Michael Seemann | 65 Kommentar(e)
Worin besteht im Internetzeitalter der Wert von Information? Woran wird er gemessen? Gelten dieselben Maßstäbe wie zu Gutenbergs Zeiten?
07.02.2013 |
Als ich mit dem Bloggen anfing, interessierte ich mich nicht für das Urheberrecht. Das ist etwas ganz Normales. Das Urheberrecht ist kompliziert und schwer verständlich. Nicht mal die Urheber wissen, was da drin steht. Sie haben Manager und Anwälte, die das für sie regeln.
Dass ich aber mit dieser Haltung im Internet nicht weit komme, musste ich erst lernen. Man schreibt so seine Texte, sucht per Google nach einem passenden Bild, um den Text etwas aufzulockern, und denkt sich nichts weiter dabei. Viele haben diese Erfahrung gemacht, einige allerdings teuer dafür bezahlt: eine Abmahnung kann schnell mal 1500 Euro kosten. Als ich immer häufiger von solchen Fällen hörte, war ich empört. Wo ist denn bitte das Problem, fragte ich? Wo ist der Schaden? Wem wurde denn bitte etwas weggenommen? Mein Gerechtigkeitsempfinden rebellierte gegen dieses offensichtlich antiquierte Gesetz: Urheberrecht.
Es war irgendwann 2007, als ich bemerkte, dass meine Bloginhalte “geklaut” wurden. Meine Texte wurden automatisiert in von so genannten “Search Engine Optimizern” (SEO) betriebene Websites gespeist, die nur zur Aufgabe hatten, sich untereinander zu verlinken, um Google zu suggerieren, dass es sich hier um relevante Websites handle; so etwas nennt man Linkfarmen. Ich war erbost. Wie kann es so ein dahergelaufener SEO wagen, meine tollen Inhalte einfach so als Füllmaterial für seine komischen Websites zu verwenden! Ich stellte mein Blog ab nun so ein, dass meine Inhalte nicht so leicht automatisch syndizierbar sind, und schrieb eine grimmige Drohung unter die Texte.
Man könnte nun hegelianisch mutmaßen, ich sei mit der einen Erfahrung (These) und der zweiten Erfahrung (Antithese) zu einer Synthese gelangt. Den meisten Netzbewohnern geht es so. Wenn man sie zum Urheberrecht befragt, wiegen sie den Kopf und sagen, “schwieriges Thema”. Doch ich bin zu einem anderen Schluss gekommen.
Ich glaube heute, dass meine erste Erfahrung die entscheidende war. Die Zweite war ein unreflektierter und selbstgerechter Reflex, der zwar menschlich ist, aber einer sinnvollen Logik entbehrt. Und ich hoffe, ihn überwunden zu haben.
Denn nüchtern betrachtet, haben mir die SEO-Leute ja nichts getan. Es ist nichts passiert. Ich habe keinen Schaden genommen. Mein Ärger und mein Verhalten war noch weit spießbürgerlicher, als der Rentner, der sich über Straßenlärm vor seinem Fenster beschwert. Darüber hinaus habe ich die Lesequalität meiner Leser eingeschränkt. Sie konnten meine Texte nicht in ihren dafür vorgesehen Readern lesen, sondern mussten auf meine Website kommen. Alles, weil ich unbedingt die Kontrolle behalten musste. Heute schäme ich mich ein bisschen dafür.
Die Netzszene hingegen – das habe ich beobachtet – besetzt weiterhin beide Standpunkte. Wenn Verlagsmanager und Rechteindustrielobbyisten gegen Filesharing wettern, wird abgewiegelt und eine Anpassung des Urheberrechts an das Internetzeitalter gefordert. Wenn die WELT-Kompakt einen Tweet eines Twitternutzers veröffentlicht, ohne zu fragen, geht das Geschrei los, als wären gerade grundlegende Menschenrechte verletzt worden. (Es ist übrigens sehr fraglich, ob Tweets bei derzeitiger Gesetzeslage überhaupt unter das Urheberrecht fallen).
Ich frage mich dann: Was haben sie zu verlieren? Warum glauben sie, ein Recht auf Kontrolle über die ins Internet gestellten Sätze zu haben? Und warum sollte sich jemand daran halten? Wieso beschränken wir also die Möglichkeiten und Freiheiten von Dritten, ohne, dass unsere eigenen überhaupt betroffen sind? Oder, anders gefragt: Wozu Urheberrecht? Was genau muss da geschützt werden, und wieso?
Fast bei jeder Diskussion unter dem Titel Urheberrecht geht es in Wirklichkeit um Geld. Es ist die Klage über wegbrechende Einnahmen, bei der gleichzeitigen Forderung an Politik und Gesellschaft, sie mögen die kostspieligen Aktivitäten im Internet (z.B. Filesharing) doch bitte wirksam unterbinden. Die Rechteverwerter glauben, dann würde alles wieder gut. Als hätten sich die Produktions- und Distributionsbedingungen von einst am Urheberrecht orientiert, und nicht das Urheberrecht an den existierenden Medienbedingungen.
Ich will damit gar nicht die schwierige Situation von Urhebern und Rechteverwertern leugnen. Ganz offensichtlich klappen bestimmte Geschäftsmodelle nicht mehr so, wie bestimmte Leute zu Geld kamen haben und wie sich ganze Branchen erhoben. Doch hat die Gesellschaft die Aufgabe, einer Minderheit das Geschäftsmodell zu garantieren? Um den Preis, die Freiheit aller anderen zu beschneiden?
Dennoch macht die Branche seit Jahren mit genau diesem Selbstverständnis Druck auf die Politik. Erfolgreich. Politiker neigen dazu, über jeden Stock zu springen, den weinende Rockstars ihnen hinhalten. Und so jagte ein Urheberrechtskorb den anderen, wurden Nutzerrechte eingeschränkt und die Strafverfolgung gegen Filesharer ausgebaut. Die Folge: ein Großteil der Gesellschaft – vor allem Kinder und Jugendliche – wurden kriminalisiert, Familien mit überzogenen Abmahnungen und Klagen in ihrer Existenz bedroht. Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit die Inhalteindustrie meint, die ganze Gesellschaft für ihre Interessen in Geiselhaft nehmen zu dürfen.
