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Mercedes Bunz

Macht das Ding aus! Die Ära des Fernsehens ist vorbei.

Mercedes Bunz | 19 Kommentar(e)


Plötzlich war es nicht mehr da, das Fernsehen. Leise, still und heimlich verschwand es aus unserem Horizont: Wie das kam und warum Freundschaft das bessere Versprechen als Fernsehen ist – für alle!

30.03.2009 | 


Von Mercedes Bunz und Nadine Lantzsch

Irgendwann blieb der Fernseher einfach aus. Nicht, dass dies eine bewusste Entscheidung gewesen ist. Wir wollten uns nicht von der Manipulation dieser Unterhaltungsmaschine befreien. Wir drohten dem schwarzen Kasten auch nicht wutentbrannt mit der Faust, weil er einen schon wieder auf Gebührenkosten mit abgrundtiefer Langeweile nervte. Wir verloren einfach das Interesse.

Tatsächlich wunderte sich der Medienredakteur des Tagesspiegels, Joachim Huber, vor zwei Wochen hier nicht ganz zu unrecht, wie das kommen kann. Ja, auch wir sind noch mit dem Fernsehen aufgewachsen. Aber er irrt sich, wenn er meint, wir blieben einfach teilnahmslos davor sitzen und würden Piepmatz Pilawa ertragen. Matthias Kalle hat ja im letzten Beitrag für die „Generation Glotze“ gut beschrieben, wie die Karriere verschiedener aufgeweckter Persönlichkeiten im Musikfernsehen verheißungsvoll starteten, um anschließend von den großen Programmanstalten gekonnt beendet zu werden. Ich wiederhole noch mal: Charlotte Roche. Christian Ulmen. Sarah Kuttner und vor allem ihr Sidekick Sven Schumacher. Und so weiter und so fort.

Aber auch sonst war man im deutschen Fernsehen nicht sehr experimentierfreudig. Woanders liefen Serien zur neuen kulturellen Hochform auf. „Lost“ reichte dem Kinofilm das Wasser, der schwarze Humor des „Dr. House“ erfand die Krankenhaus-Serie neu und mit „The Wire“ legte der amerikanische Fernsehsender HBO schließlich eine Polizeiserie vor, die dem Lesen eines naturalistischen Émile-Zola-Romans in nichts nachsteht. Die deutsche Serie dagegen erkannte man im Fernsehen umgehend an ihrer eigenartigen, gerne leicht brauntonigen Beleuchtung, so dass man in Sekundenschnelle wegzappen konnte.

Eines Abends machten wir allerdings nicht mal mehr das. Wir standen vom Sofa auf und gingen an unseren Schreibtisch zurück. Dort legten wir eine DVD in den Computer, die genau an die Stelle sprang, die wir zuletzt gesehen hatten. Irgendwann holten wir dann den Computer ganz hinüber in das Wohnzimmer – das war der Moment, in dem dann der Fernseher wutentbrannt und wild die Faust schwenkend hinter das Regal kippte. Und da verstaubt er bis heute.

Anders als Herr Huber also im Tagesspiegel meinte, ist es also so: Ein psychosoziales Einverständnis zwischen uns und dem scheußlichen Programm gibt es – kein Stück. Wenn heute keine Generation wütend an die Mattscheibe klopft und Einlass fordert, hat das einen Grund: Wir toben uns woanders aus. Über das Fernsehen ärgern wir uns nicht lang. Gut, kurz waren wir ein wenig wehmütig. Aber warum sollen wir uns übergangen und unterdrückt fühlen, wenn unser Computer die viel besseren Angebote macht? Warum sollen wir uns anstrengen, uns gegen eine Massendurchschnittsbiene wie Pilawa durchzusetzen, wenn wir uns im Internet prima viel niveauvoller austoben können? Unsere Blogs immer mehr Leser bekommen? Wir Tastatur, Digitalfotos oder Filmkamera in die Hand nehmen und zusammen mit Freunden Diskussionen zu Themen verfolgen, die uns interessieren? Das gängige TV-Programm führt vielleicht dazu, dass Sie uns für völlig debil oder spießig halten. Nur: Wir waren dann mal weg.

