Robin Meyer-Lucht | 45 Kommentar(e)
Es ist schon atemberaubend, wie schnell nun eine um die andere altbundesdeutsche Institution ihr Unvermögen im Umgang mit der digitalen Öffentlichkeit präsentiert. Der Abmahnversuch der Deutschen Bahn gegenüber Netzpolitik.org ist PR-Harakiri und nicht zu gewinnen.
03.02.2009 |
Es lassen sich ganz leicht zehn Gründe nennen, warum die Bahn diesen publizistischen Konflikt mit Netzpolitik verlieren muss, wie auch schon der DFB gegen Jens Weinreich unterlag:
1. Es besteht ein ganz klares öffentliches Interesse an der Angelegenheit. Netzpolitik verrät hier “Geschäftsgeheimnisse” nicht zum Spaß, sondern mit dem Ziel gesellschaftlicher Aufklärung.
2. Netzpolitik hat lediglich ein Dokument verfügbar gemacht, das zahlreichen anderen Journalisten auch zugänglich war. Der einzige Unterschied zur Berichterstattung in den klassischen Medien besteht darin, dass das PDF in Gänze verfügbar gemacht wurde.
3. Netzpolitik ist eindeutig eine Institution der journalistischen Öffentlichkeit. Mit anders lautenden Interpretationsversuchen wird die Bahn nicht durchkommen.
4. Netzpolitik vs. Deutsche Bahn passt dramatisch gut in das David vs. Goliath-Schema. Die Öffentlichkeit und Journalisten lieben dieses Schema. Die Bahn wird mit ihrer Sicht der Dinge gar nicht mehr durchdringen.
5. Die Schuld an der Datenaffäre liegt eindeutig bei der Bahnführung. Eine Behinderung der Berichterstattung und der Aufklärung kann nur auf die Bahnführung selbst zurückfallen.
6. Das PDF wird nun aus Solidarität schon an hunderten Stellen im Netz ebenfalls gespeichert worden sein. Seine Sichtbarkeit ist durch die Aktion nur gesteigert worden. Zurückholbar ist das Dokument ohnehin nicht.
7. Die Angelegenheit eignet sich hervorragend zum Grundsatzstreit um digitale Presse- und Bloggerfreiheit. Die Bahn hat hier eine willkommene Vorlage geliefert und damit ihre Gegenseite geeint.
8. Das Beispiel zeigt, dass die Bahn auch ihre Juristen nicht unter Kontrolle hat, was die Führung weiter blamiert.
9. Die Bahn verfügt über keinerlei Sympathiekredit mehr, den sie überhaupt noch ausspielen könnte.
10. Netzpolitik verfügt über einen direkten Zugang zur Öffentlichkeit und über eine organisierte spontan vernetzte Unterstützerschaft. Schon im direkten Vergleich der publizistischen Waffen ist die Bahn unterlegen.

Rivva 17:45 Uhr: Zweieinhalb Stunden nach der Veröffentlichung des Netzpolitik-Textes mit 22 Reaktionen
Vielleicht findet sich ja ein PR-Berater, der das alles anders sieht. Pleon, fischerAppelt übernehmen Sie.
Nachtrag: Am Freitag, dem 6. Februar, hat die Bahn erklärt, keine weiteren rechtlichen Schritte gegen Netzpolitik.org unternehmen zu wollen. Mehr hier. Und natürlich hier.



sehr schön. gut auf den punkt gebracht
Bitte nicht alle PR-Berater über einen Kamm scheren. Wir sehen das nämlich als Paradebeispiel für einen 1a-Streisand-Effekt:
http://www.pr-agentur-blog.de/archives/237-Anfaenger-in-Online-PR-Bahn-geht-mit-Blogger-auf-Kollisionskurs.html
Ich hätte es nicht schöner sagen können.
Ich bin mir aber nicht sicher, ob die Bahn noch mal die Kurve kriegt und einen Rückzieher macht, so holzköpfig wie die sind.
danke auch für diesen letzten satz. ich beneide meine lieben exkollegen am hausvogteiplatz nicht, dass könnte nämlich tatsächlich in ihren schoß fallen.
Soweit so gut. Einzig würde ich die Unterstützerschaft für Markus Beckedahl eben nicht als organisiert bezeichnen, sondern eher als spontan und vernetzt. Keinesfalls greift netzpolitik.de in dieser Affäre auf eine organisierte Struktur zurück.
@ andreas: Stimmt. ändere ich oben so.
gelunge steilvorlage für die agentur am hausvogteiplatz – hervorragendes briefing ;-)
Wenn sich einer aus meiner Zunft fände, der das signifikant anders sieht, würde ich an seinem Verstand zweifeln. Insofern: Ja, so ist es. Trotzdem wäre es spannend, der Bahn aus dieser Klemme zu helfen, oder? :)
Bahn mahnt netzpolitik.org ab…
Der Ruf der Deutschen Bahn ist eigentlich kaum mehr zu beschädigen. Die Mehdorn’schen Hausjuristen haben es trotzdem geschafft. Markus Beckedahl, der Macher von netzpoltik.org, wird unmissverständlich gebeten, ein von ihm veröffent…
@luebue: Ja! Das wäre mal ein Job. Aber allein die Ausschreibung dauert 18 Monate ;-)
Sehr gutes Plädoyer, aber im letzten Punkt stimme ich nicht überein: “Schon im direkten Vergleich der publizistischen Waffen ist die Bahn unterlegen.”
