Robin Meyer-Lucht

Netzneutralität: Die zehn Mythen der Debatte – und warum sie konkreter werden muss

Robin Meyer-Lucht | 30 Kommentar(e)


Die Diskussion um die Netzneutralität verklärt das eigentliche Thema: Denn die Regulierung des Internets ist komplexer als eine simple Traffic-Vorschrift.

16.08.2010 | 

Der Aufruf von Pro Netzneutralität hat übers Wochenende ja für einigen Wirbel gesorgt: Frank Rieger vom CCC hält ihn für “zahnloses wischi-waschi“. Felix von Leitner für einen verkappten “Rehabilitierungsversuch der SPD“. Kristian Köhntopp erklärt die Netzneutralität “erster und zweiter Ordnung” und warnt ordnungspolitisch vor “Erpressungsversuchen der Provider“. Markus Beckedahl erklärt, es gehe um die Frage: “Was weniger nützlich für uns ist?” Kai Biermann warnte bei Zeit Online gar vor einem “Mittelalter-Internet“.

Es gibt also einiges zu klären.

Auch ich halte den Aufruf von Pro Netzneutralität für zu unkonkret und eher für das Produkt einer politischen Strategie als für einen Policy-Ansatz. Die Debatte um Netzneutralität wird derzeit zu pauschal, zu kampagnenartig, zu sehr im Schwarz-Weiß-Modus geführt.

Wahrscheinlich ist eine derartige Zuspitzung erforderlich, um Aufmerksamkeit und Mehrheiten zu organisieren. Es zunächst einmal großartig, dass um ein so zentrales Thema derart gerungen wird. Als vor einigen Jahren im Rundfunkstaatsvertrag die “Plattformregulierung” eingeführt wurde, interessierte dies nur Fachpolitiker und Referenten.

Zugleich muss ich mich über einige stark vereinfachende Elemente in der Debatte um die Netzneutralität doch wundern. Aus meiner Sicht wird die Diskussion derzeit von folgenden zehn Mythen geprägt:

1. Es gibt DIE Netzneutralität

Die Initiative versteht unter Netzneutralität den “diskriminierungsfreien Transport” von Daten. Der CCC hingegen benutzt in seinen Thesen zur Netzpolitik eine andere Definition, wonach beispielsweise Telefonie-Daten priorisiert werden dürften. Zunächst wäre also zu klären: Warum fordert wer welche Art der ‘Netzneutralität’? Warum weichen CCC und Pro Netzneutralität voneinander ab?

2. Ohne ‘Netzneutralität’ droht ein “Zwei Klassen”-Internet der Anbieter

Die Metapher vom “Zwei Klassen”-Internet hat es auch in den Aufruf der Initiative geschafft. In der Debatte wird dabei übersehen, dass es auch ohne ‘Netzneutralität’ bereits zahlreiche Regeln gegen die Diskriminierung von Anbietern im Internet gibt: im nationalen und europäischen Wettbewerbsrecht, teilweise im Rundfunkstaatsvertrag, teilweise garantiert durch die Verfassung.

3. Die ‘Netzneutralität’ sichert die Diskriminierungsfreiheit im Internet

Die ‘Netzneutralität’ gilt als Garant für die Gleichbehandlung der Anbieter im Netz. Dabei erstreckt sich die Neutralität lediglich auf die Traffic-Ebene. Probleme in Bezug auf den Zugang zu Plattformen, wie beispielsweise von Apple, löst die ‘Netzneutralität’ nicht. Sie wäre also nur eine Teillösung.

4. Die Forderung nach ‘Netzneutralität’ stellt keinen staatlicher Eingriff dar

Die Initiative fordert ein “freies Internet ohne staatliche … Eingriffe” und eine “gesetzliche Verankerung der Netzneutralität”. Dabei ist eine “gesetzliche Verankerung” selbstredend ein staatlicher Eingriff. Es ist das Paradox der Debatte, denn ein entsprechendes Gesetz wäre eine staatliche Regulierung der Internetprovider und eine jener Einmischungen in die Freiheit der Netze, die angeblich abgelehnt werden. Hier wird also ein Eingriff als freiheitlich bezeichnet, der gewissermaßen auch dirigistisch ist.

5. Eine ‘Netzneutralität’ kostet kein Geld

Über die Kosten der ‘Netzneutralität’ wird nicht diskutiert. Die Netzinfrastruktur auszubauen, um bei steigendem Traffic und unter den Bedingungen der Netzneutralität ausreichende Kapazitäten bereitzustellen und weiterhin die gewohnte Netzqualität zu erhalten, kostet jedoch Geld, wie man beispielsweise auch den Ausführungen von Kristian Köhntopp indirekt entnehmen kann. ‘Netzneutralität’ ist also nicht zum Nulltarif zu haben. Dies muss kein Gegenargument sein, man sollte es aber offen sagen.

6. Mit der ‘Netzneutralität’ wird nur festgeschrieben, was es heute schon gibt

In der Debatte wird nahe gelegt, dass die aktuellen Internetanschlüsse “neutral” seien. Es gehe lediglich darum, den Status Quo festzuschreiben. Das stimmt so nicht. Wohl die meisten der in Deutschland genutzten mobilen Internetzugänge sind laut Vertrag nicht neutral. Auch wäre zu klären, ob Breitbandanschlüsse inklusive IP-TV oder IP-Telefonie neutral im Sinne der Definition der Initiative wären.

