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Wolfgang Michal

Volljournalismus. Wie die FAZ Peter Kruse erledigt

Wolfgang Michal | 71 Kommentar(e)


An manchen Tagen (vor allem an Wochenenden) hat man den Eindruck, als gäbe es im Feuilleton der FAZ kein anderes Thema mehr als Internet-Bashing.

16.05.2010 | 

Am vergangenen Samstag veröffentlichte das FAZ-Feuilleton ein ganzseitiges Porträt* des „Netzwerkpapstes“ Peter Kruse. Der Bremer Unternehmensberater und Psychologe war im April einer der Hauptredner auf der Berliner Internet-Konferenz re:publica gewesen. Vielen „digital natives“ und „digital immigrants“ ist er durch seine angenehm unaufgeregte, ja positiv gestimmte Analyse des Internets bekannt geworden. Er ist, könnte man sagen, der Gegenspielerpapst zu Frank Schirrmacher.

Wie würde ein solcher Mann im FAZ-Feuilleton wohl behandelt werden? Ich meine, er hätte es wissen müssen.

Schon die Überschrift – „Der Vollweise“ – geht über die sonst übliche feingeistige FAZ-Ironie hinaus. Denn wer die ganze Geschichte gelesen hat, wird schnell begreifen, dass das Wortspiel mit der Vorsilbe „Voll“ eine völlig andere Assoziation hervorrufen soll.

Mit derart perfider Herabsetzungs-Technik arbeitet das ganze Stück. Oft werden anonym bleibende „Kommentatoren“ oder „Blogger“ oder namenlose „Twitterer“ zitiert. Aus der Unaufgeräumtheit des Bremer Firmensitzes wird auf das unordentliche Wesen des Porträtierten geschlossen. Absatz für Absatz wird Peter Kruse „entlarvt“ als oberflächliches, unseriöses Plappermaul, das seinen Lebensunterhalt mit den immer gleichen billigen „Versatzstücken“ verdient. Das FAZ-„Porträt“ liest sich wie ein Vernichtungsversuch. Und dieser Versuch hat eine Vorgeschichte.

Im November letzten Jahres hatte sich Peter Kruse in der Süddeutschen Zeitung die Freiheit genommen, Frank Schirrmachers Buch „Payback“ (insbesondere dessen kulturkonservative, alarmistische Grundhaltung gegenüber dem Internet) zu kritisieren. „Herr Schirrmacher“, sagte Kruse im SZ-Interview, „begeht in seinem Buch einen erstaunlichen Denkfehler durch die Einseitigkeit der von ihm gewählten Perspektive: Er betrachtet die digitale Welt ausschließlich aus dem Blickwinkel einer Person, die das Geschehen als distanzierter und bewertender Beobachter erlebt. Wer sich nicht selbst in den Netzwerken bewegt und sie als eine schwer zu ertragende Kakophonie empfindet, der fühlt sich logischerweise schnell überfordert und vielleicht sogar aggressiv belästigt. Mit seinem Buch outet sich Herr Schirrmacher als fremdelnder Netzwerk-Besucher, als Zaungast, der einer wilden Party gleichermaßen neugierig wie irritiert aus der Ferne zuschaut.“

Dieser fremdelnde Zaungast war Frank Schirrmacher dann auch auf der Berliner re:publica – während drinnen Peter Kruse „wie ein Popstar“ gefeiert wurde. Das kränkt. Das kann man verstehen.

Aber muss man einen anders Denkenden (und vielleicht zu Unrecht Gefeierten) gleich dermaßen in die Pfanne hauen und herabwürdigen? Der Eindruck, den das FAZ-Porträt von Peter Kruse vermittelt, ist eindeutig: Hier arbeitet ein windiger Scharlatan, der sich zum Internet-Experten aufbläst, aber in Wirklichkeit kaum gefragt ist und von echten Experten sowieso nicht ernst genommen wird. Die einzigen, die einen solchen Blender nicht durchschauen, weil sie seinem messias-, guru- und darwinhaften Moses-Charme erliegen, sind die strunzdoofen Blogger von der re:publica. Zitat: „Aber der Guru zaubert seinen Zuhörern einen unbestimmten Glanz in die Augen und verleitet sie zu einer Erleuchtungsrhetorik, die bei einer doch eigentlich intellektuell ausgerichteten Diskussion seltsam anmutet. So wird Kruse zum Religionsstifter, nach dem man süchtig wird.“

Nichts gegen harte Kritik im Feuilleton. Aber hier ist die Grenze zur Demütigung überschritten. Hier wird eine (einstmals) große Zeitung für eine kleinkarierte und lächerliche Abrechnung benutzt.

Und damit schalten wir um zu unserem Kollegen Wolfgang Blau.

.

*Online ist das „Porträt“ sinnigerweise nur für FAZ-Abonnenten frei zugänglich. Alle anderen müssen 2 Euro zahlen.

Update 19.5.: Jetzt auch online frei zugänglich.

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71 Kommentare

  1. noName |  16.05.2010 | 20:07 | permalink  

    Als analoge und digitale Leserin kann ich bei solch unsachlichen Ausführungen nur mit dem Kopf schütteln. Da kommt mir ein FAZ-Abo nicht in die Tüte.

    So einen Schmarrn kann kein Normaldenkender ernst nehmen. Was für Eitelkeiten/Komplexe im Print doch ausgetragen werden.

  2. noName |  16.05.2010 | 20:49 | permalink  

    Ich vergaß: Gutes Posting und ein lesenswerter Beitrag von Herrn Blau, welcher den Gedanken der Kooperation von ÖR und Print aufgreift. Noch weitergehend wäre die Umstrukturierung der ÖR zu einer „Anstalt der öffentlich-rechtlichen Medien“.

  3. VolkerK |  16.05.2010 | 20:54 | permalink  

    Ein sehr schöner Kommentar, ohne Blatt vor dem Mund.
    Dass die FAZ den Text online hinter einer Paywall versteckt ist doppelt positiv: Über Texte, die derart verborgen werden, regt die Netzöffentlichkeit nur noch mehr auf – und so kann der Text Peter Kruse im Netz nur bei denjenigen diskreditieren, die sich “schon immer sowas gedacht haben”.
    Die FAZ scheint Angst zu haben wie der Teufel vor dem Weihwasser, dass der Artikel inhaltlich auf- und angegriffen wird.
    Das passt hierzu: http://twitter.com/VolkerK47918/statuses/14114085965
    “Manchmal, wenn Kollegen einen fragen, worüber man grade lacht, merkt man, wie schwierig es ist, Sterblichen Twitter zu erklären.”
    Oder, in diesem Fall, Frank Schirrmacher das reale Internet.

  4. uniquolol |  16.05.2010 | 20:57 | permalink  

    “…Hier arbeitet ein windiger Scharlatan, der sich zum Internet-Experten aufbläst, aber in Wirklichkeit kaum gefragt ist und von echten Experten sowieso nicht ernst genommen wird. (..)
    Aber der Guru zaubert seinen Zuhörern einen unbestimmten Glanz in die Augen und verleitet sie zu einer Erleuchtungsrhetorik, die bei einer doch eigentlich intellektuell ausgerichteten Diskussion seltsam anmutet….”

    Besser und treffender kann man das wohl nicht formulieren, Kaiser Kruse ist nackt, bzw. nackter als nackt! Da nützt auch die Schirrmacher-Dolchstoßlegende nichts, der ist auch nicht besser gekleidet.

  5. Lena |  16.05.2010 | 21:28 | permalink  

    Der Beitrag passt schon wunderbar – in die Reihe seltsamer Blogger-Portraits, zu Schirrmachers Buch, zumindest kann man der F.A.Z. keine Abweichung von ihrer Linie vorwerfen. Gut, und was deren Selbstverständnis angeht – “dahinter steckt immer ein kluger Kopf” – was man, glaube ich, gemäß den F.A.Z.-Aussagen der letzten Monate von den meisten Monitoren nicht behaupten kann :-)
    Wären wir bei Twitter, stünde hier jetzt wohl noch: #fail.
    Gut, dass wir nicht bei Twitter sind.