Johnny Haeusler, Punkmusiker und Blogger, hatte vor einigen Jahren eine bedeutende Erkenntnis: Er behauptet, dass er zeitlebens nicht für Musik bezahlt hat. Bezahlt habe er zwar, doch immer nur für den Zugang zu Musik. Und wenn er Geld ausgeben musste, um sich eine Scheibe aus Vinyl oder später aus silbernem Plastik zu besorgen, die es ihm ermöglichten, die Musik zu genießen, dann tat er es eben.
“Und genau das tue ich heute noch: Seit den 90ern kaufe ich Festplatten und USB-Sticks und MP3- und Media-Player und lasse mein Geld in Musik-Downloads-Stores, um den Song, den ich hören will, jetzt und sofort genießen zu können. Ich bezahle Geld dafür, jederzeit beinahe jede Musik der Welt zu hören (solange ich Netz habe), um meinen Musikgeschmack anderen mitzuteilen oder um meine Lieblingssongs auf kürzestem Wege Freunden zukommen zu lassen. Dafür gebe ich Geld aus. Aber nicht für die Musik selbst. Weder gestern noch heute noch morgen.”
Welch ein Sakrileg! Hat Johnny Haeusler gerade gesagt, dass seine Musik nichts wert sei? Wie kann er so etwas Ungeheuerliches behaupten?
Wir kommen aus der Gutenberg-Galaxis, und man muss es uns nachsehen, dass wir nach wie vor in Kategorien von einst denken, obwohl sich der Möglichkeitsraum der Medien radikal verändert hat. Und wie immer, wenn sich etwas grundlegend verändert, wird die Sicht auf die eigene überkommene Perspektive sichtbar: auf all die Mythen, die unhinterfragten Bedingungen des eigenen Denkens, und sogar auf die unbewussten Grundlagen unserer Werte.
Und einer dieser zentralen Mythen besagt, dass Informationen etwas wert seien. Und wir merken nun, dass das gar nicht stimmt.
Es ist diese narzisstische Kränkung, die man in den Debatten über das Urheberrecht zwischen den Zeilen vernimmt. Dass Verlage all die Zeit nur bedrucktes Papier, Labels gepresste Scheiben und Filmstudios Zelluloidrollen verkauft haben, wollen sie nicht einsehen. Es ist, als werde ihnen erst jetzt ihre Stellung im Kapitalismus bewusst, mit dessen Wirken sie sich mehr oder weniger abgefunden hatten. Manche Dinge bemerkt man erst, wenn sie weg sind. Manchmal auch die eigenen Geschäftsmodelle. Das Internet macht nun den Blick frei auf das, was einst der Informationsmarkt war.
“Wissen ist Macht” bekommen wir häufig zu hören. Daten seien das neue Öl, heißt es neuerdings ebenso unreflektiert. Beides ist falsch. Wissen ist nur dann Macht, wenn es asymmetrisch verteilt ist. Wenn es einen Wissenden gibt, der seinen Informationsvorsprung gegenüber einem Nichtwissenden nutzen kann. Und ebenso haben Informationen nur dann einen Wert, wenn es jemanden gibt, der diese Informationen nicht hat. Ökonomischen Wert hat also nicht die Information an sich, sondern die Informationsdiskrepanz. Und bezahlt haben wir seit jeher immer nur für die jeweilige Überwindung dieser Diskrepanz. Den Zugang, wie Haeusler es ausdrückt.
In der Überwindung der Diskrepanz liegen die Kosten, in der Ungleichverteilung von Information die Nachfrage dieses Marktes. Und wie jeder Markt reagiert auch dieser auf die Erhöhung des Angebots, also das inflationäre Verbreitungsmöglichkeit von Information: die Preise fallen. Wenn also die Information an sich nichts wert ist, sondern nur die Überwindung zur Nichtinformation, heißt das, dass sich die Preise für Informationen langfristig in Höhe der Grenzkosten einpendeln wird, also der Kosten, die für die Produktion und Distribution pro zusätzlichem Stück anfallen. Diese Grenzkosten allerdings sind im digitalen Zeitalter bei knapp 0. Und das ist deswegen der Preis, auf den sich Informationsangebote langfristig zubewegen werden.
Sagen wir es gerade heraus: Mit dem Internet ist die Chance der sofortigen, globalen Gleichverteilungen von Informationen in den Horizont des Möglichen gerückt. Natürlich ist es eine Utopie. Eine Utopie aber, die heute weniger hinter technischen oder ökonomischen Hürden auf ihre Verwirklichung wartet, als vielmehr hinter rechtlichen – vor allem, aber nicht nur, urheberrechtlichen. Und diese Möglichkeit verpflichtet uns dazu – wenn wir uns als Demokraten sehen – sie auch anzustreben. Das heißt: alle ausschließenden Verfügungsrechte über Informationen abzuschaffen.
Der gesellschaftliche Gewinn einer Abschaffung des Urheberrechts wäre enorm. Stellen wir uns ein Netz ohne Grenzen vor, ein Weltwissen ohne Zugangsbeschränkung, eine Remixkultur ohne Transaktionskosten, eine ungebändigte Kreativität, in der jeder Gedanke, Text oder Film immer anschlussfähig bleibt, für jeden. Man stelle sich eine echte Informationsgesellschaft vor.
Man darf die Politik nicht den Interessen und Befindlichkeiten einiger Weniger überlassen, egal, wie gern man ihre Platten hört. Das Anliegen sollte vielmehr sein, das gesellschaftliche Gesamtwohl zu steigern. Und wenn man sich die gesellschaftlichen Kosten der Durchsetzung des Urheberrechts im Internet anschaut, dann wird schnell klar, dass wir hier eine extreme Schieflage haben.
Eine Politik, die heute das Gemeinwohl im Blick hat, sollte dem Geschrei der Informationsmarktteilnehmer über diesen Umstand kein Gehör schenken. Im Gegenteil: die Politik sollte genau den Preis 0 als Ziel für jedes Informationsgut anpeilen.
Vermutlich ist das Ziel unerreichbar, das macht es aber nicht weniger sinnvoll, diesen Preis als Zielvorgabe anzustreben. Denn er entspricht einem Zustand der absolut demokratischen Verteilung von Information. Ein Preis von 0 Euro für jede Information wäre der Gradmesser für die demokratische, informationelle Wohlfahrt der Gesellschaft und sollte somit das höchste politische Ziel eines jeden Medienpolitikers sein.
Bitte lesen Sie in Thomas Elbels “Vom Totalitarismus der Wissensallmende” Argumente zur Gegenposition.





