Wolfgang Michal | 55 Kommentar(e)
Die großen Verlage verändern sich schneller als manche denken. Sie werden zu Handelshäusern und Volksbildungsinstituten mit Event-Charakter. Das hat Folgen für Pressefreiheit und Öffentlichkeit. Ein Appell an Blogger und Netzaktivisten, endlich die Realitäten wahrzunehmen.
24.06.2012 |
Bei nicht ganz unbekannten Bloggern zählt es zu den beliebten (weil bequemen) Übungen, auf das Innovationsversagen der großen Presseverlage einzudreschen – wie jüngst wieder anlässlich der Präsentation des Gesetzentwurfs zum Leistungsschutzrecht. Die Verlage, heißt es großmäulig, würden den digitalen Wandel verpassen, weil sie zu träge und zu blöde seien. Sie würden ihre Zukunft verspielen. „Geht sterben!“ kräht es dann durch die Kommentare und sozialen Netzwerke.
Das ist – mit Verlaub – der größte Quatsch, den man über die Verlage verbreiten kann. Die Presseverlage sind heute innovativer als sämtliche Blogger zusammen. Ihre neuen Geschäftsmodelle funktionieren (!!), ihre Zukunft sieht rosig aus. Sie verfügen über ein exzellentes Change Management. Sie bauen ihre Häuser zielstrebig zu internationalen Serviceagenturen um: zu Handelshäusern, Gemischtwarenläden, Event-Dienstleistern und Volksbildungsheimen. Was dies für die Öffentlichkeit bedeuten mag, wird im Netz viel zu wenig analysiert – dort pflegt man lieber mit Hingabe ein Bild von den Verlagshäusern, das noch aus dem letzten Jahrhundert stammt. Mit der Wirklichkeit hat dieses Zerrbild wenig zu tun.
Von der Presse zum digitalen Gemischtwarenladen
Springer und Burda z.B. zählen in punkto digitaler Wandel zu den innovativsten Verlagen im Lande. Im November 2011 meldete Springer:
„Das digitale Geschäft blieb erwartungsgemäß der wichtigste Wachstumstreiber des Konzerns… Mit einem Umsatzanstieg von 34,4 Prozent im Segment Digitale Medien und einem Plus von 30,4 Prozent im Segment Print International konnte der Konzern leicht rückläufige Erlöse bei den inländischen Printmedien erneut überkompensieren… Die digitalen Medien konnten das Ebitda auf 111,9 Millionen Euro verdoppeln und trugen damit rund 25 Prozent zum Konzern-Ebitda bei. Die Rendite des Segments nahm von 11,1 auf 16,5 Prozent zu… Die Zahl der Mitarbeiter legte durch den kontinuierlichen Personalaufbau im Bereich digitale Medien, die Einbeziehung von Ringier Axel Springer Media und die Akquisition von SeLoger.com und kaufDA im Neunmonatsdurchschnitt auf 12.520 (Vorjahr: 11.387) zu.“
Diese Entwicklung beschleunigte sich in den folgenden sechs Monaten noch. Über das 1.Quartal 2012 berichtete Springer:
„Durch das dynamische Wachstum der digitalen Medien konnte Axel Springer einen spürbaren Umsatzrückgang bei den internationalen Printmedien überkompensieren…Die Digitalen Medien wuchsen im ersten Quartal unverändert dynamisch und lieferten zudem den zweithöchsten Ergebnisbeitrag im Konzern… Dr. Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG: „Im ersten Quartal knüpften wir nahtlos an die ausgezeichnete Geschäftsentwicklung des Rekordjahres 2011 an. Mittlerweile stammen bereits mehr als die Hälfte der gesamten Werbeerlöse und ein Drittel des operativen Ergebnisses von Axel Springer aus dem digitalen Geschäft. In den vergangenen Monaten haben wir unsere digitalen Aktivitäten zudem mit gezielten Akquisitionen weiter verstärkt und hier vor allem die internationale Expansion vorangetrieben. Dabei orientieren wir uns konsequent an unserer klar definierten Digitalisierungsstrategie. In den ersten Monaten des laufenden Geschäftsjahres trieb der Konzern diese unter anderem durch den Erwerb des britischen Online-Recruiting-Unternehmens Totaljobs.com sowie durch die Internationalisierung von Angeboten wie kaufDA und iKiosk voran… Das Segment Digitale Medien trug mit 33,3 Prozent zum Gesamtumsatz des Konzerns bei… Das Segment steigerte die Rendite auf 17,8 Prozent.“
Das nennt man Erfolg durch Annahme des Wandels. Springer baut seine führenden Online-Ableger – bild.de und sportbild.de - konsequent aus und flankiert diesen Wandel durch politische “Maßnahmen” (wie der Forderung nach einem speziellen Leistungsschutzrecht). Springer installierte einen „Programmdirektor Bewegtbild“ in der Bild-Chefredaktion und ist auch führend bei der App-Entwicklung. Der Verlag streamt Spiele der türkischen Fußball-Ligen und kauft ein erfolgreiches Internetportal nach dem anderen. Es sind so viele inzwischen (etwa 150), dass man sie gar nicht mehr aufzählen kann, darunter Reise-, Immobilien-, Job-, Auto-, Rabatt-, Mode- und Finanzportale im In- und Ausland (u.a. idealo.de, seloger.com, Stylebook, gofeminin.de, finanzen.net, kaufda.de).
Auch der Burda-Verlag entwächst mit Riesenschritten seinem alten Strickmodenmagazin-Image. Unter dem Stichwort „Wachstum durch Wandel“ meldete der Konzern im März – wie Springer – einen Rekordumsatz für das Jahr 2011:
„Hauptursache für die Umsatzsteigerung war ein kräftiges Wachstum in den Bereichen Digital, Druck und Verlag Ausland. Der Bereich Digital steigerte sich auf 937,2 Millionen Euro (2010: 587,2 Mio.). In diesen Umsatzerlösen ist die erstmals voll konsolidierte zooplus AG in Höhe von rund 245 Millionen Euro enthalten. Mit 43,1 Prozent erzielte der Bereich Digital den größten Anteil am Gesamtumsatz.“
Das heißt, fast jeder zweite Euro kommt bei Burda heute aus dem Digitalgeschäft. Dazu zählen Reiseportale, Singlebörsen oder Online-Versandhändler. Mit dem Verkauf von Tierfutter über das Internet wird Burda schon bald mehr erlösen als mit seinen gedruckten Hochglanz-Magazinen. Das einstige Medienhaus verwandelt sich in einen Gemischtwarenladen mit dominanter E-Commerce-Abteilung.
Auch die anderen großen Verlage bewegen sich in diese Richtung – manche mit hohem Tempo (wie die Holtzbrincks), manche etwas zögerlich (wie Gruner & Jahr). Aber keiner dieser Verlage lebt noch im 20. Jahrhundert oder hätte den digitalen Wandel nicht begriffen. Dieses Ammenmärchen, das einige Blogger (die vielleicht gerne Verlagsberater wären) in ihrer Netzklientel verbreiten, trägt zu einer völligen Fehlwahrnehmung der Situation bei.
