Robin Meyer-Lucht | 29 Kommentar(e)
Der Wahlkampfauftakt von Frank-Walter Steinmeier ist eine einzige große Enttäuschung in Sachen Online-Wahlkampf. Das Internet fand gar nicht statt. Es ist bei der SPD noch immer Kellerkind. Die SPD und ihr Kandidat stehen nicht mehr für Aufbruch – gerade auch im Internet.
20.04.2009 |
Es ist schon merkwürdig, dass die SPD für ihre Auftaktveranstaltung zur Bundestagswahl ausgerechnet das Berliner Tempodrom als Ort wählte. Der zeltartige Bau bietet zwar eine hübsche, mittelgroße Arena. Aber das Tempodrom steht vor allem auch für die grandiose Pleite seiner Betreiber. Ermutigt durch viel zu großzügige Staatsbürgschaften legten sie einen Konkurs hin, der die Berliner Steuerzahler schon über 10 Millionen Euro gekostet hat. Das Tempodrom ist eigentlich ein Denkmal gegen Staatsbürgschaftsabenteuer und Klientelismus der Politik.
Ausgerechnet hier nun hat die SPD am Sonntag ihr Regierungsprogramm (PDF) vorgestellt. Der Freitag hat das Programm “alles mögliche, nur kein Manifest einer Linkswende” genannt. Das hängt bekanntlich vom Standort ab. Die SPD zeigte sich am Sonntag als Artikel-14-Partei (“Eigentum verpflichtet”), als “Der Staat kann da viel tun”-Partei, als Partei der Transfereinkommensbezieher. Wie man das dann nennt, ist dann eigentlich zweitrangig. Nur “Mitte” ist das wohl nicht mehr. Für die urbane Dienstleistungsmittelschicht scheint sich die SPD nicht mehr sonderlich zu interessieren. Stattdessen laboriert die Partei an ihrem Hartz-IV-Trauma und ihrer Die-Linke-Phobie.
Über den Kandidaten Steinmeier schreibt die Süddeutsche Zeitung: “Respekt genießt er, der Kandidat. Doch die Zweifel bleiben, selbst bei Wohlmeinenden.” Dies mag den Eindruck, der sich als Quersumme beim Publikum eingestellt hat, gut zusammenfassen. Steinmeier befindet sich als Wahlkämpfer noch im Ausbildungsstadium, das zumindest ist am Sonntag deutlich geworden.
Der Wahlkampfauftakt zeigte vor allem aber auch: Der Kandidat Steinmeier ist noch überhaupt nicht im Internet angekommen. Das Internet war am Sonntag nicht Beiwerk seiner Kampagne — es war grandios marginalisiert, es kam gar nicht vor.
Hier ein paar Beobachtungen dazu:
– Im gesamten Raum war keine einzige Internet-Adresse zu sehen. Nicht am Pult des Kandidaten. Nicht im Hintergrund. Nirgends.
– Frank-Walter Steinmeier hat am Samstag zwar pünktlich seine Website frankwaltersteinmeier.de lanciert, darüber aber in seiner Rede kein Wort verloren.
– Das Wort Internet kam beim zweieinhalbstündigen Wahlkampfauftakt der SPD nicht ein einziges Mal vor.
– Seit Samstagabend steht das Regierungsprogramm des Kandidaten online, aber die Mitglieder seines Unterstützer-Netzwerks wurden darüber nicht per E-Mail informiert.
– Die Antrittsrede wurde vom Steinmeier-Team nicht aufgezeichnet und stand am Sonntagabend weder als Video noch als Text online. Da auch die TV-Sender phoenix und n-tv die Rede nicht sofort ins Netz gestellten, ist sie nun erstmals futsch.
Im Wahlkampf der SPD ist das Internet noch immer Kellerkind. Diesen Eindruck zumindest musste man am Sonntag bekommen. Die Plattform Wahlkampf09 hatte einen kleinen, leicht zu übersehenden Stand im Foyer. Das musste reichen. An dieser Randstellung ändert auch ein bisschen Mittwittern auf einigen SPD-Accounts wenig.