Urks. Die gute alte Schwachsinnsthese:
Das Urheberrecht solle nur das “überkommene” Geschäftsmodell der Urheber und Verwerter schützen, um den Preis der Freiheit des Internets.
Folgende Antithese:
Die Bewegung der Urheberrechtsliberalisierer will nur das gesellschaftlich unproduktive Geschäftsmodell der urheberrechtsverletzenden Filesharer schützen, um den Preis des Funktionierens eines Geschäftsmodells das in Deutschland Millionen von Leuten in Lohn und Brot hat.
Synthese???
Guter Text! Vielleicht könnte man ein Argument antizipieren, das in solchen Momenten von den Anhägern der alten Urheberrechts-Geschäftsmodelle reflexartig vorgebracht wird: Gerade die Sorge um den gesamtgesellschaftlichen Nutzen gebiete es, funktionierende Geschäftsmodelle für Inhalte-Produzenten zu schaffen, weil ja andernfalls die kulturelle Produktion zu einem Rinnsal verkümmern würde.
Was Quatsch ist, wenn man sich die deutschsprachige Literaturproduktion vor 1837 (ohne Urheberrecht) mit der englischen (mit Copyright) vergleicht. Usw. usw.
@Karsten:
Es ist erlaubt, Höffners Thesen kritisch zu sehen:
http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2011-1-111
Macht sich allemal besser, als sie hier einfach so als Tatsache nachzupapageien.
@Thomas Elbel:
nachpapageien? Das war über Jahrzehnte ehrlich erworbenes, solides Halbwissen :-)
@Karsten:
Verstehe. Ich setze gesunden Menschenverstand dagegen: Wie wahrscheinlich ist es, dass Leute Filme drehen (verschlingt vorab meist viele Millionen Euro), Musik produzieren (nicht ganz so teuer, aber auch nicht ohne) oder Bücher schreiben (dauert elend lange), künstlerisch anspruchsvolle Fotos machen (aufwändiges Equipment, gute Ausbildung erforderlich) etc. pp. ohne wenigstens die sichere Aussicht zu haben, ihre Kosten wieder einzuspielen.
Nicht mal Herr Höffner selbst fordert eine totale Abschaffung des Urheberrechts, sondern nur eine radikale Verkürzung der Schutzfristen, wie er in einem Kommentar zu meinem anderen Artikel hier vermeldete. Also kann sich auch keiner auf ihn stützen und behaupten, er hätte behauptet, wenn Deuschland heute das Urheberrecht abschafft, würden die Goethes und Schillers aus dem Boden poppen wie Riesenbowiste im Herbstregen. ;-)
Solche Sätze muss man im größeren Kontext sehen:
Da käme einem die Abschaffung des Urheberrechts natürlich sehr gelegen…
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/digitale-boheme-in-berlin-diese-verflixten-tausend-euro-11823254.html
Das Problem mit der Ökonomie ist, dass sie sich regelmäßig als zu schwierig für einfache und verkürzte Denkwege entpuppt. In diesem Fall wird z.B. mal einfach so getan, als gäbe es keine Produktions- und Arbeitskosten, wenn es keine Vertriebskosten gibt. Oder als wäre das Refinanzierungsmodell “Straßenmusikant” a) bspw. auch auf Film und Literatur anwendbar und b) zielführender im Sinne des “Gemeinwohls” als das jetzige Marktmodell, bei dem Angebot, Nachfrage, Preise und Zugangsmöglichkeiten so organisiert sind, dass die Produktion knapp damit zu Rande kommt und die Nachfrager im Überfluss leben, wobei sie, wenn sie es denn wollen, auch GRATIS an alles herankommen, was sie lesen wollen oder lesen müssen. Damit will ich nicht sagen, dass das jetzige Modell perfekt ist. Gerade nicht. Es protegiert “marktförmige” Produkte, es verschiebt die Anreize viel zu sehr Richtung Rendite durch Marktbeherrschung und Marketing. Das wäre ein Grund für Korrekturen.
Etwas lächerlich finde ich die moralische Argumentation über “Demokratie” und “Gemeinwohl”. Als würden die bestehenden Vermarktungsmodelle Abermillionen geistig darbende Menschen an Zugang zu wichtigen “Informationen” hindern. Wenn es doch nur so wäre! Es geht aber in diesen Urheber- und Verwertungsrechts-Kämpfen gar nicht um “Informationen”, sondern zu 99% um doofes, marktförmiges Entertainment, dessen Gemeinwohlbedeutung geringer ist als Kamillentee. Wenn davon irgendetwas nicht gratis zu haben ist, ist das “Gemeinwohl” davon überhaupt nicht betroffen, einfach weil das Gemeinwohl davon nicht abhängt.
Weniger Rendite aufs nackte Marketing und den Rechtehandel, mehr Rendite für Kreativität, neues Denken, Erfinden, Ausdenken, kulturelle Anstrengungen, Kunst und Wissenschaft wäre schön, aber dieses Problem ist am Ende eben kein Ökonomisches, jedenfalls nicht so in so plumper Form. Das Problem ist, dass die Allgemeinheit dafür gar nicht ausreichend Nachfrage entwickelt. Wenn es im Bereich der Content-Ökonomie eine Krise gibt, über die sich lohnen könnte, nachzudenken, dann liegt sie eben eher darin, dass die Leute inzwischen sich so den Kopf mit nährstoffarmen Gratis-Brei zukloppen können, dass sie für anderes und Mühevolleres gar keine Zeit mehr haben.
@Fritz:
Danke. Spricht mir aus der Seele. Ich schreibe keine Information, kein Menschheitswissen, keine Labsal für nach Erleuchtung darbende Geister, ich schreibe platte Unterhaltungsliteratur deren “Gemeinwohlbedeutung geringer ist als Kamillentee” und darauf bin ich auch noch verdammt stolz.
Und wenn Herr Seemann mir das nächste über den Weg läuft beschmeiße ich ihn mit Beuteln davon. So!!!
Alles Nullen und Einsen, genau. Manches tendiert mehr gegen Null.
Alles Nullen und Einsen. Das Drama des Digitalzeitalters: Ihre Gleichsetzung. ;)
Hier ist das Becherglas halbvoll!
Nur diejenigen die den Urzustand des Becherglas kennen, können die richtig Entscheidung treffen.
