Marvin Oppong | 7 Kommentar(e)
Rüdiger Heimlich ist Redakteur beim Kölner Stadt-Anzeiger (KStA), wo er über Medienthemen berichtet. Gleichzeitig ist der Journalist auch für den Westdeutschen Rundfunk (WDR) tätig, über den er im KStA ebenfalls schreibt.
02.10.2009 |
Rüdiger Heimlich ist vielen als Medien-Mann des Kölner Stadt-Anzeigers bekannt. Die Medienseite der Zeitung, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, so der Stadt-Anzeiger über sich selbst, „das angesehenste und einflussreichste Blatt im damaligen Reich“, zählt zu den wichtigsten Medienseiten der Republik zusammen mit den Pendants von Süddeutscher Zeitung, FAZ und Frankfurter Rundschau. Auf ihr behandelt der promovierte Literaturwissenschaftler Heimlich die Medienthemen des Landes und beschäftigt sich dabei regelmäßig auch mit den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Doch was der gemeine KStA-Leser nicht erfährt: Heimlich, der beim Kölner Stadt-Anzeiger nur eine halbe Stelle hat, ist nebenbei als freier Journalist in nicht unerheblichem Umfang auch für den WDR tätig. Dieser ist regelmäßig und ausführlich Gegenstand der Berichterstattung auf der von Heimlich maßgeblich mitbetreuten Medienseite – ein handfester Interessenkonflikt.
Ein WDR-Programmheft weist Heimlich als Co-Autor eines dreiteiligen, jeweils 55-minütigen Features mit dem Titel „Eco-Crimes – Geschäfte gegen die Natur Ozonkiller“ aus, das im November auf WDR 5 ausgestrahlt wurde. Das Feature wurde auch auf ksta.de angekündigt – anders als beim WDR fehlte dort jedoch ein Hinweis auf die Co-Autorenschaft Heimlichs.
Aus Angaben auf der WDR-Homepage ergibt sich, dass Heimlich als Co-Autor an einem jeweils 50-minütigen Zweiteiler zum Tiananmen-Massaker in China für WDR 5 mitwirkte, der im Juni gesendet wurde. Im Juni 2008 sendete WDR 3 einen weiteren, ganze 175 Minuten langen Beitrag von Rüdiger Heimlich über Flüsse. Laut dem Honorarahmen des WDR-Hörfunks vom 1.1.2005 veranschlagt der Sender für ein bis zu 60 Minuten langes Feature bereits ein Regelhonorar in Höhe von 3.047,17 Euro. Nicht umfasst sind davon mögliche Reisespesen, die Heimlich für seine Beiträge, die das Ausland behandelten, erhalten haben könnte. In einem Beitrag Heimlichs für WDR 3 aus dem Jahr 2007 mit dem Titel „Die Flucht nach Ägypten – Was geschah nach der Weihnachtsgeschichte?“ heißt es: „WDR 3.pm begibt sich auf die Spur der Heiligen Familie, besucht die Stationen ihrer Flucht durch die Wüste an den Nil“. Heimlich durfte für diesen Beitrag also offenbar nach Ägypten reisen. In einem ebenfalls 175 Minuten langen Beitrag Heimlichs über die USA von August 2008 heißt es im Programmheft: „WDR 3.pm. bereist einen politisch akut und weltweit diskutierten, literarischen wie musikalischen Kontinent“. Auf Anfrage gab Heimlich keine Auskunft darüber, ob er in den letzten Jahren für WDR-Beiträge ins Ausland reiste.
Heimlichs Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger strotzen nicht gerade vor Kritik am WDR. In diesen erfährt man zum Beispiel, dass der WDR-Rundfunkrat „so viel Wert legt auf sauberen Stil“ oder, wie in einem Artikel zum 50. Geburtstag des WDR, dass das Funkhaus am Kölner Wallrafplatz „Symbol für vielseitigen Journalismus“ ist.