Im Grunde ist die Ära des Fernsehens ja vorbei. Die Zeiten sind gesegnet, in denen sich die Nation vor der Glotze versammelte, wie im 19. Jahrhundert die Familie um das abendlich wärmende Kaminfeuer. Information und Unterhaltung nimmt man heute auch nicht mehr in einem einzigen Leitmedium auf. Die mediale Landschaft ist versprengt, fragmentarisiert. Und viel zu lange haben die Fernsehverantwortlichen diese Entwicklung missachtet. Sie haben gedacht, wenn sie ihr Programm dumpf auf Masse ausrichten, fände die sich auch ein. Aber die Masse machte da nicht mit. Und damit, dass man eines Tages mal zu besseren Angeboten ausweichen kann, haben die Programmdirektoren nicht gerechnet. Pech gehabt. Programmdiktat gehört heute der Vergangenheit an.

Allerdings könnte man uns noch kriegen: Ab mit den Inhalten ins Netz. Auch, wenn das Internet ein Textmedium ist: Die ARD Online Studie 2008 bestätigt die Neugierde gegenüber multimedialen Anwendungen. 55 Prozent aller erwachsenen Internetnutzer, 10% noch im Jahr zuvor, rufen Videos und TV-Inhalte über Videoportale und Mediatheken auf – live oder zeitversetzt. Bei den 14- bis 29-Jährigen sind es sogar schon 84%. Leider steht uns das alte Leitmedium Fernsehen genau bei diesem Nutzungsverhalten im Weg: Während sich in Deutschland noch viele Sender sträuben, ihr Portfolio frei zugänglich und kostenlos zu veröffentlichen, spielen die USA hier mal wieder den Vorreiter. Dort präsentieren Fernsehsender Serien und Talkshows bereits wie selbstverständlich im Netz – und auch das Weiße Haus hat auf Youtube einen Sendekanal.

Neben einem großen freien Angebot kann man sich sogar wieder der traditionellen Gemeinschaft des typischen Samstag-Fernseh-Abends annähern, als die Familie gemeinsam mit dem Rest von halb Deutschland vor dem Fernseher saß. Und das geht so: Ist man Mitglied des sozialen Netzwerkes Facebook, bieten Fernsehsender die Möglichkeit, was man Online sieht live in einer Art Chat zu kommentieren. Allen Bekannten, die online sind, werden diese Kommentare angezeigt – und oft schalten sie zu und diskutieren dann wild durcheinander.

Doch halt! Wenn wir jetzt verdächtigt werden, dass mit diesen medialen Ersatztreffen unsere soziale Fähigkeiten verkümmern, weil wir wichtige Konflikte nicht mehr in der echten Welt austragen, beispielsweise wie den, wer die Fernbedienung halten darf, der lese bitte weiter. Wir würden zwar laut der JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes lieber auf unseren Fernseher verzichten, als auf Computer oder Internet, aber keine Angst, wir tauchen mit ihm nicht in eine rein virtuelle Welt ab. Computer, Internet und Mobiltelefone nutzen wir nur als kommunikative Stütze von Freundschaften. Da können wir die Generation Kukident beruhigen: Mit 91 % liegt die reale Verabredung weit vor Online-Treffen (71%).

Also, liebe Generation Kukident. Auch ihr müsst nicht einsam vor der schlechten Glotze rumhocken. Es gibt Hoffnung. Millionen haben es geschafft, der Masse zu entkommen. Lasst den Kasten doch einfach mal aus, schmeißt das Internet an und verabredet Euch mit Euren Freunden. Ihr werdet erstaunt sein, was man von denen alles erfährt.

CARTA veröffentlicht diesen Text mit freundlichen Genehmigung des Tagesspiegels.

Das Fernsehen ist schlecht. Darüber herrscht Einigkeit. Aber wer ist an der Miesere Schuld? Vor zwei Wochen schrieb Medienredakteur Joachim Huber im Tagesspiegel, dass die jüngere Generation, die mit dem Fernsehen aufgewachsen ist, es sträflich in Stich gelassen habe. Nichts da, antwortete Matthias Kalle, und wies nach, dass die Jüngeren keine Chance hatten. Mercedes Bunz und Nadine Lantzsch kratzen sich verwirrt am Kopf, ob der Debatte. Denn wieso eigentlich Fernsehen?

