Martin Oetting | 13 Kommentar(e)
Wie konnte es dazu kommen, dass 2010 das “Schminternet” eingeführt wurde und es jetzt nur noch Einzelnetze gibt, zu denen man sich separat Zugang kaufen muss? Wie konnte uns Google mit dem PR-Trick “Street View” so auf’s Kreuz legen? – Ein trauriges Zukunftsszenario.
12.08.2010 |
Enkel: “Opa. Damals, 2010. Wie konnte es dazu kommen, dass das Schminternet eingeführt wurde? Dieses zerhackte Stückwerk, mit dem es dann kein Internet mehr gab, sondern nur noch Einzelnetze, zu denen man separat Zugang kaufen musste? Wie konnte das passieren? Habt Ihr nicht aufgepasst, damals? Wieso habt Ihr Euch … uns! das antun lassen?”
Opa: “Ach, mein Enkel. Eine Schande ist das. Und recht hast Du, dass Du fragst. Es ist mir peinlich, es tut mir weh, es tut mir leid. Und die Erklärung ist ganz einfach – ein Trick war’s, nichts als ein PR-Trick! Sie haben uns mit einem miesen Trick auf’s Kreuz gelegt.”
Enkel: “Wie? Mit einem Trick? Was für ein Trick denn?”
Opa: “Also, das war so: einige Jahre bevor der große Bruch mit dem Internet gemacht und das Schminternet eingeführt wurde, hat Google – in weiser tückischer Voraussicht – damit begonnen, Kamerawagen durch deutsche Lande fahren zu lassen. Kamerawagen, die jedes Haus und jeden Hof auf Photo aufgenommen haben.”
Enkel: “Google Streetview, na klar. Aber was hat das denn mit dem Thema zu tun?”
Opa: “Nichts! Das ist ja der Punkt! Aber als das dann schließlich 2010 eingeführt werden sollte, hat der deutsche Michel sich furchtbar aufgeregt. Tage- … wochenlang war nichts so sehr Thema wie die Frage, welches Haus und welches nicht im Internet abgebildet werden kann, darf, soll, oder nicht soll. Politiker haben sich darauf gestürzt, die Medien haben voll mitgemacht und absurdeste Dinge verbreitet. Und niemand – absolut niemand – in der breiten Bevölkerung hat sich ansatzweise dafür interessiert, dass Google und die Telekom und andere unser Internet zur selben Zeit zerhackt und das Schminternet eingeführt haben.
Denn – und das ist der entscheidende Punkt: Google hatte sich längst von “Don’t be evil” verabschiedet und war nur noch daran interessiert, knallharte geschäftliche Interessen durchzusetzen. Und so wurde heimlich der Dolch angesetzt und ganz schnell zugestoßen, als alle woanders hingeschaut haben … Auf den Nebenschauplatz: die letztlich deutlich weniger wichtigen Frage, welche jahrealten Fotos von Hausfassaden man im Internet anzeigen darf oder nicht.”
Enkel: “Ganz ehrlich, Opa? Das ist aus meiner Sicht eine ziemlich schwache Ausrede. Ihr hättet Euch einfach mehr anstrengen müssen.”


Ganz klar, wir müssen uns wehren:
http://pro-netzneutralitaet.de/
Google-Dienste, wo es nur geht, ersetzen (Mail, Suchmaschine, Bilderdienste, Browser gibt es genug) und auf verschiedene Anbieter verteilen.
@Nofate Mensch, danke für den Hinweis, die Petition hätte ich nun wirklich verlinken können! Machen wir noch!
[...] Auch Carta.info hat Kritisches. [...]
Sorry, irgendwie stehe ich auf’m Schlauch. Was ist denn nun dieses Schminternet?
Ich verstehe auch nicht so recht, um was es sich bei diesem Schmirnet handeln soll….ähm
Der Knackpunkt: Das eine passiert in D (Street View), dass andere (Netzneutralität) derzeit in den USA. Das sind weitestgehend getrennte (Medien)öffentlichkeiten
@4 und 5:
Das bezieht sich auf Eric Schmidt, also eine Verballhornung seines Namens. Ich glaube Jeff Jarvis hat das Wort in seinem Blog Buzzmachine zuerst benutzt, in Anlehnung an ein Interview (oder ähnliches) von Schmidt.
@Topic:
Ich glaube, es gibt für die nächste Zeit nichts wichtigeres als die Netzneutralität bzw. deren Erhalt.
In den USA wurde wohl der Fehler gemacht, dass Internet und Telefon sachlich getrennt wurden, die Neutralität ist im Telefonnetz wohl vorgeschrieben.