Vom Journalismus zur Volkshochschule
Den vielleicht interessantesten Wandel vollziehen dabei jene Häuser, die Qualitätsprodukte herstellen und dabei z.T. auf den Fundus großer Buchverlage zurückgreifen können, allen voran Die Zeit und – in deren Schlepptau – jetzt auch die FAZ (während die Münchner SZ aufgrund ihrer Eigentümerstruktur und ihres süddeutschen Phlegmas noch etwas zögert, Bertelsmann im Digitalsegment zu sprunghaft erscheint und Der Spiegel intern noch ein paar Machtkämpfe auszutragen hat).
Der Zeit-Verlag als Herzstück des Holtzbrinck-Konzerns und Die Zeit als Inbegriff des Bildungsbürgertums bauen ihre starke Stellung im Bereich Bildung weiter aus und verwandeln sich in eine Art Volkshochschule für lebenslanges Lernen. Die Bildungsexpansion wird sich dabei auf zwei Kanälen vollziehen: zum einen digital, im Bereich der Produktion und des Vertriebs qualitativ hochwertigen Lehr- und Lernmaterials, des so genannten E-Learnings (aber auch im Bereich der Wissenschafts-Publikationen). Zum anderen in der Form erlebbarer Events (etwa im Rahmen der Zeit-Akademie): Unter der vielseitig verwendbaren Dachmarke Zeit soll es künftig vermehrt Veranstaltungen in Universitäten, Volkshochschulen, Gymnasien, Theatern und anderen Spielstätten geben. Die Zeit-Tochter Tempus Corporate produziert für Stiftungen, Universitäten und wissenschaftliche Institute. Hier ist das Potential noch lange nicht ausgeschöpft.
Aber auch die konsequente Ausrichtung des Medienhauses auf die digitale Zukunft ist bemerkenswert. Während Regionalzeitungs-Engagements zurückgefahren werden, wird digital fleißig zugekauft. E-Commerce und Online-Portale wie buecher.de, MyHammer, Parship, NetDoktor.de, meinestadt.de, golem.de florieren. Und natürlich gibt es in solchen Verlagen – anders als manche Blogger vermuten – schon lange eLabs, Networks und die für Online-Experimente besonders aufgeschlossenen Venture-Abteilungen.
„Der ZEIT Verlag hat 2011 in allen wichtigen Kennzahlen ein neues Rekordjahr erreicht. So stiegen die Gesamterlöse des Hamburger Verlagshauses auf 151 Mio. Euro, das sind 13 Prozent mehr als in 2010 (134 Mio. Euro). Seit 2003 hat der ZEIT Verlag seinen Umsatz mehr als verdoppelt.
Rund 30 Prozent des Gesamtumsatzes entfielen 2011 auf die Neuen Geschäftsfelder (Magazine, Editionen, Veranstaltungen sowie TEMPUS CORPORATE) und die Online-Aktivitäten, also ZEIT ONLINE und academics.de, das Karriereportal für Wissenschaft und Forschung, das der ZEIT Verlag gemeinsam mit dem deutschen Hochschulverband betreibt.
ZEIT ONLINE legte in 2011 kräftig an Reichweite und Umsatz zu. Im Mittelwert zum jeweiligen Vorjahresmonat stiegen die Visits um 38 Prozent. Bei den klassischen Werbeerlösen erzielte ZEIT ONLINE ein Wachstum von 50 Prozent.“
Auch die FAZ GmbH – die in diesem Jahr ausnahmsweise nicht mit einem Rekordwachstum prahlen kann – folgt jetzt den Spuren der erfolgreichen Zeit und will mehr auf Weiterbildung und den Ausbau digitaler Aktivitäten setzen.
„Die Vermarktung elektronischer Produkte des Archivs sowie der neue Dienst FAZ-Research und der Verkauf von Lizenzen und Nachdruckrechten liefen gut. Der Online-Werbemarkt wuchs “ansehnlich”… Nach dem Relaunch des Internetauftritts faz.net und neuen iPad-Apps will die FAZ-Gruppe auch die digitalen Möglichkeiten weiter ausschöpfen, um ‘mehr junge Leute für seriösen Journalismus zu begeistern’.”
Vergleicht man diese Bereitschaft, den digitalen Wandel zu gestalten mit dem, was an verlagsunabhängigen Online-Aktivitäten (Blogs, Magazine, Plattformen) im Netz existiert, dann sehen nicht etwa die viel gescholtenen Presseverlage, sondern die freien Blogs ziemlich alt aus. Und das ist bitter. Denn die Umwandlung der vermeintlich innovationsfaulen Medienhäuser in Tierfutterverkäufer, Partnervermittlungsanstalten und Weiterbildungskonzerne ist nicht unbedingt ein Gewinn für die Freiheit und Unabhängigkeit künftiger Medienangebote.





Nun, alles was oben steht stimmt. Aber das alles ist kein Beleg dafür, dass die Verlage im journalistischen Bereich innovativ sind – sondern lediglich dafür, dass sie ihre Innovationskraft nutzen, außerhalb des journalistischen Bereichs Geld zu verdienen. Den Beleg für die Innovationsfähigkeit im (früheren?) Kernbereich muss ich in dem Text übersehen haben.
@Thomas Wiegold: Boooah, lesen Sie schnell! Fünf Minuten nach dem Posten schon ein Kommentar!
Nun, es wird ja immer über die angeblich fehlenden Geschäftsmodelle geredet oder darüber, dass die Verlage ihre alten Geschäftsmodelle sichern wollen, die im Zeitalter des Internets nicht mehr funktionieren. In diesem Zusammenhang taucht auch des öfteren das Wort Querfinanzierung auf.
Ich finde, wir können nicht ewig bei dem Vorwurf stehen bleiben, die Verlage würden sich nicht verändern. Im Gegenteil: Wir müssen darüber nachdenken, was der längst stattfindende Wandel bedeutet.
Innovationen im journalistischen Bereich? Ich höre seit Jahren die gleichen Beispiele, die – weil sie halt finanziert werden müssen – in der Breite nicht funktionieren: micropayment, crowdfunding, spot.us etc. Das heißt, da sehe ich eher Stagnation bei den Verlagskritikern.
Sorry, aber die Argumentation geht ins Absurde. Der Vorwurf, die Verlage würden sich nicht verändern, ist falsch, weil die dahinterstehenden Konzerne NEBEN den Verlagen noch andere Baustellen aufmachen?
Das ist ungefähr so, wie wenn man dem Bäcker Innovation im Backen zuspricht, weil er nun auch belegte Semmeln anbietet.
Ja, sicher: Querfinanzierung wurde schon länger vorgeschlagen. Es wurde vorgeschlagen, weil es in anderen Ländern schon seit Ewigkeiten gemacht wird. Und dann ist es INNOVATIV, wenn bei uns Verlage das dann auch endlich mal ausprobieren? Ich glaube, da wäre über die Bedeutung des Wortes “innovativ” doch nochmal nachzudenken. Das Problem ist nur: Eine Querfinanzierung wird es erst dann, wenn es auch tatsächlich so genutzt wird – wenn die isolierte Rentabilität der Journalismus-Sparte nicht mehr das Hauptziel ist.
