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Vera Bunse

Küchenpsychologie, heute: Asperger (Update: Storify)

 | 18 Kommentar(e)


Ein schreckliches Massaker geschieht. Irgendwo fällt ein Begriff, der exotisch genug ist, um als Erklärung zu dienen. Killerspiele haben so was Altmodisches, da ist Asperger doch wirklich attraktiver.

16.12.2012 | 

Bei SpOn schreibt die Wissenschaftsjournalistin Cinthia Briseño anlässlich des Newtown-Massakers einen Artikel “Asperger-Syndrom: Blind für die Emotionen anderer Menschen”. Der Text wurde mehrmals geändert, eine Entschuldigung nachträglich angefügt:

Anmerkung der Redaktion: Einige Leser haben in diesem Text offenbar eine Gleichsetzung von Menschen mit Autismus und Mördern erkannt. Eine solche völlig abwegige Gleichsetzung ist selbstverständlich nicht gemeint. Der Text weist ausdrücklich darauf hin, dass selbst eine Störung keine Erklärung für eine grausame Tat wie in Newton sein kann. Sollte der Artikel dennoch die Gefühle von Menschen mit Autismus verletzt haben, bitten wir um Entschuldigung.

Natürlich suchen Menschen nach Ereignissen wie in Newtown nach einfachen Erklärungen. Es ist viel bequemer, Ballerspiele oder eine seltene, tiefgreifende Entwicklungsstörung für eine solche Tat verantwortlich zu machen, als mühsam nach gesellschaftlichen Ursachen zu forschen.

Das ist aber kein Grund, nicht über mögliche Kollateralschäden nachzudenken. Überhaupt, wie muss ich mir das vorstellen? “Hat ja bei den Killerspielen auch geklappt” – gemeint ist: Dass dadurch die Gamer einem unbegründeten Generalmisstrauen ausgesetzt wurden, hat außer einer Randgruppe niemanden gestört → Autisten und Menschen mit Asperger sind schließlich auch bloß eine Randgruppe → So what?

Jens Scholz schreibt:

Eltern dürfen sich wieder gruseln – und es ist vor allem mal wieder der Spiegel*, das Hausblatt für den verklemmten deutschen Oberlehrer in uns allen, der die subtilen Ängste vor allem, was einem seltsam und unnormal vorkommen könnte, schürt.

Über die irreführende Berichterstattung haben sich beschwert:

Vielleicht werden dadurch wenigstens ein paar Menschen aufmerksamer: Auf das Problem der kritiklosen Berichterstattung, und darauf, dass Autismus und Asperger keine bedrohlichen Krankheiten sind.

 

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18 Kommentare

  1. vera bunse |  16.12.2012 | 17:10 | permalink  

    [...] Bei Carta habe ich noch weitere Texte [...]

  2. Thomas |  16.12.2012 | 18:55 | permalink  

    Ich möchte mal die kezerische Frage stellen, was wäre eigentlich, wenn der Kerl tatsächlich Asperger wäre? Nur weil jemand erwähnt, er hätte Asperger heißt das ja nicht, dass das die Ursache für seine Mordtaten ist und das habe ich ehrlich gesagt auch nirgendwo herausgelesen. Das der Typ irgendwie gestört war ist jedem klar, normale Menschen bringen keine Kinder um. Ich finde die Reaktionen der genannten Blogger ehrlich unangemessen, denn niemand hat behauptet, alle Asperger-Autisten wären potentielle Amokläufer. Was wir wissen ist, dass da viele Menschen gestorben sind und das man vielleicht die political correctness im Schrank lassen sollte, bis die Eltern ihre Kinder bestattet aben.

  3. Vera Bunse |  16.12.2012 | 19:40 | permalink  

    @Thomas
    Es wird subtil ein Zusammenhang mit einer plakativen These hergestellt. Im Gehirn der meisten Leser wird diese Verknüpfung ebenso gut funktionieren wie bei den Killerspielen.

  4. Offener Brief « autzeit |  16.12.2012 | 19:44 | permalink  

    [...] bloggt, jeder schreibt – und die große Resonanz auf besonders einen SpOn-Artikel zeigt, dass viele Autisten wie ich sich angegriffen und diffamiert [...]

