Robin Meyer-Lucht

Ex-Wahlkämpfer Machnig: Internet bleibt zweitrangig, Tagesschau sticht Spiegel Online

Robin Meyer-Lucht | 5 Kommentar(e)

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Gerhard Schröders ehemaliger Wahlkampfmanager Matthias Machnig gibt sich ganz als der Haudegen der alten Medienordnung: Das Internet sei ein nettes Werkzeug, aber es löse das zentrale Problem der Parteien nicht: die Krise zu erklären und sich ein Mandat für ihre Überwindung zu holen.

08.05.2009 | 


Bei der Vorstellung des Buches “Lernen von Obama: Das Internet als Ressource und Risiko für die Politik” gab sich Gerhard Schröders ehemaliger Wahlkampfmanager Matthias Machnig ganz als der Haudegen der alten Medienordnung. Das Internet sei ein wichtiges Werkzeug. Aber es löse weder die zentralen Probleme der Parteien, noch werde es auf absehbare Zeit hierzulande wahlentscheidend sein.

Machnig sagte unter anderen:

  • Das Internet ist ein demokratischer Mythos. Die Geschichte des Internets ist auch eine Geschichte überzogener demokratietheoretischer Erwartungen.
  • Auf absehbare Zeit wird das Internet nicht wahlentscheidend sein.
  • Es ist noch immer wichtiger, in der 20-Uhr-Tagesschau vorzukommen als auf der Titelseite von Spiegel Online.
  • Online-Nachrichten haben für die Wahrnehmung eines Kandidaten noch immer eine geringere Relevanz als das Fernsehen. Auch Zeitungen sind nicht so wichtig wie das Fernsehen.
  • Obama hat die US-Wahl vor allem durch die Faktoren Person, Strategie, Botschaft und Stil gewonnen.
  • Entscheidende Herausforderung für die Bundestagswahl: Die Politik muss die Richtungsfragen, die die Ökonomie stellt, beantworten und ein Mandat für eine Richtungsentscheidung erringen.

Gerade der letzten Punkt verfängt: Für den politischen Strategen Machnig redet die Politik zu wenig über politische Grundwerte. Sie versage bei der Erklärung der Krise. Es bestehe daher die Gefahr, dass sich die zukünftige Regierung kein klares Mandat vom Wähler abholt.

Machnig spricht da aus Erfahrung: Bei seiner Wiederwahl 2002 hatte sich Gerhard Schröder auch kein Mandat für die Agenda-Politik beim Wähler abgeholt. Die Folgen sind bekannt.

Auch Machnigs Sicht ist daher verständlich, warum die Frage nach der richtigen Verwendung des Internets derzeit nicht im Zentrum steht. Seine plakative Internetskepsis ist Teil seines Habitus als erfolgreicher Ex-Wahlkämpfer der TV-Ära. Wer mag, kann seinen Ausführungen durchaus auch Kritik am aktuellen politischen Personal beider Volksparteien entnehmen.

Hier ein viereinhalbminütiges Video zu seinen Thesen:

Matthias Machnig über Bundeswahlkampf & Internet from Carta on Vimeo.

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5 Kommentare

  1. logbuch:caasn:de » Blog Archiv » Die Netzwerkbedeutung des Internets |  08.05.2009 | 08:46 | permalink  

    [...] [via] [...]

  2. hubert |  08.05.2009 | 11:16 | permalink  

    Aus der Sicht des klassischen Einweg-Kommunikators hat er recht. Was ist schon ein Tweet gegen 160 Zeichen in der BILD? Aber ich glaube, er unterschätzt, wie die Obama-Maschine den klassischen Parteiapparat der Demokraten überbaut hat.

  3. Rudolf |  10.05.2009 | 13:40 | permalink  

    Obama hat das Web erfolgreich zur Geldbeschaffung genutzt. Der amerikanische und der deutsche Wahlkampf unterscheiden sich so gravierend wie das zugehörige Wahlvolk.

  4. Es geht los - der Netzwahlkampf 2009 | netzprotokolle |  10.05.2009 | 17:01 | permalink  

    [...] Matthias Machnig schätzt die Wirkung des Internets für den Wahlkampf eher niedrig ein: Ein Auftritt in der 20 Uhr Tagesschau sticht einen Aufmacher bei Spiegel Online, sagt Machnig. [via [...]

  5. Wittkewitz |  11.05.2009 | 11:09 | permalink  

    Es ist schon recht so. Die Fassade ist für die Maurermeister der ersten Stunde schwerer aufzubauen, wenn man digitale Baustein hat. Stammtische sind in Deutschland selten durch das Web zu erreichen und Wähler sind genauso selten unter 40 Jahren. Die Altersstruktur der Öffentlich-Rechtlichen entspricht der Wählerschaft der Parteien 1:1.
    Wenn das alles so bleiben soll(te) bis zum jüngsten Gericht, dann ist Machnig der Mann der Stunde. An Demokratietheorien sollte er sich nicht wagen, dazu verfügt er einfach nicht über das Wissen und über noch weniger Einsicht…

    Obama hat übrigens nicht wegen des Webs gewonnen. Er hat dadurch “nur” sehr viel Nichtwähler aktiviert. Aber das verstehen hierzulande wohl die wenigsten, was das für eine komische Bevölkerungsschicht ist…

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