Von Zeit zu Zeit wird WDR-Größen im KStA Platz eingeräumt, wenn sie von ihrem Kollegen Heimlich für das Blatt interviewt werden. So etwa in einem Interview mit dem früheren WDR-Intendanten Fritz Pleitgen, dem Heimlich „hohes Ansehen“ bescheinigte und zwei Mal interviewte, einmal davon unter dem Titel „Ein unabkömmlicher Intendant“. Ebenso bei Interviews mit dem Rundfunkratsvorsitzenden Reinhard Grätz oder in einem Gespräch mit der WDR-Intendantin Monika Piel. Der 80. Geburtstag des Ex-WDR-Intendanten Friedrich Nowottny war Heimlich im Mai sogar ein 4.000-Zeichen-Artikel wert.
Dem Autor dieses Artikels schrieb Heimlich im Juli 2008 im Zusammenhang mit einem möglichen Bericht über die damaligen Verbandelungen zwischen dem WDR und der Barmer Ersatzkasse im Kölner Stadt-Anzeiger: „Da wir das ‘Hausblatt’ des WDR sind, müssen wir alles auf die Goldwaage legen“.
Auf Anfrage nahm Heimlich zu einem Teil der Vorwürfe Stellung, teilte jedoch mit, dass seine Stellungnahme „nicht zur Veröffentlichung bestimmt“ sei. Er dürfe sich „als Angehöriger des Verlages der Presse gegenüber nicht äußern, wenn damit interne Vorgänge tangiert sind. Also noch mal: Nur für Ihr Verständnis und nicht zur Veröffentlichung“. Lutz Feierabend, stellvertretender Chefredakteur des Kölner Stadt-Anzeigers, teilte auf Anfrage mit: „Der ‘Kölner Stadt-Anzeiger’ kommentiert regelmäßig in sehr kritischer Weise die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten inklusive des WDR. Herr Heimlich ist neben anderen Autor dieser kritischen Stücke. Ich arbeite mit Herrn Heimlich seit Jahren eng und vertrauensvoll zusammen und kenne ihn als seriösen, verantwortungsvollen Journalisten“.
Anmerkung: Der Autor dieses Artikel hatte als freier Journalist mehrfach Kontakt mit dem Kölner Stadt-Anzeiger, als es darum ging, möglicherweise Artikel für den Stadt-Anzeiger zu schreiben.
Nachtrag vom 10. Oktober 2009: Der WDR hat am 8. Oktober auf eine Anfrage vom 28. September 2009 reagiert. Die volllständige Stellungnahme findet sich hier.


[...] http://carta.info/15520/ksta-redakteur-ruediger-heimlich-journalist-mit-doppelrolle/ [...]
Derartige Janusköpfe sind im Feuilleton-Journalismus öfter zu finden. So enthüllte etwa Andreas Simmen vom Rotbuch-Verlag soeben die “Mehrfachexistenz” eines Literaturkritikers, der gleich unter mehreren Decknamen für unterschiedliche Medien widersprüchliche Rezensionen zum selben Buch verfertigte.
http://oxnzeam.de/2009/10/01/unseriose-literaturkritik/
Wenn die Damen und Herren von Carta bitte berücksichtigen würden, dass dieser Interessenskonflikt vermutlich vor allem dem unerträglichen System des sogenannten “Freien Journalismus” zuzuschreiben ist und nicht Herrn Heimlich selber.
Würden die öffentlich-rechtlichen Anstalten das ausbeuterische System der “Freien Mitarbeiter” (welche Euphemismus!) endlich beenden, würde sich der KStA eine ganze Medienredakteurs-Stelle statt einer halben gönnen, würden Journalisten wie der mir bis dato nicht bekannte Herr Heimlich nicht in so einer Zwickmühle stecken und auf Carta an den virtuellen Pranger gestellt werden.
Können Sie wirklich Verfehlungen nachweisen? Nein.
Können Sie den von Ihnen vermuteten Interessenskonflikt nachweisen? Nein.
Können Sie ein WDR-Thema anführen, dass vom KStA hätte behandelt werden müssen, aber aufgrund von Intervention des Herrn Heimlich verhindert wurde? Scheinbar auch nicht.
