Wolfgang Michal | 15 Kommentar(e)
Wie Thilo Sarrazin und Peter Sloterdijk die Sozialdemokratie „überfremden“
06.09.2010 |
Zwei hartgesottene „Sozis“ prägen seit Jahren die öffentliche Debattenkultur: der Philosoph Peter Sloterdijk und der Finanzbeamte Thilo Sarrazin. Abwechselnd holen sie ihre große Keule heraus, zerschlagen das herumstehende Porzellan und beobachten anschließend vergnügt, wie Heerscharen von Journalisten und Politikern gewissenhaft versuchen, die Scherben zu sammeln, zu deuten und „vernünftig“ wieder zusammenzufügen.
Obwohl in ihrer Redegabe grundverschieden, benutzen die beiden schlitzohrigen Sozialdemokraten eine ganz ähnliche Provokations-Rabulistik. Es ist eine Technik der Andeutung (die immer ein Hintertürchen des „Missverstandenwerdens“ offen lässt). Und sowohl Sloterdijk als auch Sarrazin berufen sich gern auf das Halbwissen, das aus ihrer lebenslangen Beschäftigung mit einem speziellen Hobby (der Biologisierung des Sozialen) resultiert.
Den Anfang machte Peter Sloterdijk 1999 mit seiner berühmt-berüchtigten Elmauer Rede „Regeln für den Menschenpark“. In ihr schwadronierte der Philosoph absichtlich vage über Zucht(wahl) und Ordnung, und zwang so das (noch) weitgehend humanistisch geprägte Feuilleton zu einer erregten Debatte. Manfred Frank schrieb damals in der ZEIT einen Offenen Brief an Sloterdijk:
Ihre Elmauer Rede ist ein merkwürdiges rhetorisches Gebilde: ein raunendes Geschweife und Geschwefel, ein pointenloses Flirten mit verfänglichen Materien, die sich todsicher zur Publikumsprovokation eignen. Dem Vortrag eine klare These, eine Überzeugung, gar eine rationale Handlungsempfehlung abzugewinnen ähnelte der Mühe, einen Pudding an die Wand zu nageln. Aber Sie ersetzen ziemlich geschickt den Mangel an Argumenten durch die Faszination, derer Sie sich sicher sein können, wenn Sie die eugenischen Züchtungsfantasien von Platon und Nietzsche anspielender- oder beschwörenderweise und mit düster-prophetischem Ernst für Aufgaben erklären, die das Sein uns, der heutigen Menschheit, stellt. Das ist ärgerlich oder beunruhigend, nicht wegen der Sache, sondern wegen der Art, wie Sie sie präsentieren.
Von der Gentechnik wechselte Sloterdijk 2009 – nach der Finanzkrise – auf das Feld der Steuerexperten und schlug in einem abermaligen „Weckruf“ vor, die staatlich erhobenen Steuern doch künftig durch wohltätige Spenden zu ersetzen, um auf diese Weise eine neue bürgerlich-antike „Stolzkultur“ zu etablieren. Da der Staat von den „Leistungsträgern“ im Lande stark überhöhte Steuern erpresse, um sie den „Leistungsfernen“ in den Rachen zu werfen, sei ein Bürger-Aufstand gegen den demokratischen Zwangsstaat geboten. Die Sozialschmarotzer, jene „Leistungsfernen“, die von den staatlichen Transferleistungen lebten, rückte Sloterdijk nebenbei in die Nähe von Krebsgeschwüren, die man aus dem kranken Volkskörper herausschneiden müsse, damit dieser wieder gesunden könne.
Starker Tobak, vermutlich in der Tüte geraucht.
Da nützte es den empörten Kritikern gar nichts, dass sie in ihren bescheidenen Medien (etwa in kleinen Gewerkschaftspostillen) akribisch nachweisen konnten, wie unsinnig Sloterdijks Steuer-Berechnungen waren. Die wenigsten Journalisten wollten anstrengende Mathe-Aufgaben lösen – sie fanden einfach o.k., dass jemand mal auf die Kacke haut („Man wird doch wohl in Deutschland noch sagen dürfen“).
