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Heiko Hilker | 17 Kommentar(e)
ARD und ZDF können sich nun offenbar doch vorstellen, Apps auch kostenpflichtig anzubieten. Galt nicht eben noch das Argument, dass die Inhalte vom Gebührenzahler schon bezahlt worden sind?
14.10.2010 |
Es wurde viel darüber diskutiert, ob und wie lange ARD und ZDF einmal ausgestrahlte Sendungen in ihren Mediatheken bereitstellen sollen und dürfen. In diesem Zusammenhang wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass die Gebührenzahler diese Inhalte schon bezahlt hätten.
So erklärte die Vorsitzende des NDR Rundfunkrates, Dagmar Gräfin Kerssenbrock, in der Debatte um das „Depublizieren“ von Inhalten erst im September diesen Jahres: „Es ist den Gebührenzahlern kaum zu vermitteln, warum Inhalte, die mit Gebührengeldern online gestellt wurden, nun mit Gebührengeldern wieder offline gestellt werden.“
Dieses Argument wird auch von vielen Nutzer immer wieder benutzt. So stellte das NDR-Medienmagazin ZAPP fest, dass viele meinen, „dass sie die Inhalte bereits mit ihren GEZ-Gebühren bezahlt haben. Deshalb wollen sie jederzeit darauf zugreifen können – und zwar auf alle Radio- und TV-Sendungen von ARD und ZDF.“ Um dann allerdings auch festzuhalten: „Tatsächlich aber sind gar nicht alle Sendungen online verfügbar. Denn die Rundfunkanstalten besitzen nicht für alle Produktionen uneingeschränkte Online-Rechte, vor allem nicht für Archivmaterial.“
Gestern nun forderte Springer-Chef Mathias Döpfner auf den Münchner Medientagen von den Öffentlich-Rechtlichen, ihre Apps kurzerhand kostenpflichtig zu machen. So könne man schließlich „das einzig zukunftsweisende Geschäftsmodell für Journalismus im Netz“ retten, berichtet Steffen Grimberg in der taz. Und wie antworten ARD und ZDF? Weisen Sie dieses Angebot zurück, da man ja nicht zweimal für denselben Inhalt kassieren könne?
„Es sei keine Ideologie, Angebote wie Apps kostenlos anzubieten“, sagte der ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust laut Hamburger Abendblatt. Zwar gebe es die „Tagesschau“-App kostenlos, für andere Angebote würden künftig aber auch zusätzliche Entgelte fällig. ZDF-Intendant Markus Schächter sagte, Döpfners Grundansatz gefalle ihm gut.





Es ist den Gebührenzahlern kaum zu vermitteln — was denn?! ;-)
(i) Die ÖRS (öffentlich-rechtliche Sender, nicht nur ARD und ZDF) strahlen auch gänzlich fremde Produktionen aus, diese kann man eben nicht ohne Weiteres archivieren und für (Internet-)Abruf bereit halten. Nützlich wäre die genaue Quellenangabe, damit Interessenten eine Sendung auf eigener Faust wieder finden können.
(ii) Manche ÖRS-Inhalte werden komplett ‘inhouse’ erstellt, die müßte man doch langzeitig archivieren und für den Abruf bereit halten können.
(iii) Viel wird von ÖRS ‘nahen bzw. befreundeten’ ;-) Produktions-Gesellschaften erstellt, die Rechte teilt man sich irgendwie. Was die ÖRS aus dem GEZ-Etat bezahlen, müßte den Zuschauer/inne/n doch (je nach dem) erleichtert zur Verfügung stehen.
Kennt jemand eine komplexere Statistik zu (i-ii-iii)? Ich meine eine Darstellung der anteiligen Sendezeiten, Ausgaben usw. ++ Vor Jahren habe ich mal im Usenet [de.soc.medien.rundfunkfinanzierung] rhetorisch gefragt, warum die GEZ z.B. die GEZ-Werbespots nicht auf der eigenen Website postet, ich würde das Filmchen mit dem furzenden schwarzen Schaf gerne sehen. Werden alle Spots ‘offhouse’ erstellt? ++ Übrigens, auch aktuell (13.10.2010) und passend bebildert:
http://www.welt.de/wirtschaft/article10267954/Springer-Vorstand-gegen-Werbung-bei-ARD-und-ZDF.html
Döpfner hat natürlich Recht, aber Boudgoust und Schächter vermag ich kaum zu glauben, dass sie es ernst meinen. Die “Zusammenarbeit” mit Audi bei “Wetten das..” hat auch nicht zu einer Reduzierung des Zwangsgeldes geführt und Einnahmen aus Apps würde man ebenso nur nutzen, sich weiter im Markt auszudehnen.
