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Blogs haben zur Problematisierung der Köhler-Äußerungen maßgeblich beigetragen. Carta dokumentiert die Karriere einer Thematisierung.
31.05.2010 |
Der Rücktritt von Horst Köhler ist nicht nur der erste Rücktritt eines Bundespräsidenten mit sofortiger Wirkung, sondern auch ein Rücktritt unter maßgeblicher Blog-Beteiligung. Denn die Thematisierung seiner Formulierung von den “freien Handelswege” verlief in bemerkenswerten Wellen. Dabei wurde das Thema zuerst von Blogs aufgegriffen und als Skandal identifiziert.
Blogs haben damit in der Thematisierungskarriere der Köhler-Äußerung – und letztlich an seinem Rücktritt – einen nicht zu unterschätzenden Anteil. Köhlers Rücktritt ist damit zugleich auch ein Lehrstück von der steigenden Bedeutung von Blogs für die politische Öffentlichkeit.
Carta zeichnet daher die Thematisierung der umstrittenen Köhler-Äußerung noch einmal nach. (Ergänzende Hinweise bitte in den Kommentaren)
Samstag, 22.Mai 2010:
Deutschlandradio Kultur sendet kurz vor 8 Uhr ein auf dem Rückflug aus Afghanistan geführtes Interview mit Bundespräsident Horst Köhler. Das Interview führte Christopher Ricke.
Kurz darauf sendet der Deutschlandfunk ebenfalls das Köhler-Interview, das jedoch ausgerechnet um die fragliche Passage gekürzt ist.
Deutschlandfunk greift um 12 Uhr – wie üblich – das eigene Interview in den Nachrichten auf – und zitiert auch die nur im Deutschlandradio Kultur präsentierte Stelle:
Es sei in Ordnung, wenn kritisch über den Einsatz diskutiert werde. Allerdings müsse Deutschland mit seiner Außenhandelsabhängigkeit zur Wahrung seiner Interessen im Zweifel auch zu militärischen Mitteln greifen. Als Beispiel für diese Interessen nannte Köhler ‘freie Handelswege’. Es gelte, Zitat ‘ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auf unsere Chancen zurückschlagen’ und sich somit negativ auf Handel und Arbeitsplätze auswirkten.
Eine weitere journalistische Bearbeitung oder Kommentierung des Köhler-Zitats durch den Deutschlandfunk findet zunächst nicht statt.
Das Blog Unpolitik.de von Stefan Graunke greift die Deutschlandfunk-Meldung auf. Unter dem Titel “Unser Volk braucht Markt!” fragt Graunke:
Wirklich, Herr Köhler? Öffentlich zur Durchsetzung wirtschaftlicher Ziele durch militärische Gewalt aufrufen?
Der Blogbeitrag wird innerhalb von zwei Tagen in fünf Blogs aufgegriffen: von Stackenblochen, von Burks.de, von Tastendrescher, von der Thüringer Blogzentrale und Rotstehtunsgut.de (via Rivva).
Unabhängig davon greifen auch das Querblog und ein Blog beim Freitag die Meldung auf. Und schließlich verlinkt auch Fefe das Thema.
Die klassischen Massenmedien beachten das Zitat zunächst kaum. Die Sueddeutsche.de veröffentlicht eine AP-Meldung mit dem fraglichen Köhler-Zitat – ohne es jedoch journalistisch weiter zu bearbeiten.
Dienstag, 25. Mai 2010:
Roland Koch tritt als Ministerpräsident von Hessen zurück – die Massenmedien sind vollauf damit beschäftigt.
Jonas Schaible fragt auf “Beim Wort Genommen“, warum das Köhler-Zitat nicht stärker thematisiert wird:
Mir scheint, inhaltlich wäre die Nachricht sogar Stoff für einen Aufmacher – doch findet sie noch nicht einmal eine Erwähnung als Meldung. Ist Köhlers Meinung in relevanten politischen Kreisen etwa viel gehörter Konsens? Ist sie Politikjournalisten also so bekannt, dass sie keiner Erwähnung für wert befunden wird? Dürfen Journalisten nicht berichten ? Übersehe ich etwas fundamental Wichtiges?
Donnerstag, 27. Mai 2010:
Das Deutschlandradio greift die Köhler-Äußerung noch einmal auf – mit einem Interview mit dem CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz. Polenz sagt, Köhler habe sich “missverständlich ausgedrückt”.
Auf Carta-Nachfrage erklärt DLF-Chefredakteur Stephan Detjen, erst nachträglich von den Blog-Protesten erfahren zu haben. Die späte Thematisierung habe insbesondere auch mit dem Koch-Rücktritt zu tun. Der Deutschlandfunk habe auch sehr viele Hörerrückmeldungen zum Köhler-Zitat erhalten.
Nach dem Polenz-Interview wird das Köhler-Zitat in allen Massenmedien aufgegriffen. Spiegel Online dreht das Interview mit Polenz weiter und befragt unter anderem Thomas Oppermann von der SPD. Oppermann befindet: “Köhler schadet der Akzeptanz der Auslandseinsätze der Bundeswehr”.
Mit den kritischen Äußerungen der Opposition beginnt auch die Aufarbeitung des Zitats durch den klassischen Meinungsjournalismus. Daniel Brössler legt bei der Süddeutschen richtig los – und bezeichnet Köhler als “Schwadroneur im Schloss Bellevue“.
Das Bundespräsidialamt verteidigt sich gegenüber Spiegel Online: Der Bundespräsident habe sich auch auf Einsätze, wie etwa die Atalanta-Mission bezogen.
Die 20-Uhr-Tagesschau greift die Kritik an Köhler auf: zu Guttenberg verteidigt Köhler, SPD und die Linke kritisieren ihn erheblich. Zweiter Auftritt von SPD-Oppermann.
Samstag, 29. Mai 2010:
Die Vorabversion des neuen Spiegel kursiert im Regierungsviertel. Darin wird der Bundespräsident “Horst Lübke” genannt und scharf angegriffen. Im Inhaltsverzeichnis von Ausgabe 22/2010 wird der Text folgendermaßen angekündigt:
“Horst Lübke: Das Staatsoberhaupt blamiert sich mit seinen Afghanistan-Äußerungen. Im Schloss Bellevue herrscht Entsetzen: Wie soll er die restlichen vier Amtsjahre überstehen?”
Letztlich dürfte der vernichtende Spiegel-Artikel maßgeblichen Anteil an Köhlers endgültiger Entscheidung gehabt haben – und die Blogs daran, dass Spiegel Online und der Spiegel das Thema aufgegriffen haben. In Blogs wurde das Thema als relevant identifiziert und organisierte sich erster und anhaltender Protest.
Dass sich Horst Köhler nun so schnell aus dem Amt verabschiedet hat, gehört zu weiteren Merkwürdigkeiten dieser Thematisierungskarriere. Köhler war mit dem medialen “shit storm” augenscheinlich überfordert.
Nachtrag: Das ZDF hat – analog zu diesem Text – ein Video für das heute journal produziert:
.N




[...] This post was mentioned on Twitter by mspro, Daniel Schultz, Carta, Matthias Schwenk, Matthias Schwenk and others. Matthias Schwenk said: RT @carta_: http://carta.info/28218/horst-koehler-ein-ruecktritt-unter-blog-mitwirkung/ Horst Köhler: Ein Rücktritt unter Blog-Mitwirkung #koehler [...]
Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe ohne Kriegserklärung, mehr noch als der Rücktritt des Ministerpräsidenten des Landes Hessen Roland Koch am 25. Mai 2010. Bei allem Respekt vor der Würde des Amtes bleiben Fragen offen, die sich aus der Eurokrise und einer möglichen Währungsreform ergeben. Die Geschichte wird die Antworten liefern müssen: Am 1. Juni 2010, sowie in den Jahren und Jahrzehnten danach. Europa unterliegt einem Wertewandel wie nie zuvor in der Weltgeschichte.
[...] stephanjauch says:Die @Blogzentrale hat an Köhlers Rücktritt eine Mitschuld: http://carta.info/28218/horst-koehler-ein-ruecktritt-unter-blog-mitwirkung/ [...]
[...] Von seinen Äusserungen hab ich zuerst bei Fefe gelesen, danach kamen ja noch einige Blogs. Dass Köhlers Rücktritt durch Blogs ausgelöst wurde, will mir noch nicht so recht [...]
danke, tolle zusammenfassung.
KUDOS!!
ob die blogs tatsächlich anteil am rücktritt hatten oder aber “nur” das thema auch verfolgten, bewerteten ist aber nicht gesichert.
die klassische presse, rundfunk usw. werden sich diesbzgl. sicherlich nicht abschliessend äussern.
ich glaube allerdings auch, dass die blogosphäre themen bis zum final am köcheln halten können. da gabs ja schon einige beispiele in der vergangenheit.
wenn das hier auch so ist: HAMMER!!
@weltherrscher:
“ob die blogs tatsächlich anteil am rücktritt hatten oder aber “nur” das thema auch verfolgten, bewerteten ist aber nicht gesichert.”
Die Feststellung stimmt letztlich. Der genaue Umfang des Einflusses bleibt spekulation, da sich kein Medium explizit auf die Blog-Quellen berufen hat. Eine entsprechende journalistische Referenzkultur ist in Deutschland leider auch wenig verbreitet.