  6. David |  16.05.2010 | 21:46 | permalink  

    Der FAZ-Text von Edo Reents bietet tatsächlich einige unsachliche und ungerechte Gemeinheiten und ist durch die Schirrmacherdebatte vielleicht überdeterminiert.

    Aber machen wir mal das Gedankenexperiment, er würde ein pessimistisches Internetlamento à la Andrew Keen oder Susanne Gaschke verbreiten. Er wäre durch alle Blogs lautstark in die Pfanne gehauen worden. In Sachen Herabsetzungstechnik geben sich beide Seiten (die es so ja gar nicht gibt) nicht viel.

    Dass Peter Kruse eher durch seine Qualitäten als charismatischer Internetversteher als durch eine gute Analyse besticht (seinen Netzwerkbegriff z.B. finde ich viel zu unspezifisch), war jedenfalls auch mein Eindruck von seinem Republica-Vortrag. Bei den Unmengen an Begeisterungstweets zu seinem Vortrag hatte man tatsächlich den Eindruck, dass da gerade ein religiöses Erweckungserlebnis stattfindet und das Unbehagen daran habe ich genauso empfunden. Das zumindest finde ich in dem Artikel sehr gut dargestellt.

  7. Ulrike Langer |  16.05.2010 | 21:55 | permalink  

    Man kann förmlich sehen, wie sich die netzaufgeschlossenen Redakteure der FAZ winden, so peinlich muss ihnen sein, was sich das netzfeindliche Feuilleton da mal wieder geleistet hat. Das ist Kampagnenjournalismus, wie ihn “Bild” üblicherweise auch nicht schlimmer fabriziert. Nur liest sich das bei der FAZ natürlich viel pseudo-intellektueller. Gunnar Sohn hat sich übrigens die lesenswerte Mühe gemacht, die Vorwürfe in der FAZ detailliert durchzugehen:
    http://gunnarsohn.wordpress.com/2010/05/15/zwischen-luftgitarren-und-zauberberg-faz-ostfriese-reents-zerstuckelt-den-netzwerk-experten-professor-kuse-zerhackt/

  8. Alexandra G. |  16.05.2010 | 23:33 | permalink  

    Eine absolut unfassbare Stelle in dem Text lautet (Herr Michal, ich dachte, das würden Sie auch aufgreifen)

    “In der Regel werden von Nextpractice weniger als zweihundert Personen befragt; dafür wird das mit dem Attribut ‘qualitatives Interview’ versehen – als hätten alle anderen Interviews keine Qualität.”

    Autor Reents kennt offenbar nicht einmal den unterschied zwischen quantiativer und qualitativer Sozialforschung.

    Ich bin komplett entsetzt.

  9. Martin Lindner |  17.05.2010 | 00:05 | permalink  

    hm, ganz so einfach ist das nicht. der artikel scheint tatsächlich eine polemische breitseite zu sein, und mit detaillierter analyse hat sich Reents offenbar nicht aufgehalten. aber das bedeutet eben nicht, wie auch @David oben kommentierte, dass alle kritischen anmerkungen zu Kruse von vorherein majestätsbeleidigung sind.

    Wolfgang Michals entgegnung hier ist selbst ein wenig oberflächlich, wie auch Ulrike Langers kommentar. (und ich schätze beide sonst sehr.) mehr über reents’ vorwürfe erfährt man bei
    http://stefan63.blogspot.com/2010/05/faz-ledert-gegen-peter-kruse-ab.html

    und ich habe in diesem schnellen buzzpost mal versucht, das eigentliche problem zu skizzieren, das kruse, den ich mag, tatsächlich hat:

    http://www.google.com/buzz/martin.lindner/38k6kfKwHB4/offenbar-hat-edo-reents-in-der-aktuellen-FAS

  10. Chat Atkins |  17.05.2010 | 00:29 | permalink  

    Ich habe das Glück gehabt, Peter Kruse vor einigen Jahren bei mir in einem Lehrgang erleben zu dürfen. Der Mann hat den Lehrgang umstandslos um den Finger gewickelt. Er ist ein Charismatiker im besten Sinne des Wortes, deshalb, weil er stets ehrliche und aufgeklärte Ziele mit großem psychologischen Können verfolgt. So, wie Beteiligte es jetzt auch auf der re:publika erlebt haben. So jemanden brauchen wir, so jemanden braucht das Netz – völlig klar.

    Einem Frank Schirrmacher passiert all dies dagegen nicht, er ist eher uncharismatisch, wenn er ‘live’ auf Gruppen von Menschen trifft. Er wirkt nur aus einer bereits verschriftlichten Ferne, als Buch oder Föjetong. Ein solches Defizit verletzt persönlich natürlich, wen man sich selbst eine gewisse Flughöhe zuschreibt.

    Was jetzt in der Folge retourkutscht, ist billiger Schwanzvergleichs-Journalismus, vermute ich mal … wer hat die Macht über die Köpfe?

  11. Ulrike Langer |  17.05.2010 | 07:01 | permalink  

    @Alexandra G.

    Ich habe es in meinem Kommentar nicht erwähnt, aber auch gedacht: An der Stelle mit dem “qualitativen Interview” kann man den FAZ-Text eigentlich beiseite legen. Der Autor outet sich als Laie – mit Lücken in der Allgemeinbildung. Wenn aber jemand, der von der Materie so offensichtlich keine Ahnung hat, sich so weit aus dem Fenster hängt, stecken andere Motive dahinter. Wohl nirgendwo in der überregionalen Presse kann man die verzweiflten Rückzugsgefechte eines nicht mehr zeitgemäßigen Journalismuskonzepts so deutlich beobachten wie im Feuilleton der FAZ.

  12. Guten Morgen | Too much information :: toomuchinformation.de |  17.05.2010 | 08:06 | permalink  

    [...] Bei Carta regt man sich sehr über ein Portrait von Peter Kruse in der FAZ auf. Darin versucht Edo Reents mehr wollend als überzeugend den auf der Republica gefeierten Psychologen und Unternehmer als Hochstapler zu enttarnen: [...]

  13. Martin Lindner |  17.05.2010 | 09:08 | permalink  

    es stimmt wohl, dass der FAS-artikel extrem polemisch ist. und der lapsus mit der “qualitativen” forschung ist unverzeihlich. wenn ich zwischen Schirrmacher und Kruse wählen müsste, würde mich auf Kruses seite stellen. trotzdem: er ist auch selber schuld. dieser angriff macht sich blößen zunutze, die Kruse selbst sich gegeben hat. sein theoretisches fundament, dessen wissenschaftlichkeit suggeriert wird, ist zu schwach für jemand, der überall betont als “Professor Kruse” auftritt. der cocktail aus hirnforschung (“limbisches system”), “kollektiver intelligenz”, “selbstorganisierenden netzwerken” usw. balanciert immer haarscharf an der grenze zwischen gerade noch vertretbar und windiger management-theorie.

    ich mag Kruse, wie die meisten. er meint es ernst, er ist ein brillanter redner. er hat irgendwie recht. aber das reicht nicht, wenn er die stelle als repräsentant des web gegenüber den mainstream-medien besetzen will.

    dann wäre es gut, sich eine brauchbare und seriös vertiefte theorie zuzulegen, mit ausgiebigem gebrauch von ockhams rasiermesse. es wäre gut, auf den forcierten professoren-nimbus zu verzichten (der übrigens durch understatement eher wirksamer wird,) und auf alle branchenüblichen nebelkerzen der management-theoretiker a la Horx. wer sich solche solche blößen gibt, spielt den gegnern in die hand. und das ist kontraproduktiv für den web-diskurs, der in deutschland noch zwischen schwarm-theorie und schwärmerei changiert und mehr intellektuelle härte dringend nötig hat.