Internet ist kein Selbstzweck. Aber es könnte der SPD und ihrem Kandidaten dienen, Technologie und Wandel auch positiv zu denken und sich für eine Revitalisierung der partizipativen Demokratie einzusetzen. Der Umgang mit dem Internet ist daher mehr als nur eine Frage nach dem richtigen Medienmix im Wahlkampf.
Es geht um die Inszenierung der eigenen Bereitschaft zu Veränderungen und Lernprozessen. Die nach Obama-Maßstäben mehr als strukturkonservative Haltung gegenüber dem Internet aber könnte schnell auf Partei, Kandidat und letztlich auch auf das politische System zurückfallen. Die SPD steht nicht mehr für Aufbruch — ihre Herangehensweise an das Internet zeigt das nur zu deutlich.
Carta hat mit Kajo Wasserhövel, dem obersten Wahlkampfmanager der SPD, über die Rolle des Internets bei der Auftaktveranstaltung gesprochen:
Was macht der Online-Wahlkampf? Fragen an Kajo Wasserhövel (SPD) from Carta on Vimeo. (Entschuldigung für den verwindeten Ton, daran arbeiten wir noch)
– Sebastian Lange: Die Macht des Establishments
– Klaus-Peter Schoeppner: „Mach’s wie Gerd, Frank“
– Leonard Novy: Die neuen Worte der Macht
– Robin Meyer-Lucht: Köhler, der TV-Präsident




“Revitalisierung der partizipativen Demokratie” – zB #teabagging von schwarz-gelb gegen den Soli (zu einer fws-Position ist mir grad nichts eingefallen)?
Viele der Kritikpunkte an der SPD und ihren Internetaktivitäten rund um den Wahlkampfauftakt muss man nicht unbedingt auf die Goldwaage legen. Dass aber die Rede Steinmeiers nicht als Video im Web abrufbar ist, ist ein enormer Fehler.
Wie sollen sich denn Leute, die nicht nach Berlin kommen konnten, sich einen Eindruck verschaffen und vor allem emotional von der Stimmung der Veranstaltung angesteckt werden? Oder war die Atmosphäre im Tempodrom so unterkühlt, dass man das niemanden draußen im Land zumuten will?
Andererseits ist es ganz gut für die SPD, dass das Video nicht im Internet zu verfolgen ist: Hinter Steinmeier waren bei der Fernsehübertragung im Halbdunkel überwiegend ältere Herrschaften mit verschränkten Armen und starrem Gesichtsausdruck zu sehen, die eher den Eindruck erweckten, sie würden einer Bundestagsdebatte zum Thema sanitäre Grundversorgung lauschen als der Wahlkampfrede ihres Spitzenkandidaten.
@ Sophie: Spannende Beobachtung. Vor Ort ist das gar nicht so aufgefallen. Ich schätze auch, dass dort keine speziellen Leute hingesetzt wurden oder sie speziell instruiert worden sind. Im Grunde war daher auch die TV-Inszenierung nicht perfekt.
In der Tat könnte es auch sein, dass die vollständige Bereitstellung der Rede als gar nicht gewünscht war – nicht nur wegen des Hintergrunds.
Hier auch noch sehr guter Text zu Steinmeier und Internet:
http://www.sueddeutsche.de/,tt5m1/politik/17/465605/text/
Also mit Verlaub, die Kritik ist arg dünn – einerseits das allbekannte Lamento um die Person Steinmeier, das so tut, als ginge es darum, mit wem man ein Wochenende an der Ostsee verbringen will – und nicht darum, wer dieses Land durch schwierige Zeiten führen soll.
Und dann diese beinahe beleidigte Anmerkung, man habe im ganzen Saale keine Internetadresse ausmachen können: Herrje, wenn das das zentrale Problem der SPD wäre, dann wäre die Welt längst sozialdemokratisch. Und nein, das ist auch kein pars pro toto, so einfach darf man es sich gerade als Journalist und Wissenschaftler eben nicht machen.