So mancher Journalist schaut zumindest aber zumindest immer mal wieder auf Rivva vorbei. Und auf Rivva lief das Köhler-Thema groß.
Jonas Schaible hätte vielleicht auch weniger selbstbewußt an die klassischen Redaktionen geschrieben, wenn er nicht von der Unruhe bei dem Thema gewußt hätte.
Grandios wäre natürlich gewesen, wenn Detjen uns bestätigt hätte, dass die Wiederaufnahme des Themas beim DLF auch etwas mit Blogs zu tun gehabt hätte – so weit sind wir diesmal leider noch nicht gekommen.
Naja, jedenfalls bekomme ich sowas bei einem ARD-Blog nicht freigeschaltet:
“423
…: Der Kommentar wartet auf Freischaltung.
31. Mai 2010 um 17:35 Uhr
Irgendwie doch nicht OT:
Köhlers Äußerungen habe ich so, wie unter Beitrag #1 beispielsweise ausgeführt, nicht verstanden. Bedauerlich, wenn die fähige(re)n Politiker das Schiff verlassen. (Koch allerdings, der hätte schon viel früher seinen Hut nehmen können.)
http://www.bundespraesident.de/-,2.664352/Erklaerung-von-Bundespraesiden.htm
Wer andere missverstehen will, der tut es auch. Ein typisch deutsches Problem.”
noch..:)
wird aber in zukunft nicht zu vermeiden sein für die k-medien, wenn sie sich nicht total lächerlich machen wollen.
wir wissen doch alle, dass die k-medien mittlerweile mit dem internet vernabelt sind/wurden. auch wenn das vielen alten hasen noch immer schmerzen bereitet. es gibt ja schon genug beispiele für die relevanz von blogthemensetzung.
meinungsmultiplikatoren aka blogs sind schon wichtig geworden in der öffentlichen wahrnehmung der gesellschaft. die letzten die das noch bezweifeln sind die alten hasen der k-medien.
die rente ruft da aber schon massiv. der wechsel der entscheider wird aber kommen müssen.
einfach weitemachen.. den rest erledigt die zeit..:)
[...] Horst Köhler: Ein Rücktritt unter Blog-Mitwirkung — CARTA Der Rücktritt von Horst Köhler ist nicht nur der erste Rücktritt eines Bundespräsidenten mit sofortiger Wirkung, sondern auch ein Rücktritt unter maßgeblicher Blog-Beteiligung. Denn die Thematisierung seiner Formulierung von den “freien Handelswege” verlief in bemerkenswerten Wellen. Dabei wurde das Thema zuerst von Blogs aufgegriffen und als Skandal identifiziert. via carta.info [...]
Schöne Zusammenfassung, aber ihr habt die Strafanzeige gegen Horst Köhler wegen Verstoß gegen §20 Grundgesetz ( Verbot der Vorbereitung eines Angriffskrieges ) vergessen.
Wurde von diesem Blog hier angestoßen, inklusive einem Link auf des Gästebuch des “Bundeshorsts”.
http://bundeshorst.wordpress.com/
[...] Nachrichten: zu Köhler-Rücktritt: Otacun – Köhler-Rücktritt: Begründung im Wortlaut Carta – Horst Köhler: Ein Rücktritt unter Blog-Mitwirkung Trotzkist – Der Rücktritt des [...]
[...] sind ja doch relevant. Huch.. [...]
Köhler war mit dem medialen “shit storm” augenscheinlich überfordert.
So könnte man es sehen. Man könnte es aber auch einfach so sehen, dass Köhler Verantwortung für seine Äußerungen übernommen hat und deswegen zurück trat. Ein großer “shit storm” war es nämlich nicht gerade. Eher ein Windchen als ein Sturm; im Vergleich zu Krisen anderer Politiker.
Erst Lafontaine aus Gesundheitsgründen, dann tritt Roland Koch unter extrem fadenscheinigen Gründen (Politik ist nicht mein Leben) zurück und jetzt auch noch der Bundespräsident aufgrund von dem bisschen öffentlicher Kritik. Das ist schockierend, denn aus einem solchen Amt tritt man eigentlich nie zurück. Jetzt werden überall die Verschwörungstheorien blühen.
Was bleibt von Köhler? Er hat die 1. Strophe wieder zum gesungenen Teil der Nationalhymne gemacht, das will was heissen. Man könnte sich fragen, ob wir nicht besser “O Deutschland hoch in Ehren” als Nationalhymne singen sollten, der Text passt nämlich:
“Haltet aus! Haltet aus!
Lasset hoch das Banner wehn!
Zeiget ihm, zeigt der Welt
wie wir treu zusammen stehn
Daß sich unsre alte Kraft erprobt
wenn der Schlachtruf uns entgegen tobt
Haltet aus im Sturmgebraus!”
Horst Köhler hält es nicht aus. Er geht von Bord. In ganz Europa sind die Regierungen sehr instabil geworden. Das ist nicht gut.
Weil Horst Köhler volksnah und konfliktarm ist, da wird nicht dieses vaterländische Mahnlied zum Aushalten zu seinem Zapfenstreich gespielt, was eine ironische Noten geben würde, ausserdem interessante polarisierende Diskussionen entspannen dürfte, sondern das Musikkorps der Bundeswehr wird “Satellite” intonieren und alles andere nach dem üblichen streng festgelegten Zeremoniell.
Jeder wird jetzt genau darauf achten, wer demnächst zurücktritt. Und nein, Lena kann nicht Bundespräsident werden, das kann man erst ab 40. Aber das Feuilleton wird natürlich den Vorschlag diskutieren, und auch der ewige Christpopulist Wulff wäre hellauf begeistert. Im Amt wäre jemand gut, der unser Grundgesetz besser kennt und mit Leidenschaft seine Prinzipien verteidigt. Dann gibt es auch weniger verfassungsfeindliche Gesetze, die verabschiedet und unterzeichnet werden.
Shit Storm ist hier wohl das falsche Wort. Lancierte Medien-Kampagne gegen den Bundespräsidenten finde ich passender.
Wollen wir jetzt endlich einmal Graswurzel-Volksabstimmung machen?
VOTE FOR MARGOT KÄ?MANN! WIR HABEN 30 TAGE ZEIT! SCHREIBT AN DIE MEDIEN! MACHT DRUCK!
WIR SIND DAS VOLK!
Abstimmung auf http://bundeshorst.wordpress.com
Geht wählen, stimmt ab auf dem Bundeshorst! Weitersagen! Bitte!
Laevus Dexter (Anzeigeerstatter gegen Horst Köhler)
Ich habe bei dem Rücktritt eher das Gefühl von: “Der Kapitän verlässt das sinkende Schiff!”. Ob man hier von Schuld reden kann und ob man die Schuld bei Blogs suchen kann kann ich nicht beurteilen. Fakt ist, dass Horst Köhler immer ein schlechtes Verhältnis zur Presse hatte. Er selbst hatte angekündigt unbequem zu sein und Kritik zu üben. er selbst konnte Kritik aber nicht vertragen.
„Lancierte Medien-Kampagne“ trifft es. Eine neue Form des Kaputtschreibens.
http://www.ruhrgebietssprache.de/lexikon/kaputtschreiben.html
@ noName: Interessanterweise hat der Spiegel den Text “Horst Lübke” aus dem Heft nicht aus aktuellem Anlass im Netz veröffentlicht.
Vielleicht nicht ohne Grund.
Christopher Ricke ist schuld an diesem Fall.Warum??? Das weiß er am besten.
@rml: Ja, genau, wohl nicht ohne Grund…
“Hohle Nuss” war bei einem letzten Posting zum Leistungsschutzrecht schon ziemlich passend. Der Nusskorb scheint voll damit zu sein.
[...] Horst Köhler: Der “Shit-Storm” und der Einfluss von Blogs. (via lawblog.de) [...]
Auch Zeitblogger waren dabei;)
http://community.zeit.de/user/john-lennon/beitrag/2010/05/24/bundespr%C3%A4sident-horst-k%C3%B6hler-krieg-im-interesse-des-au%C3%9Fenhandels
Auch Zeitblogger waren schneller als SPON.
http://community.zeit.de/user/john-lennon/beitrag/2010/05/24/bundespr%C3%A4sident-horst-k%C3%B6hler-krieg-im-interesse-des-au%C3%9Fenhandels
Das Interview war mit Sicherheit der ausschlaggebende Punkt für den Rücktritt. Dass es der einzige war, glaube ich nicht. Zumindest würde das ein beschämendes Bild auf die Kritikfähigkeit Köhlers werfen. Viel mehr glaube ich, dass die politische Situation, also sein Regierungsstil und die Bereitschaft zur Stellungnahme, zu dem Ergebnis geführt hat, dass seine vergangenen Entscheidungen nicht auf die nötige Resonanz gestoßen sind. Bereits seit einiger Zeit sind vermehrt Meldungen zu vernehmen, dass sich ihm Nahe stehende Mitarbeiter abwenden ( http://www.sueddeutsche.de/politik/unzufriedene-mitarbeiter-schlechte-stimmung-in-koehlers-amt-1.13760 ).