  14. pyrrhussieg |  17.05.2010 | 09:24 | permalink  

    Ich habe die FAZ am Samstag seltsamerweise* auch gelesen, besser gesagt: nur diesen Artikel. Beim Lesen fragte ich mich immer: Welches Nachrichtenkriterium erlaubt es diesem Redakteur, diesen Herren derart rufmordend zu portraitieren? Ich kannte Kruse vor diesem Artikel nicht einmal und nur weil er auf der Re:Publica so prominent platziert war, das war mir irgendwie zu wenig. Aber dank dem Hinweis auf das SZ Interview kann ich es nun nachvollziehen. Das passt wirklich gut ins Bild des unglaublich eindimensionalen Frank Schirrmacher. (Der im Übrigen eigentlich auch nur eine billige Kopie von Nicholas Carr ist.)

    ____
    * Die FAZ ist mir im Hotel in die Hände gefallen. In der Regel blättere ich sie komplett durch und finde nicht einen einzige Artikel, der über das tradionell eingejazzte Maß an Langweiligkeit herausgeht.

  15. Andreas |  17.05.2010 | 09:34 | permalink  

    ob ein Angriff auf einen Unternehmensberater schon ein Angriff aufs Internet ist? Na ja. Ich hab den Artikel eher wie ein Stueck Sozialgeschichte gelesen aus einer Zeit wo neue Gurus gebraucht werden. aber es hat auch sein Gutes. Carta kann njcht mehr angegriffen werden.denn die rechnung heisst ja, FAZ angreifen, dann kann man von der FAZ nicht mehr angegriffen werden, weils eine Retourkutsche waere. jetzt muesste eigentlich auch noch Sascha Lobo gebunkted werden, denn dessen Angriff stand ja sogar im Spiegel und nicht nur online bei SZ.de.

  16. Tim |  17.05.2010 | 09:38 | permalink  

    Der FAZ-Artikel war unangemessen, klar. Allerdings begreife ich den Guru-Status von Peter Kruse ebenfalls nicht. Ich habe noch nichts Bahnbrechendes von ihm gelesen oder gehört.

  17. Stefan |  17.05.2010 | 09:55 | permalink  

    Die FAZ betreibt kein Internetbashing, dort schreiben Constanze Kurz und Frank Rieger, mspro und David Gelernter und auch Schirrmachers Buch sollte man mal lesen: das hat nichts, aber auch gar nichts mit dem zu tun, was hier als Technikfeindlichkeit beschrieben wird. Kruse ist nicht das Internet und Carta auch nicht – Moment mal: hat nicht die FAZ vor ein paar Wochen Carta angegriffen? Und dann wäre das jetzt die Retourkutsche?´. Ich habe den Text von Reents gelesen und finde ihn überhaupt nicht angmessen. Der Auslöser ist erkennbar die Kruse Verherrlichung auf der re:publica (/und auf Carta). Ich find es gut, wenn Journalisten diese Strömungen ernst nehmen – Kruse war ja im Grunde trivial – und sie kritisch hinterfragen, wenn sie so religiös werden wie im Falle Kruse. Und wenn auf dessen Homepage Kofi Annan grüsst und Unternehmen aufgeführt werden, die ihn gar nicht kennen, dann ist das ein schönes Beispiel für die grosse Berater-Show.

  18. jokahl |  17.05.2010 | 10:35 | permalink  

    Dieses wechselseitige Gelästere von Printmenschen über Blogger, von Netzmenschen über Zeitungen, von selbsternannten Gurus über selbsternannte Oberdenker wird langsam anstrengend. An alle: Bitte damit aufhören.

  19. Tharben |  17.05.2010 | 10:48 | permalink  

    Finde ich jetzt nicht so spannend. Steht halt im FAZ-Feuilleton – würde man da etwas anderes erwarten? Okay, die Vehemenz und die Beharrlichkeit, mit denen gutgläubige FAZ-Leser – gibt es die? – mit Fortschritts- und Kommunikationstechnikfeindlichkeit indoktriniert werden, nötigen Respekt ab.

    Noch ein passendes Beispiel, wie die verknöcherten Herren der FAZ auf die digitale Welt blicken: BILDBlog über FAZ: Größere Ego-Probleme

  20. uniquolol |  17.05.2010 | 11:34 | permalink  

    @David:
    „…Dass Peter Kruse eher durch seine Qualitäten als charismatischer Internetversteher als durch eine gute Analyse besticht…“

    So ist es! Der klassische Charismatiker kann seine Qualitäten nur in der mündlichen Rede voll zur Geltung bringen, in Schriftform versagen diese Mittel, wie man im Interview mit Carta sehen kann. Hier reiht sich Plattitüde an Plattitüde. Was in der pausenlosen Rede als „…grandioser Vortrag (carta)…“ erscheint, wird beim gemütlichen Lesen schnell entzaubert. Auch die Kommentatoren dieses Interviews können nicht mitteilen, worin die Genialität von Kruse eigentlich besteht…
    http://carta.info/24656/schwimmen-nicht-filtern-peter-kruse-im-interview/

    Es ist schon bedenklich, wie wichtig in der Blogosphäre – Gurus und Autoritäten – geworden sind, das kommt doch alles ziemlich altbekannt daher. Da nutzt auch das endlose Gerede von der Neuartigkeit des Netzes nichts, wenn der User in der deutschen Untertanenmentalität zu Hause ist. Vordenker haben nur da Erfolg, wo das Nachdenken schon längst eingestellt wurde.

    Aber man wird ihm weiter zujubeln, wenn er mitteilt:

    „…Das Internet erzwingt einen ehrlichen Umgang mit Kompetenz. Das gilt natürlich auch für die Nutzer. Wer Macht übernimmt, übernimmt Verantwortung. Wir sind verantwortlich für das, was wir ins Netz stellen und für das, was wir aus dem Netz übernehmen. Deshalb noch mal: Die Verbesserung von Bildung ist gegenwärtig eine Aufgabe höchster Priorität. Das Netz ist nur so klug wie sein mittlerer User…“

    Applaus!

  21. Thomas Maier |  17.05.2010 | 12:22 | permalink  

    Die FAZ hat natürlich nicht ganz unrecht. Trotzdem geht eine solche Behandlung zu weit.
    Das heißt nicht, dass das Netz besser wäre. Was auf Twitter Schirrmacher entgegenschlägt, ist zum großen Teil auch einfach nur Blödsinn und Polemik (und wird gerade von den Wortführern der progressiven Seite der Debatte geschürt: Sixtus, Glaser Knüwer und Co.) aber das heißt nicht, dass es die FAZ selbst nun auch so machen muss.
    Anstatt, dass mal alle Diskutanten an einem Strang ziehen, ziehen sie wieder einmal in entgegengesetzte Richtungen. Und dabei haben alle irgendwie die selbe Richtung eingeschlagen.

  22. Hannes Klöpper |  17.05.2010 | 13:01 | permalink  

    Das hat die FAZ ja mal wieder fein hinbekommen. Wegen der Bezahlsperre bin ich nicht in der Lage mich mit dem ursprünglichen Artikel und seiner Argumentation direkt auseinanderzusetzen. So hatte ich nicht die Möglichkeit diese zu prüfen und las stattdessen: http://gunnarsohn.wordpress.com/2010/05/15/zwischen-luftgitarren-und-zauberberg-faz-ostfriese-reents-zerstuckelt-den-netzwerk-experten-professor-kuse-zerhackt/
    Danach hat man dann noch weniger Lust 2 Euro für den FAZ-Artikel zu bezahlen und hakt ihn ab. So schafft es die FAZ auch bei Ihrer Kernzielgruppe – studiert und “aus gutem Hause” – zunehmend als schlicht irrelevant wahrgenommen zu werden.