Aber es wäre ein Einstieg zu einem ehrlichen System, in dem Bürger nicht mehr zur Geisel gemacht wird.
Wenn Apps der Öffentlich-Rechtlichen in freier Entscheidung des Nutzers gekauft und auch wieder abgeschafft werden kann und es dann auch tatsächlich zahlende Nutzer gäbe, gäbe es wieder einen Druck in Richtung Vielfalt und Qualität des Angebots, der jetzt fehlt.
Aber ich vermute ein anderes Kalkül hinter dem vermeintlichen Entgegenkommen. Diese Apps könnten so teuer und so schlecht sein, dass sie niemand kauft.
Das liefert dann die Begründung, es gäbe doch keinen anderen Weg als den des Zwangsgeldes, da der Bürger ja freiwillig nicht bereit sei, für die einzig seeligmachende weil einzig unabhängige Information durch die ÖR zu zahlen.
Und derweil wird weiter Geld für Unterhaltung verbrannt.
“für andere Angebote würden künftig aber auch zusätzliche Entgelte fällig. ”
Gibt es doch jetzt schon: Inhalte von ZDF Enterprises kann man bei iTunes kostenpflichtig kaufen.Ich denke mal das ist damit gemeint.
Gab es natürlich früher auch schon: In den 90er wurde bei den ÖR am Ende der Sendung manchmal eingeblendet: “Wenn Sie dieses Programm auf VHS bestellen wollen, kostet dies 30,- DM”. Die 30,- DM waren ja wohl kaum die Selbstkosten für das Kopieren auf VHS. Damals hat sich auch keiner beschwert.
Selbst wenn man alles was Richtung App etc. geht kostenlose anbieten würde, würde man es natürlich bezahlen, da im Nachgang die GEZ-Gebühren steigen würden. Es ist letztendlich wie mit allen Informationen/Unterhaltungsprodukten: Für den bezahlten Preis bekommt man nicht das Produkt an sich sondern nur eine Lizenz. Bei den ÖR bekommt man dafür die mindestens einmalige Ausstrahlung im TV und das Recht diese Sendung auf Video aufzuzeichnen und sich immer weider anzugucken. Dem Gebührenzahler “gehört” ja rein rechtlich jetzt nicht 5 Minuten von jedem Tatort.
Im Gegensatz zur landläufigen Meinung war das aber schon immer so: Auch im Platten/CD-Zeitalter hat man nur eine Lizenz zusammen mit dem Datenträger erworben: Und zwar die Lizenz die Musik im Privaten unbeschränkt oft wiederzugeben. Dies beinhaltete auch Geburtagsfeiern etc. Zusätzlich durfte man im beschränkten Umfang die Musik im Freundes- und Bekanntenkreis weitergeben (z.B. auf Musikkassetten). Das haben damals viele missverstanden als “mir gehört jetzt diese Musik”, “ich kann damit machen was ich will”. Klar konnte man damit machen was man wollte, allerdings war es nicht in jedem Fall rechtmäßig und durch die erworbene Lizenz abgedeckt.
Der einzige Unterschied von heute zu früher ist, dass der Rechteinhaber die Einhaltung der Lizenz (DRM, CI+ etc. ) besser kontrollieren kann als früher.
Und genauso ist es bei den Inhalten der ÖR.
@Johannes (#3) Das ist im großen und ganzen die Rechtslage. Wichtig ist vorallem die Erkenntnis, das “Im Nachgang die GEZ-Gebühren steigen” – allerdings gibt es keine GEZ-Gebühren. Die Geldeintreibe-Organisation benötigt für ihren Betrieb nur ein paar Prozent des riesigen Geldaufkommens, das den Öffentlich-Rechtlichen Anstalten zufließt. Ich nenne es auch nicht Gebühr oder Beitrag, ich nenne es Zwangsgeld.
