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Christian Stöcker

Die Kolonialmächte der Datenwolke

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Das Netz droht von digitalen Monopolisten kolonialisiert zu werden – auf Kosten von Freiheit und Innovation. Diese Giganten der Netze beginnen, dem Netz und seinen Nutzern die Bedingungen zu diktieren. Ein Appell für ein offenes und chaotisches Netz.

24.08.2010 | 

Das Internet der Zukunft wird überall sein. Auf den Rechnern, Schirmen, Pads oder wie auch immer man dann nennen wird, was die Menschen bei sich zu Hause oder am Arbeitsplatz nutzen. Und überall sonst, auf Geräten, die dann vermutlich nicht mehr Mobiltelefone genannt werden, weil das Telefonieren nur einen verschwindend geringen Anteil ihres Funktionsumfangs ausmacht.

Schon aktuelle Smartphones können sehr viel mehr als Sprechverbindungen zu anderen Telefonen herstellen: Fotos und Videofilme aufnehmen, Zeitschriften oder Bücher darstellen. Sie sind Kalender, Notizbuch und tragbare Spielkonsole, Taschenrechner, Wasserwaage und Multimediaplayer. Vor allem aber sind sie Internet-Geräte – ein Großteil der genannten Funktionen ist schon heute ohne eine Verbindung zum Datennetz kaum denkbar.

Die Mobiltelefone von heute sind also tragbare Computer. Ihre Bildschirme werden zu Fenstern in eine zusätzliche Schicht, eine allgegenwärtige Ergänzung der physischen Wirklichkeit. Der Begriff »virtuelle Realität« passt auf das, was da entsteht, schon lange nicht mehr. Es ist eher, als verschafften mobile Internetgeräte unseren Körpern ein zusätzliches Sinnesorgan, das permanent auf eine nie gekannte Vielfalt von Informationen, Antworten und Inhalten Zugriff hat – »augmented reality«, erweiterte Realität, nennt man das jetzt.

Die Frage, wer diese zusätzliche Ebene der Wirklichkeit kontrollieren wird, wer über ihre Inhalte und Funktionalität entscheidet, ist daher zentral. Derzeit sieht es so aus, als würde diese zusätzliche Ebene, das Internet, mit Macht und in hohem Tempo parzelliert, kolonisiert, kontrolliert.

Auch, aber nicht nur, von autokratischen Systemen wie der Volksrepublik China oder dem Iran, wo Inhalte zensiert, Zugriffs- und Kommunikationsmöglichkeiten staatlicherseits eingeschränkt werden. Vor allem aber bei uns in der westlichen Welt, von Unternehmen, mächtigen Konzernen, die dabei sind, das Netz unter sich aufzuteilen.

Plattform für Monopolisten

Das Internet hat sich, für viele überraschend, als eine Struktur entpuppt, die monopolistische Tendenzen hervorbringt. Obwohl es als freie, offene Plattform eigentlich den Wettbewerb befördern sollte, sieht die Realität anders aus. Bis heute hat das Netz einen dominanten Online-Händler hervorgebracht: Amazon. Ein dominantes Online-Auktionshaus: Ebay. Einen dominanten Online-Medienmarktplatz: Apples iTunes. Eine dominante Suchmaschine: Google. Eine dominante Seite für Online-Videos: Googles Tochter YouTube. Und ein dominantes Social Network: Facebook. Aus dem Rahmen fällt einzig das dominante Online-Nachschlagewerk – denn Wikipedia ist kein Produkt eines Konzerns, sondern das erstaunlich erfolgreiche Gemeinschaftsprojekt vieler freiwilliger Helfer.