    Der rasante Verlust an Deutungshoheit ehemaliger Leitmedien hat seine Bereichtigung. Derart unsachliche Artikel beschleunigen ihn. Vielen Dank Herr Schirrmacher!

  23. Chat Atkins |  17.05.2010 | 13:05 | permalink  

    @ uniquolol: Weshalb wohl galt über Jahrhunderte die Rhetorik als die erste Wissenschaft? Und eben nicht die Literatur? Willi Brandt, um mal einen anderen dieser letzten ‘Charismatiker’ zu nennen, der las sich gedruckt auch gar nicht so toll.

    Die große Frage ist: Warum ist dieser Typus so selten geworden? Wir haben heutzutage nur noch die Hormonkitzler und Seifenkistenredner à la Westerwelle oder Haider, die aus Eitelkeit und für ein wenig Applaus ihre Großmutter verraten würden, vor allem aber ihre Grundsätze. Das Bedienen der Erwartungen im Publikum wiederum hat mit Charisma nichts zu tun. Der Charismatiker hat die große Gabe, Ansichten zu ändern, und nicht die Instinkte zu bedienen …

    Hier noch ein Beispiel für einen dieser durch Rednergabe ausgezeichneten Menschen, die ohne Manuskript Gedanken über die Langstrecke verfolgen können, ohne jede Prätension oder billige Polemik:

  24. Wolfgang Michal |  17.05.2010 | 13:11 | permalink  

    @David/Thomas Maier
    Ja, ich mag es auch nicht, wenn im Netz diffamiert oder gepöbelt wird (selbst wenn ich in Rechnung stelle, dass die FAZ und ein Blogpost oder ein Tweet etwas anders gewichtet werden müssen). Es geht mir hier auch nicht um eine Bewertung des Werks von Peter Kruse. Ich bin nur der Meinung, dass sich ein Journalist, wenn er ein Porträt schreibt, einer Person mit Neugier, Offenheit und Interesse nähern sollte, sonst wird es nämlich kein Porträt. Mich stört auch, dass sich dieses Porträt fast ausschließlich aus Sekundär-Quellen speist.
    Eine polemische Auseinandersetzung (auch die ist selbstverständlich erlaubt) sollte nicht im Gewand eines Porträts daherkommen.

    @Alexandra
    Diese Vermischung von Äpfeln und Birnen (repräsentative Befragung vs. qualitative Befragung, letztere übrigens sehr häufig verwendet bei Copytests in der Medienbranche) war ein Punkt, der mich zur Reaktion mit veranlasst hat. Im Kern ging es mir aber um die miese Form der Auseinandersetzung.

  25. Thomas |  17.05.2010 | 13:22 | permalink  

    @Michel: Ich lese den Text eben ganz anders. Finde ich ihn auch gar nicht hämisch, sondern eine interessante Studie über einen symptomatischen Guru. Der TExt ist auch nicht nur negativ, ich spüre da sogar Sympathie und vor allem Offenheit. Was Sie schreiben ist extrem irreführend. So besteht ja der Text aus ganz vielen Primärquellen, Kruse selbst und eine ganze Reihe von Formen, Kuri, ZDF etc. Die Twitterbeispiele sind ja ganz marginal und werden im Text mit den messianischen Tweets korreliert. Insofern halte ich das was Sie hier tun, für eher miesen Journalismus.
    @Maier:Warum geht das zu weit? Haben Sie den Text gelesen? Da werden doch nur Kruses Behauptungen auf der Webpage mit ein paar Fakten verglichen. Ich meine, wer Kofi Annan auf seine Homepage stellt, als sei das ein Testimonial, oder wer behauptet Teile der EU vernetzt zu haben und in Wirklichkeit nur Laptops aufgestellt hat – das ist doch interessant. Gerade weil der Autor ja partiell Kruse auch wirklich bewundert.

  26. Lisa Rosa |  17.05.2010 | 13:43 | permalink  

    Manchmal ist es besser, statt falscher Freunde die richtigen Feinde zu haben. Insofern: Es wäre merkwürdig gewesen, wenn die FAZ, die sich im laufenden Kulturkampf, der ein Kennzeichen der Übergangsgesellschaft in das digital age ist, für die Verlustebeklager-Seite entschieden hat, in der Lage wäre, Peter Kruse angemessen darzustellen, zu würdigen und von ihm zu lernen. Die FAZ ist kein maßgeblicher Publikationsort mehr für die Konzeptualisierung von Welt. Sie agonieröchelt stattdessen den Abgang der alten Gesellschaft. Und mit dem Geifer, den sie früher hat meist vermeiden können, zeigt sie nur, wie sehr angeschlagen ihre Position ist. Also: Die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter.

  27. Wolfgang Michal |  17.05.2010 | 13:55 | permalink  

    @Thomes:
    Er schaut sich ein dctp-Interview an, anstatt den Interviewer Philipp Banse zu fragen, wie er Kruse als Person erlebt hat. Er schaut sich den Vortrag Kruses auf Video an (bei netzpolitik.org) und holt sich dann unter den vielen positiven Kommentaren unter dem Video einen anonymen negativen (Kommentar 17) heraus.

    Zur Recherche-Methode hat gunnarsohn bereits das Wesentliche geschrieben (Link siehe Kommentar 22)

    Der Journalist besucht Kruse (Primärquelle!), aber der Besuch und das, was Kruse dabei sagt, spielen im ganzen Text nur eine sehr geringe Rolle.

  28. Thomas |  17.05.2010 | 14:08 | permalink  

    @michel: wie nun? Er soll im internetzeitalter nicht das video im netz anschauen? Das ist doch die grundlage von kruses ruhm? Er nennt zwei negative kommentare und sagt auch dazu, dass die meisten jubeln – was ist daran verwerflich? Er hat offenbar mit saemtlichen fraktionssprechern der eu geredet, sogar mit den Vorsitzenden und dann auch noch mit den Firmen auf die sich kruse in seiner eigen Website beruft. Und er beschreibt Kruse sehr anschaulich, weil er offenbar lange mit ihm geredet hat. Er war haltt nicht ueberzeugt. In meinen augen ist Ihr Text genau das, was er Reents faelschlich vorwirft. Verschwoerungstheorie, Rache fuer die Carta Attacke der FAZ und schlecht recherchiert.

  29. Mike P. |  17.05.2010 | 15:00 | permalink  

    Ich verstehe das auch nicht, wie man Herrn Kruse gut finden kann.
    Sorry, er erzählt doch nichts neues. Schnelles reden, kein richtiger Inhalt.

    Da finde ich Bolz, Evsan & Kittler immer noch spannender.

  30. Jan Schoenmakers |  17.05.2010 | 16:26 | permalink  

    Hoch amüsant ist, dass sich Edo Reents dazu berufen fühlt, die wissenschaftliche Methodik und Kompetenz von Peter Kruse und nextpractice zu kritisieren, selbst jedoch den Unterschied zwischen qualitativen und quantitativen Interviews nicht kennt, ja offenkundig keinerlei Ahnung davon hat, was ein “qualitatives Interview” überhaupt ist…hochnotpeinlich für die FAZ.

  31. Anonym Mitgründen |  17.05.2010 | 18:27 | permalink  

    Schön wäre jetzt noch eine Analyse der Rhetorik von Seemann, Knüwer, Schwenzel, Niggemeyer …

    Polemische Scharmützel lenken leider von den Inhalten ab, die an sich ja in der Debatte vorhanden sind – allerdings überdeckt von Rumgepose wie auf dem Schulhof.

  32. Tharben |  17.05.2010 | 20:51 | permalink  

    Nun bin ich aber doch neugierig geworden. Es werden zwei Kommentare aus dem netzpolitik.org-Eintrag zum dctp.tv-Interview mit Peter Kruse zitiert? Steht da etwa mein “geistiges Eigentum” im FAZ-Feuilleton?

