Robin Meyer-Lucht | 135 Kommentar(e)
BILD hat mit Sarrazin die ganz große Kampagnen-Maschinerie angeworfen: Klartext-Thilo muss gegen die “Sprechverbote” der “dummen” Parteipolitiker verteidigt werden. Die Kanzlerin pariert sofort. Den weniger kampagnenfähigen Gen-Sarrazin hat BILD schnell wieder eingemottet.
04.09.2010 |
Thilo Sarrazin ist auch jetzt noch nicht um drastische politische Metaphern verlegen. Im Focus-Interview sagte Sarrazin über die Bundeskanzlerin:
Na, was glauben Sie, wie viele tausend Briefe und E-Mails von CDU-Anhängern in ihre Parteizentrale geschickt worden sind. Da spürt sie: Hier bricht was auf, was schwer zu beherrschen ist. Deshalb kommt es zum Kesseltreiben.
Beim Kesseltreiben geht es bekanntlich darum, das Wild zu umstellen und mit Hilfe von Treibern den Jägern vor die Flinten zu scheuchen. Wen Sarrazin hier für das Wild hält, daran besteht kein Zweifel. Dass sich Jäger und Treiber finden werden – auch da schien sich Sarrazin Ende letzter Woche sicher.
Kaum einen Tag später, am Samstag, tat ihm Bild bereits den Gefallen und engagierte sich massiv als Treiber:
Bild bietet Sätze auf, wie “Ich will mich nicht dafür entschuldigen müssen, ein Deutscher zu sein”, und nennt solche Formulierungen “hart” und “unbequem”. Wer derartiges in Deutschland sage, werde “niedergemacht, ausgebuht, abgesägt!”. Deswegen kämpfe Bild nun für die “Meinungsfreiheit”. Es dürfe auch bei solchen Sätzen “keine Sprechverbote” geben.
Dass Migranten “fickrig, faul und fromm” seien, müsste diskutiert werden dürfen, erklärt Bild und hält der Parteipolitik von CDU bis Grünen ihre “dummen Sätze” vor, die “Wir nicht mehr hören können!”.
Zu einer Äußerung des Bundesinnenministers schreibt Bild beispielsweise:
Thomas de Maizière (CDU): „Das, was er gemacht hat, verstößt mindestens gegen den Grundsatz: ,Das tut man nicht.’ Wir brauchen keine Belehrung. Wir wissen um höhere Gewaltneigung bestimmter Ausländer. Wir wissen um Integrationsprobleme. Die Fragen, die Sarrazin stellt, stellt sich die Politik längst.“
BILD meint: Warum hat dann niemand was getan, wenn alle Probleme soooo bekannt sind?
So so, es hat also “niemand was getan” – bis Sarrazin endlich mit seinen unbequemen Wahrheiten Sätzen kam.

Thilo Sarrazin: "niedergemacht, ausgebuht, abgesägt!" (Ausriss von Seite 3 der Bild-Ausgabe vom om 04.09.2010)
Auf der nächsten Seite fordert Bild-Autorin Armgard Seegers “Wir wollen keine Sprechverbote”. In ihrem Text heißt es (Passage nicht online, Hervorhebungen Carta):
“Zu den Fragen, die Thilo Sarrazin Buch “Deuschland schafft sich ab” aufgeworfen hat, zählt auch jene, ob die moralischen, politischen oder sozialen Überzeugungen, die öffentlich werden, nicht ein weichgespültes, intellektualisiertes und relativiertes Bild der Gesellschaft zeichnen und kaum je das zutreffende, was mit der Alltagserfahrung der Menschen übereinstimmt.”
Nikolaus Blome ergänzt im Kommentar noch, die Politik solle “das Volk” nicht für “blöd” halten. Die Bürger seien wütend über die “Bevormundung” durch eine Politik, die die Sarrazin-Debatte abwürgen wolle.
Auf drei Seiten ausgebreitet, stellt die Bild-Geschichte über “Meinungsfreiheit” und “Sprechverbote” die wohl größte und schärfste politische Kampagne der Bild seit einiger Zeit dar. So wie Bild vom großen Presseinteresse für das Sarrazin-Buch schwärmt, so groß ist nun auch die eigene Kampagne im Blatt.
Nachdem sich Bild am Donnerstag bereits teilweise von Sarrazin distanziert hatte (“scheiße, beschämend, widerlich“-Wagner), fiel sie nun am Samstag in die zuletzt von Guido Westerwelle popularisierte “Man muss doch noch sagen dürfen“-Rhetorik zurück.
Sarrazins krude biologistischen Gen-Thesen sind plötzlich vergessen – und Bild konzentriert sich auf den kampagnenfähigen Teil des Sarrazin-Buches:
Dafür verengt Bild Sarrazins Rolle auf die eines Volkstribuns, der die “Alltagserfahrung” der Leute ausspreche – und so die “intellektualisierte” Parteipolitik unter Druck setze. Diesem Sarrazin müsse volle “Meinungsfreiheit” gewährt werden.
Die Bild-Kampagne verortet den Sarrazin-Konflikt in den Bezugsrahmen “Meinungsfreiheit vs. Sprechverbote” und “intellektualisierter öffentlicher Diskurs vs. Alltag der einfachen Menschen”. Ein typischer Boulevard-Frame: “Wir kleinen Leute” gegen die “abgehobene Politik”.
So wird Politik gemacht. Denn Bild braucht Sarrazin als Vehikel für eine eigene Kesseljagd auf die etablierte Politik. Sarrazin – das zeigt die Schärfe der Kampagne – ist nur der vorzüglichste Anlass, eine Regierung und eine Kanzlerin zu bedrängen, der es aus Sicht der Bild-Truppe an fast allem mangelt: an konservativem Instinkt, an Strahlkraft, an Mobilisierungsfähigkeit.
Die offene gezeigte Sympathie des Hauses Springer für den Nicht-Merkel-Kandidaten Gauck war das Vorspiel: Sarrazin ist nun der erste Hauptakt.
Die Kanzlerin hat dies selbstredend sofort verstanden – und sich per Bild am Sonntag-Interview zum Teil der Kampagne gemacht, deren Ziel sie war. Auch sie sei für eine ”offene Integrationsdebatte ohne Tabus“, erklärt Merkel laut Vorab-Meldung. Die statistisch höhere Gewaltbereitschaft strenggläubiger muslimischer Jugendlicher dürfte nicht tabuisiert werden: “Das ist ein großes Problem und wir können offen darüber sprechen, ohne dass der Verdacht der Fremdenfeindlichkeit aufkommt.”
Ein Etappenziel ist damit erreicht: Die Migrationsdebatte wird auf der Ebene vermeintlicher Tabus geführt – Bild hyperventilierte “Sprechverbote” und die Kanzlerin sah sich innerhalb weniger Stunden zum Dementi gezwungen.
So wird Politik gemacht.
Auch Thilo Sarrazin ist damit für Bild-Leser wieder voll rehabilitiert. “Widerlich” war gestern.
Dabei enthält Sarrazins Buch von der drohenden “Abschaffung” der Deutschen auch zahlreiche Sätze, die man als Vorstand der Bundesbank lieber nicht sagen sollte. Entsprechende Zitate aber hat Bild lieber nicht auf seine Titelseite gehoben – sie hätten nicht in die einfache Boulevard-Logik von Meinungsfreiheit, dröger Parteipolitik und Sprechverboten gepasst.
So schreibt Sarrazin etwa:
- “Das System [der Sozialhilfe für Ausländer] ist pervers.” (S.323)
- Die Haltung des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan zur kulturellen Identität der Türken in Deutschland sei “chauvinistisch”. (311)
- “Die Übergänge vom Kopftuch über den Schleier zur Burka sind gleitend.” (Seite 313)
- “Mehr Kinder von Klugen, bevor es zu spät ist.” (Seite 331)
- “Hätte die deutsche Bevölkerung seit dem 8. Mai 1945 dieselbe Geburtenrate gehabt wie die damalige Bevölkerung von Palästina, so gäbe es heute in Mitteleuropa 600 Mio. Deutsche.” (Seite 317)
- Über die “dysgenische Wirkung” der “Geburtenarmut in gebildeten Schichten”: “Das Muster des generativen Verhaltens in Deutschland seit Mitte der sechziger Jahre ist nicht nur keine Darwinsche natürliche Zuchtwahl im Sinne von “survival of the fittest”, sondern eine kulturell bedingte, von Menschen selbst gesteuerte negative Selektion, die den einzigen nachwachsenden Rohstoff, den Deutschland hat, nämlich Intelligenz, relativ und absolut in hohem Tempo vermindert.” (Seite 353)
Angesichts solcher Formulierungen wird man ja wohl noch meinen dürfen:
Ein Bundesbankvorstand, der das Sozialhilfesystem des eigenen Landes “pervers” nennt, der das Staatsoberhaupt eines Partnerlandes “chauvinistisch” nennt und der über die “dysgenische Wirkung” fehlender “Zuchtwahl” und mangelnder “Selektion” fabuliert, der hat die Repräsentationspflichten seines Amtes grob verletzt.
Wenn sich Sarrazin zum Volkshelden (Ohje, Spiegel) stilisieren lassen möchte, dann kann er dies ja leistungsbewusst auf eigene Rechnung machen – und muss sich nicht vom Steuerzahler aufgabenfremd alimentieren lassen.
Auch zum Thema:
- Michael Spreng: Sarrazin und die Meinungsfreiheit
- Marios Sixtus: Schwachfugsignalphrasen
Weitere Links:
- Fokus-Interview-Vorankündigung
- Lexikon-Eintrag zu “Kesseltreiben”
- BILD-Artikel: “Neun unbequeme Meinungen“
- BILD-Artikel: “Wir wollen keine Denkverbote“
- BILD-Artikel: “Das Volk ist nicht blöd“
Update: Merkel nimmt zur Bild-Kampagne vom Samstag explizit Stellung: “Ein Problem der Meinungsfreiheit. Sicher nicht.“




Sehr guter Beitrag! Als ich die Kamgagne heute bei Bild (online) gesehen hatte, ist mir fast schlecht geworden. Die Enttabuisierung dessen, was lange schon kein Tabu mehr ist, wird zur Masche erhoben, als ob Bild sich jemals zurückgehalten hätte Dinge drastisch zu formulieren, geardezu lächerlich.
Es ist, wie oben auch schon erwähnt, die gleiche Masche wie bei der Bundespräsidentenwahl. Ziel des Medienverbundes BILD/Welt, SPIEGEL und FAZ (hier nur auf das Politikressort bezogen, das Feuilleton stellt den Gegenpart) ist es, Merkel und Westerwelle loszuwerden. Mag der Spiegel dabei noch von einer großen Koalition träumen, so möchten die übrigen Kräfte einen konservativen/reaktionären Kanzlerkandidaten. Der muss selbst gar nicht so sehr so wirken, entscheidend ist, dass die Kräfte im Hintergrund ihm diese Rolle “geben”.
Wie schrieb kürzlich jemand über ein Bild von Karl-Theodor zu Guttenberg in Militärkleidung vor einem Militärflieger? “Ich warte nur darauf, wann es den ersten Top-Gun Starschnitt von Guttenberg in der Bravo gibt”.
@ Aufmerksamkeit: Die Präsenz von Karl-Theodor zu Guttenberg in Bild ist ja bereits hervorragend – Starschnitt als Ausbaustufe nicht ausgeschlossen.
Eventuell haben weniger CDU/CSU ein Problem, dass die Klammer des Anti-Sozialismus durch den Einsturz des Ostblocks sich erledigt hat. Sondern das Medienunternehmen Springer leider daran, dass Moskau als Feinbild ausgefallen ist. Wollte deshalb Thomas Schmid mit Joachim Gauck, bei dem Thomas Schmid, der historisch weniger in der bürgerlichen oder bundesrepublikanischen Mitte steht, das Dogma des Anti-Sozialismus via Gauck orthodox revitalisieren?
Das lässt auch nochmal überlegen, warum und wegen was für einem Kontext Bundespräsident Horst Köhler, der Ökonom von Welt, zurücktrat.
Naja, ist ja nicht so, daß das nicht absehbar war… http://almostadiary.de/politics/german-politics/the-sarrazin-affair-pissing-against-the-wind
Ich meine, ernsthaft, gegen die Art und Weise, wie das deutsche politische Establishment auf Sarrazins Thesen reagiert hat, war Brent Spar ja wirklich eine kommunikative Meisterleistung. Und jetzt wundert sich am Ende noch jemand, das der Zirkus erst richtig los geht…
die art und weise wie sarrazin nieder gebrüllt wurde und wie die politik die bundesbank bedrängte, hatte nichts mehr mit meinungsfreiheit zu tun… denn auch wenn einer sprechen darf, dann ist die öffentliche stigmatisierung einer meinung, nicht zuletzt durch die kanzlerin, ohne inhaltliche auseinandersetzung, enie der größten polit- und medienperversionen der letzten jahre gewesen.
die genannten punkte finde ich in dieser darstellungen übrigens stark tendenziös… aber man will halt auch hier nur seine agenda durchsetzen und beweisen. so wie die bild.
mfg
mh
@mh Ach du liebe Güte, Meinungsfreiheit! Wenn einer in den letzten Wochen auf allen Kanälen seine Meinung mitteilen konnte, dann war es ja wohl Sarrazin. Inzwischen ist ihm von vielen Seiten nachgewiesen worden, dass seine abstrusen Thesen keiner Wissenschaft standhalten können. Er wurde instrumentalisiert und hat sich instrumentalisieren lassen, wahrscheinlich hielt er es in seiner Selbsverliebtheit für echte Unterstützung. Die genannten Medien wussten, dass einer wie Sarrazin, weil er weder Charismatiker noch sonderlich eloquent ist, keine weitere Rolle spielen wird, und auch nicht sollte. Er wird, wie @ Robin Meyer-Lucht das richtig beschrieben hat, binnen kürzester Zeit keine Bedeutung mehr haben. Sein “Schmerzensgeld” ist die hohe Verkaufszahl seines Buches. Hat die BILD vielleicht zur Demonstration aufgerufen, dass Sarrazin seine Stelle bei der Bundesbank nicht verliert? Die wissen genau, dass so ein Verhalten in so einer Institution gar nicht geht – kleiner Einschub: die Vorstände der Bundesbank reisen mit Diplomatenpass! – Auch die F.A.Z. (Politikressort) hat sich größtenteils darauf beschränkt (und in diesem Fall nicht zu unrecht), dass die SPD Herrn Sarrazin in dieses Amt gehievt hat.
Hier geht es, ich erwähnte es bereits, um andere Dinge.
Das “Boulevard-Gen”? Überschriften üben wir aber nochmal.
[...] dem “Thema BILD erliegt dem Boulevard-Gen” geht carta zB. auf die Thesen ein die von der Bildzeitung propagiert werden. Ein ähnliches [...]
Die BILD-Kampagne zeigt, dass Satire derzeit von der Realität schnell überholt wird.
@Aufmerksamkeit: Was kommt als Nächstes? Die “Koch, komm zurück!”-Kampagne?
meinungs- und personenstigmatisierung ist auch eine form der meinungsunterdrückung @aufmerksamkeit.
mfg
mh
@mh Was soll das heißen “Meinungs- und Personenstigmatisierung?” Reden Sie von dem, was Herr Sarrazin geäußert hat? Der Mann hat auf “Effekthascherei komm raus” sich in der Öffentlichkeit seiner Wichtigkeit versichern wollen. Da muss man mit Gegenwind rechnen, was er, davon gehe ich aus, ins Kalkül gezogen hat. Manchmal geht die Rechnung halt nicht auf, wenn man sich selbst für zu großartig hält und zu wenig Substanz vorzuweisen hat.
Da bleibt nur Christian Morgenstern und die Dummheit, die nie ausstirbt zu zitieren:
Die beiden Esel
Ein finstrer Esel sprach einmal
zu seinem ehlichen Gemahl:
»Ich bin so dumm, du bist so dumm,
wir wollen sterben gehen, kumm!»
Doch wie es kommt so öfter eben:
Die beiden blieben fröhlich leben.
@Wolfgang Michal Gute Frage! Das wird ein zäher Kampf. So schnell wird Angela Merkel sich nicht geschlagen geben (die Frau sollte man nie unterschätzen!). Wenn sie es mit Herrn Westerwelle bis zur nächsten Wahl durchhält, dann werden wir wohl noch einige Kampagnen über uns ergehen lassen müssen.
Zum “Verheizen” bieten sich da ja einige Kandidaten/Kandidatinnen der verschiedensten Parteien an.
Auf “Koch soll zurückkommen” würde ich nicht setzen, glaube ich auch nicht. Der könnte zwar gewisse konservativ/reaktionäre Kräfte binden, ihm fehlt aber die Jugendlichkeit und Dynamik, die scheinbare Offenheit, um FDP Wähler und vielleicht Grünen Wähler abzugreifen. Von der SPD, die nach wie vor nicht aus ihrem Tief kommt, will ich hier nicht reden.
