Matthias Schwenk

Desinvestieren für eine bessere Medienwelt – das Internet als Fanal und Hoffnungsträger

Matthias Schwenk | 14 Kommentar(e)

  PDF


Der Blick in die Vergangenheit ist kein guter Ratgeber für die Zukunft. Medienvertreter und Politik sollten sich schleunigst Leitbilder für das Jahr 2020 erarbeiten. Dabei stehen die Manager vor einer fast unlösbaren Aufgabe: Desinvestieren für eine bessere Medienwelt.

25.06.2009 | 

Das Internet kann die Zeitung nicht ersetzen, sagt Bundestagspräsident Norbert Lammert. Das kann man ihm getrost glauben, wenn man sieht, was dazu gerade in den Niederlanden diskutiert wird: Eine Internetsteuer zugunsten notleidender Zeitungsverlage hat dort eine Kommission der Regierung vorgeschlagen.

Rückwärts orientiertes Denken also an vielen Orten, auch Robin Meyer-Lucht kann ein Lied davon singen. Interessanter aber als die Debatten um den Existenzerhalt gestriger Institutionen ist doch die Frage, wie Journalismus künftig aussehen und was uns die Technik dazu alles ermöglichen wird.

  1. Das Internet als Trägermedium wird kontinuierlich weiter an Bedeutung gewinnen. Jenseits aller technischen Fragen macht dies allein schon die demografische Entwicklung (weltweit) klar: Junge Menschen akzeptieren und nutzen das Internet auf vielfältige Art und Weise, eine Umkehr dieser Entwicklung ist nicht mehr vorstellbar. Parallel dazu sterben am oberen Ende der Bevölkerungspyramiden kontinuierlich Menschen, die das Internet kaum oder gar nicht nutzten, dafür aber Zeitung lasen (Print) und analoges Fernsehen gewohnt waren. Gegen diese Verschiebung helfen langfristig weder Subventionen noch das Rieplsche Gesetz.
  2. Die Computer- und Internet-Technologie entwickelt sich laufend weiter und das mit anhaltend hoher Geschwindigkeit. Das hohe Tempo bei den Innovationen resultiert dabei aus der Tatsache, dass hier einer der größten Wachstumsmärkte weltweit gekoppelt ist mit einem sehr starken Wettbewerb. Große Unternehmen konkurrieren mit Startups, die Markteintrittsbarrieren speziell im Bereich Software sind relativ niedrig.
  3. Der Bürgerjournalismus ist eine Wachstumsbranche. Weltweit lernen immer mehr Menschen, wie man mit Social Software einerseits und der erforderlichen Hardware andererseits (Mobiltelefone, Computer…) umgeht und sich Gehör verschaffen kann. Die Dynamik ist hier eine Doppelte: Denn es werden immer mehr Menschen, die aktiv Instrumente wie Twitter, Facebook oder YouTube nutzen, während gleichzeitig die Technik dazu immer besser bzw. kostengünstiger wird.
  4. Die aktuellen Vorgänge im Iran schärfen den Blick für Stärken und Schwächen alter und neuer Medien zugleich. Es wird aber nicht bei Diskussionen darüber bleiben, sondern zu Innovationen und neuen Konzepten im Geschäft mit Nachrichten führen, vor allem im Internet. Instrumente wie Twitter darf man deshalb nicht statisch sehen, sondern muss in ihnen schon das Potenzial künftiger Entwicklungen erkennen (können). Die Medienlandschaft im Internet entwickelt sich also permanent weiter. Demgegenüber wirken Überlegungen zu kostenlosen Zeitungsabos für Schüler in NRW rührend und hilflos.
  5. Über das Internet wird unsere Welt zunehmend transparent und in Echtzeit sichtbar. Instrumente wie Google Earth, Street View und Maps sind keine Endpunkte einer Entwicklung, sondern nur Stationen auf dem Weg. Im nächsten Jahrzehnt werden die Bilder besser und via Sensortechniken kommen immer neue Schichten von Daten dazu. Vermutlich ist es auch nur noch eine Frage der Zeit, bis wir über das Internet auf Satellitenbilder zugreifen können, wie sie heute noch den Militärs und Geheimdiensten vorbehalten sind, weil auch diese Technik immer kostengünstiger (und banaler) wird. Dann brauchen auch Verlage keine Journalisten mehr ins Ausland schicken, um exklusiv vor Ort zu berichten, weil das Publikum (via Internet) längst dort sein und aus hyperlokalen Quellen schon alles Wesentliche erfahren haben wird.