  5. Die ekelhafte Berichterstattung von Spiegel Online. /cc .@lyssaslounge (Katharina Borchert, CEO Spiegel Online) « pixlpop.de |  16.12.2012 | 21:18 | permalink  

    [...] Küchenpsychologie, heute: Asperger Gib dem Netz Futter! [...]

  6. nk |  16.12.2012 | 22:03 | permalink  

    „Ich möchte mal die kezerische Frage stellen, was wäre eigentlich, wenn der Kerl tatsächlich Asperger wäre? “

    Ja, Thomas, was wäre dann?

    Kennste sicher:

    > Studie Beweist: Terroristen kaufen Brot!
    Erneut wurde bewiesen, dass Brot den internationalen Terrorismus fördert. Durch den Verzehr dieses, in vielen Ländern unverständlicherweise immer noch legalen, Nahrungsmittels sollen sich Terroristen neusten Recherchen zufolge am Leben erhalten.
    Doch nicht nur Terroristen greifen auf Brot zurück: die Liste der Menschen, welche dem Genuss von Brot fröhnten, liest sich wie ein who is who der Schwerstverbrecher: Adolf Hitler, Saddam Hussein, Osama Bin Laden, Jack the Ripper, die Teletubbies. Neusten Erkenntnissen zufolge soll auch Charles Manson in Verbindung mit Brot gebracht werden können.
    Nachdem Brot in den letzten Jahren als Ursache von Amokläufen, Banküberfällen und der Herstellung von Massenvernichtungswaffen bestimmt werden konnte, gesellt sich nun also auch der internationale Terrorismus zu dieser geselligen Runde.
    Insider-Informationen zufolge wurde eine EU-Kommision einberufen, welche ein Gesetz verabschieden will, nach dem der Verzehr oder Besitz von Brot mit der Todesstrafe geahndet werden soll.
    <

    „Das der Typ irgendwie gestört war ist jedem klar, normale Menschen bringen keine Kinder um.“

    Normale Menschen tun ne ganze Menge. Und „nicht normal“ lässt sich gut konstruieren, gelle? Ich normal, DIE — anders.

    „denn niemand hat behauptet, alle Asperger-Autisten wären potentielle Amokläufer. “

    Wann hast Du denn den letzten Spiegel-Artikel über Autismus gelesen? Na so ein Zufall!

    Im Übrigen interessant, wie Du hier die Kinderlein instrumentalisierst gegen die phösen, politisch korrekten Blogger. Als wenn es in den Nachrichten immer nur ein Thema geben dürfte.

  7. wolf |  17.12.2012 | 09:00 | permalink  

    Den 1. Originaltext suche ich, bisher leider vergeblich. Für einen Hinweis wo zu finden oder Zusendung wäre ich dankbar. l@selbsthilfe-online.de

  8. Ich töte keine Menschen! | dasfotobus |  17.12.2012 | 09:32 | permalink  

    [...] Weitere Artikel: OT: Newtown, Connecticut Adam Lanza und sein angeblicher Autismus Populismus pur. Asperger, das Attentat in Newtown und die Rolle von Spiegel Online Meet Autismus Offener Brief von AutZeit wundervoller Spiegel-Online-Artikel Heute kommentiert zum Thema “Autisten als Amokläufer” Küchenpsychologie, heute: Asperger [...]

  9. die ennomane » Blog Archive » Angriff der Killerautisten |  17.12.2012 | 14:00 | permalink  

    [...] Anatol Stefanowitsch und ich haben wieder einen Podcast aufgenommen. Zu gast waren die beiden Asperger-Autisten @wendelherz und @h4wkey3 – ganz zufällig, während in den Boulevardmedien ein Zusammenhang zwischen Autismus und dem Amoklauf von Newton k…. [...]