Hochachtungsvoll
Roboter
Ich habe hier einmal einen Vorschlag zur Änderung gemacht: ,,Urheber stärken — warum nicht?”
http://www.fifoost.org/wordpress/
Und, lieber Herr Elbel, es ist vielleicht nicht vollkommen sinnfrei, auch Rezensionen zu nennen, die auch den Band 2 berücksichtigen, z. B. http://www.iuwis.de/aus-der-literatur
@Herr Höffner:
Sie stimmen Herrn Seemann also zu: Kultur sind nur “Informationen” mit einem Wert von “Null” und wenn nicht die ganze Menschheit “Shades of Grey” kostenlos lesen darf, sind wir rettungslos verloren?
Herr Seemann,
Im Netz wird immer bezahlt und da spielt es auch keine Rolle wo die Grenzkosten liegen. Ihr Ansatz: Wieso ich habe doch niemanden etwas weggenommen oder mir wurde doch nichts weggenommen, greift zu kurz steht aber in guter Tradition der Rechtfertigung für Filesharing.
Es geht um etwas anderes: Mit Ihrer Leistung verdienen andere (bei Ihnen Linkfarmen), ganz genau so laufen alle parasitären (illegalen) Geschäfte, egal ob es sich Filme, Musik, E Books, Streams oder Texte handelt.
Und weil unser ganzen Wirtschaftssystem auf dem Prinzip Leistung und Gegenleistung basiert, ist genau dieses System gerade gefährdet.
System und nicht Geschäftsmodell, das sind noch unterschiedliche Dinge.
Genauso wie der Wert und der Preis zwei unterschiedliche Dinge sind. Bei Ihnen wird das aber genauso munter vermischt wie Information und Unterhaltung.
Kann man so machen, aber dann kommt so ein Artikel dabei raus.
@Thomas Elbel:
Erstaunlich, wie aus technologieverliebten Gedankengängen interessante Argumente über Kultur werden können. So ist beispielsweise Fotografie “nur ein Abbild von Realität” – daraus folgt eine quasi nicht existente Schöpfungshöhe. Genaugenommen ist seit dem Fehlen eines Negativs – als physikalische “Kopie” von Realität – ein Foto in seiner digitalen Version auch nur noch eine binäre Zahlenreihe aus Nullen und Einsen, also folglich Information bar jeglicher anderen Inhalte und ggf. Inhaltsebenen.
Womit wir dann auch wieder beim Thema “Nullen und Einsen” wären, denn so kann man sich einen Kulturbegriff innerhalb weniger Sätze auf Null zurückschreddern…. und dafür vergebe ich ganz persönlich ein gepflegtes “Setzen, sechs!”. ;)
Übrigens vergebe ich das “Setzen, sechs” ausdrücklich nicht an Thomas Elbel – um Missverständnisse zu vermeiden. ;)
[...] Michael Seemann (alias mspro) ist ein radikaler Gegner sämtlicher Urheberrechte und hat auf carta einen langen Artikel darüber geschrieben, warum dem so [...]
Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll bei diesem Artikel. Dass Informationen nicht dasselbe sind wie ein Werk? Dass Michael Seemann noch nie etwas von Schöpfungshöhe gehört hat? Dass er mit Gemeinplätzen um sich wirft, als wolle er das Urheberrechts-Diskussions-Bullshit-Bingo in Rekordzeit gewinnen? (“Doch hat die Gesellschaft die Aufgabe, einer Minderheit das Geschäftsmodell zu garantieren?” – Als ob es darum ginge!)
Aussichtslos.
@ Thomas Elbel
Ich bin in München. Hier ist man an Weiberfastnacht (zumindest um diese Uhrzeit noch) nicht in der Lage, den kreativen Gedankengängen dieser Diskussion (oder der Paralleldiskussion) zu folgen.
@Eckhard Höffner:
Dann karnevalistische Grüße. Das mit der Kreativität der Gedankengänge lasse ich mal dahinstehen. ;-)
“Und ebenso haben Informationen nur dann einen Wert, wenn es jemanden gibt, der diese Informationen nicht hat.”
Das gilt nicht nur für Informationswaren, sondern für alle Waren. Ohne Knappheit kein Wert.
Ja, der Rest der Argumentation verliert dadurch nicht seine Gültigkeit.
Das nennt man dann übrigens Kommunismus.
[...] lesen Sie in Michael Seemanns “Die Null-Euro-Utopie” Argumente zur Gegenposition. [...]
Was ich noch zu bedenken geben möchte:
Mir erscheinen teure Produktionen, egal in welcher Kunst, äußerst selten besser als billige.
Bob schrieb in Kommentar Nr. 23:
“Was ich noch zu bedenken geben möchte:
Mir erscheinen teure Produktionen, egal in welcher Kunst, äußerst selten besser als billige.”
Zumindest hat es nichts mit Erfolg zu tun. Einen Thread weiter oben (“Totalitarismus der Wissensallmende”) erwähnte ich auch bereits, dass es sowohl teure/aufwändige Produktionen gibt, die (fast) keine Sau interessieren (z. B. engagierte Jazz-Virtuosen, die vor 3 Leuten auftreten), andererseits ebenso super erfolgreiche anspruchsvolle Sachen (David Garrett, Dave Brubeck etc.). Ebenso gibt es super erfolgreiche Primitiv-Angebote (Dschungelcamp, Big Brother, 9-Live, Bildzeitung, Ballermann-Musik, Gangnam Style…), andererseits versuchen unzählige Hobbyisten auf Youtube & Co. ihr Glück, ebenfalls mit Trash erfolgreich zu werden, und 99,9999 Prozent scheitern.
Ob ein Produkt erfolgreich wird, ist heutzutage meist einfach nur pure Glückssache (Lottogewinn). Von daher ist die Frage, inwiefern man solche Produkte überhaupt in einem “Markt” handelt, oder ob nicht inzwischen doch eine Kulturflatrate OHNE Verteilungsmessung zeitgemäß wäre.
DJ Nameless
Die Entstehung von Kreationen und zuverlässigen Informationen erfordert Zeit, Talent und Geld. Wenn die Entstehung sich entweder finanziell als wenig lohnenswert erscheint oder schlicht nicht realisierbar oder der potentielle Urheber etwa nach dem Lesen dieses überflüssigen Beitrags auch einfach keine Lust hat ein komplexes kreatives Werk zu schaffen oder mit ordentlicher wissenschaftlicher Arbeit dafür zu sorgen dass verlässliches Wissen überhaupt erst entsteht (nein, Wikipedia macht das nicht sondern stellt nur Ergebnisse und Erkenntnisse dar die schon jemand erarbeitet hat) dann ist der Gesellschaft ein kultureller und wissenschaftlicher Schaden in historischen Ausmaßen entstanden.
