Robin Meyer-Lucht

Das große Unbehagen der Großjournalisten mit dem Internet: heute mit Peter Frey

Robin Meyer-Lucht | 17 Kommentar(e)

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ZDF-Hauptstadtstudioleiter Peter Frey warnte gestern noch einmal vor den Gefahren der neuen Online-Freiheit: Botschaften würden “ungeprüft” publiziert. Der orientierende Flaschenhals der Massenmedien gehe verloren. Dazu Steffi Lemke von den Grünen: “Herr Frey, die Vorstellung, dass Sie mein Flaschenhals sind, behagt mir nicht.”

31.03.2009 | 


Es lag wahrscheinlich an der Zusammensetzung des Podiums: Dort saßen neben Peter Frey (ZDF) drei Bundesgeschäftsführer von Parteien (Kajo Wasserhövel (SPD), Steffi Lemke (Grüne), Hans-Jürgen Beerfeltz (FDP)) und ein Wahlkampfberater (Peter Radunski), um über Wahlkampf zu reden. Und natürlich redeten sie alle vom Online-Wahlkampf.

Ganz am Rand saß Frey, ZDF-Hauptstadtstudioleiter, und vertrat das bekanntlich möglicherweise in Ablösung befindliche politische Leitmedium Fernsehen. Und Frey (blogt hier) fühlte sich von der Online-Euphorie der Parteien derart herausgefordert, dass er vor allem auch noch einmal auf die Gefahren der neuen Online-Freiheit hinweisen wollte:

  • Das Internet destabilisiere die klassischen politischen Institutionen
  • Die kritische Instanz des Journalismus werde durch das Internet entmachtet
  • Die Massenmedien würden ihre thematische Integrationskraft verlieren
  • Die orientierende Funktion des Journalismus als “Flaschenhals” löse sich auf

Mit der steigenden Bedeutung des Internets, so ließe sich Frey zusammenfassen, wird auch ein gutes Stück alter Demokratie relativiert: Die massenmediale Vermittlung von Politik. Oder konkreter: Seine unangefochtene Deutungsmacht als ZDF-Hauptstadtstudioleiter.

Mit diesem Unbehagen war Peter Frey gestern auf der Veranstaltung “media coffee” in Berlin völlig allein im Kreis der Parteipolitiker. Im Gegenteil, sie zeigten sich mehr als erleichtert, endlich besser und individueller mit den Wählern kommunizieren zu können. Zugleich mochten sie Freys Beharren auf der unverzichtbaren institutionellen Kontrollfuktion des Journalismus nicht recht teilen. Denn gerade die kleinen Parteien müssen in der großen Koalition erleben, dass sie mit ihren Initiativen in der Berichterstattung kaum noch vorkommen.

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ZDF-Studioleiter Peter Frey: "Das Internet ist immer in der Gefahr, ein Instrument der Selbstbespiegelung zu sein."

Steffi Lemke von den Grünen entgegnete Frey nach auch mit einiger Süffisanz: “Herr Frey, die Vorstellung, dass Sie mein Flaschenhals sind, behagt mir nicht.” “Genau”, rief Hans-Jürgen Beerfeltz von der FDP gleich noch hinterher.

Auch in Sachen Debattenformate zeigte sich Lemke anschließend angriffslustig. ARD und ZDF hätten in diesem Jahr “die Möglichkeit, ziemlich viel Vertrauen zu verspielen” – wenn sie nämlich tatsächlich nur ein Kanzlerduell mit Merkel und Steinmeier durchführen und so die kleineren Parteien benachteiligen würden.

Ein lehrreicher Abend somit: Dem ZDF behagt die neue Relativität der Deutungsmacht nicht und die kleinen Parteien nehmen das mit einiger Genugtuung zur Kenntnis. Hier ein ganz kleines Wackel-Video zu dem Abend:




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17 Kommentare

  1. Fact - Fiction » Blog Archive » G8-Gipfel in Londonistan ohne Schwein! |  01.04.2009 | 11:29 | permalink  

    [...] Maschinenbau-Orders halbiert! Daimler verschärft Sparkurs Salzburg: Arbeitslosigkeit um 60% gestiegen Im Februar kein Rückgang der Arbeitslosigkeit Und nochmals: War Milan Kundera Denunziant? Die Linkspartei lügt, wie gedruckt! Linkspartei fällt in Wählergunst. Kein Wunder, wenn CDU linkser ist! Afghaninnen bleiben im Haus, wenn Mann es will Die TV-Erziehungsanstalt Vera Lengsfelds DDR-Tagebuch! Gammelfleisch Deutschland. Echt oder nur Provo? Derselbe: Türken ficken deutsche Mädels EU will Bigbrother-Box im Auto! Wir sind schlimmer behandelt worden als Tiere Rio mauert Slums/Favelas zu. Originell! Obama darf in Ankara nicht Völkermord sagen! Das große Unbehagen der Großjournalisten mit dem Internet! [...]