[...] Zitat finde ich am besten: Köhler war mit dem medialen “shit storm” augenscheinlich [...]
die schlagzeile im spiegel war geschmacklos und unzutreffend.
köhler hat etwas unerwartetes getan und wurde nicht so verstanden, wie es beabsichtigt war. ob nun falsch, oder gerade richtig, darüber könnte ohne ihn als geschädigten nun eigentlich freier diskutiert werden. insofern ist sein rücktritt bei all dem drama demokratisch sinnvoll.
horst köhler hat kein mitleid verdient, sondern respekt: er hat ein thema offen angesprochen, das in afghanistan, somalia und auch in berlin karrieren kosten kann. ich bin bei den beileidsbekundungen dieser tage sehr misstrauisch und wünsche mir, dass mehr über politik, als über personen gesprochen wird.
.~.
[...] Aktuell hat Carta eine Dokumentation erstellt, wie es zur “Wirtschaftskrieg”-Nachricht in Afghanistan kam – der chronologische Abriss zeigt deutlich, dass vor allem Blogs und nicht die klassischen Medien, die Nachricht als relevant erkannt und weiterverbreitet haben. [...]
Wirkung des Blog-Mediums — interessanter Artikel, auch weil so etwas m.W. seltener erforscht wird. In diesem Fall wurden die Blogs in den “klassischen” Medien also nicht zitiert, aber in der großen Welt spielt sogar der “ondit” mit. Manche Blogs könnten noch “aufsteigen” und so wie die Nachrichtenagenturen zitiert werden. Im neuen Internet-Zeitalter entstehen auch neue Medien, hoffentlich wird niemand Blogs verbieten wollen, weil sie zu viel Macht hätten…
Ich selbst bedauere die Rücktrittsentscheidung und meine, nicht die Blogs haben die Entwicklung bewirkt. Ein Interview ist eine Abfolge von mehr oder weniger kurzen Fragen & Antworten, niemand kann da ständig allumfassende Vorlesungen abliefern… Bei Bedarf bzw. auf Nachfrage kann das Amt auch eine klärende Presseerklärung veröffentlichen. Wie ich sehe, sind auch herbe Bemerkungen aus der “Politiker-Klasse” verzeichnet worden, Manche haben eine Klärung vielleicht nicht erwünscht.
Eine diesbezügliche Analyse der ausländischen (klassischen & Blog-) Medienwelt wäre auch interessant, wann haben Medien das Thema wahrgenommen und wie ging es weiter. (Eine umfangreiche und nicht unbedingt der Öffentlichkeit zugedachte Presseschau betreiben diverse Staatsbehörden sowieso, “vom Amts wegen”.) Auf die Schnelle habe ich jetzt Folgendes (nach AP, vor knapp 3 Stunden gepostet) entdeckt:
http://www.aolnews.com/world/article/german-president-horst-koehler-resigns/19497603
[...] Aktuell hat Carta eine Dokumentation erstellt, wie es zur “Wirtschaftskrieg”-Nachricht in Afghanistan kam – der chronologische Abriss zeigt deutlich, dass vor allem Blogs und nicht die klassischen Medien, die Nachricht als relevant erkannt und weiterverbreitet haben. [...]
[...] Aktuell hat Carta eine Dokumentation erstellt, wie es zur “Wirtschaftskrieg”-Nachricht in Afghanistan kam – der chronologische Abriss zeigt deutlich, dass vor allem Blogs und nicht die klassischen Medien, die Nachricht als relevant erkannt und weiterverbreitet haben. [...]
Was haltet ihr von diesem Artikel?
http://balbi.de/unterbezahlt/bundespraesident.html
Es wird darin von ausgegangen, dass Köhler für alle Interessengruppen inzwischen ein Stolperstein war und deswegen die erst beste Möglichkeit gesucht wurde ihn loszuwerden.
[...] hat den Verlauf der Ereignisse noch einmal eindrucksvoll ?nachgezeichnet. Der Focus schließt sich dieser Beschreibung der Ereignisse weitestgehend [...]
Die Karriere eines Themas – die Blogger begannen damit …
Der Rücktritt von Horst Köhler ist nicht nur der erste Rücktritt eines Bundespräsidenten mit sofortiger Wirkung, sondern auch ein Rücktritt unter maßgeblicher Blog-Beteiligung. Das schreibt Carta, der Blog von Robin Meyer-Lucht, Politikwissenschaftler …
[...] hat die Entstehung des Rücktritts von Horst Köhler analysiert und kommt zu dem Schluss, dass eine Reihe von Bloggern wohl den Impuls für den heutigen Rücktritt [...]
[...] lot of bloggers picked up that topic and critized him for his opinion. The topic became a scandal. Carta displays on their blog the movement of the remarks against the diputed comment from Köhler. Thus [...]
[...] Damit wird das Versagen der Presse, die dieses Interview übersehen hatten, noch offenkundiger: Carta zeichnet den Weg einer Meldung [...]
Ich werde jetzt ein Leben lang jeden Morgen beim Nachrichtenhören im Deutschlandfunk an Horst Köhler denken müssen, wenn die erste Nachricht wieder einmal auf einem Zitat aus dem Tagesinterview des DLF basiert.
Historische “Was wäre wenn”-Fragen sind natürlich Quatsch, aber was wäre, wenn der Deutschlandfunk nur ein klein bisschen weniger selbstverliebt sich nicht (fast) täglich selbst zitieren würde im Hinblick auf eigene Interviews und im Hinblick auf selbst entfachte Debatten….
Köhler’s Rücktritt: So kam es dazu…
Für viele ist der Rücktritt von Horst Köhler noch nicht nachvollziehbar. Auf carta.info ist ein A…
Die Blogs hatten ihren Anteil dabei ohne Zweifel. Der Anteil bestand darin, etwas in Bewegung zu setzen, das der Deutschlandfunk und die Regierungsparteien am liebsten unter den Tisch gekehrt hätten.
Die etablierten klassischen Medien verschliefen die ganze Thematik und reagierten erst Tage nach den Blogger-Beiträgen (zähle auch meinen dazu: http://swiss-lupe.blogspot.com/2010/05/deutschlandfunk-kriegt-wegen-kohlers.html )
Als die klassischen Medien wie der letzte Schnee endlich eintrafen, verkauften sie ihre Berichte als Exlkusivartikel, ohne Blogger-Quellen zu erwähnen. Das gegenseitige Verlinken funktioniert nur in eine Richtung: Blogger sind sich nicht zu schade, zu Quellseiten der klassischen Medien zu verlinken.
Der dpa-Ticker greift die Geschichte auf:
http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/995032
“… Jonas Schaible hatte mit Erstaunen Köhlers umstrittene Äußerungen zum Bundeswehreinsatz in Afghanistan gelesen und sich dann noch mehr gewundert, dass dies in den Nachrichten nicht aufgegriffen wurde. Deshalb trat er per Mail an überregionale Medien und über den Kurznachrichtendienst Twitter eine gewaltige Welle los, deren Auswirkungen niemand erahnen konnte. …”
…
RT @carta_: Horst Köhler: Ein Rücktritt unter Blog-Mitwirkung #koehler…
…
Ein Rücktritt unter Blog-Mitwirkung (via @carta)…
[...] CARTA gibt es den etwas anderen Rückblick auf den Rücktritt des Bundespräsidenten Köhler – und auf die besondere Rolle, die Blogs dabei gespielt haben, da der… ähm… [...]
die kombination radio und blog hat sich hier als politisch wirkungsvoll erwiesen.
das gerede vom abloesen der alten medien durch neue ist damit wieder einmal wiederlegt worden. aber warum war das fernsehen nicht beteiligt? warum nicht zeitungen und fuilleton? und vor allem warum nicht die viel gepriesenen social networks (also twitter und facebook)?
das bindeglied ist schnell gefunden, neben dem ‘doppelpass’ deutschlandradio interview und (amtlichem) deutschlandfunk nachrichten, spielte vor allem der website von dradio auf dem zeitnah das originalinterview auftauchte eine wichtige rolle um als linkbare (zitierbare) quelle zu dienen. wichtig: bilder spielen keine rolle, sondern stimme und text.
die blogosphaere bietet den kommentarraum fuers radio. der rueckkanal funktioniert in verschiedene richtungen zwischen den sendern und ebenso vom netz zum radio. die politisch brisante kombination von alten und neuen medien werden sich die auf visuelle kommunikation versessenen medienberater (spin doctors) der MTV generation in zukunft genauer anschauen muessen.
[...] verborgen bleiben sollen. Seine unglückliche Interviewäußerung (die öffentliche Reaktion dazu hier gut nachgezeichnet von Carta) löste zwar zu Recht Fragen aus, dennoch erscheint sie mir zu [...]
@robin: Um deine Argumentation “So mancher Journalist schaut zumindest aber zumindest immer mal wieder auf Rivva vorbei.” mal kurz mit ein paar (vorläufigen, nicht sonderlich geprüften) Zahlen zu untermauern: Die bisherigen Ergebnisse meiner Umfrage zu rivva.de zeigen, dass immerhin 4,33% der Teilnehmer aktuell hauptberuflich journalistisch tätig sind. Hinzu kommen exakt 8% nebenberuflich journalistisch tätige Leser. Macht also etwas mehr als 12% der Umfrageteilnehmer aus – was ich für einen recht hohen Wert halte.
Interessant auch: Etwas über 10% der Leser war schon einmal haupt- oder nebenberuflich journalistisch tätig.