Das alles sind keine gute Nachrichten für Verlage und Medienhäuser. Auch eine aktuelle Studie von Deloitte macht wenig Hoffnung und spricht schon offen von Strategien zur Desinvestition. In den Augen von Hugo E. Martin stehen damit selbst “erfahrenste Verlagsmanager vor schier unlösbaren Aufgaben”.

mega1

"Positiv an dieser Entwicklung ist immerhin die Hoffnung auf nichts weniger als eine bessere Welt."

Positiv an dieser Entwicklung ist immerhin die Hoffnung auf nichts weniger als eine bessere Welt. Denn heute schon hat etwa das Unrechtsregime im Iran große Mühe vor der Weltöffentlichkeit zu verbergen, wie brutal es gegen das eigene Volk vorgeht. Im Zeitalter des Internets und der Mobiltelefone helfen eben keine Ausgangsverbote für Journalisten oder die Ausweisung von Diplomaten.

Die Uhr tickt also für die Diktaturen dieser Welt, ebenso vermutlich für offensichtliche Umweltzerstörungen und anderes Unrecht, so weit es sichtbar bzw. messbar gemacht werden kann. Den politischen Handlungsdruck erzeugt dann die Empathie der Vielen, die über die neuen Medien ein Crowd Sourcing in bisher nicht möglich gewesener Form aufbauen.

Daneben wird es immer einen Markt für guten Journalismus geben, wenn auch in anderer Form als heute. Demotix könnte dafür wegweisend sein:  Ein Netzwerk für Journalisten, die ihre Arbeit an Medien lizenzieren. So könnten in Zukunft auch neue Medienformate mit eher geringem Budget Bildmaterial oder Recherchen einkaufen, etwa Blogs oder Zeitungen, die nur noch online erscheinen und nur mit stark reduziertem Personalumfang arbeiten. Und Norbert Lammert bekommt am Ende doch noch Recht, wenn auch anders als er selber denkt: Das Internet kann und braucht Zeitungen nicht zu ersetzen, weil es etwas Besseres und Größeres schaffen wird.

Post to Twitter Artikel twittern

Artikel per E-Mail empfehlen Artikel per E-Mail empfehlen

Mehr zu: | |

14 Kommentare

  1. Hugo E. Martin |  25.06.2009 | 19:57 | permalink  

    Um einem Mißverständnis vorzubeugen:
    diese “schier unlösbaren Aufgaben selbst für erfahrene Verlagsmanager” haben die Deloitte Experten postuliert. Ich halte diese und andere, meiner Meinung nach viel wichtigere Aufgaben für spannend und lösbar (sowie hilfreich, um dem ein oder anderen Verlagsmanager Beine zu machen und wieder zu seinen Kunden aufzuschließen)

    - wofür bräuchten wir Unternehmer, Verleger, wenn es keinen Wettbewerb gibt? Wettbewerb macht Beine …
    - Druckauflagen interessieren doch in erster Linie Papierfabriken, Druckereien und den Grosso der die Remissionen wieder zu Geld macht. Für einen Verlag sind Druckauflagen nur interessant, weil man dort Geld, viel Geld gar nicht erst ausgeben muss
    - seit vielen Jahren Jahrzehnten wird Verleger mit werbefinanzierten Angeboten geraten sich breiter aufzustellen und die Abhängigkeit von Werbeeinnahmen zu verringern. Einige Verlage haben das erfolgreich gemacht, bei vielen anderen herrscht gähnende Leere in den Angebotsregalen für digitale Güter, Datenbanken, Services und kundenspezifischen Angeboten
    - statt einem Rückgang gab es in den letzten Jahren mehr und mehr Titel, ein Rückgang der beliebigen, austauschbaren Produkte kann doch nur im Interesse der Verlage, der Leser, der Werbetreibenden und der Umwelt sein.