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19 Kommentare

  1. hape |  30.03.2009 | 15:06 | permalink  

    Zwei Dinge möchte ich anmerken: Die ARD-/ZDF-Onlinestudie ist im Punkt Videonutzung nicht zuverlässig. Ich verfolge diese Studie seit Jahren. Zwischen 2007 und 2008 sind Kriterien geändert worden, die plötzlich zu einer Explosion bei der Videonutzung im Netz führten. Zwei weitere repräsentative Studien kommen auf Webvideonutzungsquoten von 20% bzw. 27%, was in etwa dem entspricht, was auch die Onlinestudie bis 2007 immer gemeldet hat (siehe http://blog.gebuehren-igel.de/archives/27-Videonutzung-im-Netz-halbiert.html und die dort verlinkten Artikel)
    Zweiter Punkt: Das Fernsehen wird in 2013 alle Nichtfernsehgucker wieder einholen. Denn alles deutet daraufhin, dass dann die Rundfunkgebühr durch einen Einheitssatz gestaltet wird. Im Prinzip wäre es schon jetzt möglich, auch Computer zu Fernsehgeräten zu erklären, aber bisher verzichten die Anstalten darauf.

  2. Langarbeiter |  30.03.2009 | 15:17 | permalink  

    Dass “das Ding” noch immer an ist, hat wirtschaftliche Gründe. Ohne die Milliarden-Gebühren, die der Staat für den ÖR eintreibt, könnten die Sendeanstalten nicht mehr so herrlich prassen. In Köln z.B. betreibt der WDR in bester City-Lage eine Einkaufspassage mit dem Namen “WDR-Arkaden”.

    Diese Gebührenverschwendung kann aber nur funktionieren, so lange noch eine Mehrheit der Bevölkerung überhaupt den ÖR nutzt. Nur dann kann der Staat den Gebühreneintreiber mimen und entsprechende Verordnungen und Gesetze erlassen.

    Sobald nämlich nicht mehr das Gros der Bevölkerung vor dem Empfänger sitzt und ÖR konsumiert, wird es verfassungsrechtlich bedenklich. Auch bei den Kirchen kann die Kirchensteuer nur so lange vom Staat eingetrieben werden, so lange mehr als die Hälfte der Bevölkerung konfessionell gebunden ist. Auch da würde es sehr eng, falls jemand das Verfassungsgericht anruft.

    Beim ÖR ist die Jugend eher “konfessionell” an Handies, Spielkonsolen und Computer gebunden. Deswegen versuchte ja auch die KEF dem entgegenzuwirken, indem sie einfach jeden PC zu einem Rundfunkempfangsgerät erklärt hat. Nur durch diesen Trick haben die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten überhaupt noch ihre gebührenverursachende Existenzberechtigung.

    Wenn de Hälfte der Bevölkerung nämlich nicht mehr an der Veranstaltung ÖR teilnimmt, wovon ohne die PCs wohl ausgegangen werden kann, würde wohl das derzeitige Gebührenmodell und damit das ganze GEZ-Konstrukt vor dem Verfassungsgericht keinen Bestand haben. Zumal bedeutend kleinere Sender, wie Premiere durch technische Zugangsbeschränkungen vormachen, dass man die Kunden eines Rundfunksenders auch ohne staatliche Hilfe zur Gebührenzahlung anhalten kann. Ich würde auch bezweifeln, dass die junge Generation überhaupt noch in großem Umfang auf Seiten des ÖR strandet.

    So lange also niemand vor dem Bundesverfassungsgericht klagt und obsiegt, werden die teuren politikerkontrollierten Sender zum gegenseitigen Nutzen weiterbetrieben wie immer. Das hat mit Kukident weniger zu tun, zumal Computerpioniere, wie Bill Gates und Steve Jobs locker auf die 60 zumarschieren.

    Übrigens ist es keine gute Idee beim derzeitigen Stand der Computersicherheit ganze Altenheime an den Computer zu setzen, sonst werden dort noch ganze Horden von Zombies, Spam- und Virenschleudern mit durchgepflegt.