    Und sollte sich jemand fragen, weshalb ich finde, dass Adobe Flash grundsätzlich abzulehnen ist, der kann das im Blog von Philip Banse nachlesen:

    In einem Wort: Freiheit. Ich möchte entscheiden, wie, wann, wo und womit ich einen Podcast anhöre oder ansehen. Nicht nur verbietet mir Flash das, sondern ich habe die Erfahrung gemacht, dass Flash darüber hinaus ein Akkufresser, ein offenes Sicherheitsscheunentor und Nutzertrackingsystem ist. Ich finde, dass Flash in jedem erdenklichen Aspekt genau das Gegenteil dessen ist, was man als Nutzer gerne möchte.

    @Redaktion Carta

    Könnte die Fotomontage zu diesem Eintrag bitte auch in einer sehr, sehr hohen Auflösung bereitgestellt werden?

  33. Thomas Gebel |  17.05.2010 | 22:37 | permalink  

    Als ehemaliger langjähriger nextpractice-Mitarbeiter möchte ich kurz folgende Fakten sicherstellen. Die von Reents erwähnten vermeintlichen Kunden sind reale Kunden. Es lassen sich für jedes der erwähnten Unternehmen Projekte und Ansprechpartner (Projektnehmer) rekonstruieren – auch wenn sie vielleicht schon nicht mehr für das damals beratene Unternehmen tätig sind. In einer Minderheit der Fälle haben die hausinternen Publikationen auch über explizit Teilaspekte der Projekte berichtet. Einige dieser Beiträge befinden sich für jeden les- und recherchierbar auf der np-Homepage. Eines der Projekte – die IdeenWerkstatt auf dem Thyssen-Krupp-Ideenparks 2008 in Stuttgart, einsehbar für jedermann – wurde sowohl von ThyssenKrupp-Chef Ekkehart Schulz als auch von dem damaligen Außenminister Frank-Walter Steinmeier besucht.
    Das erwähnte Vernetzungsprojekt im EU-Parlament hat real stattgefunden. Teilgenommen haben eine Reihe von Parlamentariern, deren Mitarbeiter sowie viele NGO-Klima-Aktivisten. Gastgeber war das Ökosoziale Forum Europa ÖSFE), anwesend war zum Beispiel deren Vorsitzender und Ex-EU-Kommissar Franz Fischler. Teilnehmende EU-Abgeordnete waren etwa der Schwede Anders Wijkmann (EVP), Jo Leinen (SPE-SPD), ein Vertreter der schwedischen Linkspartei und eine britische Grüne. Die Teilnehmerliste kann beim ÖSFE angefordert werrden. Die Ergebnisse des Workshops flossen über mehrere Verdichtungsschritte in das Abschluss-Memorandum ein. Ich war persönlich während der ganzen Veranstaltung anwesend.
    Die Repertory-Grid-Methode – übrigens in der Tat eine qualitative – ist durchaus wissenschaftlich erforscht. Referenzen zur Methode, Validität etc.: Kruse, P., Dittler, A. & Schomburg, F. (2007). nextexpertizer und nextcoach: Kompetenzmessung aus der Sicht der Theorie kognitiver Selbstorganisation. In Erpenbeck, John/Rosenstiel, Lutz von (Eds.): Handbuch Kompetenzmessung, 515-543. Stuttgart: Schäffer-Poeschel. Das Buch ist im Handel erhältlich.

  34. Hardy Prothmann |  18.05.2010 | 01:26 | permalink  

    Guten Tag!

    Ohne jetzt im Detail auf einzelne Argumente einzugehen, kann ich nur feststellen: Heddesheim ist überall.

    :-)

    Einen schönen Tag wünscht
    Das Hardy Prothmann

  35. Kurz gefragt: Vollweise Peter Kruse? |  18.05.2010 | 02:28 | permalink  

    [...] streifte. "Das FAZ-„Porträt“ liest sich wie ein Vernichtungsversuch", so Wolfgang Michal auf »carta.info. Ich habe es nicht gelesen, denn online kostet es zwei Euro und die war mir die Sache nicht wert. [...]

  36. Kurz gefragt: Vollweise Peter Kruse? |  18.05.2010 | 02:43 | permalink  

    [...] zu Kruse. "Das FAZ-„Porträt“ liest sich wie ein Vernichtungsversuch", so Wolfgang Michal auf »carta.info zu dem Artikel, der am Samstag erschien. Ich habe es nicht gelesen, denn online kostet es zwei Euro [...]

  37. Kurz gefragt: Vollweise Peter Kruse? |  18.05.2010 | 02:54 | permalink  

    [...] zu Kruse. "Das FAZ-„Porträt“ liest sich wie ein Vernichtungsversuch", so Wolfgang Michal auf »carta.info zu dem Artikel, der am Samstag erschien. Ich habe ihn nicht gelesen, denn online kostet es zwei [...]

  38. f.lübberding |  18.05.2010 | 09:40 | permalink  

    Nur einmal eine Frage:

    Muss man Peter Kruse überhaupt kennen? Ich habe noch nie von ihm gehört. Das muss nun nichts bedeuten. Aber wieso die FAZ Internet bashing betreibt, wenn sie einen Artikel über einen einzigen Akteur im Internet schreibt, ist mir ein Rätsel – ob das Portrait nun richtig ist oder falsch.Oder geht es vielleicht darum, dass sich andauernd Leute von Schirrmacher auf den Schlips getreten fühlen, die sich selbst mit dem Internet identifizieren?

    Nur so als Frage.

  39. Wolfgang Michal |  18.05.2010 | 10:24 | permalink  

    Ach, Herr Lübberding, diese Frage ist jetzt wirklich unter ihrem Niveau.

  40. f.lübberding |  18.05.2010 | 10:40 | permalink  

    Wolfgang Michal

    Darin habe ich auch Übung, das Niveau zu unterbieten … . Fragen Sie einmal Heinrich Kasper und Dietmar Tischer im Herdentrieb der Zeit. Oder den Strobl. Die werden das bestätigen. Aber die Frage war schon ernst gemeint: Man sollte es mit der Selbstreferentialität nicht übertreiben. Der FAZ und Schirrmacher ist das Thema wichtig, so mein Eindruck. Ich habe bekanntlich mit der FAZ nichts zu tun. Aber man solte nicht gleich bei jedem kritischen Artikel einen Großangriff auf Blogger oder das Internet vermuten.

  41. Chat Atkins |  18.05.2010 | 10:41 | permalink  

    @ Lübberding: Man MUSS Peter Kruse natürlich nicht kennen, man SOLLTE ihn aber kennen. Das ist meine Meinung, denn u.a. ist die zeitnahe Steuerung von komplexen Veränderungsprozessen und das Messen von ‘Erfolg’ hierbei sicherlich ein bedeutsamer Ansatz. Zumal massiver Veränderungsdruck auf nahezu allen Ebenen existiert, nicht nur im Medienbereich. Ein Problem von Peter Kruse besteht sicherlich darin, dass er sich mit einer gehörigen Portion ‘Wissenschaft’ auf die Entscheiderebenen begibt, was bekanntlich nicht so einfach zu kommunizieren ist, und auch nicht so öffentlich wirksam, wie das einem Feld-Wald-und-Wiesen-Journalisten schon eher eingängige wissenschaftsferne PR-Ballyhoo aus Marketing, Ökonomie, Trendforschung oder anderer Kaffeesatzdeutung.

