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Eric Kubitz

Scheiß auf Unabhängigkeit! Über die große Koalition aus Google, Piraten und Marketing

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Piraten, Künstler und Downloader streiten sich darüber, ob Urheber ohne Urheberrecht leben können – und sehen nicht, dass sie das schon lange tun. Denn wer ein Werk schafft, rechnet nur noch selten damit, für seine kreative Leistung bezahlt zu werden.

16.05.2012 | 

Als gelernter Journalist und bekannter Suchmaschinenoptimierer bin ich gern gesehener Autor von Fachmagazinen. Auf unserer Agentur-Seite dokumentieren wir seit einigen Monaten unsere Veröffentlichungen in Offline- und Online-Medien. Darunter Technik-Magazine wie t3n und Screenguide – aber auch ulkige Formate wie das PDF-Format unternehmer.de.

 

Deal: Wie sich Fachmagazine und Autoren gerne einigen

Wie geht das vor sich? Ich bekomme hin und wieder eine Anfrage für einen Artikel. Grund dafür kann die Empfehlung eines Kollegen sein oder ein Chefredakteur hat in unserem Blog “seo-book.de” einen Artikel gelesen, der auch in sein Heftchen passt. Meist sage ich gerne zu und dann geht die redaktionelle Arbeit los. Manchmal muss ich nur den Blogbeitrag ein wenig umschreiben – aber häufig geht es um richtige Arbeit wie Recherche, Strukturieren und Schreiben. Wohlgemerkt: Wir reden von den Redaktionen “richtiger” Zeitschriften mit “Copypreis” am Kiosk und Anzeigenpreislisten. Anscheinend unabhängigen Redaktionen mit gutem Namen.

Beim ersten Mal hatte ich als ehemaliger freier Journalist natürlich nach dem Honorar gefragt – was mit Ratlosigkeit beantwortet wurde. “Wir bezahlen unsere Autoren in der Regel nicht”, meinte der Chefredakteur. Ich habe mir dann einen Link rausgehandelt – der ist ja auch was wert. Die eigentliche Währung aber ist: Aufmerksamkeit. Dafür, dass ich als Autor genannt werde, mache ich die redaktionelle Arbeit.

Warum tue ich mir das an? Nun, erstens bin ich eitel und freue mich über solche Anfragen und darüber, meinen Namen auf gedrucktem Papier zu lesen. Und zweitens verspreche ich mir davon einen Werbe-Effekt für unsere CONTENTmanufaktur.

 

Meins: Bloggen als Visitenkarte

Aber auch ohne diese Fremdbeiträge publiziere ich derzeit mehr, als ich es vor über zehn Jahren als freier Journalist jemals hätte tun können. Der Grund ist natürlich die Bloggerei. Nicht auf kubitz.net, meinem privaten Blog mit nur stockendem Input, sondern auf SEO-Book, unserem Alpha-Blog in der SEO-Szene. Dort schreiben wir unabhängig, wir schreiben viel und zwar so, dass es dem Leser offenbar gefällt. Das jedenfalls legen Besucherzahlen, die Kommentare und Social Media-Reaktionen nahe. Auch dort haben wir Gastautoren – die meist einen großartigen, aber unbezahlten Job machen.

Übrigens: Die Werbeeinnahmen belaufen sich auf wenige Euro pro Monat. Die Banner haben wir lediglich testweise im SEO-Book.

 

Wer braucht schon hauptberufliche Journalisten?

Als Inhaber einer SEO-Agentur kann ich mir diese Veröffentlicherei leisten. Erstens weil ich es als gelernter Journalist kann. Und zweitens, weil ich damit gar kein Geld verdienen MUSS. Meine Artikel, der Blog und die Auftritte auf Konferenzen sind einzig Marketing, das wir uns gönnen. Bräuchte ich mehr Zeit für die Artikel oder wäre unser Fachbereich nicht so erklärungsbedürftig wie die Suchmaschinenoptmierung, müssten wir wohl Anzeigen schalten oder auf Messeständen stehen. So kann ich aber den Autoren raushängen.

Ob die Leser Ihre Informationen lieber von einem hauptberuflichen Journalisten, als von dem Chef eine SEO-Agentur hätten, hinterfrage ich selten. Aber ich wundere mich manchmal, wer alles wo und mit welcher Färbung schreiben darf.

Nur selten wird reguliert: Bei einem Artikel über SEO-Tools in einem größeren Magazin beschwerte sich ein Anzeigenkunde, als ich ihm als Autor genannt wurde. Ich denke nicht, dass er meine Kompetenz anzweifelte – aber er monierte zu Recht, dass meine CONTENTmanufaktur einen Partnervertrag mit seiner Konkurrenz hat. Rein vertraglich war ich nicht unabhängig. Wir konnten das dank der Hilfe eines unabhängigen Dritten klären. Trotzdem: Es bleibt ein schaler Geschmack im Mund, wenn ein Anzeigenkunde für die Unabhängigkeit eines Fachmagazins sorgen muss. Oder?

 

Content-Marketing: Ich schenke dir Qualität, du bezahlst mit Aufmerksamkeit

Dieser Umgang mit redaktionellen Inhalten hat sogar schon einen guten Namen: Content-Marketing. So nennt man es, wenn gute Inhalte für verschiedene Zielgruppen erstellt  und auch über “traditionelle” Medien (und deren Webseiten) verteilt werden. Völlig frei von Urheberrecht. Gerne werden noch tolle Fotos besorgt, die das Magazin kostenlos mitverwenden kann und keine Abmahnung von Getty fürchten muss. Das ist derzeit eine sehr moderne Strategie des Linkaufbaus: Der Content-Marketer wartet nicht, bis er von Chefredakteuren angerufen wird, sondern bietet ihnen gut recherchierte und ausführliche Inhalte an – in einer Qualität, die die Redaktion niemals bezahlen könnte. Dafür gibt es die Nennung der Quelle und einen Link. Selbstverständlich achten Redaktionen und Content-Marketer auch auf die Unabhängigkeit der Informationen – so gut es halt geht.

Ein fairer Deal – wenn man davon ausgeht, dass das Publikum damit einverstanden ist.

 

Wirtschaftsnews aus der Redaktion der Deutschen Bank?

Man sieht: Die Verlage sind gar nicht so einfallslos, wie man ihnen immer vorwirft. Zumindest die Fachpresse hat sich offenbar schon auf das Internet eingestellt und senkt so die Einkaufspreise für ihren Inhalt. Es werden keine Journalisten mehr für Artikel bezahlt, sondern Eigenmarketing-Fachleute bekommen eine Bühne geboten.

