Netzlese
Robin Meyer-Lucht | 25 Kommentar(e)
Das Gezerre um die “Digitale Gesellschaft” ist auch ein Lehrstück darüber, das die politisch naiven Vertretungsphantasien einiger so langsam an ihre Wachstumsgrenzen stoßen.
18.04.2011 |
Gestern wurde über das Twitter-Account der neu gegründeteten “Digitalen Gesellschaft” unter anderem auch folgender Tweet abgesetzt (via):
Mittlerweile wurde der Tweet gelöscht – mit dem Hinweis, einem nicht näher bezeichneten “jemand” sei die “Hutschnur” geplatzt. Diese heftige Kommunikationspanne wurde offenbar von einem gestern veröffentlichten offenen Brief von Jörg Tauss an Markus Beckedahl ausgelöst. Darin fordert Tauss Beckedahl auf, das Projekt ‘Digitale Gesellschaft’
“zunächst auf Eis zu legen, die von Dir bislang leider gescheute Öffentlichkeit herzustellen und einen Dialog über die tatsächlichen Notwendigkeiten herbeizuführen.”
Inzwischen hat die “Digitale Gegesellschaft” auf die zahlreich vorgetragene Kritik mit einem FAQ geantwortet. Dort heißt es unter anderem:
“Digitale Gesellschaft” will den Alleinvertretungsanspruch haben, für alle zu reden. Das will “Digitale Gesellschaft e.V.” nicht – auch wenn wir natürlich anstreben, die Meinung einer breiten Mehrheit wiederzugeben. Wir sehen die DG als einen Mosaikstein in der Bewegung für digitale Bürgerrechte.
Damit aber bleibt – aus meiner Sicht – das anmaßende, abträgliche und politisch naive Öffentlichkeits- und Vertretungskonstrukt der Digitalen Gesellschaft bestehen – Motto: ‘Wir’ sprechen für die Mehrheit und damit für das Allgemeinwohl. Die anderen sind die Industrielobbyisten und vertreten Partikularinteressen.
Populismus wäre noch das Geringste, was man so einer Position vorhalten könnte. Sie ist auf fatale Weise blind dafür, dass es im politischen Prozess nicht darum geht, allein die Nutzerinteressen zu maximieren. Es geht darum das Allgemeininteresse zu maximieren. Im Allgemeininteresse sind zielgenaue und effiziente Regelsysteme, die gesellschaftliche Gesamtwohlfahrt steigern, gesellschaftliche Ziele erreichen und dabei für einen Interessenausgleich sorgen. Die Interessen der Nutzer sind dabei ein wichtiger Faktor aber nicht der alleinige.
An derartiger Komplexität von gesellschaftlichen Regelungssystemen aber scheint die “Digitale Gesellschaft” kaum interessiert. Sie macht lieber die Interessen anderer lächerlich (“Wirtschaftslobbyisten”) und inszeniert sich als Sprachrohr. Das ARD-Nachtmagazin geht dem fatalerweise auch noch auf den Leim.
Für mich ist das Gezerre um die “Digitale Gesellschaft” daher vor allem ein Lehrstück darüber, das die politisch naiven Vertretungsphantasien einiger so langsam an ihre Wachstumsgrenzen stoßen.



Das mit der Urheberschaft des tweets ist inzwischen geklärt:
http://www.falk-lueke.de/index.php/2011/04/17/digitale-gesellschaft/
Die FAQ geben nicht in allen Punkten wirklich Antworten. Enttäuschend daher, dass zu den FAQ die Kommentare nicht geöffnet wurden. Das wäre eine Chance gewesen, mit den Kritikern in Dialog zu treten.
Mich stört ein wenig die Feindesbildschaffung bzw. die Titulierung derselben als “Gegner”. Ich finde das Verhalten einiger Lobbyisten (siehe Urheberrechtsdebatten, Verlage u.a.) in den letzten Jahren auch sehr schwierig. Das Dumme ist aber, dass Politik, und darum scheint es DG ja zu gehen, zunächst zwar auch bedeuten mag, die eigenen Interessen massiv zu vertreten – am Ende aber Konsensfindung bedeuten muss.