Mich ärgert das zunehmen: der Eindruck, dass viele Journalisten lieber über die Wahlkampfinszenierung schreiben als über Sachpolitik.
Insgesamt fällt auf, dass es nur eine strategische Ausrichtung bei allen politischen Parteien gibt. Der/die Kandidat/in muss beim Stammtisch aus Leuten ohne höhere Bildung zwischen 60 und 85 Jahren gut ankommen.
Nur die Grünen hatten früher noch den Impetus, jüngere Ex-FDPler anzusprechen. Das legt sich aber zusehends. Ich dachte immer, dass es an den wenig international erfahrenen Agenturen und Wahlkampfleiter/innen liegt, die als Eintrittskarte wohl ein Volo in der Lokalzeitung/Lokalressort brauchen, wegen der Nähe zu den Taubenzucht/Schützenvereinen (s.o.)
Man kann das lächerlich finden. Aber da sie genau wissen, dass dies noch die einzige Bevölkerungsgruppe ist, die ohne großen thematischen und persönlichen Aufwand quasi roboterhaft am Wahlsonntag zu Urne schreitet und jeweils die Zukunft unseres Landes begräbt, werden sie einen Teufel tun und einen CHANGE herbeireden/führen/denken. Denn eine Risiko wird dort nicht eingegangen.
Ich erinnere mich noch an die flotten Sprüche der flotten Werbefuzzis, die die Grünen mal hatten. Hat einfach nichts genutzt, weil deren Klientel bzw. deren potenzielle Wähler einfach lieber am Sonntag im Bett liegen oder ne Fahrradtour machen.
Ich wundere mich immer wieder über die unglaublich inhaltsleeren und enorm teuren Veranstaltungen und die darauf folgenden kaum erkennbaren Schritte, die eigentlich nur noch im Verschleiern der aggressiven lobbyistischen Mainpulationen bestehen. Der volkswirtschaftliche Schaden, der durch diesen radikalen Gehorsam entsteht, ist unermeßlich. Aber da der deutsche Nichtwähler noch duldsamer als der deutsche Wähler ist, besitzen alle, die von der Bürokratur direkt oder indirekt abhängen einen Persilschein.
Alles was geschieht, wird ohne jede Substanz nur für einen Schatten eines potemkinschen Dorfes in die Luft gehalten. Es ist noch nicht mal Pappe. Das Internet macht diese Tendenzen noch billiger und watteweicher. Leider. Das es anders ginge, ist allen Beteiligten klar. Aber dazu bräuchte man ein selbstdenkendes Gehirn und eigenen Mut. Beides ist in der politischen Kaste schwer zu finden – und wenn vorhanden, dann sehr gut versteckt, oder schon fast rausgemobbt.
Ich finde, dass die Kritik ein wenig an den Haaren herbei gezogen ist. Webadressen muss man nicht mehr überall plakatieren – die einen wissen ohnehin, wie sie auf die SPD-Seite kommen und die anderen geben spd.de in die Google-Suchbox ein…
Das Land hat im Moment auch größere Probleme, als die neue Website von Steinmeier zu feiern. Ich finde es gut, dass er auf die großen Probleme eingegangen ist und nicht gesagt hat: Alles weitere finden Sie auf meiner neuen Homepage…
Bei den Zuschauern im Tempodrom braucht man doch die Webseiten der SPD nicht mehr bekannt machen. Die Zuschauer am Fernseher – die schaffen es ja noch SPD bei Google einzugeben.
Insofern halt ich das bei dieser Veranstaltung für keinen großen Fehler.
Ich finde die Kurve die vom angeblich so ungünstigen “Schauplatz Tempodrom” hin zur angeblichen Internetabstinenz geschlagen wird, ja schon komisch, aber auch bei den anderen Sachen wird doch ein wenig arg übertrieben ;-)
Wo ist es denn jetzt so schlimm, dass keine Internetadressen im Raum zu sehen waren?