  2. Ulrike Langer |  25.06.2009 | 22:00 | permalink  

    Hallo Matthias,

    ich stimme Dir in allen Punkten zu, möchte aber zwei Anmerkungen machen: Die Kunst des Journalismus wird darin bestehen, die schiere Fülle an Crowdsourcing-Material zu filtern, sinnvoll einzubinden und aufzubereiten, damit Plattformen entstehen, nach deren Besuch man schlauer ist als vorher. Auf denen konstruktive Debatten entstehen können. Vielleicht wird es für das Filtern nichtjournalistische Vertrauensleute als Intermediäre brauchen, denn im Grunde ist diese globale Aufgabe von vergleichsweise wenigen Journalisten alleine nicht zu leisten.

    Zweitens klammerst Du hier interessanterweise auch die Finanzierungsfrage aus, die Du bei meinen 10 Thesen zum Social-Media-Journalismus vermisst hast…Das ist allerdings keine Kritik: Ich finde durchaus, dass es Texte geben darf, welche die konzeptionelle Zukunft des Journalismus zum Thema haben, und andere, die eher das Ökonomische beleuchten.

  3. Matthias Schwenk |  25.06.2009 | 22:48 | permalink  

    @Hugo E. Martin: Danke für die Richtigstellung und Sorry! Die ironische Brechung bei Dir im Blog habe ich leider überlesen.

    @Ulrike Langer: Das Filtern von Aussagen können in wenigen Jahren vermutlich auch Softwaretools auf der Basis semantischer Technologien leisten. Ansatzweise sieht man das heute schon bei Applikationen, die Twitter scannen und Thementrends sichtbar machen (bsp. hier mal verlinkt Twist zum Begriff “Iran”).

  4. — WEISSGARNIX |  26.06.2009 | 11:16 | permalink  

    [...] Artikel bei den Kollegen von Carta (Gratulation nachträglich zum Gewinn des Grimme-Awards – nein, ich bin nicht neidisch; der [...]

  5. »Lesenswertig« am 26. June 2009 | Denkwertig, der persönliche Blog von René Fischer |  26.06.2009 | 12:03 | permalink  

    [...] Desinvestieren für eine bessere Medienwelt – das Internet als Fanal und Hoffnungsträger Shared um 21:10 Uhr via Delicious Der Blick in die Vergangenheit ist kein guter Ratgeber für die Zukunft. Medienvertreter und Politik sollten sich schleunigst Leitbilder für das Jahr 2020 erarbeiten. Dabei stehen die Manager vor einer fast unlösbaren Aufgabe: Desinvestieren für eine bessere Medienwelt. [...]

  6. Martin Trögner |  26.06.2009 | 14:41 | permalink  

    Ich kann einige Argumente und Behauptungen nicht nachvollziehen:
    [...]Im Zeitalter des Internets und der Mobiltelefone helfen eben keine Ausgangsverbote für Journalisten oder die Ausweisung von Diplomaten[...]
    Wann haben diese Maßnahmen denn vor dem Internetzeitalter geholfen? Richtig ist, Information verbreiten sich schneller, aber außer im Iran selbst, liegt in der Schnelligkeit kein Gewinn. Was passiert in Myanmar oder Nordkorea? Werden neue Techniken und Medien diese Diktaturen beenden?

    [...]weil das Publikum (via Internet) längst dort sein und aus hyperlokalen Quellen schon alles Wesentliche erfahren haben wird.[...]
    Ist es nicht gerade ein wichtige Aufgabe des Jounalismus die verschiedenen Quellen zu sichten und zusammenzufassen, um dem Leser/Hörer/Zuschauer die Arbeit zu ersparen, die er schon aus zeitlichen Gründen gar nicht leisten kann?

  7. Matthias Schwenk |  27.06.2009 | 18:23 | permalink  

    @Martin Trögner: Das Internet bringt nicht nur Schnelligkeit, sondern auch Bilder, die sonst nie an die (Welt-) Öffentlichkeit gelangt wären. Man denke etwa an die Videos aus dem Iran. Wer das verhindern will, muss Zustände wie in Nordkorea oder Burma (Myanmar) schaffen. Diese beiden Länder sind in der Tat relativ “immun” – aber um welchen Preis?

