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Wolfgang Michal

Der Verlierer der Präsidentenwahl heißt Lothar Dombrowski

Wolfgang Michal | 11 Kommentar(e)


Die Absage des politischen Kabarettisten Georg Schramm „an das Internet“ war durchaus vernünftig, doch sie beraubt uns einer großen Hoffnung: Das Rededuell zwischen den beiden wortmächtigsten Kandidaten der Republik wird nicht stattfinden. Lothar Dombrowski endet als gebrochene Figur – so wie der von Schramm gespielte ängstliche Sozialdemokrat August.

24.02.2012 | 

Damals, im Juni 2010, nach Horst Köhlers plötzlichem Rücktritt und Joachim Gaucks erster Nominierung, hatte er sicher nicht geglaubt, dass es eines Tages ernst werden könnte für ihn. Dass er seine ins Publikum geschleuderte Kampfansage tatsächlich einlösen muss. Am 8. Juni 2010 hatte der magenkranke Patientensprecher der ZDF-Heilanstalt – Lothar Dombrowski – bei seinem Abschied lauthals verkündet, er werde „draußen“ in der realen Welt („im Schützengraben“) als Bundespräsident kandidieren. Es fehle nur eine einzige klitzekleine Voraussetzung dafür. Wörtlich sagte er:

„Ein einziges Mitglied der Bundesversammlung muss bereit sein, mich als Kandidat zu benennen, und dann kann ich mich zur Wahl stellen. … Und das kann ich Ihnen garantieren, der Gauck kriegt meine Stimme nur, wenn er nach dem zweiten Wahlgang mehr Stimmen hat als ich…“

Gut gebrüllt, Löwe. Mit diesem Auftritt stand Lothar Dombrowski im Wort. Und weil die Realität die Satire nicht selten zu überholen pflegt, war die Situation knappe 21 Monate später tatsächlich kabarettreif. Die Piraten baten den Mann, der gegen Stuttgart 21 und die Oberschicht den Zorn Gottes geschleudert hatte, um eine Kandidatur gegen Gauck. Und die Linken fanden den Vorschlag ebenfalls „interessant“.

Doch da verließ den großen Dombrowski der Mut. Nichts war mehr übrig vom „Zorn“ des Überzeugungstäters, den er so mitreißend auf der Bühne verkörpern konnte, und sein aufständischer Satz zu Jochen Malmsheimer – „Träumen wir nicht alle davon, Spuren zu hinterlassen“ – war plötzlich schal geworden. Er werde nicht gegen Gauck kandidieren, erklärte Schramm dem Sender N24. „Meine Stärke liegt in dem, was ich beruflich mache als Kabarettist.“ Er, Schramm, wolle nicht „als Schachfigur“ der Parteien herumgeschoben werden. Er glaube auch nicht, dass er für das Amt wirklich tauge, „und meine Frau wäre auch keine gute First Lady“. Was für ein Rückzieher! Damit schrumpfte das Leit- und Erlöserbild aller renitenten Rentner und zu kurz Gekommenen wieder auf Normalmaß, auf das Maß einer Witzfigur. Alles nur heiße Luft.

Die Figur des Lothar Dombrowski hat mit diesem öffentlichen Kneifen ihre Kraft und ihren Nimbus verloren. Schramm wird sie einmotten müssen. Dombrowski ist mit seiner Absage an die „politische Aktion“ zu jenem weinerlichen, ängstlichen Sozialdemokraten geworden, der sich nichts traut.

Martin Sonneborn, übernehmen Sie!

 

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11 Kommentare

  1. Jan Dark |  24.02.2012 | 15:00 | permalink  

    Mann, der Mann ist Kabarettist. Wenn der eine Bundeswehruniform anzieht und einen Soldaten persifliert, ist das keine Bewerbung zum Berufsoffizier. Get real!
    http://www.youtube.com/watch?v=V1EyttBGDwg

    Aufwachen!

  2. Wolfgang Michal |  24.02.2012 | 15:17 | permalink  

    @Jan Dark: Wer von uns beiden muss hier aufwachen?

    Hätte sich Oberst Sanftleben um die Präsidentschaft beworben (kleiner Scherz am Rande), wäre das wahrscheinlich weniger ernst genommen worden. Aber Dombrowski war für viele zu einem Hoffnungsträger geworden. Dombrowski hat z.B. in Stuttgart zu den Bahnhofsdemonstranten gesprochen (nicht im ZDF). Dombrowski war als Patientensprecher über seine Rolle hinausgewachsen, mit seinen altpreußischen Tugenden und seinem gerechten Zorn.

    Schramm, der Kabarettist, hat seine Figur nun zerstört, weil er sie vorher zu weit aus dem Fenster gehängt hat. Dombrowski hat in seiner Rolle alle Glaubwürdigkeit verloren.

    Ein ähnliches Problem haben im Internet Leute, die unter Pseudonym eine Rolle aufbauen, eine Kunstfigur… auch das wäre ein spannendes Thema.

  3. Jan Dark |  24.02.2012 | 15:39 | permalink  

    Das sind ja Realitätsausbelndunegn hier :-)
    Es geht darum, die Rolle des Bundespräsidenten zu besetzen, nicht die Rollen des Dombrowski oder Sanftleben oder irgendeines Spinners im Internet.
    Wenn Schramm nicht will, dann fällt er für die Besetzung der Bundespräsidenten aus. Fertig. Wie Schäuble oder di Misere. Da ist es völlig egal, wie toll man in Afghanistan die Soldaten zu Massentötungen ermuntert hat, wenn man sich bedroht fühlt (ohne militärisch aufzuklären, ob das auch so ist). Oder wie toll man an der Konstruktion von Rettungsschirmen oder dem Wunsch, Zivilflugzeuge bei Denunziation abschießen zu dürfen, beteiligt war.

    Wer so Theater, Rolle und Realität durcheinander wirft, der beisst sich auch darin fest, dass der Hamlet in Wittenberg studiert hätte (als einziger, da es zu seiner Zeit da keine Universität gab;-)

  4. :) |  24.02.2012 | 15:46 | permalink  

    oliver kalkofe,volker pispers oder hape kerkeling sind eh besser!!! :)

  5. :) |  24.02.2012 | 15:48 | permalink  

    edit:oliver kalkofe,volker pispers oder hape kerkeling wären als kandidaten eh besser!!! :)
    @piraten:bitte nominiert einen von den 3 !!! :)

  6. krugar |  24.02.2012 | 16:25 | permalink  

    lothar dombrowski kann nicht für das amt des bundespräsidenten der brd kandidieren, weil es ihn garnicht gibt.

    dass die figur dombrowski sich nun verändern wird, liegt nahe. das nächste tour-programm wird sicher einige veränderungen enthalten

    man sollte fähige kabarettisten dafür schätzen, dass sie fähige kabarettisten sind.

    georg schramm ist ein mann, der in meinen augen hochachtung verdient, und ich finde, dass er genau richtig handelt.

    man kann sich an der stelle auch mal fragen, ob der umgang mit dem amt des bundespräsidenten in den letzen jahren es nicht derart beschädigt hat, dass es einem wirklich integeren und streitbaren präsidenten garnicht mehr gerecht werden kann.

  7. Hoppla |  24.02.2012 | 18:25 | permalink  

    Georg Schramm wäre ja mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn er sich von unseren “Elite-Politikern” zerreiben lassen würde.

    Alleine die positive Reaktion vieler Menschen auf seine kabarettistische Einlage, dass er kandidieren würde, zeigt was das Volk von unseren derzeitigen Politikern hält.

  8. Hoppla |  24.02.2012 | 18:27 | permalink  

    Ach, noch was:

    Zitat:
    Die Figur des Lothar Dombrowski hat mit diesem öffentlichen Kneifen ihre Kraft und ihren Nimbus verloren. Schramm wird sie einmotten müssen. Dombrowski ist mit seiner Absage an die „politische Aktion“ zu jenem weinerlichen, ängstlichen Sozialdemokraten geworden, der sich nichts traut.

    Selten so einen Schwachsinn gelesen! Und unverschämt obendrein.

  9. Wolfgang Michal |  24.02.2012 | 18:34 | permalink  

    @Hoppla: Wir werden ja sehen, wie Dombrowski reagiert :-) Könnte sein, dass er zurücktritt. Eigentlich wäre das die Konsequenz aus der gradlinigen Haltung, die er immer gezeigt hat.
    Er könnte uns allen zeigen, wie man/Mann zurücktritt.

  10. Nachtrag zu Schramm | Bombasstard's Ranting Zone |  24.02.2012 | 19:33 | permalink  

    [...] Michal geht bei Carta hart mit Georg Schramm ins Gericht: Was für ein Rückzieher! Damit schrumpfte das Leit- und Erlöserbild aller renitenten [...]

  11. vera |  26.02.2012 | 17:37 | permalink  

    Georg Schramm: Deutscher Kleinkunstpreis statt Bundespräsidentenamt: http://www.kulturnews.de/knde/news.php?id=2665

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