  3. Ulrike Langer |  30.03.2009 | 15:26 | permalink  

    Das Bedürfnis nach Bewegtbildkonsum wird nicht abnehmen – im Gegenteil, im Internet werden ja gerade wegen der vielen Videostreams immer höhere Bandbreiten benötigt. Aber wir erleben gerade, dass immer mehr Menschen entdecken, wie absurd es ist, sich mit festen Sendeschemen und vorausgewählten Programmen zu begnügen, wenn im Internet alles, überall und immer verfügbar ist. Und neuerdings dank Social Web Applikationen auch mit wem ich will. Ich muss nicht mehr mit meinen Freunden auf dem gleichen Sofa sitzen, um mich mit ihnen über eine Serie oder ”Germany’s Next Topmodel” oder was auch immer auszulassen. Mehr über den Trend zum ”Social Web TV” auf meinem Blog:
    http://medialdigital.wordpress.com/2009/02/22/social-web-tv-%E2%80%93-fernsehen-als-virtuelles-community-erlebnis/

  4. Jan |  30.03.2009 | 18:42 | permalink  

    Seit Sommer habe ich (mal wieder) keinen Fernseher und ich werde mir mit Sicherheit auch so bald keinen anschaffen. Ich wüsste ehrlich gesagt auch gar nicht mehr, wie ich das Fernsehen in meinen Tagesablauf einbauen sollte. Gleiches gilt bei mir für Radio und Tageszeitung. Diese Medien haben noch vor zehn Jahren die zentrale Rolle in meinem Leben gespielt. Heute sind sie so überholt wie die “tönende Wochenschau” im Kino.

    Wer mich heute erreichen will, schafft das nur über das Internet. Die meisten professionellen Angebote klassischer Medienunternehmen finden hier aber so gut wie nicht statt. Sie laufen in den Hinterhöfen des Netzes – z.B. den sendereigenen Mediatheken. Die Inhalte sind schwer zu finden, die Seiten hakelig zu bedienen und die Qualität hat noch Luft nach oben. Nicht selten sind die Sendungen ein paar Tage später nicht mehr verfügbar oder kostenpflichtig – was vom Effekt her aufs Gleiche hinausläuft.

    Was früher die Wissenschaftssendung war, sind für mich heute die Informationen der Wissenschaftler selbst. Ich fühle mich im Paradies. Aber ich will mich und mein Nutzungsverhalten nicht verallgemeinern. Anderen ist das sicher viel zu anstrengend. Insofern wird es in den nächsten Jahren sicher vermehrt “fernsehähnliche” Angebote geben, die auf das Internet zugreifen, ohne dass man das überhaupt noch bemerkt. Geräte wie das Apple TV zeigen ja, wohin die Reise geht: Ein Mix aus allem, was es gibt, zusammengeführt an einem Ort und mit einer möglichst einfach zu bedienenden Oberfläche.

  5. Daniel |  30.03.2009 | 19:07 | permalink  

    Ich schaue schon seit Ende 2002 kein Fernsehen mehr. Erst bin ich aus Zeitmangel nicht dazu gekommen, so dass ich schon vergessen hatte das er überhaupt in der Wohnung stand. Als ich auszog hatte ich keinen. In China durfte ich dann feststellen, dass überall der (fast) gleiche Mist läuft und nun sehe ich es gar nicht mehr ein mich damit überhaupt noch zu beschäftigen. Für mich das klassische Fernsehen in gestorben.

  6. Wir waren dann mal weg at Mercedes Bunz |  30.03.2009 | 20:44 | permalink  

    [...] entgegnet, dass die Generation von den Programm-Opis daran gehindert wird), erkläre ich hier oder hier, warum ich nicht mehr fernsehe. 30/03/09 . « Previous [...]

  7. Stuuf |  30.03.2009 | 21:47 | permalink  

    @Langarbeiter:
    Pfanke pphür die Aufklärung, dass ich demnächst “durchgefüttert” werden solle, dass “Generation dooph” auch Genaration shofel ist, war ja absehbar. Glücklicherweise wird der Datenstapelwahn es dann erleichtern, Ihren 0,003-€Anteil daran, nachvollziehbar bis zu Ihren Kontoverbindungen, abzulehnen.

    @Ansonsten: Könnte die implizite Ausdehnung der Sendereichweite der ÖR via Internet leicht bekämpft werden, da den Länderkommissionen diese Reichweitenausdehnung auf das “WORLD” WIDE NET ja sicher nicht zusteht und für Teilnehmer aus irgendsonstwo zu produzieren ja kein Auftrag herbeikonstruierbar ist. Insoferne ist das Modell, dass ÖR-Bezahler jetzt schon in der Minderheit sind – in Relation zum WWW – gegeben

    Stuff

  8. Rapunzel |  30.03.2009 | 21:50 | permalink  

    Habe nur bis zu der Stelle mit der bräunlichen Verfärbung gelesen. Wenn hier antideutsche Propaganda dadurch betrieben wird, dass alle Deutschen als Nationalsozialisten beschrieben werden, ist für mich auch dieses Blog aus. *klick*

  9. webTVblog » Die Ära des Fernsehens vorbei? |  30.03.2009 | 22:18 | permalink  

    [...] Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. So bedient sich auch Dr. Mercedes Bunz dieser Taktik um über das Ende des Fernsehens zu sinnieren – und wird vom Journalisten-Kollegen beklatscht, der ohne die Aufnahme seines eigenen Formats in [...]