Es mag vielleicht sein, dass Markus mit Netzpolitik sehr schnell Informationen herumschicken kann. Aber im direkten Vergleich der publizistischen Waffen hat netzpolitik nicht viel entgegenzusetzen. Eine einzelne Pressekonferenz der Bahn lockt schon Hundertschaften an Kamerateams und Redakteuren von großen überregionalen Tageszeitungen, die eine deutlich höhere Reichweite haben als netzpolitik.
Was man allerdings dagegenhalten könnte, wäre, dass die Bahn sich damit selbst ins Knie schießen würde – schließlich würde sie netzpolitik und der gesamten Blogosphäre eine Steilvorlage liefern, durch die sie deutlich bekannter würden.
In jedem Fall wünsche ich Markus viel Erfolg!
[...] Update2: Mittlerweile hat Markus großen Zuspruch erhalten, sich juristischen Rat geholt und angekündigt, das Dokument vorerst online zu lassen. Außerdem gibt es mittlerweile ein Interview mit ihm bei Julia Seeliger und auf carta.info eine Auflistung von 10 Gründen, warum die Bahn den Konflikt nur verlieren kann. [...]
[...] carta.info: DB ist der neue DFB [...]
[...] Carta gibt es noch 10 gute Gründe, warum die Bahn dieses Duell verlieren muss. « Ich will ein Netbook [...]
[...] 10 Punkte, warum die Bahn den zweiten machen wird/muss in dieser Sache (carta.info). Das is bisschen krud, aber nicht von der Hand zu weisen. Letztendlich ist es in [...]
[...] robin meyer-lucht benennt bei carta zehn punkte, warum die bahn in diesem konflikt nur verlieren kann, zieht den vergleich zum konflikt zwischen theo zwanziger vom dfb und sportjournalist und blogger jens weinreich, der nicht ganz fern liegt. … ich fass ma die wichtigsten thesen zusammen. [...]
[...] beinahe „wie am Schnürchen“. Sehr gut gefällt mir der Blog-Eintrag „DB ist der neue DFB“ von Robin [...]
[...] noch nicht mal alle Nachzügler mit dabei. Das die Bahn die PR-Schlacht nur verlieren kann, hat Robin Mayer-Lucht eindrucksvoll zusammen [...]
[...] Warum die Bahn diesen publizistischen Streit gegen netzpolitik.org letztlich verlieren muss, schreibt Robin Meyer-Lucht bei Carta. Als Grund führt er u.a. die Ressource des direkten Zugangs zur Öffentlichkeit und eine sich [...]
[...] DB ist der neue DFB [...]
[...] Die Erkenntnis, dass die Bahn dieses “Scharmützel” wohl nicht gewinnen kann – und auch verlieren wird (siehe auch DB ist der neue DFB) [...]
Entgleist!…
Die Strategie bei innenpolitischen Problemen erstmal einen Krieg anzuzetteln ist nicht neu. Sie ist auch nicht gut, soll sie doch bloss vom Dreck vor der eigenen Haustür ablenken. Die Bahn, ohnehin nach meiner Auffassung begeisterter Anhänger von n…
auf netzpolitik.org wurden inzwischen aus dem dokument die namen der verantwortlichen bei der bahn entfernt.
eine unzensierte version findet sich (sicher vor dem zugriff der DB) hier:
http://wikileaks.org/leak/datenschutz-bei-der-bahn.pdf
Großunternehmen vs. Blogger – Hat die Deutsche Bahn zu wenig Medienkompetenz ? …
Wieder einmal ist es passiert…
Ein Großkonzern hat einen Blogger abgemahnt (siehe “Deutsche Bahn AG schickt mir eine Abmahnung”) und damit nicht zum ersten Mal innerhalb von nicht einmal 24 Stunden einen immensen Wirbel im Internet ausgelöst…
[...] Inmitten des größten Skandals der Deutschen Bahn wurde der Netzpolitik-Blogger Markus Beckedahl von der DB abgemahnt. Beim Wort Abmahnung zuckt es vermutlich bei allen Bloggern im Gehirn. Zu oft wurde bereits versucht unsere “Zunft” mit diesem “Hammer” ruhig zu stellen. In diesem Fall geht es um ein internes Dokument der Bahn, welches Beckedahl auf seinem Blog veröffentlichte. Die Reaktionen waren sehr verhalten – bis die Abmahnung kam. Nun ist der Fall in allen Medien und die Blogger versammeln sich wieder um einen der ihren. Einen glanzvolleren PR-Gau konnte eigentlich nur Herr Mehdorn selbst erzeugen… … zehn Gründe, warum die DB damit voll in die Scheiße gegriffen hat. [...]