Ach ja: Wer das hier zufällig liest & noch an der Umfrage zur Nutzung von rivva.de teilnehmen möchte: http://bit.ly/rivva_mb :)
Viele Grüße
Markus
[...] Horst Köhler: Ein Rücktritt unter Blog-Mitwirkung — CARTA By momanpilven Found this today: Horst Köhler: Ein Rücktritt unter Blog-Mitwirkung — CARTA [...]
Auch wenn ich mit dieser Meinung alleine bin: Der Ton in Politik und Medien ist die letzte Dekade rauer geworden. Ich halte viele Äusserungen für respektlos, übertreibend, polarisierend. Macht sich überhaupt noch jemand die Mühe, ein Quellzitat wohlwollend zu lesen? Bemüht sich noch jemand, bei irgendeiner problematischen Äusserung mal fünfe gerade sein zu lassen?
Dass nun Blogs schneller als klassische Medien sind, ist für mich KEINE Erfolgsmeldung. Eher ein Zeichen für fortgeschrittene Degeneration des Kommunikationsstils und für überzogenen ethischen Rigorismus derjenigen, die den eigenen Masstäben selbst nicht standhalten und sich selbst auf diese Weise überhöhen.
[...] Rede” von Hort Köhler am 24. März 2009 zum Nachlesen (Bundesregierung Online) Zum Hintergrund von Köhlers Rücktritt – die CARTA-Redaktion zeichnet die mediale Thematisierung der umstrittenen Köhler-Äußerung [...]
links for 2010-05-31…
Horst Köhler: Ein Rücktritt unter Blog-Mitwirkung — CARTA
Blogs haben zur Problematisierung der Köhler-Äußerungen maßgeblich beigetragen. Carta dokumentiert die Karriere einer Thematisierung.
(tags: blog…
M. Käßmann ist einfach ungeeignet. Mit ihrer Trunkenheitsfahrt hat sie genügend Mangel an Umsicht bewiesen um nicht mal als Pausenclown im Altenheim geeignet zu sein. (Außerdem wird nicht nur mir von ihrer ständig zur Schau getragen Berufsbetroffenheit und Moralapostelei speiübel.)
Bei Herrn Köhler konnte man in der ersten Amtszeit einen bemerkenswerten Lernprozess feststellen und ich finde, dass man Leute, die ihr Amt schützen, gar nicht hoch genug würdigen kann. Das Konzept der persönlichen Verantwortung wähnte ich seit Seiters in Vergessenheit.
Falk D.
[...] Horst Köhler: Ein Rücktritt unter Blog-Mitwirkung — CARTA Found this today: Horst Köhler: Ein Rücktritt unter Blog-Mitwirkung — CARTA [...]
[...] Diskussionen im Netz, auf den Websites und in den Blogs, gingen fast unmittelbar los. Siehe dazu die Chronik hier und meinen eigenen Beitrag einen Tag nach dem [...]
So argumentieren ÖR im Blog, wenn ein Finanzexperte zurücktritt:
http://annewill.blog.ndr.de/2010/05/28/wann-zahlen-spekulanten-fur-die-krise/?cp=9#comment-71931
Und sowas bleibt an 1. Stelle stehen:
http://annewill.blog.ndr.de/2010/05/28/wann-zahlen-spekulanten-fur-die-krise/?cp=1#comment-71406
Die Umgang der Medien mit dem Ex-Bundespräsidenten ist unwürdig. Wenn die ‘Märkte’ heute wieder reagieren, können sich die Medienmacher auf die Schulter klopfen.
Das heute-journal beispielsweise war gestern bezogen auf Köhler eine Zumutung. Wieso soll Herr Köhler einsam sein, wenn er bei uns Bürgern überwiegend äußerst beliebt ist. Das Wort ‘einsam’ wurde laufend genannt…
[...] Horst Köhler: Ein Rücktritt unter Blog-Mitwirkung (CARTA) – Carta analysiert die Bedeutung der Blogs am Rücktritt von Horst Köhler. [...]
‘Der Umgang’
[...] Horst Köhler: Ein Rücktritt unter Blog-Mitwirkung [...]
[...] Wortwahl. Ins Laufen kam die Sache erst dadurch, dass sich unzählige Blogs in die Sache hängten, berichtet (ausgerechnet!?) ein Blog, nämlich [...]
[...] von mir in vielerlei Hinsicht geschätzte Blog Carta eine Blogbeteiligung bei Köhlers Rücktritt: Horst Köhler: Ein Rücktritt unter Blog-Mitwirkung und auch die Süddeutsche Zeitung griff das Thema auf, Blogger machten auf Köhlers Äußerungen [...]
„Einen Quereinsteiger wie Horst Köhler wird man so schnell wohl nicht mehr aufstellen.“ schreibt die FAZ heute hier: http://tinyurl.com/38pcqom .
Anmaßend von der Presse. Wenn die politischen Qualitäten von Merkel mit denen von Köhler verglichen werden, dann ist der Falsche zurück getreten. Gerade unabhängig denkende Quereinsteiger täten der Politik gut.
[...] [...]
[...] am Ende Blogger dafür gesorgt, das sich Köhler nun zum Horst macht? Dieses Phänomen zeichnet Carta in einem Bericht nach. Kommentare (0) Trackbacks (0) Einen Kommentar hinterlassen [...]
Ad #55: Dass es bei ÖR oft an wirtschaftlicher Kompetenz fehlt, zeigt dieses Beispiel:
http://www.handelsblatt.com/media/boersennews/drueckt-koehler-die-boerse;2592083
Durch Blogs? Na na…
Diese Wichtigkeit möchte man als Blogverfechter gerne so haben und sehen. Wer liest Blogs? = andere Blogbetreiber. Köhler und sein Umfeld wohl kaum.
Vielen Dank für die spannenden Zusammenfassung. Oftmals entsteht Dynamik allerdings nur in der Summe von vielen einzelnen Aüßerungen.
[...] was er wollte und sich damit um Kopf und Kragen geredet. Schaut man sich den zeitlichen Abriss auf Carta an, findet man Ursprung des Shitstorms im Netz, wo auch [...]
[...] Querblog und ein Blog beim Freitag die Meldung auf. Und schließlich verlinkt auch Fefe das Thema. Quelle: Horst Köhler: Ein Rücktritt unter Blog-Mitwirkung — CARTA AKPC_IDS += "6241,"; Passende Themen zu diesem Beitrag31.05.2010 — So hatte Horst Köhler [...]
Köhler ist zurückgetreten, weil er gegen die Gold-Unterlegung der kommenden Währung war: http://uxmadexmyxday.wordpress.com/
[...] Kritik, dass sie nicht zuerst durch die klassischen Medien formuliert wurde, sondern dass Beiträge in Blogs zu einer abermaligen Befassung mit dem entsprechenden Interview Köhlers geführt haben. Die [...]
Ist es wirklich so schwer, zwischen Auslöser und Ursache zu unterscheiden? Horst Köhler hat der politischen Klasse gekündigt, nicht dem Volk. Und zur politischen Klasse gehören Politik, Medien und Lobby. Dass dieser Politikbetrieb über ihn herfallen wird, wenn er geht, wusste Köhler vorher. Ich verstehe ihn gut.
Übrigens haben Trittin, Oppermann, Spiegel, Süddeutsche usw. natürlich den Esel Schwarzgelb gemeint, als sie den Sack Köhler prügelten. Und der Esel hat so getan, als ginge ihn das nichts an.
Horst Köhler hat für die politische Klasse viel zu viel von einem Menschen und von Ehrlichkeit. Daher sucht die Klasse jetzt auch jemanden, der so ist wie sie, kalt und verlogen.
Danke für den Text. Jetzt weiß ich, was ich in 10 Jahren für meine Doktorarbeit nehme:
“Die Auswirkungen von Blogs auf das politische Tagesgeschehen am Beispiel des Rücktritts vom Bundes-Horscht 2010.” – möglich wäre auch “Wir suchen uns jetzt ein paar Schuldige für den Rücktritt. Wie der Deutsche verlernte, Kritik zu ertragen.”. Oder so.
Hottes Hinschmiß gestern …
macht doch Sinn: Solln´se doch, die Damen & Herren der “politischen” Klasse, den Bonner Rechtsadvokatensohn von der F.D.P. jetzt Ende Juni als Hotte-Nachfolger wähln´, das wär der jüngste und erste unverheiratete schwule Bundespräsident überhaupt, der fliegt dann mit seinen Freunden, der sogenannten “Lumpenelite auf Reisen” (SPD-Gabriel), auf Staatskosten durch die Welt(geschichte) … und eins ist doch klar: runter kommse alle – fragt sich nur wann und wo …
meint
ZeitGenossin
1. Juni 2010
Nicht zu vergessen flatter auf feynsinn.org am 23.05.10
Der Rücktritt wurde nicht durch Blogs ausgelöst, das ist Kokolores.
Horst Köhler hat eine Formulierung in dem Interview benutzt, die missverständlich war. Die Blogs haben darauf lediglich so reagiert, wie der normale Bundesbürger seinerzeit auf die Operation Iraqi Freedom der USA: Mit Ablehnung gegenüber einer längst vergangen geglaubten Imperialismusstrategie. Die Ablehnung derselben durch Köhler konnte man aus dem Interview nicht herauslesen, und dass das Grundgesetz Angriffskriege der Bundeswehr verneint, heißt nicht, dass eine als Bündnisverteidigung deklarierte militärische Einflussnahme auf andere Staaten zugunsten eigener Wirtschaftsinteressen als solcher zu werten ist. Schließlich ist die Bundeswehr in Afghanistan ja immer noch nicht im Krieg.