Der Vorwurf, die Verlage als solche würden stehenbleiben ist solange berechtigt, wie diese meinen, einen Anspruch darauf zu haben, sich staatlich die Rentabilität des alten Geschäftsmodelles sichern zu lassen. Dass die Konzerne für den Fall X, dass der Staat ihnen den Vogel zeigt, vorsorgen, ist nicht innovativ – das sind sie da, wo sie börsennotiert sind, den Aktionären schuldig.
Das Gründen oder Kaufen weiterer Unternehmen hat aber zunächst mal mit Querfinanzierung nichts zu tun, denn die bedeutet nunmal, dass die Erträge der anderen Sparten direkt zur Finanzierung der Journalismus-Sparte genutzt werden. Die landen aber erstmal ganz woanders – in den verschiedenen anderen Tochterunternehmen, von denen sie dann erstmal nach ganz oben abgeführt werden. Von dort kann das Geld dann ggf. wieder in die Journalismus-Sparte eingeführt werden. Muss aber nicht. Man kann sich nach wie vor hinstellen und Zeter und Mordio schreien, “guter Journalismus” (wie die Verwendung eines willkürlich im Internet gefundenen Fotos zur Illustrierung eines Mordfalles, wie gerade erst bei der BILD geschehen) müsse in sich selbst rentabel sein.
Vielen Dank für Ihren instruktiven Beitrag. Mich interessiert eine Randnotiz: Sie schreiben, die Verlage “verfügen über ein exzellentes Change Management.” In der Tat würde mich interessieren, woher Sie diese Information nehmen und wie bzw. mit welchen Beispielen Sie diese belegen.
Meinen Erfahrungen nach – man kann es gerade wieder am Downsizing der Axel Springer AG in Sachen Computerbild nachvollziehen – funktioniert das Change Management in Verlagen, v. a. in Redaktionen, alles andere als “exzellent”. Sie können sich die WAZ anschauen, G+J im Rahmen der Zusammenlegung der Wirtschaftsredaktionen und viele, viele weitere Beispiele, die in den Fachmedien weniger prominent oder gar nicht diskutiert wurden. Dort sind genau die Dinge passiert, die Change Management verhindern soll, respektive Widerstand bis hin zu öffentlich Grabenkämpfen. “Excellence in change” ist m.E. etwas anderes.
Aber vielleicht können Sie mir ja andere Beispiele nennen? Ich würde mich freuen!
@chris: Wie gesagt: Über die sozialen, politischen und kulturellen Auswirkungen des Wandels müsste man im einzelnen reden, aber den Wandel einfach ignorieren halte ich für den falschen Ansatz. Wer angesichts von ständigen Rekordergebnissen den digitalen Wandel der Verlage abstreitet und “Geht sterben!” ruft, macht es sich in seiner Meinung recht bequem. Und diese Bequemlichkeit sollten sich kritische Blogger nicht leisten.
Natürlich kann man das herrschende “Change Management” moralisch sehr wohl in Frage stellen (hohe Renditen, niedrige Honorare), aber innerhalb der rein ökonomischen Argumentation (“Ihr habt kein neues Geschäftsmodell!” “Euer Geschäftsmodell ist veraltet!”), sollte man die Tatsachen doch mal zur Kenntnis nehmen. Betriebliches Change Management bemisst sich nach dem wirtschaftlichen Erfolg. Die entsprechenden Zahlen können Sie dem obigen Beitrag entnehmen.
D.h.: Die Verlage verschlafen den digitalen Wandel eben nicht. Sie machen ihn sich zunutze. Sie sind innovativ. Sie expandieren. Und offensichtlich ist auch ihr Journalismus noch immer heiß begehrt. Sonst würde im Netz ja nicht so herzzerreißend darum gekämpft, dass man weiterhin freiwillig und kostenlos für die Produkte dieser Verlage werben und auf sie verlinken darf.
Es gab mal eine Zeit, da wurden Bücher noch von Hand abgeschrieben und waren viel zu wertvoll, um sie einfach einem Händler anzuvertrauen. Aber da gab es schon so etwas wie Verlage, die z.B. Rosenkränze vertrieben, Heiligenbilder bzw. Statuen oder Segenssprüche. In der Moderne (also in der jüngsten Postmoderne) ist faktisch ein jeder, der einen Computer besitzt, in der Lage, Texte und Kunst zu vervielfältigen oder zu vertreiben. Die Institution der Verlage wird eigentlich nur noch durch Urheberrecht und Werbung zusammen gehalten, wie man um ein baufälliges Gebäude ein überdimensioniertes Stützgerüst legt, damit es nicht unvorhersehbar zusammen kracht. Ich bin überzeugt, die eigentliche Revolution der Medien und ihrer Inhalte steht noch bevor. Nämlich dann, wenn die Rolle und Existenzberechtigung von kommerzieller Werbung hinsichtlich ihrer ökonomischen, politischen, ökologischen und volkswirtschaftlichen Bedeutung in unserer Gesellschaft auf den Prüfstand des öffentlichen Diskurses gestellt wird. Da kommt noch einiges auf die kritischen Medienprofis zu. Wann immer es soweit sein wird. Das wird interessant.
Die grundlegende Position Ihres Artikels kritisiere ich nicht. Das kann man so sehen.
Mir ging es nur um das Thema Change Management. Ich habe verstanden, dass Sie darunter andere Dinge fassen als ich. Denn neue, ja offenbar erfolgreiche Geschäftsbereiche zu eröffnen (oder, wie es meist geschieht, sie einzukaufen) ist das eine — bestehende – und das ist ja allen voran die Redaktion – umzubauen, das andere, schwierigere. Da sehe ich auf Seiten der Verlage keine Erfolgsgeschichten.
@chris Da mögen Sie Recht haben – aber beim journalistischen Wandel sind natürlich in erster Linie die Redaktionen gefragt.
@Wolfgang Michal: Was das Journalistische anbelangt: unbestritten. Redaktionen sind dann aber auch wieder “nur” Abteilungen eines Unternehmens, in dem – wie Sie oben ganz richtig schreiben – der “wirtschaftliche Erfolg” zählt. Von daher ist es natürlich die Aufgabe des (Top-)Managements sich Gedanken zu machen, was mit der Redaktion als Teil des Unternehmens in Zukunft geschehen soll — und entsprechend dieser Vorstellungen Wandlungsprozesse einzuleiten. Dabei vergisst man meinen Erfahrungen nach heute leider allzu häufig, dass Journalisten keine Fließbandarbeiter sind, die den Wandel “schon irgendwie” hinnehmen werden. Journalisten sind vielmehr besondere Arbeitnehmer mit eigenem (zumeist nicht betriebswirtschaftlichen) Selbstverständnis, ausgestattet mit vergleichsweise beträchtlichen Machtmitteln, Wandlungsprozesse aufzuhalten. Die von mir oben angesprochenen Beispiele zeugen davon. Damit umzugehen, das lernen Verlage nur langsam.
Hat irgend jemand schon mal bestritten, daß Springer & Burda in ihren neuen Geschäftsfeldern enorme Erfolge haben? Nein.