Wünschenswert wäre es, dass auch das Überall-Internet von morgen noch ein freies und damit auch chaotisches Gebilde ist – und nicht zum lukrativen Spielplatz einiger weniger Monopolisten wird. (Foto: auro, cc by-nc-nd)

Die Tendenz zur Monopolbildung hängt mit einer zentralen Eigenschaft vieler Onlinedienste zusammen: Ihre Nützlichkeit wächst mit der Zahl ihrer Nutzer. Jedes neue Facebook-Mitglied ist ein Multiplikator, der womöglich den eigenen Freundeskreis auch noch für die Community rekrutiert und gleichzeitig das Netzwerk selbst mit den von ihm beigesteuerten Inhalten – Fotos, Videos, Kommentaren – weiter bereichert.

Jede Google-Suche liefert nicht nur dem Nutzer ein Ergebnis, sondern auch den Betreibern der Suchmaschine Informationen, die wiederum zur Verbesserung der Suche genutzt werden können. Jeder Einkauf bei Amazon verbessert die Möglichkeiten des Online-Händlers, seine automatisch generierten Produktempfehlungen weiter zu verbessern.

Die Anziehungskraft der Giganten des Netzes wächst mit jedem neuen Nutzer, gewissermaßen im Schneeballsystem.

Diese Entwicklung hin zu digitalen Monopolisten ist problematisch. Nicht nur deshalb, weil Monopole nie gut für einen Markt sind, sondern auch, weil die Giganten des Netzes ihre wachsende Macht derzeit nicht zuletzt nutzen, um ihre Position noch unangreifbarer zu machen, auf Kosten von Freiheit und Innovation. Sie beginnen, dem Netz und seinen Nutzern die Bedingungen zu diktieren.

In Wahrheit sind beispielsweise die populärsten Mobiltelefone von heute etwas anderes als die Computer der Frühzeit des Internets. Sie werden von mächtigen Torwächtern kontrolliert: den Hardware- und Softwareherstellern sowie, zum Teil, den Netzbetreibern.

Der Jurist Jonathan Zittrain, Professor in Harvard und Oxford, nennt solche Geräte »tethered appliances«, angebundene Geräte: Sie hängen an langen, unsichtbaren Datenleinen, die sie mit ihren Schöpfern verbinden. Und diese Schöpfer maßen sich auch an, zu entscheiden, was man mit ihren Geschöpfen tun darf und was nicht.

Neu ist das Modell nicht, bei Spielkonsolen etwa ist es schon immer so: Auch sie sind eigentlich, von ihrem Bauplan her, Computer. Man kann darauf aber nicht nach Gutdünken Software installieren oder gar über standardisierte Schnittstellen irgendwelche Hardware anschließen.

[...]

Diktat der Markt-Macht

Die von Unternehmen kontrollierten Datenwolken und Endgeräte schaffen eine völlig neue Infrastruktur. Sie verschafft den Konzernen ungeahnte Kontrolle über Inhalte, bislang unbekannte Möglichkeiten zur Beobachtung der Nutzer und eine für viele schmerzhafte Marktmacht.

Der Musikbranche diktiert Apple mit seinem weltweit erfolgreichen Musik-Downloaddienst iTunes schon seit vielen Jahren die Bedingungen – nun sind die Anbieter anderer Inhalte dran, also auch die internationale Presse. Ähnliche Entwicklungen geschehen auch in anderen Bereichen. Für Amazons Kindle soll es auch bald Apps geben – natürlich nur mit dem Segen des Internet-Buchhändlers und auch wieder für eine Verkaufsprovision von 30 Prozent.

Google bemüht sich unterdessen, mit einem eigenen Handy-Betriebssystem und immer neuen Diensten, Nutzer noch stärker an sich zu binden, um ihnen noch passgenauer Werbung servieren zu können. Zuletzt wurde der Social-Networking-Dienst Buzz gestartet und mit heftiger Kritik von Datenschützern und Bürgerrechtlern bedacht, weil er allzu sorglos mit den privaten Daten der zwangsrekrutierten Nutzer von Googles E-Mail-Dienst umging.

