Robin Meyer-Lucht | 44 Kommentar(e)
Der NDR ist not amused: Der Sender will gegen das von Depub.org veröffentlichte Tagesschau.de-Archiv vorgehen. Unklar ist jedoch, ob ein erneutes Depublizieren überhaupt durchsetzbar ist.
15.09.2010 |
Seit gestern bietet Depub.org ein republiziertes Tagesschau.de-Archiv im Web an. Aktivisten protestieren damit gegen die Depubliziermaßnahmen öffentlich-rechtlicher Online-Inhalte im Rahmen des 12. Rundfunkstaatsvertrags. Sie zählen dabei auch auf Zustimmung in den öffentlich-rechtlichen Redaktionen:
“Wir sind zuversichtlich, dass auch in den anderen Redaktionen Leute sitzen, die nicht wollen, dass die Artikel aus dem Netz verschwinden.”
Auf ganz so große Sympathie stößt die Aktion beim Norddeutschen Rundfunk (NDR), dem Betreiber von Tagesschau.de, hingegen offiziell nicht. Der NDR teilte Carta auf Anfrage mit, dass er gegen Depub.org vorgehen werde. NDR-Sprecherin Iris Bents sagte:
Der NDR wird mit allen juristischen Mitteln gegen Depub.org vorgehen, soweit dies möglich ist.
Aus Sicht des NDR stelle Depub.org einen eindeutigen Verstoß gegen das Urheberrecht dar, so Bents.
Wer hinter Depub.org steht, ist hingegen unklar. Der Server steht im Ausland; der Domain-Inhaber ist nicht ohne Weiteres zu identifizieren. Die Aktivisten von Depub.org haben also vorgesorgt – und erschweren die erneuten Löschversuche durch den NDR.
Offen ist daher, welche Mittel der NDR konkret zur Rechtsdurchsetzung einsetzen wird – was genau also die Einschränkung “soweit dies möglich ist” bedeutet.
Durch die Ankündigung des NDR dürfte die Diskussion um internationale Löschabkommen eine neue Nuance erhalten.


Frage ist, ob die sowas nicht sowieso sagen mussten. Stellt euch ma vor, der NDR lässt durchblicken, dass er gar nicht so unglücklich mit ist: Politik und Qualitätsjournalisten bei Springer und Co würden Sturm laufen.
Sollen die mal ruhig versuchen, die Seite mit “allen juristischen Mitteln” zu schließen; ein bisschen unfreiwillige Werbung a la Streisand-Effekt kann dem Thema nur guttun.
[...] für die Nachwelt gerettet werden. Heute berichtet Carta, dass der NDR auf Nachfrage erklärt habe: NDR will mit “allen juristischen Mitteln” gegen Depub.org vorgehen. Der NDR wird mit allen juristischen Mitteln gegen Depub.org vorgehen, soweit dies möglich [...]
@1: Klar, eine andere Reaktion war eigentlich nicht zu erwarten – medien- und rechtpolitisch kann der NDR wohl gar nicht anders…
Ähm, ist das der selbe NDR, der mit meinen Gebührengeldern und angeblich in meinem Interesse die ganzen Beiträge erst produziert hat, die ich nun gefälligst nicht mehr zu lesen habe, weil die privaten Verleger gerne ihr Einkommen staatlich garantiert sehen möchten?
Lieber NDR, ich würde mich da mal etwas zurückhalten, das könnte ziemlich nach hinten losgehen. Stellt lieber gefälligst mal die ganzen NDR-mitfinanzierten Fernsehproduktionen zum Gratis-Download online (statt sie privaten Verwertern zu überlassen, die sie noch einmal auf DVD verkaufen möchten). Die ganzen Filme, Serien, Dokumentationen, die UNS gehören, weil WIR sie euch bezahlt haben. Ja ich weiß, auch bei euch fänden das viele gut, nur die Politik erlaubt es halt nicht. Und die haben WIR ja auch gewählt… naja.
[...] der Medienlandschaft. Der NDR (als Anbieter der Tagesschau) hat bereits juristische Schritte angekündigt, „soweit dies möglich ist“. Allerdings sind die depub-Seiten im Ausland gehostet, so [...]
