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Oliver Geden

LOHAS als Klimaretter? Abschied von einer Illusion

Oliver Geden | 13 Kommentar(e)


In Deutschland herrscht eine Obsession mit einer Spielart von Klima- und Umweltschutz, die sich als Identitätspolitik an der Ladentheke niederschlägt: kauf Dir eine bessere Welt. Dabei ist solch “kritischer Konsum” in etwa so erfolgversprechend wie die “freiwilligen Selbstverpflichtungen” der Industrie. Die Möglichkeiten der institutionalisierten Politik werden stark unterschätzt.

12.02.2009 | 


Die Umweltdebatte zeichnet sich hierzulande, aber auch in Großbritannien und den USA, durch eine bemerkenswerte Skepsis gegenüber den Möglichkeiten institutionalisierter Politik aus. Die Notwendigkeit „umweltfreundlichen“ Handelns wird durchgängig auf zwei Ebenen zugleich thematisiert. Gefragt sei nicht nur eine konsequente Umweltpolitik. Notwendig seien aber mindestens ebenso sehr auch Bewusstseins- und Verhaltensänderungen im Alltag eines jeden Einzelnen. Klimabewusstes Alltagshandeln gilt mindestens als notwendige Ergänzung, wenn nicht gar als Voraussetzung konsequenter Klimapolitik.

Doch im derzeitigen Boom von Klimaratgebern und Öko-Lifestyle-Internetportalen, im Kauf von Autos mit Hybrid-Antrieb oder dem Wechsel zu Ökostrom-Tarifen drückt sich nicht nur ein fehlendes Vertrauen in den Politikbetrieb aus, sondern auch eine immense Überschätzung „politisierter“ Alltagspraxis. Denn diese gelangt häufig kaum über die Sphäre der symbolischen Ökonomie des Avantgarde-Bewusstseins hinaus, auch die klimapolitischen Effekte bleiben eher bescheiden.

Zwar ist das Umweltbewusstsein in Deutschland traditionell vergleichsweise stark ausgeprägt, in einer veränderten Alltagspraxis schlägt sich dies jedoch nach wie vor nur bei den wenigsten nieder – ein Umstand, der eine ganze Generation von Umweltpädagogen und -psychologen nicht nur zur Verzweiflung, sondern auch in Lohn und Brot gebracht hat. Den Versuch eines „nachhaltigen Lebensstils“ unternimmt lediglich eine kleine, wenn auch diskursmächtige Minderheit, die sich nicht zuletzt durch eine Kombination von hohen Bildungsabschlüssen und mindestens durchschnittlichen Einkommen auszeichnet.

Zu den seit den 70er Jahren bekannten “Verzichtsökos” gesellen sich in jüngster Zeit auch Gruppen, die globales Verantwortungsbewusstsein mit ausgesprochener Konsumfreude kombinieren. Das Alltagshandeln der sog. LOHAS (abgeleitet von „Lifestyle of Health and Sustainability“) richtet sich nicht auf die Minimierung von Material- und Energieflüssen, sondern auf deren Umlenkung in nachhaltigere Bahnen. Im Mittelpunkt steht nicht die persönliche Einschränkung, sondern der „strategische Konsum“. Das Motto des wichtigsten deutschsprachigen Öko-Lifestyle-Portals utopia.de lautet dementsprechend: „Kauf Dir eine bessere Welt“.

Ein “klimabewusster” Lebensstil ist aus Sicht des Einzelnen aber nur dann erstrebenswert, wenn die eigenen Anstrengungen auch mit positiven Bedeutungskonnotationen versehen werden können. Diese „emotionale Rendite“ kann oft schon allein durch das Gefühl realisiert werden, einen positiven Beitrag für die Zukunft der eigenen Kinder geleistet zu haben. Am sichersten gelingt diese Operation noch immer im beständigen Vergleich mit anderen, weniger umweltbewussten Existenzen – sei es in der moralisierenden Abwertung der Ignoranten in der eigenen Nachbarschaft („das muss doch wirklich nicht sein“), sei es in der selbstgerechten Verurteilung von China, Brasilien und den USA, die gern unter Generalverdacht gestellt werden, „unser Klima zu ruinieren“.

