Redaktion Carta | 35 Kommentar(e)
Einem Insider-Bericht zufolge erzielt das millionenschwere E-Book-Portal Libreka! des Börsenvereins monatliche Verkäufe von “knapp über Null”. Die Buchbranche macht die gleichen Fehler wie die Musikindustrie. Ihre Verhinderungspolitik gefährdet nicht nur die eigene Zukunft, sondern lässt die Urheberrechtsdebatte bewusst weiter eskalieren.
18.10.2009 |
von Jürgen Scheele (erster Teil) und Robin Meyer-Lucht (zweiter Teil)
Teil I: E-Book-Plattform des Börsenvereins ist offenbar ein Flop
Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels gilt als ein vehementer Verfechter von Netzsperren bei Urheberrechtsverletzungen. In einer inoffiziellen Zusammenkunft des Kulturausschusses des Deutschen Bundestages auf der Höhe der Diskussion zum sogenannten Sperrgesetz gegen Kinderpornographie („Zugangserschwerungsgesetz“) wurde im Mai 2009 intensive Lobby-Arbeit für Access-Sperren gegen Filehoster wie Rapidshare gemacht. Diese gelten der Interessensvertretung des deutschen Buchhandels als Hort des organisierten Verbrechens.
Die in der Zusammenkunft des Kulturausschusses gemachten Aussagen sind kein Geheimnis, sie wurden andernorts von Vertretern des Börsenvereins auch öffentlich geäußert (siehe hierzu die Berichte bei gulli.com und heise.de.) Auch bei der auf der Leipziger Buchmesse im März 2009 verkündeten Freischaltung des E-Book-Verkauf über die eigens geschaffene Plattform libreka.de – sie wird von der MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH, deren Gesellschafter die Börsenverein Beteilungsgesellschaft mbH ist, unterhalten und den deutschen Verlagen und Buchhändlern als das Werkzeug zur Teilnahme am elektronischen Buchmarkt angepriesen –, sprach sich der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, Alexander Skipis, für Netzsperren als ultima ratio aus. (Siehe den Bericht bei futurezone.orf.at.)
Doch wie ist es um das eigene Geschäftsmodell des Börsenvereins im Digitalzeitalter bestellt? Packen es die deutschen Verleger, sich digital neu aufzustellen, oder können sie den rasch voranschreitenden Entwicklungen in der elektronischen Kommunikation nur mit Forderungen nach Überwachen und Strafen begegnen? Ein jetzt zur Frankfurter Buchmesse bei Wikileaks Germany lancierter 4-seitiger Bericht „Libreka ungeschminkt“ läßt Ungutes befürchten. Gleich zu Anfang werden dort die erträumten E-Book-Wünsche des Börsenvereins einer vernichtenden Evaluation unterzogen:
„Über www.libreka.de wurden im gesamten Monat September 32 (zweiunddreißig) E-Books an Endkunden verkauft. Es handelt sich um keinen Ausrutscher, die Verkaufszahlen liegen seit Start des E-Book Verkaufs vor einem halben Jahr stabil bei knapp über Null.“
Und: „Libreka kostet in seiner jetzigen Form etwa 1 Million Euro pro Jahr (Personal, Informationstechnik, Werbung, Raum- und Verwaltungskosten usw.) Dauerhafte direkte Einnahmen stehen dem bisher in keiner nennenswerten Höhe gegenüber.“
Auch die weiteren Details des Dokuments, das von Branchenkennern als echt und von einem Insider verfaßt eingestuft wird (Libreka-Chef Ronald Schild hat die Verkaufszahlen nicht dementiert, siehe lesen.net), sind durchaus pikant. Sie gestatten Einblick in die offenbar vernichtende Bilanz der digitalen Geschäftsaktivitäten des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.
Teil II: Preisgestaltung und Rechtemanagement als Verhinderungsstrategie
Im Zuge der Buchmesse wurde immer wieder die Frage gestellt: “Was können die Buchverlage von der Musikindustrie lernen?” – Die hier geschilderten Vorgänge zeigen: Noch sehr viel mehr, als sich der Börsenverein öffentlich eingestehen möchte. Zwar gibt er sich in der Außendarstellung technologie- und innnovationsaffin. In der digitalen Realität setzt der Verband jedoch vor allem auf die innovationsfeindliche und absurd strukturkonservative Online-Buchpreisbindung und nervig-konsumentenfeindliches Rechtemanagement. Spiegel Online hatte den Flop von Libreka! schon im März prognostiziert.