Den Rücktritt ausgelöst hat der Umstand, dass Köhler zu stolz war, der Welt einzugestehen, dass er eine unglückliche, missverständliche Formulierung verwendet hat, die einen falschen Eindruck erweckte und den Sinn der von ihm gewollten Aussage verfälscht. Er hätte sich persönlich dafür entschuldigen können. Er hätte klarstellen können, dass militärisches Handeln zugunsten wirtschaftlicher Interessen für ihn nur dann akzeptabel ist, wenn durch widerrechtliche, gewalttätige Aktionen Dritter bestehende Handelswege oder Handelspartner Deutschlands bedroht sind. Und damit wäre es dann gegessen gewesen. Damit hätte er Größe gezeigt.
So bleibt aber der Nachgeschmack, dass seine Rücktrittsbegründung vielleicht doch nur ein Feigenblatt gewesen sein könnte und er militärisches Vorgehen zugunsten deutscher Wirtschaftsinteressen vielleicht doch über Fälle wie Atalanta hinaus gutheißt, auch wenn er es abstreitet. Den Gegenbeweis kann er nun nicht mehr antreten…
Grandiose Recherche, die sich ausschließlich auf Rivva als Quelle stützt. Das ist reif für die Printausgabe.
Ich habe die Meldung ebenfalls am 23. Mai aufgenommen, gebloggt (http://www.joergrupp.de/801/die-wahrheit-herausgerutscht/) und weiter verbreitet – getwittert und über eine Mailingliste. Die grüne Friedenssinitiative hat daraufhin die Meldung ebenfalls am 23.5. aufgenommen : http://blog.gruene-friedensinitiative.de/?p=348.
Also über die Mitwirkung und die Bedeutung der Blogs bei dem Rücktritt möchte ich keine Meinung äußern. Was mich viel mehr verstört, ist die Tatsache, dass die Äußerungen Köhlers bereits 2006 unter der großen Koalition im Weißbuch der Sicherheitspolitikolitik (und auch schon davor in den “Verteidigungsgrundsätzen von 1992) festgeschrieben wurden:
1. Zitat (S. 23): Interessen sind u.a. “den freien und ungehinderten Welthandel als Grundlage unseres Wohlstands zu fördern[...]”
2. Zitat (S. 19): “Deutschland, dessen wirtschaftlicher Wohlstand vom Zugang zu Rohstoffen, Waren und Ideen abhängt, hat ein elementares Interesse an einem friedlichen Wettbewerb der Gedanken, an einem offenen Welthandelssystem und freien Transportwegen.”
Daher sind die Äußerungen an sich nicht skandalös, sondern das Verhalten so mancher Medien und Politiker, die ihn daraufhin angriffen und im Falle der Blogs und Journalisten die fehlende Recherche/das fehlende Fachwissen.
Sicher darf man über die Person Köhler geteilter Meinung sein, aber die Art und Weise wie hier von den Medien und einzelnen Politikern skandaliert und die Äußerung hochgebauscht wurde, ist aus meiner Sicht unerträglich. Von den Interessen und Profiteuren hinter dieser (unorganisierten) “Aktion”, mit denen man sich (freiwillig/unwissend) verbündet, ganz zu schweigen.
Wir haben mit Horst Köhler gestern eine korrigierende Instanz der Regierung und der Tagespolitik verloren, die definitiv jetzt “stromlinienförmig” besetzt wird. Darauf gibt es keinen Grund Stolz zu sein, und auch nicht auf die Rolle der Blogs, die eben nicht die ganze Situation kritisch analysieren und hinterfragen konnten.
Schade.
Matthias
Ich vergaß:
“Aufrechterhaltung des freien Welthandels und des ungehinderten Zugangs zu Märkten und Rohstoffen in aller Welt im Rahmen einer gerechten Weltwirtschaftsordnung” – Verteidigungspolitische Richtlinien 1992
Matthias
Meiner Meinung nach schwang in der Kritik an Köhler auch eine Menge Heuchelei mit. Erst Kriegsschiffe ans Horn von Afrika schicken, damit die eben genau das tun, was Köhler angesprochen hat, nämlich die Handelswege sichern und frei halten, dann den Präsidenten dafür schelten, das er das offen ausspricht. Da frage ich mich wirklich, wieviel Heuchelei die Politik verträgt. Und ob da nicht einer der Gründe für die zunehmende Verdrossenheit liegen könnte.
@Gunnar
Es gibt einen gravierenden Unterschied zwischen dem Einsatz am Horn von Afrika und dem, was man aus den Aussagen Köhlers hätte schließen können. Letztere beinhalteten nämlich auch einen deutsche Beteiligung an einer Militäraktion der USA gegen Venezuela im Rahmen der Bündnisverteidigung, sollte die nächste US-Präsidentin Sarah Palin dem Land den Besitz von Massenvernichtungswaffen vorwerfen…
@ Mickie
Das hätte ich gerne mal mit einem Zitat belegt
Mit Horst Köhler verliert Deutschland einen der besten Bundespräsidenten, den es je hatte. Und das in einer Zeit in welcher man, mehr denn je, einen solchen Menschen an der Spitze unseres Staates braucht.
Einen Mann, der auch einmal den Mut hat nein zu sagen.
Was Herr Köhler ausgesprochen hat, entspricht eigentlich nur der Wahrheit.
Wie viele militärische Engangements wurden oder werden denn nicht aus wirtschaftlichen Gründen (im weitesten Sinne) geführt. Oder glaubt hier jemand, er ist bei der Heilsarmee.
Ich möchte mal sehen, was passiert, wenn die Deutschen ihren Gürtel tatsächlich enger schnallen dürfen.
Ich finde es nur mehr als bedauerlich, dass die deutschen Politiker Soldaten in Kriege schicken und es dem Wähler als Betriebsausflug verkaufen. Ganz davon zu schweigen, dass die Ausrüstung unserer Soldaten in Teilen mehr als unzureichend ist und wir hier zu oft auf die Hilfe unserer Verbündeten angewiesen sind.
Es wäre schön, wenn unsere Politiker mal die wahren Gründe nennen würden, warum sie schlecht ausgerüstete Soldaten in militärische Abenteuer schicken, deren Ausgang nicht immer vorhersehbar ist.
Es gab vor vielen Jahren mal ein Urteil, dass Soldaten potentielle Mörder sind.
Über Journalisten sollte es ein Urteil geben, dass sie potentielle Rufmörder sind.
[...] löste zunächst gar kein so großes Medienecho aus. Zunächst wurde es von Blogs thematisiert, wie Carta.Info beschreibt. Der Blog “Unpolitik.de” fragt am 22.5.: Unser Volk braucht [...]
Soso, Köhler war mit dem medialen “shit storm” überfordert. Es ist doch so: Wenn Köhler das gesagt hat was ihm unterstellt wurde, dann wäre der Rücktritt nur folgerichtig gewesen und müsste eigentlich einhellig begrüßt werden. Sowohl von den Blogs als auch von den Medien.
Letzendlich war es aber so: Es wurde eine missverständliche Äußerung aus dem Zusammenhang gerissen, die böswilligste Interpretationsmöglichkeit unterstellt – nur um eine Sau zu haben die man durchs Dorf treiben kann. Und jetzt reibt sich jeder verwundert die Augen und sagt – ja Moment, deshalb muss man doch nicht zurücktreten, dass machen wir doch immer so, das ist nun mal der Journalismus von heute, wir berichten nicht über Nachrichten, wir machen die uns selbst, dass hätte er doch einfach aushalten müssen.
Ja wieso eigentlich?
[...] ein Interview das I-Tüpfelchen gewesen sein, das den Rücktritt auslöste. Wie in dem Blog Carta vermutet wird haben Blogbeiträge maßgeblichen Anteil an dem Rücktritt des [...]
was für ein selbstverliebter Unsinn, der im eigenen Text schon wiederlegt wird…
“Die späte Thematisierung habe insbesondere auch mit dem Koch-Rücktritt zu tun. Der Deutschlandfunk habe auch sehr viele Hörerrückmeldungen zum Köhler-Zitat erhalten.
Nach dem Polenz-Interview wird das Köhler-Zitat in allen Massenmedien aufgegriffen.”
Ich bin mir wahrlich nicht sicher, ob die kolportierten Aussagen (und die vielen Übereinstimmungen der Blogger) tatsächlich zu dem Rücktritt geführt haben. Vielleicht hat diese Situation zu etwas geführt, was Köhler sowieso geplant hatte. Jetzt kann er zurücktreten hat dafür sogar eine Rechtfertigung – den wahren Grund kennt aber nur er (und einige Vertraute). Ich bin dagegen die Kommunikation an der Oberfläche als Wahrheit hinzustellen…
HG
Elke
[...] Eine nicht uninteressante Chronologie der Ereignisse ist hier nachzulesen: carta [...]
Unangenehmes wird von der Regierung schon lange verschwiegen, statt es aufzuklären. Und die deutschen Medien haben Angst davor die Wahrheiten zu berichten. Bleiben nur noch die Blogger und das Internet. Wer mehr über unangenehme Wahrheiten der Regierung Merkel erfahren möchte, der liest das Buch:
Angela Merkels Sünden !
