Robin Meyer-Lucht | 21 Kommentar(e)
Bei der Kulturflatrate geht es um nichts weniger als eine völlig neue digitale Allmendewirtschaft mit neuen Vergütungsregeln. Doch will man ernsthaft in einer Welt der Kulturproduktion leben, die allein vom Prinzip GEMA regiert wird?
17.06.2009 |
Die Rufe nach einer Kulturflatrate werden immer lauter: Wolfgang Michal hat sie hier auf Carta mehrfach eingefordert. Nun appellieren auch Helga Trüpel und Oliver Passek von den Grünen auf Carta für ein solches Vergütungsmodell.
Trüpel und Passek schreiben:
Vereinfacht gesagt handelt es sich bei der Kulturflatrate um eine neue Allmende-Wirtschaft für die digitale Welt, die durch nahezu unerschöpfliche Ressourcen an Speicherkapazitäten und Inhalten geprägt ist. Sie stellt die bisherige Kulturökonomie vom Kopf auf die Füße
Tatsächlich kann man kaum stark genug betonen, wie erheblich sich eine Kulturflatrate von den bisherigen Prinzipien der Kultur-Marktwirtschaft unterscheiden würde. Ich bin nicht grundsätzlich gegen eine Kulturflatrate. Ich bin jedoch sehr skeptisch, ob wir mit einer solchen Vergütung den Zielen von Vielfalt, Qualität und fairer Vergütung von Kultur- und Medienprodukten wirklich näher kommen.
Bei der Kulturflatrate geht es um nichts weniger als eine völlig neue digitale Allmende-Wirtschaft: Die Produzenten laden alle ihre Inhalte in der digitalen Allmende ab. Für die Nutzung dieser Allmende wird eine Pauschalvergütung erhoben, die von einer Kommission nach bestimmten Schlüsseln verteilt wird. Die Kulturgüter werden folglich nicht mehr auf einem Markt gehandelt, sondern über eine kommissionsvermittelte Blackbox vergütet.
Dies hat erhebliche Folgen, wovon ich einige kurz skizzieren möchte:
1. Bei der Kulturflatrate wird jede Einheit gleich vergütet, es gibt keinen Preismechanismus: Die F.A.Z. kostet mehr als die Bild, weil die F.A.Z. pro Leser einen höheren Aufwand treibt und die Leser dies auch zu schätzen wissen. Bei der Kulturflatrate aber würde jeder Inhalt gleich vergüten. Das würde nicht nur aufwändige Produkte für kleinere Lesergruppen unmöglich machen. Wäre etwa der Seitenabruf die Basis der Vergütung, würde der Klickstrecken-Irrsinn noch stark zunehmen. Eine Kulturflatrate würde daher vor allem Massenprodukte und opportunistisches Verhalten fördern.
2. Bei einer Kulturflatrate wären die Einnahmen der Kultur-Produzenten dauerhaft gedeckelt. Wenn sich Kulturgüter, wie etwa eBook-Inhalte, besser verkaufen, dann wachsen bislang der Markt und die Einnahmen der Produzenten. Bei einer Kulturflatrate hingegen steht die Gesamthöhe der Vergütung von vorne herein fest. Die Summe der Künstler-Honorare bleibt immer gleich, egal wie erfolgreich sie sind. Dieser Deckel nimmt dem System erheblich von seiner Dynamik. Es ist zudem nicht gesichert, ob die Mittel überhaupt für eine angemessene Vergütung ausreichen. Und wer würde über die Angemessenheit entscheiden?
3. Die Schwierigkeiten der Abgrenzung: Bei einer Kulturflatrate wäre abzugrenzen, was überhaupt Kultur ist. Selbstverständlich müssten dann auch Pornos unter den Kulturbegriff fallen (sonst gäbe es ja weiter massiv Urheberrechtsverletzungen) und einige Leute werden überzeugt sein, dass ihre Tweets eigentlich auch vergütungsberechtigt sein sollten. Der Kulturbegriff müsste also ständig von einer Kommission überprüft und angepasst werden.
4. Ein unendlicher Streit um Vergütungsquoten: Bei der Kulturflatrate werden Filmproduzenten eine andere Vergütung pro Download verlangen als jene, die Nachrichtenfilmchen erhalten. Doch welche Quote ist hier angemessen? Wie wird die Zahl der Downloads genau bestimmt? Wer trägt hier die Verantwortung?
5. Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit: Ist es – bei aller Download-Problematik – wirklich angemessen, den Urhebern mittels staatlicher Zwangslizenz alle ihre Rechte abzunehmen? Denn alle Urheber müssten sich mit der staatlichen Pauchalvergütung durch die Kulturflatrate zufrieden geben und hätten kein Recht gegen Urheberrechtsverstöße durch Privatnutzer vorzugehen.
6. Eingriff in die Persönlichkeitsfreiheit: Kann man heutzutage wirklich noch jemanden zwingen, eine Kulturflatrate (mit der maßgeblich auch Trash vergütet wird) für seinen privaten Internetanschluss zu beziehen, auch wenn derjenige ihn nur für E-Mails und Facebook nutzt? Ich finde nicht. Ich finde, dass es ein Recht auf Nicht-Kulturkonsum im Internet gibt, so wie es ein Recht auf Nicht-Wählen gibt.
7. Will man ernsthaft in einer Welt der Online-Kulturproduktion leben, die allein vom Prinzip GEMA regiert wird?
8. Kulturflatrate und kommerzielle Distribution schließen sich aus: Wenn sich die Nutzer über die Kulturflatrate alle Inhalte kostenlos besorgen können, werden daneben keine Verkäufer (iTunes & co) bestehen können. Die Kulturflatrate wird sich so um Vergütungsmonopol mit sattem Verwaltungskostenansteil auswachsen.
9. Der einzige wirklich riesige Vorteil des Kulturflatrate-Modells ist die Legalisierung von bislang illegalen Downloads.
10. Zusammenfassung: Das Tauschprinzip der digitalen Allmende-Wirtschaft fördert opportunistisches Verhalten und Masseninhalte. Es ist undynamisch, leidet an ständigen Abgrenzungs- und Vergütungsquoten-Problemen. Es stellt einen massiven Eingriff in die Grundrechte von Kulturproduzenten und Nutzern dar. Es ersetzt die marktwirtschaftliche Bereitstellung durch einen Zentralvergütungskomplex mit strukturellen Verantwortungs- und Wissensdefiziten.
Aus den genannten zehn Punkten heraus bin ich weiter skeptisch, ob eine Kulturflatrate wirklich die Wende zum besseren wäre. Sie würde zwar das Problem der illegalen Downloads lösen. Sie würde aber wohl keine Infrastruktur bereitstellen, die für eine vielfältige, dynamische, effiziente und an den Wünschen der Nutzer ausgerichtete Kulturproduktion schafft.
Daher erscheint mir ein anderer dritter Weg zwischen klassischer Kultur-Marktwirtschaft und digitaler Allmende-Kulturwirtschaft als Kompromiss bedenkenswert: Eine Urheberrechtsabgabe für das Internet. Bei einem solchen Modell würde man weiter auf die marktwirtschaftliche Bereitstellung der Inhalte als Kernparadigma setzen. Zugleich würden die Kultur-Produzenten als Ausgleich für die illegalen, aber nicht zu verhindernden Downloads eine Vergütung erhalten, die auch von einer Art Verwertungsgesellschaft für das Internet erhoben wird.
Entscheidender Unterschied zur Kulturflatrate: Die Urheberrechts-Abgabe für das Internet wäre nur eine Zusatzvergütung für die Urheber, nicht das alleinige Geschäftsmodell. Die Urheber behalten ihre Rechte und können sie nach eigenem Gusto auswerten. Dabei könnten durchaus auch von den Urhebern und der Kulturwirtschaft angebotene Flatrate-Modelle eine zentrale Rolle spielen.





So! Ich hatte einen unglaublich geistreichen Beitrag geschrieben und wollte diesen absenden worauf mir das Kommentarsystem mitteilte, dass ich doch bitte auch eine EMail-Adresse angeben soll (wozu auch immer diese notwendig sein soll). Der darauffolgende “Zurück”-Klick hat aufgrund schlechter Serverkonfiguration zu einem vollständigen Neuladen und damit Verlust des Beitrags geführt. Das ist KEIN guter Umgang mit geistigen Ergüssen.
Nur soviel:
Zu 6: siehe GEZ.