Die Kulturflatrate ist ohnehin aus gutem Grund längst vom Tisch: http://wiki.contentmafiawiki.net/index.php/Kulturflatrate
Liebe Jeannette Chung
Sie sagen:”dann ist der Gesellschaft ein kultureller und wissenschaftlicher Schaden in historischen Ausmaßen entstanden.”
Dürfen wir Sie daran erinnern das es bereits kulturelle und wissenschaftliche Schäden gibt:
- Wissenschaftsmanipulation
- Kunstmarktmanipulation
- Stuttgart 21
- Elbphilharmonie
- Flughafen Berlin Brandenburg
- Plünderung der Rentenkassen
- Manipulation von Märkten aller Art
(Wettmanipulation, Arbeitsmarktmanipulation, Wertepapiermanipulation usw. usf.)
Es ist die Systemfrage die gestellt werden MUSS!
Sie glauben also immernoch das 1$ einen Wert von ca. 1,30€ hat, nicht Wahr?
Sie glauben also immernoch das es Keine (nennenswerte)Inflation gibt, nicht Wahr?
Sie glauben was ihn die Politiker, die Medien und Finanzoligarchen sagen, nicht wahr?
Es gibt auch zuverlässige Desinformation!
Oder glauben Sie allen Ernstes das es 5 Jahre Krise gibt und nur 3 Mill. Arbeitslose?
Hochachtungsvoll
Roboter
Diese Mär von der Wissens- oder Informationskultur wird immernoch ernsthaft in Texten verwendet? Glaubt das wirklich noch jemand? Das Gleiche wird auch immer beim Grundeinkommen vorgeholt. Als ob Menschen dann plötzlich alle nur noch anspruchsvolles Zeug sich zuführen. Eine Welt in der man mit Kultur nichts verdienen kann ist kulturarm. Da wird es dann aussehen wie das RTL Nachmittagsprogramm, was ja eben auch gut ankommt bei sehr vielen Menschen. Kulturell wird sicher aber nichts zum bessern ändern, es wird sogar noch schlechter werden.
Gerade in Deutschland sollte man wissen wie wenig Geld Kultur zerstört, schauen sie sich die dt Filme und das Fernsehen an. Überall Laien am Werk und das sieht man auch.
Theoretisch haben die meisten Menschen in Deutschland jetzt schon Zugriff auf den Großteil des Wissens der Menschheitsgeschichte und das sogar mobil. Und wie viele nutzen es? Und wie viele gucken lustige Katzenvideos auf youtube? Eben. Als ob sowas dazu führen wrüde, dass sich Menschen mit Toga auf dem Marktplatz treffen und über Hegel diskutieren.
Der Großteil der Menschheit wird sicher immer von anspruchsvoller Kultur fernhalten und auch an Wissensgewinn nicht interessiert sein, alleine auch schon wegen unterschiedlichen Intelligenzvorrausetzungen.
Doch hat die Gesellschaft die Aufgabe, einer Minderheit das Geschäftsmodell zu garantieren? Um den Preis, die Freiheit aller anderen zu beschneiden?
Ja, hat sie. Du kannst das leicht überprüfen, indem du schaust was passiert, wenn ein Einzelhändler versucht deine Freiheit Fernseher ohne zu bezahlen aus seinem Laden zu tragen.
Der Rest ist leider das gleiche wie immer: du ignorierst, das Information nicht nur verteilt sondern auch produziert werden muss. Und du versuchst nicht mal eine Idee zu entwickeln wie die Produktion dieser Information bezahlt werden soll, wenn nicht durch eine Bezahlung für die Nutzung dieser Information.
[...] gedenke. Da ich freie Hand hatte, den Beitrag auch anderweitig zu veröffentlichen, gab ich ihn Carta.info, weil ich irgendwie fand, dass er da gut hinpasst. [...]
Vielleicht funktioniert im Informationsmarkt dauerhaft ein duales System: Informationen für 0 und Informationen für > 0. Die Qualität, neue Verwertungsmöglichkeiten, die Vernetzung untereinander könnte beide Teilsysteme fördern.
Dabei steht 0 auch nicht immer für umsonst (Stichworte: Datenpreisgabe, Klicks, Förderung des Bekanntheitsgrades des Informationsambieters etc.). Informationen für 0 haben auch ihren Preis.
Max, nicht ich ignoriere die Produktionskosten, sondern der Markt. Für 25 Euro bekomme ich einen Monat Zugang zum Internet … oder ein Buch. Ob Dir das passt oder nicht, diese beiden Dinge konkurrieren. Und wenn deine Produktionskosten sich dabei nicht einspielen: nun, das nennt man dann Marktbereinigung.
Nein. Man nennt das Marktversagen: http://www.dreiskämper.de/tl_files/dreiskaemper/pdf/Wissenschaft/%28E1%29%20Externe%20Effekte.pdf
@Thomas man kann das gerne nennen, wie man will. Ergebnis ist das selbe. ;)
Es mag ja sein, dass Musiker immer Musik machen, Schriftsteller immer schreiben werden usw. Aber warum sollte man viel Forschungsarbeit und vor allem -gelder in Medikamentenentwicklung stecken, wenn der dann gefundene Wirkstoff jeder sofort kopieren kann (Generika)? Die gesamte Pharmaindustrie würde zusammenbrechen. Wollen Sie das?
@ 31 –33
So ein Mist aber auch, das Internet ist zu billig.
Marktversagen!
Übrigens: Wenn ich sage, dass wir einen Informations-Marktpreis von 0 Euro anstreben sollten, sage ich nicht, dass wir keine Informationsarbeit mehr leisten sollten und auch nicht, dass wir keine finanzieren sollten. Wir müssen halt nur andere Wege finden.
Medikamente sind ein prima Beispiel. Der Markt belohnt besonders Medikamente, die dem weißen Westler bei seinen WehWehchen helfen. Malaria fällt hinten runter. Sterben zwar Millionen dran, aber halt arme Leute.
Warum finanzieren wir nicht Arzeneiforschung jenseits des Marktes und entwickeln die Medikamente, die wir wirklich brauchen?
Ebenso Journalismus: wir geben Milliarden Euro jedes Jahr für schlechtes Fernsehen aus (GEZ). Mit einem Bruchteil davon könnte man großartigen Journalismus finanzieren. Etc.