Es ist – kostenlos – bei BookRix downzuloaden. Und es steht derzeit unter 27 000 Büchern auf Platz 5 der – am meisten – gelesenen Bücher.
[...] Horst Köhler: Ein Rücktritt unter Blog-Mitwirkung “Blogs haben damit in der Thematisierungskarriere der Köhler-Äußerung – und letztlich an seinem Rücktritt – einen nicht zu unterschätzenden Anteil. Köhlers Rücktritt ist damit zugleich auch ein Lehrstück von der steigenden Bedeutung von Blogs für die politische Öffentlichkeit.” [...]
[Rücknahme eines Rücktritts] Das könnte ein Politiker auch machen, ist in der Geschichte manchmal, vielleicht doch nicht selten, vorgekommen. Dazu braucht man einen anständigen passenden Rahmen und den guten Willen der Beteiligten.
Ich habe mich in meinem Blog schon letzte Woche mit Köhlers Interview beschäftigt und kam zu dem Schluss, dass man fröhlich in seine Aussagen hineininterpretiert hat, Sätze aus dem Zusammenhang riss und ihn einfach vorführen wollte. Heute habe ich mich mit seinem Rücktritt beschäftigt und frage mich, ob die Reaktionen auf das Interview der EINZIGE Grund für den Rücktritt war.
http://www.lust-und-frust.blog.de
Auch die Süddeutsche greift das Thema auf:
http://www.sueddeutsche.de/digital/ruecktritt-des-bundespraesidenten-koehler-der-schubs-des-blogosphaere-1.952716
[...] Horst Köhler: Ein Rücktritt unter Blog-Mitwirkung — CARTA Carta zeigt, wie das fragwürdige Köhler-Zitat zunächst in den Medien nicht weiter beachtet, wohl aber in Blogs thematisiert wurde. Die Diskussion im vormedialen Raum führt dann schließlich zur medialen Diskussion mit der bekannten Wirkung (tags: blogs politik themenkarriere) [...]
Na, da will ich doch auch mal die Macht der Blogs testen. Schaffen wir es bis zum 8.7.2010 für die folgende Petition 50.000 Mitzeichner zu motivieren? Übrigens ein Thema, das der ehemalige Bundespräsident (und viele andere auch) hätten befördern können.
Der Deutsche Bundestag möge beschließen, die Bundesregierung zu verpflichten, Parlament und Öffentlichkeit vierteljährlich sowohl in öffentlicher Sitzung des Bundestages als auch schriftlich in Form eines Afghanistan-Reports über die Ziele, Erfolge und Misserfolge des deutschen Engagements in Afghanistan zu informieren.
https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=11678
Wir Deutschen haben echt das Talent, Sätze kaputt zu diskutieren! Köhler hat sich eindeutig dafür ausgesprochen, dass nationale Interessen gewahrt werden müssen, sich jedoch dagegen ausgesprochen, offensiv Krieg zu führen. Was da in den Medien und der Politik draus gemacht worden ist – ist wieder typisch… ABER: Deswegen hat der erste Mann im Staat noch nicht das “Recht” einfach so abzudanken. Meines Erachtens ist da viel mehr im Busch – er hat lediglich einen Anlass gebraucht/gesucht… warten wir die nächsten Wochen ab…
[...] 15.16 Uhr: Waren am letzten Rücktritt eventuell sogar die Blogs im Internet [...]
Horst Köhlers Rücktritt
Von Wulf E. Bley
Horst Köhlers Rücktritt als Bundespräsident war eine mutige Abkehr von einer von ihm nicht mehr vertretbaren Politik seiner Steigbügelhalter Angela Merkel und Guido Westerwelle und keine Fahnenflucht, wie von bösen Zungen behauptet. Er verstand sich am Ende selbst nur noch als eine macht- und kraftlose Gallionsfigur der Politik. Ich vermute, dass ihm der Maulkorb, den er als Parteimitglied der mitregierenden CDU trug, unerträglich und geradezu schmerzlich eng geworden war. Als Bundespräsident, von Merkel und Westerwelle vor 5 Jahren in den Sattel gehoben, konnte und durfte er die aktuelle Politik nicht kommentieren, ohne befürchten zu müssen, trotz seines kritischen Sach- und Fachverstandes, zurückgepfiffen zu werden. Als Wirtschaftsfachmann und sozial engagiertes und für die Bürger verantwortliches Staatsoberhaupt konnte und wollte er vielleicht das 100 Milliardenpaket zur Rettung der Banken, das zweite 43 Milliardenpaket zur angeblichen Rettung Griechenlands und des Euros und das dritte Rettungspaket der EU ausschließlich zur angeblichen Rettung des Euros (in Wahrheit ging und geht es aber nur um die Rettung der Banken und Zocker) nicht in einem derartigen Schnellschussverfahren mittragen. Was konnte er tun? Wieder einmal ein Gesetz nicht unterzeichnen? Nein, nicht schon wieder. Sein Schweigen zu diesen und vielen weiteren aktuellen Fragen der Politik ist Beredsamkeit genug! Eine bloße Statistenrolle lag ihm nicht! Wie geht es weiter? Die Koalition wird aufgrund der Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung schon sehr bald einen willfährigen Nachfolger finden. Das Personalpoker um die Durchsetzung der Machtverhältnisse hat unmittelbar nach Köhlers Rücktritt begonnen. Aber in was für einer Gesellschaftskultur leben wir eigentlich, wo, – Pressefreiheit hin oder her -, mehr oder weniger mediengeile Prominente, gleich welcher Branche, gefeiert werden und unser Staatsoberhaupt durch unqualifizierte Meinungsmache durch die gleichen Medien verunglimpft wird?
Es ist stets wieder verwunderlich, wie sich diejenigen am heftigsten auf die Schulter klopfen, welche sich lediglich der Nichtigkeit Ihres Erfolges rühmen dürfen. Wer sich die Blöße gibt, mit unreflektierten und vorschnellem Urteil in Unkenntnis seiner defizitären Sach- und Fachkenntnisse (zum Köhler Zitat siehe u.a. Weissbuch des 2006), einen Würdenträger öffentlich zu defamieren, erweist sich im Zweifel nicht als legitimierter Kritiker und Wahrung der demokratischen Grundrechte.
Auch wenn ich der Meinung bin, dass sich alle politischen Institutionen, wie auch das Amt des Bundespräsidenten, unzweifelhaft dem öffentlichen Diskurs stellen sollen (müssen), vermisse ich zuweilen den angebrachten Stil und respektvollen Umgang mit dem politischen Andersdenkenden. Mir kommt es so vor, dass die Allgemeinheit wie auch die Akteure zur Bildung öfffentlicher Meinungen in Deutschland (und hier sei keiner ausgenommen) , nach wie vor dazu neigen, den falschen Ton (harsch und brüsk) anzuschlagen, zunehmend maßlos und hysterisch zu übertreiben, Andersdenkende entschlossen als Gegner zu betrachten und bei Kritik oftmals so feinfühlig zu reagieren, wie sie es nach eigener Schelte dem Gegenüber vorwerfen.
Es werden dann routiniert die unverhältnismäßig Redlichkeiten und oft die ans zynisch grenzende Interpretation üblicher Totschlagargumente angeführt, wie der Meinungsfreiheit, dem Recht der Öffentlichkeit auf Information oder immer wieder gerne “wer austeilen kann, muss auch einstecken können”. Wer genauer hinschaut, kann erkennen, dass darin aus der so vielbeachteten Aussenperspektive (und hier hilft ein längerer Blick aus dem Ausland) die Natur kämpferischer Konfrontation und nicht das Bemühen um demokratische Rechtschaffenheit steckt. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen.
Im politischen Konflikt, die als Diskussion daher kommen, werden Lager gebildet und Linien von Schützengräben gezogen, die jeden der nicht zwischen die Fronten kommen will, zwingen sich der einen oder anderen parteilichen Gesinnung anzuschliessen. Dann herrscht zuweilen ein- bis mehrwöchiger Ausnahmezustand – überhitzte Gemüter statt cooler Kopf – bis die Energien verbraucht haben. Wenn die verbalen Kämpfe und Wortgefechte geschlagen sind, folgt ein Waffenstillstand aber kein Frieden. Denn wer einwilligt gibt auf, verliert. Es geht scheinbar um alles oder nichts.
Wie so oft, verzetteln sich die Akteure noch in Neben- und Scheingefechte und glauben ernsthaft nur weil sie sich so leidenschaftlich und bis zur Selbstaufgabe für die Sache hingegeben, die Schlacht gewonnen zu haben. Doch das täuscht, denn statt eine tragfähige Lösung konstruktiv und mit ausgleichendem Verstand zu erarbeiten und zu realisieren, haben sie vielmehr ihre und die gegenerischen Kräfte aufgezehrt und politische Leere hinterlassen. Was folgt Stillstand. Der kleinste aller gemeinsamen Nenner, die sog. Lösung, geht dabei oftmals an der dringlichen Aufgabenstellung vorbei.
Eine Streit- und Debattenkultur, wie sie sich für eine gereifte Zivilgesellschaft empfehlen, ist für die Zukunft angesagt. Hier können wir die nötige Gelassenheit und das gewisse Maß an Verständnisbereitschaft von unseren älteren demokratischen Nachbarstaaten in Europa lernen. Oder wir überlassen den Wandel wie so oft mal wieder der nächsten Generation, da sich die aktuelle etablierte Generation nicht von liebgewonnenen Gewohnheiten und sturen Ansichten lösen mag.