Das, wie das momentan läuft, ist mir zu einfach gestrickt,. Es reduziert sämtliche gesellschaftlichen und politischen Vorgänge, die du ansprichst, auf ein simples schwarz-weiß-gut-böse-Prinzip, nach genau den selben Methoden, die DG selbst bei seinen “Gegnern” beklagt.
Warum genau ist eine Interessenvertretung populistisch, wenn sie Interessen vertritt?
Oder hast du als E-Plus Lobbyist nur “die gesellschaftliche Gesamtwohlfahrt” im Sinn?
Nicht dein Ernst.
Für mich ist das alles nur ein weiterer Fall aus der endlosen Geschichte deutscher ‘Vereinsmeierei’: Zwei Vorsitzende, ein Kassierer, vier Beisitzer – schon ist jeder was geworden.
Wo ist das Problem? Politik heißt Interessen zu bündeln, dazu müssen sie erst einmal vertreten werden. Das Allgemeininterese wird nicht von Vereinen formuliert, sondern ist Resultante ihres Kampfes aka politischer Prozess.
Man kann der Digitalen Gesellschaft nicht vorwerfen, dass sie ihre Interessen nicht offenlegt…
Na ja, mal langsam: Die Kommunikationspannen bei #digiges sind auch nicht viel heftiger als die, die Carta neulich hatte (Oppong, Schwenk), als die Herausgeber einen neuen Kurs ankündigten. (Was ist eigentlich daraus geworden?)
Und dass der Autor so empfindlich auf das (warum eigentlich beleidigende?) Wörtchen Wirtschaftlobbyismus reagiert, ist eine Steilvorlage für Kommentare wie 3.
Von der Herausgeberschaft eines grimmepreisgekrönten Blogs erwarte ich jedenfalls eine differenziertere Kritik als einfach einen schlecht getarnten Auszug aus einem Fachbuch für politische Kommunikation (“Allgemeininteresse maximieren”) zu rekapitulieren.
Ich sehe auch einiges kritisch bei #digiges, aber – sorry Robin – das ist Polemik mit beleidigtem Unterton.
“politisch naiv” trifft es m.E. ganz gut
Differenziertes Analysieren einer Person oder Organisation scheint zunehmend aus der Mode zu kommen. Entweder man ist für etwas oder dagegen. Trotz der anfänglichen Fehler sollten wir der “digiges” noch ein paar Chancen einräumen. Dazu gehört auch die Fähigkeit zur Selbstkritik.
[...] und jenes [...]
[...] Meyer-Lucht meint dann, so ein bisschen kann man noch weiter auf der Bashing-Welle gegen die Digitale Gesellschaft [...]
einmal mehr nehme ich (kuhschweizer) die deutschen als ein volk von kleinkarierten meckerern und wutbürgern war. da macht mal jemand was konkretes und alle schreien scheisse. dabei ist dieser jemand nicht ein irgendwer, sondern einer, der sich in den letzten jahren auf diesem gebiet sehr kompetent und glaubwürdig engagiert hat (wie nur wenige andere).
dieses missmutige gedöns ist nicht besser als dasjenige derer, die fröhlich strom brauchen und dann jeden strommast in ihrer nähe bis aufs letzte bekämpfen. unglaublich. meine meinung: wer einer figur wie beckedahl nicht ein quentchen ideologischen kredit gibt, hat seine berechtigung auf eine grosse klappe verwirkt. so wird das nix. das ist billig, kleinkrämerisch und totally 1.0. hört auf mit dem kindergarten, oder macht selber was besseres.
Endlich hat Meyer-Lucht mal ein Thema gefunden, um auf Beckendahl reinschlagen zu können, der immer das bessere politische Blog hatte, was auch mehr wahrgenommen wurde und relevanter ist. Klingt wie Kindergarten.
Endlich zeigt der E-Plus-Lobbyist Robin Meyer-Lucht auf welcher Seite er steht. Das ist doch auch mal gut zu wissen.
Erstaunliche Vorgänge, ja ganz erstaunlich jemanden, der wegen 184 b StGB verurteilt wurde, als Aufhänger für ein Posting zu nehmen.
[...] Erstaunliche Vorgänge um die “Digitale Gesellschaft” — CARTA [...]
Die Unsachlichkeit des Artikels und insbesondere der meisten anonymen Kommentare langweilt mich nur noch.