7. Das Establishment ist gegen die ‘Netzneutralität’

Bei der “wir gegen die”-Rhetorik könnte man den Eindruck gewinnen, dass es starke politische Kräfte gibt, die sich gegen eine Netzneutralität aussprechen. Das ist aber nicht der Fall. Die Bundesnetzagentur ist für Netzneutralität, die Verbraucherministerin ist für Netzneutralität, die EU-Kommission ist für Netzneutralität. Auch die Telekom will zwischen Anbietern nicht diskriminieren. Nicht-Diskriminierungsregeln ein Kernprinzip der etablierten Medienpolitik. Da muss man sich von den üblichen Verdächtigen nicht aus der Ruhe bringen lassen.

8. Das gesamte Internet ist öffentlich

Die Forderung nach Netzneutralität wird mit dem “Recht auf Meinungsfreiheit” begründet. Dabei hat nur ein Teil der im Internet transportierten Daten etwas mit Meinungsbildung und Öffentlichkeit zu tun. Als Universalplattform transportiert das Netz sehr viel mehr, z. B. etwa auch Telemetrie-Daten. Dennoch wird mit Verweis auf die Meinungsfreiheit die Neutralität des gesamten Netzes als Plattform gefordert.

9. Alle Provider wollen  die ‘Netzneutralität’ abschaffen

Ohne gesetzlichen Schutz, so legt die Diskussion nahe, würden den Nutzern bald keine neutralen Internetzugänge mehr angeboten. Da die Providermärkte aber (anders als teilweise in den USA) sehr wettbewerbsintensiv organisiert sind, ist vielmehr zu erwarten, dass ein Teil der Anbieter die hohe Neutralitätsqualität ihrer Anschlüsse eher noch offensiv herausstellt.

10. Neutralität ist das einzige Interesse der Allgemeinheit in Sachen Internet

In der Debatte wird so getan, als sei die Neutralität des Datenverkehrs das einzig legitime Interesse der Allgemeinheit im Zusammenhang mit dem Internet. Das erscheint verkürzt. Die Allgemeinheit hat auch ein Interesse am Internet als einer effizienten, ”belastbaren, flexiblen Plattform für alle möglichen Anwendungen” (Odej Kao). Entsprechend wäre auch dieser Zielkonflikt zu diskutieren.

Fazit:

Der Aufruf von “Pro Netzneutralität” und Teile der Diskussion sind eher der politischen Strategie als einem umsetzbaren Konzept geschuldet: Es wird suggeriert, dass sich die Meinungsfreiheit und die damit verbundene komplexe Wettbewerbsaufsicht über die Internet-Industrie mit einer einfachen technischen Vorschrift zum Traffic-Management optimal regeln ließe. Es wird so getan, als würde mit der Netzneutralität lediglich das “wie wir es kennen”-Internet festgeschrieben und als gäbe es hierzulande keine vorhandenen Gesetze gegen eine Diskriminierung von Anbietern durch Provider.

Das Internet muss in seinen meinungsbildenden Funktionen fraglos anbieterneutral und nichtdiskriminierend organisiert sein. Tatsächlich ist jetzt zu klären, wie dies am besten zu organisieren/regulieren wäre. In der nächsten Phase wird die Debatte daher konkreter werden müssen:

Welche Vor- und Nachteile haben die verschiedenen Neutralitätsansätze? Wer ist aus welchen Zielen für welche Neutralität? Unter welchen Bedingungen ist Traffic-Management in Ordnung? Dürfen IP-TV und IP-Telefonie im Zuge von ‘managed services’ ausgeliefert werden – ohne die Netzneutralität zu verletzen? Wer hat die Aufsicht über die Netzneutralität? Wie könnte ein konkretes Gesetz aussehen?

Bernd Holznagel hat auf CartaMust-Carry-Regeln” für eine “kommunikative Grundversorgung” vorgeschlagen. Der Gesetzgeber würde demnach definieren, für welche – insbesondere meinungsbildungsbezogenen – Angebotskategorien die Netzneutralität zu gelten habe. Dies scheint ein weiterhin interessanter Vorschlag zu sein.

Wie komplex die Fragen von freiem Internet, freier Meinungsäußerung und freiem Wettbewerb im Internet sind, wird sich höchstwahrscheinlich auch schon bald zeigen: Einer der vermutlich nächsten ‘managed services’ von Verizon könnte nämlich Google TV heißen. Dann würden sich weit mehr Fragen in Bezug auf offenen und fairen Zugang stellen, als nur die ‘Netzneutralität’.

Siehe auch auf Carta:

Mehr zu : | |

CARTA Kaffeekasse
Carta wird FACEBOOK-Kommentare einführen - demnächst hier...

30 Kommentare

  1. Jens Best |  16.08.2010 | 05:58 | permalink  

    Ach Robin,

    irgendwie liest du anscheinend nicht mal die Diskussionen auf deiner eigenen Site. Und andererseits ist es mir jetzt zu früh, um im Detail deine “Analyse” durchzugehen, weil du kaum eigene Argumente bringst, sondern nur andere Punkte mit unpassenden Vergleichen oder Bezügen versuchst zu relativieren.