Normalerweise müßten die Öffentlich-Rechtlichen verpflichtet sein, ihre Inhalte einer Zweitverwertung zur Verfügung zu stellen, wenn die Autoren dies wünschen und Folgeverwertungen nicht selbst organisieren wollen.
Die Einnahmen müssten dann den Autoren zu Gute kommen, schon um ein Interesse zu wecken, hochwertige Inhalte entstehen zu lassen, die Zuhörer, Leser, Zuschauer auch kaufen wollen. Den Anstalten selbst traue ich inzwischen nicht mehr zu, das irgendeine direkte Einnahme zur Senkung der Zwangsgelder führt. Die sind da wie auf Drogen. Die Dosis muss immer höher werden.
Dazu verlockt auch das Verfahren: Zuerst melden die Anstalten “ihren Finanzbedarf” an, dann prüft eine Kommission (KEF), ob das so in Ordnung ist. Es gibt ein bissl hin und her, aber irgendwie kommt fast immer mehr Geldbedarf als in den Jahren zuvor heraus.
Welche Verwaltung würde denn bei einem solchen Verfahren jemals einen geringeren Bedarf anmelden?
Deshalb ist tatsächlich alles, was die ÖR vermeintlich “umsonst” anbieten, mit äußerster Vorsicht zu genießen ( oder am besten zu ignorieren ), denn der Pferdefuß kommt immer hinterher.
Ein paar Zitate zum Thema, das jetzt ja wieder rund um die Medientage aufgekommen ist, haben wir auch bei uns reingestellt:
http://www.wasmitmedien.de/2010/10/17/ard-plant-kostenpflichtige-apps/
Offenbar ist es dem Gebührenzahler doch zu vermitteln, dass man wie bei einer DVD noch einmal bezahlt für gebührenfinanzierte Inhalte. Wenn die Verleger jetzt nicht meckern, dass ARD/ZDF zu den Gebühren noch mehr Geld bekommen …
@Jörg Wagner (#6)
Es wird langsam Zeit, das die Verleger sich mal dem Milliarden-Apparat ARD/ZDF überhaupt gründlich widmen, bevor sie selbst für alle Zeiten weg vom Fenster sind und der Milliardenapparat ARD/ZDF alles andere in der Gesellschaft erstickt.
@ Peter (#7) Um die Verleger mache ich mir keine Sorgen. Auch wenn das Papier als Trägermedium vielleicht nicht mehr so populär sein wird. Die Gewinne sehen wohl in der Tendenz momentan nicht so schlecht aus. Ideen für neue Geschäftsmodelle werden getestet. Der Wille zur Veränderung ist zu spüren. Aber das mit dem Ersticken der Gesellschaft durch ARD/ZDF finde ich interessant. Woran genau erstickt die Gesellschaft?
@Jörg Wagner – Zum Ersticken der Gesellschaft durch ARD/ZDF
Ich selbst sehe bereits heute das Bestreben der Öffentlichrechtlichen Sender, die Gesellschaft mit vielfach einseitigen und vor allem zunehmend undifferenzierten. unkritischen Informationen und Restprogramm einzuschläfern. Allein schon aus Selbsterhaltungstrieb muß der Status Quo des Systems aufrechterhalten werden und solange wird zwischen Politik und Öffentlichrechtlichem Rundfunk ein Patt bestehen, bei dem keiner dem anderen wehtut, solange dies der andere auch nicht tut. Die zunehmenden Verbindungen zwischen Öffentlichrechtlichen Sendern und Zeitungsgruppen dürften dem selben Zwecke dienen. Dem Qualitätsjournalismus im Lande dürfte das nicht gerade förderlich sein. Es drohen uns weichgespülte und selbstgefällige Berichterstattung sowie ein Seniorenunterhaltungsprogramm mit dem haupsächlichen Zwecke der Grundversorgung der Öffentlichrechtlichen Rundfunkanstalten und ihrer “Freunde”.