Und auch Facebook geht nur mäßig subtil dabei vor, seinen Nutzern immer weitergehende Freigaben zu entlocken, um die von ihnen eingegebenen und hochgeladenen Daten weiterzugeben, sprich: monetarisierbar zu machen.

Natürlich, das bleibt bei all dem festzuhalten, hat der Nutzer noch immer die Wahl: Niemand wird gezwungen, die Dienste oder die Geräte der Monopolisten zu benutzen, noch gibt es Alternativen und damit Wettbewerb. Wünschenswert wäre es, dass auch das Überall-Internet von morgen noch ein freies und damit auch chaotisches Gebilde ist – und nicht zum lukrativen Spielplatz einiger weniger Monopolisten wird.

Dieser Text ist eine gekürzte Fassung des gleichnamigen Beitrags von Christian Stöcker aus dem Band “2020 – Gedanken zur Zukunft des Internets“, herausgegeben  von Hubert Burda, Mathias Döpfner, Bodo Hombach, Jürgen Rüttgers, 285 Seiten, Hardcover, 19,95 €, ISBN 978-3-8375-0376-0, Klartext, (Bestelllink).

Die Anthologie enthält Beiträge von: Achim Berg, Béa Beste, Hubert Burda, Olaf Coenen, Johannes Daniel Dahm, Toralv Dirro, Mathias Döpfner, Martin Emmer, Hannes Federrath, Karl-Peter Fuchs, Sandro Gaycken, Johannes Gernert, Stefan Groß-Selbeck, Ulrich Hegerl, Dominik Herrmann, Bodo Hombach, Stephan A. Jansen, Sven Gábor Jánszky, Jeff Jarvis, Cherno Jobatey, Odej Kao, Thomas Knüwer, Peter Kruse, Pero Micic, Andreas Neef, Nico Niedermeier, René Obermann, Nils Ole Oermann, Horst W. Opaschowski, Michael Paetsch, Heiner Rindermann, Stephan Russ-Mohl, Jürgen Rüttgers, Philipp Schindler, Gisela Schmalz, Ulrich Johannes Schneider, Kristina Schröder, Jens Seipenbusch, Nicole Simon, Christian Stöcker, Angelika Storrer, Christian Wöhrl.

Thomas Knüwer meint: “Nun also ist das Werk da – und es ist besser als ich gedacht hätte.”

Einige Zitate aus den Beiträgen:

  • “Das Internet entfaltet geradezu revolutionäre Energie bei der Zersplitterung von Wertschöpfungsketten.”  Mathias Döpfner
  • “Das Internet ist ein sich selbst organisierendes System, das aufgrund seiner Eigenschaften nah am Instabilitätspunkt arbeitet und daher eine hohe Bereitschaft besitzt, sich plötzlich apokalyptisch aufzuschaukeln.” Peter Kruse
  • “Wer selber bloggt, sieht Internetsperren mit ganz anderen Augen.” Jens Seipenbusch
  • “Die bei weitem schlechteste Einleitung eines Satzes in einem Google-Meeting lautet: ‘Ich glaube.’” Philipp Schindler
  • “Das neue Medium steigert die Möglichkeiten des Angreifers enorm und vermindert zugleich diejenigen des Opfers; ein asymmetrischer Konflikt, der ganz neue Regeln braucht.” Bodo Hombach

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19 Kommentare

  1. noName |  24.08.2010 | 07:53 | permalink  

    Manchmal frage ich mich, was Experten auszeichnet. Sowas hätte fast jeder Internet-Nutzer schreiben können. Nichts Neues und dafür ziemlich dürftig. Vielleicht liegt’s auch an der gekürzten Fassung.

  2. wettersberg.de» Blogarchiv » Quo vadis Web 2.0 |  24.08.2010 | 09:21 | permalink  

    [...] Nachtrag vom 24.08.10: Christian Stöcker befasst sich bei carta.info mit letztgenannter Problematik: Die Kolonialmächte der Datenwolke [...]