[...] der heftigen Kritik in diversen Netz-Foren (etwa hier) halte ich Digitale Gesellschaft für eine Bereicherung des zivilgesellschaftlichen Engagements. [...]
Bei der Berliner Gazette wurde gerade eine Analyse und ein paar Zukunftsperspektiven zu den Verein “Digitale Gesellschaft” von der Medienwissenschaftlerin Christiane Schulzki-Haddouti veröffentlicht: http://berlinergazette.de/digitale-gesellschaft/
Unsachlicher und unpolitischer Artikel.
“Sie ist auf fatale Weise blind dafür, dass es im politischen Prozess nicht darum geht, allein die Nutzerinteressen zu maximieren. Es geht darum das Allgemeininteresse zu maximieren. Im Allgemeininteresse sind zielgenaue und effiziente Regelsysteme, die gesellschaftliche Gesamtwohlfahrt steigern, gesellschaftliche Ziele erreichen und dabei für einen Interessenausgleich sorgen. Die Interessen der Nutzer sind dabei ein wichtiger Faktor aber nicht der alleinige.”
Was für ein Demokratieverständnis. Drei Dinge fallen mir dazu ein, werter Robin: Lobbyist, Technokrat und Scholzomat.
“Es geht darum das Allgemeininteresse zu maximieren. Im Allgemeininteresse sind zielgenaue und effiziente Regelsysteme, die gesellschaftliche Gesamtwohlfahrt steigern, gesellschaftliche Ziele erreichen und dabei für einen Interessenausgleich sorgen”
Sorry, aber das klingt mir nach der Differenziertheit von Gesellschaftsverständnis eines Software Engineering Handbuchs.
[...] waren kurz nach Vorstellung des Vereins Digitale Gesellschaft drei gegen diese Initiative gerichtete Artikel erschienen. Ich hatte das hier kritisiert, was – um es der Vollständigkeit halber anzugeben [...]
[...] freuen sich immerhin darüber. Aber was passiert nur, wenn jemandem die Hutschnur reißt und nicht so schöne Tweets abgesetzt werden… Nicht nur gute PR sondern auch Überrollung durch die Medien? Ist es aber eher ein Berlin [...]
[...] begrüße also – anders als Robin Meyer-Lucht – die Gründung der Digitalen Gesellschaft, auch wenn ich mir als ersten Schritt eine offene [...]
Sicherlich gibt es zahlreiche Kritikpunkte am Kommunikationsverhalten und der Zusammensetzung der DigiGes, aber man sollte ehrlicherweise mal überlegen, was die Alternative wäre: Es gäbe weiterhin eine hyperheterogene Netzgemeinde, die Politiker auslacht, weiter in ihrer eigenen Welt diskutiert und sich wundert, warum das Potential des Netzes – wirtschaftlich wie gesellschaftlich – in anderen Staaten genutzt wird. Wenn dann irgendein Entscheidungsträger oder Journalist, sich zufällig für eins der sogenannten “Netz-Themen” interessierte, riefe er die Herren Beckedahl & Lobo an, die dann ihre Statements abgeben dürften.
Das größte Problem der Netz-Elite, die unabhängig von der Vereins-Gründung exisitert, ist, dass der Abstand zu traditionellen Medien und politischen Akteuren immer größer wird. Wenn von 80 Millionen Deutschen nur 5000 verstanden haben, was Netzneutralität meint, diskutieren Politiker eben lieber, wer aus welcher Höhe Vorgärten fotografieren darf, weil das anschaulicher ist. Deshalb sollte man der DigiGes die Chance geben, eben diese wichtigen Themen in der politischen Öffentlichkeit zu vertreten – trotz aller Bedenken. Parallel dazu können sich ja weiterhin Parteien wie die Piraten bilden. Die sind aber – ebenso wie die Netzgemeinde in vielen Situationen – momentan eher mit sich selbst beschäftigt, als mit einer effizienten Vertretung der Verbraucherinteressen im digitalen Zeitalter.
[...] Erstaunliche Vorgänge um die “Digitale Gesellschaft” t3n: Digitale Gesellschaft e.V.: Gerade gegründet, schon schwer unter Beschuss Ruhrbarone: [...]