    Wenn du mal selbst deine eigne sachkundige Meinung aufschreibst, kann man sich mal die Mühe machen, hier auch inhaltlich zu diskutieren.

    Freue mich weiter mit freundlichem Lächeln deine Lobbyarbeit, ähm, sorry, journalistische Begleitmusik zum Thema Netzneutralität zu verfolgen. Es lebe die Privatwirtschaft. ;)

    PS: Diese Idee mit der Mythologisierung der Thesen anderer hast du schön bei Google geklaut. Um kurz Stowe Boyd (sinngemäß) zu zitieren: First of all, using the rhetorical device of contrasting ‘myths’ (what others are saying) with ‘facts’ (what -Robin- is saying) is condescending.

    Und noch ein Zitat von David Weinberger hinterher: “The opposite of open is not closed; the opposite of open is theirs.”

  2. noName |  16.08.2010 | 09:43 | permalink  

    Eine gute, übersichtliche Darstellung zum Thema Netzneutralität.

    Hieran störe ich mich: „Bernd Holznagel hat auf Carta “Must-Carry-Regeln” für eine “kommunikative Grundversorgung” vorgeschlagen. Der Gesetzgeber würde demnach definieren, für welche – insbesondere meinungsbildungsbezogenen – Angebotskategorien die Netzneutralität zu gelten habe. Dies scheint ein weiterhin interessanter Vorschlag zu sein.“

    Ein kleines, abgrenzbares „Grundnetz“ zu schaffen, hat nichts mit Netzneutralität zu tun. Menschen müssten hierbei entscheiden, was zur „kommunikativen Grundversorgung“ gehört. Damit ginge die im Netz errungene Freiheit, das neugierige Herumsurfen, selbst entdecken verloren.

    Wenn sich der Gesetzgeber nicht zu konkreten Regelungen zur Netzneutralität durchringen kann, dann MUSS wenigstens ein Grundsatz ins Gesetz. Freiheit inkl. freier Meinungsäußerung und die Möglichkeit, neue Erwerbsmodelle im Netz realisieren zu können (Gewerbefreiheit) muss geregelt werden, damit Marktbeherrscher dies nicht tun. Es kann nicht sein, dass derzeit lediglich das Wettbewerbsrecht als Instrument zur Wahrung der Netzneutralität herangezogen werden kann.

  3. Christoph Kappes |  16.08.2010 | 09:56 | permalink  

    Danke, sehr gute Darstellung der Probleme der Diskussion!

    Vielleicht noch zwei Aspekte, die es nicht einfacher machen:

    1. Neue Kostentragungsregeln zu Lasten einiger Inhalte-Anbieter sowie der Kauf von “Vorfahrt” führen zu Verschiebungen in den Preisstrukturen, deren Auswirkungen meines Wissens noch niemand wirklich analysiert hat. Auch in der Bewertung tue ich mich schwer: Einerseits hätte ich keine Bedenken, die Kosten für HD-Video zu verteuern, denn heute sind DVDs mit Filmen auch nicht umsonst. Andererseits kann es, wenn der Trend zur Flatrate ungebrochen bleibt, zur Umlage von Mehrkosten auf alle Haushalte kommen, so dass der Zugang auch für finanziell Schwache teurer wird. Mir scheinen hier sozialpolitische Fragen an der Netzneutralität dranzuhängen, die mal jemand herunterdeklinieren sollte.

    2. Eine Differenzierung von Services (Argument der “Contra”-Netzneutralität – was auch immer das ist) ist eine dogmatische Überspitzung, bei der ich Zweifel habe, ob sie in zehn Jahren noch brauchbar ist, weil alle Medien im digitalen Raum konvergieren. Beispiel: Wo ist die Grenze, wenn Inhalteanbieter Videos anbieten – eine 45-Minuten-Doku auf SpON ist doch kein abwegiger Fall. Was passiert, wenn Facebook den seit 2009 angekündigten Video-Chat einbaut – ist das dann teurer? Die Diskussion ist mir zu dogmatisch.

    3. Nebenbemerkung: Nicht immer nur auf Google gucken. Bei 0.facebook.com gibt es ein Parallelphänomen, die Vereinbarung von kostenlosem Zugang mit Telkos.

    @Jens: Bitte versuch doch mal, ganz präzise aufzuschreiben, wo welche Probleme entstehen. Ich habe den Eindruck, dass viele im Web diskutieren, was niemand ernsthaft für erlaubt hält, insbesondere ist inhaltliche Diskriminierung doch heute schon verboten.

  4. Falk D. |  16.08.2010 | 12:03 | permalink  

    Ich halte ein streng alt-testamentarisch-fundamentalistisch netzneutrales Internet für nicht erstrebenswert. VoIP, Datenbank und auch VPN sind extrem zeitkritisch.
    Ich bin froh, dass unser Provider uns auch in seinem Backbone hier einen dienstweisen QoS anbietet, so dass wir lediglich schnelle Internetzugänge an die kleinen Standorte legen und keine Dark-Fibres anmieten müssen; auch wenn die Standorte mit Fibre-Channel-Anbindung doch mit der “dicken Strippe” verbunden sind.

