Wolfgang Michal

Pssst. Lesen im Netz ist mehrheitsfähig

Wolfgang Michal | 5 Kommentar(e)


Alle paar Jahre lässt die Mainzer „Stiftung Lesen“ unsere „Lesekultur“ erforschen. Die jüngste Erhebung ermittelte auch ein paar interessante Ergebnisse zum Lesen im Netz. In ‘seriösen’ Medien wurden die natürlich weggelassen.

19.03.2009 | 

Jeder Vierte in Deutschland liest keine Bücher. Männer (28% Nichtleser) sind dabei größere Abstinenzler als Frauen (22%), Hauptschüler (40%) konsequentere Buchverweigerer als Studenten (immerhin 6%!!!). Menschen ab 60 (31%) sind stärkere Regalflüchter als Schüler (11%). Und die Zahl der extremen Vielleser (über 50 Bücher pro Jahr) liegt seit dem Jahr 2000 stabil bei 3%.

Das alles haben die Printmedien bei der Vorstellung der repräsentativen Studie “Lesen in Deutschland 2008″ brav berichtet. Das wirklich Neue aber haben sie weggelassen (oder höchstens mal zart angedeutet): Lesen am Bildschirm hat sich durchgesetzt. 41% der Befragten drucken auch längere Texte vor dem Lesen nicht mehr aus. Im Jahr 2000 waren das erst 25%.

Gestützt werden die Daten zum Lesen am Bildschirm durch die Zustimmungsraten zu folgender Aussage: „Mir ist es ganz egal, ob ein Text gedruckt oder digital ist – es kommt mir auf den Inhalt an.“

44% aller Befragten stimmten dieser Aussage zu. Männer (51%) sind dabei deutlich trägermedienwurstiger als Frauen (37%). Am höchsten ist die Zustimmung zur obigen Aussage bei den 14- bis 19-Jährigen: 67%! In den folgenden Alterskohorten nimmt die Zustimmung ab. Bei den über 60-Jährigen sind es nur noch 26%. Studenten (55%) stimmen der Aussage weit eher zu als Hauptschüler (37%).

Noch aufschlussreicher – und höchst alarmierend für Printmedien – sind die Zustimmungsraten zu dieser Aussage: „Informationen aus gedruckten Medien traue ich irgendwie mehr als Informationen aus dem Internet.“

Nur eine hauchdünne Mehrheit von 52% spricht den gedruckten Medien noch eine größere Seriosität zu als den Digitalen. Bei den Männern ist das Misstrauen gegenüber dem Gedruckten bereits mehrheitsfähig. Nur 48% stimmten der obigen Aussage zu. Der Bildungsgrad spielt hier übrigens keine Rolle, das Alter hingegen schon: Während 62% der Menschen ab 60 der obigen Aussage zustimmten, verliert sich der Seriositätsvorteil des Gedruckten bei den unter 40-Jährigen. Bei den 14- bis 19-Jährigen stimmten gar nur 31% der obigen Aussage zu!

SZ- und Zeit-Online haben diese ‚unangenehmen’ Ergebnisse damals in ihrer Berichterstattung „vergessen“.

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5 Kommentare

  1. Zeitungsverlage hatten bisher ein gutes Image « BAYARTZ-Blog |  19.03.2009 | 10:56 | permalink  

    [...] Mit diesem Pfund im Rücken haben sie die Möglichkeit und Chance – besser als jeder andere – die neuen Medien im Internet zu etablieren. Verlieren sie erst einmal diesen Ruf in ihrer Stamm-Klientel, dann wird es um so schwieriger, mit neuen Ansätzen zu experimentieren. Bei jungen Lesern müssen sie sich diesen Ruf noch erarbeiten. Das können sie aber nur über ein Internet-Angebot, um diese Zielgruppe zu gewinnen und evtl. langfristig zu binden (Dem Artikel des Hamburger Abendblattes kann ich keinen rechten Glauben schenken – man informiere sich stattdessen auch einmal neutral bei der Stiftung Lesen). [...]

  2. mediaclinique | ralf schwartz |  19.03.2009 | 11:41 | permalink  

    Spiegel-Titel werden und sterben…

    In Winnenden spiegeln sich die kläglichen Reste des Qualitätsjournalismus in den Pfützen wider. Eindrucksvoll beweist der Journalist, daß er noch schlechter ist als er Internet, Blogs und Twitter zu machen versucht. Von Ralf Schwartz. Die organisie…

  3. » LINKLOAD vom 19.03.2009 [UPLOAD Blog] |  19.03.2009 | 22:09 | permalink  

    [...] Für immer mehr Nutzer ist es selbstverständlich, auch am Bildschirm zu lesen. Diese Erkenntnis aus einer Erhebung der Mainzer “Stiftung Lesen” haben klassische Medien wenig überraschend fast komplett unter den Tisch fallen lassen. Wolfgang Michal holt es auf CARTA wieder hervor. [...]

  4. Christopher |  30.03.2009 | 10:41 | permalink  

    Was die abnehmende Zustimmung der jungen Generation zur These „Informationen aus gedruckten Medien traue ich irgendwie mehr als Informationen aus dem Internet“ betrifft, halte ich das nicht nur für die Printmedien alarmierend. Wer sich im Internet auskennt, der weiß natürlich, welchen Quellen er vertrauen darf und sicher wird auch in vielen Printmedien Quatsch gedruckt. Allerdings ist der Kostenfaktor im Internet niedriger (und gleichzeitig die Anzahl der Berichte und Beiträge höher), sodass die Gefahr, der Medienmanipulation auf den Leim zu gehen, hier erheblich höher ist. Was man meiner Meinung nach daraus folgern sollte: Die Medienkompetenz, gerade im Bezug auf das Internet, muss schon im frühen Alter etwa in der Schule gefördert werden.

  5. Shift happens: Nur wo? — CARTA |  01.04.2009 | 08:44 | permalink  

    [...] klassischen Medien thematisiert. Ergänzend liessen sich an dieser Stelle gleich reihenweise Statistiken und Berichte anführen, wonach immer mehr Deutsche immer mehr Zeit im Internet [...]

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