Hierin unterscheiden sich die 68er oder vielleicht auch die 80er leider nicht von ihren Eltern, der sie, wenn auch zu Recht ideologische Verbortheit und Ignoranz vorgewerfen. In die gleiche Falle zu tappen, ist wohl menschlich, möglicherweise verständlicher Ausdruck der eigenen Fehlbarkeit, doch bei aller Aufgeklärtheit nicht akzeptabel.
Guten Tag!
Das heddesheimblog hat den Artikel hier kommentiert:
http://heddesheimblog.de/2010/05/31/haben-blogs-herrn-kohler-zum-rucktritt-bewegt/
Einen schönen Tag wünscht
Hardy Prothmann
[...] Außer ein paar aufmerksamen Hörern des DLF. Von denen zwei oder drei eben auch Blogger sind. Was aber zwei Blogger bewegt, bewegt schnell viele Blogger. Und plötzlich bewegt sich was, sogar der lahme Arsch aus seiner Präsidentenvilla [...]
Sorry, ich halte es für Hybris zu glauben, dass Blogger am Rücktritt Köhlers einen Anteil haben. Genauso gut könnte man schlußfolgern, der Kabarettist Georg Schramm habe den Rücktritt herbeigeredet – die Impertinenz, mit der er Köhler angriff, hatte schon obsessive Züge.
In der Aufzählung fehlt übrigens (wenn man schon Blogs thematisiert) der Eintrag des “tagesschau”-Blog vom 27.05.2010 mit dem Titel “Amnesie” (http://blog.tagesschau.de/?p=7850#more-7850). Hier nimmt Christian Thiels Oppermanns (und anderer) “Analyse” auseinander, Köhler hätte grundlegend Neues oder gar Grundgesetzwidriges gesagt. Er vergleicht seine Aussagen mit denen aus dem Bundeswehr-Weißbuch 2006 – beschlossen von der Großen Koalition. Der “Blogger” Jonas Schaible glaubt zwar vermutlich heute noch, dass Köhler hier weitergegangen ist, aber mehr als eine mißverständliche Äußerung Köhlers vermag ich nicht zu erkennen.
Köhler hatte es einfach satt; die Diskussion um sein DLR-Interview war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Sein Abgang ist des Amtes unwürdig, aber es waren eindeutig andere Kreise, die Köhler seit Wochen schon kleingeschrieben hatten – die SZ, SpON (Langguth: Das Schloßgespenst) und sogar Bannas in der FAZ.
Sorry, aber Ihr irrt alle – Grebe wars: http://www.youtube.com/watch?v=usgasTxZ-Os&feature=related
Ich find’s beeindruckend, daß es Bloggern gelungen ist, ein Thema zu kommunizieren, das die GEZ-Mafia und etablierte Journalisten totgeschwiegen haben, die es gewohnt sind, selbst Interviews noch devot zur Autorisierung vorzulegen. Irgendwann hat dann auch DER SPIEGEL gemerkt, daß sie mit dem Thema einen Coup landen, und letztlich hat die Militarisierung der deutschen Außenpolitik seit den 90ern ihre erste ganz große Niederlage erfahren. Daß einige Kommentatoren das hier kleinreden wollen, ist einfach nur armselig.
Mit Horst Köhler endet endlich diese schlimme deutsche nationalstaatliche Ära seit der Wiedervereinigung, mit der sich Merkel zuletzt noch in Europa blamiert hatte. Köhler hatte sein Eintritt in die CDU einen beachtlichen Aufstieg beschert, so daß er mit der DDR die Währungsunion von 1990 aushandeln und darüber für Helmut Kohl die ostdeutschen Wählerstimmen bei den ersten gesamtdeutschen Wahlen kaufen durfte. Dafür wurde er Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und war folglich mitverantwortlich für den Schattenhaushalt der Treuhandanstalt. Ausgerechnet Gerhard Schröder schickte ihn dann zum IWF, wo er Südamerika mit seiner neoliberalen Ideologie an den Rand der Zahlungsunfähigkeit getrieben hatte – Griechenland dürfte für ihn folglich ein Déjà-vu gewesen sein und die endgültige Isolation in seinem Amt eingeleitet haben.
Bereits 2005 hatte der australische Ökonom Steve Keen als erster vor dem bevorstehenden Zusammenbruch der Finanzmärkte gewarnt, als Horst Köhler bereits etwa ein Jahr Bundespräsident war, sich mit derartigen Warnungen problemlos hätte Gehör verschaffen können und sogar noch drei Jahre Zeit bis zum Zusammenbruch der Lehman Brothers Inc. gehabt hätte, um sich entsprechende Fachkenntnis zu verschaffen oder zumindest Berater auszusuchen, die tatsächlich Ahnung haben. Gemessen an seinem Anspruch, seine zweite Amtszeit in die Aufklärung der Finanzkrise zu stecken, war sein Rücktritt insoweit konsequent, weil ihn seine eigene Mitverantwortung zunehmend eingeholt hatte. Die Aufregung um dieses militaristische Geschwätz, das in seinen Wirtschaftskreisen zwar opportun gewesen sein mag, aber die breite Öffentlichkeit eher empört, war dann wohl doch nur ein Vorwand zum Rücktritt, weil sonst niemand offen zur weiteren Militarisierung der deutschen Außenpolitik stehen wollte und Köhler komplett isoliert war.
Bin mal gespannt, wie die Köhler-Krise demnächst wieder glattgelogen wird und ob Blogger sich auch der bevorstehenden Geschichtsfälschung entgegenstellen werden…
[...] about Mr. Köhler’s resignation is the role that the blogosphere played. The German blog carta.info reports that blogs contributed significantly to the criticism which led to the president’s decision. [...]
Neulich gabs eine eine Stelle beim Bundespräsidenten. Er suchte einen neuen Sekretär und Redenschreiber bis zum Ende der Amtszeit. Wer da wohl vorzeitig ausgeschieden ist? Auch war seine Frau beim Abtrittsgesuch anwesend, ist das nicht merkwürdig? Die Indizien geben noch keinen rechten Sinn, aber das ist alles eine Frage der Zeit.
Nehmen wir doch mal an, dass es um etwas ganz anderes geht. Der Vorfall von Smolensk ist manchen noch in Erinnerung. Dann Kochs extrem seltsamer Rücktritt. Irgendwas ist da im Busch. Kein Bundespräsident tritt wegen der Afghanistanbemerkungen zurück oder weil er saublöd angebloggt wird oder der Spiegel rumpöbelt. Die Wahrheit ist doch jedem bekannt, wir sind da in Afghanistan nur wegen den Amerikanern, nicht weil wir Wirtschaft da suchen. Übrigens ist der Horst Köhler in Polen geboren, hat also einen Migrationshintergrund.
Militärisch hat doch Deutschland gar keine Gebietsinteressen im Osten, und welche Seidenstrassen sollen denn da langführen zwischen den -stans, nach Westen wollen wir sowieso nichts und nach Osten, ausser die im zweiten Weltkrieg verloreren Teile Deutschlands Schlesien, Pommern Ostpreussen, aber das werden wir wohl kaum gewaltsam zurückerobern wollen von den Polen, die das heute verwalten, noch mehr blühende Landschaften, nein Danke, wir haben mit den neuen Ländern schon genug Spass! Afghanistan kann prinzipiell seine Wüstenschluchten beherrschen wie es will, keinen interessierts bei uns, wie der Afghane jenseits von Kabul sich zu den Taliban bekennt. Vor allem weil, du siehst das dem gemeinen Taliban ja auch nicht an, dass er ein Talban ist.
Hier geht es um eine Verschwörung, die vernünftig erklärt warum – und das ist ja wohl total irre!!!! – der Bundespräsident sich aus dem Amt macht. Die Wahrheit wird heraus gefunden werden, bei 911 gelang es nicht zu verschweigen. Denn die Wahrheit ist die Wahrheit, die kann man nicht verschweigen. Falls die Führungsriege Deutschlands demnächst bei einem Terroranschlag oder “Unfall” umkommt während Koch und Köhler Angeln sind… Einfach alle Puzzlestücke sammeln um hinter die Wahrheit zu steigen.
[...] carta.info [...]
@alsterpalais – Nr. 100 der Komentare:
Was willst Du eigentlich mitteilen? Deine Ergüsse weisen eher den Weg zur Selbstverliebtheit in der Bildung von Satzgebilden als zum konstruktiven Beitrag in dieser Sache..
HG
Elke
Und was kommt jetzt nach??? Mir schwands noch und bald graut’s mir!
http://img218.imageshack.us/img218/9954/stoppnotmypresident.png
In der Politik ist es wie in der Leichtathletik, es kommt immer auf den richtigen Abgang an.
[...] (siehe „Horst Köhler: Ein Rücktritt unter Blog-Mitwirkung“) hat den Bundespräsidenten gestürzt und nun haben wir den Salat. In allen Zeitungen heißt es, [...]
[...] Horst Köhler’s resignation isn’t only the first one by a federal president with immediate effect, but also one with significant blog participation. [...]
[...] … dass sie es bereits schaffen, einen Bundespräsidenten vom Thron zu stossen. [...]