Von und zu Guttenberg ist da schon der “Knaller” :-)
semantisch sehr schön bis bizarr an dem bildausriss da oben ist ja, dass thilo s. eine ganze flut von mikrofonen ins gesicht gedrückt bekommt, er also ja gerade /nicht/ einem sprechverbot unterliegt, sondern regelrecht dazu gedrängt wird, sich in der öffentlichkeit zu äußern.
diese paradoxie scheint mir bezeichnend zu sein für den derzeit herrschenden diskurs. s. verbreitet seine kruden thesen inmitten der gesellschaft und unter nutzung ihrer sämtlichen kanäle wie sonst nur noch die WM. ausgebuht und niedergehackt wird ja – auch und gerade durch die aktion von “bild” – erst derjenige, der sich offen gegen solche theoriebildungen stellt. “bild” befleißigt sich hier nicht, die rahmenbedingungen einer demokratischen diskurskultur zu sichern, vielmehr versucht sie gerade, diesen zu unterbinden.
@ Thomas: “semantisch sehr schön bis bizarr an dem bildausriss da oben ist ja, dass thilo s. eine ganze flut von mikrofonen ins gesicht gedrückt bekommt” – Stimmt, in der Tat, sehr hübsch, danke für den Hinweis. Geradezu ideale Sprechsituation, möchte man sagen…
#7
Ich finde die Überschrift ok, nicht extra großartig aber ok. Fehlt noch das Sarrazinsche Aufdienervengen.
[...] dürfte natürlich niemanden wundern, dass die BILD sich hier an die Spitze der “Es muss erlaubt sein zu sagen, dass…”-Quatschkö… und jetzt “für Meinungsfreiheit kämpft”. Da wird einem echt nur schlecht – wie [...]
Einen Einwand zum Artikel: Fand Erdogan auch schon ziemlich nationalistisch und chauvinistisch, aber wo ist dann da der Unterschied zu Sarrazin und seinen opportunistischen Fans?
@Ursula: Sind Sie sicher, dass es “opportunistisch” und “Fans” richtig trifft? Ist das wie beim Sport oder ein sportliches faires lauern. Die politische Arena ist anders. Da geht es auch um Macht & Geld. Max Weber legte “Herrschaft” als die zentrale Kategorie fest. Im Urteil zu Sarrazin darf man nicht lasch oder lässig zu sein. Wer weiß, was das für Folgen hätte. Kühl urteilen und abwickeln. Denn weder Empörung noch Betroffenheitsorgien geben Kraft oder geben Mut.
Ich liebe die Selektivität, mit der von Rechtsaußen immer “Meinungsfreiheit” für “unangenehme Wahrheiten” eingefordert wird. Abgesehen davon, dass es bei “unangenehmen Wahrheiten” um Tatsachenbehauptungen gehen sollte, nicht um Meinungen – wer will denn anderen immer wieder das Maul verbieten? Im Gegensatz zu Sarrazins Gefasel wäre es ja tatsächlich eine Meinungsäußerung, würde ich behaupten “Sarrazin ist ein Nazi, “Kai Dieckmann hat ‘nen Kleinen” oder “BILD lügt”! Aber stattdessen heisst es dann regelmäßig “BILD klagt”! http://de.wikipedia.org/wiki/Kai_Diekmann#Klagen
Ich warte auf die ersten Schmerzensgeldklagen beleidigter Kopftuchträgerinnen – vielleicht lässt sich ja so Sarrazins Profit aus seiner Schmähschrift auf ein erträgliches Maß eindämmen.
#18
Da haben Sie ja fein alles drei beispielhaft abgedeckt:
“Sarrazin ist ein Nazi, “Kai Dieckmann hat ‘nen Kleinen” oder “BILD lügt”!
Beleidigung, Tatsachenbehauptung (oder wissen Sie mehr?) und Meinungsäußerung (das dürfte schwer zu widerlegen sein)
Dass es zu so einer Zuspitzung kommen würde, wurde spätestens dann klar, als Merkel, Wulff & Co. anfingen, das Buch und den Autor als solches zu kritisieren. Sie hätten stattdessen konsequent die Inhalte und Thesen argumentativ verwerten sollen und z.B. Gegenteiliges belegen. Populisten kann man nur inhaltlich beikommen, nicht mit ebenso populistischen Gegenangriffen. Aber genau dies unterließ z.B. die Kanzlerin. Sie konnte es sich nicht verkneifen, zunächst gar nichts zu sagen, um sich mit den Thesen und entsprechenden Antithesen schlau zu machen. Sie musste ja sogleich bemerken, dass das Buch (nicht die Thesen!, man beachte) “nicht hilfreich” sei. Steilvorlage für Bild & Co.
[...] Carta.info befasst sich mit der Bildzeitung, die die Sarrazin-Debatte zur Schablone ihrer Sprechberechtigungskampagne macht. Dabei ignoriert man bei der Bild natürlich die sarrazinschen Ausführung, die den Rechtsausleger für die Diskussion disqualifizieren: [...]
@aufmerksamkeit #11:
also wenn eines an dieser ganzen sache von unsicherheit befreit ist, dann ist es die tatsache, dass sarrazins, und dass des verlages, kalkül aufgegangen ist. das buch verkauft sich wie früher warme semmeln.
ob man sarrazin aus der buba rauskicken kann, wird nicht zuletzt daran liegen wie sehr er sich dagegen wehrt. bei der spd mag das etwas leichter sein.
ob sarrazin hingegen vergessen wird, dürfte auch mehr an ihm liegen als an der bild. wenn er künftig seine klappe hält, dann ja.. werden wir uns bald über was anderes empören. glaubt das jemand?
mit meinungs- und personenstigmatisierung meine ich genau das, was die worte aussagen. es gab bis jetzt keine inhaltliche auseinandersetzung mit den thesen von sarrazin. stattdessen werden schlagworte verwendet, auch hier bei carta, und auf diese draufgedroschen. es werden globale statistiken per segmtierung niedergeredet und es wird der einzelfall des integrierten moslems als allgemeingültiger vorgang rangenommen… sowas ist besonders peinlich, wenn das eine ministerin aus niedersachsen oder eine soziologin aus berlin tut. dass renate künast nichts anderes kann, konnte man hingegen erwarten.
und ja es ist personen- und meinungsstigmatisierung in diesem lande, wenn sogleich der rechte hammer ausgepackt wird statt die inhalte zu bemühen.. und wenn das von der kanzlerin kommt, ohne dass sie das buch gelesen hat, dann ist das auch eine richtungsvorgabe dahingehend.
mfg
mh
Wie bitte? Ein hoher Beamter dieses Landes darf gewisse Effekte des Sozialhilfesystems nicht mehr “pervers” nennen? Ist das wirklich Ihr Ernst?
Das Buch und die Debatte über das Buch Sarrazins bringen einen Zombie zurück auf die Bühne der deutschen Politik: die historische Konstellation von 1879 ff.
Das eiserne Kanzleramt bereitet einen Plan B vor. Die parteipolitischen Lager erodieren. Weite Teile der Mittelschichten und Kleinbürger erfahren oder befürchten Prekarisierung. Die große Krise liegt gerade erst hinter uns, Rückkehr nicht ausgeschlossen.
Die Demoskopen berechnen die Chancen einer neuen politischen Formation, für die Leute wie Michael Wolffsohn schon mal (idyllisierend) die parteipolitischen Fronten der Schweiz nachzeichnen.
Nicht das Problem misslungener Integration sucht nach einer Lösung. Im Falle dieses Zombies deutscher Geschichte bemächtigt sich eine sogenannte Lösung eines offenbar herrenlos gewordenen Problems.
So kommt Musik in das fiese Spiel, für das Thilo Sarrazin den nützlichen Idioten gegeben hat. Wer übernimmt, ist noch nicht ausgemacht. Aber der Datenkranz einer politischen Situation, deren Atmosphäre Wilhelm Heitmeyer mit dem Bild “wutgetränkter Apathie” beschrieben hat, wartet auf einen Generalübernehmer.
http://www.reden-fuer-eine-neue-welt.de/?p=5420
@mh
so ganz stimmt das nicht mit der angeblichen Nichtbeschäftigung mit den Thesen. Die sind halt weniger Laut. Und Statistiken zu zitieren reicht nicht als Argument. Man muss sie auch verstehen und einordnen können und wollen, man muss Korrelation von Kausalität trennen können usw. und darf sich nicht nur die rauspicken, die einem gefallen.
Auch Sarrazin klaubt sich die Aussagen zusammen, die in sein Weltbild passen. Er hätte auch einfach jemanden Fragen können, der sich damit auskennt, wie zum Beispiel die Autorin der Studie selbst:
http://www.faz.net/…
Oder hier:
http://www.fr-online.de/panorama/-absoluter-unsinn-/-/1472782/4601682/-/index.html
Die Erde ist eine Scheibe. Wer Kritik daran äußert begeht
Personen- und Meinungsstigmatisierung
@mh Wie @Julian schon sagte, es gibt hinreichend Auseinandersetzungen mit Sarrazins Thesen: In der F.A. Z, der ZEIT, der Sueddeutschen, der Frankfurter Rundschau, im Deutschlandradio (hier bei Carta von @Wolfgang Michal verlinkt) und zig anderen Quellen. Auch Blogs haben sich sehr mit der Thematik befasst: F!MBR, Spiegelfechter, Jakblog, Rhetorikblog, weissgarnix, ….um nur stellvertretend ein paar zu nennen.
Herr Sarrazin bläst seine Wahrheitlichkeit heraus. Mit Kritik will er sich nicht auseinandersetzen. Nicht im Haus der Kulturen der Welt, nicht im Interview mit Herrn Friedmann für die BZ (den er auch noch schnell als A*********** tituliert hat), das von Sarrazin so zusammengekürzt und von allem Kritischen befreit wurde, dass es die Veröffentlichung nicht mehr wert war. Das Interview im Tagesspiegel besteht zu 50% aus Nichtantworten.
Die Logik heisst: Wenn du nicht meiner Meinung bist, dann habe ich keine Meinungsfreiheit! Wenn du mich kritisierst, dann wird meine Meinung unterdrückt.
ich weiß, dass die sachdebatte langsam beginnt… und die bild wird sie durch ihre aktion auch vorantreiben, denn dadurch zwingt sie die gemäßigteren medien gerade zu in die thematik rein. die aktion der bild ist also zu begrüßen, auch wenn sie sich nur dem volk zuwendet, welches den umfragen nach eine andere meinung als die politische kaste vertritt… und auch das wird die aktion der bild zunehmend korrigieren. es ist an dieser stelle ja tatsächlich so, dass sich hier erst etwas bewegt, seit dieser vorstoß gemacht wurde.
ich habe fast alle interviews gelesen. das moderateste fand in der faz statt. das in der zeit war unsäglich… vom niveau her noch unter der bild.
zum haus der kulturen gibt es zwei stellungennahmen, da kann man nun glauben was man möchte. und die linksgerichteten blogs schreiben, was zu erwarten ist. die beschimpfung gen rassismus oder die verklausulierten andeutungen dahingehend sind übermäßig vorhanden (solcherlei ist kein argument). das wollt ihr doch nicht ernsthaft als debatte bezeichnen… und auch immer schön die kommentare lesen.
und warum bitte sollte sarrazin etwas diskutieren, was als vorwurf bereits falsch ist? oftmals (nicht immer) wird doch der globalen statistik eine segmentierte statistik entgegengesetzt. das muss man nicht diskutieren, das ist schwachsinn.
naika bei der illner hat es dann sogar noch geschafft zu erklären, dass zwar mehr türkische muslime hartz IV empfangen als deutsche, aber dafür gibts doch auch mehr deutsche rentner, die alle nicht in die hartz IV-statistik einfliessen… häh?
das interview mit elsbeth stern sollte man übrigens genau lesen… ohne vorabgefasste meinung. sie distanziert sich erst sehr stark und muss sarrazin dann in einigen punkten recht geben.
und damit das klar ist, den biologischen teil sarrazins halte ich für schwachsinn und er ist dem thema abträglich. das hätte er sich sparen MÜSSEN.
in israel begrüßt man sarrazins aussagen übrigens. das entspricht dort der gängigen meinung. das aber nur als wertungsfreie information.. und nein, gänig heißt nicht alle.^^
mfg
mh
Ein beachtliches Posting!
Bild setzt auf eine ganz fragwürdige Psycho-Masche. Der Sarrazin-nahe Medienprofessor Bolz kann Aufschluss geben:
„Viele Akademiker, Journalisten und Intellektuelle sind aber gar nicht links, sondern maskieren sich nur so, um in ihren Institutionen überleben zu können. Wer einen „rechten“ Satz sagt oder schreibt, bekommt viel Zustimmung – hinter vorgehaltener Hand. Das ist das Sarrazin-Syndrom: Du hast ja recht, aber das kann man doch nicht sagen … Hier zeigt sich besonders deutlich, dass sich der nachträgliche Kampf gegen die Nazis in den letzten fünfzig Jahren zu unserer größten Denkblockade entwickelt hat. Sie besteht in der grotesken Gleichung: konservativ=reaktionär=faschistisch. Diese Keule schwebt über jedem, der versucht, sich seines eigenen Verstandes ohne Anleitung der Gutmenschen zu bedienen.“ http://www.tagesspiegel.de/meinung/andere-meinung/die-politische-rechte-steht-fuer-buergerlichkeit/1902294.html
Herr Bolz sagt indirekt (1): „In unserem Land dürfen Ausländer und Migranten nicht sachlich kritisiert werden, sonst werden die Kritiker in eine faschistische Ecke gesteckt.“ Das ist Blödsinn, denn natürlich darf über Integrationsprobleme gesprochen werden. Und es werden bei der Integration durchaus Erfolge vorgewiesen.
(2) Mit dem Einstieg „Man wird ja wohl noch sagen dürfen“ gibt man sich als Opfer in politischen Diskussionen. (Ein Einstieg, der ebenso von Koch und Westerwelle schon gewählt wurde.)
(3) Der Bild-Leser könnte gestern gedacht haben: „Bild hat Recht, endlich versucht jemand Klartext zu sprechen und bekommt noch eins von der Kanzlerin und anderen auf den Deckel.“ (Zu den möglichen Absichten der Kampagne hat @Aufmerksamkeit! ausgeführt.) Eine Einschränkung der Meinungsfreiheit ist ebenfalls blanker Unsinn; dazu hat Herr Spreng umfassend zu geschrieben.
(4) Die vermeintliche Denkkette „konservativ=reaktionär=faschistisch“ bewirkt im Umkehrschluss, dass sich rechtsradikale Menschen als plötzlich konservativ fühlen könnten, wenn sie Zuspruch von Menschen bekommen, die in der Öffentlichkeit stehen (Sarrazin, Bolz). All diejenigen, die ausländer- und migrantenunfreundlich gesinnt sind, fühlen sich in ihrer Opferrolle durch die Bildkampagne gestärkt. Herr Langguth äußerte sich im Handelsblatt kürzlich u.a. wie folgt: „Der Politikwissenschaftler Gerd Langguth warnte vor den negativen in der Sarrazin-Debatte.” In der Tat muss die Politik Acht geben, dass nicht aus Sarrazin ein Märtyrer wird”, sagte der Professor an der Universität Bonn Handelsblatt Online. “Es fällt ja auf, dass Sarrazin viel Unterstützung in der Bevölkerung bekommt, sich kaum aber jemand von der demokratischen Elite unseres Landes in den Fragen der Migrationspolitik repräsentiert sieht.” Das Verfahren gegen Sarrazin müsse daher “überzeugend und transparent” sein. http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/bundesbank-entlassung-wulff-sorgt-im-fall-sarrazin-fuer-zweiten-skandal;2648198 Gerne würde ich von einem Fachmann was zur Medienpsychologie lesen, halte das Thema derzeit für ganz wichtig. Irgendwie muss sich diese Pro-Sarrazin-Stimmung erklären.
(5) Der ganz im Gegensatz zu den meisten NPD-Mitgliedern bürgerlich wirkende Herr Sarrazin holt rechtsradikal denkende Menschen aus ihrer vermeintlichen Opferrolle, stärkt sie und mobilisiert. Die NPD bewundert Herrn Sarrazin: http://www.npd.de/html/714/artikel/detail/1757/ Danke für Ihr Posting, Herr @Hütt.
(6) Über Herrn Sarrazin und seine überkommenen Thesen, merkwürdigen Statistiken hätte man besser geschwiegen. Themen lassen sich personenunabhängig diskutieren. Beim Thema Integrationspolitik gibt’s genügend Diskussionsbedarf. Kompetent zur Sache (auch zu den engen Vorschlägen von Frau Heisig) äußert sich Pfeiffer in “Wer über die echten Probleme und deren Lösungen reden möchte, …”, Cicero 09/2010, S. 62 ff.