Herta Müllers “Atemschaukel” kostet beispielsweise als E-Book bei Libreka! (und dank Online-Buchpreisbindung auch überall sonst) 16,90 Euro. Das gebundene Buch kostet 19,90 Euro. Das E-Book muss über einen technisch ungelenken Registrierungsprozess (Shop & DRM) herungeladen werden, kann nicht ausgedruckt, nicht verliehen und nicht weiterverkauft werden. Es fehlt der aufwändige physische Träger. Und trotzdem ist das E-Book gerade einmal 15 Prozent günstiger als das Hardcover. Das erinnert an die Musikindustrie, die es zu Beginn mit Single-Downloads zum Preis einer physischen Single versucht hat.
Eine derartige Preis- und Konditionenpolitik kann man nur als Verhinderungsstrategie interpretieren. Zu diesen Bedingungen kann sich der E-Book-Markt nicht entwickeln. Dem Börsenverein ist es augenscheinlich wichtiger, den traditionellen Handel mit Papier-Büchern noch möglichst lange zu stützen. Für dieses Ziel nimmt er billigend in Kauf, das Entstehen eines funktionierenden, legalen und in der Breite angenommenen E-Book-Vertriebs zu verhindern.
Motto: “Wenn E-Books – dann nur zu unseren Bedingungen!” Dabei überschätzt der Buchhandel seine langfristige Markt- und Gestaltungsmacht dramatisch.
Damit der E-Book-Absatz in Schwung kommt, wäre eine reibungslose Abwicklung (einfaches Rechtemanagement, falls überhaupt) und Preise auf dem Niveau von vielleicht einem Fünftel der gedruckten Fassungen erforderlich. Die Konsumenten erwarten zurecht, dass die Distributionskostenvorteile und die Handhabungsnachteile in die Preisgestaltung für E-Books einfließen. Auch bei Preisen von einem Fünftel lassen sich für Verlag und Autoren noch höhere Margen erzielen als im klassischen Geschäft. Dabei sollte man auch hier über Flatrate-Preismodelle nachdenken – im Sinne von Leihbibliotheken. Die Geschäftsmodelle für E-Books werden vornehmlich nicht die Modelle des klassischen Buchgeschäfts sein.
Was also hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels von der Musikindustrie bislang gelernt? Gar nichts, außer einer smarteren Außendarstellung. Völlig überzogene Preise, nervige Schutzmaßnahmen – genauso hat die Musikindustrie ihre Kunden in die illegalen Netzangebote getrieben.
Doch die Verlags- und Buchhandelsbranche sieht das Absatzproblem bei E-Books nicht als Innovationsproblem im eigenen Lager. Sie appelliert lieber an die Politik, mit Hilfe von Olivenne-Sperren gegen illegale E-Book-Downloader vorzugehen, um das Internet zu “zivilisieren”. Die Technik, deren Geschäftsdynamik man nicht in den Griff bekommt, soll folglich legalistisch wieder domestiziert werden.
Die Verlags- und Buchhandelsbranche macht damit exakt dieselben Fehler wie die Musikindustrie. Sie glaubt, sie könne sich gestützt auf das Urheberrecht neuen Vertriebs- und Geschäftsmodellen verschließen (vgl. These 13 des Manifests). Das ging schon bei der Musikindustrie schief – und wird hier wieder schief gehen.
Diese E-Book-Politik gefährdet nicht nur die Buchbranche selbst, sondern lässt die Urheberrechtsdebatte ganz bewusst weiter eskalieren.
Teil I dieses Artikels (Jürgen Scheele: E-Book-Plattform des Börsenvereins ist offenbar ein Flop) wurde zuerst auf Digitale Linke veröffentlicht. Er steht unter einer CC-Lizenz (by-nd) und wurde gemäß dieser Bedingungen übernommen. Wir bedanken uns ausdrücklich für die Übernahmemöglichkeit.






In die ähnliche Kategorie passt auch das Verhalten der Zeitungen, die zwar jammern, dass Sie online keine Einnahmen generieren können, aber bis auf die taz nicht einmal EPUB-Abo-Versionen für eReader anbieten.