  10. Kulturpessimismus - oder der Gesamtsinn im Bit-Strom - Björn Sievers |  31.03.2009 | 10:39 | permalink  

    [...] Mir jedenfalls ersetzt Twitter zum Teil meinen Feedreader – und ist an manchen Tagen ebenso spannend wie eine gut gemachte Zeitung. Denn ich stolpere immer wieder über Dinge, von denen ich noch nicht wusste, dass sie mich interessieren. Aber, das gebe ich zu, dazu gehört ein bisschen Medienkompetenz (nur wer das Fernsehprogramm nicht lesen kann, muss sich über das Fernsehen aufregen – alle anderen können das Ding einfach ausmachen). [...]

  11. anonym |  31.03.2009 | 11:01 | permalink  

    Komisch, da sehen Sie jahrelang fern, um dann ganz plötzlich zu merken, daß Sie sich die ganze Zeit unter Niveau unterhalten haben?? Da waren andere Leute aber seit Jahrzehnten schon weiter, die besitzen erst gar keinen Fernseher. Das Fernsehen war schon IMMER schlecht; früher nur nicht SOOO schlecht. Außerdem hatten auch früher schon einige Leute die gute Idee, beim Fernsehen strikt AUSZUWÄHLEN, dadurch blieben ihnen dann die vielen TV-Hackfressen und TV-Dummschwätzer weitgehend erspart. Zugegeben, das Auswählen beim Fernsehen schaffen die wenigsten (weil man da allerhand Charakterstärke benötigt).
    Aber das Internet jetzt als Alternative zum Fernsehen anzupreisen, ist nun weder neu noch in irgendeiner Form originell. Und dann etwas wie Facebook zu nennen, ist der eigentliche Clou Ihres Beitrags. Denn der Witz, den Sie hier machen, aber selbst offenbar nicht verstehen, ist doch, daß das Internet viel noch niveauloseren Mist bietet, als es das Fernsehen kann. Die sog. sozialen Netzwerke sind da ein treffendes Beispiel. Ergo: Den Mist, den man im TV (angeblich) passiv ertragen muß, den kann man im Netz selbstbestimmt anwählen. Eine feine Wahl zwischen zwei gleichermaßen subkulturellen Möglichkeiten!

  12. Dentaku » Macht das Ding aus! |  31.03.2009 | 11:20 | permalink  

    [...] Macht das Ding aus! Die Ära des Fernsehens ist vorbei. (Mercedes Bunz auf CARTA) Irgendwann blieb der Fernseher einfach aus. Nicht, dass dies eine bewusste Entscheidung gewesen ist. Wir wollten uns nicht von der Manipulation dieser Unterhaltungsmaschine befreien. Wir drohten dem schwarzen Kasten auch nicht wutentbrannt mit der Faust, weil er einen schon wieder auf Gebührenkosten mit abgrundtiefer Langeweile nervte. Wir verloren einfach das Interesse. aus Delicious/steinhobelgruen  Linkdump       [...]

  13. Mercedes Bunz |  31.03.2009 | 11:36 | permalink  

    Schon interessant, wie empfindlich manche Leser noch gegenüber bestimmter Reizwörter sind und dann auf “rot” schalten. Liebe/r Rapunzel, das mit dem “brauntonig” war eine Farbbeobachtung. Nicht überinterpretieren.

    Und natürlich bietet das Internet nicht weniger Mist als das Fernsehen. Aber es ist eben ein anderes Format: Ein Pull-Medium und nicht Push-. Und das heißt: Wenn ich mir beim Netz Unsinn reinziehe, der da defacto ist, bin ich selber Schuld. Allerdings hat das Fernsehen schon mit dem Tivo nachgebessert. Könnte man jetzt quasi auch als Pull-Medium begreifen.