Zu 7: etwas Offeneres ist notwendig. Absolutes Steinzeitdenken ist nicht gewünscht.
Zu 9: Dieser Vorteil wird ergänzt durch den Wegfall der Pauschalkriminalisierung breiter Bevölkerungsteile, sowie dem Freiwerden großer Energiereserven in juristischen Kreisen. Das gegenseitige Beinestellen ist Energieverschwenung.
Zu 8: Ist das nicht der Grund, warum auch eine Hybridlösung nicht funktionieren kann? Wenn eine Kulturpauschale existiert, so wird sie mindestens von heranwachsenden Generationen auch ausgeschöpft werden. Somit fiele dieses Marktsegment weg und schlussendlich geht die marktwirtschaftliche Bereitstellung wieder baden.
Ein wesentliche Punkt, dessen Erörterung ich hier vermisse, ist der globale Character des Internets. Müsste eine Abgabepauschale auf Angebote in einem globalen Medium nicht auch global kassiert und global ausgeschüttet werden? Oder beschränkt sich die Abgabe dann auf deutsche, eventuell europäische Kulturdaten? Muss dann jeder Nutzer mit ordnungsgemäß abgegebener Pauschale aufpassen, dass er die Finger von US-amerikanischen Inhalten läßt? Und was ist mit lokalen Wiederauflagen oder Re-Importen?
Alles trüße Gewässer. Ach ja, und macht das Kommentarsystem ganz!
Eine “Urheberrechtsabgabe” dürfte auch nicht ohne Probleme sein, wie im Kommentar von Tinner schon festgestellt. Die Frage ist doch: Wer bezahlt diese? Nur diejenigen, die beim illegalen Downloaden erwischt werden oder alle?
Und wie wollte man ernsthaft begründen, dass alle für etwas bezahlen sollen, was nur eine Minderheit tut? Im Prinzip wäre das doch eine schreiende Ungerechtigkeit. Oder es würde Tür und Tor öffnen für Downloads jeglicher Art, weil sich dann ja jeder darauf berufen könnte, dies sei mit der Urheberrechtsabgabe abgedeckt. So etwas kann nicht im Sinne der Urheber sein.
Der Begriff Kulturflatrate führt schon mal in die Irre. Wenn schon, dann handelt es sich um eine Medienflatrate. Oder ist mit der Flatrate dann auch mein Kinobesuch, Konzerte und der Eintritt ins Museum mit abgegolten?
@rml zu “8. Kulturflatrate und kommerzielle Distribution schließen sich aus”
Das bisherige Downloadmodell ist ja auch ein wenig närrisch: es repliziert das Geschäftsmodell des Abverkaufs von Trägermedien – in einer trägermedienlosen Umgebung. Kommerzielle Distributionen die auf einer künstlichen Verknappung eines unendlich replizierbaren Gutes bauen sind dann natürlich schluss aus und weg.
Trotzdem kann eine kommerzielle Distribution immer noch Kundennutzen und Mehrwert bieten: die bessere UI, der smartere Sync, die schlauere Vernetzung.
Das neue Medium heisst eben nicht Bit und Byte (das gab’s schon bei der CD): the Medium is the Network (und umgekehrt).
Zur digitalen Allmende: das beschauliche Bild vom digitalen Medienbauern, der seine Schäfchen auf die von der Gemeinde gestellte Allmende treibt ist leider auch ein wenig scheps.
Eigentlich sieht’s doch so aus: der Kulturschaffende sät den Salat, wir alle futtern dann gegen Grundgebühr das Grünzeug (oder auch eben nicht). Schlaue Bauern schicken nun ihre Schafe ebenfalls auf die Allmende. Die futtern ebenfalls Salat, werden rund und gesund und später in einen IKEA-Teppich, einen ärmellosen Pollunder und ein Lamm-Carré veredelt. Dafür zahlen wir dann auch gerne (weil Salat-Pullis nur zu kurz haltbar sind), und sinnvollerweise bekommt der Kulturschaffende dann auch hiervon seinen prozentualen Anteil.