    Zudem vermute ich, dass kaum jemand von uns den Artikel in extenso gelesen hat, weil die FAZ ihn ja nicht netzöffentlich macht, sondern hinter feudalen Bezahlschranken verbirgt. Ich wiederum bin nicht bereit, zwei Euro für diesen offensichtlichen ‘Senf’ auszugeben, der morgen schon im Orkus landet. So viel zum Dilemma des ‘Paid Content’, einer Methode, seinen Interessen überaus treffsicher ins Knie zu schießen …

  42. Wolfgang Michal |  18.05.2010 | 10:57 | permalink  

    Jaja, die Selbstreferentialität: Fällt Ihnen denn gar nicht auf, dass manche Zeitungen inzwischen einen Großteil ihres Platzes für die (natürlich ganz objektive!) Verteidigung ihrer ureigenen Verlagsinteressen nutzen?

    Das Kruse-”Porträt” war leider nicht kritisch (denn es setzte sich nicht mit der Gedankenwelt Kruses auseinander), es war bloß diffamierend.

    Und was, bitte, sollte ich Herrn Strobl fragen? Er gibt zusammen mit Schirrmacher ein (sehr lesenswertes) Buch heraus und hat Payback im weissgarnix-Blog ausgiebig gegen Kritik in Schutz genommen.

    Alles wunderbar, aber bitte jetzt nicht so unschuldig tun und behaupten, das, was die FAZ in den letzten Monaten aufführt, sei normale Berichterstattung und vorurteilslose Kritik.

  43. newstube.de |  18.05.2010 | 11:32 | permalink  

    Volljournalismus. Wie die FAZ Peter Kruse erledigt…

    An manchen Tagen (vor allem an Wochenenden) hat man den Eindruck, als gäbe es im Feuilleton der FAZ kein anderes Thema mehr als Internet-Bashing….

  44. f.lübberding |  18.05.2010 | 11:34 | permalink  

    Wolfgang Michal

    “Fällt Ihnen denn gar nicht auf, dass manche Zeitungen inzwischen einen Großteil ihres Platzes für die (natürlich ganz objektive!) Verteidigung ihrer ureigenen Verlagsinteressen nutzen?”

    Doch, ob es aber einen Großteil des Platzes beansprucht, diesen Eindruck habe ich nicht. Nur bisher hat das den Verlagen auch nicht viel genutzt, so wenigstens mein Eindruck. Aber selbst wenn die Verlage ein Interesse haben, muss ja nicht jede Kritik deswegen schon diffamierend sein. Den Kruse Artikel lassen wir jetzt einmal raus. Ich sehe aber diesen Impetus bei vielen Leuten im Netz und halte das nicht für sinnvoll. Im übrigen hat jemand wie Hartgeld.com mit seiner Ankündigung einer Währungsreform für das vergangene Wochenende der Reputation des Netzes als ernstzunehmende Quelle mehr geschadet als das Qualitätsangebote wie Carta kompensieren könnten. Dieser Unsinn wäre in den alten Medienzeiten niemals in der Geschwindigkeit und mit der Reichweite zu verbreiten gewesen. So einer hätte es nie in eine Redaktion geschafft. Vielleicht zeigt sich hier ein wirkliches Problem – nämlich die für viele Internetnutzer fehlende Unterscheidbarkeit zwischen puren Unsinn und Qualität im Netz. Früher hat man sich halt auf die Professionalität des Journalisten verlassen (müssen), nicht immer berechtigt. Oder auch nur selten, mag alles sein. Aber hier liegt, wenigstens nach meinem Eindruck, ein Problem. Ich habe Payback von Schirrmacher noch nicht gelesen, nur teilweise die Rezeption verfolgt, weil das nicht meine Baustelle ist. Aber was ist an Payback falsch? Das habe ich jetzt nicht verstanden. Eher würde, so mein Eindruck, diese Räuberpistole von hartgeld.com in sein Argumentationsnmuster passen.

    “behaupten, das, was die FAZ in den letzten Monaten aufführt, sei normale Berichterstattung und vorurteilslose Kritik.”

    Wer hat schon keine Vorurteile? Wenn der Artikel etwa über Kruse sachlich falsch ist, spricht das nicht für den Autor. Dass die FAZ bisweilen polemisch ist, geschenkt. Mir ginge es eher darum, ob diese Polemik der Debatte nutzt.

    Chat Atkins

    “Ich wiederum bin nicht bereit, zwei Euro für diesen offensichtlichen ‘Senf’ auszugeben, der morgen schon im Orkus landet. So viel zum Dilemma des ‘Paid Content’, einer Methode, seinen Interessen überaus treffsicher ins Knie zu schießen … .”

    Genau das ist das Problem der Verlage. Sie verdienen damit kein Geld. Wir zwar auch nicht, aber wir haben es ja auch nicht nötig … .

  45. Wolfgang Michal |  18.05.2010 | 12:08 | permalink  

    Lieber Frank Lübberding,
    o.k., Sie weichen auf Hartgeld aus. Ist aber nicht überzeugend. Seit wann muss sich die FAZ für die St.Pauli-Nachrichten schämen? Also warum schadet ein Kommentar auf hartgeld.com der Reputation des ganzen Netzes? Das Netz ist doch keine große Gemeinschaftszeitung.

    Ich als digital immigrant (der 30 Jahre lang reiner Printjournalist war), wundere mich seit langem, dass meine geschätzten Print-Kollegen den Hintern nicht hoch kriegen und dem Netz eben jene Qualität bringen, die sie dort so gern sehen möchten (ich finde bereits jetzt viele gute Angebote – wer sucht, der findet -, und die große Recherche von Netz-Autoren kann halt erst Platz greifen, wenn mehr Geld fließt, das wissen wir ja, aber schon jetzt sind die Angebote beachtlich – wer z.B. hat die bislang geheimen Vorstellungen zum Leistungsschutzrecht als erster veröffentlicht? Eine Zeitung?).

    Ja, Sie sehen, ich habe ein Problem damit, dass die Presseverlage in Sachen Internet eben Konflikt-Partei sind und nicht objektiv berichten. Und ich finde, viel mehr Journalisten sollten damit ein Problem haben. Wolfgang Blau ist einer der ganz wenigen, die versuchen, eine Brücke zu bauen. Ansonsten wenig Dialog (außer, dass wir uns mit Förmchen beschmeißen). DOCH, ich sehe potentielle Brückenbauer: Euch ZWEI von weissgarnix (aber ihr seid halt sehr speziell).

  46. Chat Atkins |  18.05.2010 | 13:16 | permalink  

    @ Lübberding: Wenn’s mal ‘Wurst zum Senf’ gäbe, würde ich auch bezahlen. Das tue ich ständig. Es läuft dann nur meistens auf Bücher hinaus … oft sogar älteren Datums. Wie übrigens bei deinem Buddy, dem Thomas Strobl, auch, so weit ich das verfolge. Der wiederum nimmt doch den heutigen Journalismus, speziell den Wirtschaftsjournalismus, meist nur noch als Anlass zu Spott und Hohn über diese interesseduftenden Senffabriken …

  47. Chat Atkins |  18.05.2010 | 13:21 | permalink  

    @ Lübberding: Noch eins zu Verschwörungstheoretikern wie bei Hartgeld und seiner angeblichen Währungsreform: Wie war denn das mit der ach so fuuchbaarn Schweinegrippe und der dräuenden Pandemie im von dir so hochgeschätzten Zellulosebereich? “Dieser Unsinn wäre [doch im Internet] niemals in der Geschwindigkeit und mit der Reichweite zu verbreiten gewesen.” Vielleicht deshalb, weil die Pharmaindustrie darauf weniger Zugriff hat?

  48. f.lübberding |  18.05.2010 | 15:14 | permalink  

    Chat Atkins

    Na, über den Fall Schweinegrippe kann man diskutieren, aber ist nur begrenzt mit der abgeblasenen Währungsreform vergleichbar. Nur was den Wirtschaftsjournalismus angeht: Die Polemik richtet sich weniger gegen analog oder digital, sondern gegen den ökonomischen Mainstream. Der bildet sich ja – mit wenigen, aber zunehmenden Ausnahmen – im Wirtschaftsjournalismus ab. Das ist aber seit 2007 wesentlich besser geworden … . Wenn in Deutschland fast alle VWL Lehrstühle von Neoklassikern besetzt werden, liegt da des Pudels Kern. Im übrigen funktioniert der Wirtschaftsjournalismus als Nachrichtenvermittler durchaus. Es hapert halt nur mit der Interpretation der Fakten … .