Kurzum: Wenn irgendein anerkannter Medienmensch oder Bild & Co. den Lesern, Zuschauern verklickern wollen, dass konservativ denkende Menschen in ihrer Meinungsfreiheit derzeit eingeschränkt werden, Probleme mit Ausländern und Migranten nicht kritisieren dürfen, dann kann da eine gefährliche Masche hinter stecken, die politische Interessen verfolgt.
Um die Diskussion mal in ne andere Bahn zu lenken, weg von dem “Buaaahhhh… Sarrazzin… mein Held… Meinungsfreiheit….”-Blödsinn:
Woher kommt das neue Selbstbewusstsein von Springer/Bertelsmann? Haben sich die von der Situation in den USA inspirieren lassen? Die Qualität steht sich hier und dort ja längst in nichts nach. Die Attacken gegen die eigene Regierung, das Aufbauschen von Nichtigkeiten, das Säen von Angst und die Aggressivität gegen Moral und Gesetz. Die dortige extremistische Bewegung wird von Murdoch gestützt und hat ihre Anführer in Beck und Palin gefunden; wer wird hier an die Spitze treten?
Dient die Forsa-Umfrage, nach welcher soundsoviel Merz, Gauck und Sarrazin wählen würden, zur Aufbau von Druck tatsächlich eine neue Partei aufzubauen? Quasi eine Partei der Medienkonzerne, eine BILD-Partei? Falls es soweit käme, wäre von den Dreien nur Merz, der in den letzten Jahren nach dem Wirtschaftscrash auffällig untergetaucht ist, wohl der einzige geeignete Kandidat. Oder wird Guttenberg (oder irgendein anderer Blaublüter) sich dort profilieren wollen? So oder so kann jeder Idiot mit dieser Medienmacht im Hintergrund sich an die Spitze setzen.
Das weist beängstigende Parallelen auf. Die “Volks.partei”, mit dem “Volks.führer” und seiner “Volks.politik”. Getragen von den “Volks.medien”, mit Geld und gewaltiger publizistischer Unterstützung.
Ich will mich nicht dafür entschuldigen müssen, Kommunist zu sein!
WER VERDIENT an der Kampagne hinter Sarrazin und Bild?
VON WEM oder WAS soll abgelenkt werden?
[...] muss man an dieser Stelle die Bild nicht mögen, doch ihr Konter der bis dato gängigen Medienmeinung, der dem Volkszorn zu verdanken ist, wird die [...]
@zonkinoff Der Hinweis auf Bertelsmann ist sehr wichtig. Es ist sicher kein Zufall, dass das Machwerk von Herrn Sarrazin bei der Deutsche Verlagsanstalt /Random House/Bertelsmann erschienen ist.
Die Berlusconisierung in diesem Land schreitet unaufhörlich fort.
Vielleicht ist das Geschrei um die Aufspaltung der Parteienlandschaft auch bewusst forciert. @Wolgang Michal, das scheint die nächste Kampagne zu sein. Aufspaltung wie in der Weimarer Republik bis zur absoluten Regierungsunfähigkeit. Und dann folgt kein IV. Reich, sondern die Übernahme des amerikanischen Zweiparteiensystems?
Verlinke dazu auch hier nochmal das:
http://de.wikipedia.org/wiki/Konservative_Revolution
Ach übrigens, von George W. Bush gibt es auch so ein TOP GUN Foto. Das war aber jetzt vielleicht doch zu unsachlich :-)
@zonkinoff: Palin, Beck, Tea-Party, dann Wilders und Orbán etc., der Trend in Krisenzeiten, nun auch (wieder) in Deutschland? :(
Guten Tag!
Absurd ist, dass die Bild für die “Meinungsfreiheit” insgesamt und im Speziellen für Herrn Sarrazin kämpft. Absurd deshalb, weil niemand Herrn Sarrazin mit einem Sprechverbot belegt hat. Es muss also auch nicht gekämpft werden.
Frei nach dem Motto: Lieber eine starke Behauptung aufstellen, als ein schwaches Argument äußern, zeigt die Bild trotzdem genau das, was im Artikel 5 unseres Grundgesetzes festgeschrieben ist. Sie äußert “ihre” Meinung. Punkt. Aus. Fertig.
Ich wäre ja belustigt, wenn das Thema nicht so ernst wäre. Die meisten Beiträge, die ich zur Debatte über die Meinungsfreiheit bislang gelesen und gehört habe, suchen sich ihre selektive Meinungsfreiheit und haben nicht verstanden – oder wollen das nicht -, dass Meinungsfreiheit für alle gilt. Für Herrn Sarrazin. Für die Bild. Für Robin Meyer-Lucht, für alle Kommentatoren hier.
Ganz gegen den Trend hoffe ich, dass die Schärfe der Debatte noch zunimmt, wie ich in meinem blog schreibe: Der Fall Sarrazin – Das Dilemma kann gar nicht groß genug ausfallen
http://prothmann.posterous.com/27342072
Zur Zeit decouvrieren sich eine unglaubliche Zahl von Menschen in Deutschland als Pseudo-Demokraten, die in Bezug auf die Meinungsfreiheit herumsarrazinieren: Wie Sarrazin Rechte von Menschen beschneiden will, so wollen sie missliebige Äußerungen beschneiden.
Sarrazins Thesen sind ätzend – aber man muss sie aushalten.
Die Kampagne der Bild ist verlogen und eklig – aber man muss sie aushalten.
Die Äußerungen der Kanzlerin und des Bundespräsidenten sind unangebracht – aber man muss sie aushalten.
Zur Kampagne gefällt mir die Süddeutsche Zeitung am besten. Hier werden starke Kommentare geschrieben und hintergründige Artikel beleuchten die seichten Thesen des Herrn Sarrazin und den politischen Zirkus, der darum verantstaltet wird.
Und vor allem gefällt mir die Haltung – Sarrazin und die anderen werden da abgeholt, wo sie angekommen sind: Bei ihren Meinungsäußerungen.
Ich hoffe, dass der Druck noch steigt und sich noch mehr Funktionsträger so weit aus dem Fenster lehnen, dass sie dann auch rausfallen – aus ihrer heuchlerischen Gutmenschenrolle.
Und ich bin überzeugt davon, dass sich über Angebote wie dieses hier die Menschen in Deutschland eine andere Meinung bilden, als Bild und Spiegel sie gerade bilden wollen. Allerdings nur, wenn man einen kühlen Kopf bewahrt und nicht reflexartig das Spiel mitspielt, indem man die Gegenrolle besetzt.
Analyse und Dokumentation sind gefragt, so wie Herr Meyer-Lucht das hier im Ansatz durch die Beschreibung des Ablaufs der Bild-Kampagne getan hat.
Es ist eine großartige Chance, die wechselwirkende Verlogenheit der Politik und gewisser Medien festzuhalten.
Ebenso die gescheiterte Integrationspolitik als solche zu benennen, ebenso die gescheiterte Demokratisierung weiter Teile der deutschen Bevölkerung, die immer dann besonders demokratisch ist, wenn das Bruttosozialprodukt wächst.
Sobald es eng wird, zeigt sich, dass viele in diesem Land Demokratien verschiedener Qualitätsstufen fordern.
Wie dumm die Debatte wird, zeigt sich, wenn sich die Menschen den aktuellen “Spiegel” vorhalten lassen. Sarrazin als Volksheld?
Welches Volk ist gemeint? Das Pack der Besserverdiener oder das Pack der Sozialhilfeempfänger? Die asozialen Blöcke sind klar definiert.
Man kann nur hoffen, dass es einen Ruck aus der Mitte gibt – einen sozialen, einen demokratischen, der sich nicht aufhetzen lässt.
Und die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.
Schöne Grüße
Hardy Prothmann
“in israel begrüßt man sarrazins aussagen übrigens” wie überaschend …
#35: „Man kann nur hoffen, dass es einen Ruck aus der Mitte gibt – einen sozialen, einen demokratischen, der sich nicht aufhetzen lässt.“
Momentan scheint sich durch die Analog-Medien ein Ruck in die ‘rechtskonservative Richtung’ mit allen Randerscheinungen abzuzeichnen. :( Und alle machen mit, selbst ÖR wie ARD, gestern Hansi Hinterseer und heute Norbert Bolz. Da hilft es auch nicht, wenn die eigene Meinung ;) im Digitalen kompetent verkündet wird.
Sehr schön, dass bei der von Bild am Sonntag bei Emnid in Auftrag gegebenen Studie nur Prozentangaben zur Verfügung stehen. Wieviel Personen befragt wurden, ist leider nirgends zu lesen. Wenn ich 5 Menschen befrage und einer der Sache zustimmt, sind das auch 20 %. Aber die Hauptsache alle anderen Medien haben es abgeschrieben.
Die “tabulose Integrationsdebatte” wird auch ohne Sarrazin geführt: http://www.fischfresse.de/2010/09/integrationsdebatte-ohne-tabus-migration-rassismus-sarrazin/
„…Längst ist der Fall Sarrazin über Sarrazin hinaus. Viel größer als der Mann oder das Buch. Im Fall Sarrazin geht es um den Fall Merkel, um den Fall SPD, um das politische und publizistische Establishment in Deutschland. Sarrazin ist zur Chiffre geworden für die Empörung darüber, wie das juste milieu der Konsensgesellschaft den Saalschutz losschickt, um einen verstörenden Zwischenrufer nach draußen zu eskortieren. Und ihm auf dem Weg nach draußen zuzischelt: „Wir werden Dir Toleranz schon noch einbimsen.“…
Dieser Artikel von Matthias Matussek – Die Gegenwut – ist eine wirkliche treffende Analyse:
http://www.matthias-matussek.de/2010/09/die-gegenwut/comment-page-1/#comment-280
[...] einen Rassisten wie Sarrazin “als Vehikel für eine eigene Kesseljagd auf die etablierte Politik” (Carta) benutzt, handelt selbst rassistisch. Wobei ich der These mit der Kampagne gegen die etablierte [...]
Danke für die guten Artikel!
„Dohnanyi nahm Sarrazin vor dem Vorwurf in Schutz, ein Rassist zu sein. Niemand mit Sachkenntnis könne heute noch bestreiten, dass es „besondere kulturelle Eigenschaften von Volksgruppen“ gebe.“ http://www.abendblatt.de/politik/deutschland/article1621640/Hamburger-Ex-Buergermeister-Dohnanyi-will-Sarrazin-verteidigen.html
„Niemand mit Sachkenntnis“. Die Zitate von Robin Meyer-Lucht oben sprechen für sich. Die (Ultra-)Rechtskonservativen formieren sich und platzieren sich öffentlichkeitswirksam in den Analog-Medien. :((
Erdogan ist nunmal ein Chauvinist, ob Partnerland oder nicht. Er ist genauso wenig ein lupenreiner Demokrat wie Putin
[...] “Man wird ja wohl noch sagen dürfen” [...]
Nicht aufregen – da wollte jemand ein an und für sich unverkäufliches Buch verkaufen… Was ihm durchaus gelungen ist – aber kein Grund zur Panik!
Ist halt ein Banker, für seinen persönlichen Finanzstatus hat er alles Richtig gemacht – das Büchlein (22 Euronen, fast nur Zitate, welche man auch überall anderswo findet) verkauft sich gut.
Wenn das Parteiausschlußverfahren der SPD nicht so quälend langsam wäre, hörte man in zwei Wochen nichts mehr von dem kaltduschenden, genetisch beeinträchtigten Rentner – so dauerts halt zwei Monate, und rum isses!
[...] eigenartig, aus welcher Ecke heute die Forderung nach Berufsverboten kommt: Hier ist Meyer-Luchts Liste verbotener Sätze aus dem [...]
“Falls Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann bedeutet sie das Recht darauf, den Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen.” (George Orwell)
Man kann die Sache mit der Meinungsfreiheit auch anders betrachten, ohne zugleich den kruden Thesen Sarrazins zuzustimmen. Natürlich gab es kein Sprechverbot für Sarrazin, aber wenn jemand wegen seiner Meinungsäußerung, und sei sie auch noch so umstritten, den Job verliert, habe ich politische Bauchschmerzen. Früher war ich dagegen, dass Kommunisten keine Briefträger werden durften – und heute soll ich die Entlassung Sarrazins befürworten? Warum eigentlich?
Es ist interessant, wie immer häufiger geschrieben wird, Sarrazin habe “krude biologistischen Gen-Thesen” aufgestellt – dabei zeugt diese Formulierung nur von Unkenntnis: “krude” ist es nämlich nur für diejenigen, die gar nicht genau wissen, was es damit auf sich hat. Die nur verkürzte und aus dem Zusammenhang gerissene Zitatfetzen gelesen oder, noch besser, nur zweit- oder drittkommentierungen gelesen haben. Sarrazin hat aber keine spektakulären Thesen aufgestellt, sondern, explizit darauf angesprochen, zwei relativ bekannte Tatsachen wiederholt:
1) verschiedene Bevölkerungsgruppen haben z.T. eindeutige genetische Merkmale, das wissen nicht nur Kriminaltechniker schon lange
2) die körperliche Entwicklung, und damit auch die Entwicklungsfähigkeit des Gehirns, lässt sich zu einem gewissen Anteil an den Erbanlagen festmachen (über die Höhe des Anteils wird seit über 100 Jahren gestritten; Sarrazin setzt selber auch keine Grenze, sondern kombiniert logischerweise die genetische Komponente mit der kulturellen Vererbung)
Was ich da viel kruder finde, sind die oft merkwürdigen (und manchmal sogar verfassungsfeindlichen) Kommentare von FY Wagner in der BILD.
Mal abgesehen davon, dass ich Sarrazin als Mensch nicht besonders gut leiden kann und ihn auch als zu polemisch empfinde, muss ich doch feststellen: wenn man das politisch-überkorrekte Empörungsbashing mal wegschneidet und die Aussagen in nüchternem Ton liest (wie die FTD dies übrigens getan hat: http://www.ftd.de/politik/deutschland/:abschaffung-deutschlands-sarrazins-buch-ist-erstaunlich-sachlich/50162840.html), dann ergibt sich ein diskussionswürdiges Bild. Schade nur, dass so viele Menschen überreagieren (auf beiden Seiten!) und damit eine echte Diskussion erschweren.
Ich stimme Sarrazin längst nicht in allem zu, aber ich halte ihn weder für rassistisch noch für ausländerfeindlich. Seine Aussagen sind nicht zwingend bedenklich, wohl aber bedenkenswert. Und können in einer nüchternen Debatte auch ohne große Aufregung widerlegt werden, wenn sie sich als falsch erweisen. Hätte ich auch kein Problem mit.
Womit ich aber ein Problem habe, sind Aussagen wie diese:
“Ein Bundesbankvorstand, der das Sozialhilfesystem des eigenen Landes “pervers” nennt, der das Staatsoberhaupt eines Partnerlandes “chauvinistisch” nennt und der über die “dysgenische Wirkung” fehlender “Zuchtwahl” und mangelnder “Selektion” fabuliert, der hat die Repräsentationspflichten seines Amtes grob verletzt.”
Hier wurde weder der Begriff “natürliche Zuchtwahl” verstanden noch das demokratische Recht gewährt, das eigene Sozialsystem und das Handeln eines fremden Regierungschefs kritisch zu betrachten.
(Im Grunde geht es bei der Abschaffung der natürlichen Zuchtwahl um die Entwicklung, dass der archaische Überlebenskampf in der modernen Zivilisation kaum noch eine Rolle spielt und somit ein entscheidender Faktor der Evolution beeinflusst wird – diejenigen, die durch ihre höhere Intelligenz einen evolutionären Vorteil im Überlebenskampf hätten, bekommen weniger Kinder, und dadurch wird zumindest der genetische Anteil an den kognitiven Fähigkeiten geschmälert. Die Frage ist, ob dieser Anteil wirklich so viel ausmacht. Ich glaube das nicht, aber es ist wissenschaftlich nicht geklärt, und damit ist Sarrazins These zu diesem Punkt eine erlaubte These, über die man reden darf.)
Ach so: über diese verlogene BILD-Kampagne kann ich nur lachen. Meinungsfreiheit interessiert Springer doch nur dann, wenn sie von persönlichem Nutzen ist.
Bekommt eutschland jetzt seine lokale Version der Tea-Party mit dem Springer-verlag als FOX-Substitut?
Mich würde wirklich interessieren, wie der soziologische Hintergrund der Sarazin-Befürwortern aussieht — ich habe da so die Vermutung, dass sie ähnlich wie in den USA aus der Mittelklasse (mit der Tendenz zum Abrutschen) stammen und nicht wirklich urban sind…
die forderungen nach meinungsfreiheit sind doch irreführend. es wäre ehrlicher, gleich auf widerspruchslosigkeit zu bestehen. verträgt denn keiner mehr begründete einsprache zu bestenfalls streitbaren thesen?
nein. es werden popanze von diktatur und feindlichkeit herbeigefaselt. hilfe, ich werde unterdrückt!
woanders nennt man so etwas eine schwalbe. sie ist unsportlich, weil sie echtes fußballspielen verhindert. widerspruch muss der demokratie doch nicht gleich der tod sein. “sportlich” ausgetragen ist er ihr ein bedürfnis.
