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Das neue Krypto-Weltgeld aus Jackson Hole, Wyoming

Mark Carney, Chef der englischen Zentralbank, hat beim jährlichen Stelldichein der Zentralbanker in Jackson Hole eine neues Weltgeld vorgeschlagen. Wenn der Dollar seine Rolle verliert und der chinesische Yuan die Lücke nicht füllen kann oder darf, soll nun eine »synthetic hegemonic currency« auf Kryptobasis einspringen.

von , 27.8.19

Was die Weltlage betrifft, fanden in der letzten Woche zwei mehr oder weniger wichtige Ereignisse statt: Eines, von dem alle gehört haben, in Biarritz. Das andere in Jackson Hole, einem abgelegenen Nest in Wyoming. Dort trafen sich die Zentralbanker zu ihrem jährlichen Stelldichein. Während aus dem französischen Badeort vom Tanz der Hofschranzen um den irren König ausgiebig berichtet wurde, drang aus den Rocky Mountains kaum etwas in die großen Medien durch. Dabei wurde dort die Zukunft der Weltfinanz diskutiert.

»Die Ansichten des Mainstreams sind mehr und mehr anachronistisch«, bemerkte Mark Carney, Gouverneuer der Bank of England, am Rand seines Vortrags, und das gilt offenbar nicht nur für die Finanzwelt. Im Gegensatz zu anderen Zentralbanken hat die englische stets intellektuell herausragende Denker und Ökonomen auf den Chefposten befördert. Carney, der erste Nicht-Brite auf dem Job, macht da keine Ausnahme. Seine Ausführungen sind so klar wie kühn.

Die politische Weltlage verlangt längst ein multipolares Finanzsystem. Der Dollar ist mit seinem Status als alleinige Reservewährung zusehends überfordert, so seine Diagnose. In den Zentralbankerkreisen ist das längst Konsens und bedarf keiner weiteren Erklärung.

Die große Frage ist, was Zentralbanken in der gegenwärtigen Lage – Handelskriege, Brexit – tun können, um das Internationalen Monetäre Finanzsystem (IMFS) am Laufen zu halten. Nötig sei, so Carney, das gesamte Spiel neu aufzusetzen, »change the game«. Sein Vorschlag fällt für die ansonsten so bedächtig agierenden Zentralbanker geradezu revolutionär aus.

Ginge alles seine geregelten Bahnen, würde der Dollar langfristig vom chinesischen Yuan abgelöst werden. Das will Carney offenbar vermeiden, und kommt im Grunde auf eine alte Lösung zurück, den von John Maynard Keynes in Bretton Woods 1943 vorgeschlagenen »Bancor«, allerdings in neuer technischer Ausstattung.

Carney bringt die von Facebook ins Leben gerufene »Libra« ins Spiel. Die positive Sicht der Basler Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, also der Zentralbank der Zentralbanken, auf Facebooks Blockchain-Ableger hatte in den letzten Monate schon manche Beobachter erstaunt. Als synthetisches hegemoniales Weltgeld – »snythetic hegemonial currency« (SHC) – schwebt Carney eine von öffentlichen Institutionen, also zum Beispiel den Zentralbanken, aufgelegte Version der Krpytowährung vor.

Denkt man diesen Vorschlag weiter, erscheint eine Konstellation am Horizont, die tatsächlich das Zusammenspiel von Finanzwelt und Staaten umkrempeln würde. Mit dem Rückgriff auf eine Kryptowährung würden sich die Zentralbanken von den Nationalstaaten ein gutes Stück unabhängiger machen und letztlich auf eine Art von Weltfinanzregierung zustreben. Das wäre tatsächlich ein Gamechanger erster Klasse.

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