Die Marktgläubigen sind die Urheberrechtsfreunde, nicht ich.
@Eckhard Höffner:
War das jetzt Karnevalismus oder ein ernsthafter Beitrag zur Debatte? Das Internet ist nicht billig. Aber wenn das Geld, das heute noch die Urheber bekommen, nicht mehr an diese geht, fließt es dann eben in andere Taschen, ob das dann die besseren sind, lasse ich mal dahinstehen.
@mspro
Wirkstoffe gegen Malaria gibt es schon seit Jahrhunderten (Chinin) und die Welt in reiche Westler und arme Drittweltler einzuteilen ist nur umgekehrter Rassismus. Die Krankheiten sind mehr oder weniger überall dieselben.
Der Glaube, eine nicht marktgelenkte Arzneimittelforschung würde bessere Ergebnisse für irgendwen produzieren ist ein frommer, aber eben nur ein Glaube.
Am Vergleich öffentlich-rechtliches gegen privatrechtliches Fernsehen kann man sehen, dass man die Qualität von GEZ-finanziertem Fernsehen auch problemlos noch unterbieten kann und an HBO kann man sehen, dass mehr Geld auch durchaus mehr Qualität bringen kann. Das Problem der öffentlich-rechtlich finanzierten liegt an anderer Stelle als nur auf der Einnahmeseite.
Die Urheberrechtsfreunde glauben an regulierte Märkte, Du an völlig unregulierte. Das nennt man neoliberal. Dass der von Dir gewünschte monopolfreie Urhebermarkt nicht die von den Volkswirtschaftlern prophezeite Ausdünnung und Qualitätsminderung zur Folge hat, dafür bleibst Du jeden Beleg schuldig. Wir sollen Dir da halt einfach mal glauben. Ich glaube nicht. ;-)
“Dass der von Dir gewünschte monopolfreie Urhebermarkt nicht die von den Volkswirtschaftlern prophezeite Ausdünnung und Qualitätsminderung zur Folge hat, dafür bleibst Du jeden Beleg schuldig.”
hä? wo hab ich denn das behauptet?
Der Markt ignoriert die Produktionskosten? Wie viele Unternehmen existieren denn längere Zeit, die ihre Produkte unter Produktionskosten verkaufen? Kleiner Tipp: keine.
Also überlegt man sich entweder eine andere Finanzierungsmethode oder muss wohl oder übel zahlen. Andere Fonanzierungsmethoden magst du ja offensichtlich nicht, zumindest durch GEZ finanzierte Produkte scheinen die ja nicht zu gefallen.
Du gehst nach dem Motto vor: der Patient hat einer schwere Erkältung, lasst ihn uns einschläfern, wir finden schon noch irgendwann ein Mittel um Tote wiederzubeleben.
Bravo! Herr Michael Seemann
“Die Erforschung der Krankheiten hat so große Fortschritte gemacht, dass es immer schwerer wird, einen Menschen zu finden, der völlig gesund ist.”
Aldous Huxley
oder anders:
Die Pharmaindustrie wird NIE eine Therapie mit Heilungserfolg gegen eine tötliche Krankheit auf dem Markt bringen, wenn das finanzielle Einbußen bedeutet.
Das Ziel: chronisch krank ist finanziell gesund
Hochachtungsvoll
Roboter
Genau, wird die Pharmaindustrie nie tun! Außer bei all den Krankheiten die schon lange ausgerottet sind! Und die ganzen Impfungen die schwere Krankheiten verhindern. Kinderlähmung z.B.
@mspro
Verstehe. Ausdünnung und Qualitätsverlust sind einfach OK. Na Hallermarsch. Schöne neue Welt.
Entschuldigung, aber ich musst laut lachen, als ich las: Das Internet ist billiger als Bücher, und dann die Antwort: Marktversagen.
Übrigens — ich habe den Text von Dreikämper nur überflogen — aber die Grenzkostenkurven auf S. 2 passen nicht auf den Bereich, über den hier diskutiert wird (dementsprechend auch nicht die Schlussfolgerungen, aber die Implikationen würden hier zu weit führen).
Am Ende geht es in dem Text eher um Radiosender, Zeitungen etc. Und ich habe Zweifel, ob da ein Monopol die richtige Lösung ist. M&A im Pressebereich wurden (zumindest) früher ziemlich streng kontrolliert.
Max:”Außer bei all den Krankheiten die schon lange ausgerottet sind!”
Tja, das war der Fehler der Pharmaindustrie.Das hat die Industrie gelernt.
Die meisten Krankheiten sind aufgrund der verbesserten Hygiene und Nahrungsversorgung verschwunden.
Hochachtungsvoll
Roboter
@Thomas Ich würde mich zurückhalten, von “qualität” zu sprechen. das ist ja dann doch sehr subjektiv bei kulturgütern. aber ich bin natürlich nicht naiv und weiß, dass bestimmte formen und formate ohne urheberrecht nicht mehr wirtschaftlich wären und das betrifft natürlich vor allem teure produktionen. ich glaube aber gleichzeitig – das schreibe ich da oben – dass es auf der anderen seite ein mehr an kreativer freisetzung zur folge haben dürfte, insbesondere in sachen amateurkultur und remixing. ich weiß, dass das bei einigen bildungsbürgern nur verachtung hervorruft und ich gebe zu, dass ich mich gerne darin sonne. im endeffekt würde ich ehrlicher weise sagen, dass dieser prozess einfach eine verschiebung in sachen informations und kulturgüter zur folge haben wird, die man mögen kann oder hassen. sicher ist: es wird nicht der untergang der kultur, aber auch nicht das paradies. wie immer bei veränderungen halt.
@Eckhard Höffner
Ich musste über die Aussage, dass Internet ist billiger als Bücher genauso lachen. Schließlich geht es ja hier darum, dass Internet umsonst mit Büchern befüllt wird.
Der Dreiskämpertext zeigt das von Herrn Hetmank in dem anderen Thread beschriebene Problem in den Grundzügen auf, dass Sie ja selbst nicht abstreiten.
Wenn die Grenzkosten der Vervielfältigung null sind, konkurriert das Urprodukt mit kostenlosen Klonen, was zu einem Nullpreis führt. Wenn ich diesen bestehen lasse, ist auch der Anreiz zur Neuproduktion gleich null. Wegen der positiven externen Effekte, ist eine Fortführung der Produktion aber wünschenswert, daher ist ein Monopol sinnvoll etc. pp. Warum diskutieren wir das hier jetzt wieder von vorne und was ist falsch daran, auf das Problem des Marktversagens hinzuweisen?