Ich kann die Kritik hieran nicht wirklich verstehen…
Die Zeiten in denen man massiv dafür werben musste sind vorbei.
“Das Wort Internet kam beim zweieinhalbstündigen Wahlkampfauftakt der SPD nicht ein einziges Mal vor.”
=> Wenn man sich die Veranstaltung mal so anschaut, dann war das auch nicht wirklich der Ort um die strategische Ausrichtung der SPD im Internet während des Wahlkampfes und überhaupt zu diskutieren. Dafür gibt es einfach andere Veranstaltungen.
Ich finde, hier wird ein wenig arg jedes noch so kleine Detail (fast zwanghaft) hervorgekramt, um “Kritik” äußern zu können. Von “Kellerkind” zu sprechen, finde ich besonders an den Haaren herbeigezogen. Mich würde man interessieren, wie andere Parteien dann tituliert werden…
Also mal ganz ehrlich: Wer sowas schreibt wie
“Die SPD steht nicht mehr für Aufbruch — ihre Herangehensweise an das Internet zeigt das nur zu deutlich.”
der hat sich meiner Meinung nach schon selber diskreditiert. Eine ernsthafte Auseinandersetzung findet doch damit quasi nicht statt.
@Sophie und Robin:
Habe mir gerade noch mal verschiedene Bilder angeschaut und muss sagen, dass ich den Eindruck nicht ganz so bestätigen kann.
Also ich glaube nicht das man die Internetadresse der SPD noch groß bekannt machen muß. Die Partei gibt es ja nicht erst seid gestern udn ihren Internetauftritt auch nicht. Also wird man selbst wenn man die Internetadresse nicht kennt, sich die Adresse ableiten können aus dem parteinamen. Sind ja nur 3 Buchstaben und einmal www. und .de ;)
Es ist schon interessant, wieviele SPD-Blogger hier – plötzlich? – mitlesen. Noch interessanter würde es sein, welche Wirkung es hätte, gäbe es für sie ein MyFWS.de, um intern über solche “haltlosen, unqualifizierten und unbegründeten Artikel wie die von Meyer-Lucht” weiter zu diskutieren. Die Kommentarliste zeigt noch viel deutlicher als der Artikel selbst, wieviel Potenzial durch Ex-Journalisten, 2.Jahrtausend-Agenturen und übervorsichtigen Kleinmut verschüttet wird….
[...] aus? Carta war bei dem Wahlkampfauftakt von Frank-Walter Steinmeier, dem Spitzenkandidaten der SPD, dabei: Das Wort Internet kam beim zweieinhalbstündigen Wahlkampfauftakt der SPD nicht ein einziges Mal [...]
Man braucht sich doch nur bei Diensten wie onlinetvrecorder.com registrieren lassen und kommt dann legal noch an den Mitschnitt von Phoenix. Da kann man sich dann auch nachträglich ein Bild machen. Aber eigentlich sollte das künftig auch wieder drin sein, wichtige Sachen zentral aufzuzeichnen, zumindest audio.
Nachtrag: Die (verschlüsselte) Datei heißt: die_Diskussion_09.04.19_17-00_phoenix_60_TVOON_DE.mpg.avi.otrkey
Abgesehen von der Kritik zum fehlenden Internetbezug bei der Antrittsrede im Tempodrom (die ich teile), bin ich über folgenden Absatz gestolpert:
“Die SPD zeigte sich am Sonntag (…) als Partei der Transfereinkommensbezieher. Wie man das dann nennt, ist dann eigentlich zweitrangig. Nur “Mitte” ist das wohl nicht mehr. Für die urbane Dienstleistungsmittelschicht scheint sich die SPD nicht mehr sonderlich zu interessieren. Stattdessen laboriert die Partei an ihrem Hartz-IV-Trauma und ihrer Die-Linke-Phobie.”
Im SPD-Programm werden “Hartz IV” und “Agenda 2010″ gar nicht erwähnt. Haben Sie das Programm nicht gelesen, oder deuten Sie das Weglassen der Begriffe als “Trauma”? Dem Thema “Dienstleistungsmittelschicht” werden dagegen gleich mehrere Seiten gewidmet, wenn auch (zugegebenermaßen) nicht besonders konkret, richtungsweisend oder gar glaubwürdig.