Wer würde jetzt noch Aktien der Bahn oder des Papstes kaufen?…
Ist Mehdorn des Teufels und der Papst katholisch? Man stelle sich den Aktienkurs beider Häuser nach diesen Aktionen vor! Zwei zu heiß gebadet oder nur der Sonne zu nah? Was tun? Von Ralf Schwartz.Manchmal muß man sich wirklich wundern, wozu……
[...] Die Blogs haben natürlich alle reagiert, ich lasse ich jetzt aber mal außen vor. Aber Julia Seliger hat ein erstes Interview mit Markus gemacht, und bei Carta gibt es 10 Gründe warum netzpolitik.org den Rechtsstreit nicht verlieren kann. [...]
Fettnäpfe in 1435er Spurweite…
Immer wenn du denkst, noch peinlicher könne es jetzt nicht mehr werden, setzt Mehdorn-Airlines noch einen drauf … Grade erst hat die Bahn fürchterlich schlechte Presse für ihre Mitarbeiterbeschnüffelung im großen Stil bekommen, und schon wieder …
Wow, danke für die vielen Kommentare!
In einem Punkt bin ich gänzlich anderer Meinung: Nicht die Bahn verfügt über keinerlei Sympathiekredit mehr, sondern die DB-Führung. Das halte ich für einen wesentlichen Unterschied. Ich z. B. habe weder etwas gegen Eisenbahn und Eisenbahner, ganz im Gegenteil, aber ich habe schon seit Jahren sehr, sehr viel gegen die speziellen Personen, die sich der Firma bemächtigt haben und die bei jeder Gelegenheit (z. B. GdL-Streik) der Öffentlichkeit Sand in die Augen zu streuen versuchen.
Vermutlich wusste Mehdorn gar nichts von dieser Abmahnung und irgendein Entscheider eine Ebene darunter hat die Dynamik des Web 2.0 unterschätzt.
[...] Warum sowas nicht klappt, kann man hier nachlesen: Streisand Effekt und was du von “Weinreich vs. DFB” haettest lernen koennen, steht hier. [...]
[...] Wie die Deutsche Bahn zum Beispiel. Mach doch den gleichen Fehler wie zum Beispiel ein Bundestagsabgeordneter der Linken und wie Barbra Streisand. Man holt die juristische Keule, schlägt zu – und hat verloren! [...]
[...] jetzt kann die Bahn nur noch verlieren. David gegen Goliath, Grasroot gegen konzertierte Macht, ein beliebtes Motiv für alle [...]
[...] ist der neue DFB”, schreibt Robin Meyer-Lucht auf Carta. Der Chef des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) war gegen den Journalisten und Blogger Jens Weinreich [...]
[...] 10 Gründe, warum die Bahn den konflikt verliert [...]
[...] ihr genauer wissen wollt was daran so lächerlich ist, könnt ihr euch bei carta die 10 gründe [...]
Hallo Robin, die rechte Analyse zur rechten Zeit und hübsch pointiert auf den Punkt gebracht. Schade nur, dass der Panchev dank der Kanzlerin und der eingekauften Gewerkschafter auch dieses Desaster zunächst einmal im Amt überleben wird.
[...] wurden Hilfestellungen geleistet (alleine 367 Kommentare), es wurde interviewt (zeitrafferin,de), analysiert und durchschaut und dann für den Rest der Medienwelt aufbereitet. Das ist Microblogging bei [...]
[...] Es funktioniert offenbar besonders gut bei einem mächtigen Gegner. Nur dann stellt sich der „David gegen Goliath“-Effekt [...]
[...] Ich denke, um diesen David gegen Goliath-Kampf auf einer Metaebene zu betrachten, ist es noch ein wenig zu früh. Interessant sind die Gedanken, die dort zum Ausdruck kommen, dennoch. Er verweist nämlich darauf, dass eine so große Solidarisierung nur möglich war, weil es sich um ein wegen Datenschutzskandalen bereits im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit stehendes Unternehmen handelte und außerdem folgender Effekt zum Tragen kam: Netzpolitik vs. Deutsche Bahn passt dramatisch gut in das David vs. Goliath-Schema. Die Öffentlichkeit und Journalisten lieben dieses Schema. Die Bahn wird mit ihrer Sicht der Dinge gar nicht mehr durchdringen. [Quelle] [...]
[...] Es funktioniert offenbar besonders gut bei einem mächtigen Gegner. Nur dann stellt sich der „David gegen Goliath“-Effekt ein. Die Alltäglichen Wahrheiten bookmarken Powered by [...]
[...] Tagelang wurde diskutiert über die Meinungs- und Pressefreiheit und den Versuch der Bahn mit rechtlichen Mitteln Details zu vertuschen, was aufgrund der Resonanz aus der online Gemeinde nach hinten losging und scheitern musste. [...]
[...] DB AG gegen netzpolitik.org bzw. Markus Beckedahl erzeugte waren durchaus erstaunlich heftig und (etwas erwartungsgemäß) wenig im Sinne der Abmahnenden – dafür um so mehr im Sinne der Meinungs- und [...]
[...] Es funktioniert offenbar besonders gut bei einem mächtigen Gegner. Nur dann stellt sich der „David gegen Goliath“-Effekt [...]