Alles was Sie können ist den Zeigefinger ausstrecken und die Opfer eines kapitalistischen Systems bloß stellen, das solche Zustände möglich macht.
Sie verwechseln Opfer und Täter. Ein Armutszeugnis.
@ Dieter Rantel: Vielen Dank. Marvin Oppong wird gerne dazu Stellung nehmen.
@ Dieter Rantel:
Sie fragen zwar “Können Sie den von Ihnen vermuteten Interessenskonflikt nachweisen?”, scheinen jedoch selbst der Auffassung zu sein, dass hier ein Interessenkonflikt vorliegt, wenn Sie ein Stück darüber schreiben “dieser Interessenskonflikt …”.
Ich bin nach wie vor der Auffassung, dass es einen Interessenkonflikt darstellt, wenn man als Journalist über einen persönlichen Auftraggeber schreiben muss. Greift man diesen zu stark an, kann es passieren, dass man keine Aufträge mehr von ihm erhält, um nur ein Beispiel zu nennen.
Ich habe zu dem Thema des Artikels im Übrigen mehr Informationen gesammelt, als in ihm enthalten sind. Aus beweisrechtlichen Gründen konnte ich nicht all diese Informationen veröffentlichen, auch wenn dies sicherlich interessant für die Öffentlichkeit gewesen wäre.
Sie schreiben vom “unerträglichen System des sogenannten ‘Freien Journalismus’” und von einer “Zwickmühle”, in der Herr Dr. Heimlich stecke. Dabei übersehen Sie, dass Herrn Dr. Heimlich niemand zwingt, im KStA über den WDR zu schreiben, für den er ebenfalls tätig ist.
Auch Ihre Argumentation, der KStA würde sich eine ganze Medienredakteurs-Stelle statt einer halben gönnen, würden die öffentlich-rechtlichen Anstalten “das ausbeuterische System der ‘Freien Mitarbeiter’” beenden, kann ich aus ökonomischer Sicht nicht nachvollziehen.
Daneben bin ich der festen Überzeugung, dass auch das von Ihnen angeführte “kapitalistische[n] System[s]” keinen Journalisten von seinen Verpflichtungen gegenüber dem Ansehen der Presse entbindet. Herr Dr. Heimlich hat seine Doppelfunktion in KStA-Artikeln, die den WDR behandeln, nicht offengelegt, was unter Transparenzgesichtspunkten wünschenswert gewesen wäre. Auch in der Reaktion von Herrn Dr. Heimlich auf meine Anfragen kann ich kein übermäßiges Bestreben nach Transparenz erkennen – das, obwohl Herr Dr. Heimlich selbst Journalist ist und ihm an Aufklärung gelegen sein müsste.
Was von Ihnen angesprochene etwaige Verfehlungen und etwaige unterdrückte WDR-Themen betrifft, so verkennen sie die Zielrichtung meines Artikels. Dieser befasst sich lediglich mit dem Interessenkonflikt, der sich aus der Doppelfunktion von Dr. Heimlich ergibt. Dieser Interessenkonflikt wird hinreichend dargelegt.
Sie fragen zwar “Können Sie den von Ihnen vermuteten Interessenskonflikt nachweisen?”, scheinen jedoch selbst der Auffassung zu sein, dass hier ein Interessenkonflikt vorliegt, wenn Sie ein Stück darüber schreiben “dieser Interessenskonflikt …”.
>> Ja, ich teile ihre Auffassung, dass es zu einem Interessenskonflikt kommen könnte.
Ich bin nach wie vor der Auffassung, dass es einen Interessenkonflikt darstellt, wenn man als Journalist über einen persönlichen Auftraggeber schreiben muss. Greift man diesen zu stark an, kann es passieren, dass man keine Aufträge mehr von ihm erhält, um nur ein Beispiel zu nennen.
>> Vollkommen richtig.
Ich habe zu dem Thema des Artikels im Übrigen mehr Informationen gesammelt, als in ihm enthalten sind. Aus beweisrechtlichen Gründen konnte ich nicht all diese Informationen veröffentlichen, auch wenn dies sicherlich interessant für die Öffentlichkeit gewesen wäre.