Man könnte über die Fragwürdigkeit solcher Motivlagen getrost hinwegsehen, wenn sie denn spürbar positive Klima-Effekte nach sich ziehen würden. Dies aber ist allzu häufig nicht der Fall, vor allem deshalb, weil der Einzelne der Komplexität klimapolitischer und energiewirtschaftlicher Funktionszusammenhänge meist nicht gewachsen ist.

Nur ein Beispiel: Dem gesunden Menschenverstand scheint es zwingend, dass Stromsparen im Haushalt zu einer Verminderung des CO2-Ausstoßes führen wird. Dem ist jedoch mitnichten so. Denn das EU-Emissionshandelssystem ist so konstruiert, dass das Gesamtvolumen der Emissionsberechtigungen, die von Kraftwerksbetreibern und energieintensiven Industriezweigen erworben werden müssen, schon auf Jahre hinaus festgelegt ist, mit stetig sinkender Tendenz. Eine verminderte Elektrizitätsnachfrage privater Haushalte ändert nichts an der Gesamtzahl der ohnehin knappen Zertifikate. Zwar kann durch privates Stromsparen zunächst der CO2-Ausstoß eines nahegelegenen Kohle- oder Gaskraftwerks sinken, es ermöglicht den Kraftwerksbetreibern jedoch, die nun überschüssigen Zertifikate an der Strombörse zu verkaufen. Die Emissionen werden also lediglich verlagert, entweder auf andere Kraftwerke oder hin zu industriellen Großverbrauchern von Elektrizität.

Je mehr die umweltbewussten Haushalte einsparen, desto mehr und demzufolge günstigere Zertifikate kommen auf den Markt. Davon profitieren vor allem energieintensive Industrien wie Stahl- und Aluminiumhütten, für die der Druck zur Anpassung ihrer Produktionsprozesse ein wenig abgemildert wird – was in volkswirtschaftlicher Hinsicht nicht das Schlechteste sein muss, für den klimasensitiven Verbraucher aber wohl kaum der Grund gewesen sein dürfte, sich eine effizientere Waschmaschine zuzulegen. Wer als Einzelner innerhalb des bestehenden Systems einen positiven Klimaeffekt erzielen will, hat im Grunde nur eine – erstmals von sandbag.org.uk vorgeschlagene – Möglichkeit: selbst Emissionszertifikate an der Börse kaufen und nicht wieder in Verkehr bringen.

Die Liste alltäglicher Beispiele für nicht-intendierte Effekte oder nur unzureichend durchschaute Zusammenhänge ließe sich beinahe beliebig verlängern. Wer vermag schon mit Sicherheit zu sagen, welcher Ökostromtarif keine Mogelpackung darstellt, sondern tatsächlich positive Umwelteffekte zeitigt, ob Biogemüse aus Spanien gegenüber konventionell angebautem aus der Region zu bevorzugen wäre oder wie es um die CO2-Bilanz verschiedener Sorten von Biokraftstoffen bestellt ist?

Eine Minderheit – gewissermaßen die Avantgarde der Avantgarde – konsultiert in solchen Fragen eifrig die einschlägigen Fachmedien. Die Mehrheit aber steigt an genau diesem Punkt aus, eben weil der Alltag in der Spätmoderne noch ganz andere Herausforderungen bereit hält, als einen zweifelsfrei nachhaltigen Lebensstil zu pflegen, etwa: Geld verdienen, die Kinder zum Sport bringen, den nächsten Kurzurlaub planen, mal eben kurz in die Mails schauen.

Die faktische Kapitulation vor der Komplexität schlägt sich meist jedoch nicht in einem Zurückfahren der Ansprüche an das eigene Handeln nieder. Weil der Alltagsverstand aber nichts mehr fürchtet als fortwährende Ambivalenzen, wird das Wissen einfach den eigenen Möglichkeiten und Präferenzen angepasst. Die Systemausschnitte für die möglichst positive Bewertung der eigenen Alltagspraxis werden so gewählt, dass der Vorreiter-Anspruch gewahrt und das Gewissen beruhigt bleibt. Der Erfolg des Toyota Prius ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass er seinen Besitzern ein “grünes” Image verleiht.

Misst man den Ansatz einer ökologisch ausgerichteten „Alltagspolitik“ an seinen eigenen Ansprüchen, so fällt die Bilanz der letzten 30 Jahre doch recht bescheiden aus. Nicht einmal Energiesparlampen und CO2-arme Autos haben sich bislang am Markt durchsetzen können, allem Umweltbewusstsein zum Trotz. Auf die Energie- und Materialeffizienz von industriellen Produktionsprozessen haben Endverbraucher ohnehin keinen Einfluss. Eine „Individualisierung von Verantwortung“ kann deshalb nicht zum Ersatz für den erfolgversprechenderen Weg einer politischen Regulierung werden. Es hat sich als wenig effektiv erwiesen, energie- und klimapolitische Entscheidungen mit gruppenspezifischen Moralvorstellungen aufzuladen. Weitaus zielführender ist es, durch politische Rahmensetzungen vermehrt Anreize für professionelle Akteure zu schaffen, eine Vielzahl von energieeffizienten und klimafreundlichen Lösungen zu entwickeln und diesen im größeren Maßstab zum Durchbruch zu verhelfen.

So ist etwa der vergleichsweise hohe Ausbaustand bei erneuerbaren Energieträgern in Deutschland keineswegs einer besonders großen Zahl an bewussten Ökostromkonsumenten zuzuschreiben, sondern dem regulatorischen Modell der Einspeisevergütung, das den Anbietern ein hohes Maß an Planungssicherheit verschafft, indem es die großen Energieversorger dazu zwingt, die Gesamtproduktion an Wind- und Solarstrom zu staatlich festgelegten Preisen in die Elektrizitätsnetze einzuspeisen und die anfallenden Kosten „ungefragt“ auf alle Stromkunden umzulegen. Und seit die EU im März 2007 im Grundsatz beschlossen hat, den Anteil der Erneuerbaren am Energieverbrauch bis 2020 auf 20% zu steigern, investieren auch die großen Energieversorger massiv in diesen Sektor. Nicht deshalb, weil sie plötzlich „grün“ geworden wären, sondern weil dieses Geschäftsfeld aufgrund politischer Grundsatzentscheidungen ökonomisch lukrativ zu werden verspricht.

Eine De-Politisierung der Alltagspraxis wäre keineswegs gleichbedeutend mit dem Ende von Umweltpolitik, ganz im Gegenteil. Sie brächte dem Einzelnen nicht nur eine Entlastung von letztlich uneinlösbaren Ansprüchen an sein individuelles Handeln. Sie könnte zugleich auch eine Re-Politisierung des Umweltbewusstseins beflügeln. Denn die entscheidenden Auseinandersetzungen um gesellschaftliche Veränderungen werden nicht auf dem Feld des privaten Konsums ausgetragen, sondern auf dem der institutionalisierten Politik.

Ambitionierte klimapolitische Ziele werden sich nur erreichen lassen, wenn Gesellschaften über wirkmächtige und am Gemeinwohl orientierte Steuerungsinstanzen verfügen. Dass Regierungen und Parteien weltweit bislang nur einen bescheidenen klimapolitischen Leistungsnachweis erbracht haben, gibt Anlass zu großer Skepsis, kann jedoch nicht bedeuten, das Potential staatlicher Regulierung schlicht zu negieren und statt dessen auf die scheinbare Macht des mündigen Verbrauchers zu bauen. “Kritischer Konsum” ist als klimapolitische Strategie in etwa so erfolgversprechend wie “freiwillige Selbstverpflichtungen” der Industrie.

Dieser Text ist eine gekürzte und überarbeitete Version eines Beitrags, der unter dem Titel “Strategischer Konsum statt nachhaltiger Politik?” im Schwerpunktheft “Klimapolitik und Solidarität” der Zeitschrift “Transit – Europäische Revue” erschienen ist.

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13 Kommentare

  1. Katharina |  12.02.2009 | 12:51 | permalink  

    Lieber Herr Geden,

    wie ich sehe arbeiten Sie als Regierungsberater – da muss man natürlich auch für Regierungsmacht werben…

    Aber im Ernst: Beim Umwelt- und Klimakonsum geht es doch eigentlich um Sinnkonstruktion. Man fühlt sich als besserer Mensch – ob das der Umwelt hilft, ist zweitrangig.

    Danke, dass Sie nicht den Begriff “Ökoreligion” verwendet haben.

  2. Matthias Schwenk |  12.02.2009 | 14:08 | permalink  

    Ich sehe den Akzent des Artikels auch etwas einseitig bei der Politik. Wenn man nämlich strikt marktwirtschaftlich denkt, haben die Endverbraucher durch ihre Einkaufsentscheidungen durchaus Einfluss auch auf umweltpolitische Aspekte.

    So wächst beispielsweise seit Jahren der Sektor der Öko-Lebensmittel und das ganz ohne Steuerung durch die Politik. Das mag im Gesamtbild nicht sehr viel ausmachen, außer Acht sollte man es deswegen aber nicht lassen.

  3. luc |  12.02.2009 | 14:37 | permalink  

    Nein und zwar, weil zu kurz. Die Schaffung eines ökologischen Bewusstseins, sei es auch erstrangig auf den Konsum bezogen, schafft immer noch ein Bewusstsein. Und dieses Bewusstsein verschwindet nicht an der Wahlurne. Sprich, wer Ökostrom bezieht, wird womöglich Zweifel an Kohle-Befürworter-Parteien haben. Dazu ist dieses Bewusstsein auch Grundlage für Engagement in Parteien und NGOs. Ein verändertes Bewusstsein ist immer Grundlage für gesellschaftlichen Wandel.

    Viel mehr bringt dieser Text überholtes Obrigkeitsdenken zum Ausdruck. Gemäß dem Motto: Du Depp da unten, erstens verstehst du es nicht, zweitens kannst du nichts ändern und drittens sagen wir immer noch wo es lang geht. Ein solch elitäres Bewusstsein erklärt treffend Politikverdrossenheit. Demokratie ist ein Dialog über das allgemein Beste und wenn die größte Wählergruppe die Nichtwähler sind, ist es Zeit aufzuwachen!

    PS: Hätten sich nicht ein paar machtlose, grüne Spinner regelmäßig getroffen, würde es wohl keine grüne Partei, geschweige denn eine Klimakanzlerin geben.

  4. Donnerstagslinks #73 |  12.02.2009 | 23:32 | permalink  

    [...] wollte ich eine gepfefferte Replik zu diesem Beitrag auf Carta.de schreiben. “LOHAS sind keine Klimaretter“, wird da ganz frech behauptet. Warum? Weil die Politik es ja viel besser kann. Genau – darum [...]

  5. NachDenkSeiten - Die kritische Website » Hinweise des Tages |  13.02.2009 | 09:25 | permalink  

    [...] Je mehr die umweltbewussten Haushalte einsparen, desto mehr und demzufolge günstigere Zertifikate kommen auf den Markt. Davon profitieren vor allem energieintensive Industrien wie Stahl- und Aluminiumhütten, für die der Druck zur Anpassung ihrer Produktionsprozesse ein wenig abgemildert wird – was in volkswirtschaftlicher Hinsicht nicht das Schlechteste sein muss, für den klimasensitiven Verbraucher aber wohl kaum der Grund gewesen sein dürfte, sich eine effizientere Waschmaschine zuzulegen. Wer als Einzelner innerhalb des bestehenden Systems einen positiven Klimaeffekt erzielen will, hat im Grunde nur eine – erstmals von sandbag.org.uk vorgeschlagene – Möglichkeit: selbst Emissionszertifikate an der Börse kaufen und nicht wieder in Verkehr bringen. Quelle: Carta [...]

  6. peter |  13.02.2009 | 09:28 | permalink  

    Was hat denn staatliche Regulierung tatsächlich bewirkt? Was hat sie zum Ziel und warum ist diese Art der Regulierung oft ineffizient? Wo Lobbykreise helfen und Steuereinnahmen sprudeln, ist Regulierung offensichtlich wirksam?
    Wer nicht erkennen kann, dass sich politische Kreise selbst von der Gesellschaft abgekoppelt haben, hat sich verloren im Gestrüpp von Komplexität der Systeme. Sicher, eine gewisse politische Struktur ist notwendig, aber wo kein Vertrauen mehr ist, gibt es keine gesunde Entwicklung. Solange nicht der Mensch sondern Wachstum für Wirtschaft und Finanzwelt im Mittelpunkt stehen, gibt es Probleme. Da hiflt es wenig, mit Fachwissen und politischer Komplexität zu kommen, und dann noch an alternativen Möglichkeiten zu zweifeln, bevor sie eine Entwicklung gemacht haben. Regierungskreise unterstützen mit viel Geld Aktivitäten im eigenen Kreis, die sie bei freien Organisationen anzweifeln und demontieren… Nur sie können es richtig – aber das Gegenteil haben sie bewiesen. Und das wird jetzt allen Gesellschaftskreisen deutlich.
    http://lohaslifestyle.blogspot.com/search?q=experten

  7. harald klimenta |  13.02.2009 | 10:24 | permalink  

    zum Beitrag 3 ist nicht viel hinzuzufügen, nur:

    * Das Zertifikatehandelssystem ist vollkommener Schrott, (ebenso wie das Coase-Theorem). Wenn es die CO2-Emissionen tatsächlich einmal drastisch senken würde, dann würden die Bürger der teilnehmenden Staaten dagegen opponieren, gerade weil es ein “Top-Down-System” ist, das die Menschen nicht mitnimmt, sondern ihnen übergestülpt wird. Aber das wird höchstwahrscheinlich sowieso nicht geschehen.
    * Ökologie kommt in unserem kulturellem Bewußtsein kaum vor. Gerade deshalb ist es notwendig, nicht nur irgendwelche öko-Gesetze “durchzupeitschen”, sondern werbung für einen anderen Lebensstil zu machen. Damit wir uns auch nur 3 Zentimeter in diese Richtung bewegen, braucht es: Vorkämpfer. Und damit ökologische Politik nicht permanent bedroht ist, braucht es: eine gesellschaftsweite Überzeugung von ökologischem Handeln, die Rückwirkungen in unsere kulturelle Identität hat. Das wir ein Ökonomist niemals verstehen können, dessen Gestaltungswillen mit “Setzen von Anreizen” schon überstrapaziert ist.

    * Keine fundamentale Reform kommt aus Parlamenten. Immer kam es von unten: Arbeiterbewegung, Frauenbewegung, Landlosenbewegung, Bürgerrechtsbewegung – und: Umweltbewegung, Anti-AKW-Bewegung. Und die globalisierungskritiker könnten die nächste soziale Bewegung von dem Kaliber werden. Aber wie schon an den vorgenannten Bewegungen abzulesen: Das dauert. … mal bei http://www.attac.de vorbeischauen…

    nette Grüße,
    Harald Klimenta

  8. Jakob Siehmann |  13.02.2009 | 13:51 | permalink  

    Es ist doch immer so: Solange die Industrie keinen persönlichen Nutzen daraus zieht, etwas zu verändern, wird sie sich auch nicht neu orientieren. Der Impuls muss schon aus der Politik kommen, Anreize müssen dort geschaffen werden. Ansonsten wird sich nichts ändern. Und welcher normale deutsche Bürger kann sich denn schon leisten, strategisch zu konsumieren? Es ist ja alles schön und gut, ökologische Produkte beispielsweise zu kaufen, klar, aber es ist schlicht einfach zu teuer. Und da schaut wohl jeder erstmal auf sich selbst anstatt auf die nachfolgenden Generationen.

  9. romano |  13.02.2009 | 17:26 | permalink  

    der Artikel sagt schon was Richtiges. Der Spaß und das gute Gewissen bei der BioFairkonsumation funktioniert halt gut, weil die Handlungsreichweite der Menschen heutzutage oft auf individuelle Konsumentscheidungen normiert ist. Die Reaktionsweisen auf neue öffentliche Themen spezialisieren sich dann auf diesen Handlungsraum. Diese Remodulierungen im Lebensstil mögen schon was Sinnvolles sein, bei manchen Kommentaren sehe ich dann doch ein eigenartiges Politikbild dem gegenüber stehen. Eine Art Feudalpolitik, eine “Die-da-oben-Politik”. Als wartete Politik nicht immerzu auf Mitbestimmung in unzähligen Varianten, egal ob das denen da oben paßt oder nicht. Es bestimmt ohnehin jeder mit, auch und gerade dann, wenn er nicht mitbestimmt.
    Solche BioFairkonsumations-Konsense sollten doch irgendwann politisch arrangiert werden, d.h. in Gesetze gegossen werden. Damit einher gingen dann auch Strukturkorrekturen in einigen gesellschaftlichen Bereichen, so dass die BioFairkonsumation Allgemeinstandard wird sowie deren CO2-Einsparungen nicht auf der Industrieseite gutgeschrieben werden kann. Aber da scheiden sich dann wahrscheinlich die Geister bei den Lohas: wenn es mehr werden soll als ein auf eine üppige finanzielle Infrastruktur aufgepfropfter urbaner Lifestyle, dann kann der Einsatz steigen.

  10. Udo Merz |  18.02.2009 | 16:26 | permalink  

    Ich bin durchaus überzeugt, dass die Menschheit sparsam und bewusst mit der Ihr anvertrauten Welt umgehen sollte. Hier kann jeder Mensch, auch im kleinen seinen Beitrag leisten und sollte dies auch tun.

    Es scheint mir aber ein gängiger Irrtum zu sein, dass der Betrag den z.B. Krombacher für jeden gekauften Kasten Bier in sein Regenwald-Projekt steckt auch nur das Geringste zum Umweltschutz beiträgt, gar den Regenwald rettet. Dieser Quadratmeter Regenwald fällt mit absoluter Sicherheit der nächsten Brandrodung zum Opfer. Allein Krombacher hat seinen Umsatz gesteigert. Denn die Menschen, vor denen Krombacher den Regenwald retten will haben zum Teil Hunger und würden alles tun um diesen zu stillen und der andere Teil begeht für eine ausreichend hohe Rendite jedes Verbrechen und wird hierbei meist von der in der Regel korrupten Politik auch noch unterstütz. So macht ein Konzern mit dem hinreichend bekannten Plazebo-Effekt guten Umsatz und alle machen mit.

    Es ist das Gleiche, wie in der aktuellen Finanzkrise. Die Regierung will Die Kriese Bekämpfen, in dem Sie gigantische Schulden aufnimmt, eine Kriese,deren Ursache in einer gigantischen Schuldenaufnahme in der Vergangenheit liegt. Das einzige, das Sicher ist, im kommenden Jahr müssen wir vermutlich über 25 Milliarden Euro an Steuereinnahmen mehr für die Schuldentilgung ausgeben. Diese gehen dann aber wieder bei den Investitionen verloren usw. usw..
    Feuer lässt sich bekanntlich nur sehr schwer mit Benzin bekämpfen. Meistens geht der Schuss nach hinten los.
    Ich traue der repräsentativen Mehrheit der Menschen diesbezüglich leider alles zu, nur nicht dass Sie die in der Lage ist die Erde vor der Schädigung durch unsere Art zu schützen.

  11. Energieverbrauchs-Label: kein adäquates Mittel gegen den Klimawandel — CARTA |  31.05.2009 | 15:15 | permalink  

    [...] 31.05.2009 | Vom 1.-12. Juni findet in Bonn die nächste Verhandlungsrunde für ein neues internationales Klimaabkommen statt, das Ende des Jahres in Kopenhagen verabschiedet werden soll. Die Verhandlungen kommen nur schleppend voran, eine Einigung bis/in Kopenhagen ist nicht sehr wahrscheinlich. Wenn aber die Politik es nicht schafft, den Klimawandel aufzuhalten, wer dann? Eine beliebte Antwort lautet: Der Verbraucher. Aber das ist eine trügerische Hoffnung. [...]

  12. Amei Poensgen |  15.07.2009 | 02:57 | permalink  

    Ist es tatsächlich dieses “entweder – oder” von dem Sie ausgehen? Entweder die Konsumenten, die eine bessere Welt kaufen oder die Politik, die die Regeln setzt? Konsumenten sind auch Wähler und Politiker hören gelegentlich ja sogar zu…
    Es ist absolut richtig, am meisten wird bewegt, wenn die Politik entsprechende Regelungen verbindlich macht. Dafür streite ich und mache mein Kreuz auf Wahlzetteln. Aber bisher sehe ich in der Politik noch nicht den grossen Umschwung. Bis es soweit ist, kaufe ich schon mal ein…

  13. Energie sparen « microblog |  22.07.2009 | 22:31 | permalink  

    [...] in diesem Sinne noch überzeugender und effektiver arbeitet, ist mir erst nach der Lektüre dieses Artikels klar [...]

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