  10. Amoklauf in Newtown: Statt Killerspielen nun vermeintlicher Asperger-Autist Schuld – Sajonara.de – Internetmagazin |  17.12.2012 | 14:07 | permalink  

    [...] und zu bündeln und die Leute zu bilden. Oder mit der Meinung von Daniela, die für Aufklärung plädiert. Für Themen, von denen sie vorher keine Kenntnis hatten.Regt euch nicht [...]

  11. Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram. |  17.12.2012 | 15:39 | permalink  

    Asperger-Amok….

    Saubere Arbeit von den Medien. Abgesehen davon, dass das ehemalige Nachrichtenmagazin Asperger/Autismus den Persönlichkeitsstörungen zuordnet (was absoluter Blödsinn ist), ist wieder eine Gruppe von „Psychos……

  12. Zwischen Genie und Wahnsinn » „Asperger-Syndrom: Blind für die Emotionen anderer Menschen“ |  18.12.2012 | 00:55 | permalink  

    [...] bloggt, jeder schreibt – und die große Resonanz auf besonders einen SpOn-Artikel zeigt, dass viele Autisten wie ich sich angegriffen und diffamiert [...]

  13. Online-Medien: Vertrauenssache — Carta |  18.12.2012 | 14:14 | permalink  

    [...] eines großen Online-Mediums mehrmals geändert wird. Das ist kein Einzelfall, nur ist es diesmal eben [...]

  14. Medienskandal am Beispiel des Amoklaufs in Newtown – Journalismus hinterfragen « World-Net-News: Weblog |  18.12.2012 | 21:02 | permalink  

    [...] und nun nachgebesserten Artikel zum vermeintlichen Zusammenhang auf spiegel.de anführt. Küchenpsychologie und Schnellschüsse von Medien? Zurecht haben sich viele im Netz über die etwas platte ‘Kombination’ von [...]

  15. DJ Nameless |  20.12.2012 | 14:02 | permalink  

    Der Spiegel-Artikel ist wirklich Müll. Ich leide selber an Asperger-Autismus, kenne mich in der Materie also aus. Sicher habe ich auch manchmal Probleme mit Emotionen, jedoch käme ich nie im Leben auf die Idee, andere Leute zu ermorden, sondern wünsche mir im Gegenteil eine möglichst friedliche Welt.

  16. Küchenpsychologie, heute: Asperger (und die Diskussion bei Twitter) | Gedankenkarrussel |  21.12.2012 | 00:20 | permalink  

    [...] Reblog von carta.info [...]

  17. Online-Medien: Vertrauenssache « vera bunse |  24.12.2012 | 14:42 | permalink  

    [...] Website eines großen Online-Mediums mehrmals geändert wird. Das ist kein Einzelfall, nur ist es diesmal eben [...]

  18. kontinentaldrift |  25.12.2012 | 14:17 | permalink  

    Der Typ hatte Asperger? Alle Asperger fühlen sich beleidigt. Vielleicht hatte er auch Fußpilz? Alle mit Fußpliz fühlen sich beleidigt. Er war Amerikaner? Alle Amerikaner fühlen sich beleidigt.

    Wie kommt das? Diese Menschen sehen sich selbst als Mittelpunkt der Welt. Sie haben nicht zu unterscheiden gelernt, wann sie gemeint sind und wann nicht. Sie projizieren ihre eigenen Verständnisprobleme auf den Rest der Welt.
    Kein vernünftiger Mensch würde aus dem Umstand, dass der Amokläufer Asperger hatte, schlussfolgern, dass demnächst alle Asperger amoklaufen. Das ist völliger Unsinn, Wichtigtuerei und schlicht Dummheit.

    Wenn sich der Spiegel dafür entschuldigt, dass diese Leute ein Problem mit der Logik von Aussagen haben, dann gibt er diesen Leuten noch recht in ihrem Wahn “einer = alle” und “ich bin diffamiert worden”.

    Nein, Leute, ihr wart nicht gemeint und ihr seid auch nicht diffamiert worden! Egal was der Typ auch immer hatte – Asperger, Durchfall oder Pickel am Hintern. Das muss man berichten können. Und zwar ohne dass diverse Geplagte aufjaulen, sie wären zu Amokläufern abgestempelt worden.

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