@ Daniel: “Mich ärgert das zunehmen: der Eindruck, dass viele Journalisten lieber über die Wahlkampfinszenierung schreiben als über Sachpolitik.”
Lieber Daniel,
wir interessieren uns bei für politische Inszenierung UND für Sachpolitik (Policies). Wir interessieren uns dafür nicht für Politics, also die tägliche Politiker-Soap.
Ich halte die Beobachtung der politischen Kommunikationsstrategien für eines der interessantesten Themen im Wahlkampf, neben der Sachpolitik. Daher wird Carta gerade auch dieses Thema in den nächsten Wochen stark verfolgen.
@ “An den Haaren herbeigezogen”-Kritik:
Der Text hat ein wenig Schlagseite, zugegeben. Er krittelt im Grunde an einem Detail herum, stimmt. Aber man darf jetzt nicht vergessen, mit welcher Obama-Euphorie hier vor einigen Monaten noch alle Parteisekretäre herumgelaufen sind. Und nun: Eine Wahlkampfautaktfeier der SPD nahezu ohne Internet. Das rechtfertigt schon eine Würdigung.
@ newww:
Ich habe das SPD-Regierungsprogramm in der Tat nicht vollständig, aber zu einem guten Teil gelesen. Mein Eindruck entstand aber nicht nur auf Basis der Lektüre, sondern auf auf Basis der Präsentation durch Steinmeier.
@ Thomas Wendt: Onlinetvrecorder ist ein guter Hinweis, aber kann nicht die einzige Alternative sein, oder?
@ Alex: Der Hinweis auf die möglicherweise ebenfalls wenig überzeugenden Aktivitäten der anderen Parteien ist doch auch keine überzeugende Entschuldigung. Das wäre in der Tat kleinmütig. Der Konnex von Aufbruch, SPD und Internet ist in der Tat ein wenig hastig geschlagen. Das muss besser werden.
rml
@robin meyer-lucht
This is not America. Und das ist gut so. Das mag ja so sein, dass gerade die Herren Parteisekretäre angesichts der US-Wahlkampfes von Reichweiten und Gefühlen träumten, aber so funktioniert bundesdeutsche Politik nicht – hier sitzt die Skepsis gegenüber Inszenierungen doch sehr tief und mit Recht. Es werden eben ganz andere Ansprüche an einen Politiker gestellt. Außer der Linken mit Sodann würde sich in Deutschland keine Partei trauen, mit Kandidaten aus der Sarah-Palin-Ecke anzukommen. McCain ist an deutschen Ansprüchen gemessen ein rechter Schwätzer wie Seehofer und Obama ein Bruder Leichtfuß mit hübschen Floskeln, wie Westerwelle in seinen verwirrtesten Tagen. Insofern finde ich den Vergleich sehr ermüdend – und langweilig. Davon abgesehen: Schauen Sie sich doch mal die Demographie und die Zielgruppen an, dann relativiert sich der Allheilsgedanke via Internet vielleicht.
Und ich bleibe dabei: Viele Journalisten schreiben bevorzugt über die Kommunikation und die Oberfläche, weil sie die akuten, volkswirtschaftlichen Probleme dieses Landes selbst nicht verstehen und daher keine Kritik üben können. Das ist traurig.
Noch ein Nachtrag zu Ihrem Satz: “Nur Mitte ist das wohl nicht mehr.”. Dazu passt: http://faz-community.faz.net/blogs/chaos/archive/2009/04/20/politik-fuer-die-obersten-1-6.aspx
@ newww: Danke für den Hinweis- wir haben Text ja auch auf Carta verlinkt. Ich teile die Argumentation von “Chaos as Usual” überhaupt nicht. Dass die Mitte nicht von der Reichensteuer betroffen ist, heißt nicht, dass die SPD noch Mitte sei und nicht nach links rücke. Im Kern hält die SPD derzeit die Bezieher hoher Einkommen für Menschen, die sich bereichern und denen mehr Geld abgenommen werden soll.