    Aus Anwendersicht spricht vieles für eine differenzierte Betrachtung:
    Im privaten wird die kommende Qualitätsexplosion im HDTV vulgo 4K wird endgültig die Grenze der Ausbaugeschwindigkeit aufzeigen – Digitale Dividende und LTE hin oder her. Triple-Play-Angebote und in der Petition geforderte Netzneutralität, bzw. das was die Meinungsführer aus dem Text herauslesen schließen einander fast schon aus.

    Im geschäftlichen Bereich steigert der Zuwachs stark volatiler Strukturen, Projektgesellschaften, Fabless-Firmen, Following-the-Sun den Bandbreitenhunger über die bloße Digitalisierung aller Prozesse hinaus.

    Es gab noch nie eine Netzneutralität im Sinne des diskriminierungsfreien Transports über alle Ebenen spätestens wenn ein Provider ein weltumspannendes Netz mit hohem Transitanteil hat, wird er entweder eigene Kunden bevorzugen oder von den Providern mit ein ungleich verteiltem Verhältnis von Zu- und Abgeleiteten Paketen eine Ausgleichszahlung verlangen.

  5. CARTA |  16.08.2010 | 12:25 | permalink  

    Netzneutralität: Felix, Markus und die Schippchen…

    Der Antritt der Initiative „Pro Netzneutralität“ offenbart einen kleinen Dissens unter Bloggern. Muss Netzneutralität gegen die Parteien durchgesetzt werden oder mit ihnen?……

  6. Jens Best |  16.08.2010 | 12:27 | permalink  

    Schön, dass alle Superduper-Techis nicht müde werden anzuführen, dass es erstens noch nie eine in Mikrodetails sowieso “total unmögliche” Netzneutraliät gegeben habe und dass zweitens, der mega-krasse Anstieg des Datendurchsatzes durch diese hochauflösenden Bewegtbild-Sachen ja eh zeigen werde, dass voll heftig in den Ausbau der Netze investiert werden müsse.

    Mag ja alles richtig sein. Aber darum geht es nicht in der Netzneutralitätsdebatte. Es geht darum, dass bewusst “Qualitätsklassen” (Euphemismus Telekom) innerhalb der Datenarten eingeführt werden sollen, um diese dann mit unterschiedlichen Preisschildern versehen zu können. Dies entspricht nicht dem end-to-end-Prinzip des Web und gefährtet so eine der wichtigsten Grundlagen für die freie Entwicklung von sozialen oder wirtschaftlichen Innovationen, für die das Web in den letzten Jahren (wenn auch sicher unausgereift in teilen) gestanden hat.

    Dies geht einher mit dem Punkt, dass das Web eine Verbreitung und Bedeutung erreicht hat, das es zu einer system-relevanten Infrastruktur Technologie geworden ist, somit müssen, sollte es den dort aktiven wirtschaftlichen Playern nicht gelingen die gesellschaftlichen Vorgaben zu erfüllen, Regularien anderer Natur eingeführt werden.

    Schaut man sich die Breitband-Diskussion, hauptsächlich zwischen Telekom und Regierung in den Jahren an, könnte man zur Auffassung kommen, dass die bisherigen staatlichen Stellen von den Unternehmen eher vorgeführt werden bzw. unzureichend/verschleiernd informiert. Das Muskelspielen a la “du uns regulieren, wir nix mehr investieren” zeigt, dass die Telekom ihres infrastrukturellen Auftrags durch die Gesellschaft in einer privatwirtschaftlichen Umsetzung wohl nicht gerecht werden will.

    Es handelt sich also nicht um “Serverraum-Fachsimpeln”, sondern das Problem ist eher politischer Natur. Die Fakten müssen auf den Tisch. Alle. Dann muss eine Richtungsentscheidung getroffen werden im Sinne einer offenen Informationsgesellschaft.

  7. robin |  16.08.2010 | 12:30 | permalink  

    @ Falk D.: “ein streng alt-testamentarisch-fundamentalistisch netzneutrales Internet” – die Formulierung werde ich mir merken.

    Bestätigt ja Punkt 1.

  8. robin |  16.08.2010 | 12:33 | permalink  

    @ Jens Best: In der Tat braucht es genauere Regeln, nachdem der bisherige Zustand eher schwebend und vorläufig war. Es geht also darum, Regeln für ein neutrales Netz erstmals aufzustellen.

    Sie müssen aber nicht zwingend ein “ein streng alt-testamentarisch-fundamentalistisch netzneutrales Internet” festschreiben. ;)

  9. Falk D. |  16.08.2010 | 13:43 | permalink  

    @Jens Best:
    Ein “end-to-end-Prinzip des Web” hat es nie gegeben. Selbst im Arpanet nicht.

    “Es geht darum, dass bewusst ‘Qualitätsklassen’ (Euphemismus Telekom) innerhalb der Datenarten eingeführt werden sollen, um diese dann mit unterschiedlichen Preisschildern versehen zu können.”

    Mehr Leistung kostet in der physischen Welt mehr Geld.

    In meinem Porsche verschwindet mehr Benzin, als im VW meiner Eltern.
    Welch Wunder der Technik. Sie fordern, dass es im Netz keine Abbildung einer entsprechenden Preisfunktion geben darf und das ist Mumpitz.

    Die Anhängerschaft der Church-of-Kruse schwingt sich wieder zum Sprecher der Gesellschaft herauf und erliegt wie bei Streetview auch der eigenen Hybris.