Nun, das mag in technischen Themen sogar sehr gut funktionieren. Aber: Werden in Zukunft die Wirtschafts-Teile der Zeitungen von den Presseabteilungen von BASF und Deutsche Bank dominiert? Bewerten die Hersteller zukünftig die Wirksamkeit von Diätpillen in Frauenmagazinen selbst? Kommt die Kinofilm-Rezension demnächst aus der Tastatur des Filmstudios?

Und was bedeutet das für andere Medien? Werden wir demnächst in Videos pausenlos Product-Placement sehen (oder sehen wir das schon)? Stammen die wirklich reichweitenstarken Produktionen für YouTube & Co nicht jetzt schon aus den Marketing-Abteilungen cleverer Konzerne? Kommt irgendwann ein Musik-Titel tatsächlich nur noch mit dem Rückenwind von Konfekt-Werbung in die Charts?

Noch können wir uns auf viele klassische Medien verlassen. Noch.

 

Ein Urheber kann auch in Zukunft Geld verdienen. Wenn er…

Es funktioniert also, das Geschäft mit dem Content. Teilweise viel besser, als es Piraten oder Künstler ahnen. Ich befürchte aber, speziell die Piraten gestehen sich selbst nicht ein, dass sie mit ihrer Position weniger den Ins-Internet-Schreibern helfen als den Konzernen, die gerne mal ein paar tausend Euro springen lassen, um guten, genehmen Content zu verbreiten.

Inhalte produzieren werden in Zukunft nur noch:

  • Marketing-Piraten, die ihre Werke als Werbung für ihre Firmen oder für ihre Credibility erschaffen. Ihr Lohn ist die Aufmerksamkeit.
  • Profi-Künstler, die von Unternehmen dafür beauftragt werden, im Sinne der Marke kreativ zu sein.
  • Hobby-Künstler, die durch Ehe, Erbschaft oder sonstwie durchfinanziert sind und eigentlich nur das machen, wozu sie Spaß haben.

Bei den einen macht man sich Sorgen um die Unabhängigkeit und die Werbefreiheit ihrer Ergebnisse, und bei den anderen zweifelt man an Professionalität bzw. Qualität.

Der Musiker, der von seiner Musik leben möchte, wird es in Zukunft noch schwerer haben. Ebenso der Journalist, der seine Autorschaft nicht querfinanzieren kann oder der nicht reich verheiratet ist. Fotografen, die früher für professionelle Reiseführer wie Marco Polo gearbeitet haben, sehen darin fast nur noch Bilder von Hobby-Fotografen, die dank toller Kameratechnik “gut genug” sind und deren Urheber stolz wie Bolle sind und die alle denkbaren Rechte für den Abdruck honorarfrei verschenken.

 

Und nun?

Ich habe keine Idee, wohin uns das führen wird. Wenn die Redaktionen als Kontrollinstanz für Inhalte ausfallen, stehen möglicherweise irgendwann kritische Leser dafür bereit. Allerdings werden sie erst dann intervenieren, wenn sie erfahren, wie der tolle Artikel, den sie gerade gelesen haben, finanziert wurde. Aber vielleicht wird dann alles gut…

Was mich vor allem stört, ist diese verschwommene Große Koalition aus starken Rechteverwertern wie Google, den planlosen Piraten und finanzstarken Marketing-Abteilungen, die irgendwann die einzigen sein werden, die noch aufwändige Inhalte erstellen können. Diese Koalition ist ein ärgerliches Zukunftsmodell: Piraten wünschen sich freies Downloaden, die Marketing-Abteilungen liefern diese Downloads gerne und Google verdient mit der Auslieferung Geld.

Die Opposition dieser starken Koalition ist viel schlechter organisiert und teilweise nicht minder suspekt: Zwar verbünden sich nun Künstler wie Mario Adorf und Frank Schätzing öffentlichkeitswirksam und stellen sich demonstrativ vor Gema und ihre Verlage. Aber das tun sie auch nur zum Eigenmarketing und auch erst, nachdem Sven Regener in einen Heldenstatus geprügelt wurde und es nun schick ist, mit ihm auf einer Liste zu stehen.

Der großen Masse der Urheber hilft das alles nichts. Schon gar nicht hilft  die Diskussion über das Urheberrecht. Journalisten, Musiker und Schauspieler ohne dickes Bankkonto sollten sich schon jetzt einen anderen, gut bezahlten Job suchen und ihre Kunst fortan zum Hobby machen. Oder sie suchen nach einem Firmensponsor. Scheiß auf die Unabhängigkeit!

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27 Kommentare

  1. Leonie Fischer |  16.05.2012 | 17:45 | permalink  

    Ich erwarte durchaus für das Schaffen eines kreativen Werks angemessen bezahlt zu werden. Und da bin ich wahrlich nicht die einzige.

    Leute wie Sie, die umsonst Texte für Fachzeitschriften verfassen, verderben in meinen Augen die Preise für die normalen JournalistInnen.

    Für Sie ist die Währung für Ihre Artikel Aufmerksamkeit für Ihre Firma durch den Abdruck Ihrer Texte. Damit sind Sie kein Journalist, sondern ein PR-Mann für ihre Firma.

    JournalistInnen leben aber nicht von einer Firma, sondern vom Journalismus. Dass die Verlage für Journalismus immer weniger bezahlen, ist nicht akzeptabel. Sie persönlich sollten für Ihre Firmenwerbung in Fachzeitschriften bezahlen und JournalistInnen sollten für Ihre Texte angemessen bezahlt werden.

    Es geht hier auch um die Qualität der vierten Gewalt (Presse), die unser politisches System kontrollieren soll. Wenn nur noch PR – Leute publizieren, wird die Aufgabe der Presse als Kontrollorgan nicht erfüllt. Das gefährdet die Demokratie.

  2. Eric |  16.05.2012 | 18:13 | permalink  

    @leonie: Stimmt. Ich würde mich nicht gerade als Demokratie-Gefährder bezeichnen, aber Sie fassen meinen Artikel prima zusammen.

    Das ist ja auch so in etwa der Grund, warum ich den Artikel geschrieben habe: Ich denke, dass die Urheber-Diskussion ein bisschen an der Realität bzw. am aktuellen Problem vorbei schrammt.