.~.
p.s.: come and see the violence inherent in the system! help, help! i am being repressed!
“…ist nicht nur keine Darwinsche natürliche Zuchtwahl im Sinne von “survival of the fittest”, sondern eine kulturell bedingte, von Menschen selbst gesteuerte negative Selektion…”
Wer nicht einmal die grundlegenden Thesen Darwins korrekt übersetzen und in einen richtigen Zusammenhang bringen kann, hat ohnehin jegliche Glaubhaftigkeit und Seriosität eingebüsst und sollte bestenfalls ignoriert werden.
Als ich gestern den BILD-Titel sah, wurde ich spontan sehr sehr wütend. Das ist in der Tat der heftigste und unverfrorenste Kampagnen-Hammer seit langem. Danke für den Beitrag, sehr treffend!
Allerdings würde ich den “Scheiße”-Kommentar von Wagner nicht als Distanzierung ansehen (auch nicht als teilweise). Sarrazzin wird ja bis auf den letzten Satz zum schlimmsten Prangeropfer stilisiert, wobei die Sympathiebekundungen offensichtlicher nicht sein könnten. Wagner behauptet ja sogar, selbst Mördern und Kinderschändern würde es weniger schlimm ergehen (dieser Vergleich ist nun wirklich beschämend und widerlich). Und auf das Juden-Gen musste BILD natürlich reagieren (Lieblingsthema: Antisemitismus überall). Heraus kam dieser Kommentar, der sich meiner Meinung nach aber eher nach dem Motto “Ist ihm halt ein schlimmer Ausrutscher passiert, aber vergessen wir das” lesen lässt.
[...] Woche noch andere Themen als den verfickten Sarrazin und die anschließende dumm-dreiste verlogene Kampagne via Bild? Ja, gab es! Glücklicherweise. Und zwar [...]
Die BILD ist eben wesentlich besser als ihr Ruf.
Die linksdrehend sozialisierten Medienfuzzis ohne Bodenhaftung und Kontakt zum richtigen Leben können das natürlich nicht einsehen.
http://www.bild.de/BILD/politik/2010/09/06/thilo-sarrazin/so-reagieren-bild-leser.html
Zitat: “Dabei enthält Sarrazins Buch von der drohenden “Abschaffung” der Deutschen auch zahlreiche Sätze, die man als Vorstand der Bundesbank lieber nicht sagen sollte. [....]”
Die dann Herrn Sarrazin vorgeworfenen Sätze sollte eigentlich jeder sagen, der über einen Funken Restverstand verfügt. Derzeit habe ich den Eindruck, dass Sarrazins Kritiker in einem Paralleluniversum leben. Meine Kinder sind in Kreuzberg in die Kita gegangen. Aufrgund dieser Erfahrung hätten wir sie dort nie zur Schule geschickt. Jetzt sind sie in einer Schule mit geringem Ausländeranteil, zusammen mit den Kindern von Multi-Kulti Träumern aus Mitte und dem Prenzlberg…
WS
@Robin Meyer-Lucht
Ich schlage vor, Sie schlagen die Worte pervers und chauvinistisch noch einmal nach und sagen uns dann, was an den beiden zitierten Sätzen faktisch falsch ist. Vorher bitte auch nochmal kurz durchlesen, was Herr Erdogan so bei seiner Rede in der Arena gesagt hat.
Sehr kluge Kommentar! Was wir nicht vergessen durfen ist, dass es Sarrazin war, der sein Buch geschrieben hat, Auflage cirka 50.000 und zahlose Interviews gegeben hat. Wo denn, ist erkenntlich dass es einen ‘Denkverbot’ oder ‘Sprachverbot’ oder einen Kampagne gegen Sarrazin und sein abstrusen Theorien jemals gegeben hat?
Bild ist das beste Trashmedium – ‘Stürmer’ war ganz lasch in Vergleich.
Was mich an der ganzen Diskussion stört ist die Vehemenz, mit der Befürworter und Kritiker gerade NICHT aufeinander hören. Jeder meint, dass er am lautesten schreien muss. Als ich noch jung war, kannte ich diesen Effekt: Der in einem Schulbuss. Ein Kind fängt an zu reden. Es ist ihm nicht wichtig, mit seinem Gebrabbel alle zu erreichen, es ist anfangs leise. Plötzlich redet ein zweites Kind. Irgendwann redet der ganze Buss plötzlich und sei es nur mit dem Nachbarskind; es wird das Gerede zu einem Schreien. Bis dass der Busfahrer einschreitet. Hat Deutschland einen Busfahrer?
Was ich damit meine: Die Meinungsfreiheit hat Ihre Grenzen und das ist gut so. Siehe Artikel 5, Absatz 2. Ich darf eben nicht einfach so meine Meinung kund tun, wenn sie beispielsweise ehrverletztend ist. Das ist eine klare, eindeutige Grenze. Und die hat Sarrazin in den Augen vieler (und auch in meinen Augen) überschritten. Böswillig kann man behaupten: Mit einzelnen Passagen seines Buches. Aber in meinen Augen muss man da auch mit der Lupe suchen. Ein Geschmäckle bekommt das aber erst durch den begleitenden Zirkus.
Ja, es ging und geht immer noch um diese abscheulichen Gen-Theorien, nicht um das Buch selbst. Und das ist es, was die Kritiker eigentlich meinen: Diese begleitenden Interviews. Dieses Aufbauschen der Medien und die sture Haltung des Herrn Sarrazin selbst. Bei “hart aber fair” wird ihm der Boden unter den Füßen weggezogen, ihm inhaltlich das Gegenteil gezeigt. Ihm wird deutlich gesagt, dass sich die von ihm zitierten Wissenschaftler dagegen erwehren, so interpretiert zu werden. Was macht Sarrazin: “Die Gen-Aussagen waren eine Dummheit und tun mir leid”. Der Nachsatz “Aber inhaltlich vollkommen richtig und ich stehe dazu.”
So leid es mir tut: Aber Herr Sarrazin hat sich da in etwas verrant, wodurch er sein Buch, sei eigentliches Ansinnen leider in den Hintergrund drängt. Nicht sein Buch ist es, was gegen den Absatz 2 gehalten wird, was sich an Ehrverletzung messen lassen mu8ss, sondern das drumherum. Die Bundesbank bezieht sich auch gar nicht auf das Buch, ebend weil es unbequem ist aber eben nicht zwangsläufig ehrverletztend.
Und damit schließt sich der Kreis: Die Sarrazin-Befürworter halten sich in erster Linie an das Buch, sagen er werde mundtot gemacht. Die Sarrazin-Kritiker diskutieren das Buch nicht in erster Linie, sondern die Begleitmusik, verweisen auf die dort enthaltene Ehrverletzung, die ebend nicht durch meinungsfreiheit eingeschränkt ist. Die Befürworter verweisen darauf, er erhalte ein Berufsverbot und werde mundtot gemacht. Die kritker sagen “Berufsverbot? Mundtot? Sarrazin soll doch seine Meinung sagen, aber das soll er nicht mehr als SPD-Mitglied und nicht mehr als Bundesbank-Vorstand.” Wir Internet-Blogger und Forum-Poster kennen diese Argumentation doch zur Genüge: Das ist die des Hausrechtes. Man macht niemanden mundtot, wenn man ihn aus einer Organisation ausschließt. Keine Organisation und schon gar keine politische ist verpflichtet, alle Meinungen aushalten zu müssen. Jede Partei darf sich ihre Mitglieder nach dem Nutzenfaktor selbst aussuchen.
Leider hören die Kinder nicht aufeinander sondern brabbeln immer noch wild durcheinander.
[...] Tagesspiegel strickt daraus eine rührende und gerade in Zeiten der Sarrazin-Medien-Kampagne wichtige Kleinreportage über Zivilcourage, Integration und die Zukunft des deutschen Fußballs. [...]
Welches Sprechverbot überhaupt? Man hört doch praktisch nichts anderes mehr als diesen rassistischen Abfall.
Es geht doch schlicht darum, solche Art von merkbefreiter “Meinungsfreiheit” nicht staatlich zu subventionieren. Und ein Recht auf subventionierten Rassismus ist mir genauso wenig bekannt, wie der Wisseschaft das Judengen.
[...] Wer hätte das gedacht: BILD und pantoffelpunk kämpfen Seit´ an Seit´… für die Meinungsfreiheit! [...]
Leider will mir kein besonders inspirierter Kommentar einfallen. Ich bin sehr von Robins Eintrag beeindruckt. Dieser Text grenzt an das Maximale, das ich vom Autor erwarten kann. Chapeau.
Bemerkenswert hingegen finde ich, dass carta.info anscheinend unter der Verlinkung von BILDblog.de zusammenbricht. Sollte mit anhaltender Popularität gerechnet werden, wäre das Aufstocken der Kapazitäten eventuell ratsam.
@ 29/zonkinoff
“Dient die Forsa-Umfrage, nach welcher soundsoviel Merz, Gauck und Sarrazin wählen würden, zur Aufbau von Druck tatsächlich eine neue Partei aufzubauen?”
Sie fallen auf den von vielen Medien verbreiteten Unsinn herein, daß diese Umfrage etwas darüber aussagt, wie die Menschen wählen (würden).
Es ging nicht darum, wie die Menschen wählen würden, wenn es eine Sarrazin-/Merz-/Gauck-Partei gäbe, sondern daß sie sich VORSTELLEN KÖNNTEN eine solche Partei zu wählen. Das ist etwas völlig anderes als die vereinfachenden und verfälschenden Überschriften à la “18% würden Sarrazin-Partei wählen”!
Ich könnte mir auch vorstellen, die CDU zu wählen, wenn sie aufhören würde, so eine Scheiß-Politik zu machen. Oder die FDP – so sie denn dem Neoliberalismus abschwören und wieder eine eher linksliberale Partei werden würde :D.
VORSTELLEN kann ich mir viel – genau wie die Befragten offensichtlich. Ob ich das dann auch tatsächlich tun würde, steht auf einem ganz anderen Blatt.
Zum Titel: Die Bild erliegt nicht dem Boulevard-Gen: Sie bleibt ihrer Linie treu.
Dumm nur, dass sich so viele andere das Bild-Gen einfangen…
Danke für den schönen Artikel!
Interessant noch: Herausarbeiten, welche Meinung die verschiedenen Bekundungen der Bild zu verbreiten versuchen. Sowohl die „gegen“ Sarrazin als auch die für ihn ? was will die Bild erreichen?
@56 (klaus):
und was genau kann man an der von ihnen verlinkten leserbriefsammlung jetzt über die qualität der bildzeitung ersehen? warum ihre gehässigkeit gegenüber medienschaffenden?
hätten sie ihrer gefühlsäußerung ein argument an die seite gestellt, könnte man darüber diskutieren. so äußern sie sich mehr über ihre eigene person, als über das thema.
wie schade.
.~.
[...] sich die Blogrebellen.Meinungsfreiheit: pantoffelpunk setzt sich mit dem Boulevard Gen der “Man wird ja wohl noch sagen dürfen”-Kampagne der BILD Zeitung auseinander. Max Brym bei Scharf-Links ebenso.Behindert: In [...]
Vor einem Kiosk im seit mindestens 68 Jahren chronisch linken Ottensen stand auch am Sonnabend der Aufsteller mit der eingelegten Bildzeitung, die abgebildete Schlagzeile war allerdings (hinter dem Plexiglas) durch einen Din-A4-Zettel verdeckt, auf dem handschriftlich vermerkt war: “Die BILD-Zeitung ist immer noch ein reaktionäres Hetzblatt” (Unterschrift). Ich war beeindruckt!
Die Bildzeitung hat auf dieser Ebene nichts zu sagen, aber irgendwie versteh ich ja was sie sagen wollen.
@MH
Dass Sie als erklärter Sarrazin-Fan seine rassistischen Genlügen als “anerkannt” bezeichnen und sein volksverhetzendes Gewäsch schon auf Ihrer Webseite verteidigen ist abscheulich genug.
Dass Sie jetzt fabulieren, die Bild treibe die “Sachdebatte” vorran, senkt ja bereits beim Lesen die Volksintelligenz!
Ich sage Ihnen eines: NA HOFFENTLICH werden Rassisten und Antisemiten wie der feine Herr Sarrazin seit 60 Jahren in Deutschland geächtet!
Ich würde es nicht ertragen, in einem Land zu leben, in dem dieses dumme, menschenverachtende Geschwätz nicht durch Kritik beantworten werden würde!
Sorry, so wie Bild ihre Meinung macht so ist auch dieser Artikel sehr Polarisiert.
Sarrazin hat ne menge Stuss geredet, aber auch viel Wares angesprochen und auch einige Sachen angesprochen denen ich positiv gegenüberstehe.
Was ich so witzig finde, nichtmal über einen Kinderporno Sammler oder Mörder im Bundestag wurde soviel schmutz gewaschen als wie über Sarrazin
Man wird ja wohl nochmal sagen dürfen, dass wir in Deutschland jemand, der rassistischen Quatsch über jüdische Gene faselt, nicht auch noch fast 19.000 € im Monat bezahlen müssen.
Mich würde mal interessieren, wie viele Schreiber hier den wirklichen Bezug zu den Migranten-Geschichten haben. Nicht so aus der Theorie oder wegen Cem, den man von der Kaffeebude neben an kennt. Sondern weil man da lebt. Oder leben muss.
Mag (sicher) sein, dass Bild eine hübsche Kampagne gefunden hat. Mag sein, dass Buhbanker Sarrazin da ein breites Thema in teils recht dünne Thesen gepackt hat.
Aber warum funktioniert das? Mal abgesehen von dem linken Geschrei, dem pseudodemokratischen Gemöhle der üblichen Kritiker – ist das Thema seit langer Zeit ein Thema auf der Straße, in der U-Bahn oder in den Kneipen landauf landab.
Warum? Wegen der Bild? Wegen der Person Sarrazin?
Wer sich da so sicher schreibt, kann sich mal umsehen, wie es so ist im Volk. Dem, das lange Zeit unter – Entschuldigung – Links-Spastikern oder Zwangsgutmenschen geschwiegen haben, weil man manche Dinge ja nicht öffentlich aussprechen darf.
Mir ist die Bild egal. Mir ist Sarrazin egal. Und vielleicht hab ich die Aussicht, dass mir theoretisches und weltfremdes Totgeschwafel über Dinge auf der Straße bald auch egal sein können. Weil eine mindestens gleichberechtige, ebenso starke Meinung von der Basis endlich Gehör findet – oder sich verschafft.
Ist eine Meinung.
[...] von telegehirn Politiker in Deutschland neigen bei Problemen oft zu Aktionismus. Besonders wenn die Boulevardpresse mal wieder eine Sau durchs Dorf getrieben hat. Heinz Buschkowsky, der Bezirksbürgermeister von Neukölln, will eine allgemeine Kita-Pflicht für [...]
@72: Ich denke nicht, dass man das, was Sarrazin alles gesagt hat, einfach nur als Stuss in Abrede stellen sollte. Es einfach als Stuss abzutun, wäre nicht nur zu einfach, sondern wird auch seinem Verhalten nicht gerecht. Trotz der massiven Kritik an diesen Gen-Theorien (im übrigen nicht nur Juden-Gen, sondern es gibt nach seiner Auffassung auch ein Dummheits-Gen) hat er diese in der Sache nicht zurückgenommen, sondern bekräftigt.
Selbst als die entsprechenden Wissenschaftler, die er zitierte, diese Interpretation von sich gewiesen haben, sagte er bloss “In der Sache habe ich recht”.
Sarrazin als Rassisten zu beschimpfen, da machen es sich viele zu einfach, denn auch das ist er wohl nicht. Aber: Sarrazins Äußerungen werden mit Begeisterung von Rechtsradikalen aufgenommen. Diese Gruppierungen nehmen das Buch derzeit als Manifest dankend an. Dass Sarrazin sowas nicht im Sinn hat, mag man ihm glauben und ehrt ihn. Trotzdem bleibt die Aussage im Raum stehen und es bleibt stehen, dass er mehrere offene Sympatiebekundungen rechtsradikaler Gruppierungen bekommen hat, gegen die er sich nicht einmal öffentlich wehrt.
@74: In der Tat kenne ich dieses Thema aus eigener Anschauung schlichtweg gar nicht. Ich bin in einem typischen Arbeiterhaushalt groß geworden. Die Region lebte vom Bergbau mit allem Drum und Dran. Viele türkischer Gastarbeiter stammten aus der ersten fleissigen Gastarbeiter-Generation. Deren Kinder waren normal integriert bei uns. Vielleicht lags an dem ansonsten ländlichen Ambiente oder der Tatsache, dass die Region bis heute kaum Arbeitslosigkeit vorzuweisen hat, dass sich nicht sowas wie ein “Slum” bildete.
Ich habe eine Deutsch-Griechin als Freudin, wir werden bald heiraten.
In der Stadt, in der ich mittlerweile lebe, begegnen einem hin und wieder Jugendliche, die am Handy in der Sprache Ihrer Eltern reden, gleichzeitig dann aber meist im gleichen Atemzug deutsche Sätze loswerden, die ich besser verstehe als die Einheimischen hier (vielleicht weil ich als Hesse die Badener nie verstehen mag). Sie sind zweisprachig. Vielleicht sind es die falschen Ecken Karlsruhes, wo ich kenne. Ein Integrationsproblem sehe ich kaum. Wenn ich irgendwo etwas von Gewalt beispielsweise Jugendlicher mitbekomme, dann scheint dies meist ein Querbeet-Problem zu sein. Das meiste, was ich mitbekomme ist, dass sich (größtenteils deutsche) Jugendliche an einer Haltestelle mit Alkopops die Gehirnzellen wegsaufen.
Die Parallelgesellschaften gibt es, wenn man danach sucht. Da bin ich mir zu 100% sicher. Die Fallbeispiele von in Deutschland lebenden Türken, die seit 30 Jahren hier leben und nur 2 Wörter Deutsch herausbringen, die dann schlechtes Vorbild für die Kinder sind, gibt es, wenn man danach sucht. Ob es ein Flächenbrand ist: Ich denke, ich kenne mit Karlsruhe ein Gegenbeispiel, wo dies kein großes Problem zu sein scheint. Womit im übrigen auch die Gen-Theorien, die sowieso Blödsinn sind, über den Haufen geworfen werden.
Angesichts der aufgeladenen Debatte: DANKE für die zu großen Teilen sachliche und konstruktive Diskussion auf dieser Seite.
Hey, die Linken dürfen alle ihre Meinung sagen, wenn jemand mal etwas sagt, das Rechts ist (und die absolute Wahrheit!), dann rufen wir gleich wieder die Hexenprozesse aus!
Eine Schande für die Meinungsfreiheit!
Was mir neben dem Promoting Sarrazins Sorgen macht, sind Verbände wie der “Konvent für Deutschland”. Ich wurde auf ihn aufmerksam, als Klaus von Dohnanyi Sarrazin verteidigte. Dohnanyi ist stellvertretender Vorsitzender. Bei Betrachten des Internetauftritts dieses Konvents fiel mir auf, dass zwei Mitglieder sich in einer ähnlich abfälligen Weise über die sogenannte Unterschicht äußerte, wie Sarrazin. Nämlich Wolfgang Clement (Ex-SPD) und Oswald Spengler (Ex-SPD, Ex-GRÜNER). Kurze Zeit später entdeckte ich dann auch Pläydoyers dieser beiden Herren für Sarrazin. Und auch der Initiator dieses kleinen wohlfeinen Verbandes, Hans-Olaf Henkel, verteidigte seinen “Freund” Sarrazin. “Das darf man wohl noch sagen…” – eine Kampagne für den schlanken Staat? http://klassismus.blogspot.com/2010/09/definieren-sie-rassismus-herr-dohnanyi.html
@77 Ich empfehle dringend die Lektüre des Grundgesetzes. Unter dem bekannten Artikel 5 fällt auch Absatz 2. Plädieren Sie für dessen Abschaffung aber solange dieser Artikel existiert, ist er für Linke und Rechte und die Mitte gleichermaßen zu achten und zu respektieren.
Einzelne Menschen dürfen sich nicht davon ausnehmen, nur weil sie eine dem Staat verachtende Haltung einnehmen. Weiter oben schrieb ich: Die “Fans” und die “Hater” gleichermaßen haben gar nicht das Bedürfnis, inhaltlich zu diskutieren. Beide Parteien schreien nur um die Wette, wie kleine Kinder im Schulbuss, die sich auch nur mit ihren Sitznachbarn unterhalten wollen.
Für Sie gilt auch: In Ihrem Interesse ist es gar nicht, zu verstehen, was Meinungsfreiheit bedeutet, wo sie eingeschränkt ist und worin sich Sarrazins mutmaßlicher Verstoß gegen die Einschränkung der Meinungsfreiheit verbergen könnte. In Ihrem Interesse ist es nicht, zu verstehen, dass sich die Kritiker weniger auf das Buch als auf die begleitenden Interviews stürzen.
Hauptsache Sie können schreien ;-)
@74
Was sind denn “die Migrantengeschichten”? Aha, ich sehe schon:
“Nicht so aus der Theorie oder wegen Cem, den man von der Kaffeebude neben an kennt. Sondern weil man da lebt. Oder leben muss.”
Aber genau das IST “Cem von der Kaffeebude”. Schwänke aus dem Leben, Anekdoten. Und nur weil man sie persönlich erlebt hat glaubt man, dass es überall so ist.
Das hat nichts mit “sich auskennen” zu tun. Und sehr viel mit einem übersteigerten Ego – man stilisiert sich selbst zum Repräsentanten der Allgemeinheit. Das ist ein nettes Gefühl, hat aber weder etwas mit “Migrantengeschichten” zu tun noch damit, sich auszukennen.
@Andreas Kemper Das ist ja ein schöner Freud :-) Sie meinten sicher Oswald Metzger, aber Oswald Spengler passt ja auch irgendwie:
http://de.wikipedia.org/wiki/Oswald_Spengler
[...] auch soweit gehen, zu sagen: Warum sollten Kinder mit türkischen Sprachkenntnissen sich auch auf deutschen Schulhöfen nicht in türkisch unterhalten dürfen? Nur, weil uns das vielleicht befremdlich erscheint? Es [...]
Desöfteren wurde hier darauf hingewiesen, dass es keine Einschränkungen in der Meinungsfreiheit nach GG Art. 5 gäbe, da Sarrazin ja überall seine “kruden Thesen” verbreiten dürfe. Das scheint mir jedoch weniger der Fall zu sein. Was verbreitet wurde, war vielmehr die absichtliche Falschinterpretation weniger Passagen des von Sarrazin verfassten Buches mit dem Ziel, dem Verfasser Rassismus, Antisemitismus oder eine vergleichbare Geisteshaltung, die zuverlässig zu gesellschaftlicher Ächtung führt, nachzuweisen. Sarrazin selbst sowie Personen, die mit seinen Auffassungen übereinstimmten, wurden zwar in Talkshows eingeladen, dort wurde ihnen aber regelmäßig das Wort abgeschnitten. Rühmliche Ausnahme war Herr Baring bei Herrn Plasberg, der aufgrund seiner rhetorischen Überlegenheit den Gastgeber kurzzeitig dergestalt in Verlegenheit zu bringen vermochte, dass dieses Mittel ausfiel.
Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Thesen hat bislang noch immer nicht stattgefunden. Zunächst hat man sich an “kruden Gen-Thesen” abgearbeitet, die entweder so nicht im Buch stehen oder aber wissenschaftlich belegbar sind, weswegen man einen Streit um des Kaisers Bart anzetteln musste, um diese nicht politisch korrekten Äußerungen trotz ihrer wissenschaftlichen Korrektheit aus dem öffentlichen Diskurs zu verbannen. Und im zweiten Schritt spricht man immer noch nicht über die Fehlanreize des Sozialsystems, um die das Buch eigentlich geht, sondern greift wieder einmal zur Integrations-Großdebatte, die in diesem Lande seit 30 Jahren immer wieder einmal aufgegriffen, aber ebenso schnell wieder fallengelassen wird. Ggf. fallen ein paar mit heißer Nadel gestrickte Gesetzesänderungen dabei ab, aber wirkliche Reformen (die sich auch keineswegs ausschließlich auf Zuwanderer erstrecken sollen – auch Sarrazins Horizont ist da weiter gefasst – der seiner “Leser” oft anscheinend weniger) bleiben aus. Obwohl es relativ egal sein dürfte, ob die Großeltern eines künftigen Stammkunden der Sozialbehörden, der niemals seinen eigenen Lebensunterhalt erwirtschaften kann, geschweige denn Beiträge in die Sozialversicherungen einzahlen, in Ostwestfalen oder Ostanatolien geboren sind.
Darüber hinaus ist die Frage, ob die Entfernung aus dem Beschäftigungsverhältnis und aus der Partei, der Sarrazin seit fast 40 Jahren angehört, auch konform geht mit der Achtung der Meinungsfreiheit. Erleidet jemand durch Äußerung einer legitimen Meinung berufliche oder gesellschaftliche Nachteile, was für Herrn Sarrazin durchaus zu gelten scheint, dann ist die Meinungsfreiheit nicht ausreichend geschützt. Legt man derlei Kriterien an, dann war auch die DDR kein Unrechtsstaat, sondern schützte die Meinungsfreiheit in vorbildlicher Weise. Es konnte jeder sagen, was er wollte – er musste lediglich mit den Konsequenzen leben. Eine solche Argumentation erscheint mir dann doch recht verlogen.
#84
Das ist Blödsinn, und zwar von vorne bis hinten.
- Die Auszüge blieben in der Bild und im Spiegel eine Woche unkritisiert stehen. Sie glauben ja wohl nicht etwa, dass Herr Sarrazin nicht mit ausgesucht hat, welche das waren. Er tat das absichtlich und im vollen Bewusstsein der Konsequenzen und Bild und Spiegel gaben die Bühne.
- Sarrazin und seine Befürworter wurden in Zeitungen, im Fernsehen und im Radio zigmal interviewt, ohne dass überhaupt ein Kritiker dabei gewesen wäre.
- Der Einzige, der sich standhaft weigert, sich inhaltlich mit den Thesen auseinanderzusetzen, ist Sarrazin selbst. Das liegt daran, dass die Menschen mit Ahnung von der Materie seine Thesen in Minuten widerlegen können und das auch tun, selbst die, auf die er sich in seinem Buch beruft.
- Sarrazin selbst ging es nie um eine sachliche Debatte um soziale Missstände, sondern ums Brandstiften. Er möchte den Verkauf seines Buches anheizen und sich sein Ego an den Flammen wärmen.
- Man muss nicht unbedingt das Buch von jemandem gelesen haben, um festzustellen, dass er dummes Zeug redet. Wenn Sie das glauben, sind Sie ihm schon auf den Leim gegangen.
- Wenn Sie zu ihrem Chef gingen und ihm ins Gesicht brüllten, dass er eine faule Sau und obendrein sowieso ein bisschen matschig im Oberstübchen ist, denken Sie dann, Sie könnten mit einem Hinweis auf die Meinungsfreiheit ihren Job retten? Nein? Warum merken Sie dann nicht, was ihr letzter Absatz für ein Schwachsinn ist?
Ihre Argumentation erschiene mir tatsächlich extrem verlogen, wenn ich nicht den traurigen Verdacht hätte, Sie meinten das ernst.
@81 et al
Zitat: “Aber genau das IST “Cem von der Kaffeebude”. Schwänke aus dem Leben, Anekdoten. Und nur weil man sie persönlich erlebt hat glaubt man, dass es überall so ist. Das hat nichts mit “sich auskennen” zu tun. Und sehr viel mit einem übersteigerten Ego – man stilisiert sich selbst zum Repräsentanten der Allgemeinheit. Das ist ein nettes Gefühl, hat aber weder etwas mit “Migrantengeschichten” zu tun noch damit, sich auszukennen.”
So etwas meinte ich mit meiner Frage… Sie lautete: Wer lebt denn da wo das Leben passiert, wo es brennt? Wer kennt sich denn in der Praxis aus? Ein Ja oder Nein wäre ein guter Anfang für eine Antwort gewesen. Stattdessen wird mir meine Haltung “richtig” erklärt.
Man muss schon ein “sehr übersteigertes Ego” haben, um anderen so etwas anzupappen. Mein Tipp: Kleine Reise in die VIertel, die ihr nicht besucht. Kleiner Ausflug zum hiesigen Amts- oder Landgericht. Kleine Recherche für Presseberichte der Polizei eines x-beliebigen Wochenendes, die Stadt könnt ihr Euch aussuchen. “Cem von der Kaffeebude” werdet ihr dort massenweise nicht finden. Den nicht.
Und: Ich glaube, dass sich das Volk sicher auch für die Dinge aus der Parallelgesellschaft interessiert. Wenns mal wieder einen dieser sogenannten Ehrenmorde gibt. Hu! Vielmehr interessiert die Leute aber sicher, dass sie in ihrer Gesellschaft angepöbelt, werden bedroht, beraubt… Das, was vielleicht mal in der Parallelgesellschaft groß geworden ist, schlägt sich schon längts durch die normale.
Nein? Geschrei? Siehe Tipp oben.
Mkay, BILD ist bäh. Das ist ja generell nicht wirklich neu. Thilo ist auch bäh. Zwei Übertragungen von der emotionalen Pissrinne habe ich mir in den letzten Tagen angesehen. Bei “Hart aber Fair” ist mir im Gedächtnis geblieben, wie Herr Plasberg
Herrn Sarrazin leicht spöttisch darauf hinwies, er, Sarrazin, könne doch sagen was er wolle, von Maulkorb könne doch keine Rede sein, Sarrazin könne ja bei ihm und auch in all den anderen Talkshows seine Thesen verteidigen. Ja, dachte ich. Sicher. Wenn man damit leben kann, morgen aus seinem Job geworfen zu werden, aus seiner Partei entfernt zu werden, und dann noch die Bundeskanzlerin höchstselbst seinem Arbeitgeber empfiehlt sich von einem zu trennen ( um nach Vollzug ihren Stolz auf die “unabhängige Entscheidung” der Bundesbank zu verkünden ), dann kann man das.
Bei Anne Will habe ich gelernt, daß Herr Wowereit sich regelmäßig zu Fuß (hört,hört)
auf den Weg zu seinem Gemüsehändler macht, um sich vom ordnungsgemäßen Zustands seines Kiez`zu überzeugen. Na, das ist ja toll.
Ich habe keine Angst um Herrn Sarrazin, er wird sich sicher nicht im Winter einen Pullover mehr anziehen müssen, wenn es kälter wird. Nur halte ich es für einen Riesenfehler, den Mann so öffentlich zu kreuzigen und ihn damit zum Märtyrer zu machen.
Das sieht für Leute, die kein Philosophie und / oder Germanistik – Studium haben, eben aus, als köpfte man den Überbringer schlechter Nachrichten.
@84/@85: Ergänzend:
- Sarrazin selbst wurde mehrfach auf die Gen-Thesen angesprochen, auf das Juden-gen und das Dummheits-Gen (ersteres hauptsächlich aus begleitenden Interviews, zweiteres als Argumentation direkt aus seinem Buch). Ich erinnere beispielsweise an “hart aber fair”, in der er zwei Sätze dazu sagte:
a) Das war in der Tat eine riesige Dummheit
b) Inhaltlich habe ich damit völlig Recht.
Er habe es für banal gehalten, diese Gen-Thesen zu äußern. Aufgrund der Reaktionen sei das eine Dummheit gewesen. Aber im gleichen Zug rückt er davon nicht ab. Ist er wirklich so naiv? Kann man ihm Naivität glauben, wenn er im Buch schreibt, dass er nach wie vor denke, dass die Gesellschaft solche Themen verurteile und sie ein Tabut sind? Er wusste in meinen Augen haargenau, was er da tat und tut. So dumm und naiv kann Sarrazin nicht sein, das nicht zu wissen.
Das Maß heisst: Rassenwahn ja oder nein.Und hier muss man nüchtern eindeutig mit Ja antworten, egrade aufgrund der ausbleibenden Richtigstellung oder Abrückung von diesen einzelnen Aussagen.
Das Buch ist tiefgründiger und es ist schade, dass es hinter diesen Gen-Thesen in den Hintergrund gedrängt wird. Ein pures “Im Grunde hat er Recht” darf niemals als Rechtfertigung dienen, dem Rassenwahn zu verfallen. Wäre dem so, hätten wir aus der NS-Zeit absolut nichts gelernt und das wäre wirklich schade.
@87:
Herr Sarrazin beruft sich regelmäßig darauf, sich ausschließlich als Privatperson geäußert zu haben – er weiß sehr genau, daß seine Äußerungen für einen Bundesbankvorstand absolut unangemessen waren. Selbst eine Supermarktkassierin muß schon für weit weniger schlimme Äußerungen mit Entlassung rechnen. Meiner Meinung nach zu Recht, da sie im Supermarkt eben auch bei der Außendarstellung des Geschäfts wirkt.
Meines Erachtens hätte Herr Sarrazin demzufolge seine Äußerungen gerne als Privatperson auf Geburtstagsfeiern oder anderen privaten Anlässen äußern können. Er hätte genauso wenig Ärger befürchten müssen wie jeder andere. Indem er sich aber als Autor und Interviewpartner äußert, betätigt er sich nicht “privat” sondern “öffentlich”. Diese Form der Öffentlichkeit hätte er als Nicht-Bundesbanker und -Politiker überhaupt nicht erhalten. Sich also hier auf den Standpunkt der Meinungsfreiheit stellen und von Redeverboten zu sprechen, geht an der Realität vorbei.
also bislang ist mir noch nicht bekannt geworden, daß Kassiererinnen in Deutschland wegen Äußerungen zu Herrn Erdogan oder der Gerechtigkeit des Hartz4 Systems entlassen worden wären.
Ich habe nichts dagegen, wenn jeder der hier in Amt und Würden Unsinn erzählt, sofort seines Amtes enthoben würde. Da würde es aber in Berlin sehr schnell sehr übersichtlich im Bundestag.
Der “Partnerland” Ministerpräsident Erdogan darf also Dinge sagen wie:
“Demokratie ist wie eine Straßenbahn. Wenn du an deiner Haltestelle angekommen bist, steigst du aus.”
“Gott sei Dank sind wir Anhänger der Scharia.”
( Zitate aus Wikipedia, ich denke die die stehen bislang noch nicht im Verdacht, nationalsozialistisches Gedankengut zu verbreiten )
So, und Herr Sarrazin hat nun gesagt, Herrn Erdogans Haltung zur kulturellen Identität der Türken in Deutschland sei chauvinistisch.
So what?
Also wenn da nicht mehr “Fleisch” ist, als diese oben genannten sechs Punkte dem 400 Seiten Buch, dann verstehe ich die Aufregung nicht.
@xub (88)
Absolut nachvollziehbar, warum es eine Dummheit und trotzdem richtig ist.
Die Richtigkeit von der These der genetischen Spezifizität bestimmter Volksgruppen wird in zahllosen Fachartikeln untersucht, und bei Juden, bzw. konkreter, bei Ashkenasim, sind diese Artikel besonders zahlreich. [1] Soviel also zu 2.
Und zu 1.: Es gibt gewisse Termini, die in Deutschland dazu führen, dass keine sachliche Debatte über Inhalte mehr stattfinden kann. Das hat Sarrazin beeindruckend demonstriert. Deswegen war es unklug, im Kontext “Juden” und “Gene” zu sagen, weil – unabhängig vom Inhalt der Aussage – dann ein Empörungsreflex folgt, der jede weitere Diskussion abwürgt. Das ist bedauerlich, denn im Gegensatz zu anderen Autoren, die sich in Deutschland merkwürdigerweise allgemeiner Beliebtheit erfreuen – zuvörderst seien Henning Mankell und Jostein Gaarder [2] genannt – ist Sarrazin wirklich kein Antisemit.
[1] http://www.nature.com/news/2010/100603/full/news.2010.277.html
[2] http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/ein_blinder_passagier_1.5999804.html
@91: Bitte einmal um konkrete Quellennachweise. Quellen, die auch glaubhaft belegen, dass die Deutschen durch ihre systematische Verninchtung im 2. WK dort nicht auch eine maßgebliche “Schuld” tragen. Nicht dass hier wieder ein Effekt von Verwechslung von Ursache und Resultat eintritt. Judentum ist genausowenig als Volk oder Rasse zu begreifen, wie es der Maoismus ist. Auch beim Maoismus wird man an breiter Front genetische Merkmale finden? Wieso? Weil es sich hier ursprünglich um eine regional begrenzte Bewegung handelte und damit die breite Masse der Maoisten zunächst im chinesischen Raum zu suchen sind/waren. Genauso wie beim Judentum war ist aber der Maoismus nicht zu 100% auf eine spezifische Rasse eingeschränkt und damit genetisch erfassbar oder gar “vererbbar”. Das ist wissenschaftlicher Unfug.
Alleine ein Gegenbeispiel reicht, ein Jude, der nicht dieses “Juden-Gen” teilt, ein Maoist, der nicht das Maoisten-Gen teilt, um diese These vollkommen zum Einsturz zu bringen.
Zusätzlich sprach Sarrazin auch von der Vererbung der Dummheit bzw. Intelligenz nach den mendelschen Regeln, also der Genetik. Wie steht es um diese These, die sogar die von Sarrazin zitierte Wissenschaftlerin sehr weit von sich weist und die sie für eine Falschinterpretation ihrer Forschung hält? Die Tatsache, dass die Wissenschaftlerin, die Sarrazin zitiert und interpretiert, von seiner Interpration nichts hält, sollte ihm zu denken geben. Statddessen lässt er Kritik an diesen Gen-Thesen immer mit “Ich habe Recht, das ist Fakt” nicht gelten. Das ist ziemlich plump.
Es mag sein, dass gewisse Termini nicht salonfähig sind. Ich will das gar nicht mal bewerten. Aber Sarrazin begibt sich nicht nur – bildlich gesprochen – auf dünnes Eis, er ist mit einigen Aussagen regelrecht eingebrochen und rückt trotzdem nicht davon ab. Deswegen kann man gar nicht anders, als ihm eine Art Rassenwahn zu unterstellen. Die, die sowas wegdiskutieren wollen, verschließen ein wenig den Blick vor der Wahrheit.
Die Diskussion um Sarrazin ist mehrschichtig, so wie es auch das Buch ist. Was befremdlich ist, ist diese deutsche Empörungskultur, bei der – allen voran die Bild-Zeitung – immer wieder jemand “empört” ist. Dass dabei nur ein Bruchteil des Volkes erfasst wird, dass tatsächlich “empört” ist, dass dieses aber – durch die Medien gestützt – so laut schreit, dass man meine, es handele sich um die breite Masse, ist ein Phänomen, was ich ebenfalls mit Sorge betrachte. Leider sieht sich die Politik sehr oft genötigt, diese Empörungskultur regelrecht zu mißbrauchen, um in blinden Aktionismus zu verfallen. Es gibt ein tolles Sprichwort: “Kein Rauch ohne Feuer”. Will heissen: Die Empörung, wie mit Sarrazin verfahren wird und dass nicht die eigentlichen Probleme, die er anspricht, an breiter Front diskutiert werden, ist genauso berechtigt, wie die Empörung über seine blödsinnigen Gen-Thesen.
Womit ich erneut auf meine vorherigen Beiträge hinweisen möchte: Die Befürworter und die Kritiker hören nicht aufeinander. Sie diskutieren nicht miteinander. Sie schreien nur so laut, sie versuchen nur sich gegenseitig zu übertönen, wie kleine Kinder im Bus, die sich gegenseitig hochschaukeln obwohl sie nur mit ihren Sitznachbarn reden möchten.
Zum Abschluss: Wer glaubt, in den sogenannten Reality-Shows wie “Bauer sucht Frau” oder “Schluss mit Hotel Mamma” die Wahrheit zu sehen? Wer glaubt, dass in Deutschland die kiffenden und pöbelnden Jugendlichen dort real sind? Klar gibt es die auch. Klar gibt es auch Bauern, die eine Frau suchen. Aber heutzutage weiss doch jeder, dass das zu 99% Drehbücher bzw. Scripte sind, dass zu 99% dort Regiseure irgendwelche Laiendarsteller zu irgendetwas animieren, was ihrer Meinung nach real ist. Das wird dann dem Zuschauer als “Realität” dargestellt. Reden die Darsteller darüber, weil sie von Freunden befragt werden, wie sie dazu kommen, ein derart “asoziales” Bild von sich im TV zu zeigen, wird dies unter Androhung horrender Vertragsstrafen unterbunden. Wir wissen das durch Blogs wie die Rubrik “6 vor 9″ von Bildblog mittlerweile, dass dort nicht die Realität gefilmt sondern diese nur vermeintlich billig produziert und gescriptet wird.
Nun denken Sie sich ein paar Jahre zurück. Wussten Sie da, dass die Medien der “Realität” derart nachhelfen? Wie oft haben sich Politiker früher auf übertriebene und nachweisbar falsche Medienberichte oder solche Reality-Formate berufen um ein bestimmtes Gesetz zu fordern?
Ich behaupte nicht, dass es diese Realität nicht gibt. Sicher gibt es prügelnde Jugendliche. Wie im Fall von Herrn Brunner. Aber ich stelle mal bewusst die Frage in den Raum: Ist dies der Flächenbrand, den alle sehen? Oder hat die jahrelange bewusste Übertreibung der Medien (Wer am lautesten schreit bekommt die Auflage/Quote…) dazu geführt, dass wir alle hier, die Konsumenten der Medien, diese vorgespiegelte Wahrheit als Realität empfinden und unreflektiert übernehmen?
Ein geniales Beispiel sind die vermeintlichen 90% Zustimmung, die Sarrazin angeblich erhält, die viele Medien unreflektiert übernehmen. Woher stammen die? Aus einer “Blitz-Umfrage” der Bild-Zeitung unter ihren Lesern. Die Umfragen der Bild-Zeitung lassen sich ohne technischen Aufwand manipulieren. Man kann mehrfach für die gleiche Umfrage abstimmen. Zudem ist es fragwürdig, ob diese repräsnetativ sind. Und schließlich sind die Fragen höchst suggestiv, beispielsweise “Sarrazin spricht wichtige Probleme an = Ja; Sarrazin hat mit allem Unrecht = Nein”. Natürlich muss ich da für Ja stimmen.
Aus diesen vermeintlichen 90%, die immer noch alle Medien unreflektiert übernehmen, werden in einer “richtigen” Umfrage plötzlich nur noch 18%. In einer anderen immerhin 25%. Doch auch diese Umfragen wurden bereits von Bloggern in Frage gestellt, aufgrund der sehr nebulösen und nicht klar gestellten Fragen.
Und 90% Zustimmung zu 18% Zustimmung sind ein gewaltiger Unterschied.
Ja, die 18% waren auf eine Partei bezogen, die 90% auf eine Zustimmung zu Sarrazins Aussagen. Aber genau diese Vermengung haben die Medien hinter sich. Es gab bereits Schlagzeilen, die die 90% damit gleichsetzten, dass 90% des Volkes gegen die aktuellen Politiker aller Parteien revoltieren würden/wollten.
Sorry für den langen Beitrag. Wenigstens wird die Diskussion hier weiterhin sachlich geführt. Aber nach wie vor sehe ich in vielen Foren und Blogs fast nur dieses “Ich schreie am lautesten, habe also Recht.”- Kultur. Das ist eine Abart.
Stephan Kramer wird das berühmte “Gen” ( darf man das Wort noch sagen oder ist das schon Autobahn? ) nicht haben, der ist ja konvertiert. Aber vielleicht hilft das weiter:
http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/7637
für Lesefaule hier der letzte Absatz:
“Doch in einem unterscheiden sich die Ergebnisse von Genforschung und Schriftenstudium nicht: Sie sind Gegenstand von Interpretationen in der Gegenwart. So werden die einen die genetische Einheit der jüdischen Gemeinden betonen, während andere die nichtjüdischen Einflüsse in den Vordergrund rücken werden. Ohnehin: »Judentum wird nicht genetisch bestimmt«, betont Villems, »darüber entscheiden Tradition und Religion«. Und Politik.”
Oha, Oha, seit wann ist der BildBlog denn so weit links?
Ich habe bisher noch nie gewählt, weil ich mich nicht zwischen den “Übeln” entscheiden kann. Hunde-Haufen oder Kuh-Haufen, beides richt verdammt schxxx
Eine Thilo-Partei würde ich jedoch vom Fleck weg wählen.
Und nein, ich bin nicht “rechts” – aber mir “reicht´s”!
Mein Gott, so viel Gehirnschmalz auf Bild vergeudet! Das grenzt ja an Bibelexegese. Ich wollte, jemand wuerde mal die SZ auseinandernehmen, die mich gerade wieder mit einer Preiserhoehung aergert. Wenn ich bei Lidl einkaufe, ist nicht selten die SZ das teuerste Objekt im Wagen. Da muss doch der kritische Verstand ansetzen, nicht bei einem Wegwerf-Buntpapier wie Bild.
[...] die Sarrazin-Debatte wird ja immer wilder. Jetzt kommt auch noch das “Argument” namens “Man wird ja wohl noch sagen dürfen, dass …” Lieber Himmel, Herr Sarrazin darf es doch sagen. Er tut es sogar sehr öffentlich, in [...]
#95
Ich verfahre auch nach dieser Methodik und ermüde immer recht schnell, wenn ich Verbesserungen zu Bild, Express, Spiegel Online etc. lesen muss. Lieber übertrage ich das psychologische Grundprinzip, die am härtesten zu kritisieren, die einem am nächsten stehen, auch auf meinen Medienkonsum.
Und mit Kritik an der SZ spare ich genau deshalb nicht, das Gleiche gilt für ARD, ZDF, NZZ, FAZ, …
Mit einem höheren Selbstanspruch muss auch eine höhere Kritikfähigkeit einhergehen.
Sehr schön anhand der BILD analysiert, wie Presse funktioniert und wie Medien dem Volk seine Meinung BILDen. Wobei mir noch nicht ganz klar ist, zielt die Kritik im Artikel jetzt gegen BILD oder indirekt gegen Sarrazin oder gegen beide und auch ein bisschen gegen Merkel, die gerade wieder versucht, ihr Fähnchen etwas ungeschickt in den Wind zu hängen.
Ist BILD das Ziel der Kritik und Merkel auch ein wenig, dann bin ich rundherum einverstanden.
Ist Sarrazin das Ziel, frage ich mich: Wo waren seine Kritiker, als er Hartz-IV-Empfänger diskriminierte und ihnen im Winter einen Pulli statt Heizung andrehen wollte? Welcher Volksgruppe oder welchem Glauben muss man angehören, um in Deutschland Schutz zu geniessen? Die Staatsbürgerschaft der BRD allein, genügt offensichtlich nicht mehr.
Ach, und ganz nebenbei glaube ich, dass sich Dummheit beim Menschen vererbt, weil seine Art im Gegensatz zu allen anderen seit Jahrtausenden dieselben Fehler macht und trotz seiner Gabe der Erkenntnis nichts hinzu lernt.
[...] Aufmerksamkeit! | 04.09.2010 | 22:19 | permalink [...]
Ausnahmsweise ist “Bild” mal zu danken für diese Kampagne. Ihr Kommentator ver-
teidigt doch nur den derzeitig stinkenden Mainstream. Erfreulicherweise sind aber 70% der Deutschen Sarrazin´s Meinung!
@90:
Zitat: “also bislang ist mir noch nicht bekannt geworden, daß Kassiererinnen in Deutschland wegen Äußerungen zu Herrn Erdogan oder der Gerechtigkeit des Hartz4 Systems entlassen worden wären.”
Mir auch nicht, mir ist aber auch nicht bekannt, daß Herr Sarrazin wegen dieser Äußerungen entlassen werden soll. Wenn die Kassierin hingegen ihre muslimischen Kunden als Dumme qua Geburt (Vererbung) bezeichnet, dürfte sich das auch kein Filialleiter lange angucken. Aber eine Supermarktkassierin wird sich das auch nicht leisten können, von daher dürfte Ihnen genauso wie mir ein solcher Fall ebenfalls nicht bekannt sein. Unser Bundesbanker hingegen hat ja finanziell eine relativ geringe Fallhöhe.
Ein anderer Aspekt: Sarrazins Herkunft
Sein Name deutet darauf hin, dass seine Vorfahren muslimische Araber waren und erst deren Nachfahren Hugenotten geworden sind. Im 8. Jahrhundert begannen Araber in den Mittelmeerraum vorzudringen und sich im südlichen Europa, vor allem in Spanien und Südfrankreich, anzusiedeln. Man nannte sie „Sarazenen“. Diese Bezeichnung soll von einem katholischen Bischof stammen und sie war abwertend gemeint. Die „Sarazenen“ wurden von den europäischen Christen als unwissende Heiden verachtet und in den Kreuzzügen bekämpft. “Sar[r]azenisch” bedeutete im Mittelhochdeutschen fremd, unverständlich, ungeheuer.
Mit den muslimischen Einwanderern und durch den Warenaustausch mit den Europäern gelangte aber auch arabische Kultur (Dichtung, Kunst, Wissenschaft, Technik) nach Europa. Sie wurde später als Bereicherung anerkannt.
Der Familienname Sar(r)asin / Sar(r)azin ist in Frankreich und in der Schweiz noch heute verbreitet. Es liegt also nahe, dass dieser Name von der Bezeichnung „Sarazenen“ abgeleitet worden ist.
Der anti-islamische Rigorismus eines Sarrazin wäre auch tiefenpsychologisch ergründ- und erklärbar. Aber das ist ein – schwieriges – Kapitel für sich.
Hm. Nur mal anhand Nr. 102…oder einfach: über mir
”
Ein anderer Aspekt: Sarrazins Herkunft
Sein Name deutet darauf hin,…
…
Der anti-islamische Rigorismus eines Sarrazin wäre auch tiefenpsychologisch ergründ- und erklärbar. Aber das ist ein – schwieriges – Kapitel für sich.”
Geht solch Erklärung auch mit “Knall” oder “Knalldenmannichtgehörthat”. Oder geht das nicht?
Kann ja sein. Muss ja nicht. Aber die Darbietung las sich toll – wie manch anderes auch. Schön, wenns schön klug klingt.
Au man.
Viele kennen hier zu diesem Thema die Fakten nicht und schimpfen über Bild, Sarrazin , usw.
Sie sollten mal den Koran lesen, dann werden Sie erkennen, wie undemokratisch Muslime sind ( ich habe mir den Koran zu Gemüte geführt – ätzend!)
Scharia, Andersdenkende und Andergläubige sollen / dürfen ermordet werden ! Kein Witz ! Ist eine gute Tat !!! und wird belohnt.
Es wird hier bei einigen großer Schwachsinn von sich gegeben.
Wenden Sie sich an seriöse Wissenschaftler und Zeugen aus der Arbeitswelt:
„Ich will mich nicht dafür entschuldigen müssen, ein Deutscher zu sein“
Fakt ist: „Kartoffeln“, „Scheiß Deutsche“, „Schweinefleischfresser“ – so werden Deutsche in Deutschland beschimpft, an Schulen, in der U-Bahn, auf der Straße. Die B e r l i n e r J u g e n d r i c h t e r i n K i r s t e n H e i s i g (beging im Juli Suizid) beschreibt in ihrem Buch „Das Ende der Geduld“ die Deutschenfeindlichkeit vieler Migranten. Sie schildert den Fall, das türkischstämmige Jugendliche junge Frauen als „deutsche Huren“ titulierten und sagten, Deutsche könne „man nur vergasen.“ Heisig stellt fest: „Wenn Deutsche sich so gegenüber Ausländern verhalten, nennen wir das Rassismus.“ Dabei ist Deutschland ein so tolles Land, auf das auch Migranten stolz sein können. So wie die deutsch-libanesische Familie in Berlin, die zur Fußball-WM ihr ganzes Haus in Schwarz-Rot-Gold gehüllt hat.
„Zu viele junge Ausländer sind kriminell“
Fakt ist: In einigen Stadtteilen von Berlin ist die Gewaltkriminalität muslimischer Jugendlicher laut Schätzungen der Jugendrichterin Kristin Heisig (†2010) aus dem Jahr 2008 rund dreimal so hoch wie unter deutschen Jugendlichen. Und der Berliner Staatsanwalt Roman Reusch stellte 2007 fest: Rund 80 % aller „eingetragenen Intensivtäter“ stammen aus Einwandererfamilien. Und: Seit 1985 hat sich der Ausländeranteil in deutschen Gefängnissen nahezu verdoppelt. So sind beispielsweise in Hessen 45 % der insgesamt etwa 6000 Strafgefangenen Ausländer – die größte Gruppe unter ihnen (19,2 %) sind Türken. Zum Vergleich: Der Ausländeranteil an der Gesamtbevölkerung liegt derzeit bei 8,9 %.
Nur 16 Prozent meinen, die muslimische Kultur passe hierher, sagte der Sozialforscher Andreas Zick von der Universität Bielefeld der “Frankfurter Rundschau”. “Das sind sogar weniger als etwa in Ungarn oder den Niederlanden.” Der Wissenschaftler verwies dabei auf eine Bielefelder Langzeitstudie.
OECD -Studie von heute 08.09.2010 gelesen ??
Mehr brauche ich, wenn mann Gehirn und und es auch gebraucht, nicht mehr zu erklären. Es zeigt, wie viele Kommentare ohne Gehirn und Verstand hier geschrieben wurden.
MfG
Englhardt
Irgendwie werfen hier einige Leutchen wirklich alles durcheinander.
Der Vergleich ” wenn Sie Ihren Chef als faule Sau…….., fliegen Sie auch aus dem Job” Dies ist, gelinde gesagt Nicht in Ordnung. Herr S. hat ein Buch über etwas verfasst, was absolut nichts mit seiner Tätigkeit zu tun hat und deshalb unter das Grundgesetz fällt. Sollten solche Leute das Grundgesetz nicht gelten lassen, verlassen sie den demokratischen Boden.
Würde es ihnen gefallen, wenn der Chef sagt, ich habe dich in deiner Freizeit Fußball spielen gesehen ( für FC 08/15) , ich mag aber den FC 25/25 lieber, also bist Du entlassen. ( Einfaches Beispiel für geistig geringer Strukturierte)
Herr S. und um Bild braucht sich keiner Sorgen machen, die haben ihr Schäfchen im “Trockenen”.
Aber eine Unverschämtheit wie die von Frau Merkel, Herrn Wulff und anderen Politikern, eine Meinung , die diesen nicht passt, derart zu diffamieren, zeigt nur von der Abgehobenheit dieser Leute.
Es geht um Demokratie – Islam hat mit Demokratie nichts am Hut – und unser Grundgesetz. Dies geht mit dem Islam, mit Muslimen und dem Koran nicht !!
Sehen sie sich die isalmistischen Länder und deren Umgang mit Menschenrechten an. Sehen Sie sich an, wie der Islam mit Andersdenkenen, Andersgläubigen , und Nicht- >Islamisten umgeht und diese ermordet, foltert , usw. und dann sagen sie mir, was daran menschlich sein soll.
Und hören Sie Sozialarbeitern , Polizisten und Richtern zu, die tagtäglich die Probelem am Hals haben. Es ist leider nicht die Stärke von vielen, die Tatsachen , Fakten und die Zerstörungswut des Islam gegenüber anderen zu erkennen.
Diese “Gutmenschen” leben an der Realität vorbei.
MfG
Englhardt
[...] Robin Meyer-Lucht [..] Beim Kesseltreiben geht es bekanntlich darum, das Wild zu umstellen und mit Hilfe von Treibern den Jägern vor die Flinten zu scheuchen. Wen Sarrazin hier für das Wild hält, daran besteht kein Zweifel. Dass sich Jäger und Treiber finden werden – auch da schien sich Sarrazin Ende letzter Woche sicher. Kaum einen Tag später, am Samstag, tat ihm Bild bereits den Gefallen und engagierte sich massiv als Treiber: http://carta.info/33358/bild-erliegt-dem-boulevard-gen-man-wird-doch-wohl-noch-sagen-duerfen-kampagn... [...]
Ich bin über google news auf dieses Blog gestoßen und bin ob dieser Extremität, aber auch ob dieser verschrobenen Denke schockiert, die ein Kesseltreiben, also eine Hetze sich politisch gleichschaltender Medien gegen eine unbequeme Meinung, verbunden mit der politischen Anordnung eines Berufsverbots, so nicht wahrnehmen möchte und der ein Verfassungsbruch nichts wert zu sein scheint. Wo bin ich hier hingeraten?
Eine journalistische Gewalt, die die Kritik aus ideologischer Befangenheit heraus ausblendet, hat ihre Existenzberechtigung als politisches Aufklärungs- und Korrekturwerkzeug verspielt. Sie ist für Freiheit und Demokratie kontraproduktiv, antidemokratisch und schädlich. Den Mund aufmachen, wenn es politisch opportun und der eigenen Karriere dienlich ist, ist Stil etwa der öffentlich rechtlichen Medien, in denen Posten immer noch nach Parteibuch vergeben werden, es gibt fame in der so hippen, eigenen journalistischen Klasse, aber mehr auch nicht.
Wenn hier im blog punktuell zitiert und einseitig gehetzt wird, ist das übel. Aber Ziel dieses Textes ist sicherlich keine Aufklärung, sondern eine einseitige Sarrazin – Springer – Hetze. Dadurch bedient man zwei Feindbilder gleichzeitig, um die ideologische Front zu formieren.
Wenn Sarrazin in den Medien vorgeführt wird: einer gegen den Moderator, eine Handvoll feindseliger Gäste und einige selektierte “Zeugen”, hat dies NICHTS mit Meinungsfreiheit, sondern mit einem medial inszenierten Hexenprozess zu tun, in dessen Folge ein politisch erzwungenes Berufsverbot steht. Das ist, als würde man einem Galileo, so er das Zitat “Und sie bewegt sich doch!” auf dem Scheiterhaufen gesagt hätte, entgegnen, dass offensichtlich Meinungsfreiheit gelte, denn er hätte ja letztendlich seine Meinung frei sagen dürfen. Oder den DDR-Oppositionellen mit dem Luxemburgzitat von der “Freiheit der Andersdenkenden” auf dem Weg zum Knast zuruft: “Was wollt ihr denn, ihr könnt hier doch eure Meinung verkünden!” Das ist zynisch und rückwärtsgewandt.
Unabhängig dazu, wie man zu den Thesen und Handlungen einer Eva Herrmann, eines Horst Köhler oder eines Thilo Sarrazin steht, die für ihre teils verschrobenen, teils anregenden Überzeugungen einer menschenverachtenden Systemhetze ausgesetzt waren: Freiheit nutzt sich ab, wenn man sie nicht nutzt. Das mediale System hat sich aus Karrieregründen politisch gleichgeschaltet, es brauchte dazu keinen Propagandaminister mehr, es reichte eine Sekretärin für Agitation und Propaganda (“Wandzeitung”) der Freien Deutschen Jugend und ein paar willige Schreiber, die, ohne Quellenkenntnis, aber aus innerster Überzeugung und nur mit einem aus dem Zusammenhang gerissenene Zitat bewaffnet, Texte voneinander abschrieben und kommentierten.
Ich bin der festen Überzeugung, dass das, was ihr heute an Unfreiheit wegen eurer starren politischen Haltung durchgehen lasst, später auf euch zurückfallen wird.
Wer soll nach solchen journalistischen Hetzkampagnen noch für andere als die politisch gleichgeschalteten Meinungen stehen?
Ach ja: Ihr braucht in eurer Demokratie der Allwissenden und Selbstgerechten keine kritischen Meinungen. Wissen, Weisheit und politische Überzeugung fallen als Abfallprodukt eines abgebrochenen Soziologiestudiums an.
#105
Wenn Sie mich zitieren, dann bitte richtig:
Wenn Sie zu ihrem Chef gingen und ihm ins Gesicht brüllten, dass er eine faule Sau und obendrein sowieso ein bisschen matschig im Oberstübchen ist, denken Sie dann, Sie könnten mit einem Hinweis auf die Meinungsfreiheit ihren Job retten? Nein? Warum merken Sie dann nicht, was ihr letzter Absatz für ein Schwachsinn ist?
Ich habe nie und nirgends behauptet, Herr Sarrazin hätte seinen Job wegen des Buches verloren. Wenn er seinen Job verliert, dann wegen seiner öffentlichen Aussagen, völlig egal, ob die etwas mit dem Buch zu tun haben oder nicht. Der Mann bekleidet eines der höchsten Berufsämter der Republik und hat auch diplomatische Aufgaben. Somit ist sein öffentliches Auftreten immer unmittelbar mit der Identität der Bundesbank und mittelbar mit dem Ansehen der BRD in der Welt verbunden.
Wer die Identität der Bundesbank oder der BRD in einem solchen Amt in Verruf bringt, handelt letztendlich genauso verantwortungslos wie der Banker am Schalter, der seinen Kunden gesteht, dass er ja hier nicht unbedingt Geld anlegen würde oder ein Lehrling, der herumerzählt, sein Chef wäre faul. Er wertet die Identität des Unternehmens ab, zerstört das Vertrauensverhältnis und kann sich dann nicht beschweren, wenn er gehen muss.
Der Rest Ihres Kommentares ist keine Antwort wert. Sie sind aber tatsächlich ein gutes Beispiel für “geringer Strukturierte”.
@vonFernseher
Im Artikel oben wird aber hauptsächlich von “DEM BUCH”, auf dem die berechtigt kritisierte BILD Kampagne beruht, gesprochen.
Zitat: “Wer die Identität der Bundesbank oder der BRD in einem solchen Amt in Verruf bringt, [...]. Er wertet die Identität des Unternehmens ab, zerstört das Vertrauensverhältnis und kann sich dann nicht beschweren, wenn er gehen muss.
Ne Nummer kleiner gehts nicht? Selbst wenn Sarrazin wirklich nur hanebüchenen Unsinn von sich gegeben hätte, was ja anscheinend von zumindest großen Teilen der Bevölkerung so nicht gesehen wird, wäre das kein Grund so mit ihm umzugehen, wie es gerade geschieht.
Ich schrieb weiter oben schon, wenn jeder beim Schwachfug erzählen ( oder schlicht lügen ) ertappte “Leistungsträger” aus seinem Amt entfernt würde, wäre es im Bundestag und in den Vorstandsetagen großer Konzerne ganz schnell leer.
Ich sehe z.B. die von Ihnen angesprochene “Identität der BRD” durch besipielsweise englisch radebrechende Oettingers, im Gegenzug dazu auf “deutsch” bestehende Außenministerdarsteller, den Bettel hinwerfende Präsidenten, deutsche Waffen in allen Kriegen der Erde, zwangspsychatrisierte hessische Steuerfahnder und viel andere Dinge erheblich mehr in Verruf gebracht als durch “DAS BUCH” oder medial verbreitete Thesen des Herrn S.
Im übrigen wird diese deutsche Diskussion im Ausland erheblich entspannter gesehen als hier. Falls sich überhaupt jemand dafür interessiert.
Etwas ist sehr interessant, wenn man mal etwas etwas genauer anschaut…
Es reden alle aneinander vorbei… Und zwar nämlich so, dass die Gegner von Sarrazin tadeln, WAS er sagt, und die Verteidiger sich dann damit verteidigen, dass man wohl noch seine Meinung aussprechen dürfe…
Das Wort Meinung ist doch wie mein Name Einer hier – es sagt doch gar nichts inhaltliches aus. Was für einer ist denn Einer? Was tut Einer? Und warum? Ist er ein böser oder guter Einer?
Was für eine Meinung hat Einer? Eine beleidigende, volksverhetzende, dumme, kranke?
Ihr lieben Kämpfer für Meinungsfreiheit, man wird doch wohl noch seine Meinung zu Sarrazin sagen dürfen, oder? Die Freiheit dürfen wir uns doch wohl nehmen – oder?
# 108
Das darf ich aber jetzt schon Dummheit nennen, oder?
Wenn alle Politiker , die bisher gelogen haben , ein Krebsgeschwür bekommen würden, würden nur Krebsgeschwüre im Bundestag herumlaufen. (soweit zu ihrem Anhängsel : Das hat überhaupt nichts mit Identität der Bundesbank oder Ansehen der BRD zu tun.)
Und wenn die anderen Bundesbanker Bücklinge ( ohne Rückgrat) der Frau Merkel oder des Herrn Wulff sind, ist das ihre Sache.
Alle Bundesbanker sind abgeschobene Politiker oder Parteigenossen, die versorgt werden mussten. Sehen Sie doch einmalö nach und lassen Sie Ihre hochtrabenden Sprüche. Das ist doch nur peinlich!
Frau Merkel und Herr Wulff haben sich und die BRD schon bis auf die Knochen blamiert durch Ihren politischen Druck auf die Banker. Beide sind fehl am Platz und nicht gewachsen – die gehören weg und würden den deutschen einen großen Gefallen erweisen! Die nächste Wahl kommt und die Quittung für die CDU und SPD auch !!
Und auch Ihnen sei ins Buch geschrieben: sie haben keine Ahnung: 80 % der verfolgten religiösen Menschen auf dieser Welt sind Christen. (erst sich kundig machen, bevor herausschwätzen!) Und die Überwiegende Mehrheit der radikalen Verfolger sind Islamisten !
Was regt sich jetzt die Merkel über die Koranverbrennung in den USA auf???
Dort ist dies im Rahmen der Meinungsfreiheit gedeckt und auch richtig !! Bloß Merkel kapiert es nicht! Dort gibt es höchstens 250 Dollar Strafe wegen offenen Feuers !!!! Wegen 50 Koran-Bücher regt die Frau sich auf, (blöd), aber das ein tausendfaches an Morden an Christen durch den Islam und die Muslime geschieht, dazu sagt diese Tante aus Meck-Pomm keine Silbe! Wäre die Frau doch dort geblieben!!
Genau so mit der “Holocaustfrage” – In GB, 80% der europ.Staaten und in den USA kann jeder dazu seine Meinung sagen — ob zutreffend oder nicht / ob richtig oder blöd — in Deutschland werden solche Aussagen mit Geldstrafen sanktioniert;
weitere Beispiele : Frau Herrman – sanktioniert; Williamson – sanktioniert ; usw
Durch gesteuerte Medien ( Beckmann / Plasberg / Kerner / usw) wird die Demokratie mit Füßen getreten. Und das ist das Bedenkliche !! Wenn Sie ein Arschkriecher der “Reichen” und “Mächtigen” sind, sagen Sie es doch frei heraus.
“Übrigens, in vielen Situationen darf ich meinen Chef sogar “Arschloch” – wenn dies schon mein Jargon sein sollte — nennen, dies muß keine Kündigung nach sich ziehen. Laut Arbeitsgerichtsurteile ist in vielen Fällen erst eine Abmahnung fällig, da ein Arbeitnehmer in der Regel nur so reagiert, wenn der Chef vorher provoziert hat.