  3. JanSchmidt |  24.08.2010 | 09:34 | permalink  

    @noName: na dann mal Butter bei die Fische, und her mit Ihrer Analyse.

  4. Guten Morgen | Too much information |  24.08.2010 | 09:49 | permalink  

    [...] Burda, Mathias Döpfner, Bodo Hombach, Jürgen Rüttgers- Stöcker erkennt digitale Monopolisten, die dem Internet ihre Regeln auferlegen und plädiert für ein weiterhin chaotisches [...]

  5. noName |  24.08.2010 | 10:25 | permalink  

    @Jan Schmidt, es stimmt ja, was Herr @Stöcker schreibt. Es ist nur nicht neu. Selbst das „Bild“ Kolonialmächte hatte kürzlich ein anderer Autor verwendet. Müssen denn immer Bilder und Kraftausdrücke „Diktat der Macht“ von Journalisten verwendet werden, um Simples zu sagen? Das Wort „Netzneutralität“ ist in „freies und damit auch chaotisches Gebilde“ verpackt.

    Umgekehrt kann gefragt werden:
    Warum hängt sich der Nutzer an die Monopolisten? (Die Antwort im Posting ist dünn.)
    Warum werden Monopolisten nun auch von ÖR unterstützt (Beispiel: Facebook + ZDF)?
    Warum informieren Journalisten nicht über Alternativen?

    Jetzt, wo den Netzkundigen ein Licht aufgeht, ziemlich spät finde ich, muss sie her, die Netzneutralität; „das geht doch so nicht weiter mit den Monopolisten“ (Burda & Co.: Leistungsschutzrecht). Hauptsache es gibt wieder Schreibstoff. Und ein Buch. Und Politiker, die nun ihre Meinung ebenfalls veröffentlichen. Großartig.

    Lohnt sich der Kauf des Buchs? Oder soll ich besser bei Carta weiter mitlesen? ;)

  6. Robin Meyer-Lucht |  24.08.2010 | 10:29 | permalink  

    @ NoName & JanSchmidt: Au ja, ein Text von NoName auf Carta. Das wäre etwas.

    Ich fand an diesem Text gut, das er die Entwicklung einfach noch einmal schön und treffend aufgeschrieben hat. Nehme den Hinweis aber gerne auf.

  7. Sam |  24.08.2010 | 10:33 | permalink  

    @noName Man muss ja davon ausgehen, dass der Text schon vor einiger Zeit verfasst wurde…
    Ich glaube einfach, dass das ein Zielgruppen-Problem ist und eher die Menschen angesprochen werden sollen, die weniger in den Netz-Diskussionen dabei sind (siehe Herausgeberschaft) und jetzt langsam daran heran geführt werden können. (Ein weiterer Hinweis darauf: Das Buch gibt es noch nicht als ebook.)

  8. Hackworth |  24.08.2010 | 10:34 | permalink  

    Die Monopolisierung des Webs ist m.E. eine zwingende Konsequenz der Natur des Internet. Wenn man als Kunde ein bestimmtes Produkt sucht und noch nicht weiß´, wo man es kaufen soll, begibt man sich sinnvollerweise auf eine Suche bei einer Suchmaschine seiner Wahl, vermutlich Google. Da findet man dann x Anbieter, und wenn Amazon halt das beste Angebot macht, dann wird so ziemlich jeder auch da sein Geld lassen. Der beste Anbieter ist halt immer nur einen Mausklick entfernt, da ist es doch kein Wunder, dass sich schnell ein Gewinner herauskristallisiert, der dann seine Position ausbauen kann.

    Gerade eBay hat den zusätzlichen Vorteil, dass es zwei Arten von Nutzern kennt: Käufer und Verkäufer. Während es die Käufer kaum interessieren dürfte, auf welcher Auktionsplattform sie einkaufen, müssen die Händler zwangsläufig dorthin gehen, wo die größte Konkurrenz herrscht, weil dort auch die größte Kundschaft zu finden ist. Eine paradoxe Situation, aber real, und eine Situation, die aus ebay ein natürliches Monopol macht.