Dass die oberen 20 Prozent der Steuerpflichtigen 2008 mehr als 68 Prozent der Einkommensteuer aufbrachten, während die untere Hälfte gerade mal 6,5 Prozent beisteuerte, stimmte sogar. Es war aber eine (typische) Halb-Wahrheit. Die andere Hälfte der Wahrheit hätte nämlich gelautet, dass die oberen 20 Prozent auch 62 Prozent des Markteinkommens unter sich aufteilten, während die untere Hälfte der Steuerpflichtigen mickrige 2,5 Prozent vom Kuchen bekam. (Überdies wäre zu berücksichtigen gewesen, dass die Einkommensteuer im Jahr 2008 nicht einmal ein Drittel des Gesamtsteueraufkommens ausmachte. Nur leider will die umständliche Widerlegung von einfachen Provokationen selten jemand hören oder lesen).
Zurück zur Sozialdemokratie. Im Gespräch mit Spiegel-Reporter Matthias Matussek rechtfertigte Sloterdijk seine Thesen (leicht zurückrudernd) mit einem freimütigen Bekenntnis zur SPD:
Sloterdijk: Ich spreche als lebenslanger Sozialdemokrat, der über die Zustände erschrocken ist. Riefe ich zur Demontage des Sozialstaates auf, was ich in keiner Weise tue, wäre die Empörung mancher Kritiker wohl erklärbar. Doch mir ging es um etwas völlig anderes, nämlich den sozialpsychologischen Umbau der Gesellschaft oder besser um eine psychopolitische Umstimmung. Ich möchte darauf hinwirken, dass das Klima, in dem die Bürger a priori als Schuldner des Staates gesehen werden, abgelöst wird durch ein alternatives Klima, in dem sich alle darüber Rechenschaft ablegen, wer die gebenden Gruppen sind…
Spiegel: Welche Gefühle haben Sie noch für die SPD?
Sloterdijk: Ich würde sagen, Melancholie und Nachsicht. Ich habe nie etwas anderes als die SPD wählen können, aus familiären und persönlichen Gründen, nicht unbedingt aus philosophischen. Aber es gibt einen Trost: Die objektive Sozialdemokratisierung der Staatsstruktur sorgt dafür, dass man die Sozialdemokratie als Partei während ihres Aufenthalts im Oppositionssanatorium vorübergehend entbehren kann.
Das hätte Sarrazin nicht schöner sagen können. Die taz schrieb damals über Sloterdijks Süffisanz süffisant:
Besonders lächerlich ist, dass die Stammtischparolen gegen ,Unproduktive’ und ,Transfermassennehmer’ ausgerechnet von lebenslang auf Staatskosten durchgefütterten Beamten wie Sloterdijk und Arnulf Baring stammen, die ihre Pensionen parasitär aus Töpfen saugen, in die sie – im Unterschied zu den Rentenbeziehern – keinen Cent einbezahlt haben.
Gleiches gilt natürlich für den Beamten Thilo Sarrazin, der von Sloterdijk stets verteidigt wird (und über dessen Kaltduscher-Thesen hier kein Wort mehr verloren werden soll, weil er eh schon in allen Medien seitenweise Sprechverbot erhält).
Sarrazin & Sloterdijk – das sind also die Sozialdemokraten, die heute die intellektuelle Ausstrahlung der Sozialdemokratie prägen. Sie treten an die Stelle altkritischer Geister (die nun über 80 sind).
Und die SPD-Führung? Sie hat – gedanklich ausgezehrt und von irrlichternden Medien umgeben – offensichtlich nicht mehr die Kraft, ein klärendes Donnerwetter zu veranstalten und verweist hilfesuchend auf ihre Schiedskommission.
Man muss sich schon in den Arm zwicken, um zu begreifen, dass dies kein böser Traum ist: Die SPD, die in Godesberg die christliche Ethik, den Humanismus und die klassische Philosophie als ihre geistigen Wurzeln benannte, ist nun nicht nur mit neoliberalem Gedankengut kontaminiert, sondern auch mit humanismus-kritischen (ja anti-humanistischen) Ideen, deren Verbreiter nichts inniger ersehnen, als lebenslang in der Sozialdemokratie bleiben zu dürfen.