@ Jörg Wagner ( #8)
a) Die Rundfunkfinanzierung ist wie eine perpetuum mobile mit sogar steigender Leistung, also ein perpetuum mobile 2.0, für die Anstalten. Wer sie zum Sparen nötigen will, greift in die Programmhoheit ein. Und da sei ja die Rundfunkfreiheit und das Verfassungsgericht vor! Folge: Sparforderungen chancenlos, wird immer mehr Geld kosten…
b) Fernsehen bringt uns blöde Kinder und fette Patienten. Die künftige Haushalts- und Betriebsstättenabgabe ist ein Verkaufsförderprogramm für TV-Geräte, weil man nichts mehr spart ausser Strom, wenn man auf die Glotze verzichtet. Folge: Noch mehr blöde Kinder und fette Patienten, denn Fernsehen macht träge, ist passive Berieselung – mehr Kosten auch über Fachkräftemangel und Krankenkassenbeiträge — Allerdings: Verblödete Leute hinterfragen die Berechtigung des Zwangsgeldes für die ÖR nicht.
c) Fernsehen verstopft in Zukunft die Datenautobahnen. Denn wo der Musikantenstadl im ach so zukunftsträchtigen Super-HDTV-3D gestreamt werden muss ( Grundversorgung!!! ), ist natürlich für Nutzdaten kein Platz mehr. Traffic wird mit dem Zwangsgeld eingekauft. ZDF-Indendant Markus Schächter hat sich dazu schon eindeutig geäußert: HDTV sei der Fernsehstandard der Zukunft, man könne deswegen dafür kein Abo verlangen.
d) Jeden Monat mindestens 18 € ist eine Menge Geld. Das fehlt an anderer Stelle. Es steht dem Markt nicht zur Verfügung. Und der Betrag wird steigen, auch der Anteil des Zwangsgeldes am Einkommen der Bürger. Die ÖR werden dann sozusagen immer “wichtiger” – Das wollen sie ja auch.
e) Ebenso steigen werden die Einnahmen über die “Betriebsstättenabgabe” – Das ist eine Strafgebühr für die Schaffung von Arbeitsplätzen. Und wenn das Geld mal wieder nicht langt für die fetten Pensionen und Saläre, kann man ja wieder so ein bissl an der Bemessungsgrundlage drehen, vielleicht Heimarbeiter doppelt abkassieren, die haben ja sowieso keine Lobby. Das ganze heißt dann 16. Rundfunkänderungsstaatsvertrag.
Reicht das, diese Veranstaltung endlich als Würgegriff zu erkennen?
@ Jörg Wagner ( #8)
Noch eine kleine Ergänzung:
Der Stil der GEZ, mit den Gebührenzahlern über Provisionsjäger zu kommunizieren, spricht Bände. Ein abartiges System gebiert abartige Formen. Dazu zählt auch, 1000 € Bußgeld anzudrohen, wenn jemand nicht regelmäßig schriftlich bekundet, keinen Fernseher zu haben. Auch diese Briefe werden mit unserem Geld bezahlt.
Das wird mit der Haushaltsabgabe noch schlimmer werden. Da muss man dann immer beweisen, das sich in der Wohnung nicht doch 2 Haushalte befinden.
Das sie die Gefälligkeits-Gutachten selbst ( Kirchhoff, Papier, Bull ) in Auftrag gegeben haben – und nicht etwa die Landesregierungen, die dann zu entscheiden hatten – sagt ebenfalls genug.
@Peter
Betr. Punkt d)
Im übrigen steigt durch die Abzocke der Selbstständigen und Gewerbetreibenden die verborgene Rundfunkgebühr jedes einzelnen Bürgers immer weiter. An jeder Kasse, mit jeder Rechnung zahlen wir weiter für ein immer flacheres Programm und viele warme Sesselchen bei den öffentlichrechtlichen Rundfunkanstalten. Dargestellt wird das dann von der Politik so, als wolle sich der Chef einer Betriebsstätte bei der Bestriebsstättenabgabe um seine persönliche Rundfunkgebühr drücken. Dabei geht es hier nur um eine Verschleierung der Gegebenheiten – die Rundfunkgebühr liegt pro Kopf genaugenommen schon lange deutlich über den 17.98 EUR/Monat und wird mit der derzeitigen Politik weiter deutlich ansteigen.