    Auf der anderen Seite bedient das Internet wie kein anderes Medium zuvor den “long tail”; wenn man also das Web auf die großen Anbieter reduziert, dann vernachlässigt man die kleineren, spezialisierten Anbieter, die dann auch neben eBay und co. bestehen können, eben wiederum dank der Natur des Internet.

  9. Gisela Schmalz |  24.08.2010 | 11:19 | permalink  

    “Das Internet hat sich, für viele überraschend, als eine Struktur entpuppt, die monopolistische Tendenzen hervorbringt.”

    Wen überrascht das denn…?

    Die Frage -warum handeln “Onlinemonopolisten” wie sie handeln?- ist keine. Die Kernfrage ist die, die von (leider) no name gestellt wurde: Warum hängt sich der Nutzer an die Monopolisten? Weil deren Angebote leicht findbar und die besten (und billigsten) sind. Größere Konzerne haben das Kapital, das Beste zum besten Preis zu liefern (weil im Netz über Masse verdient wird) …. weil über Werbung, VC´s oder sonstige Sponsoren oder eben auch direkt am Kunden verdient (z. B. iTunes Store) wird. Zu denen klickt der Nutzer. Der Nutzer ist weder moralisch, noch denkt er/sie in makroökonomischen, bzw. Monopol-Polypol-Kategorien. Noch nicht viele nutzen das Netz als Steuerungsinstrument der Onlinewirtschaft, konsumieren also extra nicht beim Monopolisten, sondern bei Urhebern/Unternehmen, um diese durch ihre Bezahlung zu stärken. Wer informiert sich schon oder interessiert sich für die Zusammenhänge? Mein idealistisches Plädoyer: auch kleine und mal deutsche Netzunternehmen zu fördern. Das kann nur jeder Nutzer selbst, aber er muss Bescheid wissen, die Zusammenhänge kennen, um entsprechend zu surfen und zu konsumieren. Ohne Nutzer spielten die Monopolisten im Netz eine kleinere und mit Nutzern spielten die kleineren Unternehmen eine größere Rolle. Er bedarf der Aufklärung (und keiner Regulierung) über die Ökonomie des Netzes, um das Netz ausgewogen zu halten. Solche Blog-Debatten helfen schon bei der Aufkärung.

    Bereits letztes Jahr hatte ich einmal gegenüber gestellt, wie Asymmetrien im Netz entstehen und wie sie evtl. abgebaut werden könnten:
    http://www.yeseconomy.net/?page_id=1985
    Eine weitere, schon lange diskutierte Vorstellung dazu sind Parallelnetze, zum Geldverdienen, zum Spielen etc…..

  10. gis |  24.08.2010 | 13:21 | permalink  

    So wird auch ein Schuh draus (ungefähr ab 1700):

    Die von Verlagen kontrollierten Titel und Druckmaschinen schaffen eine völlig neue Infrastruktur. Sie verschafft den Konzernen ungeahnte Kontrolle über Inhalte, bislang unbekannte Möglichkeiten zur Beeinflussung der Leser und eine für viele schmerzhafte Marktmacht.

    Und, ist das Abendland, die Welt gar untergegangen deswegen. Nein.

    Was jetzt natürlich nicht heissen soll, dass die Analyse daneben liege oder gar falsch sei. Aber wenn uns der Blick zurück etwas lehrt, dann die Tatsache, dass nichts ewig währt – und Google, Facebook, Apple etc. pp. schon gar nicht. Ich behaupte, in zehn bis 15 Jahren blicken wir auf diese Diskussion zurück und wundern uns über die Hybris, welche oben genannte Konzerne et alt. an den Tag legten. Oder wie Logitech-Gründer Daniel Borel treffend sagte: “In 40 Jahren habe ich noch nie erlebt, dass sich das geschlossene System gegen das offene durchgesetzt hat.”

  11. noName |  24.08.2010 | 13:28 | permalink  

    @Sam, ja, ich denke auch, dass die allgemeine Netz-Nutzerschaft angesprochen werden soll. Nur so kann ich mir erklären, dass Politiker als Netzexperten einen Aufsatz verfasst haben.

    @Robin Meyer-Lucht, aber nur unter noName. ;) Mein Metier ist zu heiß. Mal gucken. ;)

    @Gisela Schmalz, treffend, was Sie schreiben. (Geht etwas in die Richtung: http://carta.info/32102/so-wirbt-google-ab-morgen-fuer-street-view/#comment-17577 )

  12. VonFernSeher |  24.08.2010 | 17:45 | permalink  

    Die Verteufelung der Monopolisten bringt bestimmt niemanden weiter, weil es doch genau die Art von negativer Attitüde ist, die einen Kultstatus erst manifestiert.

    Wer sich in einem Blog darüber beschwert, dass Google die einzig große Suchmaschine betreibt, der hat schon automatisiert wieder ein Stückchen dazu beigetragen. Wie das schöne Beispiel von ZDF und Facebook zeigt, würde es viel mehr bringen, Alternativen zu beschreiben und zu präsentieren. Das ZDF hat eine riesige (und wahrscheinlich auch riesig teure) Internetinfrastruktur erschaffen, wo kaum Funktionen fehlten. Nun baut es die wieder nach und nach ab und setzt sich bei irgendwelche Drittanbieter, nur weil es als modisch empfunden wird.

    Wer also etwas gegen Monopolisierung tun möchte, der könnte ja (nur, wenn ihn das jeweilige Monopol stört)

    - keine Googlesuche auf seiner Seite benutzen
    - keine Facebookknöpfe / Twitter-Retweets einbauen
    - keine YouTube-Videos einbetten
    - …

    Gerade aber bei den Handheldversionen vieler Seiten scheint aber doch die Einbindung von solchen Sachen teilweise wichtiger als der Inhalt. Würde man solche Sachen nur im wirklichen Bedarfsfall einsetzen und keine Apps ohne Mehrwert zur Seite publizieren, gäbe es doch einen natürlichen Trend die Systeme der Handhelds zu öffnen und die Benutzer würden einfach das Web auf den Geräten nutzen.

  13. Falk D. |  24.08.2010 | 21:34 | permalink  

    @12: Fragwürdigen Allianzen des ZDFs mit Oligopolisten sind nichts neues. Ich erinner mich noch gut an zdf.bei.t-online.de und zdf.msnbc.de. Die Mainzelmännchen haben halt ein Händchen dafür sich mit den Konzernen einzulassen, deren Konzentrationsbestrebungen für das Wunsch-Internet der “Netzgemeinde” fatal sind.
    Tatsächlich aber enthält das Buch, zumindest die Leseproben, nicht viel neues.
    Im Grunde ist das Netz ein tolles Beispiel für “faulty by design”, da alle Such- und Auswahlmechanismen seit Einführung des Linkgewichts einen Teil zur Konzentrationsbewegung beitragen.

  14. VonFernSeher |  24.08.2010 | 22:08 | permalink  

    #13
    Das Schlimme am Beispiel ZDF ist ja, dass sie es gar nicht nötig hätten. Sie hatten doch alles: sehr gut besuchte Foren, hochkomplexe Chattechnologie, vielgelobte Spezialseiten, interaktives Infotainment, moderne Suchmaschinen, eine super Mediathek (früher auch mal ohne Flash), …

    Ich will mich nicht über Geschmack streiten, aber technisch hatten die doch die Leute um das alles mit dem kleinen Finger zu stemmen. Da stellt man sich doch die Frage, was die Verantwortlichen dazu treibt, immer auf die falschen Pferde zu setzen, wenn der Stall vollsteht.

