Netzlese
Redaktion Carta | 11 Kommentar(e)
Evgeny Morozov hält Twitter vor allem für ein Kontrollinstrument autoritärer Regimes. Mit Søren Kierkegaard und Twitter erklärt Morozov auch gleich noch, warum Jürgen Habermas ohnehin immer etwas zu euphorisch gewesen sei.
11.04.2010 |
Evgeny Morozov und Clay Shirky haben sich in Prospekt Anfang Januar einen kleinen Schlagabtausch über die Bedeutung von Twitter für die iranische Protestbewegungen geliefert. Morozov hielt dabei soziale Netzwerke, wie Twitter und Facebook, vor allem auch für Ansatzpunkte der Kontrolle durch das Regime. Clay Shirky erwiderte damals: “Even taking into account the increased availability of surveillance, the net value of social media has shifted the balance of power in the direction of Iran’s citizens.”
Die F.A.S. crosspostet heute nun ein Gespräch zwischen Morozov und Shirky für Edge.org (dort noch nicht online) unter dem Titel “Das Unbehagen an der digitalen Macht”. Beachtlich ist unter anderem, wie Morozov hier Søren Kierkegaard, Jürgen Habermas und Twitter verschraubt:
Wenn Sie Kierkegaard gelesen haben, werden Ihnen einige subtile kierkegaardsche Untertöne in meiner Kritik des Twitter-Aktivismus aufgefallen sein. Kierkegaard lebte genau in der Zeit, die Habermas so preist: Cafés und Zeitungen waren in ganz Europa auf dem Vormarsch, eine neue demokratische Öffentlichkeit bildete sich heraus. Kierkegaard aber machte es zunehmend Sorgen, dass immer mehr Meinungen im Umlauf waren, dass es allzu leicht war, Menschen für beliebige Anliegen zusammenzutrommeln, dass niemand sich irgendeiner Sache tief verpflichtet fühlte. Es gab nichts, wofür Menschen zu sterben bereit waren. Ironischerweise ist das auch eines meiner Probleme mit dem wahllosen Charakter des digitalen Aktivismus: Er würdigt unser Engagement für politische und gesellschaftliche Themen, die wirklich wichtig sind und permanente Aufopferung verlangen, herab.
Morozov spricht am Mittwoch auf der Republica.





“Das Gespraech geht in Ordnung” – na, das ist doch was, wenn das eine Redaktion kurzarbeitender Intellektueller findet.
@ Andreas: “kurzarbeitende Intellektuelle”? Was ist denn hier nun genau mit Kurzarbeit gemeint? Einfach nur Schmähkritik – oder eine intellektuell ansprechende Methapher? Und was hat das mit dem Post zu tun?
Ich habe den Satz jetzt mal oben rausgenommen…
Wenn Sie das nicht selbst merken, wie verblasen anmassend dieses “das gespraech geht in ordnung” ist, werden Sies nicht erjagen. Und auf “kurzarbeitend” kam ich, weil Sie ja Ihren Lebensunterhalt mit Beratung verdienen muessen. das geht schon in Ordnung. Ansonsten ist die zusammenfassung des gespraechs oder auch nur das anteasern grottenschlecht. Das faengt schon damit an,was Sie fuer boulevardesk halten. Morozovs aeusserungen zum e government chinas inkl der Statistik sind neu. Da liegt der knackpunkt. Sie sind immer auf dem niveau von seminararbeiten. Und eine plattform wie diese, die den datenschutz fuer ein relikt einer ueberwundenen zeit haelt und glaubt Partizipation sei die emanzipative Dynamik des Internetist auch deshalb nicht imstamde daraus etwas abzuleiten.
@ Andreas: Stimmt, ich habe die von Ihnen als “Knackpunkt” identifizierten Stellen noch einmal gelesen – und “in Ordnung” trifft die Sache nicht, das war ein Fehler.
Jede und jeder, die/der es besser kann, ist übrigens eingeladen, das hier auf Carta auch zu tun.
habt ihr nicht lust, ein solches gespräch mal mit shirky, morozov und peter kruse zu führen?
@Vera: mit Peter Kruse?? Bist Du gaga?
@manu: Nein, Sie arbeitet für ihn und sein Unternehmen.
@ Manu: Warum sollte es “gaga” sein ein Gespräch mit Kruse zu führen?
@Ludwig
Hast Du nicht gehört, was er bei der Nachtstudio-Sendung erzählte? Meinst Du nicht, dass beide, sagen wir mal, etwas überkomplex wirken in Bezug auf seine mentale Präsenz. Hast Du das Interview in der FAZ7FAS gelesen? Das ist einige Lichtjahre von Kruse entfernt, was die Materie Internet und globale Gesellschaft angeht…
Oder um es platt zu sagen, ich glaube nicht, dass die Texte von Kruse in folgenden Zeitungen erscheinen würden, auch wenn sie in englisch geschrieben wären: Economist, WSJ, NYT, Newsweek, Herald Tribune, Slate etc. was auf die beiden anderen zutrifft. Aber für Deutschland bzw. deren Manager mag er schon ein toller Redner sein – so die Liga Fredmund Malik, nur weniger (einfluß)reich.
@wittkewitz:Auch in deutschland findet er ihn guten zeitungen nur im wirtschaftsteil statt, und zwar dort wo es um coaching und motivationstraining geht.
@ Stefan
Stimmt. Genau da sehe ich ihn auch: Coaching und Motivationstraining. Managementseminare für den B- und C-Level. Ist nichts Ehrenrühriges, aber auch nichts Fundamentales. Marktforschung würde noch passen. Die MaFos sind bestimmt ganz verrückt auf seine ganzen Analysewerkzeuge…