    Tatsächlich würde durch den Vorschlag von Google/Verizon oder das Qualitätsklassenmodell der Telekom für die meisten Nutzer, ich vermute sogar ein 80%-Intervall, das Netz schneller, sicherer und zuverlässiger.
    Die netzneutrale Alternative wäre ein Tempo 130 im Netz, da, wenn die Staaten derart massiv in die Vertragsfreiheit eingreifen, die Konzerne diese entweder meiden oder angesichts des Vertrauensverlust in den jeweiligen Finanzplatz, erstmal woanders investieren
    oder, um eine Mindestbandbreite zu garantieren eine höhere Spitzenreserve vorhalten bzw. sich vom Providing- auf das Transfergeschäft verlagern.

  10. Die Kinderfresser-Bar: Warum Priorisierung statt Netzneutralität eine schlechte Idee ist |  16.08.2010 | 14:00 | permalink  

    [...] Netzneutralität eine schlechte Idee ist In der Debatte um Netzneutralität schalten sich zunehmend differenzierte Stimmen ein, die keine strikte Netzneutralität fordern, sondern auch Raum für [...]

  11. Jens Best |  16.08.2010 | 14:11 | permalink  

    @Falk D.

    end-to-end-Prinzip gibt es in ihrem Internet nicht? Dann schicken sie mir mal ein Link, weil in meinem gibt es dieses nämlich.

    “Leistung kostet Geld”. Deswegen müssen jetzt kleine harmlose Datenpakete in sogenannte “Qualitätsklassen” gepackt werden. “Qualität” klingt ja auch irgendwie nach “Leistung”. Ergo: vorher waren es Datenpakete, die ab und an für den laufenden Betrieb mal ein wenig ungleich behandelt wurden. Jetzt ist es ein Bombengeschäft.

    Diese Schwankungen im Web fanden am Anfang die doof, die innovativer leben als ihre “user-mehrtheit”. Aber man arrangierte sich, weil Breitband ja kommen soll (irgendwann) und überhaupt sollte man als so ein Early-Adopter oder gar Entrepreneur doch auch immer wissen, dass mit der Herde Geld verdient wird.

    Jetzt ist die Herde im aktuell (oder bald) sehr daten-intensiven Zustand 2.0 angekommen und trotz Schrillarden investierter Euronen is’ mit dem Breitband immer noch hie und da Käse.

    Da kommt der marketing-erfahrene Kapitalist und sagt:

    “Ey, ihr sagt doch immer ab und an gäbe es Probleme mit diesen Datenpaketchen – Hier ist die Lösung: wir lassen beide Seiten bezahlen, nennen es “Qualitätsklassen” statt Datenpakete und, schwupp, wird aus dem Problem ein neues Geschäftsfeld.
    Wirkliche Lösungen, die der infrastrukturellen Bedeutung für die Gesellschaft gerecht werden, müssen unsere Lobbyisten diesen Typen, diesen Politikern, noch ausreden und dann können wir endlich mehr Kohle scheffeln ohne großartig was zu verändern.

    I say Nope und deswegen: http://pro-netzneutralitaet.de/

  12. vera |  16.08.2010 | 19:55 | permalink  

  13. u |  16.08.2010 | 21:30 | permalink  

    “In meinem Porsche verschwindet mehr Benzin, als im VW meiner Eltern.
    Welch Wunder der Technik. Sie fordern, dass es im Netz keine Abbildung einer entsprechenden Preisfunktion geben darf und das ist Mumpitz.”

    Mumpitz, mit Verlaub, ist lediglich, dass es diese Preisfunktion nicht bereits gibt.

    Dass Sie Ihren Porsche an einer Tankstellenkette tanken, die Ihnen eine Benzin Flatrate gibt, tut dabei nichts zur Sache.

    Viele Gruesse,
    -u

  14. Stefan Hennewig |  16.08.2010 | 21:41 | permalink  

    Finde den Hinweis unter 4. recht wichtig. Zumal die politisch organisierte “Netzneutralität” in Deutschland seit einigen Jahren fester Arbeitsbestandteil ist (Strom-Netz, Gas-Netz, Telefon-Netz, …)
    Das wird schon.

    Ob das unter 9. angesprochene (Netzneutralität wird durch Provider Wettbewerb gesichert) weiterhin Bestand hat, ist aber genau zu beobachten.
    Hier sehe ich die Google/Verizon Gespräche(?) zumindest kritisch.

    @ Jens Best
    “Wirkliche Lösungen, die der infrastrukturellen Bedeutung (des Internet) für die Gesellschaft gerecht werden, müssen” meiner Ansicht nach etwas detaillierter sein als der Aufruf von pro-netzneutralität.
    Aber als Startpunkt für eine breite Debatte taugt das Manifest sicherlich.

  15. chrisv |  17.08.2010 | 01:46 | permalink  

    @U.: Das mit der “Benzin Flatrate” ist so oder so Unfug. Aber man kann das Tankstellenbeispiel durchaus auf die Netzneutralitätsfrage anwenden: Was (manche) NN-Befürworter fordern, ist, dass Diesel, Super und Super-Plus in Zukunft nur zum gleichen Preis verkauft werden dürfen. Das ist aus leicht nachvollziehbaren Gründen kein besonders sinnvolles Ziel. Etwas anderes wäre es, wenn die Tankstellen einen Aufschlag verlangen, falls man mit einem Porsche vorfährt, oder das Betanken von Opels ganz verbieten. Das wäre aber sowieso jetzt schon grob wettbewerbswidrig und deswegen braucht man es auch nicht in einem Extragesetz noch mal festzulegen.