Während die Bevölkerung bis 2020 voraussichtlich von derzeit rund 82 Millionen auf 79 Millionen schrumpfen wird (2030: 77 Millionen), steigen gleichzeitig die Empfängerzahlen der Empfänger von Grundsicherung deutlich an. Folglich werden die verbleibenden Gebührenzahler überportionale Kostensteigerungen zum Erhalt des Öffentlichrechtlichen Rundfunks in Kauf nehmen. Allein zwischen 2003 und 2009 hat sich die Zahl der Empfänger von Grundsicherung von rund 44000 auf 764000 erhöht. Mit weiter steigendendem Durchschnittsalter und drohender Altersarmut dürfte dann die Folge nur Mindereinahmen bedeuten. Den Empfängern von Grundsicherung und Hartz IV wird dann vorgegaukelt, sie seinen von der Rundfunkgebühr befreit. Tatsächlich aber zahlen sie die Rundfunkgebühren bei jedem Einkauf über die überhöhten und vertuschten Rundfunkgebühren, die man den Selbstständigen und dem Gewerbe aufdrückt. Ein typisch Beck’scher Taschenspielertrick, der vor allem die kleinen Leute trifft.
Betr. Punkt e)
Vollkommen richtig: das ist eine Strafgebühr für die Schaffung von Arbeitsplätzen, insbesondere von Teilzeitarbeitsplätzen. Jeder Chef wird es sich in Zukunft noch mehr überlegen, ob er Frauen einstellt, die Teilzeit arbeiten oder in Zukunft den Wunsch dazu haben könnten.
@Peter
Ich glaube, die meisten sind sich einig, dass das System der Rundfunkfinanzierung reformbedürftig ist. Wie sooft ist das ein Prozess, wo viele mittun. Letztlich werden politische Mehrheiten entscheiden, wieviel öffentlich-rechtlichen Rundfunk sich Deutschland leisten wird. Ich höre trotz des allgemeinen und speziellen Wehklagens, dass wir die besten Radio- und TV-Programme der Welt hätten. Wenn man mal z. B. in Italien, den Niederlanden oder USA gezwungen war, fernzusehen kann man dies plausibel finden. Es gibt jedoch ein starkes Bedürfnis neu und offen über ARD und ZDF nachzudenken: http://twiturl.de/bcaeuuj
Insofern täte weniger Aufgeregtheit und mehr Sachlichkeit sicher gut.
@Jörg Wagner (#13)
Ich denke, die Phase der Unaufgeregtheit und Sachlichkeit haben die geschröpften Bürger inzwischen hinter sich. Was hat es denn gebracht? Die Propaganda der Öffentlich-Rechtlichen hat ja auch schon bei Jörg Wagner – ja – ich meine den Autor dieser Zeilen unter 13. – hervorragend gewirkt.
Ich sehe in den Niederlanden, in Italien und auch in den USA hunderte, ja tausende Menschen, darunter auch bemitleidenswerte deutsche Urlaubs- und Dienstreisende, die von gewalttätigen Schergen brutal in Fernsehsessel gekettet wurden, und dort so absolut und vollkommen gegen ihren Willen gezwungen wurden, fern zu sehen. Lesen hatten die leider schon verlernt und Internet gibt es in diesen Ländern ja nicht, mal ganz abgesehen von 3 Milliarden anderen denkbaren Tätigkeiten.
Wenn man selbst damit zu tun hat, fällt es ja vielleicht schwer, zu dieser Erkenntnis zu gelangen. Aber es ist leider wahr:
F e r n s e h e n i s t v e r z i c h t b a r!
(Sogar das mit den vermeintlich besten Programmen der Welt)
Und der Umstand, Menschen die Finanzierung von etwas sehr, sehr einfach zu entbehrenden aufzuzwingen, bedarf glaube ich einer anderen Rechtfertigung als die Behauptung, ein ähnliches “Angebot” sei auch anderswo da, aber dort schlechter.
Es geht bestimmt nicht mehr darum, neu und offen über ARD und ZDF nachzudenken. Es geht darum, den Kraken zu zerschlagen, bevor er uns alle erwürgt.
Den ersten Schritt sind sie gegangen, in dem sie Computer gebührenpflichtig machten, obwohl Selbstständige gezwungen sind, mit dem Computer an das Finanzamt zu melden. Da zeigte sich das wahre Gesicht: Abkassieren, Geldgier.
Jetzt versuchen sie den ganz großen Coup: Jeder soll zahlen, und Firmen noch mal extra.
Noch regt sich wenig Widerstand, denn:
F e r n s e h e n v e r b l ö d e t!
Das ist übrigens Absicht. Fragen Sie mal Fernseh- oder Rundfunkjournalisten bei den Öffentlich-Rechtlichen! Die hören täglich das Lied vom Sparen.