@rml “Entscheidender Unterschied zur Kulturflatrate: Die Urheberrechts-Abgabe für das Internet wäre nur eine Zusatzvergütung für die Urheber, nicht das alleinige Geschäftsmodell. Die Urheber behalten ihre Rechte und können sie nach eigenem Gusto auswerten. Dabei könnten durchaus auch von den Urhebern und der Kulturwirtschaft angebotene Flatrate-Modelle eine zentrale Rolle spielen.”
Ja! Ja! JA!
@ Matthias: Die Urheberrechtsabgabe würde auf das Internet auf ähnliche Weise erhoben, wie bei Leerkassetten. Auch hier ist die Begründung: Alle zahlen, weil viele darauf Musik kopieren. Es ist eine Notlösung.
@ Thinner: Sorry für das technische Problem mit dem Kommtarsystem. Da hat uns Wordpress ein Bein gestellt. Da arbeiten wir demnächst dran.
Der globale Charakter ist zusätzlich ein Problem – die Urheber von US-Filmen etwa würden bei einer europäischen Flatrate für diesen Wirtschaftsraum per Zwangslizenz abgefunden und würden dann entsprechende Überweisungen erhalten. Ob sie wollen oder nicht.
Den globalen Effekt kann man auch andersherum denken. Kann dann die ganze Welt in Deutschland geschaffene Kulturgüter kostenlos herunterladen, ohne in die Kulturflatrate eingezahlt zu haben?
Oder werden die Downloads nach IP-Anschluss freigeschaltet? Wer über einen deutschen Provider zugreift, darf downloaden, alle anderen nicht? Dann führt man die Barrieren wieder ein, die mit der Lösung Kulturflatrate abgeschafft werden sollten.
Ich finde das F.A.Z./Bild-Zeitung Beispiel trifft das Grundproblem ganz gut. Den Konsumenten wird die Möglichkeit genommen, für ein Nischenprodukt mehr zu bezahlen, das ihnen subjektiv mehr Wert ist. Einige Angebote werden so nicht zustande kommen, für die sich bisher ein kleiner aber solventer Kundenkreis gefunden hat.
Interessant wäre auch mal, das Kulturbild herauszuarbeiten, dass dem Modell Kutlurflatrate zugrunde liegt. Nicht jede kulturelle Leistung wurde in der Vergangenheit entlohnt, viele kulturelle Leistungen waren und sind Hobbyarbeit oder Beiprodukte anderer Tätigkeiten. Das beste Beispiel dafür sind Blogs, die trotz des Fehlens einer Finanzierungsperspektive entstehen, einfach weil die Autoren daran Spaß haben, sich vernetzen, Anerkennung bekommen, kurz, nicht-monetär entlohnt werden. Sollen jetzt plötzlich alle Kulturschaffenden, der Blogger, die Strassenmusikantin, der Hobby-Gitarrist, die Feierabend-Diva für ihren Beitrag zur Kultur bezahlt werden?
@Kolja
>Sollen jetzt plötzlich alle Kulturschaffenden, der Blogger, die Strassenmusikantin, der Hobby-Gitarrist, die Feierabend-Diva für ihren Beitrag zur Kultur bezahlt werden?< Nein, natürlich nicht. Man wird sich vorher in einem langwierigen Verfahren mit willkürlichen Kriterien bei einer neu zu schaffenden Behörde anmelden müssen, um an der Ausschüttung teilzunehmen. Den Aufwand scheuen dann die meisten Kleinautoren, und es wird wieder übersichtlich
[...] Bei der Kulturflatrate geht es um nichts weniger als eine völlig neue digitale Allmendewirtschaft m… [...]
Finde die Kritik zum Teil begründet, aber es geht doch um Stellschrauben. Auch bei der GEMA wird nicht alles gleich vergütet. Welche “Kulturart” welche Vergütung bekommt muss festgelegt werden, evtl Film mehr als Musik und und und.
Aber einige Fragen zur Urheberrechtsabgabe. Wo ist der Unterschied zur Kulturflatrate? Kann Dr. Dre weiter klagen wenn seine Musik getauscht wird? Kann jeder Künstler selber entscheiden ob er seine Musik zum Tausch anbietet, oder reicht die Entscheidung sie digital anzubieten? Wie weiß der Tauschbörsennutzer ob das Lied oder der Film der gerade heruntergeladen wird vergütet wird oder nicht? Wie läuft die Verteilung der Gelder einer solchen Abgabe, doch eigentlich gleich wie die der Kulturflatrate?