Soll man derart treuherzige Seelen von der Bettkante stoßen?
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Also Carta bietet dieser Tage wiklich viel! Danke auch für diesen Artikel.
Was ich mich frage ist, was macht diese “alten Männer” so wütend, oder besser, so reaktionär? Beide fabulieren und provozieren aus einer Situation heraus, die man dezent mit absolutem Wohlstand umschreiben kann. Beide scheinen in ihrem realen Leben nirgends mit den “Problemgruppen” konfrontiert zu sein, die sie angreifen, auf Teufel komm raus, mit abstrusen, widerlegbaren, einfachen Thesen. Beide fühlen sich intellektuell erhaben und baden sich doch in der Zustimmung derer mit denen sie eigentlich nichts gemein haben wollen. Was ist in deren Vita schiefgelaufen? Zu wenig Anerkennung von denen zu denen sie gerne gehören würden, wer auch immer das sein möge? Zu wenig Bedeutungshoheit? Erinnert mich irgendwie an Horst Mahler, als Exttrembeispiel, von der RAF zur Rechtsradikalität.
Liegt das Problem der SPD nicht darin, dass sie in der Führungsetage praktisch keine visionär begabten und intellektuell beschlagenen Persönlichkeiten mehr hat, so dass Personen wie Sarrazin und Sloterdijk quasi vom Spielfeldrand aus Debatten anstossen können, die dann in den Medien über Gebühr Beachtung finden?
Wo ist die Aura eines Sigmar Gabriel? Wo seine rhetorische Brillanz? Wo ist überhaupt das neue Denken in dieser zunehmend überalternden Partei?
Gibt es überhaupt noch visionär begabte und intellektuell beschlagene Persönlichkeiten an politischen wie auch wirtschaftlichen Kopfenden, deren Weitsicht nicht auf den Moment, ein Quartal oder bis zur nächsten Wahl beschränkt ist?
Man könnte meinen 2012 ginge die Welt unter, deshalb muss und kann jetzt alles raus, was früher unter Anstand, Moral und macht-man-nicht lief. Nebelkerzen wie Sarrazin & Sloterdijk sind unabdingbar, wenn die Gesellschaft abkassiert werden soll. Besser Pöbel gegen Pöbel. als Pöbel gegen Leistungs(weg)träger. Darf man wohl noch sagen.
Wenn die sarrazinische These stimmt: je migranter der Hintergrund, desto dümmer der Intellekt, dann sind die beiden Konkubinen der Vordenkerschaft sozialdemokratischer Visionen nichts anderes als vorbildliche Beweisstücke ihrer Korrektheit – oder haben die etwa in ihren befremdlich zusammengewürfelten Nachnamensalaten etwas Deutsches?
Und wenn wir schon bei Genen sind: ich werde der Evolution nie verzeihen, dass sie es einfach so vergessen hat, ein bestialisches Schmerzgen hervor zu bringen, dass bei grob asozialen Denkprozessen alternativlos aktiviert wird.
Oh, wie genüsslich würde ich den lieblichen Schmerzenslauten lauschen.
Guten Tag!
Der Text hat mich sehr betroffen gemacht, weil er wahrscheinlich genau das beschreibt, was passiert.
Alte Männer werden oft böse – weil sie alt werden.
Beste Grüße
Hardy Prothmann
@Aufmerksamkeit: Exakt diese Fragen stelle ich mir auch.
@Matthias: dito.
Die SPD hat doch nicht nur ihren, sondern jeden, Geist aufgegeben. Alte Männer werden oft wunderlich, und nur in den seltensten Fällen offener und empathischer gegenüber anderen Menschen. Soweit so normal.
Nur leider hat die SPD einen Prozess durchlaufen, der dem nichts mehr entgegensetzt. Intellektuell getrimmt, inhaltliche Papiere auf die dazugehörige Pressemitteilung ausgerichtet, konstruktiver Dissenz abgeschafft, weil kurzfristig Wähler kostet. Kein Wunder, dass jede inhaltliche Diskussion die Partei aus dem Tritt bringt, und die SPD selbst von ihren Sarrazins intellektuell so überfordert ist, dass ihr nichts einfällt außer administrative Maßnahmen.