  3. Michael Schneider |  16.05.2012 | 21:19 | permalink  

    @Leonie Fischer

    Ich bin auch der Ansicht, dass ein Journalist für seine Tätigkeit angemessen bezahlt werden sollte. Zeitungen sind in unserer Zeit aber nun mal nicht die einzigen Publizisten.

    Ansonsten ist Qualität in der Tat das Stichwort auf das es ankommt. Die liegt meiner Ansicht aber nicht daran wie einer sein Geld mit dem Schreiben verdient oder von wem er bezahlt wird. Die Qualität liegt meiner Meinung mehr an der Politik des Publikationsorgans.

    Die Frage die mich beim Journalismus bewegt ist die wer zu den Journalisten und wer nicht zu ihnen gehört.

    Ein Beispiel was ich damit meine:

    Vor kurzem war ein Artikel auf SpOn.

    Ein Zitat aus dem Zusammenhang gerissen.
    Keine Zeitangabe wann das Zitat ausgesprochen worden ist.
    Keine Ortsangabe wo es gefallen ist.
    Keine Angabe über den Zusammenhang in dem das Zitat gefallen ist.

    Nur wer dieses Zitat von sich gegeben hatte, sonst stand nichts in diesem “Bericht”. Man mußte aufgrund der inhaltlichen Äußerungen Zitates erraten in welchem Zusammenhang es gefallen ist. Das fand ich ein bißchen ärmlich.

    Man darf die Piraten nicht mögen. Man darf sie bekämpfen, wenn man will. Angriffsfläche geben die ja schließlich selbst mehr als genug.

    Aber man sollte dabei nicht die Grundprinzipien des Journalismus aufgeben. Dann gibt man alles auf was man besitzt.

    Zeitungen und Zeitschriften die solche Spielchen spielen gefährden in der Tat die Demokratie.

  4. Scheiß auf Unabhängigkeit! Über die große Koalition aus Google, Piraten und … – CARTA | Marketing News |  17.05.2012 | 07:09 | permalink  

    [...] Scheiß auf Unabhängigkeit! Über die große Koalition aus Google, Piraten und …CARTAMeine Artikel, der Blog und die Auftritte auf Konferenzen sind einzig Marketing, das wir uns gönnen. Bräuchte ich mehr Zeit für die Artikel oder wäre unser Fachbereich nicht so erklärungsbedürftig wie die Suchmaschinenoptmierung, müssten wir wohl … [...]

  5. ohminus |  17.05.2012 | 09:51 | permalink  

    Ich denke eher, es ist der Artikel, der an der Realität vorbeischrammt, denn letztendlich käut er eine rein fiktive Diskussion durch, die Positionen gegenüberstellt, die realiter nur von einer Seite der anderen vorgeworfen werden, aber tatsächlich nicht Gegenstand der Diskussion sind. Vermutlich ist der Artikel hier auch lediglich im Sinne des Content-Marketings zu sehen. Die nötigen Links wurden ja eifrig gesetzt.

    Zum Thema “Downloader” wurde auf SPON neulich schon das wesentliche gesagt:
    http://www.spiegel.de/netzwelt/web/game-of-thrones-got-stellt-wohl-download-rekord-auf-a-833014.html Der Rest der “Diskussion” ist das übliche Geseiere vom Kollaps jeglicher Qualität und vom Abschaffen jeglicher Standards sobald irgendjemand die Änderung von gesetzlichen Rahmenbedingungen vorschlägt, die einen bestimmten Berufszweig betreffen. Änderungen des Urheberrechts sind kein Abschaffen desselben. Und deutsche Städte fallen auch nicht in Schutt und Asche, weil in einigen Handwerksbereichen der Meisterzwang abgeschafft wurde. Im Übrigen wäre die Frage aufzuwerfen, ob Mozarts Requiem qualitativ schlecht ist, weil es eine Auftragsarbeit war?

  6. Eric Kubitz |  17.05.2012 | 10:24 | permalink  

    @ohminus Puh, wo soll ich anfangen? Ach, ich liste einfach meine Gedanken auf:

    1. Im Gegensatz zu den Urheberrechts-Debatten ist der Artikel alles andere als fiktiv sondern spielt sich in meinem Real Life ab. Wenn dir das fiktiv vorkommt, müsstest du dir noch mal Gedanken über deine Wahrnehmung machen.

    2. Wenn ich auf meinem Blog einen Beitrag schreibe und der wird nachher auf Anfrage auf einer anderen Seite ge-crosspostet ist das kein Marketing-Link sondern eine Quellenangabe. Aber du hast schon recht: die Mechanik dahinter die gleiche. Mach gute Inhalte, dann schenken dir andere Aufmerksamkeit. Das ist übrigens gar nichts Neues oder Schlimmes sondern sogar das Wesen des Internet. Oder?

    3. Auf jeden Fall ist es auch das Wesen des SPON-Artikels, den du verlinkt hast. Allerdings muss ich immer würgen, wenn ich so etwas lese nach dem Motto “Erfolgreich trotz illegalen Downloads”. Das ist in diesem einen Fall sicher richtig. Und wir finden auch noch 20 andere Fälle von kulturellen Produkten, die eben wegen des illegalen Downloads so erfolgreich waren (wie übrigens das gesamte Microsoft Office Paket vor vielen Jahren auch). Was ist aber mit den 999 980 anderen Kultur-Schaffenden, die nicht in diesem Brachial-Wettkampf auf YouTube und auf Download-Portalen ihre User erreichen? Die werden zwar illegal kopiert aber haben nix davon.

    Wer also, wie die Piraten, gerne alles “frei” geben möchte, hat ein Problem: Er ist in einer unguten Koalition mit den Konzernen, die das Geld haben, mit teure Inhalte zu erstellen und zu verschenken und schneidet damit den “kleinen” die Existenzgrundlage ab.

    4. Wenn du den Artikel aufmerksam gelesen hättest, wäre dir aufgefallen, dass ich dediziert der Meinung bin, dass auch “Marketing-Inhalte” bzw. Auftragsarbeiten hohe Qualität haben können. Manchmal sogar höhere als die die von blütenweißen Redaktionen. Klar, weil man mehr Geld rein pumpen kann. Und ich finde, dass das im Technik-Bereich (etwa bei t3n) auch sehr gut funktionieren kann.

    Aber ich stelle die Frage, ob ein Reporter in einem Krisengebiet oder der Berichterstatter vom Parkett der Wallstreet “gesponsert” werden können. Zum Glück ist das auch nicht so – aber die Gefahr besteht.

