Matthias Schwenk | 8 Kommentar(e)
Nie war Google printwertiger als mit dem Nachrichtenservice Fast Flip, der gerade aus dem Hut gezogen wurde. Ob aber allein das Blättern wie in einem gedruckten Magazin den an Fast Flip beteiligten Verlagen wirklich helfen wird, darf bezweifelt werden: Das Internet ist kein Printmedium.
15.09.2009 |
Google ist wie ein Magier, der ständig neue Kaninchen aus seinem Hut zaubern und diese auch wieder verschwinden lassen kann. Der neueste Trick: Google Fast Flip, eine Nachrichtenseite, die wie ein gedrucktes Magazin funktioniert. Man kann durch die Seiten blättern und bekommt beinahe eine Art “Printfeeling”, da alle Inhalte vorgeladen werden und damit das Blättern sehr schnell vonstatten geht.
Dass Fast Flip leider doch kein echtes Magazin ist, merkt man spätestens beim Lesen eines Artikels. Dieser wird nämlich nicht vollständig angezeigt: Um ihn ganz zu lesen, muss man einem Link auf seine Quelle folgen und landet dann auf den normalen Seiten etwa der New York Times oder der Washington Post.
Rund 40 amerikanische Verlage sind an diesem Versuch beteiligt. Sie steuern dabei nicht nur ihre Inhalte bei, sondern sind auch an den Werbeeinnahmen beteiligt. Über die Aufteilung dieser Einnahmen ist noch nichts Genaues bekannt. Offen ist auch, ob Fast Flip ein Nachfolger von Google News werden wird, oder ob beide Dienste unterschiedliche Segmente bedienen sollen: Fast Flip könnte eher im Bereich der Magazine erfolgreich werden, während Google News bei der Aggregation von Zeitungsartikeln bleibt.
Vom Start weg gibt es eine mobile Version für das iPhone und Android-Smartphones. Gut möglich ist, dass Fast Flip auf diesen Geräten mit ihren kleinen Bildschirmen mehr Erfolg haben wird als auf herkömmlichen PCs oder Notebooks. Denn auf einem normalen Rechner ist das Umblättern eigentlich nur ein netter Gag, während es auf den viel kleineren Geräten bei der Navigation recht praktisch ist.
Denkbar ist aber auch, dass Fast Flip den Verlagen bei ihren Strategien zum Paid Content helfen soll: Denn ein Verlag könnte nun seine Inhalte hinter einer Paywall platzieren, gleichzeitig aber die Vorschau bzw. das Anlesen seiner Artikel auf Fast Flip ermöglichen. Dass Google derzeit zufällig auch gerade an einer Lösung für Micropayments arbeitet, passt da gut ins Bild.
Ein entscheidender Kritikpunkt aber bleibt: Die Zukunft des Internets liegt nicht in der möglichst naturgetreuen Nachbildung gedruckter Medien. Bei Google weiß man das sehr wohl, weil dort auch an ganz anderen Kalibern gearbeitet wird, etwa an Google Wave. Das sollte auch den Verlagen bewusst sein, die an Fast Flip mitwirken.
Erst recht sollte es den Verlagen und Medienhäusern in Deutschland klar sein, die dieser Tage dem offiziellen Start von nachrichten.de entgegen sehen. Dieses Portal aus dem Hause Burda zielt direkt auf Google News und hängt damit den Entwicklungen am Markt schon vor seinem Start ein paar Jahre hinterher, während man bei Google scheinbar mühelos immer neue Kaninchen aus dem Hut zaubert.





Hallo Matthias, kann gut sein, dass Fast Flip ein Vehikel für paid content werden soll. Wobei sich das aber auf negativ die Werbeeinnahmen auswirken könnte: Paul Bradshaw hat heute ebenfalls Fast Flip kommentiert und sehr deutlich auf denkbare Nachteile für die Verlage hingewiesen. Es reduziere ihnen die “Schlüsselmetrik”, um mit Werbung Geld zu verdienen: die Verweildauer der Nutzer auf den eigenen Seiten.
Hier der Link: http://onlinejournalismblog.com/2009/09/15/googles-fast-flip-a-cruel-joke-on-the-news-industry/
[...] verschiedener Onlineportale gezeigt. Weil der Service im Rahmen der Google Labs entwickelt wird und noch ganz frisch ist, sind bisher nur wenige Online-Medien, vorrangig US-Zeitungen, erfasst. Dank der Screenshots [...]
FastFlip als Opportunity für Verlage sehe ich auch eher skeptisch. Natürlich ist die Site so gebaut, dass die Aufenthaltsdauer maximiert wird, wie sollte es auch anders sein. Statt die beherrschende Stellung von Google im Markt der Online-Werbung zu unterstützen sollten Inhalteanbieter eher miteinander kooperieren. Zum “Kaninchen” fällt mir auch eine zweite Metapher ein. Mehr dazu unter
http://www.fructus-gmbh.de/blog/2009/09/375
@Thorsten: Guter Link! Paul Bradshaw ist einer der Ersten, die sich kritisch zu Fast Flip äußern.
@Christoph Kappes: Dem stimme ich voll und ganz zu. Anstatt sich von Google umgarnen zu lassen, sollten die Verlage eher untereinander kooperieren und dabei neue Formate testen.
[...] betrachtet ist das eine ganz schlechte Voraussetzung, wenn man mit Unternehmen wie Google, Facebook oder Twitter konkurrieren muss, die das Internet durch und durch kennen und deren [...]
[...] » Google Fast Flip: Ein Kaninchen für die Verlage — CARTA [...]
“zielt direkt auf Google News und hängt damit den Entwicklungen am Markt schon vor seinem Start ein paar Jahre hinterher”
Diesen Zusammenhang verstehe ich nicht. Warum soll nachrichten.de hinterherhängen, nur weil es Google News nachahmt? Google News ist von der Technologie her doch immer noch führend!?
@Marco: Google News ist auf seine Art tatsächlich immer noch führend. Aber die konzeptionelle Idee eines solchen Nachrichtenaggregators ist schon ca. 7 Jahre alt (Google News startete Ende 2002). Seither gab es eine Fülle neuerer Ansätze zur Aggregation der Inhalte diverser Onlinemedien, die alle nicht in das Konzept von nachrichten.de Eingang gefunden haben.