Auch viele Fragen oder Probleme. Grundsätzlich aber nicht falsch. Die Richtung die eingeschlagen werden sollte, ist die Richtung der Pauschalvergütung. Meines Erachtens haben andere Modelle keine langfristige Zukunft mehr, außer es findet eine völlige Umstrukturierung des Internets statt. Das will ich aber nicht.
@ Malte: Genau, durch die GEMA wird etwa E-Musik höher vergütet als U-Musik. Es gibt wohl nur wenige Menschen, die das fair und nachvollziehbar finden. Mit der Kulturflatrate bekämen wir all diese Probleme: Wie kann die Kommission eigentlich ihre Aufgabe erfüllen, ohne ständig unscharf normativ zu handeln. Aus meiner Sicht würde sie sich in einem ständigen Rechtfertigungs- und Legitimationsdefizit agieren.
Die Urheberrechts-Abgabe auf das Internet würde die Urheber für die legalen Privatkopien und auch nicht so legalen Downloads entschädigen. Im Kern würde aber am klassischen Urheberrecht festgehalten. Die Urheber können selbst entscheiden, ob sie ihre Musik unter CC oder im Rahmen von kommerziellen Flatrates oder Einzelverkauf anbieten. Sie können gegen Urheberrechtsverletzungen vorgehen.
Man hätte dann eine bis auf weiteres eine Situation im Netz, die von einem Nebeneinander von marktlicher und nicht regaler Verbreitung geprägt wäre. Letztere wird zumindest teilweise über die Urheberrechtsabgabe abgegolten.
Es handelt sich bei dem Vorschlag um eine Notlösung, die einerseits den Urhebern das Recht nicht nimmt, ihre Inhalte auf einem Markt zu handeln, und andererseits für die nicht legalen Downloads zumindest einen Ausgleich schafft.
Es bleibt damit die Möglichkeit offen, dass Flatrates von Urhebern und der Industrie angeboten werden — und so hoffentlich auch durch überzeugende legale Alternativen die illegale Nutzung zurückgeht.
Zugegeben, eine etwas langweilige Lösung, aber mit der reinen Allmende-Wirtschaft würden wir uns auch, wie oben skizziert, ganz erhebliche Probleme und Fehlregulierung schaffen.
[...] Markt- oder Allmendewirtschaft: Worum es bei der Kulturflatrate eigentlich geht [...]
Was ich noch anfügen möchte: Für die nicht-kommerzielle Produktion funktioniert die digitale Allmendewirtschaft super. Vive la flickr…..
[...] mittels staatlicher Zwangslizenz alle ihre Rechte abzunehmen?“, wie Robin Meyer-Lucht in seinen kritischen Fragen zum Konzept der Kulturflatrate unterstellt. Wer die Debatte so führt, verhärtet die Fronten. Das ist m.E. auch der falscheste [...]
Ich denke eine Kulturflatrate würde mehr Probleme mit sich bringen, als sie lösen würde und der Aufwand der dafür betrieben werden müsste ist einfach zu hoch. In meinen Augen muss/sollte das nicht vom Staat geregelt werden, sondern die Wirtschaft muss einfach umdenken. Anstatt den “Durchschnitts Downloader” zu kriminalisieren und ihnen für alle finanziellen Ausfälle, bei denen die Musik- und Filmindustrie ganz gerne Milchmädchen Rechnungen anstellt, sollte man lieber die Hürden vor dem legalen Download abbauen.
Gerade was die Preise für online Downloads angeht, bin ich der Meinung das diese einfach noch viel zu hoch sind, da gerade auch junge, weniger solvente zu den illegalen “Downloadern” zählen. Bei älteren Generationen sind es schlechte/umständliche Bezahlsysteme oder auch die mangelnde Transparenz was deren Sicherheit angeht, ebenso sind viele legale Download Portale viel zu unübersichtlich und überladen. Ich versuch mir gerade vorzustellen wie meine Mutter iTunes installiert und nach einem speziellem Song sucht, vermutlich würde Sie schon bei der Installation scheitern oder noch nicht mal den iTunes Download finden X-)
Ich will damit nur sagen, das eine Kulturflat ein Impuls von der falschen Seite wäre. Ich sehe nach wie vor die Industrie in der Pflicht etwas zu tun und damit meine ich nicht Bürger zu kriminalisieren und zu verfolgen, sondern ordentliche Preis & Bezahlmodelle, so wie Nutzer freundliche Webinterfaces und mediale Aufklärung, gerade für ältere Generationen.