    Bester Gruß, mb

  14. Oelsen |  31.03.2009 | 13:54 | permalink  

    Also diese Farben nerven mich auch. Gewisse Serien kann man daran erkennen und die deutschen Serien als Ganzes stinken sowieso gewaltig zum Himmel. Schlechter Schnitt, grottige Dialoge: Ich komme mir vor wie in den 70er, aber ohne den Groove.

    Wenn ich sehe, was ITV, e4 und BBC zustande kriegen, alles europäische Medienhäuser, kringeln sich mir die Nägel ob der Amateurhaftigkeit hiesiger Serien. (ITV: Primeeval, e4 mit Skins und BBC mit Doctor Who als Beispiele). Angemerkt sei noch, dass eine Serie wie My Name is Earl in Deutschland (und .ch/.at) niemals auch nur vorgeschlagen würde. Ein Dank an das SF 2, das heldenhaft solche Serien in Zweikanalton bringt.

    Kupfert doch wenigstens das Geile ab und lässt den Dreck links liegen.

  15. silke |  31.03.2009 | 17:23 | permalink  

    ich sehe auch schon seit jahren kein TV mehr: aus überzeugung. es macht mich einfach aggressiv und schlechtgelaunt. ich würde mir es vielleicht nochmal überlegen, wenn man ein gebühren-modell einführen würde, wo man sozusagen die wahl zwischen 3-10 sendern hat und dafür einen selbstdefinierten (?) betrag entrichten kann jeden monat, d.h. man entscheidet selbst, welche sender man fördert und welche nicht. und überhaupt, warum gibt es in deutschland noch keine sender à la HBO? bis dahin: kill your TV!

  16. » LINKLOAD vom 31.03.2009 [UPLOAD Blog] |  31.03.2009 | 21:43 | permalink  

    [...] Erfasst der Medienumbruch nun auch das Fernsehen oder nicht? Einige Zahlen lassen die gute alte Glotze eher als “Fels in der Brandung” erscheinen, wie Michael Gisiger auf Wortgefecht schreibt. Mercedes Bunz fordert dagegen ganz klar: “Macht das Ding aus!“ [...]

  17. Hofnarr Florian |  31.03.2009 | 23:06 | permalink  

    Ich schaue nur noch selten Fernsehen und wenn Nachrichten oder ausgewählte Filme. Das Internet bietet einem doch so viel mehr als das öde TV-Porgramm. In ein paar Jahren wird das Internet sicherlich das Fernsehen überholt haben.

    Auch die TV-Werbeeinahmen werden in der Wirtschaftskrise zurück gehen. ProSieben hatte ja jetzt schon Probleme die Blöcke zu füllen.

    Fernsehen ist Vergangenheit, es lebe das Internet.

  18. Renago |  01.04.2009 | 11:48 | permalink  

    Mir ist das alles zu sehr entweder oder. Es gibt z.B. auf arte immer wieder absolut sehenswerte Dokumentationen und wer aus Langeweile Serie gucken muß ist selber schuld. Wie sagte schon Adorno: Langeweile ist der Reflex auf das objektive Grau. Langeweile ist objektive Verzweiflung… Dem kann ich nur hinzufügen, mal den Computer ausschalten und ein Buch lesen.

  19. Surfer |  08.08.2010 | 18:20 | permalink  

    Wann ich mein Ding ausmach, bestimm ich mal schön selbst. Und die Ära des Fernsehens ist noch lange nicht vorbei. Es wird noch lange dauern, bis das Internet technisch ausgereift ist wie das Fernsehen. Und es wird ebenfalls noch lange dauern, bis es Plattformen im Internet gibt, die Themen ähnlich professionell in Filmen aufbereiten können wie das Fernsehen.
    Ich halte auch viel vom Internet, aber mit dem Internet den Untergang des Fernsehens heraufzubeschwören scheint mir ein Zuviel des Internetoptimismus bzw. -pessimismus. Insofern könnte man den Artikel als “schönes Stück” der Interneteuphorie in ihren letzten Zügen ansehen. Heute würde die Autorin einen solchen Artikel vermutlich auch nicht mehr schreiben.
    Wo gibt es im Internet Nachrichtensendungen mit der Qualität der Nachrichtensendungen sämtlicher großer und kleinerer deutscher Fernsehsender? Beide Medien haben Stärken und Schwächen, die sie für immer nebeneinander bestehen lassen – weil sie als audiovisuelle Medien einander bestens ergänzen.

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