    Gegner der momentanen NN-Bestrebungen befürchten dagegen (wenn man mich fragt, nicht zu Unrecht), dass ein NN-Gesetz zur Folge hat, dass Porsche nicht mehr zusammen mit den Mineralölkonzernen an verbesserten Benzinsorten forschen darf. Wer das jetzt für zu weit hergeholt hält, sollte sich mal fragen, wer denn im Zweifel so ein Gesetz formulieren würde. Das sind nämlich gerade nicht die Piraten oder so, sondern eher Leute vom Schlag eines Herrn Uhl oder eines Herrn Wendt (“virtuelle Streifenfahrten in Street View”). Kann man wirklich wollen, dass solche Leute technische Festlegungen treffen?

  16. Lesetipps für den 17. August | Netzpiloten.de - das Beste aus Blogs, Videos, Musik und Web 2.0 |  17.08.2010 | 09:16 | permalink  

    [...] Netzneutralität: Die zehn Mythen der Debatte – und warum sie konkreter werden muss &mdash…: Die Diskussion um die Netzneutralität verklärt das eigene Thema: Denn die Regulierung [...]

  17. Die Versteigerung des Internets? | Cirquent Blog |  17.08.2010 | 10:50 | permalink  

    [...] und all das folgt privatwirtschaftlichen Interessen. Wenn man es ganz genau nimmt – und manche Blogger nehmen’s ziemlich genau, dann ist der Begriff der Netzneutralität unzutreffend und irreführend. [...]

  18. u |  17.08.2010 | 14:09 | permalink  

    @chrisv
    Natuerlich ist das Unfug; Allein wenn man das Beispiel so bringt, so scheint man ja sich an der Bandbreiten Intensitaet von Anwendungen an sich fest zu machen. Aber genauso wie man Sprit in litern abrechnet, wurde lange Zeit Traffic auch in Byte (oder Megabyte, oder Gigabyte oder Terabyte (idR pro Monat)) abgerechnet. (Alternativ in Mbit/sekunde ueber diverse andere Funktionen, aber das tut hier nichts mehr zur Sache). Daher auch die fiktive Benzin Flatrate.

    Die Intelligente Frage, die sich nun hoffentlich stellt: Was ist denn nun Benzin, was Super, was Super Plus und was Diesel im Netzwerk? Diese Frage endgueltig zu klaeren wird schwierig, da dies jeder anders sieht.

    Netzneutralitaet in sich ist ein uraltes Thema, dass sich auf den Layern 2 und 3 abspielt. Dort routen Router vor sich hin, ohne zu sehen, was fuer Daten da transportiert werden. Dies wurde in der Vergangenheit schon angewendet, um Daten zu priorisieren – und das ist ja auch richtig so – wenn man diese Priorisierung fuer sich selbst festlegt und nur auf sich anwendet. Der Hardcoregamer wird sehr auf die Latenz seines Computerspiels achten, waehrend der Leecher darauf achten wird, dass sein Bittorrent ihm nicht die ganze Bandbreite klaut.

    Sobald man allerdings Traffic fuer andere vermittelt, greift die Netzwerkneutralitaet, die grundsaetzlich aussagt, dass alle Datenpakete gleich behandelt werden. Problemen da kann man nur durch Aufruestung von Leitungen entgegengewirkt werden.

    Ein weiterer wichtiger Punkt: Klassischerweise bezahlt jeder im Internet nur fuer den Anschluss bis zum naechsten Uebergabepunkt. Jeder kann sich seine Uebergabepunkte selbst zusammen suchen und diese mit seinem eigenen Vertragspartnern aushandeln. Das ist oekonomisch fair, da sich jeder seine eigene Kostenstruktur selbst aussucht (Natuerlich im Rahmen dessen was es auf dem Markt gibt). Die Art und Menge des Traffics bestimmt sich dann auch aus dem, was die Kunden uebertragen wollen und die eigene Infrastruktur muss dem angepasst werden.
    Dass die Telekom Geld von Google (Youtube) haben moechte, koennte sogar gerechtfertigt sein; die Peeringmodalitaeten zwischen zwei Vertragspartnern sind deren Sache. Normalerweise waegen diese Partner Attraktivitaet (“Unsere Kunden koennen nicht ohne Youtube “leben” “) mit Kosten (“Das Peering kostet X Euro”, den Traffic ueber unsere bereits existierenden Partner zu beziehen kostet Y Euro”) miteinander auf. Die Telekom hat also die Wahl zwischen einem Peering mit Google, was sie X Euro kostet, den Bezug des Traffics ueber jemanden anders, was sie Y Euro kostet und dem Verlust von Kunden durch schlechte Erreichbarkeit von Youtube von der Telekom aus. Was aber nogo ist: Wenn die Telekom daraus Forderungen an die Politik ableitet oder wenn sie dann den schwarzen Peter Google zuschiebt.