    Michal

    Nein, ich will mich nicht hinter diesem Fall verstecken. Er scheint mir nur durchaus signifikant für eine neue Medienwelt, die halt andere Konflikte und Probleme erzeugt als im Holz- und TV/Radio-Zeitalter.

    “Ich als digital immigrant (der 30 Jahre lang reiner Printjournalist war), wundere mich seit langem, dass meine geschätzten Print-Kollegen den Hintern nicht hoch kriegen und dem Netz eben jene Qualität bringen, die sie dort so gern sehen möchten.”

    Also wenn Strobls Artikel von heute in der Druckfassung der FAZ erscheint und im Internet, dann ist doch die Qualität die Gleiche, oder nicht? Der wichtigste Unterschied – und damit tun sich Journalisten halt schwer – ist die Interaktivität, sich also auf Debatten mit den Lesern einzulassen. Das ist tatsächlich nicht immer nur ein Zeitproblem. Und ein weiterer Vorteil des Internets: Man kann – und das machen die traditonellen Medien viel zu wenig – mit Ideen spielen, ohne gleich immer die perfekte Antwort zu haben. Die Neigung des Journalismus zum Herdenverhalten ist ja nicht zu übersehen, also in der Argumentationslinie zu bleiben, die gerade dominant ist. Da spielt natürlich auch der Gruppendruck (und die politische Linie des Blattes) eine Rolle, wenn man etwa in festen Redaktionen arbeitet und nicht arriviert ist. Wer wagte schon im August 2007 die Aussage, dass der Kapitalismus Pleite ist … ? Im Netz gibt es aber eine enorme Lernfähigkeit, wenn man sich auf Diskussionen einlässt. Damit haben aber Journalisten ihre Schwierigkeiten. Die reden traditionell lieber mit Experten als mit Ihren Lesern … . Auch wenn die Experten sein sollten. Also den Vorteil dieser Diskussionen kann man ja gerade hier erleben. Schließlich sind die reduzierten Einkommensperspektiven für Journalisten ein Problem. Vor 30 Jahren konnte jeder Lokalredakteur richtig Geld verdienen. Das sieht heute anders aus: Viele haben halt den Eindruck, sie produzieren Holzkutschen kurz vor dem Beginn der Automobilisierung. Das verbessert nicht gerade die Offenheit zugunsten des Autos … .

  49. Ommel |  18.05.2010 | 22:38 | permalink  

    @Luebberding: Auch bei der Zeitungskrisenschadroniererei wird zuviel in einen Topf geworden. Die Situation der Lokalzeiten ist ganz anders als die der regionalen und die wieder anders als die der überregionalen Zeitungen. Die Überflüssigkeit, die etwa für ein WAZ gilt, gilt eben nicht für die BILD und eben offenbar auch nicht für FAZ,FAS, SZ oder Zeit. Dito Spiegel. Während die “Welt” schon wieder überflüssig ist. Mir scheint, dass die starken Marken sogar profitieren im Zeitalter digital geklonter Google-Übersichtlichkeiten. Und die Situation bei der FAZ ist noch mal anders, was mir erklärt wieso Schirrmacher einen Mann wie Ihren Strobl ranziehen und bezahlen kann. Die FAZ ist eine Siftung, die den Herausgebern treuhänderisch gehört und offenbar über Rücklagen im Nahe-Milliarden Bereich verfügt. Man muss hier differenzieren, die Entwicklung der letzten Jahre hat gezeigt, das sich nichts nach Lehrbuch entwickelt. Und auch wenn Chat Atkins keine 2 Euro bezahlen will (ich auch nicht), so sind die Communites gerade dieser Leitmedien offenbar bereit sehr viel mehr als das zu bezahlen.

  50. Chat Atkins |  19.05.2010 | 09:45 | permalink  

    Der Text steht jetzt übrigens ‘für lau’ auch bei der FAZ online. Ein Problem scheint hierbei die Fallhöhe zwischen Interviewtem und Interviewer gewesen zu sein: “Und im Nu verwickelt er einen in ein kommunikationswissenschaftliches Kolloquium, das einem den Kopf schwirren lässt, während er vorgibt, sich sechs oder sieben Stunden lang ohne die geringste Ermüdungserscheinung konzentrieren zu können.”

  51. nnier |  19.05.2010 | 10:00 | permalink  

    Fallhöhe? Soll das heißen, dass Normalsterbliche wie der Verfasser des Artikels schlicht nicht in der Lage sind, Krueses Gedanken zu folgen?

    Ich bin übrigens überrascht, wie wenig polemisch der Artikel daherkommt, nach allem, was man da über einen angeblichen “Vernichtungsversuch” lesen konnte.

  52. Chat Atkins |  19.05.2010 | 11:08 | permalink  

    Nun – wenn du einen Zuhörer mit einem Text konfrontierst, und er sagt, ihm schwirre davon der Kopf, dann muss die Schuld nicht unbedingt am Text liegen. Ob wiederum der Verfasser ein ‘Normalsterblicher’ sein wird, bleibt mir vor seinem Ableben begreiflicherweise unbekannt …

  53. nnier |  19.05.2010 | 11:20 | permalink  

    Ja, klar, aber der Umkehrschluss ist auch nicht zwingend richtig. Und die Frage stellt sich nun mal, was da außer dem vielbeschworenen “Charisma” eigentlich ist.

    “Mit seiner Brachialrhetorik, seiner enorm schnellen Sprechgeschwindigkeit, welche dem Zuhörer keine Chance zu einem klaren Gedanken lässt, vermittelt er die Illusion, er hätte unglaublich Bedeutendes und Wegweisendes mitzuteilen”, wird jemand in dem FAZ-Text zitiert, oder: “„Hat man kurz Zeit zum Reflektieren, erkennt man sofort, dass sein Trick es ist, Trivialitäten rhetorisch aufzublasen, um dadurch zu beeindrucken. Der Erkenntniswert seiner Aussagen geht allerdings gegen null, wie beim richtigen Beckenbauer halt auch. Hauptsache, man ist wirtschaftlich erfolgreich.“

    Aber es kann natürlich sein, dass das alles Dummköpfe sind.

  54. Florian |  19.05.2010 | 11:49 | permalink  

    Am Rande: Was der Autor übrigens selbst von statistischen Methoden versteht, wird in dem Satz “dafür wird das mit dem Attribut „qualitatives Interview“ versehen – als hätten alle anderen Interviews keine Qualität” deutlich.

  55. nnier |  19.05.2010 | 12:09 | permalink  

    Ja, da hat der Verfasser sein Unwissen zumindest über den Fachausdruck “qualitatives Interview” preisgegeben, wie übrigens auch hier (in den Kommentaren weiter oben, z.B. Nr. 8) und anderswo mehrfach angemerkt. Aber auch hier ist der Umkehrschluss nicht unbedingt richtig, dass also die Unkenntnis des Herrn Reents ein Beleg für die Qualität der Methode ist. Ich habe da zumindest Zweifel, wenn durch qualitative Interviews gewonnene Aussagen dann mal eben zu einer “Computertomographie kultureller Bewertungen” verdichtet werden, und alles schön in 3D …

  56. Adi Kreft |  19.05.2010 | 12:45 | permalink  

    Tja, genial.
    Kruse ist mit seinem Denken weit, weit weg, was die deutsche Bildungslandschaft an Rezepturen für das Leben 2010+ anzubieten hat.
    Also hat er Unrecht.
    Günter Dueck mit seinem Buch “Aufbrechen” steht auch relativ isoliert da. Abitur für alle. Tzzzz…..
    Also hat er auch Unrecht.