@Roboter
Verbesserte Hygiene und Nahrungsversorgung? Ganz sicher, im Hühnerstall, wo das nächste SARS ausgebrütet wird.
@mspro
Ich sehe mich nicht als hochnäsigen Bildungsbürger und finde Mashups toll. Mein Lektor ist Autor von Winnetou unter Werwölfen. Fand ich urkomisch. Aber irgendwann ist alles totgeremixt und irgendwann braucht es dann auch mal wieder was Neues.
Ich fände es schade in der Zukunft auf so etwas wie Cloud Atlas (vgl. gestrige Zeitausgabe, Titelstory) verzichten zu müssen. Mir ist das die paar lausigen Kröten für Kino oder DVD-Verleih mehr als wert.
Lieber Herr Thomas Elbel
Hier mal die letzten 5 Jahr Angstmeldungen der sogenannten Vierten Gewalt:
BSE, H1N5, Influenza, SARS, Salmonellen, Legionellen.
“Gefahr durch EHEC-Bakterien: RKI warnt vor Tomaten, Gurken”
Ach übrigens, sind Sie schon gegen die NEUEN GRIPPEN VIREN geimpft.
(die Impfung muß alle Jahre wieder ERNEUERT werden)
Auch für die marktbestimmenden Verlage gilt:
chronisch krank ist finanziell gesund
Hochachtungsvoll
Roboter
@Roboter
Sie sprechen in Rätseln. Ihren notorischen “Wirtschaft ist immer total böse”-Kulturpessimismus teile ich nicht. Das ist mir zu wohlfeil.
Wenn jetzt schon keiner Medikamente für seltenere Krankheiten / Menschen mit weniger Kaufkraft entwickelt, wer soll es dann erst machen, wenn auch noch der Markt für Medikamente sonst wegbricht? Alles der Staat, oder?
Ich habe das im anderen Thread erklärt. Wenn wir positive externe Effekte betrachten und einen Grenzkostenverlauf haben wie bei Dreiskämper dargestellt, kommen wir zu anderen Ergebnissen. Das soll nicht heißen, dass die Darstellung falsch wäre. Sie dient nur dem Zweck, zu illustrieren, welche Folgen externe Effekte bei einem ansonsten funktionieren Markt haben. Das setzt wiederum steigende Grenzkosten voraus (was man mittelbar auf S. 9 nachlesen kann — natürliches Monopol).
Für den vom Urheberrecht betroffenen Bereich passt das Beispiel aber nicht, denn die Grenzkosten der Vervielfältigung sind Null. Es gibt praktisch nur versunkene Kosten. Das war früher so und die digitale Technik hat daran nichts geändert (es sei, denn man lässt einen Affen oder einen Computer die Bücher schreiben).
Es besteht aber –das ist der wichtige Punkt — kein Anlass, die sozialen Vorteile vollständig dem Verursacher zuzuordnen (oder zu versuchen, dies zu erreichen). Falsch ist folglich auch, das eine Marktversagen (öffentliches Gut) durch ein anderes Marktversagen (Monopol) zu ersetzen (kann u. U. noch hingenommen werden) und dann zu sagen: Wir eliminieren das erste Marktversagen am besten, in dem wir das zweite Marktversagen maximieren (und den Urhebern ein immer längeres und umfassenderes Monopol zusprechen, das noch dazu als Handelsgut gestaltet ist — ).
Was sagen Sie denn zu Folgendem?
,,Auf Monopolmärkten werden Gewinne nicht durch die Steigerung der eigenen Leistungsfähigkeit, sondern durch Einschränkungen des Wettbewerbs erreicht. Dies hat zur Folge, dass der Wohlstand einer Minderheit (Monopolisten) auf Kosten einer Mehrheit (Käufer dieser Produkte) wächst – und deshalb insgesamt ab-nimmt.”
Kennen Sie schon (wenn Sie meinen Text gelesen haben).
Ein weiterer Punkt (S. 14), dem ich mit meinem Vorschlag zur Neugestaltung des Urheberrechts ein wenig beikommen will:
Das Zusammenfallen dieser Bedingungen bedeutet, dass sich die marktlich gesteuerten Strukturbedingungen des Wettbewerbs bzw. der abgegrenzten Märkte permanent in Richtung Monopolmarkt verändern. Um die mengeninduzierten Effekte so hoch wie möglich ausfallen zu lassen, werden horizontale und vertikale Unternehmensintegrationen strategisch bedeutend. Soll der Markt nicht versagen, muss nicht-marktlich (z.B. politisch) gegengesteuert werden.
Herr Elbel,
Sie bleiben recht hartnäckig eine Antwort auf Herrn Höffners Vorschlag schuldig, obwohl der die Debatte aus meiner Sicht tatsächlich mal etwas voranbringen könnte: http://www.fifoost.org/wordpress/?p=3802
Mich würde dazu ja auch mal ne Verwertermeinung interessieren. Stefan Herwig?
@Eckhard Höffner
Was sagen Sie denn zu Folgendem?
,,Auf Monopolmärkten werden Gewinne nicht durch die Steigerung der eigenen Leistungsfähigkeit, sondern durch Einschränkungen des Wettbewerbs erreicht. Dies hat zur Folge, dass der Wohlstand einer Minderheit (Monopolisten) auf Kosten einer Mehrheit (Käufer dieser Produkte) wächst – und deshalb insgesamt ab-nimmt.”
Kennen Sie schon (wenn Sie meinen Text gelesen haben).
Das mag ein allgemeiner Effekt von Monopolen sein, wie sie z.B. im Strommarkt existieren. Ich sehe einen derartigen Effekt im Urhebermarkt nicht, sonst müssten die Verlage, Produzenten alle ähnlich monströse Gewinne einfahren wie die Energiewirtschaft. Das scheint mir kaum den Tatsachen zu entsprechen.
Ich verstehe auch immer noch nicht, wie Sie dieses Monopolverständnis auf den Buchmarkt übertragen wollen, wo das Buch des großen Publikumsverlags innerhalb kürzester Zeit direkt mit seinen eigenen Gebraucht- und Tauschangeboten, etwas später mit der Taschenbuchausgabe und vor allem mit allen anderen Büchern desselben Genres, ob nun von Großverlagen oder Selfpublishern in allen möglichen Preisklassen konkurriert. Die Antwort hierauf wäre mal spannend.