Man schaue sich mal diesen Artikel an: http://www.libreka.de/9783540237877
Als DRM-PDF kostet es 44,95€, direkt darunter ein Link zur gebundenen Ausgabe für 9,95€!
Und sowas bringen die da reihenweise. Ich schätze die wollen wirklich keine Ebooks verkaufen.
Neue Märkte zu besetzen, die man keineswegs bedienen will, ist eine alte ökonomische Abwehrstrategie (‘Ich bün all doar’). Praktischerweise flattert über der alten verrosteten Ritterrüstung dann das windige Mäntelchen der Modernität … insofern macht das Portal des Börsenvereins durchaus Sinn.
@ Klaus Jarchow: Natürlich macht diese Verhinderungspolitik kurzfristig Sinn. Dann aber zu suggerieren, man drohe vor allem auch wegen Urheberrechtsmissbrauchs unterzugehen, trägt das hausgemachte Problem doch recht eigennützig in die politische Arena.
Habe mir bei der Promotion-Aktion Herta Müllers “Atemschaukel” für gratis laden können.
Wer jetzt denkt, so ein Ebook kauft sich eben mal schnell, und dann ist es auch schon auf dem Rechner, hat nicht mit der Weisheit der Librekabetreiber gerechnet: Zwischen Knöpfchen drücken und “Bereitstellen” der Datei liegt in etwa der Zeitraum, den ein typischer Stadtbewohner braucht, um mit Bus und Bahn den nächsten Hugendubel anzusteuern, das Buch zu suchen, zu finden und zu bezahlen.
Lesen darf ich’s nur mit Adobe’s Digital Edition.
Ein Einschränkungskonzept, das sicher auch gut auf den Printmarkt umzumünzen wäre. Wie wär’s mit drei Euro Rabatt auf ein Hardcover, das nur mit einer Lesebrille von Fielmann zu entziffern ist?
@ Robin: Naja – bei dieser ökonomischen Sachlage hätte ich es vermutlich auch sonderlich nicht eilig: “«Von Krise kein Wort», bilanzierte am Sonntag der Sprecher der weltgrössten Bücherschau, Thomas Minkus, die vergangenen fünf Tage.“
Ja, ein restriktives DRM und Nutzungsbeschränkungen sind verkaufsverhindernd, da sollten wir von der Musikindustrie lernen. Aber Verleihen und Weiterverkaufen sind auch in der Musikindustrie zumindest rechtlich immer noch nicht erlaubt.
Zum Preis: die 15% Rabatt entsprechen ungefähr dem, was ein Verlag durchschnittlich für Druck und Papier eines Buchs aufwendet. Der Großteil der Verlagskosten entsteht dabei, die Autoren zum Schreiben zu bringen und sie dafür zu honorieren, ihre Texte zu lektorieren und diese schließlich dem Buchhandel und der Presse nahezubringen. Diese Arbeit wird durch das eBook nicht weniger.
Außerdem kommen dank dem vollen Mehrwertsteuersatz von 19% auf eBooks, im Vergleich zu 7% bei pBooks, bei einem Rabatt von 15% am Ende 20% Prozent weniger Erlöse pro Verkauf beim Buchhändler und dem Verlag an.
muss ma n bisschen “Werbung” in eigener Sache machen ;-) – ich hatte aufgrund des Blogeintrags von Markus Beckedal da auch mal so mir meine Gedanken gemacht ^^
das ewige Märchen vom eBook: http://www.dirk-home.de/dmt/?p=91
so wie ich das hier lese wird eigentlich so manches bestätigt – was mir schon immer zu dem Thema durch den Kopf geht ^^ – ich sag ja das ebook wird das “3-Liter Auto” des Internets ;-)
Was mich auch zufrieden stellen würde, wäre mit dem gedruckten Buch einen Download-Code für die ePub-Version des Textes zu erwerben.
So hätte ich das Werk zu Hause im Regal, könnte es nach wie vor verleihen, und trotzdem den Text auf meinem Lesegerät auch unterwegs zur Verfügung haben.
Aber sich für den gleichen Preis zwischen der elektronischen und der gedruckten Version entscheiden zu müssen, ist natürlich inakzeptabel.