Deswegen:
http://pro-netzneutralitaet.de/
Zu Schminternet: Ja, ich hab’s von Jeff Jarvis (ist oben auch verlinkt). Der Begriff ist ein doppeltes Wortspiel. Gerade in den USA ist es gebräuchlich, dass man sich über Begriffe lustig macht oder sich leicht albern-verächtlich äußert, indem man sie doppelt hintereinander sagt, aber das zweite Wort mit “sh” oder “sch” beginnen lässt:
“Oh, politics shmolitics, they don’t know what they’re talking about.”
“What the hell, marketing shmarketing, it’s all a lot of bullshit.”
Oder eben: Internet Schminternet. Und da kommt hinzu, dass er auf diese Weise Schmidts Namen mit eingebaut hat, der sich ja durch seine Pläne mit Verizon quasi verächtlich über das Internet äußert. Es ist also ein recht gekonntest Wortspiel. Und ich hab’s deswegen auch hier als Kurzfassung für das “Nebeninternet” gebraucht, welches entsteht, wenn man den Telkos erlaubt, den Zugang zu Daten zu diskriminieren.
Daher, in der Tat: http://pro-netzneutralitaet.de/
Danke für das Interview ;-)
Gibt es noch mehr Aktionen neben der Petition? Eine digitale Unterschrift alleine wird wohl nicht reichen, um die Interessen von so einigen Internetdienstleitern zu zerschlagen.
@krypt0n Das will ich aber sehr hoffen – die Petition ist sicher nur ein Anfang. Wichtig ist auch, dass wir vor allem in unseren persönlichen Umkreisen das Thema diskutieren. Damit es auch die erreicht, die sich nicht so sehr mit Blogs und Twitter befassen.
@martin
Ja, da gebe ich dir Recht. Man müsste einen kurz Überblick zu dem Thema aufbauen, welches den “unbedarften” Leuten auf einen Blick zeigt, was Netzneutralität überhaupt ist und besonders wichtig, wozu es überhaupt gut ist. Dazu noch einen Argumentationsleitfaden und dann könnte man schon gut Stimmung gegen die Abschaffung der NN machen.
Wenn es dazu irgendwas schriftliches gibt oder jemand bereits ein deratiges – ich nenne es mal – Projekt gestartet hat, wäre ich für jeden Link dankbar, ansonsten muss ich gucken ob ich am WE die Zeit für so was finde.
Ich finde beides wichtig
Pro “Digitalen Öffentlicher Raum”, Aufhänger Streetview. Openstreetmap als zivilgesellschafltiche opensource-Umsetzung kommt ja auch voran, aber es fällt doch auf, dass offene (leider aber nicht 100% opensource) Umsetzungen, die von einem Unternehmen getragen/unterstützt werden schneller, durchdachter und funktionaler zur Verfügung stehen.
Die Problematik, dass der Digitale Öffentliche Raum damit ein Mischwesen aus zivilgesellschaftlicher/wirtschaftlicher wird, mit Betonung auf dem letzteren ist mir bewusst. Der Vergleich mit einem Einkaufszentrum fand ich sehr passend. Trotzdem ist es wichtig auch dieses zu Verteidigen gegen die Engstirnigkeit derjenigen, die noch nicht mal die “Öffentlichkeit” eines Einkaufszentrum gut finden.
Aber erstens ist jedes Google Produkt ständig in Gefahr aufgrund der Überschreitung der feinen Linie von “akzeptabel” zu “evil” von heute auf morgen umzukippen. Ja, sogar Google gesamt (s. obiger Artikel).
Das ist gut so, dennoch sollten wir uns nichts vormachen, Aigner, Bosbach und der Deutsche Michel sind ja nicht wegen der fehlenden Opensourcigkeit von Streetview auf den Barrikaden, sondern weil ihnen das verknüpfte Konzept einer Digitalen Öffentlichkeit im Informationszeitalter gegen den Strich geht. Weil sie eben mit ihrem Denken im Wissenszeitalter angekommen sind. Hier sind noch große soziokulturelle Leistungen zu vollbringen.
Und natürlich bin ich auch Unterzeichner der Pro-Netzneutralität-Initiative.
Wenn man Martins Kritik also ernstnimmt, frage ich mich was ihr hier rumlest?
Warum nutzt ihr eure Kaffeepause nicht, um bei den Medien (z.B. tagesschau-Redaktion) anzurufen? Warum ist im Blog von Peter Tauber (MdB, CDU) so wenig los im Vergleich zu hier? Da könnt ihr mit einem zumindest offen denkenden Konservativen diskutieren, könnt ihm klarmachen, dass seine bisherigen Recherchen zum Thema falsch und einseitig sind.
[...] versuchen, objektiv zu berichten, alles nicht so schlimm finden und vielleicht sogar mal das Thema Netzneutralität anschneiden, welches derzeit den eigentlichen Google-Skandal darstellt. Die meisten anderen schreiben lieber [...]