“Nur leider will die umständliche Widerlegung von einfachen Provokationen selten jemand hören oder lesen”
Was mich betrifft: Ich kann davon nie genug kriegen. Sie widerlegen doch gewissermaßen auch, und Texte aus Ihrer Feder sind fast immer ein Hochgenuss, Herr Michal.
Die Frage ist nicht ob die SPD ihren Geist aufgibt, sondern was der Geist der SPD noch sein soll.
Zusammen mit den Gewerkschaften war sie in Politikformen und Klassendenken des frühen 20. Jahrhundert steckengeblieben und ist an der seit den 70er Jahren überfälligen Modernisierung kongenial gescheitert.
Die SPD hat deswegen ihren Geist schon vor Gerhardt Schröder wie ein sinkendes Schiff verlassen. Teile von ihm wurden von der WASG / Linke und den Grünen aufgesogen. Im Grunde fuhr schon Helmut S. eine fehlgeleitete Form der Angebotspolitik, in deren Folge sich seither die Gehälter und Löhne weniger entwickelten als die Produktivität und damit die Gewinne des Kapitals.
Man sollte sich einfach mal die Frage stellen, für welche Idee eine Partei steht.
Bei den Einthemen-Parteien ([Braune Parteien], Autofahrerpartei, PBC, MLPD, Tierschutz, APPD…) ist das noch einfach.
Die Grünen sind von ihrem Themendreiklang Friedensbewegung, Anti-Atom und Ökologische Revolution, in die benachbarten Wählergruppen gewuchert.
Ihr freiwilliger Identitätsverzicht wird sie aber zur FDP der Zukunft machen, wie man in der Elbmetropole schon gut erkennen kann.
Die CDU hat das gleiche Problem wie die SPD, dass ihre Idee (Familie, christliche Tradition… ) nur noch von einer Minderheit erlebt und getragen wird. Und selbst der zögerliche Kurs Merkels bei der Reformation in eine Partei der Moderne gibt es großes Gemurmel.
Die FDP hat ihre Ideen schon lange verraten, weil sie, wie CDU und SPD, Grundwerte gegen Klientelpolitik tauschte. Als Beispiel kann man das völlig Liberalismus-inkompatible Befürworten von Handwerksrollenpflicht und Kammernzwang heranziehen oder die von Herrn Otto schon 2005 ersonnene Rundfunk-Haushaltsabgabe. Sämtliche Stimmen über 4% hinaus in den letzten Wahlen waren nur Leihgaben vorrübergehend unwählbarer Volksparteien.
…
Der SPD fehlt nach der Abspaltung der WASG eine Art “Konzil von Trient”, das die eigene Idee fixiert. Denn alle neuerlichen Versuche einer Selbstverortung waren derart wachsweich und undefiniert, dass man ebenso gut eine Rheinbrücke aus Knetgummi bauen könnte. Die Basis würde ja großteils eigentlich lieber zur Linken wechseln, aber die rechnen die 25 Jahre SPD-Zugehörigkeit nicht an und dann bekäme man keine goldene Anstecknadel.
Im Grunde hat jemand ein riesiges Fass TippEx auf das Godesberger Programm gekippt und jeder, darunter auch die Klappentextgebildeten Sarrazin und Sloterdijk, meint, in die Feuchte Pampe etwas reinschreiben zu dürfen.
Gleichzeitig versuchen viele seltsame Figuren, wie Siggi-Pop oder Gerds Gepäckträger, mehr aus ihrer geschichtlich sicher erkennbaren Funktion als Pausenclown bis zur Ankunft des neuen Messias der SPD zu machen.
@Falk D.: Sehr rasant, wie Sie da tabula rasa machen. Statt des “Konzils von Trient” (Gegenreformation!) würde ich doch das II.Vatikanische Konzil empfehlen ;-) Oder?
@Tharben. Danke für die Blumen.