    Das Sichten und Zusammenfassen von Nachrichten ist eine sehr wichtige Aufgabe der klassischen Medien. Diese Funktion an sich wird es auch immer geben. Allerdings ermöglicht das Internet eine ganze Reihe weiterer Möglichkeiten an “Aggregation” von Nachrichten, sei es technisch (etwa durch Meme-Tracker) oder persönlich (über Social Networks wie Facebook oder Twitter). Es konkurrieren also künftig verschiedene Systeme um die Gunst des Publikums, die “alten” Medien verlieren dabei einen Teil ihrer Deutungshoheit.

  8. Martin Trögner |  28.06.2009 | 11:20 | permalink  

    @Matthias Schwenk: Mit den Beispielen auf Nordkorea und Myanmar wollte darauf hinweisen, dass die Existenz des Internets Menschen in Diktaturen nur beschränkt hilft. Wird die über das Internet informierte Weltöffenlichkeit wirklich die Entwicklung im Iran wesentlich mehr beeinflussen, als sie es täte, wenn sie nur durch die ‘alten’ Medien informiert würde?

    Ich sehe im Internet keine neue Qualität von Informationen, sondern eher deren einfachere und kostengünstigere Verfügbarkeit. Allerdings ist das Mehr an Informationen auch gleichzeitig ein Problem. Man muss, wie schon gesagt, die relevanten von den unrelevanten und doppelten trennen. Dass technische Lösungen dies in näherer Zukunft wirklich können, wage ich zu bezweifeln. Technische Systeme scheinen mir leichter zu manipulieren als menschliche Einschätzungen. Man muss nur den Aufwand sehen, den Google betreibt, um die wirklich relevanten Links an Anfang der Trefferliste zu bekommen, ohne nur zu diesem Zweck gestalteten Seiten auf den Leim zu gehen. Als Google neu war, waren die Ergebnisse meiner Meinung nach deutlich besser als heute, wo (fast) alle kommerziellen Seiten versuchen, ihr Ranking zu verbessern.

  9. Paul Pretzel |  28.06.2009 | 15:53 | permalink  

    Das Internet als Hoffnungsträger, hatten wir das nicht schon? Gleich, nachdem es mit dem Internet als Geldmaschine nicht so ganz geklappt hat, war das, glaube ich.

    Zu 1: Das Internet wird kontinuierlich an Bedeutung gewinnen.
    Ja, und wenn schon. Bitte nicht vergessen, für die jungen Leute ist das Kommunikationsmittel Nummer eins, zwei und drei das Handy. Bitte auch nicht vergessen, dass das Internet eine verhältnismässig aufwendige Technik ist, im Vergleich zum Buch oder zur Zeitung. Die Killerapplikation beim Internet ist auch nicht Zeitung lesen, die Killerapplikation ist homebanking und Bestellung beim Versandhandel. Die weitere Entwicklung ist vom Ausbau der Leitungen abhängig, und das liegt beim Bund und bei der Deutschen Telekom, der immer noch ddas Festnetz gehört.

    Zu 2. Die Innovationen werden sich überschlagen.
    Ja, und wenn schon. Es soll ja auch noch Leute geben – ausser Bill und seinen Microserfs – die daran glauben, dass Microsoft mit Windows 7.0 eine einfaches und stürungsfreies Betrteibssystem auf den Markt brtingen wird. Niemand will Innovationen um ihrer selbst willen, jeder will Innovationen, die ihm das Leben einfacher machen. Ach so, und da die witschaftliche Zukunft so sein wird, dass der Boom ohne Ende weitergeht, kann sich auch jeder diese brandmeuen Innovationen leisten.