@ Daniel: Hinweis auf Demografie finde ich super. An einem Text dazu laboriere ich seit wochen. Der muss jetzt mal kommen, stimmt.
Solche Bücher sind da fast schon ein Blick in die Vergangenheit:
http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/bst/hs.xsl/publikationen_94729.htm
(Vorstellung am 6.Mai von Matthias Machnig (SPD))
@ Daniel: Wir werden uns auf jeden Fall auch um einzelne Politikfelder kümmern, Carta ist da ganz sicher nicht Old Media.
Über den Sinn der Bertelsmann-Stiftung kann man geteilter Meinung sein. Offenbar klappt das finanziell mit dem Selbstbild des Thinktanks. Zwei Bekannte von mir, die dort “geforscht” haben, waren über den prädemokratischen Arbeitsalltag mehr als überrascht. Ich liebe ja deren Bücher über alles. Man kann dann genau ablesen, wie man die ehemaligen Bertelsmannkunden mit ein wenig aktueller Wissenschaft, also alles was neuer als 10 jahre ist plus viel Wissen vom Klassenfeind in Kalifornien, in ein erfolgreiches Fahrwasser lenkt. Ich erinnere noch ein Werk namens “Wegweiser im Netz” von 2003, das auf 450 Seiten alle damals inflationären Gemeinplätze zum Thema Suchmaschinen als Wirtschaftsfaktor zusammenfasste und zu keiner Zeit wesentliche Funktionen, Trends, Experten oder gar Paradigmen erklärte. Es las sich wie ein Konvolut losgelassener VWLer auf das Thema Websuche. Ob sie noch immer Statistik als Erkenntnistheorie mißbrauchen?
Viel geschrieben – viele Vorwürfe, aber stimmt das alles?
Die Netzwerke wurden informiert. Manchmal sogar schon zu viel.
Das Internet ist wichtig, aber wichtig ist auch, dass das Programm den Menschen vorgetragen und übermittelt wird.
Und wer will schon Inszenierungen? (Die, die daran verdienen?) Gewünscht wird Realität und Wahrheit. Das wird geliefert. Über das Internet, über das Gespräch mit den/dem BürgerInnen, über Printmedien….
Die SPD ist sehr viel weiter als der Schreiber denkt. Manchmal muss man aus den Höhen herabsteigen um mitzubekommen, was unten wirklich läuft.
Geschrieben von der Dienstleistungsmittelschicht.
“Die Netzwerke wurden informiert.”
Klarer kann man den Zustand der Parteien online nicht präzisieren.
Sie kennen keine dialogische Umgangsform. Dort herrscht 1:n.
Noch immer. Ist halt Hierarchie. Wie soll so eine Struktur so etwas rhizomatisches wie ein SN verstehen oder gar nutzen…
@ Anke:
“Die SPD ist sehr viel weiter als der Schreiber denkt.”
1. Wäre ja auch schlimm, wenn es nicht so wäre.
2. Mag schon sein, das war aber am 19. April im Tempodrom nicht zu besichtigen. Und das war nicht irgendein Event, sondern der Bundestagswahlkampfauftakt. Und nur darüber habe ich hier geschrieben.
Ich würde nicht behaupten, dass die SPD das Internet als Kellerkind behandelt. Denn vergleicht man die Internetpräsenz der SPD mit der von anderen Parteien, stellt man fest, dass sie den Lesern mehr anbietet. Auch die persönliche Seite von Frank Walter Steinmeier ist interessant gestaltet und auf Facebook kann man auch die wachsende Anzahl seiner Anhänger mitverfolgen. Und dass in seiner Rede kein Wort vom Internet zu hören war finde ich nun nicht so wichtig…..schließlich gibt es sowas wie eine Finanz und Wirtschaftskrise. Das reicht um zwei Stunden Redezeit zu füllen…..
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