  15. Harald |  25.08.2010 | 22:04 | permalink  

    Gerade mit dem Hinweis auf mobiles Internet fehlt mir bei dem Artikel ein Standpunkt, den ich als logische Schlussfolgerung ansehe: Es müssen die gleichen Regeln und Gesetze zur Netzneutralität für das mobile Netz angewendet werden wie für das ‘alte’ Internet.

    Stattdessen endet der relativ schwachbrüstige Text in eine Buchwerbung. Die ist zwar legitim, aber richtet sich wohl eher an sporadische Internetanwender, nicht an Carta-Leser. Zielgruppe verfehlt.

  16. Falk D. |  25.08.2010 | 22:36 | permalink  

    Das mobile Internet findet außerhalb von Twitter, Facebook und einigen “Apps” gar nicht statt.

    Falk D.

    (P.S. ich glaube dass viele Carta-Leser noch Bücher lesen können, das Scrollrad oder der Schüttelsensor wird zwar schnell vermisst, aber die Schnittgefahr durch händisches Umblättern setzt i.d.R. nur einen schnellen Lernprozess in Fahrt und ist ansonsten harmlos im Gegensatz zu den Klemmgefahren an einer Wählscheibe.)

  17. Anselm H Joh Redlich |  26.08.2010 | 13:03 | permalink  

    Schön!
    ich hab die Lösung:
    Betriebssystem: Linux – ist ganz und gar nicht kommerziell und in Nutzerhand.
    Browser: Firefox – wird von der Mozilla Stiftung und den Nutzern gemacht.
    Suchmaschine – da wird uns noch eine einfallen – sie sortiert alle Unternehmen automatisch aus, welche mehr als 15’000 Kunden haben oder in Berlin weniger als €10,-/h Brutto zahlen für leihenhafte Tätigkeiten, bzw. Leute mehr als 11 Stdn/Tag und oder für zuwenig Geld als zum mtl.leben benötigt wird/Monat beschäftigt.
    Software – zB Sun, aber bitte nicht eine Veralberung (Open-Datenbanken: die Eintrage bewegen sich willkürlich – das macht keine Laune).
    Gesichterbuch: “Grünes Wohnzimmer” – voll supi, es geht auch schon sehr gut “befindet sich jetz schon in der BETA” – ja ich bin gemein.
    Blog: Worpress – nein können wir nicht nehmen, sind jetzt ein sich nicht klar äußernder Monopolist.
    MiniBlog: Identika – vielleicht sollte ich knapp nach einem Jahr mal reinschauen, obs mir jetzt besser gefällt.
    HP: jimdo – geht nicht ist kommerziel, dann Ohost und Co. sind aber sehr schwerfällig für “User”.

    Von den Erlösen aus dem Buch machen wir einen offenen freien Webkonzern!!! :)

  18. Falk D. |  26.08.2010 | 14:08 | permalink  

    Tja allein schon bei Firefox haut das schon nicht mehr hin. Die Mozilla-Foundation wird von Google Inc. mit sehr viel Manpower und Finanzmitteln unterstützt, wofür sich jeder Firefox-Anwender mit fleißigen Nutzungsstatistiken und “Safebrowsing” (in Wahrheit eine Zensurinfrastruktur) bedankt.

  19. Kurt |  27.08.2010 | 16:12 | permalink  

    Der Staat sollte eigentlich mal sich im Freie Software Bereich engagieren. 1 Milliarde für Open Source wäre nichts und würde uns an die Spitze katapultieren. Leider lassen sich unsere Politiker zur Zeit noch von den Verkäufern von Übersee blenden, die dem deutschen Staat ein vielfaches durch dessen Abhängigkeiten aus der Tasche ziehen. Investitionen in Linux sind strategische Investitionen in die Reduzierung dieser kostspieligen Abhängigkeiten unserer Volkswirtschaft vom amerikanischen Software-Kolonialismus, der das Entstehen einer mächtigen europäischen Softwarewirtschaft verhindert.

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