Aber für flache Unterhaltung sind Milliarden da.
Sie senden unaufgefordert immer mehr Programme und auf immer mehr Kanälen “frei empfangbar”, und präsentieren der Gesellschaft anschließend ein fette Rechnung dafür.
Wo bitte soll denn neu und offen über ARD und ZDF nachgedacht werden? In den Programmen von ARD und ZDF etwa? Darf ich laut lachen?
In Landesregierungen und Parlamenten, die ihres Verlautbarungsorgans verlustig gehen könnten? Und eines warmen Plätzchens für – z.B. – ehemalige Regierungssprecher?
Ein neues Modell für ÖR ( ARD und ZDF ? – brauchen wir wirklich zwei?? ) zu diskutieren, kann auch bedeuten, dass man zu der Erkenntnis gelangt: Wir brauchen das überhaupt nicht. Es gibt bessere Wege zur Erkenntnis als das Betrachten inszenierter und vertonter Bewegtbilder. Zumindest würde ein neues Modell wesentlich weniger Einnahmen bedeuten. Welche Verwaltung, welcher Apparat ist zur Selbstreduzierung fähig? Ich kenne keinen, nur das Gegenteil.
Sie werden ihr vieles Geld und ihre ganze mediale Macht und ihre Seilschaften nutzen, die Pfründe auch für die Zukunft zu sichern und zu erweitern.
Dagegen hilft nur Druck von unten. Wie sollte der aussehen: a) Die Angebote nicht nutzen. Die Anstalten verlieren dadurch an Attraktivität für die Politik. b) Jedem, mit dem man ins Gespräch kommt, darauf aufmerksam machen, dass er einer lebenlänglichen Strafzahlung entgegen sieht – mit ansteigenden Beträgen und ohne Chance im Falle privater finanzieller Engpässe, der Kostenquelle zu entrinnen. c) Immer wieder kommunizieren, welche Summen da verbraucht werden und wofür ( online zu entnehmen den KEF-Berichten – über 4000 € für eine Minute Jauche sind ein gutes Beispiel) d) Wahlkämpfende Politker bei jeder passenden Gelegenheit fragen, was sie davon halten, Millionäre der Unterhaltungsbranche mit dem Geld armer Leute zu finanzieren, das diesen auch noch unter Androhung von Zwangsvollstreckungen abgepresst wird. e) Niemanden wählen, der sich nicht klar von diesem ÖR-Irrsinn distanziert. f) Immer wieder verdeutlichen, welche wirklich drängenden Probleme man mit nur einem Bruchteil dieser 8 Milliarden pro Jahr lösen könnte, die die ÖR verbrauchen. g) Im WWW die ÖR-Propaganda entlarven.
h) Wer immer sich moderat oder freundlich zum Agieren der ÖR äußert: Prüfen, ob es sich nicht um einen Profiteur des ÖR-Medienzirkus handelt. Auch Chefredakteure der Printmedien feiern sich gern selbst im Fernsehen.
@Peter
Ich weiß nicht genau, was Sie motiviert in dieser Vehemenz halbanonym Lebenszeit zu investieren, um sich mit – verzeihen Sie – dumpfer BILD-Zeitungsmanier (“F e r n s e h e n v e r b l ö d e t!”) Glaubwürdikeit zu verspielen. Es gibt sicher kritikwürdiges am gesamten Verfahren, am dualen System überhaupt, aber Ihre blinde Verachtung und undifferenzierte Empörung macht es schwer, sich mit Ihnen ernsthaft auseinander zu setzen.
@Jörg Wagner (#15)
Empört und den Täter verachtend reagieren die meisten Menschen, wenn ungerechtfertigt Zwang ausgeübt wird.
Die These “Fernsehen verblödet!” ist aber gut belegbar und ich stehe mit dieser Meinung nicht allein.
Gute Vorschläge zur Reformierung des Systems gibt es doch genug.
Ich nenne beispielhaft nur zwei: a) Verschlüsseln und nur wer ÖR sehen will, zahlt auch dafür — b) keine Zwangsgelder für Telenovelas, Spieleshows und andere Formate, die eindeutig der Unterhaltung zuzuordnen sind.
Was ist dagegen zu sagen?
[...] Lesetipp – auch Heiko Hilker hat bei Carta.info einen Artikel zum Thema [...]