Bei online Distribution spart man im Vergleich zum normalen Vertrieb auch einiges ein, also warum dort nicht die Preise deutlich senken, das würde auch zu mehr Downloads führen, die das wieder Ausgleichen. Außerdem gibt es ja auch noch genug Menschen die Musik, Videos, Zeitungen usw. auch auf dem normalen Weg & zum üblichen Preis kaufen.
Grüße aus Düsseldorf
Ich denke, das hier neue Konzepte gefragt sind, die auf die Eigenarten der unterschiedlichen Medien eingehen. Eine Kulturflatrate, die jedem Internetnutzer übergestülpt wird, ist der falsche Ansatz. Mit Bezahldownloads bei Musik ist ein Anfang gemacht, auch mit bezahltem Streaming von Filmen. Daneben bieten auch die Videoportale werbefinanziert interessante Angebote. Dem Durchbruch von On Demand und damit auch der weitgehenden Verdrängung von (illegalen) Downloads steht jedoch immer noch die geringe Verfügbarkeit von hohen Bandbreiten gegenüber.
Einige Medien haben noch langfristig Einnahmequellen außerhalb des Webs. Da sind Bücher, das Kino, Konzerte. Auch das muss berücksichtigt werden.
Deutlich schwerer hat es der Journalismus. Er braucht keine großen Bandbreiten, die Zeitung ist kein haptisches Erlebnis wie das Buch, um dem Web eine Alternative bieten. Wenn auf die Texte nicht schnell und in Auszügen über Suchmaschinen zugegriffen werden kann, ist der Artikel schon im Nirvana des unbekannten Webs verschollen. Bezahlkonten in öffentlich nicht zugänglichen Bereichen ist hier nicht wirklich eine Alternative – zumindest nicht den aktuellen Konzepten.
Vorstellen könnte ich mir unabhängige Vermarkter für journalistischen Bezahlcontent. Für jeden Anbieter ein eigenes System aufzubauen werden die Besucher nicht mitmachen. Und eine Zusammenarbeit mit den Suchmaschinenanbietern ist wichtig, um die Texte gleichberechtigt mit offenem Content anzubieten und nach Qualität zu bewerten.
Übrigens: die Pflichtangabe der Emailadresse wird sich nicht so einfach entfernen lassen – sie ist ein wichtiger Faktor in der Erkennung von SPAM.
[...] Carta: Markt- oder Allmendewirtschaft: Worum es bei der Kulturflatrate eigentlich geht [...]
[...] Weitere Artikel zum Thema: netzpolitik.org . Podcast 075 – Die Kulturflatrate netzpolitik.org – Brauchen wir eine öffentlich-rechtliche Internetanstalt? netzwertig.com – Kulturflatrate: Eine schlechte Idee, die sich hartnäckig hält netzwertig.com – Warum eine Kulturflatrate desaströs wäre netzwertig.com – Kulturflatrate: Pro und Contra carta.info – Markt- oder Allmendewirtschaft: Worum es bei der Kulturflatrate eigentlich geht [...]
Kulturflatrate halte ich für ein lächerliches Konzept. Kultur ist ein dehnbarer Begriff und wir reden hier eigentlich gar nicht über Kultur. Wir reden hier über digitale oder digitalisierte Güter. Wir reden hier über geistiges Eigentum, das geschaffen wurde, um es zu vermarkten (sonst wäre es unter einen freien Lizenz und sowieso schon frei verfügbar) und alles was die Vermarktung des Produktes verhindert, erschwert oder sogar unmöglich macht zerstört die Grundlage auf dessen Basis das Produkt ursprünglich geschaffen wurde. Wenn es in Zukunft nicht mehr möglich ist derartige Güter zu vermarkten, dann werden auch keine mehr hergestellt, so einfach ist das. Zugegeben, es werden natürlich noch welche Hergestellt, und zwar genau die, die heute auch schon hergestellt werden und frei verfügbar sind. Aber alle die, die heute für eine kommerzielle Vermarktung hergestellt werden, die wird es nicht mehr geben (und die werden dann auch nicht plötzlich umsonst, weil jemand nicht auf einmal was kostenlos weg gibt, für das er Jahre lang Geld verlangt hat, das hätte er sonst auch schon immer machen können). Ob die Leute dafür vergütet werden oder nicht ist nebensächlich. Wenn sie ihr Produkt nicht so wie jedes nicht digitale, greifbare Produkt auch frei vermarkten können, dann können sie gleich aufhören es zu produzieren. Stattdessen produzieren irgend einen Schrott, viel Schein, wenig Sein, den eigentlich niemand haben will, der aber viel Downloadzahlen erzeugt (dass ihn 90% der Nutzer einmal ansehen und danach wegwerfen ist egal) nur um möglichst viel pauschale Vergütung dafür zu kassieren.