>> Das wäre in der Tat interessant gewesen. So bleibt ihre Beweisführung sehr im Vagen.
Sie schreiben vom “unerträglichen System des sogenannten ‘Freien Journalismus’” und von einer “Zwickmühle”, in der Herr Dr. Heimlich stecke. Dabei übersehen Sie, dass Herrn Dr. Heimlich niemand zwingt, im KStA über den WDR zu schreiben, für den er ebenfalls tätig ist.
>> Nein, niemand zwingt ihn. Worauf wollen Sie hinaus? Ich fürchte, ich verstehe Sie in diesem Punkt nicht.
Auch Ihre Argumentation, der KStA würde sich eine ganze Medienredakteurs-Stelle statt einer halben gönnen, würden die öffentlich-rechtlichen Anstalten “das ausbeuterische System der ‘Freien Mitarbeiter’” beenden, kann ich aus ökonomischer Sicht nicht nachvollziehen.
>> Ich glaube, da haben Sie mich mißverstanden. Das “würde…, würde…” war nicht als Kausalzusammenhang zu verstehen, sondern als Aufzählung. Worauf ich hinaus wollte: Das journalistische System der freien Mitarbeiter oder halber Redakteursstellen setzt eben jene unter einen ökonomischen Druck, der zu solchen Konstellationen führen kann, wie sie bei Herrn Heimlich vorzufinden sind.
Daneben bin ich der festen Überzeugung, dass auch das von Ihnen angeführte “kapitalistische System” keinen Journalisten von seinen Verpflichtungen gegenüber dem Ansehen der Presse entbindet.
>> Da bin ich ihrer Meinung.
Herr Dr. Heimlich hat seine Doppelfunktion in KStA-Artikeln, die den WDR behandeln, nicht offengelegt, was unter Transparenzgesichtspunkten wünschenswert gewesen wäre.
>> Auch das ist richtig. Ich kenne die Ankündigung des Features nicht, wenn es sich aber um einen 20-Zeiler gehandelt haben sollte, wäre der Zusatz “An diesem Feature hat übrigens auch unser Redakteur Herr Heimlich mitgearbeitet” etwas skurril gewesen. Wenn jedoch journalistisch korrekt.
Auch in der Reaktion von Herrn Dr. Heimlich auf meine Anfragen kann ich kein übermäßiges Bestreben nach Transparenz erkennen – dass, obwohl Herr Dr. Heimlich selbst Journalist ist und ihm an Aufklärung gelegen sein müsste.
>> Das kann ich nicht beurteilen, da Herr Heimlich sein Statement nicht öffentlich machen möchte. Ein unkluger Zug.
Was von Ihnen angesprochene etwaige Verfehlungen und etwaige unterdrückte WDR-Themen betrifft, so verkennen sie die Zielrichtung meines Artikels. Dieser befasst sich lediglich mit dem Interessenkonflikt, der sich aus der Doppelfunktion von Dr. Heimlich ergibt. Dieser Interessenkonflikt wird hinreichend dargelegt.
>> Das ist richtig. Er wird dargelegt. Was mich stört: Sie arbeiten sich an einem Einzelfall ab, übersehen jedoch dabei die größeren Zusammenhänge, die ich sehr viel kritikwürdiger finde. Ich habe eine Replik verfasst, die Sie hier finden:
http://blogjournalisten.com/medien/carta-info-verwechselt-opfer-und-tater/
Bitte entschuldigen Sie den etwas ruppigen Ton in meinem ersten Kommentar. Ich war etwas aufgebracht.
Freundliche Grüße,
Dieter Rantel
Ist Marvin Oppong in Sachen WDR denn nicht auch befangen? Immerhin lief zu dem Zeitpunkt, als er den Blogbeitrag geschrieben hat, eine (inzwischen vom Gericht abgewiesene) Klage von Oppong gegen den WDR, auf die er so stolz ist, dass er ein eigenes Blog dazu aufgemacht hat: http://oppong.wordpress.com/
Davon mal abgesehen: Was genau tut das mit den Reisespesen zur Sache und mit welcher Formulierung das im Programmheft steht?