Meine Rückfrage an Bents:
“Sehr geehrte Frau Bents,
Sie werden auf carta.info zitiert mit
“Der NDR wird mit allen juristischen Mitteln gegen Depub.org vorgehen, soweit dies möglich ist.”
http://carta.info/33886/ndr-will-mit-allen-juristischen-mitteln-gegen-depub-org-vorgehen/
Dazu meine Fragen:
a) Geht der NDR üblicherweise auch mit unmöglichen juristischen Mitteln gegen Dritte vor?
b) Wenn nein, warum betonen Sie diese Einschränkung?
c) Welches Interesse hat der NDR, mit allen möglichen juristischen Mitteln gegen depub.org vorzugehen?
d) Sind andere Mittel als juristische bereits erschöpft?
e) Wenn nein, warum nutzt der NDR diese nicht zuerst?
f) Erwarten Sie weitere De-depublikations-Aktionen mit Inhalten, die früher mal auf NDR-Seiten standen?
Mit freundlichen Grüßen,
Mathias Schindler”
@ 6: sehr schöne Nachfragen …
Tagesschau und Kinderpornographie müssen aus dem Netz gelöscht werden. Herzlichen Glückwunsch lieber NDR.
So gut und wichtig die Initiative von depub.org ist, gibt das auch neue Munition für die Bosbach’s dieser Welt, uns die uns zustehende Freiheit unter dem Deckmantel der Abschaffung “rechtsfreier Räume” weiter unverhältnismässig einzuschränken.
Wir brauchen also dringend ein Gesetz, dass die Veröffentlichung der öffentlich-rechtlichen Archive vorschreibt oder zumindest legalisiert.
Frau Leutheusser-Schnarrenberger, Sie sind am Zug.
Deswegen brauchen wir eben auch Vorratsdatenspeicherung und mehr Überwachung: Urheberrechte!
Man sieht es hier nämlich sehr gut: Ein Sender hat – gut, mit ein klein wenig staatlicher Unterstützung, inzwischen soll er aber wirtschaftlich handeln wie ein Unternehmen – hat also mal Content produziert. So. Er hat die Rechte an diesem Content, kann sie publizieren und depublizieren, wie er lustig ist. Niemand sonst. Nun kommen da irgendwelche Gangster aus Panama (sic!), verschaffen sich auf dubiosen Wegen diesen Content, raubkopieren ihn, und machen einfach selber eine Website daraus!
Es wäre hier dringend notwendig, dass unachtsame oder zwielichtige Mitbürger, die sich mittels des sog. “Internet” nun Zugriff auf diese geschützten und illegalen Inhalte verschaffen, identifiziert und bestraft werden. Die Bande aus Panama ist ja quasi nur der Hehler – schlimm genug. Aber ähnlich wie bei Rauschgift bedient der Hehler nur die Nachfrage, und genau hier sollte der NDR ansetzen: Nutzer, die sich illegale Tagesschau-Artikel aus Panama “downloaden”, müssen die gesamte Härte des Rechtswesens zu spüren bekommen. Diebstahl und unbefugte Nutzung geistigen Eigentums sind kein Kavaliersdelikt!
So schön, dass man darauf keine ernsthafte Antwort erwarten muss.
@#1,3,4 Japp!
PS: der erste Satz galt RML (#7). Ich finde die Fragen mindestens sehr spitzfindig. Als Pressesprecher würde ich sie ignorieren.
Die USA haben ja diese wunderbare Regelung, dass Werke, die die US Regierung herstellt, dem Copyright nicht unterliegen und jedermann diese Werke vervielfältigen, abgeleitete Werke herstellen, öffentlich aufführen oder zeigen, und beliebig gegen Geld oder unentgeltlich verteilen darf.
http://www.usa.gov/copyright.shtml
Sowas brauchen wir eigentlich für unsere öffentlich-rechtlichen Anstalten.
Hoffentlich werden die Archive dann im falle eines rechtlichen vorgehens auf Wikileaks zur verfügung gestellt. Kann ja schließlich nicht angehen das im Namen des Urheberrechts Zensur betrieben wird !!!
Ich gehe davon aus, dass der NDR das nicht gerne sagen würde, aber es muss, da unsere wundervolle Junta ja die Contentmafia-Klausel in den Rundfunkstaatsvertrag eingebaut hat. Die Urheber der Artikel wollen sicher nicht, dass diese „depubliziert“ werden. Ich teile auch die Vermutung, dass man mit der Aussage bewusst auch ein bisschen in Richtung Streisand abzielt.
Was die Tagesschau selbst davon hält, kann man im Blogeintrag „Depublizieren“ (vor allem im dritten Absatz) sehen:
http://blog.tagesschau.de/?p=8089
[...] letzten Absatz fehlte noch ein Punkt: weil dort auch die Urheberrechte liegen. Und deshalb hat Carta heute beim NDR nachgefragt und dort ist man nicht erfreut über depub.org. Man wolle “mit [...]