Das Argument “Kriminalisierung der Bevölkerung wird verhindert” ist kein echtes Argument. Wir führen auch keine Shopping Flatrate ein, wenn die Bevölkerung morgen anfängt nichts mehr zu kaufen sondern nur noch zu stehlen; auch wenn das eine “Kriminalisierung der Bevölkerung” verhindern würde. Wer Urheberrecht bricht macht sich strafbar… aber wer zwingt irgendjemanden es zu brechen? Man muss keine Songs, Filme, Software oder E-Books im Internet tauschen, man kann sie legal kaufen, offline UND online, und wenn sie einen zu teuer sind oder nicht genug interessieren oder sonst was, dann kann man auch einfach einen großen Bogen um sie machen. Ich kaufe seit Jahren fast keine Musik, aber ich hole sie mir dann nicht illegal über eine Tauschbörse, wenn sie es nicht wert ist gekauft zu werden, dann ist sie geschenkt noch “zu teuer”.
Was das Thema Kultur angeht sehe ich Handlungsbedarf an ganz anderen Fronten. z.B. ist das Urheberrecht deutlich zu lange. Urheberrecht in allen Ehren, aber es von lange auf ewig auszuweiten ist total am Stand der Gesellschaft vorbei. Die Obergrenze sollte höchstens bei 30 Jahren liegen, ich würde sogar eher zu 20 Jahren tendieren (d.h. Alle Musik vor 1989 wäre sowieso frei von Urheberrecht! Das verhindert auch deutlich eine Kriminalisierung der Bevölkerung!). Und ich lebe selber vom Urheberrecht und sage trotzdem es ist deutlich zu lange. Nachdem ein Lied über 20-30 Jahre erfolgreich war ist es nicht einfach mehr ein kommerzielles Gut, sondern dann ist es wirklich Kultur. Dann ist es Musik die über 3 Generationen bekannt und beliebt ist und hat schon fast den Status eines Volksliedes und sollte als solches auch frei sein. Dito Bücher, Software und Filme.
@Tinner: Nimm Firefox und installiere das Add-On Lazarus und du wirst nie wieder das Problem haben, dass deine Formdaten weg sind. Egal ob wegen Back-Button, Transferproblemen oder weil dein Browser/System crashed. Du kannst alles mit ein paar Clicks wieder holen und die Form ist genauso ausgefüllt wie sie es Sekunden vorher noch war.
[...] Carta.info hat auch einige Kritikpunkte, u.a. den der qualitativen Bemessung [...]
[...] gibt keinen Grund das System durch pauschale Urheberrechtsabgaben oder gar eine Kulturflatrate mit einem Umverteilungsmechanismus weiter zu konzentrieren. Im [...]
[...] angemessen zu entlohnen. Der Einwände gegen ein solches Modell gibt es viele, unter anderem bei Carta von Robin Meyer-Lucht. Andererseits MUSS über neue Wege der sozialen Absicherung kreativer Arbeit [...]
[...] Markt- oder Allmendewirtschaft: Worum es bei der Kulturflatrate eigentlich geht — CARTA Bei der Kulturflatrate geht es um nichts weniger als eine völlig neue digitale Allmendewirtschaft mit neuen Vergütungsregeln. Doch will man ernsthaft in einer Welt der Kulturproduktion leben, die allein vom Prinzip GEMA regiert wird? (tags: kulturflatrate inhalt gema 06/2009 2009) [...]