@Winston Smith
Dazu habe ich in dem anderen Thread m.E. schon lang und breit Stellung genommen.
Einmal hier: http://carta.info/53407/schadenfreude-eines-urhebers/#comment-36686
Und hier: http://carta.info/53407/schadenfreude-eines-urhebers/#comment-36721
Und schließlich hier: http://carta.info/53407/schadenfreude-eines-urhebers/#comment-36725
Ich denke, da kann von hartnäckiger Nichtbeantwortung keine Rede sein, oder?!
Diesen Effekt gibt es natürlich auch im urheberrechtlichen Bereich. Woher kommen den beispielsweise die Traumrenditen einiger Softwareunternehmen, die von Elsevier etc.
Ihnen unterläuft halt der übliche Fehler, den ich schon einmal dargelegt habe. Der Jurist sagt: Das Vermögen einer Person ist die Summe der geldwerten Rechte, und denkt: Vermehre ich die Rechte einer Person, vermehre ich deren Vermögen, und schlussfolgert: Vermehre ich die Rechte einer Gruppe von Personen, vermehre ich die Vermögen der Mitglieder der Gruppe.
Sie müssen die Effekte genauer betrachten. Ich habe das Beispiel genannt, dass jeder Mensch an seiner Arbeitskraft ein Monopol hat. Entscheidend ist die Marktmacht, die auf unterschiedlichen Umständen beruhen kann.
Aber Sie können auch ein gutes Buch lesen, als sich hier alles “für umsonst” im Internet erklären zu lassen. Das müsste doch Ihren Vorstellungen ganz und gar entgegenkommen (oder darf ich eine Rechnung für die positiven externen Effekte stellen?).
@Eckhard Höffner:
Mal Hand aufs Herz: Microsoft, Elsevier. Sind das jetzt ihre Beispiele für die monopolbedingten Gewinnsprudel im DEUTSCHEN Kulturgütermarkt? Nicht im Ernst, oder? Tatsache ist, dass der überwiegende Teil der Verwerter in den meisten Branchen sich eher so durchwurschtelt und sie schreiben das für den Buchmarkt ja sogar selber in ihrem Text. Gehen Sie hin und brechen Sie das Oligopol im Barsortimenterbereich auf und sie dürfen mir sofort jede Rechnung stellen, aber davon redet komischerweise in dieser Diskussion keine Sau. Stattdessen tuten auch Sie fleißig in das Horn: Das Monopol der Urheber und Verwerter hält die Buchpreise oben. Ist doch Unsinn.
Worauf Sie mit der Vermehrung der Recht und der Vermehrung der Vermögen hinauswollen, weiß ich wahrlich nicht.
Ok, danke. Mir war tatsächlich nicht bewusst, dass der Blogpost vom 3. Februar nochmal genau die selben Vorschläge enthält, die sie letzte Woche schon doof fanden. Bin jetzt fast ein bisschen beruhigt, dass ich sie dann ja auch nicht gut finden muss. ;-)
Stimmt schon, hat nur einen kleinen Haken bei der Realisierung: wir leben im Kapitalismus und der hält ziemlich fest. (aber von mir aus darf gerne an ihm genagt werden)
Fällt es nicht auf, dass “Menschen” wie Michael Seemann extrem menschenfeindlich sind? Wer Kultur als “Information” bezeichnet, Kulturschaffende verhöhnt, kann nur ein Misanthrop (ICD-10 F60.2) sein.
Die einzige Möglichkeit, überhaupt ein paar Euro zu verdienen, scheint darin zu bestehen, andere von ihrer menschenfeindlichen Ideologie zu überzeugen. Sie gehören einer anti-sozialen Sekte an, die wir als Cyber-Hustler bezeichnen:
http://www.newstatesman.com/sci-tech/internet/2012/12/jeff-jarvis-clay-shirky-jay-rosen-invasion-cyber-hustlers
[...] Urheberrecht (WMR55 letzter Urheberrechtsstreit, mspros Artikel auf Carta) [...]
Du nimmst nur solange keinen Schaden an der Kopie deiner Arbeit, solange du kein bzw. nur wenig Geld mit deinen inhaltlichen Ideen verdienst. Verdienst du jedoch eines Tages Beträge, die jenseits eines Gehaltes sind – was möglich ist – wirst du automatisch jede Verletzung deiner Rechte bekämpfen.
Alles andere macht dich über kurz oder lang wertlos, weil jeder zum Urheber deiner Inhalte wird.
Lg
Eine verkürzte Perspektive, die vollkommen verkennt, wie die einzelnen Prozesse, Informationen zu beschaffen, zu verarbeiten und zu verteilen aufeinander wirken.
Daraus kann Kunst entstehen, es kann Wissenschaft entstehen, es werden Produkte entwickelt.
Der Autor Michael Seemann zeigt mit seinem Text, dass er von dem Humus, in dem solches gedeiht, überhaupt keine Ahnung hat.
Dass der Mensch erst Trinken und Essen, Kleidung und ein Dach über dem Kopf haben muss, bevor er Wissenschaft, Politik und Kunst machen kann, hatten schon die Marxisten begriffen.
Es ist wirklich müßig, sich im Detail mit diesem verqueren Denkkonstrukt auseinander zu setzen.
Aber ich rate dem Autor eines: Lernen sie, mit Respekt auf ihr Werk zu sehen! Vielleicht befähigt sie dies, auch die anderen zu achten.
Gott, carta.info leistet wieder der Gatekeeper-Propaganda Vorschub…
jetzt weiß’ ich wieder, warum ich carta.info vor langer Zeit schon den Rücken zugewandt habe…
@Thomas Elbel: Warum beschäftigen Sie sich als Autor nicht einfach mal näher mit Höffners Arbeit? Vor allem Band 2 dürfte für Sie von Interesse sein:
http://www.fifoost.org/wordpress/?p=1640
Die 100 Euro für beide Bände erscheinen teuer (ist ein Monopolpreis), aber zum Glück gibt es Bibliotheken. Für einen Urheber, der sich für die Hintergründe der aktuellen Honorarsituation interessiert ist das Buch jedenfalls sehr erhellend.
[...] Es ist mir deshalb eine Ehre, dass auch ich einen Beitrag zu “Blackbox Urheberrecht” beisteuern durfte. Mein Text schon vor ein paar Wochen auf Carta erschienen: Die Null-Euro Utopie. [...]