    Zu 3. Der Bürgerjournalismus steht bald in voller Blüte.
    Ja, und wenn schon, das hatten wir doch alles. Sie SPD versuchte in den siebzigern, mit Bürger-, besser Ortsvereinsjournalismus das Übergewicht der Union in den Medien zu brechen. Hat nicht geklappt, obwohl schon damals genug Lehrer in der Partei waren, die eigentlich sprachliche Fähigkeiten wie die für die Pressearbeit erforderliche Musse mit scih brachten.
    Es gab eine Zeit, in der der Bürgerjournalismus in voller Blüte stand und die Volksmusik auch. Das war damals, als jeder, der auf der Gitarre zwei Akkorde konnte, eine Punk-Band gründete, und jeder, der einen Kopierer bedienen konnte, ein Punk-Fanzine herausbrachte. Zunäacht ist nach wie vor der Mut dieser jungen Leute zu der Zeit zu bewundern, einfach sein Ding hier und jetzt machen zu wollen nd nicht noch eine Studie, noch einen Workshop, noch ein Schuljahr abzuwarten. Und so wie damals die Musik und die Fanzines blühten, siewnd sie auch verblüht. Ob sie Frücjte getragen haben? Ich nehme an, ja: Viele haben anderes, wichtigeres gefunden, welche sind bei der Musik oder beim Schreiben geblieben, wenn sie nciht in dei Werbung geganggen sind, wo es auch so ähnlcih funktioniert wie in der Punkband, bloss dass es sehr viel besser bezahlt ist.
    Oder anders: Wenn man davon ausgeht, dass Jiournalismus ein ersthafter Beruf ist, der Kenntnisse und Fähigkeiten voraussetzt, die erlernt werden müssen, ist das mit dem Bürgerjournalismus Kokolores.
    Richtig ist, dass das Internet inzwischen jedem ziemlich kostengünstig erlaubt, seine Meinung zu verbreiten. Das ist nichts schlechtes, aber noch kein Bürgerjournalismus. Dafür fehhlt dem Hobbytäter die Zeit zum Recherchieren (den vollberuflichen Journalisten aus, hört man, kein Wunder, dass die Tageszeitungen mmer mehr zu Reklameblättern werden) und das Netzwerk, das ihn mit Informationen versorgt.

    4 Alte und neue Medien, alte und neue Schwächen
    Ja und wenn schon, brauchten wir einen Beweis dafür, dass ein Regime Nachrichten unterdrücken kann? Eben das läuft eben jetzt im Iran ab. Die eigentlich wesentliche Nachricht kam ganz poplig über die Agenturen in die alten Medien, die neuen haben es auch von den Agenturen und nicht vom Blogger Iwan Iwanowitsch; Dass die russische Regierung dem bisherigen iranischen Präsidenten zum Wahlsieg gratulierte. Dass seitdem Die Linke ziemlich schweigsam geworden ist liegt inicht an den neuen oder den alten Medien, sondern daran, dass sie dazu nichts zu sagen hat.

    5.Alles wird ganz durchsichtig und das in Echtzeit.
    Wenn das die expressionistischen Dichter noch hätten erleben können. Alles so bunt hier und dann noch so schnell. Na ja, dort wo 16mb übers Netz kaufen, vielleicht. Nur glaube ich, dass die meisten Leute, auch wenn sie mit den neuen Medien wenig anzufangen wissen, die Stille mehr schätzen als den Lärm und die Ruhe mehr als die ziellose Bewegung, Eine Überflutung an Reizen macht allenfalls nervös. Von daher ist die Informationsüberflutung kein Wert an sich sondern allenfalls lästig.

    In Wirklichkeit geht es um etwas anderes:

    Wie finanzieren sich Medien in Zukunft?

    Und da geht es speziell um die staatliche Förderung der im Abonnement vertriebenen regionalen Tageszeitungen, das walte Neven-DuMont.

  10. Matthias Schwenk |  29.06.2009 | 00:53 | permalink  

    @Martin Trögner: “Wird die über das Internet informierte Weltöffenlichkeit wirklich die Entwicklung im Iran wesentlich mehr beeinflussen, als sie es täte, wenn sie nur durch die ‘alten’ Medien informiert würde?”

    Diese Frage möchte ich mit Ja beantworten. Denn bei den klassischen Medien hat das Publikum keine Möglichkeit “sichtbar” zu reagieren. Im Internet schon. So kam in den USA beispielsweise Kritik an der Haltung von Präsident Obama auf, die als zu zögerlich und zurückhaltend eingeschätzt wurde. Social Media kann in diesem Sinne natürlich keinen direkten Einfluss auf den Iran selbst nehmen, aber etwa den Politikern in den USA signalisieren, dass dem eigenen Volk die Vorgänge im Nahen Osten nicht gleichgültig sind.

    @Paul Pretzel: Ich gebe zu, dass das Internet bereits in den 1990er Jahren eine Art “Hoffnungsträger” war und diese Rolle nicht erfüllen konnte. Der Zusammenbruch der neuen Börsenmärkte war die Folge.