    Nichtsdestotrotz ist es aeusserst wichtig, in der weiteren Debatte festzulegen, was man eigentlich unter Netzneutralitaet versteht, denn dieser Begriff wurde von zuvielen Gruppierungen im letzten Jahr voellig aufgeweicht und gegen welche Ansinnen man eigentlich protestieren moechte, denn aktuell wird eigentlich nur aneinander vorbeigeredet. In dem Sinne waere ich sogar dafuer, den Begriff Netzneutralitaet durch eine Mehrzahl von anderen zu ersetzen, da der aktuelle Begriff schon nur noch Gummimasse ist.

    Viele Gruesse,
    -u

  19. chrisv |  17.08.2010 | 20:45 | permalink  

    Aber genauso wie man Sprit in litern abrechnet, wurde lange Zeit Traffic auch in Byte (oder Megabyte, oder Gigabyte oder Terabyte (idR pro Monat)) abgerechnet

    Das ist im Hostingbereich eigentlich auch heutzutage noch der Normalfall (der Sonderfall sind “Traffic-Flatrates”, die nur so lange “funktionieren”, wie der Kunde sie nicht annähernd ausschöpft).

    Sobald man allerdings Traffic fuer andere vermittelt, greift die Netzwerkneutralitaet, die grundsaetzlich aussagt, dass alle Datenpakete gleich behandelt werden. Problemen da kann man nur durch Aufruestung von Leitungen entgegengewirkt werden.

    Das ist momentan nicht so (latenzkritische Anwendungen wie VOIP werden m.W. durchaus von einigen Netzbetreibern priorisiert). Und ich bin mir ziemlich sicher, dass einige Leute (Gamer, VOIP-Nutzer) ziemlich doof aus der Wäsche gucken würden, würde man in Zukunft den ISPs verbieten, diese Pakete vor denen der Torrent-Dauersauger zu priorisieren. Ganz besonders bei Kabelinternet (shared medium!).

    Deswegen glaube ich eigentlich auch nicht, dass das das ist, was der technisch kompetente Teil der NN-Proponenten haben will. Die Frage ist nur, was dann? Diskriminierung von Anbietern oder Inhalten will sicher niemand, aber das braucht man nicht zu verbieten, weil es jetzt schon eindeutig wettbewerbswidrig ist.

    Was bleibt, ist eine Forderung, die, wenn sie realisiert würde, im Idealfall niemandem etwas nützt (aber auch niemandem schadet, weil technisch sinnvolle Priorisierung möglich bleibt), die durchaus aber auch zum ernsthaften Innovationshemmnis werden kann (nämlich dann, wenn vernünftige Eingriffe auch verboten werden).

    Auf jeden Fall aber bedeutet sie den Einstieg in eine staatliche Regulierung auf Layer3-Ebene. Und ich fürchte, den meisten NN-Proponenten ist nicht im geringsten bewusst, wo die hinführen kann: Selbst wenn aktuell niemand diese Eingriffsmöglichkeiten missbrauchen würde, zeigt die Erfahrung, dass eine Behörde, wenn sie erstmal eingerichtet ist, ihre Kompetenzen beständig und fortwährend ausbaut. Und dann ist (genau wie bei Zensursula) der Missbrauch nicht nur abzusehen, sondern quasi vorprogrammiert. Vom obligatorischen Peering (“Netzneutralität”) bis hin zum zwangsweisen Depeering ist es z.B. gar kein so großer Schritt, wenn man erstmal eine Behörde hat, die sich mit so was beschäftigt. Und dass es eine ganze Menge Leute gibt, die z.B. die Piratebay gerne depeert sehen würden, ist glaube ich kein großes Geheimnis. Man sollte da schon aufpassen, dass man nicht den (an die Wand gemalten) Trafficdiskriminierungsteufel mit einem staatlichen Beelzebub austreibt, bei dem noch gar nicht abzusehen ist, was er alles anrichten kann.

  20. Karl |  18.08.2010 | 11:33 | permalink  

    Dieser Artikel steckt voller Missverständnisse. Der Autor sollte nicht über Netzneutralität schreiben.

  21. Karl |  18.08.2010 | 11:52 | permalink  

    Falk D,

    Wenn die Autobahn voll ist, gibt es keine Sonderrechte für deinen Porsche, damit du weiterhin 250km/h fahren kannst.
    Die Autobahn ist neutral!

  22. Falk D. |  18.08.2010 | 13:36 | permalink  

    Karl,
    LKW zahlen ab 30t Maut und sind auf die rechten Spuren beschränkt. PKWs nicht.
    Dagegen darf mein Porsche in Köln die BAB nicht verlassen in Hamburg schon.

  23. nocturbulous/ googles straßenansichten & profitierende triebtäter | 166mhz. adolescent angst revisited |  18.08.2010 | 14:38 | permalink  

    [...] Telekom jüngst zur Zukunft von bestimmten Infrastukturleistungen gesagt hat. Netzneutralität and stuff. Diese Debatte müsste geführt werden, die Hysterie um Street View funktioniert hier leider als [...]

  24. Karl |  18.08.2010 | 15:22 | permalink  

    Falk, schön, dass wir uns einig sind. Der Vergleich mit Autos hinkt gewaltig.

  25. helgo |  19.08.2010 | 00:32 | permalink  

    Eine ähnliche Diskussion gab es schon 1920.
    Während in Deutschland das neue Medium Radion auch als Empfänger verboten war, durfte in den USA jede und jeder senden wo und wann er oder sie wollten.

    __
    1920 gab es neben den vielen Amateursendern in den USA einige hundert Stationen, die von der Rundfunkindustrie betrieben wurden und fast die gesamte Fläche des Landes abdeckten. Das schnelle Anwachsen der Amateursender führte zu Forderungen, zumindest den Sendebetrieb einer scharfen staatlichen Kontrolle zu unterwerfen, während zuvor noch “die völlige Freiheit auch des Sendeverkehrs in den Vereinigten Staaten als das Ideal des Radiosportlers galt”.

    Günther, Hanns. Der praktische Radio Amateur. Radiosport Broadcasting. Stuttgart: Franckh´sche Verlagshandlung; 1923. Hier: Reprint, Köln: Wilhelm Herbst Verlag, 1989.
    __

    Aus meiner mal dringend zu überarbeitenden Website von 1997 ;)

  26. ElGraf |  21.08.2010 | 12:09 | permalink  

    Dachte nicht, dass ich das noch mal schreiben würde, aber: Ein guter Artikel von RML. Die Diskussion lässt hingegen die weite Verbreitung der Mythen eindrucksvoll zu Tage treten. Und wer ist eigentlich dieser Jens Best?

  27. zelot |  23.08.2010 | 08:08 | permalink  

    Ein sehr bedauerlicher Artikel, der mit schiefen Vergleichen Lobbyismus betreibt. Wenn die Netzbetreiber mehr Geld brauchen, sollen sie einfach die Traffic-Preise erhöhen anstatt das Netz kaputt zu machen. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

  28. Thomas |  28.08.2010 | 03:04 | permalink  

    Ich habe den Eindruck, die Diskussion geht an dem Problem vollkommen vorbei. Bei der Aufkündigung der Netzneutralität geht es gar nicht darum, dass trafficintensive Dienste verteuert werden sollen oder dass der Durchsatz der Netze technisch optimiert werden soll. Letztes passiert sowieso schon seit Ewigkeiten.

    Nein, es geht hier ganz klar um eine neue Form des Wegezolls. Die Provider wollen an populären Diensten mitverdienen, unabhängig davon, ob diese Dienste trafficintensiv sind oder nicht. Das einzig relevante Kriterium ist dabei die Popularität der Dienste, da sich daraus auch auf eine evtl. Zahlungsbereitschaft der Kunden schließen lässt. Um das zu erreichen müssen jedoch “Komfortmerkmale” geschaffen werden. Da sich die Bandbreite jedoch nicht einfach steigern lässt und das in der Regel auch kaum zu einem Nutzen führt, wird sie eben für alle anderen Dienste gesenkt. Das nennt sich dann Priorisierung. Auch so kommt eine Differenz zu Gunsten scheinbar neuer Angebote zustande.

    Auf der letzen Meile hat man dann vielleicht sogar VDSL, aber eine Meile weiter im Netz des Providers wird die Datenrate künstlich gedrosselt. Für bestimmte Websites werden dann Premiumangebote gegen Aufpreis geschaffen, über die der Kunde diese dann wieder mit der gewohnten Geschwindigkeit nutzen kann.

    Kurz: Facebook wird teurer, obwohl da pro Nutzer kaum Traffic entsteht, genauso wie der Zugriff auf trafficintensive YouTube. Wenn ich aber dann das Urlaubsvideo von einer privaten Homepage herunterladen will, dann wird das schnarchlangsam, weil sich für diese kein massenkompatibles Premiumangebot stricken lässt. Mit Bandbreitenoptimierung usw. hat das wenig zu tun.

    Woran Verizon und Google arbeiten, das ist das Trojanische Pferd, mit dem die Konsumenten an dieses neue Prinzip gewöhnt werden sollen.

  29. franken |  31.08.2010 | 23:52 | permalink  

    Endlich mal einer der Licht ins dunkle bringt.
    Wenn ich gerade an die Online-Petition, die gerade bei Bundestag
    vorliegt. Denkt man echt diese Leute haben Verfolgungswahn oder so was ähnliches.
    Zum weiteren sollte man niemals, mit Vergleichen mit dem Straßenverkehr kommen.
    Weil laut dieser Leute nicht vergleichbar ist oder hingt.
    Wenn aber solche Leute „Netzneutraliät“ fordern, dann wird es keine sinnvollen Debatten darüber geben. Das wird zur Folge haben, dass das Thema irgendwo in der Spree verwindet. Weil wir eigentlich keine Probleme mit der „Netzneutralität“ haben oder noch nicht haben.
    Wenn es aber ein Problem gibt, dann haben wir genügend Gesetze dafür.
    Somit brauchen wir keine „Netzneutraliät“ im Grundgesetz.

  30. Die Zukunft des Internets | Cirquent Blog |  10.03.2011 | 14:03 | permalink  

    [...] und all das folgt privatwirtschaftlichen Interessen. Wenn man es ganz genau nimmt – und manche Blogger nehmen’s ziemlich genau, dann ist der Begriff der Netzneutralität unzutreffend und irreführend. [...]

Sie möchten diesen Text kommentieren?

Ihr Name (erforderlich):

Ihre E-Mail (erforderlich):

Ihre Website:

Über Facebook oder Twitter einloggen:

Sie können Ihren Kommentar mit HTML-Befehlen formatieren.