  7. Sascha Pallenberg |  17.05.2012 | 20:48 | permalink  

    Na wenn der bekannte Suchmaschinenoptimierer mit dem geschickten Keywordlink-Spam im Artikel nicht mal den eigentlichen Grund fuer das Aufsaetzchen offenbart. Unter Beruecksichtigung des letzten Absatzes:

    Wenn die Redaktionen als Kontrollinstanz für Inhalte ausfallen, stehen möglicherweise irgendwann kritische Leser dafür bereit. Allerdings werden sie erst dann intervenieren, wenn sie erfahren, wie der tolle Artikel, den sie gerade gelesen haben, finanziert wurde. Aber vielleicht wird dann alles gut…

    kann ich mir ein gewisses Schmunzeln nicht verkneifen.

  8. Sascha Pallenberg |  17.05.2012 | 20:50 | permalink  

    und p.s.

    Inhalte produzieren werden in Zukunft nur noch:
    Marketing-Piraten, die ihre Werke als Werbung für ihre Firmen oder für ihre Credibility erschaffen. Ihr Lohn ist die Aufmerksamkeit.

    hat doch fuer dich hier wunderbar geklappt :)

  9. VonFernSeher |  17.05.2012 | 23:17 | permalink  

    Um nicht Sascha Pallenberg zu wiederholen, nur noch eine kleine weitere Frage, die mir bisher noch keiner beantwortet hat: Warum glauben Sie und Ihre Kollegen, Sie würden Suchmaschinen optimieren?

  10. ohminus |  18.05.2012 | 00:44 | permalink  

    @Eric Kubitz

    Deine Schilderung der Urheberrechtsdiskussion ist es, die rein fiktiv ist – nochmal, Du beschreibst nicht die tatsächlich vertretenen Positionen, sondern Positionen, die lediglich vorgeworfen, nicht aber vertreten werden.

    Was den SPON-Artikel angeht fürchte ich, Du hast ihn nicht verstanden. Der Punkt ist, dass die Leute die Serie sehen wollen und bereit wären, dafür zu zahlen. Sie wollen sie aber gerne über’s Netz sehen. Und sie wollen sie gerne jetzt sehen – und nicht in drei Jahren o.ä.Und sie würden gerne wenn sie dafür bezahlen, auch nur dafür bezahlen und nicht gleich noch “Drei Engel für Charlie” mitkaufen. D.h. der gewünschte Vertriebskanal wird legal nicht zum gewünschten Zeitpunkt bereitgestellt, wohl aber illegal. Deine Frage “Was ist aber mit den 999 980 anderen Kultur-Schaffenden, die nicht in diesem Brachial-Wettkampf auf YouTube und auf Download-Portalen ihre User erreichen? Die werden zwar illegal kopiert aber haben nix davon.” ist in dem Zusammenhang schon pathologisch. Es geht nicht um “erfolgreich trotz illegalem Download”, es geht darum, dass der illegale Download eine immense Nachfrage kennzeichnet, die auf offiziellem Weg nicht befriedigt wird. Und das exerzieren wir mittlerweile in der soundsovielten Branche durch. Die Musikindustrie hat sich jahrelang dagegen gewehrt, Musik zum Download bereitzustellen. Im Games-Bereich wird es mehr und mehr Standard. Und zwar am Tag 1 der Veröffentlichung.

    Es geht hier um nicht mehr und nicht weniger als klassisches Marketing: Das Abklären von Kundenbedürfnissen. Wenn ich dem Kunden erkläre, dass mir sch….egal ist, wie er mein Produkt beziehen möchte, dann erklärt mir eben der eine oder andere, dass ihm sch…egal ist, wie ich gerne mein Geld bekommen würde.

    Wer sich nicht die Mühe macht, auf die Bedürfnisse der Leute einzugehen, deren Geld er gerne bekommen würde, der wird dieses Geld eben nicht bekommen. Vollkommen unabhängig davon, ob sie sich die Ware anderweitig beschaffen oder nicht. Lost sales sind nämlich auch die, die schlicht nicht kaufen, ohne downzuloaden.

  11. ohminus |  18.05.2012 | 00:47 | permalink  

    @Eric Kubitz:

    Im Prinzip war der SPON-Artikel nicht viel mehr als eine journalistische Aufarbeitung dieses Comics:
    http://theoatmeal.com/comics/game_of_thrones

  12. In was für einer Gesellschaft wollen wir leben? « … Kaffee bei mir? |  18.05.2012 | 07:10 | permalink  

    [...] Kubitz: Scheiß auf Unabhängigkeit! Über die große Koalition aus Google, Piraten und [...]

  13. Eric Kubitz |  18.05.2012 | 07:21 | permalink  

    @Sascha Pallenberg: Ah, der Suchmaschinenspezialist meldet sich. Fein. Da muss ich natürlich Rechenschaft abgeben. Also: Ich habe auf meinem Blog einen Beitrag geschrieben, weil ich diese Praxis, wie sie momentan gehandhabt wird, bedenklich finde. Daraufhin wurde ich von Carta gefragt, ob der Artikel hier auch erscheinen darf. Wegen mir ja. Hätte ich das verbieten sollen, weil sonst Sascha denkt, ich mache Marketing?
    Nun, immerhin ist das offenbart ein schönes Diskutier-Thema. Und das freut mich natürlich.
    Und noch was: Wenn du echt denkst, das hat was mit Keywordlink-Spam zu tun, solltest du mal deine Begriffswelt klären. “Keywordlink-Spam” hätte was damit zu tun, dass ein Keyword verlinkt wird. Die Quellenangabe heißt “Crosspost” – definitiv kein Keyword. Aber keine Sorge: Ich helfe gerne, Wissenslücken zu schließen. Und ich bin dir übrigens auch nicht gram, dass du gegen SEOs schießt sondern verstehe das gut. Nur eines: Es gibt auch unter SEOs solche und solche. Und ein allzu scherenschnitthaftes Weltbild wirkt von außen immer irgendwie uncool.

    @VonFernSeher: Genauso wenig wie in einem Jägerschnitzel Jäger sind optimieren Suchmaschinenoptimierer Suchmaschinen. Sondern wir erklären unseren Kunden, wie sie ihre Seiten aufbauen, damit die Robots der Suchmaschinen verstehen, was dort drauf ist. (@sascha: So machen das mittlerweile die meisten SEOs…)

    @ohminus: Ich befürchte, ich kan dir in deiner Definition von “fiktiv” nicht folgen. Dass in dem SPON-Artikel “Marketing” beschrieben ist, verstehe ich schon. Was ich nicht verstehe: Warum soll etwas legal sein, nur weil es viele Menschen machen? Ich hoffe, es kommt keiner auf die Idee Gewalt in Fußballstadien für legal erklären zu wollen, weil es viele machen und es die Vereine und die Staatsmacht nicht schaffen, das in den Griff zu bekommen. Und da “Marketing” immer noch von “Markt” kommt muss man den Produzenten doch die Freiheit geben, selbst zu entscheiden, was sie kostenlos verbreiten wollen und was nicht. Ich wüsste schon gerne, was du beruflich machst und wovon du lebst. Lebst du auch vom Verschenken deiner Leistungen?

    Und noch ein persönliches Wort: Ich finde es beeindruckend, wie ihr wirklich alles tut, um alle Vorurteile zu bestätigen. Danke dafür!

  14. theo |  18.05.2012 | 22:59 | permalink  

    @ohminus:

    (“es geht darum, dass der illegale Download eine immense Nachfrage kennzeichnet, die auf offiziellem Weg nicht befriedigt wird. Und das exerzieren wir mittlerweile in der soundsovielten Branche durch. Die Musikindustrie hat sich jahrelang dagegen gewehrt, Musik zum Download bereitzustellen.”)

    Inzwischen ist beinahe jedes Lied legal downzuloaden, es kostet ja auch nicht viel. Warum wird dann immer noch massenhaft illegal damit gehandelt?

    Die Meinung, dass wenn ein Produkt nicht sofort erhältlich sei, dies quasi den Diebstahl rechtfertige, ist schon krude. Das ist es, was mich an diesen Piraten-Argumenten so immens stört. Mal wird eine vermeintliche normative Kraft des Faktischen beschworen, mal wird eine kaum noch verklausulierte Verhöhnung des Eigentumsprinzips als Konsumer-Ethik verkauft.

  15. eter Masus |  19.05.2012 | 16:08 | permalink  

    Was ist mit der Kombination von BGE (Existenz gesichert) und Flattr als urdemokratische Internet-Bezahlmethode (Finanzierung).

    Sollte man mal in die Debatte ums Urheberrecht einfließen lassen. Denn es geht ja heutzutage (ohne BGE) um die Existenz von Künstlern die auf dem Spiel steht und Sie sich deshalb so ans derzeitige Urheberecht klammern. Hätten wir BGE könnten wir viel freier mit Urheberrechten umgehen, da niemand mehr in seiner Existenz gefährdet ist.

  16. Eric Kubitz |  19.05.2012 | 16:31 | permalink  

    Für alle, die nicht sofort wissen, was “BGE” ist: Bedingungsloses Grundeinkommen.

    @eter Masus: Ich befürchte, dass BGE zur Lösung des Urheberrechtsproblems so wirken muss wie ein Schwanz der mit dem Hund wackelt. Das sollte man am besten woanders diskutieren. Und Flattr? Puh, ich würde mal sagen, das Thema ist durch – jedenfalls, wenn es ums Geldverdienen geht. Wir können ja mal bei den Carta-Leuten hier nachfragen, wie viel das pro Monat bringt. Ich befürchte, Flattr ist nur theoretisch eine gute Idee.

    Was habt ihr denn gegen das Urheberrecht? Wieso soll ich denn den die Rechte an einem Text, an einem Musik-Titel oder einem Video verlieren, nur weil ich das Werk in die Welt setze? Das ist doch absurd!

  17. ohminus |  19.05.2012 | 16:31 | permalink  

    @Eric Kubitz und @theo

    Eric, Die Vorurteile bestätigst eher Du – schon im Ursprungsartikel, wo es Dir egal war, welche Positionen tatsächlich gehalten werden, und welche anderen nur vorgeworfen werden, und jetzt, wo Du schlicht selbst das gleiche machst – nämlich mir Aussagen unterstellen, die ich gar nicht getroffen habe – genau wie theo das macht. Das ist die Definition von “fiktiv” – eingebildete Positionen anderer sind eben keine realen Positionen sondern rein fiktive.

    Zur Legalität hab ich nämlich überhaupt nichts gesagt – sonder schlicht dadurch, wie etwas zustande kommt und wie man es wirksam eingrenzen kann. Ich habe auch nichts dazu gesagt, dass jemand etwas kostenlos verbreiten soll. Ganz im Gegenteil. Aber weil Du ja lieber fiktive Diskussionen führst als reale ignorierst Du eben, was die Leute tatsächlich sagen und füllst lieber Blogs und Kommentarteile mit der Erörterung von Argumenten und Positionen, die keiner vorgebracht hat. Was mir unklar ist, ist wie Du glaubst, damit etwas Konstruktives zur Debatte beizutragen?

    Und ja, Marketing kommt von Markt – und wer am Markt vorbeiproduziert geht eben den Bach runter. Das ist aber zu erwarten, wenn man sich anstatt damit, wie die Welt tatsächlich ist, auseinanzusetzen, irgendwelche Programme abspult.

    Und um Deine Frage zu beantworten, was ich beruflich mache: Ich setze mich mit den Kunden meiner Firma zusammen und frage sie, was sie so umtreibt und was die Firma besser machen könnte. Ich sorge für einen möglichst flaschenhals-freien Informationsfluss in beide Richtungen, weil meine Ausbildung nahe an der der Kunden ist. Und bisweilen gebe ich den Kunden auch bei ihren Arbeiten, die nicht direkt mit den Produkten meiner Firma zu tun haben fachliche Anstöße oder Feedback.

    Natürlich MUSS man so etwas nicht für nötig halten. Nur: Wenn man die potentiellen Abnehmer nicht versteht, muss man sich nicht wundern, wenn sie nicht kaufen – und das ist genau der Punkt.

    @theo
    “Die Meinung, dass wenn ein Produkt nicht sofort erhältlich sei, dies quasi den Diebstahl rechtfertige, ist schon krude. Das ist es, was mich an diesen Piraten-Argumenten so immens stört. Mal wird eine vermeintliche normative Kraft des Faktischen beschworen, mal wird eine kaum noch verklausulierte Verhöhnung des Eigentumsprinzips als Konsumer-Ethik verkauft.”

    Was mich an solchen Argumenten stört, ist dass man sich nicht die Mühe macht, sich mit den Konzepten der Piraten aber auch den eigenen kritisch auseinanderzusetzen. Krude ist, massive Vorwürfe zu erheben, ohne auch nur ansatzweise mit der Debatte und den vertretenen Positionen vertraut zu sein und ohne jeglichen Selbstzweifel in eine Diskussion zu marschieren und die ewig gleichen Programme abzuspulen, ungeachtet ob sie zur Situation und zum gesagten passen.

    Im Übrigen: Behauptungen aufzustellen ohne sie belegen zu können ist ziemlich doof. Richtig ist, dass legale Downloads mittlerweile weit verbreitet möglich sind – als Folge ist der Markt mit solchen Downloads explodiert und etliche Unternehmen, die auf diesen Bereich spezialisiert sind, leben nicht schlecht davon. Der legale Markt ist drastisch gewachsen, auch dank der weiteren Verbreitung von Internetnutzung prinzipiell. Dabei nutzen auch etliche Leute das Internet, denen “Warez”, BitTorrent” etc. völlig fremd sind. Die Annahme, der Anteil des illegalen Marktes hätte sich nicht verändert, ist daher schon extrem fragwürdig. Offensichtlich ist der illegale Handel z.B. im Computerspielbereich nicht so groß als dass das Geschäftsmodell von Steam ernsthaft bedroht wäre. Vielmehr steigen immer mehr Hersteller in die Direktanbietung von Downloads selbst ein.

    Offensichtlich, weil sie sich davon ein Geschäft erhoffen…. und STEIGENDEN Gewinn.

    Krude ist zudem, mit Begriffen um sich zu werfen ohne sich mit deren Definitionen oder Konsequenzen auseinanderzusetzen. Diebstahl ist ein festehender juristischer Begriff, der in §243 StGB definiert ist und sich ausdrücklich auf das Wegnehmen sogenannter beweglicher Sachen bezieht. Der Hintergrund ist dabei nicht zuletzt, dass man dem eigentlichen Besitzer die Nutzung entzieht. Genau das ist bei illegalen Downloads nicht der Fall. Bilanztechnisch sind die nicht großartig von entgangenen Verkäufen zu unterscheiden. Und diese zu minimieren ist ein klassisches Marketingproblem. Weswegen es m.E. Unfug ist zu glauben, man würde das Problem über den juristischen Weg in den Griff bekommen. Wenn jemand einem bestimmten Transaktionsprozess einen bestimmten Wert nicht zumisst, so wird er das Geld nicht ausgeben, Punkt. Was ich juristisch erreichen kann ist in erster Linie das Verschieben von illegalen Downloads in den Bereich klassischer Nicht-Käufe. Das bringt vielleicht dem Rechtsfrieden was, aber nicht der Bilanz.

    Wenn ich als Anbieter nicht genug verkaufe ist es in erster Linie mein Job, zu überlegen, was ICH anders machen muss, damit die Leute kaufen. Krieg gegen meine potentiellen Abnehmer wird niemanden von denen motivieren.

  18. Eric Kubitz |  19.05.2012 | 16:43 | permalink  

    @ohminus: Danke für deine Job-Beschreibung. Klingt tatsächlich nach einem wichtigen und auch spannenden Beruf. Ich hoffe, du wirst ordentlich bezahlt.

    Und dann schreibst du: “Was mir unklar ist, ist wie Du glaubst, damit etwas Konstruktives zur Debatte beizutragen?” Nun, vermutlich verstehen wir uns da gegenseitig nicht. Deshalb spare ich dir jetzt eine Menge Lebenzeit und beende den Diskurs mit dir.

  19. theo |  19.05.2012 | 18:16 | permalink  

    ohminus, werter Marketingexperte,

    richtig ist, dass Diebstahl im juristischen Sinne anders definiert ist. Ich hatte das eher als Synonym verwendet. Zumindest sind wir uns ja einig, dass solches Filesharing “illegal” ist. Und offenbar ist die juristische Verfolgung noch höchst schmerzhaft, sonst würden ja die Piraten nicht gegen die Abmahnindustrie wettern (ich halte übrigens die Abmahngebühren auch für zu hoch – nicht aber das Prinzip, Illegalität zu ahnden).

    Ich finde es amüsant, wie jemand derart mit seiner Arbeitswelt verschmelzen kann wie Du. Offenbar scheint es schwierig für dich, die Welt nicht aus Marketingsicht zu betrachten. Wie nennt man das? Marketing-Nerd? Mit den BWLern früher auf der Uni konnte man auch nur selten ernsthaft über Inhalte, Ethik und Kultur diskutieren. Insofern verstehe ich Erics Antwort recht gut.

    Die Konzepte der Piraten nehme ich sehr wohl zur Kenntnis. Was auch nicht schwierig ist: es gibt derer ja nicht so viele, dass man die Übersicht verlieren könnte. Genau genommen gibt es zur Frage, wie denn ein funktionierendes Geschäftsmodell zur Zufriedenheit von Urhebern aussehen könnte, nicht ein einziges Konzept. Aber dass die bestehenden Einkommensquellen von Urhebern verschwinden sollen, das weiß man trotzdem schon ganz gewiss bei den Piraten (schließlich geht es ja darum, irgendwann möglichst viel für möglichst lau zu konsumieren – das ist der Grund, Eric, warum manche etwas gegen das Urheberrecht haben).

  20. VonFernSeher |  21.05.2012 | 05:12 | permalink  

    @Eric Kubitz

    Der Witz geht ja eher andersherum. Das Schnitzel war ja für den Jäger. Für die Nutzer der Suchmaschinen sind die Ergebnisse nämlich, nachdem optimiert wurde, oft alles andere als optimal. Aber wenn … Witz … und … erklärt … nicht mehr …

  21. Thomas Sondowski |  22.05.2012 | 10:39 | permalink  

    Mit dem bedingungsloses Grundeinkommen hätten wir ENDLICH das faire Wirtschaftsmodell das wir schon lange haben sollten, gemäß VWL/BWL Logik.

    Hier sauber nachgewiesen:

    http://www.global-change-2009.com/blog/arbeitsmarktgleichgewicht-in-abhangigkeit-vom-sozialsystem/2010/06/

  22. Sabine Pendl |  23.05.2012 | 13:54 | permalink  

    Lieber Herr Kubitz (und alle Diskutanten)

    Ich muss ganz ehrlich sagen; auch wenn mir Ihr Artikel sehr gut gefallen hat, werde ich nicht ganz schlau aus ihm – mir scheint, Ihre Gedanken litten selbst ein wenig an einem inneren Widerspruch (weswegenen man Sie von zwei Seiten aus angreift) ?

    Zum einen sprechen Sie sich für die Beibehaltung des jetzigen (?) Urheberrechtes (oder für eine Modifikation) aus, zum anderen lese ich zwischenden Zeilen, dass sie den Zug für ohnehin schon abgefahren halten: Wer in Zukunft als Künstler oder Kulturschaffender überleben will, muss entweder einen Riecher fürs (Selbst-)Marketing haben, reich verheiratet sein oder einen Sponsor finden. (Auch das will gekonnt sein.) Welche Rolle spielt da noch das Urheberrecht? Oder gehts da (in einer zukünftigen webbestimmten Welt) nur noch um die reine Urheberschafts-”Ehre” und sowieso nicht mehr um die Kohle?

    Ich sehe das übrigens zur Zeit wirklich so, bin aber noch im Meinungsbildungsprozess begriffen.
    Denn scheinbar hatte das Urheberrecht immer schon so seine Tücken.
    Wie überhaupt das Künstlerleben immer schon so seine Tücken hatte… ((In diesem Zusammenhang möchte ich übrigens mal kurz und janz direkt einwerfen: Was ist eigentlich so schlimm an einem Brotberuf und einem KünstlerHOBBY? Warum wollen eigentlich sooo Viele von der Kunst leben, und warum scheint ihnen unbedingt geholfen werden zu müssen? Es gibt ja auch keine Debatte, den “kleinen” Sportbegeisterten unbedingt helfen zu müssen, damit sie vom Sportmachen leben können….)
    Zu einem Brotberuf zähle ich übrigens auch das ganz ehrenwerte Unterrichten von welchen Kultur- und Kunsttechniken auch immer…

    Was ich eigentlich sagen oder fragen wollte: Herr Kubitz – wie sehen Sie die ganze Sache wirklich? In welcher Form sollte das Urheberrecht erhalten bleiben?
    Ist der Zug abgefahren (ich hoffe es insgeheim – stehende Züge sind gelegentlich sehr lästig), oder sollte das Alte bewahrt werden?

    Und gibt es womöglich noch andere Web-Einnahmequellen außer Sponsorin, Ehepartner, Flattr oder dem aus meiner Sicht ziemlich albernen BGE?
    Oder der eigenen Firma hinter den verschenkten Produkten? (Obwohl…eigentlich sind das schon eine Menge Möglichkeiten :-) )

    Und welche Möglichkeiten der “Qualitätssicherung” oder “-unterstützung” gibt es? Gilt einfach: Qualität setzt sich durch? Oder könnte mit der “WebWende” die Gefahr bestehen, dass gute, aber marketingunfähige Kunst-und Kulturschaffende endgültig auf der Strecke bleiben? (Dann war das aber vorher auch schon so, oder? Bis vielleicht auf die Fotografen, die jetzt so viel Privat-Konkurrenz erhalten…)

    Viele Fragen…ich hoffe, der Text ist nicht zu lang und ebenfalls undurchsichtig, aber die Thematik ist es für mich selbst noch….

    Herzlichen Gruß,

    Sabine Pendl (www.kukmal.org)

  23. Sabine Pendl |  23.05.2012 | 14:05 | permalink  

    PS: Sie schreiben ja selbst: Ich habe keine Idee, wohin uns das führen wird…

    Den Eindruck habe ich in letzter Zeit häufig beim Lesen von Blogs…Analysen, Kritik, aber keine Ahnung, wie es genau weitergehen wird. Was niemandem anzukreiden ist, denn klar, woher soll man die auch haben.
    Aber man könnte ja selbst Ideen entwickeln, die die Entwicklung aktiv beeinflussen.
    Hätten Sie nicht doch eine? Alles diese Bestandsaufnahmen finde ich ein bisschen unbefriedigend (und wenn ich meine Meinungsbildung halbwegs abgeschlossen habe, werde ich selbst ans Entwickeln gehen…)
    LG,
    Sabine Pendl

  24. Eric Kubitz |  23.05.2012 | 14:44 | permalink  

    Hallo Sabine Pendl,

    danke für die ausführlichen Fragen und Kommentare. Dazu nehme ich sehr gerne Stellung. Also:

    1. Ja, ich bin für “ein” Urheberrecht. Dass die aktuelle Version nicht Schritt mit der extrem schnellen und einfachen Vervielfältigung in der digitalen Welt gehalten hat, ist für mich ein Zeichen, dass man daran optimieren muss. Doch grundsätzlich bin ich der Meinung, dass ich als Urheber meiner Werke bestimmen darf, was damit geschieht.

    2. Dazu kommen ja dann auch noch die Verwertungs-Rechte. Bei denen bin ich mit dem Verlag oder anderen Partnern im Boot und muss mich mit diesen einigen. Aber grundsätzlich liegen auch diese Rechte bei denen, die ein Werk schaffen und vertreiben und NICHT automatisch bei großen Konzernen, die sie nur in ihrem Sinne vermarkten.

    3. Es gibt für mich nicht “den Zug, der schon abgefahren ist”, sondern das Ziel (siehe Punkte 1 und 2) und die Realität, in der man eben nicht mehr Herr seiner Werke ist. Trotzdem muss man ja nicht, weil ein Recht tausenfach gebrochen wird, das Gesetz aufgeben.

    4. Sie fragen sich, warum soooo viele von der Kunst leben wollen. Ich denke nicht, dass es soooo viele sind. Aber selbst wenn es nur ein paar sind: Wer etwas herstellt, was andere gerne wollen, sollte dafür Geld nehmen dürfen. Soweit bin ich jedenfalls mit der Marktwirtschaft einverstanden.

    5. Und, nein: Ich habe kein fertiges Konzept, wie man die Situation in den Griff bekommen kann. Und wenn ich das richtig sehe, wäre ich auch der einzige. Denn weder “Wir ändern nix” noch “Alles Frei” ist realistisch…

    Der Kern meines Artikels ist auch nicht die Diskussion um das Urheberrecht sondern die Gefahr der Abhängigkeit der Medien vom Geld. Wenn Kunst und Journalismus nicht mehr in der Lage sind, Menschen zu ernähren, dann springen finanziell die ein, die Geld haben – und damit gerne auch beeinflussen.

    Und zum P.s.: Das ist doch das Großartige an der Blog-Welt. Man muss nicht so tun, als ob man für alles eine Lösung hat und kann auch mal nur einen Diskussionsbeitrag einbringen. Ich bin kein Jurist, ich bin kein Politiker sondern jemand, der mit den Themen eine Menge Erfahrung gesammelt hat. Aber eine fertige Lösung habe ich nicht gefunden – und bin trotzdem der Meinung, dass ich mitreden darf ;-)

  25. Sabine Pendl |  23.05.2012 | 22:01 | permalink  

    Lieber Herr Kubitz

    Erstmal herzlichen Dank für die ausführliche Antwort! Und dann:

    Aber natürlich dürfen Sie mitreden. (Großzügig von mir, nicht wahr? :-) ) Nein, ich hoffe, Sie haben mich nicht falsch verstanden. Ich denke nur, es ist an der Zeit, noch einige Ideen (nicht fertige Konzepte, s. Punkt 5) ) mehr zu entwickeln, die dann zur berühmten win-win Situation führen könnten. Und da Sie auf mich sehr kompetent wirkten, dachte ich, es müssten Leute wie Sie, mit Erfahrung, sein, die auch mal was vorschlagen (das ist keine Bauchpinselei… :-) ), fernab von einer “Abschaffen” vs. “mit allen Mitteln verteidigen” – Polemik.
    In Ihrem Blog las ich dann übrigens auch einen Lösungsvorschlag: Konzepte wie das von spotify sind es, die mir schon die ganze Zeit vorschweben. Das müsste sich doch auch übertragen lassen oder wird wohl schon, auf andere Sparten.
    Ich denke, die ganze Entwicklung wird in Richtung immer mehr Bezahl-Plattformen hinlaufen, wobei die flatrate-Preise so klein gehalten werden, dass das jeder sogar gerne bezahlt. (Weil’s das Dazugehörigkeitsgefühl stärkt – mehr, als wenn man für umme irgendwo “klaut”.)

    Was den Kern Ihres Artikels betrifft (ja, den verliert man gerne mal aus den Augen, wenn ein heißes Thema den Fokus ablenkt und man zudem mit der Materie nicht allzu vertraut ist. Aber mir war das auch aufgefallen, dass das nicht der eigentliche Punkt war, denn der steht ja im Titel. So hübsch formuliert. Aber auch ein bisschen verwirrend… ):
    Also: Ich denke, so lange Transparenz und Ehrlichkeit im Spiel sind, also klar ist, woher das Geld kommt und wessen Interessen womöglich vertreten werden (freiwillig, hoffentlich), und so lange Gegenmeinungen ebenso frei zugänglich sind (einmal von der Deutschen Bank, einmal von der Dresdner..nee..Spaß), “darf” man sich ruhig in gewisse Abhängigkeiten begeben. Wichtig ist der lebendige Diskurs. (Hach, das klingt naiv. Aber was kann ich tun.)
    Eine einzige Aussage (auch in Form eines Artikels oder Buches) kann ohnehin nie umfassend oder objektiv genug sein; die Vielfalt macht’s. Und die ist durch google ja nun nicht bedroht, hoffe ich.
    Wer weiß aber, auf welche findigen Ideen die Webartisten noch kommen, so dass sie dann das Sponsoring bzw. die “Auftragsarbeit im Namen von” umgehen können….

    Und schön der Reihe nach noch zu Punkt 4): Aber natürlich muss man Geld für das nehmen dürfen, das man herstellt. Das war auch nicht meine Frage; das würde ich nie in Frage stellen. Ich habe nur gelegentlich den Eindruck…aber das würde viel zu weit führen und mehr als knapp am Thema vorbei. Deswegen egal…
    (Ich habe in meinem Blog aber was zu “Kunst ist wertvolle Arbeit” geschrieben – es geht um die schöne alte Geschichte von Grille und Ameise :-)…und ich bin selbst Musikerin…)

    Fazit: Ich frage mich, ob bezahlbare Bezahlplattformen mit Community-Effekt nicht vielleicht die besten Aussichten haben, dass Urheber zu ihrem Geld, Nutzer zu ihrem Glück und Werke zu ihrer Verbreitung kommen, und das womöglich ohne große Unabhängigkeitseinbußen.
    Widerspruch ist jederzeit herzlich willkommen. (Denke ich zu naiv? Hat schonmal jemand gerechnet? Und wie wäre das für das Thema Journalismus umzusetzen?)

    Schönen Abend!!!

  26. xeno |  30.05.2012 | 22:23 | permalink  

    Guter Kommentar! Im Musikbereich gibt es übrigens inzw. auch schon längst vergleichbare Realitäten, die offensichtlich über jede Piratenweitsicht hinausgehen. Die “Verwertungsabläufe” verschieben sich dort massiv. Neben den Major-Companies und ein paar größeren Indie-Firmen positionieren sich reihenweise Dienstleister für Newcomer-Bands, die langsam merken, dass sie mit reiner Selbstvermarktung im Internet nicht so recht vom Fleck kommen. Bloße Verfügbarkeit und ein paar Social Media-Aktivitäten reichen oft nicht aus, um aus dem Überangebot im Netz hervorzustechen, einen gewissen Bekanntheistsgrad zu erlangen und eine nennenswerte Fanbase aufzubauen. Und so lange das nicht erreicht ist, gibt’s auch wenig Konzertoptionen, von Airplay mal ganz zu schweigen. Den Dienstleistern (teils strauchelnde Musikfirmen) ist Rechtebindung erst mal relativ wurscht, die bieten ihre vorhandene Struktur für Veröffentlichungen und mediales Networking an – und das kostet! Nicht selten können sich das auch nur Künstler leisten, die a) einen guten Hauptbroterwerb, b) eine reiche Familie bzw. sonst irgendwie Geld oder c) ein doch schon irgendwie funktionierendes Eigenvermarkungskonzept/-potential haben. Die Zeiten, in denen eine Band “nur” aufgrund eines guten Demos gesigned wurde und ein Label das Vermarktungsrisiko übernommen hat, sind (in vielen Bereichen) lange vorbei. Seine Kunst medienwirksam veröffentlichen kann in Zukunft wohl nur noch der, der die Kohle hat (oder eh schon bekannt ist). Der Rest muss darauf hoffen, ohne Presse, Radio und TV doch noch irgendwie im Rauschen des Netzes gefunden zu werden…

  27. In was für einer Gesellschaft wollen wir leben? | vera bunse |  08.05.2013 | 20:23 | permalink  

    [...] Kubitz: Scheiß auf Unabhängigkeit! Über die große Koalition aus Google, Piraten und [...]

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