Die Kritik betrifft in der Regel ja a) fehlende journalistische Innovationen und b) regionale Tageszeitungsverlage. Dort gibt es leider nichts, was die Zukunftsfähigkeit der Branche langfristig sichern könnte. Ich betone noch einmal: nichts.
Natürlich, ein Verlagsunternehmen kann jetzt eine Wurstfabrik gründen und damit Erfolg haben. Das ist aber sicher nichts, was irgendwie diskussionswürdig wäre.
Danke für diese kurze knappe Übersicht. In meinen Augen ganz wichtig, um zu verstehen, wie professioneller Journalismus allmählich peripher wird, während die Rolle der Kapitalkraft zunimmt. Verlage, die damit gesegnet waren, konnten expandieren, also das eine oder andere Stückchen Internet hinzukaufen und so den Cash-Flow und die Ertragslage aufpolstern. Verlage, die sowieso nur noch im zerschlissenen Unterhemd herumliefen wie die Frankfurter Rundschau, sind baden gegangen.
Ich weiß nicht, woran den Gewohnheitskritikern der Verlage eigentlich gelegen ist. Wäre es nicht an der Zeit, dass Blogger und Journalisten koalieren, statt sich mit sinnlosen “Hättet-ihr-doch-bloß”-Vorwürfen zu überziehen?
(Disclaimer: Unter diesen Umständen wäre ich für ein LSR – https://plus.google.com/u/0/108779888428725998710/posts/ejAoYsJBDc8 )
“Natürlich, ein Verlagsunternehmen kann jetzt eine Wurstfabrik gründen und damit Erfolg haben. Das ist aber sicher nichts, was irgendwie diskussionswürdig wäre.”
Zustimmung von mir.
Die Verlage haben früh zu spüren bekommen, dass die digitale Technik ihr Kerngeschäft beeinträchtigt. Anstatt das eigene Kerngeschäft selbst anzugehen, werden neue Betätigungsfelder in (noch) schlafenden Analog-Branchen erschlossen. Geschaeftstuechtig. Das Kerngeschäft wird nur nicht verbessert.
Die neuen Geschaeftsfelder, die die Verlage auftun, benötigen Kapital:
Digitales Geschäftsfeld + Kapital = Nische
Hingegen:
Digitales Verlagswesen auch ohne Kapital = Verdrängungswettbewerb der klassischen Verlage
Die Geschäftspolitik der Verlage dient der Geschäftemacherei, nicht der Qualitätsverbesserung des Kerngeschäfts.
Schon recht – der ‘sprachliche Betrug’ besteht dann aber darin, sich weiterhin ‘Verlag’ zu nennen und den schöngeistigen Schwerathleten zu mimen, statt sich endlich als eher schmuddelige Partneragentur, als Tierfuttervertrieb oder als Info-Discounter zu outen …
Warum aber propagiert der so erfolgreiche Springer-Verlag dann so vehement ein Leistungsschutzrecht, wenn er das eh nicht nötig hat?
Es klingt in den anderen Kommentaren schon an. Dass viele Verlage geschäftliche Erfolge außerhalb ihres eigentlichen Kernmarktes erzielen, ist niemandem entgangen. Dass sie aber nach wie vor kein Konzept dafür gefunden haben, ihre Presseerzeugnisse online erfolgreich zu verlegen, dürfte ebenso klar sein.
Wenn man über das Leistungsschutzrecht spricht, dann geht es genau um diesen Punkt. Die fehlende Innovation im Hinblick auf Paid-Content-Modelle.
Das kann man dann auch nicht, wie Wolfgang Michal das macht, mit dem Argument kontern, die Verlage würden mittlerweile erfolgreiche Gemischtwarenläden betreiben. Das ist eine Diskussion über Äpfel und Birnen.
@Thomas Stadler: Früher war der Gemischtwarenladen in der Zeitung enthalten – als Anzeigenteil. Diese Einnahmequelle (die langsam wegbricht) wird nun sukzessive durch “pressefremde” Aktivitäten ersetzt. Der Stellenmarkt, der Heiratsmarkt, der Automarkt etc. – der früher in der Zeitung war, findet nun außerhalb der Zeitung in eigenen Firmen statt. Bis hierhin hat sich also im Grunde nichts verändert – die Presseverlage wissen sich zu helfen. Nun kommt das eigentliche Problem:
Im Idealfall waren Verlag/Anzeigen und Redaktion früher getrennt. Diese Grenzlinie hat sich aber (z.T. unter dem Druck der Krise) mehr und mehr vermischt. Man hat zunehmend Rücksichten auf die Anzeigenkunden genommen oder PR-Texte zu Pressetexten ‘veredelt’ (die SZ brachte neulich eine ganze Seite Werbung für Swinger-Clubs, getarnt als Artikel).
Die neue Qualität bei den sich wandelnden Presseverlagen ist nun, dass die Verlage außerhalb ihres Kerngeschäfts zunehmend Fremdfirmen betreiben, deren Interessen dem Verlag noch ein Stück näher liegen als die Interessen eines Anzeigenkunden (mit entsprechender ‘Einbindung’ der Redaktionen). Hier baut sich eine pressefremde Marktmacht unter dem Etikett Presse auf, die die Struktur der demokratischen Öffentlichkeit erheblich tangiert. Storz/Arlt haben ja das Flaggschiff Bildzeitung richtig analysiert. Bild ist eine Verkaufsplattform für alles mögliche, aber keine Zeitung. Ein PR-Organ. Redaktionen spielen in diesen “Presse”-Häusern eine immer geringere Rolle. Die Redakteure werden zunehmend zu Veranstaltern, Reisebegleitern, Moderatoren, Weinverkäufern etc. Man kann ja sogar schon ein Abendessen mit einem Redakteur gewinnen.
Richtig und auf der Höhe der Zeit ist dann die Frage von @Klaus: Kann man überhaupt noch von Presseverlagen sprechen?
Lieber Herr Michael,
drei Ergänzungen: Zum einen scheinen Sie mir das – im Sinne Ihrer Argumentation – gewichtigste Beispiel vergessen zu haben: Die Bertelsmann-Tocher Arvato hat mit über 68.000 Mitarbeitern weltweit bereits SAP überholt und im letzten Jahr über 5 Milliarden Euro umgesetzt. Davon abgesehen übernimmmt sie inzwischen große Teile unserer öffentlichen (kommunalen) IT ist in praktisch jedem Bereich tätig, in dem etwas programmiert wird.
Zum anderen eine Frage: In der Überschrift reden Sie von Innovation. Ihre Argumentation stützt sich aber auf wirtschaftlichen Erfolg.
Und zu guter Letzt: Wenn die Verlage wirtschaftlich gut zu recht kommen im Digitalen, welchen Gewinn bringt dann das Leistungsschutzrecht?
Und eine letzte, persönliche Anmerkung: Die größte Innovation scheint mir im Netz immer gerade an jenen Stellen passiert zu sein, an denen eben keine wirtschaftlichen Interessen vorhanden sind. Sir Tim hat das Netz nicht zum Geldverdienen erfunden, es hilft immer, immer, immer, sich anzusehen, was die Intentionen waren, damals 1990, als das WWW erfunden wurde. Das ist das Netz.
@ben_: Ja, Arvato ist ein gutes Beispiel.
Zur Innovation: Ja, ich rede von der wirtschaftlichen Anpassungsfähigkeit der Presseverlage, denn die Behauptung im Netz ist ja immer, die hätten kein “Geschäftsmodell”. Haben sie sehr wohl. In diesem Sinne ist Innovation hier gemeint. (Journalistische Innovation erwarte ich vor allem von Journalisten).
Leistungsschutzrecht: Die Presseverlage vertreten einfach ihre Interessen, und zwar an allen Fronten. Das LSR ist nur eine Maßnahme von vielen. Kommt das LSR durch, ist das gut für die Verlage, kommt es nicht durch, werden sie es an anderer Stelle probieren. Für mich ist das schlicht Interessenvertretung ohne Berücksichtigung gesellschaftlicher/öffentlicher Erfordernisse. Insofern deutet auch das LSR darauf hin, dass sich diese Presseverlage nur noch pro forma “Presse”-Verlage nennen.
Sir Tim: Da haben Sie schon recht. Aber Dinge verändern sich. Porsche verwandelte sich vom Autobauer zum Finanzdienstleister, Mannesmann vom Röhrenhersteller zum IT-Konzern. Und Presseverlage machen jetzt etwas Ähnliches durch. Mein Plädoyer hier ist: Lasst uns die Realitäten erkennen.
@Wolfgang Michael: Dann sind zumindest wir beide uns ja schon mal einig. Fehlt nur noch der Rest der Republik. :]
Danke für diesen Artikel. Ich bin mir immer nicht sicher, ob die (nicht) genannten Blogger, die jeden Tag das Gegenteil von den Dächern rufen, wirklich glauben, dass die Verlage vom Digitalgeschäft keinerlei Ahnung / kein Interesse daran haben, oder ob sie es nur behaupten, weil es der eigenen Sache dient, vermute aber das Letztere.
Die in den Kommentaren geäußerte Kritik kann ich ebenfalls nicht wirklich nachvollziehen: Was ist denn bitte “journalistische Innovation” im Netz? Leserreporter, i.e. Crowdsourcing (gibt es, sind eine schreckliche Sache)? Twitternde Journalisten und Zeitungen (gibt es in Massen)? Apps für Smartphones und Tablets (gibt es ebenfalls, auch wenn viele davon unglaublich schlecht sind)? Crowdfunding und Micropayment (existiert, funktioniert aber nicht, weil zuwenige Leute bereit sind, für journalistische Inhalte zu bezahlen)? Bunte Social Media-Buttons (hat so gut wie jede große Nachrichtenseite)? Über die Verteilung der Texte im Netz, über (Quer-)Finanzierungsmodelle und das LSR kann man streiten, natürlich. Aber den Verlage permanent vorzuwerfen, sie wären Dinosaurier, würden nichts Neues ausprobieren und stünden deswegen kurz vor dem Tod, ist völlig absurder Unsinn.
Es ist jedenfalls bemerkenswert (und gleichzeitig auch traurig, weil Sie [wieder mal] der Einzige sind), dass mal jemand die Verhältnisse zurechtrückt.
Ein guter, notwendiger Artikel, wie ich finde.
Wenn wir aber “die Realitäten erkennen”, sollten wir uns auch bald den Konsequenzen widmen. Ich sehe durch die von Wolfgang Michal aufgeführten Beispiele den gesellschaftlichen Auftrag des Journalismus in Gefahr. Selbst in Qualitätsblättern wie der ZEIT werden Bildungs-DVDs angepriesen, in denen (ehemalige) Kirchenfunktionäre das Thema Ethik erklären dürfen, bei der SZ baut man genau so gerne Klickstrecken wie bei der Welt, gehaltvollerere Artikel schaffen es wenn überhaupt nur mit Verspätung auf die Website vom Spiegel und wirklich gehaltvolle Beiträge finde ich persönlich immer mehr in Nischenpublikationen wie zum Beispiel den “Blättern”.
Für mich stellt sich daher die Frage, ob verantwortungsvoller Journalismus (Stichwort politische Bildung) überhaupt nach betriebswirtschafltichen Kriterien funktionieren kann. Und was es für die Gesellschaft bedeutet, wenn Verlage sich diesem Auftrag aus betriebswirtschaftlichen Gründen entziehen.
Der Aufruf, endlich die Realitäten anzuerkennen, ist völlig richtig. Aber er sollte nicht nur an Blogger und Netzaktivisten gehen.
@ Thomas Weiss: Diese Verlage 2.0 werden ‘journalistenrein’ übergeben … den ‘gesellschaftlichen Auftrag’ gilt es dann, anderswo zu organisieren.
;-)
während die Münchner SZ aufgrund ihrer Eigentümerstruktur und ihres süddeutschen Phlegmas noch etwas zögert
Es gibt doch Süddeutscher Verlag Veranstaltungen GmbH mit teuren Seminaren für Kunden aus der Wirtschaft.
[...] zu einer Replik auf einen Artikel, der gestern beim Online-Magazin Carta erschien. “Der bequeme Mythos von den angeblich innovationsunfähigen Verlagen” ist er überschrieben worden vom geschätzten Wolfgang Michal (Disclosure: Wir gehörten [...]
Ich hab mal wieder nach “Tchiboisierung” gegoogelt.
Das Deutschlandradio weist darauf hin, dass die SZ als erstes ihre eigene Buchreihe hatte und behauptet gar, der Geschäftsführer der Süddeutschen hätte den Begriff “Tchiboisierung” erfunden:
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturheute/577311/
Und das Titel-Kulturmagazin:
Andererseits ist die SZ wie kein anderes deutsches Printmedium von Rang und wie kein zweites aggressiv, spektakulär und großflächig in den Verkauf von Literatur, Musik-CDs, Film-DVDs & mit einer Hörbuch-Reihe – jeweils als “SZ-Editionen” – eingestiegen, so dass man als ihr Leser fast jeden Tag sowohl auf der Ersten Seite wie auch am Platz der Leitglosse des Feuilletons und regelmäßig mit mindestens einer ganzseitigen Selbstanzeige in ihrem Wochenendsupplement geradezu kampagnenmäßig mit Anzeigen für diese SZ-Editionen “bombardiert” wird. Der Verlag hat jedoch mit diesem permanenten Marketing hauseigener Waren den Weg aus der Verlust- in die Gewinnzone angetreten.
“Ein paar Überlegungen zum wirtschaftlichen Umbau der Kultur in seriösen Printmedien”
http://www.titel-magazin.de/artikel/183/3481.html
Die ganzseitigen Anzeigen in der Süddeutschen sind nicht zu übersehen, so gesehen kann es mit der Fehlwahrnehmung nicht so weit her sein. Und auf Zeit.de muss man halt bisschen runter scrollen, bis man bei den einschlägigen Angeboten landet.
Ich hab da mal eine Replik geschrieben, die zu lang für einen Kommentar hier geworden ist: http://www.indiskretionehrensache.de/2012/06/verlage-innovation/
Lieber Thomas,
ich habe eben deinen Blogbeitrag gelesen. Du zählst darin all die Verlagsaktivitäten auf, die ich oben auch aufgezählt habe. Du erwähnst dann die Problematik, die ich auch erwähnt habe. Soweit sind wir d’accord.
