-Firmen, die auch Gegenstand von Kohls Börsenberichterstattung in der ARD sind” mitfinanziert worden sind. [...]

  3. ralf schwartz |  22.05.2009 | 09:03 | permalink  

    Sorry, gut recherchiert, aber ich verstehe weder das zugrundeliegende Thema noch die intendierte Stoßrichtung des Artikels.
    Da Anja Kohl in Reimen und in Rätseln spricht und nahezu überhaupt nichts Relevantes zum Thema Aktien (oder zu irgendeinem anderen Thema) sagt, gibt es auch nichts, wozu sie jemanden in ihren Auslassungen bewegen könnte – außer umzuschalten.
    Der Wert und wahre Kern ihrer Aussagen zu Börse , Aktien und Weltgeschehn wird zudem regelmäßig und nachvollziehbar bei Switch Reloaded dokumentiert.

    Vielleicht solltest Du kurz andeuten, worin Du die Störung bzw. potentielle Gefährdung durch Anja Kohl siehst, im Artikel finde ich nichts dazu.

  4. Saizter |  22.05.2009 | 13:01 | permalink  

    Ich kann bei Frau Kohl auch keine verwerfliche oder parteiliche Berichterstattung erkennen. Eventuell spricht sie nur deshalb derart metaphorisch getränkt und reich bebildert, weil jede konkrete Aussage zugunsten oder zu ungunsten eines DAX-Unternehmens ihr von jenen übelgenommen würde, für die sie ebenfalls schon moderierte. Die Buchungen für weitere Moderationen versiegten.
    Spitz formuliert: Frau Kohl ist durch die breite Streueung ihrer außer-journalistischen Moderationstätigkeit zu höchtster Neutralität (oder orakelhafter Deutungsoffenheit) gezwungen!

  5. Veith |  23.05.2009 | 09:42 | permalink  

    Mit der Atomindustrie kann es keine Koexistenz geben. Wie man den nuklearen Spuk in Rekordzeit beenden kann und seine Plagegeister aus den eigenen 4 Wänden vertreibt, steht hier:
    http://www.fair-news.de/index.php/suche-CDAK/

  6. Marvin Oppong |  24.05.2009 | 00:09 | permalink  

  7. Kiewel, Kerner, Kohl « A Better Tomorrow |  24.05.2009 | 18:24 | permalink  

    [...] der ARD war vor zwei Wochen in der “Jungen Welt” zu lesen (jetzt auch bei Carta und den Ruhrbaronen). Kohl moderiert demnach nicht nur die Börsennachrichten der ARD, sondern auch [...]

  8. Dr. Anke Martiny |  25.05.2009 | 18:24 | permalink  

    Ich finde vor allem gut, dass diese Verbindungen jetzt transparent sind. Dann weiß man die Berichte von Frau Kohl einzuordnen und kann selbstständig urteilen. Wichtig ist die Wächterrolle der Medien und ihre Mitwirkung daran, dass sich das allgemeine Bewusstsein im Hinblick auf Interessenkonflikte und ein unethisches Verhalten ändert. Nur Verrechtlichen und mögliches Fehlverhalten kriminalisieren bringt uns nicht weiter.

  9. Andreas Brauer |  26.05.2009 | 17:27 | permalink  

    Ich hatte nie den Eindruck, dass die Nebentätigkeiten die journalistische Qualität von Frau Kohl beeinflusst hat. Mir scheint eher, hier wird ein Skandal herbeigeschrieben, wo gar keiner ist.

  10. Rüdger |  28.05.2009 | 22:16 | permalink  

    Ich glaube ja, dass jede Person die im öffentlichen Rampenlicht steht zusätzliche Jobs annimmt. Das finde ich auch nicht weiter verwerflich. Es sollten allerdings keine Interessenkonflikte geben. Gerade Wirtschaftsveranstaltungen werden doch immer von einem ganze Konglomerat an Unternehmen gesponsert. Ich sehe nicht wie man Frau Kohl da etwas vorwerfen kann. Heutzutage kommt keine Veranstaltung ohne Sponsor aus. Und das sich diese Sponsoren immer aus verwandten Gebieten zusammensetzen, sollte auch klar sein. Das hier sieht eher arg konstruiert aus.

  11. Marvin Oppong |  30.05.2009 | 00:52 | permalink  

    @ Andreas Brauer:
    Ihrer Äußerung entnehme ich, dass Ihnen nicht nur sämtliche Moderationen von Anja Kohl, sondern auch die Nebentätigkeiten von Anja Kohl vor Erscheinen dieses Artikels vollumfänglich bekannt waren. Das halte ich für einen bemerkenswerten Wissensstand. Ich bin dennoch der Auffassung, dass Journalisten nicht für Unternehmen tätig sein sollten über die sie auch berichten, da dies zu Interessenkonflikten führen und die Glaubwürdigkeit der Presse gefährden kann.

    @ Rüdger:
    Hier geht es nicht um bloßes Sponsoring (wie man dem Text entnehmen kann). Der “Informationskreis Kernenergie” z. B., für den Anja Kohl tätig wurde, wird direkt von Kernkraftwerksbetreibern getragen.

  12. Marvin Oppong |  18.06.2009 | 13:59 | permalink  

  13. Ein Experiment: Wen nimmt der INSM-Förderverein auf? « Ruhrbarone |  18.01.2010 | 17:44 | permalink  

    [...] gestellt habe, in mehreren Artikeln in kritischer Weise auf die INSM Bezug genommen habe (Nebentätigkeiten Anja Kohl, Nebentätigkeiten Maybrit Illner, Gäste “Anne Will”, Verhältnis [...]

  14. Hans W Scholz |  02.10.2010 | 16:18 | permalink  

    Ich finde die Kommentare von Anja Kohl nicht fundiert und nur allein journalistiik propagander wie auch die TV Sendungen von Maybrit Ilner and Anne Wiill vermittel. As a german born in Berlin but now a US citizen I do have a problem with the arrogance the Germans show towards others.

  15. jürgen sellmann |  18.08.2011 | 23:41 | permalink  

    ich estimiere, frau kohl, Ihre berichte über das börsengeschehen .aber: wenn ich die zwei ringe über ring- und mittelfinger sehe, wird mir regelmäßig- verzeihung- übel , schlimmer kann man eine an sich sehenswerte frauenhand nicht verunstalten.aber es gibt hoffnung: gestern und heute hatten Sie sich nur mit einem ring am ringfinger geschmückt, auch nicht das rohe vom ei,. aber immerhin ein ästhetischer anfang.
    wie wäre es mal mit einem schmucken ring am kleinen finger, für mich der inbegriff einer eleganten frauenhand!

    mfg, j.sellmann

  16. Aufgelesen und kommentiert 2012-02-15 |  16.02.2012 | 07:07 | permalink  

    [...] [...]

Sie möchten diesen Text kommentieren?

Ihr Name (erforderlich):

Ihre E-Mail (erforderlich):

Ihre Website:

Über Facebook oder Twitter einloggen:

Sie können Ihren Kommentar mit HTML-Befehlen formatieren.