  2. Frank Bergmann |  01.04.2009 | 13:11 | permalink  

    Ich teile schon nicht die Annahme Freys, dass (Hauptstadt-)Journalismus per Definition und immer objektiv ist.

  3. die angst vorm internetjournalismus « jahrra sein blog |  01.04.2009 | 20:27 | permalink  

    [...] frey, der hauptstadtstudioleiter des zdf, sieht in online-publikationen eine “gefahr”, weil beiträge “ungeprüft” veröffentlicht werden, weil die [...]

  4. kühlschranknotizen » Onlinewahlkampf 2009: #fail |  01.04.2009 | 20:55 | permalink  

    [...] Achtung. Hier gehts um Politik und meine höchstpersönliche Meinung. Und ja: Ich habe gerade nicht so gute Laune. (Deutlich weniger genervt scheint Robin Meyer-Lucht gewesen zu sein, zart Besaitete also bitte da lan…) [...]

  5. diigo 04/01/2009 (p.m.) | synapsenschnappsen |  01.04.2009 | 21:30 | permalink  

    [...] Das große Unbehagen der Großjournalisten mit dem Internet: heute mit Peter Frey — CARTA [...]

  6. ZEIT ONLINE - Wahlen nach Zahlen » Blogs und Journalisten |  01.04.2009 | 22:50 | permalink  

    [...] 01.04.2009 Medien Blogs und Journalisten Von Thorsten Faas | 22:50 Robin Meyer-Lucht bloggt auf http://www.carta.info unter dem Titel “Das große Unbehagen der Großjournalisten mit dem Internet: heute mit Peter [...]

  7. Robin Meyer-Lucht |  02.04.2009 | 15:16 | permalink  

    Danke für die vielen Trackbacks.

    RML

  8. Robin Meyer-Lucht |  02.04.2009 | 15:23 | permalink  

    @ Frank Bergmann: Klar, der normative Kurzschluss besteht darin, den Status Quo als ideal zu verklären.

    Lustig, dass ausgerechnet ständig das ZDF bei uns so schlecht wegkommt. Wir haben nichts gegen das ZDF. Wie auch? Das Programm schauen wir ja eigentlich nie.

  9. Digitale Ahnungslosigkeit: Alte und neue Medien kennen sich gegenseitig nicht — CARTA |  15.04.2009 | 22:25 | permalink  

    [...] Social Software Geeks dabei wenig bis nichts zu verlieren haben, steht den klassischen Medien ihr “Unbehagen am Internet” allmählich immer schlechter zu Gesicht. Denn bei ihnen geht es um sehr viel Umsatz, [...]

  10. In was für einer digitalen Gegenwart leben wir? Irgendwas mit Inhalt | digitalpublic.de |  16.04.2009 | 17:01 | permalink  

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  13. Merkel bei RTL: Kuschelshow für die Einzelfallberaterin der Nation — CARTA |  18.05.2009 | 02:18 | permalink  

    [...] Kommentare zum Merkelauftritt mit verfolgen. Die Grünen-Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke twitterte fast minütlich und wunderte sich, dass die Kollegen von der SPD gar nicht dabei [...]

  14. anna |  25.07.2009 | 07:07 | permalink  

    das glaube ich doch gerne, dass Herr Frey Angst hat vor online Veröffentlichungen.
    Denn dort kann sich Otto Normal Verbraucher endlich auch mal über den Dilletantissmus eines Herrn Frey äußern.
    Das ZDF als devotes Zentralorgan der CDU ist nun mal nicht jedermanns Sache- meine jedenfalls nicht.
    Herr Frey hat nicht das Format unabhängig berichten zu können- er ist respektlos und unanständig gegenüber ihm unangenehmen Interviewpartnern ( z. B. Herrn Lafontaine) .
    Jeder Cent GEZ ist Verschwendung, wenn es um das ZDF geht.

  15. robin |  25.07.2009 | 12:51 | permalink  

    @ anna: so weit wäre ich nicht gegangen, aber die schliessung des zdf-forums zum neuen nachrichtenstudio zeugt nicht gerade von dialogbereitschaft.

  16. melli |  26.07.2009 | 06:07 | permalink  

    Und wer schütz uns vor den ungeprüften Publikationen und Äußerungen eines Herrn Frey???????????????
    Hat er das Anspruchsdenken, mir mache es Spass eine gefärbten Berichte und Kommentare zu sehen und zu hören?
    Der Mensch ist an Impertinenz nicht zu ertragen!!!
    Zum Glück hat die Glotze immer noch einen “AUS” Schalter.

  17. Hartmut Barth |  14.08.2009 | 17:11 | permalink  

    Herr Peter Frey ist für mich ein würdiger Nachfolger eines Hasspredigers ala
    K.E.von Schnitzler.Hätte nie gedacht das es solche Typen auch in der BRD gibt ja schlimmer noch das so was öffentlich gelitten wird.Die Zuschauer haben für
    Ihre GEZ was serjöses verdient!!!

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