Zum Glück habe ich noch einen enormen Nachholbedarf bei den gemeinfreien Klassikern. Wenn ich damit durch bin, hat sich ja vielleicht ein akzeptables Modell durchgesetzt.
Es geht nicht allein um Libreka! und eine unnötige Wiederholung schon begangener Fehler. Möglicherweise ist das eBook auch bloss ein Interludium. Die Akzeptanz ist ja generell nicht sonderlich beeindruckend. Wenn Amazon für den Kindle wirbt “Hold on 1500 books!”, provoziert das die Frage: Was nutzen 1500 Bücher oder noch viel mehr simultan im Straßencafe? Eine Verlagsstrategie muss auch das Medium berücksichtigen.
E-Books könnten eine schöne Geschichte werden, für Bücher, Zeitungen, Zeitschriften und Vieles mehr. Die Technik ist bereits relativ OK, was Speicherkapazität, Lesbarkeit und Netzconnections (z.B. via UMTS) betrifft. Leider und außerdem “hoffentlich” werden sich die potentiellen – auch zahlungswilligen – Anwender aus zwei wesentlichen Gründen dem von interessierter Seite gesponserten Hype vorerst verweigern.
1. Ich mag es überhaupt nicht, die “puppet on a string” zu spielen, mir beim Lesen permanent über die Schulter schauen zu lassen. Ein Buch, eine Zeitschrift kaufe ich, zahle bar im Geschäft, sage tschüss und dieses Holz ist mein. Kein Buchhändler wird das so ohne weiteres von mir zurück bekommen, keiner wird – ala dem Amazon Vorfall – bei mir real einbrechen und niemand kann meine Lesegewohnheiten registrieren und ggf. auswerten.
2. Ein gekauftes, reales Buch gehört mir. Ich kann damit machen was ich will, verschenken, verleihen, mir Seiten herauskopieren, mir Seiten scannen und am PC weiter verwenden etc. Und ich schlage es nach dem Kauf einfach auf und lese, muss nicht diverse Registriermechanismen durchlaufen, stehe bei so manchen Klauseln bereits mit einem Bein im Knast, habe gar noch Pech oder zumindest Stress, wenn der Reader mal technisch streikt. Möchte eben meine privaten Unterlagen, ob Bücher, Zeitungen, Zeitschriften etc. nicht in die verwaltenden, natürlich nur mein Bestes wollende Hände eines relativ anonymen Systems legen.
OK, die Contentindustrie sieht das anders; ist ihr gutes Recht. Meines ist es, sich dem zu verweigern.
Wenn man sich die Libreka-Angebote auf der Startseite so anschaut, dann kosten die EPUB-Versionen fast nahezu immer genauso viel wie die gebundene Ausgaben. Wo ist da bitte die Value Proposition? Es ist ja klar, dass man sich dann lieber die gebundene Ausgabe kostet, da hat man dann in diesem Fall ja auch nen Zusatznutzen davon.
Nun wurde auf Libreka ja die Atemschaukel “zum kostenlosen Download” angeboten, worauf der Server zusammenbrach.
Dies wurde vielfach als Indiz des Interesses am großartigen Buch Herta Müllers interpretiert. Ich interpretiere dies als technisches Versagen.
Ich hatte das Buch schon vor der Verleihung des Preises gelesen und war nun neugierig auf den Lade-Prozeß…
Auf http://www.kultur-banal.de habe ich dokumentiert, wie es mir nicht gelang, dieses Buch herunterzuladen, sei es aus Gründen undurchsichtiger Navigation, sei es ob des Erwerbs einer Adobe “Community ID” (ich wollte nie in dieser Community sein) und letztendlich ob des Verzichts meinerseits auf dieses Danaer-Geschenkes.
Mit solchen Aktionen wird uns DRM untergejubelt.
Aus der aufgezwungenen Community auszutreten ist nochdazu unmöglich, es gibt eine Lösch-Option im Profil und der Link in der Registrier-Bestätigungsmail von Adobe geht auch ins Leere…
Mich ärgert daß dazu ausgerechnet die großartige Atemschaukel herhalten mußte, als Speckschwarte vor die Nase der Gierigen gehalten zu werden…
Ganz aktuell hierzu auch ein Artikel von Hans-Peter Siebenhaar vom Handelsblatt: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/e-book-plattform-libreka-polarisiert-verleger;2470438
32 E-Books im September verkauft? Puh…
@ Dirk: Danke für den Link, solche Hinweise sind sehr willkommen.
@ Christoph Butscher: Ja, Siebenhaar schreibt wirklich sehr gut über Medienthemen. Der Tenor des Textes ist ja ähnlich.
Bei Libreka! ist es übrigens so, dass man jeweils eine Buchhandlung in der Nähe auswählen muss, die dann als offiziell als Verkäufer des E-Books auftritt. Libreka! vermittelt nur, verkauft nicht. Als Kunde kann man aber so gar nicht nachvollziehen, warum man im letzten Schritt noch wieder an den klassischen Buchhandel gebunden werden soll – inklusive prächtiger Marge für den physischen Einzelhändler.
[...] http://carta.info/16434/libreka-der-e-book-flopp-des-boersenvereins/ a few seconds ago from seesmic [...]
Siehe auch
http://archiv.twoday.net/stories/6000482/
@ Dirk Abe: Der Preis bei einem Titel wird vom Verlag festgelegt und nicht von einem Plattformbetreiber.
@ Hubert Gertis: DRM wird von den Verlagen, Agenten und Autoren festgelegt. Dies hat nichts mit der Weisheit der Librekabetreiber zu tun. Beim nächsten Beitrag vielleicht ein bißchen besser recherchieren!
@ Jonathan Beck: Vielen Dank für die Klarstellung.
@ Christoph Butscher: siehe Kommentar von Herrn Beck – ein Mehrwert wird wird einigen durch eine Volltextsuche und auch über eine sofortige Verfügbarkeit eines Titels geboten. Dies ist letzendlich Geschmackssache.
@ Jonathan Beck: Ihre Kostenrechung kann ich so leider nicht nachvollziehen. Die Herstellung des Buches mag rund 15 Prozent des Buchpreises ausmachen. Es entfällt nicht nur der, sondern auch die Kosten des physischen Vertriebs und des physischen Verkaufs. Da kommen Sie auf eine Kostenersparnis von deutlich über 50 Prozent.
Ein Autor (angeblich die hohen Kosten) erhält nicht einmal 10 Prozent des Endpreises, da sind wir uns einig, ja?
Vielen Dank für den Hinweis auf die höhere Mehrwertsteuer für E-Books, die ich zu erwähnen vergass. Die ist in der Tat sehr technikfeindlich und muss von der Politik möglichst schnell vereinheitlicht werden. Gefördert werden sollen doch die Inhalte nicht die Distributionstechnik!
@ Michael: So leicht können sich die Plattformbetreiber nicht aus der Affäre ziehen. Sie haben selbstverständlich die Verantwortung für ein reibungsloses und kundenfreundliches Angebot. Da kann man nicht den Schwarzen Peter weiterschieben – nach dem Motto “Die Verlage wollten eben DRM, nicht unser Bier”.
Eine Volltextsuche ist für einen Roman kein Mehrwert. Und die allermeisten Bücher sind auch physisch zwei Tage später da. Der von Ihnen geschilderte Mehrwert orientiert sich nicht allein am Leser. Den kann man nicht so einfach herbeibeten, sondern da ist viel Feldarbeit erforderlich,um das wirklich zu ergründen.
Meines Wissens setzt sich der Buchpreis (Paperback) ungefähr so zusammen:
Autor: 5-10% (bekannte Autoren bekommen wahrscheinlich mehr)
Druckerei: 15% (hängt auch von der Auflage ab)
Verlag: 25-30% (siehe Autor und Druckerei)
Handel: 50%
Im Gegensatz zum gedruckten Buch ist das Risiko für den Verlag deutlich geringer, da er nicht für die Massenproduktion in Vorleistung treten muß. Auch Remmittenden (unverkaufte Rückläufer) gibt es beim eBook nicht. Ebensowenig Versandkosten an den Großhändler. Bei der Marge der Verlage gibt es also noch Luft.
Viel deutlicher wird er Unterschied allerdings beim Handel. Transport- und Lagerkosten entfallen ebenso, wie teure Verkaufsflächen an attraktiven Standorten (zumindest, wenn die eBooks über das Internet verkauft werden). Bei Verzicht auf Verkaufsverhinderungsmechanismen (DRM) wäre die Infrastruktur für den eBook-Verkauf vergleichsweise billig. (Digitale Wasserzeichen könnten Raubkopien unter Kontrolle halten, ohne den Kunden zu gängeln.)