Die neuen Aktivitäten der Verlage beurteilst du vielleicht eine Spur skeptischer. Und es mag auch stimmen, dass sich die Vortragenden auf den Rekordpressekonferenzen mit ihren Zahlen ein wenig in die Tasche lügen (Klappern gehört zum Geschäft). Aber tendenziell ist der radikale Umbau der großen Verlage wohl unstrittig. Über diesen Umbau und seine Folgen müsste endlich geredet werden anstatt den Umbau zu negieren oder unter dem Satz zu vergraben, die Verlage wollten nur ihr altes verstaubtes Geschäftsmodell verteidigen. Sie verteidigen es eben nicht (!!!), sie bauen gerade ein neues (und das muss nicht, da sind wir uns vermutlich wieder einig, mit Journalismus zu tun haben).
Darum geht es. Mit diesem radikalen Wandel müssen wir uns befassen.
Also lass(t) bitte in Zukunft diese “Geht sterben!”-Floskel sein. Sie führt zu einer Verschleierung der Tatsachen.
Mit Grüßen nach drüben
Wolfgang
(Diversifikation:
http://de.wikipedia.org/wiki/Diversifikation_(Wirtschaft)
http://derstandard.at/1317018700614/Medientage-Ohne-Diversifikation-sind-Verlage-nicht-lebensfaehig )
@Wolfgang: Wir sind uns im Prinzip ja einig. Ich negiere ja nicht den Umbau – nur hat das eben nichts mehr mit Verlagen zu tun. Zumindest ich beziehe Innovationskraft von Verlagen ja immer auf das Geschäft mit Verlagsinhalten. Und hier fehlt es aus meiner Sicht eindeutig an Innovationen. Wenn nebenher neue Geschäftsfelder aufgebaut werden ist das gut und richtig – nur bedeutet das derzeit: Wir haben bald keine Verlage mehr.
@Irene: Im Vergleich zu Springer sind die Aktivitäten bei der SZ nur peanuts.
Mag sein, aber mehr als Events in den erwähnten Volksbildungsheimen bringen sie auf jeden Fall ;-)
Das eine oder andere relativ aktuelle Beispiel einer erfolgreichen verlegerischen (und redaktionellen!) Innovation gibt’s ja schon noch – trotz Internet:
http://de.wikipedia.org/wiki/Landlust
Vielleicht ist das eines der Rezepte: Nischen suchen und kompetent/glaubwürdig besetzen, statt nur nach dem “me too”-Prinzip auf dem herumzureiten, was alle anderen bereits machen – in der einen oder anderen Spielart.
Die Verbreitungswege einer solchen Publikation spielen da nur eine sekundäre Rolle. Nicht immer muss dafür auch eine Druckmaschine rotieren.
“die Verlage wollten nur ihr altes verstaubtes Geschäftsmodell verteidigen. Sie verteidigen es eben nicht (!!!), sie bauen gerade ein neues (und das muss nicht, da sind wir uns vermutlich wieder einig, mit Journalismus zu tun haben).”
Doch, sie verteidigen es eben WOHL. Daher die Forderung nach Leistungsschutzrecht etc. Sie haben nur erkannt, dass die Wahrscheinlichkeit, ihren Willen zu bekommen, deutlich kleiner als 100% ist. Wenn sie den aber nicht bekommen, wollen Aktionäre und Eigner trotzdem gerne Geld sehen. Dafür schafft man sich andere Standbeine. Dann kann man ggf. sogar wie weiland Mannesmann in einer anderen Branche das ursprüngliche Kerngeschäft einstampfen. All das hat mit dem Geschäftsmodell der Verlage an sich aber rein gar nichts zu tun. Noch weniger ist es innovativ, und es gehört schon einiges dazu, das Aufkaufen von Unternehmen als Innovationsleistung verkaufen zu wollen.
@Raventhird
Ja, twitternde Journalisten gibt es zu Hauf. Und? Was hat das mit “neues ausprobieren” zu tun? Twitter hatte schon vor drei Jahren rund 2 Millionen Nettonutzer in Deutschland. Wenn Hinz und Kunz twittert, dann ist es “etwas Neues ausprobieren” wenn es Journalisten auch tun?
Ja, es gibt ein paar Verlage, die sehr erfolgreich qualitativ passablen Online-Journalismus betreiben. Sinnigerweise ist der Verantwortliche eines dieser Angebote aber keineswegs in Übereinstimmung mit den laut Zeter und Mordio schreienden anderen Verlagen. Und das wurde hier auf Carta ausgiebig diskutiert:
http://carta.info/38586/wolfgang-blau-die-sieben-branchenmythen-zum-zustand-des-journalismus/
Ausnahmen bestätigen eben die Regel.
@OliverH: Derzeit findet ein tiefgreifender Umbau der Öffentlichkeit statt. Journalismus ist in den großen Verlagen nur noch ein (bezuschusstes) Nebengeschäft. Und es ist – zumindest betriebswirtschaftlich – nachvollziehbar, dass die ‘Presse’verlage ihren Wandel zu “Inhalteanbietern” so ‘sanft’ wie möglich gestalten und dabei sogar noch wachsen wollen bzw. müssen. Das LSR gehört in dieses Übergangsszenario. Der ganze Grundgedanke des LSR geht nicht mehr von dem Motiv aus, für Öffentlichkeit zu sorgen, sondern Geld für Waren (Inhalte) zu bekommen.
Andere Konzerne verändern sich aber ebenfalls in Richtung “Inhalteanbieter”. Von Apple über Google und Facebook bis zur Telekom. Unter den angebotenen “Inhalten” kann selbstverständlich auch etwas Journalismus sein.
Über diesen Wandel habe ich schon vor längerer Zeit geschrieben:
http://carta.info/20450/google-und-die-telekom-sind-das-die-neuen-verleger/
http://carta.info/16563/wenn-die-grossen-verlage-ueberleben-wollen/
Man könnte also auch sagen: Alles fließt.
Die Kritiker meines Beitrags identifizieren die Innovation dieser großen Häuser (die wir uns angewöhnt haben Presseverlage zu nennen) zu sehr mit Journalismus. Innovation gibt es aber auch ohne Journalismus. Also, Brecht hätte gesagt: Glotzt nicht so romantisch!
Lieber Wolfgang,was ich nicht verstehe: Warum sollen wir es den Verlagen durchgehen lassen, dass Sie sich nicht mehr oder nur noch am Rande um Journalismus kümmern. Es ist ein Geschäft, das steuerlich und teilweise auch rechtlich privilegiert ist, weil man unabhängige Informationen mal für demokratierelevant gehalten hat. Und da kann man sich nicht so einfach in den Gemischtwarenladen verabschieden und gleich mit dem LSR noch neue Privilegien zu fordern.
Natürlich sterben Springer und Gruner nicht. Aber womöglich sind sie am Ende keine Verlage mehr, da hast Du schon recht. Aber genauso, wie es dem Stahlbauer nicht hilft, wenn man sagt, “tja Mannesmann macht jetzt in Mobilfunk”, hilft es dem Journalisten, wenn man sagt, “Verlage sind schon innovativ, aber halt nicht mehr im Journalismus.” Die Frage, die ungelöst ist und dennoch die einzig relevante ist: Wer ermöglicht künftig innovativen und professionellen Journalismus? Sollte das Apple, die Telekom oder auch Pustefix sein, ist mir das Schicksal der Verlage herzlich egal.