Drüben bei weissgarnix versuchen sie gerade, aus dem Intelligenz-Quark von Sarrazin eine neue Historiker-Debatte zu quetschen. Ich halte das für überflüssig. Es gibt wirklich Spannenderes als diese Debatten über den Wissens-Stand der 50er und 60er Jahre: z.B. Epigenetik, Hirnforschung, Emotionale Intelligenz. Warum die SPD kein Grundsatzdonnerwetter loslässt mit einer klaren inhaltlichen Gegenposition, sondern ihren “ost-elbischen” Junker Dohnanyi herumfuhrwerken lässt, verstehe ich nicht. (Doch, ich verstehe es).
“Sehr rasant, wie Sie da tabula rasa machen.”
25 Jahre Parteienverdruss in 10 Sätze, das weniger rasant darzulegen würde vermutlich ein Buch mit Sarrazinischen Ausmaß ergeben, das ebenso wie das aktuell diskutierte Werk, jedoch in Absicherung durch Zweit-Quellen, kritischer Würdigung der Fakten und Reflektion eklatante Mängel aufweisen würde.
“Statt des “Konzils von Trient” (Gegenreformation!) würde ich doch das II.Vatikanische Konzil empfehlen ;-) Oder?”
Das wäre ‘eigentlich’ sinnvoll, jedoch wage ich Zweifel anzumelden, dass sich bei der SPD bereits genügend Leidensdruck aufgebaut hat. Vor der Bundestagswahl 2009 konnte man das Verhältnis zwischen West-SPDlern und WASG/Linken, im Speziellen den ex-SPDlern unter ihnen, an den Info-Ständen auf offener Straße beobachten. Da würde mir um die Kirchen-Analogie fortzuspinnen als erstes der Begriff “Exkommunizierung” einfallen :)
Mit Leuten wie Frau Kraft, die ihre Unabhängigkeit von Klement noch beweisen muss, an der Spitze, sehe ich eine Öffnung zur an die Linke verlorenen Arbeiterbewegung zumindest nicht in naher Zukunft. Die Frage ob eine solche Wiederbesinnung überhaupt Sinn macht ist dazu noch eine andere.
Denn mit der Spaltung der SPD könnte sie sich wirklich neu definieren. Allerdings hat man nach dem Versuch mit der “neuen Mitte” nur noch eine Hand zu spielen.
Falk D.
Ich war gestern bei der Podiumsdiskussion mit Herrn Sarrazin und bin jetzt auf der Suche nach weiteren Informationen auf diesen Artikel gestoßen. Klasse! Wirklich sehr gut und treffend geschrieben. Ich selber musste zwar bei manchen Äußerungen des Herrn Sarrazin schmunzeln, denn er wurde früher wohl nicht umsonst der “Harald Schmidt der SPD” genannt, aber als es konkret um seine abstrusen Vererbungstheorien ging, konnte ich nur noch mit dem Kopf schütteln.
Der ebenfalls anwesende Herr Neffe hat die Sache hervorragend auf den Punkt gebracht, in dem er hauptsächlich auf Kapitel 8 des Buches Bezug nahm und die “vererbte Dummheit” der Unterschichten und muslimischen Migranten schlichtweg als Blödsinn darstellte. Selbst Herr Sarrazin musste zugeben, dass Herr Neffe von dieser Thematik wohl mehr versteht als er und er sich ggf. auch gerne noch belehren lasse. Das ließ mich dann ein wenig hoffen. Denn wenn Herr Sarrazin diesen Blödsinn nicht geschrieben hätte, sondern die ganze Integrations- und Unterschichtenproblematik kulturell und politisch statt mit biologischen Genen begründet hätte, wäre sein Buch sicher sehr viel lesenswerter geraten.
So ist es auch in meinen Augen eher mit einem Pamphlet zu vergleichen, mit dem sich vortrefflich Geld verdienen lässt. Dennoch bin ich Herrn Sarrazin dankbar um den Wirbel, den er verursacht hat, damit solche Themen endlich mal öffentlich und ohne Scheuklappen diskutiert werden. Denn die überwiegende Zustimmung, die er von der breiten Bevölkerung erhält und auch gestern Abend erhalten hat, finde ich sehr bedenklich und da sollte die Politik endlich mal genauer hinhören und entsprechend reagieren. Nur eben nicht mit “Geburtenbeschränkung für sozial Schwache und muslimische Migranten”, sondern mit besserer Kultur- und Integrationspolitik.
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