Es wäre wirtschaftlich also kein Problem, den Preis für ein eBook auf ca. 50% eines Paperback-Buches zu drücken. Außer der Druckerei könnten alle Beteiligten weiterhin etwas dabei verdienen. Man könnte sogar die Entlohnung der Autoren auf ein faires Niveau heben. (Aber wer will das schon.)
Ich habe heute libreka.de zum ersten Mal benutzt, als heute diese Geschichte mit dem Buch “SAP für Java-Entwickler”, das 9.95 in der Papierform und 44.95 in der PDF DRM Form kostet, aufgekommen ist (Es ist ein Eingabefehler, die Preise sind genau umgekehrt, das tut auch nichts weiter zur Sache).
Dabei ist mir aufgefallen was für eine Katastrophe der Suchalgorithmus ist den libreka.de einsetzt.
Eine Suche nach dem Buchtitel “SAP für Java-Entwickler” liefert keine Ergebnisse. Erst eine Suche nach “SAP”, “Java” oder “Java Entwickler” liefert entsprechende Ergebnisse. Der Fehler liegt im Bindestrich. Wenn ein Buchtitel einen Bindestrich enthält dann darf die Suche nach diesem Buchtitel den Bindestrich nicht enthalten. Eine Suche nach “Java-Entwickler” liefert keinerlei Ergebnis, obwohl libreka.de mehrere Artikel mit diesem Titel führt.
Das ist Suchtechnologie aus den Anfängen des Computerzeitalters.
PS: Bei Amazon liefert die Suche nach “SAP für Java-Entwickler” das erwartete Ergebnis.
[...] Libreka!: Der E-Book-Flopp des Börsenvereins — CARTA (tags: magister) [...]
[...] Libreka!: Der E-Book-Flopp des Börsenvereins — CARTA Einem Insider-Bericht zufolge erzielt das millionenschwere E-Book-Portal Libreka! des Börsenvereins monatliche Verkäufe von “knapp über Null”. Die Buchbranche macht die gleichen Fehler wie die Musikindustrie. Ihre Verhinderungspolitik gefährdet nicht nur die eigene Zukunft, sondern lässt die Urheberrechtsdebatte bewusst weiter eskalieren. (tags: libreka! ebook flopp carta.info 2009 10/2009) [...]
@eParanoid
Weitgehend und faktisch erst mal aus meiner Sicht so in Ordnung; mit Ausnahme der digitalen Wasserzeichen.
Erstens ist das die gleiche Kontrolle, nur unter anderem Namen und vielleicht mit vordergründig weniger Gängelung des Verbrauchers. Wer hat was, wann, wo gekauft? In welchem Kontext zu den anderen Käufen steht das? Der Nutzer bleibt gläsern bis zu allfälliger Werbung etc.
Zweitens steht der Wert des E-Books in keinem Verhältnis zur ggf. auch umgesetzten Strafandrohung bei Nichtbeachtung. Ein verdammt wertvolles Teil habe ich ja dann “so rumliegen”. Am besten Cryptographieren und in den Tresor verfrachten; auch “Freunde” können einen ärgern, von kriminellem Vorsatz (Einbruch, Diebstahl etc.) mal ganz abgesehen. Rechtlich außerdem gar zweifelhaft, derart gestaltete AGB’s bis hin zu Knebelverträgen.
Warum goldene Brücken bauen?
Wie das reale Buch: Cash und tschüss!
Als kleine Ergänzung noch: ich habe im Mai, nach der großen Libreka-Werbeoffensive zum eBook versucht, diese auf der Webseite zu finden. Das große Werbebanner zum Thema auf der Startseite war nicht klickbar, die Suche nach “ebook” verlief ergebnislos. In den Faqs fanden sich zum damaligen Zeitpunkt keinerlei Hinweise auf einen eventuell zum Download notwendigen Account.
Und auf meine E-Mail mit der Bitte um Informationen, wo und wie ich denn fündig werden könnte, habe ich bis heute keine Antwort erhalten…
Ich finde nicht, dass die Verlage in Sachen eBooks die Fehler der Musikindustrie wiederholen. Das liegt ganz einfach daran, dass Bücher anders als Musik noch hauptsächlich in analoger Form produziert werden, also schwerer raubkopiert werden können. Insofern selbst die Pforten zu einer verstärkten digitalen Produktion zu öffnen und dabei gar DRM wegzulassen, klingt auch in meinen Ohren ziemlich dumm. Das genau würde die Leute zu Raubkopien treiben, denn die werden immer genutzt, sobald sie verfügbar sind, egal welche Angebote es sonst gibt.
Auch der Anteil derer, die Belletristik in eBook-Form lesen wollen, dürfte in den kommenden Jahren, ja Jahrzehnten verschwindend gering bleiben. Sachbücher, mehr noch Fachbücher allerdings machen in digitaler Form großen Sinn. So kann der Student von Morgen die komplette Bibliothek im Park dabei haben. Klingt schön und praktisch. Fachbuchverlage müssen sich meiner Ansicht nach warm anziehen. Raubkopierte digitale Lehrbücher dürften einiges an Bedeutung gewinnen.
@ eParanoid: Vielen Dank für die Näherungswerte, die mir – im Analogieschluss zu anderen Kulturbranchen – sehr realistisch erscheinen. 7 Prozent Mehrwertsteuer sind natürlich noch drin.
@ Thomas: Du beschreibst genau das Dilemma jeder Branche im Wandel: Lieber das Alte bewahren als sich ins unsichere, weniger profitträchtige Neue begeben. Das kann klappen – wenn es tatsächlich stimmt, dass die neue technische Alternative gar nicht so attraktiv ist, wie Du ja auch annimmst. Stimmt es nicht, steht man mit den alten Modellen im Abseits.
Genau das kann die Buch- von der Musikindustrie meines Achtens lernen.
Ich will da aber nicht dogmatisch sein. Jeder Verlag wie es ihm gefällt – doch dann bitte nicht am Ende behaupten, es habe ALLES nur am Urheberrecht gelegen.
@Thomas Ich glaube das die Parallelen zwischen Buch und Musikbranche gerade darin bestehen, dass man sich auf die vermeintliche Unersetzbarkeit der physischen Kopie (Print/CD) verlässt und die zukünftige Akzeptanz der digitalen Version unterschätzt – gerade bei leicht konsumierbaren Belletristikgenres.
Davon mal abgesehen hat die Verlagsbranche immer noch einige Probleme und Verluste durch “analoge” Raubkopien, z.B. in Asien.
Auf dradio gibt es ein interessantes Interview zur Entwicklung des E-Book Marktes in Deutschland: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1051540/
“Während die Käufer darauf hoffen, dass ein E-Book womöglich wegen der wegfallenden Materialkosten mindestens um die Hälfte günstiger wird, bleibt der Börsenverein bei der Buchpreisbindung.”
http://www.zeit.de/2009/44/E-Book
[...] im Buchhandel. Dazu erklären Jürgen Scheele und Robin Meyer-Lucht auf Carta ausführlich den E-Book-Flopp des Börsenvereins. Zwei Gründe werden für die mangelnde Akzeptanz [...]
@Michael “Beim nächsten Beitrag vielleicht ein bißchen besser recherchieren!”
Bin ja auch Querleser aus Passion, aber ich nehme jetzt mal nicht an, dass in den DRM-Knebelidiotien einschlägiger Verlage drinnen steht, dass zwischen Kauf und DRMisierung mindestens 3,5 Stunden liegen müssen?
[...] Flops aus nichtkommerzieller Hand wie der Online-Stellenbörse der Arbeitsagentur oder der E-Book-Plattform Libreka des Börsenvereins, kann man gespannt sein. Oder hoffen, dass der Zeitraum bis 2011 groß genug ist, um Verstand über [...]
[...] und stach zuletzt gleichsam durch das Fehlschlagen seines E-Book-Portals libreka.de hervor (siehe Libreka!: Der E-Book-Flopp des Börsenvereins). Auch plädierte dessen Justiziar Christian Sprang noch Mitte Dezember in der mündlichen [...]
[...] urheberrechtlich geschützter Werke über libreka! ist zwar ein gangbarer Weg, jedoch steht libreka! selbst in der Kritik. Libreka! konnte sich bisher als eBook-Plattform nicht behaupten, über die Zukunft wird mal mehr [...]