[...] Wolfgang Michal als Kommentar zu seinem sehr lesenswerten Stück Der bequeme Mythos von den angeblich innovationsunfähigen [...]
@Benno Stieber: Provokante Antwort auf Ihre letzte Frage: Vielleicht werden das künftig nur noch Crowdfunding- oder eigenfinanzierte Angebote (Blogs) schaffen, weil die “Dickschiffe” zu viel Rücksicht auf “pressure groups” und ihre zahlreichen Geschäftspartner nehmen müssen und deshalb nicht mal mehr theoretisch unabhängigen Journalismus liefern können …
Vor allem bei Produkttests (Autos, Computer etc.) ist das meines Erachtens heute schon so. Viele “etablierte” Fachzeitschriften haben hier bereits sehr viel Glaubwürdigkeit eingebüßt.
[...] http://carta.info/45257/der-bequeme-mythos-von-den-angeblich-innovationsunfahigen-verlagen/ [...]
@Benno: Du schreibst: “Warum sollen wir es den Verlagen durchgehen lassen, dass Sie sich nicht mehr oder nur noch am Rande um Journalismus kümmern.”
Wer ist denn das “wir” in diesem Satz? Und woher nimmst du den Mut zu der Formulierung “nicht durchgehen lassen”. Es handelt sich um private Betriebe, die meines Wissens nicht in der Hand von Journalisten sind (50 Prozent am Spiegel mal ausgenommen).
Die Verlage haben gelernt – und ich betone hier das Wort GELERNT (gelernt von Facebook und Google) – dass Journalismus absolut nicht notwendig ist, um mit Anzeigen Geld zu verdienen. Die alten Anzeigengeschäfte werden heute sukzessive durch Verkaufs- und Vermittlungsplattformen ersetzt, die ebenfalls mit Anzeigen, aber sehr gut ohne Journalismus funktionieren.
Es gibt in den Vorstandsetagen dieser großen Presseverlage – von wenigen Ausnahmen abgesehen – auch keine Presseverleger mehr. Das muss aber niemanden entmutigen.
An dieser Stelle möchte ich auf zwei Aspekte in Ihrem Artikel eingehen:
Das Digitale Wachstum und seine Erträge bei Springer und Burda ist in der Regel zugekauft und nicht selbst entwickelt. Das spricht weder für die Innovationskraft noch für das Changemanagement der Verlage, wohl aber für die Ertragskraft der etablierten Geschäftsmodelle, aus denen heraus dieses Wachstum finanziert wurde. Bemerkenswert scheint mir in diesem Zusammenhang auch, dass es dem Medienhäusern bisher meist nicht gelungen ist die zugekauften Geschäfte überzeugend zu integrieren. Viel mehr werden die allermeisten über Holdingstrukturen separat geführt.
Habe gerade mal zu Thomas Knüwer rübergeschaut – und fand dort genau die Assoziation, die mir vorher durch den Kopf geschossen war: Nokia. Von der Gummifabrik ist nichts mehr übrig. Der Name bleibt, er steht nur für etwas völlig anderes.
Das ist nämlich das Entscheidende: Unternehmer treten an die Stelle von Verlegern. Unternehmer, die das in den Tagen, als Verleger noch Gelddrucklizenzen hatten, verdiente Kapital in _irgendwas_ investieren, das Rendite verspricht.
Die Erben der Altverleger verdanken ihren Reichtum den Privilegien, die ihre Opas einst gewährt bekamen, damit es eine (gerade auch wirtschaftlich) unabhängige Presse gibt. Daraus ergibt sich eine Verpflichtung. Wenn man die Entwicklung zu Ende denkt, kommt man nämlich irgendwann zu Verhältnissen wie in Frankreich, wo sich ein Waffenproduzent eine Zeitung kaufen kann. Oder wie in Italien zu Berlusconis Zeiten.
Einige Verlage mögen innovativ sein. Nach den beschriebenen Innovationen (?) sind sie dann jedoch keine Verlage und auch keine Medienhäuser mehr, sondern Unternehmen wie alle anderen auch. Die sog. innovativen Verleger sind also dabei, Verlage weitgehend abzuschaffen, Verlage höchstens noch als Anhängsel mitzuschleppen.
@Wolfgang Michal
“Die Kritiker meines Beitrags identifizieren die Innovation dieser großen Häuser (die wir uns angewöhnt haben Presseverlage zu nennen) zu sehr mit Journalismus. Innovation gibt es aber auch ohne Journalismus. Also, Brecht hätte gesagt: Glotzt nicht so romantisch!”
Nochmal: Die Behauptung, hier läge Innovation vor, ist abwegig. Hier wurde in der Regel zugekauft, nicht erfunden. Zweitens ist die Schaffung einer Holding zu der dann neben dem Verlag noch andere Unternehmen gehören keine Veränderung des Verlages an sich sondern eine des Gesamtunternehmens.
Die Beispiele Mannesmann und Nokia wurden schon mehrfach genannt. Hier wurde nicht etwas innovativ das Geschäftsmodell den neuen Zeiten angepasst, sondern das bestehende Geschäftsmodell komplett in die Tonne getreten und durch etwas neues ersetzt. Dem Unternehmen erlaubt das zu überleben – aber eben als etwas komplett neues.
Innovation gibt es sicher auch ohne Journalismus. Der Punkt ist, dass es hier noch nicht einmal um Innovation im Verlagswesen geht. Die gibt es durchaus, aber die Verlage haben sie sich durch die Lappen gehen lassen und sind nun im Hintertreffen. Und weil sie eben in ihrem Kerngeschäft nicht mehr up to date sind, legen sie sich ganz andere Geschäftszweige zu, in der Hoffnung, dort noch einen Blumentop gewinnen zu können. Das Problem dabei ist, dass das Verlagswesen damit immer mehr an Bedeutung im Unternehmen verlieren wird – und dann die Aktionäre irgendwann fragen werden, was man denn eigentlich damit will?
Nur: Wollen wir wirklich, dass Burda und Co eines Tages den Weg von Nokia und Mannesmann gehen? Die verlegerische Bankrotterklärung mit unternehmerischen Glanzleistungen übertünchen zu wollen mag mutig sein. Innovativ ist es mit Sicherheit nicht.
Das ist gerade das Absurde in dieser ganzen Urheberrechtsdiskussion: Verlage, ob jetzt im Print- oder Musikbereich sind klassischerweise Marketings- und Vertriebsorganisationen. Und gerade an dieser Schnittstelle von Marketing und Vertrieb versagen sie – weil sie im Vertrieb nicht innovativ sind, sondern sich gegen Neuerungen vielfach gewehrt haben (siehe digitaler Musikvertrieb) und weil sie den Marketing-Bereich einseitig auf das Produkt und seine Bewerbung, nicht aber eben auf das Vertriebsmarketing ausgerichtet haben. Sie haben zwar noch Produkte, aber so, wie sie vertrieben werden, will der Kunde sie immer weniger. Aber mit Print-on-demand-Vertrieb von Zeitungen haben Firmen wie Valora Retail u.a. Innovation gezeigt. Da hätten die Verlage auch selbst drauf kommen können. Anstatt jetzt munter alles Mögliche mit “Internet” zu machen, Hauptsache, man findet Unterstützer wie Sie, Herr Michal, die dann applaudieren, die Verlage hätten das digitale Zeitalter längst begriffen, hätte man sich das Internet tatsächlich für das eigene Geschäft nutzbar machen können – weit jenseits von Webseiten und der Frage “kostenlos oder nicht”.