[...] NDR will gegen depub.org vorgehen Veröffentlicht September 15, 2010 Uncategorized Hinterlasse einen Kommentar Schlagwörter:carta, depub, digital-kultur, digitale rechte, ndr, netzpolitik, security, sicherheit, urheberrecht, zensur depub.org, dem Tagesschau-Depublikationsarchiv, wurde vom NDR mit rechtlichen Schritten gedroht. via netzpolitik und carta. [...]
[...] NDR-Sprecherin Iris Bents gegenüber Carta: [...]
Ein bisschen inkonsequent ist der NDR schon. Hier fordert er explizit zum Kopieren auf.
http://www.ndr.de/meinnorden/mitnehmen/tv298.html
Klar, das sind nur die Birnen des Programms und die alten Äpfel der Tagesschau interessieren nur wegen Evas tollen 80ziger Frisuren, aber ein sinnvoller Beitrag ist bei der Depublizierungsdebatte ohnehin nicht drinn.
[...] [...]
[...] dann bin ich mal gespannt, wer schneller ist: Der NDR mit „allen juristischen Mitteln“ oder das Team von depub.org mit diversen Möglichkeiten, das Archiv von tagesschau.de möglichst [...]
Leute mit genug Geld und krimineller Energie, denen etwas daran liegt, eine im Ausland gehostete Seite wegzukriegen, gehen so vor: Whois-Schutz entfernen (Anwalt), den Hoster unter Druck setzen und sie sich dann einverleiben. Fragen Sie mal Call-in-Kritiker!
[...] carta.info: NDR will mit “allen juristischen Mitteln” gegen Depub.org vorgehen. Der NDR, bei der ARD verantwortlich für tagesschau.de, will mit aller Entschiedenheit gegen das anonym betriebene Archiv-Leak depub.org vorgehen. [...]
[...] Online-Zugang zu den von ihnen bezahlten Nachrichtensendungen zu verwehren. Ob dies gelingt, ist freilich offen. Tags: Gegenterror, Internetkriminalität, [...]
Was macht der NDR gegen “www.archive.org”?
Ist es der NDR, der den Zugriff aus Deutschland verhindert?
Da haben wir’s wieder! Diese Leute sitzen im Ausland und sind nicht greifbar durch die deutsche Justiz. Deshalb brauchen wir umbedingt Websperren, damit man diese Seiten aus dem Internet bekommt weil wir wollen das nicht sehen. Diese grauenhaften Verbrechen. Einfach so urheberrechtlich geschützte Werke raubkopiert und dann auch noch so getan als hätte man für die Produktion gezahlt. Was für ein Unfug, natürlich sind diese Werke alle vom Sender produziert worden und nicht von uns, wäre ja auch noch schöner.
Am Besten führen wir für solche Schweine die Todesstrafe wieder ein.
Ach ja, zwei Punkte noch:
1) Wer Sarkasmus findet, darf ihn behalten.
2) Wer keinen Sarkasmus findet, denkt sich den kompletten Beitrag bitte mit einem Ironietag in einen Block zusammengefasst.
3) Wer das hier dann immer noch Ernst nimmt, kann auch nicht bis zwei zählen. ;)
Mist, und ich habe die Totschlagphrase vom Internet, dass kein rechtsfreier Raum sein darf, vergessen. Denkt’s euch bitte dazu, das ist mir persönlich wichtig.
“Der NDR teilte Carta auf Anfrage mit, dass er gegen Debug.org vorgehen werde.” – Debug.org? :)
[...] NDR will mit “allen juristischen Mitteln” gegen Depub.org vorgehen (Carta) [...]
@Sebi
Danke für den Hinweis auf den Tippfehler. Ist korrigiert. :)
Hmm. Wenn selbst Springer-Manager und die urheberrechtskonservative US-Regierung öffentliche Inhalte in die Public Domain überführen wollen, dann muss da ein Haken sein. Und da ist auch einer. Man könnte dann die mit unseren Gebühren erstellen Werke auch gewerblich weiterverwerten, also um Profit auf Kosten der Allgemeinheit zu machen. Alternative kann also nur eine Art GPL für Medien sein, also dass bei Verwendung öffentlich-rechtlicher Werke müssen die abgeleiteten Werke ebenfalls frei wie öffentlich-rechtliche Werke sein.