[...] kritisch-angestoßene Stellungnahme im Interview des Bundespräsidenten zum Afgahnistan-Einsatz ist hier gut dokumentiert und verständlich nach zu verfolgen. Im Gegensatz zu einem Horst Köhler wusste [...]
Das Blog Unpolitik.de von Stefan Graunke greift die Deutschlandfunk-Meldung auf. Unter dem Titel “Unser Volk braucht Markt!” fragt Graunke:
Wirklich, Herr Köhler? Öffentlich zur Durchsetzung wirtschaftlicher Ziele durch militärische Gewalt aufrufen?
Bedenkenlos hat Herr Graunke in der Blog-Verbreitung einem wesentlichen Teil der Äußerung Horst Köhlers fast unmerklich einen politisch-tödlichen Drall versetzt: Man hat seine Worte von den “militärischen Mitteln” durch “militärische Gewalt” ersetzt. Darin steckt nicht weniger als Kabale.
[...] geltende Angie einzudreschen und im Internet stößt man nicht nur ins gleiche Horn, sondern mimt auch noch das [...]
[...] ganz nach oben auf die Agenda gesetzt als klassische Medien noch schliefen. So war es u. a. auf Carta zu lesen. Unpolitik.de, das Querblog, Fefe & Co identifizierten seine Aussagen als skandalös, [...]
Die Antwort des Generalbundesanwalts auf die Strafanzeige gegen Horst Köhler ist gestern eingetroffen:
http://bundeshorst.wordpress.com/antwortschreiben-des-generalbundesanwalts-auf-die-strafanzeige-gegen-horst-koehler
In der Aufzählung sollten nicht die Nachdenkseiten.de vergessen werden, welche bereits am 25. Mai dieses schrieb: http://www.nachdenkseiten.de/?p=5645#h15
Die Themen “Köhler und die Blogger” und “Uschi und die Blogger” wurden heute ausgiebig im DLF diskutiert (neben anderen verwandten). War teilweise ganz spannend. Als Pionier in der Sache Köhler wurde da Jonas Schaible genannt (der das ja selber zurückweist.)
http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2010/06/02/dlf_20100602_1915_dbb7fccd.mp3
[...] darf gespannt sein..dass die Blogosphäre dem alten Präsidenten Guildo Horn das Genick gebrochen haben soll, halte ich aber für plakative Selbstbeweihräucherung…ich halte es eher wie die [...]
Käßmann for President….
Eine Alternative wo man wenigstens noch darüber Lachen kann … wenn’s schon unbedingt einer Frau sein soll.
Den erbärmliche Rest hab ich so satt dass mir die Galle hochkommt.
http://yfrog.com/espestcholeraundtyphusj
Der LAndesverband der Bremer Linken hat am Montag den 24. Mai reagiert, die Stelle zitiert und eine Pressemitteilung herausgegeben:
http://www.dielinke-bremen.de/nc/politik/aktuell/detail/browse/1/zurueck/bremennews/artikel/es-wird-wieder-aeh-sozusagen-todesfaelle-geben-horst-koehlers-unbedachte-aeusserungen-in-masar-i/
[...] und http://carta.info/28218/horst-koehler-ein-ruecktritt-unter-blog-mitwirkung/ [...]
[...] Mitschreiben: Was digital im Netz steht, vervielfältigt sich, teilweise rasend schnell. Deshalb versenden sich kritische Stimmen auch nicht wie im Radio, sondern es gibt den Streisand-Effekt. Was einmal draußen (online) ist, kommt nicht [...]
[...] CARTA – Horst Köhler: Ein Rücktritt unter Blog-Mitwirkung [...]
Rücktritt ist doch legitim. Allerdings zwängt sich mir der Verdacht auf, dass hinter den Kulissen einiges im Argen ist, denn nur dann kann ich einen sofortigen Rücktritt nachvollziehen. Kanzlerin und Präsident residieren so nah und werden ja wohl miteinander kommunizieren, wenn beide ernsthaft Deutschland führen wollen. Deshalb erscheint mir die Unwissenheit des Kanzleramtes vorgetäuscht. Irgendwann werden wir sicher erfahren was hinter den Kulissen abgelaufen ist. Wenn es denn doch so überraschend gekommen ist, werden wir von einer absolut unfähigen Regierung geführt, die nicht weiss was im Lande abgeht. Armes Deutschland – quo vadis?!!
Horst Köhler geht in die Wirtschaft: http://horst-kohler-consulting.de
http://www.taz.de/1/netz/netzkultur/artikel/1/wie-die-horst-koehler-satire-verschwand/
blöder Tippfehler im ersten Kommentar… oe natürlich…
Horst Köhler geht in die Wirtschaft: http://horst-koehler-consulting.de
http://www.taz.de/1/netz/netzkultur/artikel/1/wie-die-horst-koehler-satire-verschwand/
[...] weiter, sodass die Debatte dann doch ihren Weg in die Leitmedien fand – so zeigt es zumindest carta.info. Hätten einige Blogger das Interview nicht intensiv diskutiert, hätte es womöglich den [...]
[...] In letzter Zeit treten Blogs immer stärker und präsenter als Verbreiter von Material öffentlichen Interesses auf, helfen mit, dass eine ganze Regierung abgewählt und deren Skandale aufgedeckt werden (www.wir-in-nrw-blog.de) oder sorgen sogar für den – bisher einmaligen – Rücktritt eines Bundespräsidenten. [...]
[...] gestürzt und Ursula von der Leyen als Bundespräsidentin verhindert zu haben – oder zumindest einen wesentlichen Beitrag geleistet zu haben. Jetzt wollen Sie Joachim Gauck wählen. Ganz so einfach ist es [...]
[...] gestürzt und Ursula von der Leyen als Bundespräsidentin verhindert zu haben – oder zumindest einen wesentlichen Beitrag geleistet zu haben. Jetzt wollen Sie Joachim Gauck wählen. Ganz so einfach ist es [...]
[...] (130 Flattr/ 18) 16 Netzpolitik: Interview mit Peter Sunde über Flattr (120 Flattr/ 19) 17 Carta: Horst Köhler: Ein Rücktritt … (113 Flattr/ 20) 18 Stefan Niggemeier: Verlegerkampf … (108 Flattr/ 21) 19 Spreeblick: “… [...]
Bitte mal bloggen, dass EU Abgeordneten Zuschläge auf 20.000€, also in 2010 und 2011 um je 1.500€ erhöht werden sollen. In Zeiten des Sparens für “den Rest” der EU Bürger. Begründung: Erhebliche Mehrarbeit durch die LIssaboner Verträge.
M.E. das falsche Zeichen zur falschen Zeit und 3.000€ mehr, machen den Einzelnen Abgeordnetetn auch nicht unbedingt leistungsfähiger und glücklicher, den Durchschnittsverdiener aber ggf. schon…
[...] oh was taumelte unser Land…(schon wieder) Führerlos… oioioioi… Wie konnte man es auch wagen, die Äußerungen des Bundespräsidenten für bare Münze zu nehmen? Vielleicht [...]
KEK-Studie: Twitter und Facebook haben Meinungsmacht – wir wissen aber nicht welche…
Die “Kommission für die Ermittlung der Konzentration im Medienbereich” legt mit einer Studie nahe, dass Blogs vornehmlich abschreiben und Twitter für die Meinungsbildung kaum relevant sei. Statt auch die Chancen des Netzes aufzugr…
[...] Blogs haben zur Problematisierung der Köhler-Äußerungen maßgeblich beigetragen. Carta dokumentiert die Karriere einer Thematisierung. (http://carta.info/28218/horst-koehler-ein-ruecktritt-unter-blog-mitwirkung/) [...]
Selbstverständlich haben die Blogger einen entscheidenden Faktor für den Rücktritt dargestellt. “Volkszorn” wird eben nicht über die BILD Zeitung transportiert!
[...] (130 Flattr/ 18) 16 Netzpolitik: Interview mit Peter Sunde über Flattr (120 Flattr/ 19) 17 Carta: Horst Köhler: Ein Rücktritt … (113 Flattr/ 20) 18 Stefan Niggemeier: Verlegerkampf … (108 Flattr/ 21) 19 Spreeblick: “… [...]
Sozial Media bekommt grosse Bdeutung.
Meiner Meinung nach, blogs haben mehrere Faktoren fuer den Ruektritt dargestellt.
Eine gelungene Zusammenfassung. Hatte gar nicht mitbekommen was für eine große Rolle die Blogs in diesem Zusammenhang gespielt haben.
Dieses Beispiel zeigt eindrucksvoll, wie wichtig blogs in der Nachrichtenlandschaft geworden sind.
[...] machen die das alles im Auftrag der guten Sache, ihrer Geldbörse. Zwar sind diverse im Internet bloggende Anwälte anderer Meinung, aber man soll nicht die Findigkeit von diesen *deftige Beleidigung bitte [...]
[...] Mitschreiben: Was digital im Netz steht, vervielfältigt sich, teilweise rasend schnell. Deshalb versenden sich kritische Stimmen auch nicht wie im Radio, sondern es gibt den Streisand-Effekt. Was einmal draußen (online) ist, kommt nicht [...]
[...] machen die das alles im Auftrag der guten Sache, ihrer Geldbörse. Zwar sind diverse im Internet bloggende Anwälte anderer Meinung, aber man soll nicht die Findigkeit von diesen *deftige Beleidigung bitte [...]