    Allerdings dürfen wir auch nicht übersehen, dass viele der gescheiterten Hoffnungen aus dieser Zeit heute (stillschweigend) Realität sind. Ein Beispiel ist der Online-Handel (E-Commerce). Die ersten Online-Shops hatten teilweise massive technische Probleme und Amazon wurde lange Zeit dafür belächelt, Bücher über das Internet verkaufen zu wollen! Heute funktioniert das alles reibungslos und hat einen Umfang angenommen, den in den späten 90er Jahren noch kaum jemand für möglich gehalten hätte.

    “Wenn man davon ausgeht, dass Journalismus ein ersthafter Beruf ist, der Kenntnisse und Fähigkeiten voraussetzt, die erlernt werden müssen, ist das mit dem Bürgerjournalismus Kokolores.”

    Da gebe ich Ihnen schon recht – nur helfen wird es nichts. Schauen wir doch nur auf die Fotografie: Früher war das ein angesehener Beruf und nur Fotografen hatten überhaupt Fotoapparate. Inzwischen bedienen die professionellen Fotografen nur noch einen Teil des Marktes und müssen im Übrigen damit leben, dass Otto Normalverbraucher seine Bilder selbst produziert – und neuerdings auch noch im Internet zur Schau stellt (etwa auf flickr.com).

  11. Paul Pretzel |  29.06.2009 | 19:37 | permalink  

    oh, herr schwenk, nicht dass ich nicht die blogs verfolge, die mir gefallen.

    mich freut es, gute texte lesen zu können, und in der diskussion dann die eine oder andere anregung zu weiteren gedanken, zu weiterer lektüre zu erhalten.

    ist aber an ehesten noch ein virtuelles gespräch, ein wiener würde vielleicht sagen, so etwas wie die prothese eines kaffeehauses.

    aber leben kann man davon nicht, deshalb mein schnöder hinweis auf den gemeinen mammon oder umgekehrt. das problem der medien, vor allen der abonnementstageszeitungen wird die finanzierung sein. es ist absehbar, dass nach der bundestaswahl das anzeigenaufkommen schlagartig einbricht. das hat etwas mit der simulation normaler wirtschaftlicher verhältnisse zu tun, was bis zum wahlltag staatspolitische notwendigkeit ist.

    danach? reptilienfonds, subventionen, gebührenfinanzierung, zinsgünstige darlehen, eine staatsnahe mediuenbeteiligungsanstalt oder alles das nebeneinander. es wird mach der wahl erst recht darum gehen, normalität zu simulieren.

  12. Robin Meyer-Lucht |  29.06.2009 | 19:43 | permalink  

    @ Paul Pretzel: Der Hinweis zur Wahl und zur Entwicklung der Medien ist sehr interessant. Nich so sehr die Anzeigenkunden halten sich derzeit aber an die staatpolitische Pflicht, sondern die Verlage, die sich derzeit mit Stellenkürzungen noch sehr zurückhalten. Da ist nach der Wahl möglicherweise ein noch viel größerer Dammbruch zu erwarten…

  13. Paul Pretzel |  30.06.2009 | 18:59 | permalink  

    Da ist nach der Wahl möglicherweise ein noch viel größerer Dammbruch zu erwarten…

    nicht nur bei den medien wird schon im oktober landunter sein…

  14. Udo Merz |  03.07.2009 | 09:46 | permalink  

    Heute ist in der Welt ein Artikel über Computerprogramme erschienen, die auf der Grundlage mathematischer Modelle nahezu ohne menschliches zutun komplexe Musikstücke komponieren.
    Hinsichtlich des unendlichen Streites zwischen Print und Online darüber, wer die besseren Zukunftschancen besitzt – einem Schlagabtausch, der in der Regel unsachlich geführt wird und häufig an der Realität vorbei geht – fehlt uns jetzt nur noch eine intelligente Software die in der Lage ist journalistische Artikel mit hoher Kompetenz und Sachverstand zu verfassen.

    Unsere Informationsgesellschaft könnte mit einem derartigen Programm in der Zukunft nur gewinnen.

Sie möchten diesen Text kommentieren?

Ihr Name (erforderlich):

Ihre E-Mail (erforderlich):

Ihre Website:

Über Facebook oder Twitter einloggen: