Wolfgang Michal | 19 Kommentar(e)
Stefan Niggemeier und Christoph Keese haben sich mal wieder um – na, um was wohl? – um das Leistungsschutzrecht gestritten. Der Journalist zieh den Lobbyisten der Lüge. Und der ließ das nicht auf sich sitzen.
07.07.2012 |
Hinter Stefan Niggemeiers Blogeintrag „Lügen fürs Leistungsschutzrecht“ steht in Klammern eine (1). Das lässt befürchten, dass eine Serie daraus werden soll. Stefan Niggemeier schreibt, die Verlage könnten ihre Presse-Snippets, wenn sie es denn wollten, gesondert von der Erfassung durch Google-robots ausnehmen. Sie würden das aber gar nicht wollen, und deshalb habe Springers Außenminister wahrheitswidrig behauptet, man könne aus der Google-Suche nur ganz aussteigen oder gar nicht. Niggemeier:
„Die Verlage können Google mit einfachsten Programmbefehlen dazu bringen, keine Snippets anzuzeigen. Es ist auch möglich, diese Snippets zum Beispiel nur in ‚Google News’ auszuschalten und nicht bei der allgemeinen Suche. Es ist sogar möglich, das für jeden Artikel, den die Verlage veröffentlichen, einzeln zu bestimmen. Das geht über Anweisungen, die die Verlage in den »Meta«-Angaben ihrer Internetseiten hinterlegen. “
Das ist richtig. Christoph Keese hat darauf sehr ausführlich und auch sachverständig geantwortet. Dass Keeses verkürzte Darstellung des Sachverhalts gegenüber der ehemaligen Bundesjustizministerin Brigitte Zypries einen falschen Eindruck erzeugte, ist ziemlich offensichtlich, aber ehrlich gesagt auch ziemlich unerheblich.
Was Stefan Niggemeier in seinem Beitrag nicht erwähnt, ist die Tatsache, dass Google und die Verlage seit mehreren Jahren darüber streiten verhandeln, wie eine technische Lösung des Problems aussehen könnte, die beide Seiten zufrieden stellt.
Die Verlage wollen ACAP, Google bietet aber nur das grobschlächtige Ausschlussverfahren von robots.txt. ACAP, sagen die Verhandler von Google, ist uns zu kompliziert, das versaut uns die schlanken Algorithmen. Nein, sagen die Verlage, ihr müsst einfach tun, was wir und das Urheberrecht euch vorschreiben!
Dieser Streit geht nur vordergründig um Technik. In Wahrheit geht es um Macht. Es geht darum, wer das Sagen hat, also wer wem Anweisungen geben darf.
Die Verlage stehen auf dem Standpunkt: Wir legen die Bedingungen der Nutzung fest, nicht ihr. Google solle lediglich ausführen, was die Verlage wollen. Google steht auf dem Standpunkt: Wir legen die Möglichkeiten für die Suche fest, nicht ihr. Ihr habt euer grundsätzliches Einverständnis ja schon gegeben, dass ihr von uns gefunden werden wollt (= konkludente Zustimmung).
Allerdings wollen die Verlage nicht den von Keese kritisierten “An/Aus-Lichtschalter” für ihre Inhalte, sie wollen individuelle maschinenlesbare Copyright-Informationen für jeden einzelnen Beitrag. Google News und andere Aggregatoren würden dadurch zu Lizenzierungs-Plattformen für Verlage umfunktioniert. Anders ausgedrückt: Google soll nicht mit kostenlosen Verlagsinhalten Geld verdienen können, sondern die Verlage sollen mit kostenlosen Google-Funktionen Geld verdienen können. Der Gigant Google wäre dann ein Zulieferer für die Verlags-Zwerge (und genau das möchte Google nicht sein).
Es geht hier also nicht um Gefunden werden oder nicht Gefunden werden. Die Verlage fordern, dass jeder Inhalt aus ihren Häusern eine individuelle Nutzungsbedingung im Quelltext mitführt. Einen Berechtigungsschein, der bei jeder Datei anders aussehen kann. Auf diese Weise könnten die Verlage den Informations-Hahn nach Belieben auf- oder zudrehen. Sie hätten die alleinige Verfügungsmacht. Dass Google sich diesem Ansinnen (bislang) nicht beugt, weist darauf hin, dass der Konzern mehr sein will als nur eine dienstleistende Suchmaschine.
P.S. Den ganzen Konflikt um ACAP habe ich im Jahr 2009 schon einmal aufgeschrieben. Aber das Leistungsschutzrecht ist ein so dankbares Thema, dass man es immer wieder recyceln kann.





“Dass Keeses verkürzte Darstellung des Sachverhalts gegenüber der ehemaligen Bundesjustizministerin Brigitte Zypries einen falschen Eindruck erzeugte, ist ziemlich offensichtlich, aber ehrlich gesagt auch ziemlich unerheblich.”
Es ist offenbar NICHT unerheblich. Willst du sagen, Stefan Niggemeier soll sich nicht damit abgeben, Keeses Behauptungen richtigzustellen?
Es geht auch nicht NUR um Macht, sondern auch um Technik. Du erklärst ja selbst, wie beides untrennbar miteinander verbunden ist. Deine Seitenhieb auf Niggemeier ist völlig unnötig. Bist du neidisch auf die Aufmerksamkeit, die er bekommt? Obwohl du ja schon vor einem Jahr alles aufgeklärt hast?
Ich weiß nicht, warum die Nutzungsbedingungen in maschinenlesbarer Form so wichig sind, sollen sie sie doch menschenlesbar reinschreiben.
Wofür und für wen sollte ein weiteres Tag relevant sein? Für mich als Leser wohl kaum und für Google ist nur wichtig: Darf ich das Snippet anzeigen oder nicht, den Text indizieren oder nicht. Und genau diese Möglichkeit gibt es jetzt schon.
Diese Diskussion um ein Problem, das es nicht gibt, ist nervig und öde. Die Verleger, die es in 15 Jahren selbst nicht geschafft haben, eine ordentliche News-Seite, einen Micropayment-Dienst oder überhaupt ein tragbares Geschäftsmodell zu entwickeln, sehen, daß da Geld zu holen ist und das wollen sie haben. That´s it.
So ich die Diskussion um “Automated Content Access Protocol” (ACAP) richtig verstanden hätte – dazu hatte der Autor des obigen Beitrages sich ja auch bereits geäußert -, dann ist ACAP so etwas wie die Vorverlagerung der Paywall in die Suchmaschine inklusive Digital Rights Management.
Wenn es nun Google ablehnt, neben den vielfältigen Steuerungsmöglichkeiten, die über die robots.txt bereits implementiert werden können, den Suchmaschinenindex nach DRM und Pay-Funktionalitäten von extern steuern zu lassen, dann ist dies rechtens. Vor allem aber entzieht sich mir in Gänze, wieso hieraus der Schluss zu ziehen wäre – wie es der Autor tut -, dass Google, hier dann gerne “Konzern” genannt, “mehr sein will als nur eine dienstleistende Suchmaschine”.
Abgesehen davon noch zwei Randbemerkungen:
a) Aus Gründen, die die Verleger zu betonen nicht müde werden, wäre Google dringend abzuraten ACAP nur für Verlage zu implementieren. Es müsste also die Steuerung des Suchmaschinenindexes nach gleichen Kriterien allen offen stehen, die Inhalte ins Netz stellen.
b) Ich wage im Lichte von a) noch eine Parallelisierung: Die Verleger oder der öffentlich-rechtliche Rundfunk würden sich mit Händen und Füßen dagegen wehren, zu “Fair News” verpflichtet zu sein. Denn auch wenn z.B. eine Lokalzeitung ein 100-prozentiges Informationsverbreitungsmonopol hat, gibt es keinen offen gelegten Steuerungsmechanismus, der das Ob und Wie der Verbreitung einer Nachricht transparent macht.
Darf ich mal fragen, weshalb man sich überhaupt ernsthaft mit dem Blödsinn von Typen wie Keese beschäftigt, während der A. Springer-Verlag systematisch die Persönlichkeits- und Urheberrechte anderer verletzt?
@Stefan Engeln: “…dann ist ACAP so etwas wie die Vorverlagerung der Paywall in die Suchmaschine inklusive Digital Rights Management.” Ja, das würde ich auch so
sehen.
Wäre Google ein normaler Dienstleister wie die Post (die neulich die Bildzeitung an alle Haushalte lieferte), dann würde Google das – gegen Beteiligung – so akzeptieren. Aber das würde das Verhältnis zwischen Google und den Verlagen umdrehen (siehe meinen Beitrag oben). Google ist aber kein normaler Dienstleister – dazu schreibe ich extra noch mal was, das würde hier zu weit führen. Nur so viel: Würde Google sich auf ACAP einlassen, wäre der Nimbus von Google dahin. Dann würde man nicht mehr von einer Suchmaschine, sondern von einer Filtermaschine im Dienste anderer sprechen.
Zu ihren beiden Randbemerkungen:
a) Ja, das wäre wohl so, wenn man dem Urheberrecht folgt. Dort steht, dass der Urheber bzw. der Rechteinhaber (deshalb wollen die Verlage ja das eigene Leistungsschutzrecht!) bestimmen kann, “ob und wie” etwas zu veröffentlichen ist. Das wäre mit ACAP möglich.
b) ist hochinteressant, falls ich Sie richtig verstanden habe. Eine Schrankenregelung müsste festlegen, welche Inhalte von ACAP/DRM ausgenommen werden müssen.
“Dass Keeses verkürzte Darstellung des Sachverhalts gegenüber der ehemaligen Bundesjustizministerin Brigitte Zypries einen falschen Eindruck erzeugte, ist ziemlich offensichtlich, aber ehrlich gesagt auch ziemlich unerheblich.”
Falsch. Wenn jemand nachweislich der Lüge bezichtigt wird kann er sich, gerade als Medienmensch, nicht einfach auf einen “falschen Eindruck” berufen. Etwas [journalisitisch] prägnant auf den Punkt bringen, heißt nicht die eigenen Aussage solange zu kürzen, bis dann die gewünschte Botschaft dabei rauskommt. Und dann im Nachinein einen, hier als “sachverständig” bezeichneten, Disclaimer reinzuhauen.
Wie dem auch sei. Google ist die Eiche! ;)
@Wolfgang Michal
Ich verstehe nicht, wie Ihre beiden Äußerungen,
(i) dass Google angeblich “mehr sein will als nur eine dienstleistende Suchmaschine” und
(ii) “würde Google sich auf ACAP einlassen, (…) würde man nicht mehr von einer Suchmaschine, sondern von einer Filtermaschine im Dienste anderer sprechen”
zusammenpassen. Ihre Behauptung zu (i) aus dem Blogbeitrag oben, ist meines Erachtens nicht gedeckt durch Ihre bisherige Argumentation (auch zu ACAP). Ihre Argumentation zu (ii) (“würde Google sich auf ACAP einlassen, (…) würde man nicht mehr von einer Suchmaschine, sondern von einer Filtermaschine im Dienste anderer sprechen”) halte ich für inhaltlich richtig und zutreffend.
Um auf den Ausgang dieses Blogposts und der Differenz zwischen Stefan Niggemeier und Keese zurückzukommen: Die Überschrift von Stefan Niggemeier ist ja selbst unter Berücksichtigung der wortreichen Ausschweifungen von Keese gerechtfertigt, weil es schlicht falsch ist zu behaupten,
“Sehr gern würden die Verlage auf eine Möglichkeit zurückgreifen, von Suchmaschinen und Aggregatoren nur indexiert und vielleicht mit einer Überschrift zitiert zu werden. Doch genau diese Differenzierungsmöglichkeit bietet Google wie (…) nicht an.”
wenn es doch den Verlegern inhaltlich (nur) darum geht, ob Google über die Möglichkeiten einer robots.txt hinaus ACAP implementieren soll.
@Stefan Engeln: Jetzt verstehe ich wiederum nicht, warum meine beiden Äußerungen nicht zusammenpassen sollen.
Was wäre eigentlich, wenn Google seine marktbeherrschende Stellung verliert und sich mehrere Anbieter den Markt aufteilen? Wem und mit welcher Argumentation könnte man dann ACAP aufnötigen?
Irgendwie
Niggemeier und Keese können sich nicht leiden. So simpel ist dieser Krieg.
Um so erfreulicher, von Herrn Michal dazu etwas sachliches zu lesen.
Solange mir der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk in die Tasche greift, bevor ich überhaupt darüber nachdenken konnte, wofür ich das Geld sonst hätte ausgeben können (Rechner?, schnellen Internet-Zugang?, Tageszeitung?, mobiler Datenvertrag?, Smartphone? Tablet-PC? Kamera? Buch?), ist mir diese Diskussion fast egal.
Bis auf ein Detail: Wann arbeitet sich Niggemeier eigentlich mal an dem 8-Milliarden-vom-Netto-weg-Apparat ab? Das verlangt vermutlich mehr Mut als die Auseinandersetzung mit Springer, denn Springer ist dagegen klein.
Ach Peter – mit der GEZ-Gebühr bekommen Sie immerhin etwas – bei der Leermedienabgabe zahlen sie hingegen für Nichts.
@kleitos (#12)
Ja auf den ersten Blick haben sie ja recht. Allerdings bekomme ich für das Anstalten-Zwangsgeld eben etwas, was ich nicht bestellt habe, ja oft auch wünschte, es würde nie produziert. Und etwas, was es anderswo (noch) umsonst und weit unabhängiger und kompetenter gibt.
Die Lehrmedienabgabe ist nicht ein tausendstel so unverschämt wie der Rundfunkbeitragsstaatsvertrag. Und auch kleine Autoren bekommen was davon.
Das liebe ich so am Netz: Man schreibt, sagen wir, über die ägyptische Revolution, und die Diskussion endet garantiert bei der GEZ-Gebühr :-)
@ Wolfgang Michal (#14)
;-) … dann wäre ich für eine Revolution bezüglich der “GEZ-Gebühr”, muss ja nicht unbedingt eine agyptische sein, aber ein wirksame schon..
Danach ist vielleicht das Geld in der Tasche geblieben, man entscheidet selbst, wie man es ausgibt und der Kopf ist wieder frei.
Mir scheint es aber schon etwas abgehoben, mit Verlegern über Snippets zu diskutieren, während man anderswo hinter den finstersten Feudalismus zurückfällt. Oder haben sie schon mal einen ÖR-Programmdirektor abgewählt, weil seine Programme zu teuer waren?
Wäre ich Google, ich würde den Verlagen genau das geben was sie sich angeblich so händeringend wünschen – einen ACTA Zugang – gegen eine ensprechende Gebühr natürlich – für jeden Suchzugriff… Wer nicht zahlen mag darf weiterhin den gratis-Dienst nutzen oder alternativ auch garnicht vertreten sein. Würde mich interessieren wie viele Verlage denn bereit wären für diese Dienstleistung die ihnen ja angeblich so fehlt einen angemessenen Betrag zu bezahlen.
ACAP ist halt nur ein Vorschlag von Seiten der Content-Industrie. Warum sollte Google sich daran halten, ich hab’ auch viele Wünsche und niemanden juckt es.
Technisch ist es außerdem so, das der ASV vieles von dem was in ACAP steht sehr leicht auch Serverseitig umsetzten kann. Google kommt ja nicht anonym vorbei, sondern der Googlebot und andere sind identifizierbar und die ASV-Server können dann das ausliefern, was sie an Google eben ausliefern wollen. So wie ich mich mit meinem Browser als Googlebot ausgeben kann um z.B. hinter eine Paywall zu schauen. Das funktioniert halt, weil Google zwecks Indexierung eben alles sehen soll, wofür der gemeine Leser aber bezahlen muss.
Also, alles Käse Herr Keese, einfach mal die Hausaufgaben machen und nicht nur rumheulen und demokratische Strukturen beschädigen. Aber vielleicht wollen sie das ja, wie hieß es doch gleicht, rechts von Bild darf es nichts geben, oder so ähnlich …
naiv und unerfahren
Verstehe wenig vom Leistungsschutzrecht und kenne die Diskussion darum nur marginal. Deshalb zwei Fragen:
Wenn Google auf ACAP nicht eingehen will, warum verhandeln die Verlage nicht mit Bing und Yahoo, und sperren bei positiven Verhandlungsresultaten ihre Nachrichten für Google (eventuell nach und nach)?
Wie lange würde Google der mächtige Monopolist bleiben, wenn über es immer weniger Nachrichten aufzufinden wären?
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