[...] Der NDR ließ verlautbaren, er wolle mit “allen juristischen Mitteln” gegen Depub.org vorgehen, die Verstecken [...]
[...] will der NDR wohl erst einmal nicht gegen depub.org vorgehen, jedenfalls ist in der Pressemitteilung darüber nichts zu lesen. Stattdessen heißt es [...]
Inzwischen hat sich auch die NDR-Rundfunkratsvorsitzende Dagmar Gräfin Kerssenbrock geäußert – aber ganz anders als die Pressestelle des NDR:
“Depub.org ist ein Beispiel für die kreative Anarchie im Internet, das zeigt, wie unsinnig kleinteilige Regulierungsversuche im Netz sind. Es besteht offenkundig großes Interesse an den Inhalten informativer Webseiten wie tagesschau.de. Solange das so ist, wird es immer Menschen geben, die einen Weg finden, diese Inhalte auch verfügbar zu machen. Webseiten wie depub.org sind ein Beleg für die Fragwürdigkeit des Drei-Stufen-Tests.”
http://www.presseportal.de/pm/6561/1683767/ndr_norddeutscher_rundfunk
[...] Was bislang nur der weitsichtigen Vorstellungskraft des tagesschau-Redaktionsleiters möglich erschien, ist kaum zwei Monate später eingetreten und der NDR gibt sich zumindest nach außen empört. [...]
[...] der NDR, bei dem die Tagesschau beheimatet ist, will „mit allen juristischen Mitteln gegen Depub.org vorgehen, soweit dies möglich ist“. Aha. So viel zur großen Trauer um die leider, leider gelöscht haben müssenden [...]
[...] großen Welle der Sympathie getragen. Selbst beim Norddeutschen Rundfunk, der zunächst „mit allen juristischen Mitteln“ gegen depub.org wegen Verstößen gegen das Urheberrecht vorgehen wollte, ist offenbar die [...]
[...] großen Welle der Sympathie getragen. Selbst beim Norddeutschen Rundfunk, der zunächst „mit allen juristischen Mitteln“ gegen depub.org wegen Verstößen gegen das Urheberrecht vorgehen wollte, ist offenbar die [...]
[...] verhält.Sei anfangs noch von einem ”Vorgehen mit allen juristischen Mitteln” die Rede, hat sich der Ton nun deutlich geändert. In eineroffizielle Meldung der Chefin des [...]
[...] Archiv von tagesschau.de – NDR will mit “allen juristischen Mitteln” gegen Depub.org vorgehen — CARTA [...]
[...] NDR, affiliata di ARD, ha annunciato di voler “avviare azioni legali” contro Depub.org. Per segnalarci eventuali errori o [...]
[...] gibt es extrem anarchistische Vorratsdatenspeicherer, die diesem Mißstand abhelfen. Offiziell drohte man ihnen zwar bereits mit der Rechtsabteilung der öffentlich-rechtlichen Anstalten, klammheimlich ist man aber doch froh [...]
erst regt sich der ndr über das neue gesetz auf, dass die depublizierung vorschreibt http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/internet/depub107.html und dann wollen sie gegen die vorgehen, die die inhalte im netz behalten wollen.
Und mit welcher Begründung besitzt jeder poplige öffentlich Rechtliche Sender – deren Anzahl ohne weiteres auf 3 beschränkt werden könnte ohne einen nennenswerten Verlust für die Öffentliche Meinungsbildung in Kauf nehmen zu müssen – überhaupt eine Internetseite die wir Gebührenzahler am Ende bezahlen müssen. Alles unnötige Ausgaben. Zumal, nicht wie in anderen Ländern üblich, IP Adressen anderer Länder ausgeschlossen werden die uns unnötig traffic erzeugen den aber nur wir in Deutschland bezahlen.
Der Artikel über die 404 Seiten ist wohl eher eine Begründung für die ÖR noch mehr Budget für Server zur Verfügung gestellt zu bekommen.
Ladet doch die Videos einfach auf Youtube dort bleiben sie bis in alle Ewigkeit kostenneutral gespeichert. Warum sollte man das selbst aufwändig hosten? Aber so weit denkt mal wieder keiner in diesen angestaubten Institutionen.
[...] NDR hat bereits angekündigt, “mit allen juristischen Mitteln gegen Depub.org” vorzugehen. Die Betreiber von depub.org bleiben aber anonym, was das Vorgehen ziemlich [...]
[...] NDR hat es wohl geschafft, dass über die Seite depub.org nicht mehr Tagesschau-Sendungen wiederveröffentlicht werden. [...]