    Wie schön es ist, auf die, die etwas “Tun” anzugreifen. Ich kann das auch.
    Wie doof sind wir, um uns innovative geistigen Ansätze zu verschlafen?

    Im Zeitalter der Globasilierung ein Luxus, den wir uns leisten können?
    Klar können wir uns es leisten….weil wir damit 2050 weit hinter den Asiaten landen werden……
    Gegen Rezepturen sind wir immun….weiter so….;-)

  57. nnier |  19.05.2010 | 12:53 | permalink  

    “Rezepturen für das Leben” – was soll uns das denn nun sagen? “Weit weg”, ist das ein Qualitätskriterium? “Innovative geistige Ansätze zu verschlafen” – hä? “Etwas tun” als Wert an sich? Fragen über Fragen.

  58. Wolfgang Michal |  19.05.2010 | 13:30 | permalink  

    Ein interessanter Beitrag in diesem Zusammenhang von Mirko Lange:
    http://talkabout.posterous.com/wie-wirklichkeit-entsteht-und-wie-medien-mani

  59. mh |  19.05.2010 | 13:43 | permalink  

    “*Online ist das „Porträt“ sinnigerweise nur für FAZ-Abonnenten frei zugänglich. Alle anderen müssen 2 Euro zahlen.

    Update 19.5.: Jetzt auch online frei zugänglich.”

    ich weiß ja auch, dass man immer polemisch zu polemikern sein muss, aber… dir ist hoffentlich dennoch klar, dass man so einnahmen generiert?

    mfg
    mh

  60. weissgarnix |  19.05.2010 | 13:45 | permalink  

    Habe mich zuwenig mit Kruse beschäftigt, um seine Inhalte beurteilen zu können (gar nicht, um ehrlich zu sein). Aber generell gilt bekanntlich: Freunde hat man ganz von selber, Feinde muss man sich erst erarbeiten.

  61. Wolfgang Michal |  19.05.2010 | 13:54 | permalink  

    Strobl sagt, er weiß gar nix. Guter Beitrag!

  62. Herzausgold |  19.05.2010 | 20:36 | permalink  

    Mich beschlich ebenfalls ein leichtes Unbehagen als ich die Begeisterungsstürme über Kruses Vortrag auf der re:publica erlebt habe. Der Mann tauchte vor einiger Zeit aus dem Nichts auf und er hat als Theoretiker oder Internetforscher keinerlei Reputation vorzuweisen. Ich finde es schon etwas befremdlich wenn jemand so gefeiert wird nur weil er dem Publikum erzählt was es gerne hören möchte!

    Egal was man von Honorarprofessor Kruse auch halten möchte. Der FAZ-Artikel ist auf jeden Fall unter aller Kanone. Dieser Artikel ist der Versuch einer Demontage. So etwas steht einer seriösen Zeitung (die FAZ ja gerne sein möchte) gar nicht gut zu Gesicht. Zumal wenn der Artikel solche schweren handwerklichen Mängel und Fehler enthält. Man hat den Eindruck der Artikel sei von einem Praktikanten geschrieben.
    Ob das ganze von dem Möchtegern-Netzkritiker Frank Schirrmacher in die Wege geleitet wurde wage ich aber auch zu bezweifeln.

    Ich kann weder Schirrmacher noch Kruse ernst nehmen. Bei beiden fehlt es mir einfach an argumentativer und inhaltlicher Substanz.

  63. Adi Kreft |  19.05.2010 | 21:00 | permalink  

    Kruse hat sehr gute Ansätze für Bildung einer kollektiven Intelligenz die aus heterogenen Partnern besteht.
    Internet und Kruse?
    Naja, da mischt er auch mit…aber nichts fiel mir besonders auf hierbei…..
    Trotzdem:
    Anreger. Querdenker. Befruchtend.
    Warum sehen wir nur schwarz oder weiß?
    Es gibt doch viel mehr Farben….

  64. zoom » Umleitung: Untote in der SPD, Boom di sbattezzi in Italien, Angies Tina, Monotoring bei der WAZ, Brandanschlag auf Synagoge und Schulleiter sollen für Sommer-Satire blechen. « |  19.05.2010 | 21:25 | permalink  

    [...] Internet: Wie die FAZ Peter Kruse erledigt … carta [...]

  65. serega |  20.05.2010 | 14:45 | permalink  

    @Herzausgold: “Ich kann weder Schirrmacher noch Kruse ernst nehmen. Bei beiden fehlt es mir einfach an argumentativer und inhaltlicher Substanz.”

    Sehe ich auch so.

  66. uniquolol |  22.05.2010 | 22:15 | permalink  

    Jenseits aller Polemik bietet Martin Linder – netzpiloten.de -eine hervorragende und differenzierte Analyse des Phänomens Professor Kruse:

    Professor Silberzunge – die deutsche Stimme des Internet
    http://www.netzpiloten.de/2010/05/21/professor-silberzunge-ist-peter-kruse-die-deutsche-stimme-des-web/

  67. Wolfgang Michal |  23.05.2010 | 00:14 | permalink  

    Ja, das ist eine sehr gute, sympathische, abwägende und sich klug herantastende Analyse, die Martin Lindner da in Sachen Kruse abliefert. Nur der Teil zur Hirnforschung (der bei Kruse eine größere Rolle spielt) scheint mir in der Kritik etwas unterbelichtet. Die neuere (soziale) Richtung in der Hirnforschung (“Social brain”, “Das Gehirn ist ein Beziehungsorgan” etc.) passt eigentlich sehr gut zum Netzwerkgedanken und zur kollektiven Intelligenz des Web 2.0. Ob Kruse hier Gerhard Roth und Wolf Singer hinter sich lässt, wäre interessant. Es gibt in der Tat erstaunlich wenig “Schriften” von ihm. Aber schon Jesus… ;-)

    Nein, man sollte die religiösen Vergleiche “Kruse-church”, “Megachurch-Evangelist” usw. nicht überstrapazieren. Hier wird die Projektion der anderen auf Kruse mit Kruse selbst verwechselt. Das mag ihm schmeicheln, verhindert aber die Wahrnehmung.

    Nicht jedes von einer Rede begeisterte Publikum ist gleich eine Kirche, die einem Heilsbringer bedingungslos in die Wüste folgt. Es ist möglicherweise nur eine verständliche Gegen-Reaktion auf das anhaltende kulturkonservative Internetbashing in den “Leitmedien”.

  68. Zwischen Luftgitarren und Zauberberg: FAZ-Ostfriese Reents zerstückelt den Netzwerk-Experten Professor Kruse « Ich sag mal |  27.05.2010 | 11:41 | permalink  

    [...] Carta: Volljournalismus. Wie die FAZ Peter Kruse erledigt [...]

  69. Trotzendorff | Blog | Delicious Links |  28.05.2010 | 20:00 | permalink  

    [...] »Volljournalismus. Wie die FAZ Peter Kruse erledigt« — 28/05/2010 — Wolfgang Michal über das Internet-Bashing der FAZ und ihren Versuch, Peter Kruse zu vernichten. [...]

  70. Wie die Netzwerke Wirtschaft und Gesellschaft revolutionieren | NeueWerbung |  04.08.2010 | 15:10 | permalink  

    [...] Volljournalismus. Wie die FAZ Peter Kruse erledigt—Wolfgang Michal CARTA 19.5.2010 [...]

  71. Too much information - Papierkorb - Guten Morgen |  21.09.2011 | 12:49 | permalink  

    [...] Bei Carta regt man sich sehr über ein Portrait von Peter Kruse in der FAZ auf. Darin versucht Edo Reents mehr wollend als überzeugend den auf der Republica gefeierten Psychologen und Unternehmer als Hochstapler zu enttarnen: [...]

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