Der klassische Nachteil der Zeitung in der Moderne ist, dass Radio, Fernsehen und Internet stets aktueller sind als die Zeitung vom Morgen. Mit einer stets auf dem neuesten Stand befindlichen Print-on-demand-Version wäre das kein Problem. Und der Bahnfahrer, der über die schlechte Anbindung ans mobile Internet im Zug flucht tröstet sich mit der Zeitung, deren neueste Meldung zwei Minuten bevor er sie im Bahnhofshandel aus dem Drucker gezogen hat, aufgenommen wurde. Wo früher Zeitungsjungen “Extrablatt, Extrablatt” gerufen haben (kommt heute praktisch nicht mehr vor, um Himmels willen, das wäre ja teuer) würde schlichtweg die komplette Zeitung geändert. Und was wäre “Niemals ausverkauft” für ein Slogan.
DAS wäre eine Innovation im Presseverlagswesen. Ob sie sich tragen würde habe ich keine Ahnung. Sie würde aber auch erlauben, die Trennung zwischen Online- und Printredaktion aufzuheben, weil das Printprodukt genauso schnell angepasst würde, wie die Webversion.
@Oliver: Ich verstehe ja, was Sie sagen wollen. Aber Sie unterschätzen die Unternehmen in ihrem Überlebenswillen. Im Übrigen sind die Online-Aktivitäten beileibe nicht alles Zukäufe und auch nicht immer Journalismus-fern.
Aber nun zu dem, was Sie unter verlegerischer Innovation verstehen: Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie der Bahnkunde kurz vor Abfahrt herumflucht und gegen das Terminal tritt, weil das Geld zwar schon drin ist, die Zeitung aber noch 10 Minuten zum Ausdrucken braucht. Nein, Internet ausdrucken ist keine Innovation, das ist Rückschritt.
Innovation ohne Journalismus: http://meedia.de/nc/print/verleger-startet-zeitschrift-ohne-journalisten/2012/06/29.html
@Wolfgang Michal
Wenn man Kinderkrankheiten eines Systems als “Rückschritt” bezeichnet, dann ist man in einer Diskussion um Innovation fehl am Platz. Die Innovation, die von Tag 1 an reibungslos funktioniert wäre mir neu. Im Übrigen könnte der Kunde bei derartigen Systemen theoretisch sogar entscheiden, welche Seiten ihm besonders wichtig sind und nur diese ausdrucken lassen. Wobei das natürlich Fragen bezüglich Anzeigen etc. aufwirft.
Der Benz-Patent-Motorwagen war auch kein Lamborghini Diablo. Im Übrigen gibt es durchaus Digitaldruckgeräte, die bis zu 100 Seiten/Minute drucken und dann noch falzen und heften können. Alles eine Frage des Preises und des Platzes.
Das Problem mit dem Geld lässt sich auch einfach regeln: Verkauf im regulären Zeitungshandel am Bahnhof – bezahlt wird wenn die Zeitung fertig ist.
Ich finde den Artikel reichlich “gähn”. Niemand hat behauptet, daß die Verlage nicht rechnen können oder keine Geschäftsideen haben.
Letztendlich machen Sie nur das, was in der Industrie bereits reihenweise Unternehmen in die roten Zahlen getrieben hat.
Sie vernachlässigen und ignorieren ihr Kerngeschäft. Wie das, es werden doch Texte veröffentlicht, werden Sie fragen.
Ganz einfach, in der Nachkriegszeit gab es Bäcker, die haben Riesenbrote für teueres Geld verkauft. Diese Brote waren außen knusprig und innen mit Sägespänen gefüllt.
Klar, das die Kunden danach zu anderen Bäckern gingen.
Genau das passiert hier und ist beileibe kein Mythos. Die flinken Optimierungsberater und Manager denken sich Modelle aus, in denen Texte wenig oder nichts kosten. Das optimiert den Gewinn, denken sie.
Falsch gedacht. Denn erstens kann nicht jeder schreiben und zweitens gehört auch noch ein “bißchen” Recherche zu einer spannenden Geschichte.
In guter Qualität kostet das Geld. Arbeit will bezahlt werden.
Na gut, dann kauft man es eben bei den Agenturen, das kommt billiger.
Nur haben dann eben alle das gleiche. Und das will keiner mehr lesen.
Es geht eben nicht darum, wie fantasievoll das Brot an der Oberfläche wirkt, sondern ob Sägespäne darin sind oder wertvolle Nährstoffe.
@Hanna: +1 zu fast jeder Ihrer Schlussfolgerungen (die meines Erachtens allerdings kein Widerspruch zu denen von Wolfgang Michal sind) – bis auf eine Kleinigkeit: Mir scheint, das Anspruchsniveau der Konsumenten wurde im Lauf der Zeit ebenfalls nach unten “optimiert”. Auch anspruchslose, unrecherchierte (und teils sachlich falsche) Massenware wird gelesen und generiert jede Menge “page impressions” – deutlich mehr als so mancher fundierte CARTA-Beitrag ;-)
Veranstaltungsredakteur wird bald eine Berufsbezeichnung sein:
http://www.faz-forum.com/Pressmitteilung_FAF_Juli_2012.pdf
[...] der klassischen Presseverlage in weitgehend presseferne Internet-Plattformen (Dienstleister) beschrieben. Heute möchte ich das Ganze einmal umdrehen und die stille Verwandlung der klassischen [...]
[...] der klassischen Presseverlage in weitgehend presseferne Internet-Plattformen (Dienstleister) beschrieben. Das Echo war überwältigend. Heute möchte ich das Ganze einmal umdrehen und die stille [...]
[...] Gemischtwarenläden, Event-Dienstleistern und Volksbildungsheimen“ (Wolfgang Michal, Carta, 24.6.2012). Über die publizistischen Auswirkungen dieses Megatrends gibt es jedoch keine [...]
[...] Verleger sind bei alldem die Gewinner: Sie haben ihre Aktivitäten zeitig vom Journalismus weg verlagert und erfolgreich neue Geschäftsfelder aufgemacht, nun können sie sich bequem [...]
[...] aus dem letzten Jahrhundert stammt. Mit der Wirklichkeit hat dieses Zerrbild wenig zu tun. Aus: Carta d. Wie aus Internet-Plattformen Verlage werden Die Reinform des Verlags ist ebenso passé wie die [...]
[...] geht bzw. um den Strukturwandel der Öffentlichkeit. Der ist – wie ich hier und hier schon beschrieben habe – ökonomisch zwar längst in vollem Gange, aber einem Teil der [...]