Nachdem Sie meinen Rest nicht wahrnehmen wollen, zeigt eine gewisse Arroganz und Nichtdenken. Ich habe die Möglichkeit und nutze sie als wichtige und richtige Information, viel mit den Leuten “vor Ort” ( Sozialarbeiter/ Lehrer/ Richter/ usw) zu reden ( mein Bekanntenkreis) und erfahre nicht die geschönten Aussagen von Politikern, Medien, sondern die harten Fakten und Zustände vor Ort in Schulen, Kiga’s, Jugendzentren, vor Gerichten, usw. Im Gegensatz zu Ihnen weiß ich anscheinend , wovon ich spreche.
MfG
Englhardt
#109
Ne Nummer kleiner gehts nicht?
In dem Fall nicht. Es sind schon Vertrauensverhältnisse für weniger als zerrüttet erklärt worden. Und Sarrazin ist in der Bundesbank eben keine kleine Nummer, sondern einer von sechs Vorständen, es geht nur noch eine Nummer größer: das ist der Präsident. Der übrigens versucht gerade, als Deutscher die Leitung der EZB zu übernehmen (nach der alten Faustregel: Wenn ein Franzose dran war, muss ein Deutscher dran u.u.) und kann dabei solche Presse überhaupt nicht gebrauchen. Und dass man das im Ausland entspannter sieht, davon habe ich zumindest in der ausländischen Presse wenig gemerkt. Für einen Menschen, den man im Ausland bisher nur vereinzelt kannte, war das Echo ordentlich. Hinzu kommen ja jetzt noch die ganzen Trittbrettfahrer wie Broder oder Dohnanyi.
Wie so etwas funktionieren kann, wenn man es darauf anlegt, sieht man nicht nur bei Sarrazin, sondern auch z.B. jetzt bei diesem Pseudochristen, der sich Korane zum Verbrennen schicken lässt. Den kannte vorher niemand.
Im Übrigen brauchen wir uns hier nicht zu streiten, ob es noch andere Leute gibt, die schon lange hätten gehen müssen (warum wohl muss Oettinger in Brüssel sein Schulenglisch auspacken?). “Der hat aber auch Mist gebaut” taugt bei mir nicht als Entschuldigung.
#110
Ob eine Meinung von der Meinungsfreiheit gedeckt ist oder unzulässig in die Freiheiten anderer eingreift, hängt nur vom Inhalt ab. Dumm oder intelligent, gut oder schlecht sind keine Kriterien, beleidigend, volksverhetzend und dreist gelogen dagegen gewiss.
#108
Sie dürfen dumm nennen, was Sie möchten.
Sie halten Bücherverbrennungen also für Meinungsäußerung und ich bin der Dumme. Schönes Leben noch.
Entschuldigung, das richtete sich natürlich an #111. Da kam gerade alles parallel.
@110 Genau das habe ich auch schon mehrmals geschrieben aber sehen will es niemand.
1) Fakt ist, dass es IMMER eine Einschränkung für die Meinungsfreiheit gibt. Diese ist im Grundgesetz verankert, wird aber vielernorts heutzutage ignoriert. Die richtige Diskussion wäre eine sachliche über die Frage “Sind die Gen-Thesen, die augenscheinlich wissenschaftlicher Blödsinn sind bzw. von denen die zitierten Wissenschaftler abrücken, ehrverletztend: Ja/Nein? Wie verhält es sich mit dem Buch?” Diese Diskussion wird kaum geführt. Verweise auf wissenschaftliche Studien werden nie mit konkreten Quellenangaben geführt. Mangelt es an Argumenten? Scheinbar. Oder es mangelt an Interesse, die Diskussion auf dieser Ebene zu führen.
2) Sind die Probleme ein Flächenbrand oder werden sie in den Medien nur als solcher dargestellt. Wie sieht die Realität in der Masse aus? Dass Sarrazins Rechnungen und Statistiken größtenteils handwerklich angreifbar sind, deutet bereits darauf hin, dass das Problem vielschichtig ist. Nein, es ist kein Hirngespinst. Sarrazin hat es selbst teilweise erlebt. Aus dem luftlehren Raum schreibt er das nicht. Aber es gibt genausogut Gegenbeispiele. Viele davon. Es gibt Städte in Deutsschland, die nicht von diesem Flächenbrand betroffen sind. In denen man nicht tagtäglich in der Straßenbahn als “Scheiss Deutscher” beschimpft wird.
Die Diskussion darüber, warum es in Berlin an einigen Ecken so aussieht und in anderen Ecken Deutschlands völlig anders, die wird nicht geführt. Will man sie führen, kriegt man den Vorwurf zu hören, man würde verharmlosen.
Wie oft sind die, die hier diesen Flächenbrand als Argument mißbrauchen, persönlich von solchen Beschimpfungen betroffen? Wie oft täglich? Wöchentlich? Monatlich? Ist es nicht so, dass Einzelbeispiele aufgebauscht werden, regelmäßig?
Sozialforscher wissen, dass die Masse der Normalbeispiele oft von Einzelfällen besonders negativer Beispiele überstrahlt werden.
Ja, die besonders negativen Beispiele gibt es. Das mag Berlin als Brennpunkt sein. Ich kenne Berlin nicht, lebe dort nicht. Ich kenne nur die positiven Beispiele, die, wo es diese Probleme nicht gibt.
3) Statistiken sind etwas besonders. Man kann sie fast immer so interpretieren, wie man sie braucht. Man muss nur die nackten Zahlen weiterverarbeiten und dabei das Zustandekommen streichen. Wieso ist Berlin ein solcher Brennpunkt für Gewalt und Kriminalität? Klar, die Statistik gibt es her. Liegen die Ursachen aber nicht beispielsweise tiefer? In hoher Arbeitslosigkeit, fehlenden Perspektiven? In Armut der Stadt und damit verbunden zu wenig Alternativen bei der Betreuung Jugendlicher?
Einfaches Beispiel: Eine Gruppe aus zwanzig Menschen. 18 davon Türken, 2 davon Deutsche. Nun werden aus der Gruppe je ein Deutscher, sowie 9 Türken straffällig. Das sind: 50% der Deutschen, 50% der Türken. Aus der Gruppe sind 5% Deutsche straffällig, jedoch 45% Türken. Sagen wir, dass aus der Gruppe die, die straffällig geworden sind, allsamt aus der sozialen Unterschicht kommen, die, die nicht straffällig geworden sind, haben eine Ausbildung und einen Job. Dann sind das immer noch 45% Türken. Aber plötzlich sind alle, die straffällig geworden sind, zeitgleich auch ohne Lebensperspektive und ohne Job. Wieso aber die 45% Türken im Gegensatz zu den 5% Deutschen? Weil sie stärker vertreten sind in dieser Gruppe und damit bezogen auf die gesamte Gruppe ein höheres Gewicht haben. Owbohl die Ursachen bei Deutschen und Türken in meinem Beispiel gleich liegen (Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit), erscheint je nach Statistik plötzlich ein Ungleichgewicht zwischen Türken und Deutschen zu herrschen.
Statistiken muss man lesen können, wenn man über sie reden will.
@104: Das taugt als Argument exakt gar nicht. Warum?
1. Mehr als einmal haben sich mulsimische Verbände, vor allem hier in Deutschland deutlich von solchen Fundamentalisten distanziert. Sie haben gesagt dass sie diese gewaltverherrlichende und beispielsweise frauenfeindliche Interpreation des Koran veruteilen und dass sie das Gegenteil dessen lehren.
2. Die Christen haben ein eigenes Buch. Es nennt sich Bibel. Insbesondere im alten Testament gibt es mehr als genug gewaltverherrlichende Kapitel. Es gibt genug Kapitel, die man als Aufforderung zur Gewalt gegen Nicht-Gläubige interpretieren kann. Die zehn Gebote sind zwar einer der wichtigsten Bestandteile unseres heutigen Daseins als Christen. Dennoch sind diese verglichen mit dem Rest nur ein winziger Bestandteil des Buches. Gewichtet man das so, dass die zehn Gebote in den Hintergrund treten und andere Kapitel in den Vordergrund, hat man ein Machwerk, das zur Gewalt aufruft. Ja, das ist sie, unsere Bibel.
3. Die Christen haben mit der Inquisition und den Kreuzzügen ihre Kapitel der Gewalt gegen Andersgläubige oder Querdenker hinter sich. Ihren heiligen Krieg. Ob die Christen daraus gelernt haben, sei mal dahin gestellt. Dennoch haben wir diese Kapitel gehabt und das alles im Namen der Kirche, im Namen Gottes, im Namen der Bibel.
4. Fundamentalisten haben immer eine sehr eigenwillige Interpretation. Die teils tausend Jahre alten Texte wurden nicht politisch korrekt geschrieben. Da saß kein Jurist daneben der gesagt hat: So und so musst du es schreiben, damit es nicht gewaltverherrlichend ist. Fundamentalisten werden immer genau die Passagen mißbrauchen, die in ihre Weltanschauung und Doktrin passen. Aber Fundamentalisten sind nur ein Ausschnitt. Sie sind nicht alleinbestimmend.
5. Die Koranverbrennung ist ein aktuelles tolles Beispiel. Hier interpretiert eine christliche Sekte (soweit ich verstanden habe, sind die kein regulärer Bestandteil der Kirchen) sehr eigenwillig die heilige Schrift. Sie ist ein Agressor, was sie, gewichtet man die zehn Gebote hoch genug (“Halte auch die andere Backe hin”) nicht sein dürfte. Wieso gilt hier die Argumentation nicht, dass diese Fundamentalisten nur aus der gewaltverherrlichenden Bibel ihr Handeln rechtfertigen, dass damit alle Christen fortan Korane verbrennen werden? Andererseits gilt aber die Argumentation, dass die muslimischen Fundamentalisten bedeuten, dass automatisch alle Mulsime gewaltverherrlichend sein müssen, wenn sie nur an den Koran glauben?
So, das waren nun zwei Beiträge um das Nachdenken anzuregen. Vielleicht helfen sie. Vielleicht ist immer noch nicht die Bereitschaft da, miteinander zu diskutieren. Dann werden sie sicher nicht helfen. :)
@116
Einen sehr wichtigen Punkt haben Sie geschrieben:
Zitat:
“3. Die Christen haben mit der Inquisition und den Kreuzzügen ihre Kapitel der Gewalt gegen Andersgläubige oder Querdenker hinter sich.”
Ich war 1085 und später mal grad nicht da. Ich lebe jetzt und geniese den Vorteil dieser Entwicklung. Und die hat der christliche Glaube wohl ohne Zweifel durchlebt. Die Bibel ist in weiten Teilen als Buch so geblieben – und? Holt irgendjemand die Frau von nebenan ab, weil sie verdächtig mit Kräutern rummacht? Trampeln selbsternannte christliche Sittenwächter morgen den von der VHS angeboteten Yoga-Kurs nieder? Fehlen ihrem Nachbarn, überzeugter Nicht-Christ, nach einer längeren Auszeit nicht nur Worte sondern auch alle Fingernägel?
Nein.
Ich habe den Koran nicht gelesen und ich denke mal, dass trifft vermutlich auch auf viele zu, die das Buch verunglimpfen und natüüürlich gelesen haben. Ich weiß, dass es zig Millionen Gläubige und Verbände gibt, die einem über den Koran erzählen können, dass man ihn ganz anders auslegen kann und auslegt.
Blöderweise muss die Welt mit “Gläubigen” hantieren, die den Koran anders auslegen. Einzelene Fanatiker, fundamentale Gruppierungen, ganze Länder. Mit deren Auslegung des Koran muss ich mich in den Nachrichten auseinandersetzen. Danke. Und schön, dass sich diese Glaubensrichtung dann mal in 500 entwickelt hat.
Das fürs große.
Für´s kleine: Ein Teil der Masse der Problem-Moslems, die sich in Deutschland breit – ja – geschlagen hat, taugen glaube ich gar nicht so gut für eine Diskussion “Guter Glaube” “Schlechter Glaube”. Es sind – meine Meinung – schlicht Asoziale. Und so sollte man mit ihnen auch umgehen.
Schade, dass unsere Gesellschaft so etwas anscheinden verlernt hat. Vielleicht auch deswegen “weil es so etwas” ja nicht gibt….
@117: Und genau das ist der eigentlich Sinn dessen, den man auch meiner Meinung nach sehen sollte. Denn genau dann erkennt man den Menschen hinter irgendwelchen Zahlen. Man erkennt meinetwegen ein Schicksal dass sich hunderttausende teilen. Man kann diskutieren ob man solche Gruppierungen als “soziale Schmarotzer” ansieht oder ob man die Eltern dafür verantwortlich macht oder ob man sie schlicht als “Menschen ohne Perspektive” ansieht. Man kann diskutieren ob die fehlende Perspektive darin begründet ist, ob sich Menschen nicht integrieren wollen oder ob wir sie (beabsichtigt oder nicht) ausschließen. Dann befinden wir uns auch beispielsweise auf der Argumentation ausländische Ausbildungen (teilweise oder ganz) anzuerkennen, um den Weg in die Integration zu erleichtern. Wir befinden uns auf der Diskussionsebene, Deutsch als Sprache einzufordern. Komisch ist, dass dies Themen sind, die in den letzten Jahren von der Politik angefasst wurden bzw. zur Zeit auch ohne Sarrazins Beitrag werden. Waren das die richtigen Themen? Hätte man anders vorgehen müssen? Wurde was übersehen? Das ist subjektiv und darüber lässt sich wunderbar diskutieren und sicher ist auch Sarrazins Diskussionsbeitrag einer, der vielleicht auf Details ausfmerksam macht, die bisher vernachlässigt wurden.
Leider sieht das nur keiner. Weder die lautstarken Befürworter noch die lautstarken Kritiker lassen sich auf einer Diskussion auf dieser Ebene überhaupt ein.
Mehr noch: Seit Jahren gibt es eine Empörungskultur, die laut schreit. Eine Kultur, der die eigentliche Diskussion eines Themas vollkommen egal ist. Hauptsache sie kann schreien und demonstrieren.
Lasst uns auf die Strasse gehen.
Ja, aber was schreiben wir auf das Plakat? “Sarrazin hat Recht.” Nun lasst uns auf die Strasse gehen.
Ja aber was ist nun mit Bildung usw.? Egal, Sarrazin hat Recht, lasst uns auf die Strasse gehen.
Aber die Gegner geben Sarrazin auch in vielen Punkten Recht, nur in einigen nicht, was nun? Egal, da hörst du es doch, Sarrazin hat recht und das streiten die Gegner ab. Lasst uns auf die Strasse gehen…
Und die Bild marschiert dort gerne vorne weg. Ein Brief an den Bundespräsidenten… Super Idee. Als ob der Bundespräsident eine rechtliche Handhabe hätte. Und wenn der Bundespräsident keinen Ausweg findet (ob er nun will oder nicht), kann ihm die Bild direkt vorwerfen: Du hörst nicht auf das Volk. Man ist wieder empört. Dass die Bild aber bewusst solche Empörungen heraufbeschwört, das sehen viele, die sich empören, leider nicht.
Lustiger Vergleich: Die “Diskussion”, ob unser Herr Ballack im Kölner Stadion hätte sein sollen oder müssen. Die Bild “empört” sich, dass Ballack nicht da war. Spricht schon von einem Bruch zwischen DFB und Ballack. Zuvor schrieb sie aber wohlwissentlich: “Ballack habe Angst, der Nationalmannschaft die Show zu stehlen, werde deswegen vermutlich nicht auftauchen.”
Pure Taktik der Empörungskultur. Ist er da, wird sich empört, dass er der Nationalmannschaft die Show stiehlt obwohl er das eigentlich nicht tut, wenn die Medien nicht drüber berichten würden. Ist er nicht da, wird sich empört, wieso er weiterhin Kapitän sein will, wenn er die lächerlichen Kilometer von zu Hause ins Stadion nicht fahren will.
So wird heutzutage “Meinung gemacht”. Und dann wird sich sogar (wie bei Sarrazin) noch über die Empörungskultur als solche empört.
Ganz großes Kino und zugleich auch wirklich eine interessante Entwicklung.
Nur wie lange machen das die Bürger noch mit? Mr zum Beispiel ist es seit einigen Jahren ziemlich gegen den Strich, bei dieser Empörungskultur mitzuwirken, ebenfalls ständig empört zu sein. Ich versuche hinter diese Empörungs-Berichterstattung zu schauen. Ich schaue, wo Diskussionen nicht miteinander sondern übereinander geführt werden. Und je lauter Medien empört sind, desto auffälliger werden Diskussionen auch gar nicht sachbezogen geführt, sondern immer von dieser Empörungskultur gelenkt und gesteuert.
#118
Ich will Ihnen gar nicht widersprechen, aber glauben Sie nicht auch, dass diejenigen, die auf eine Bildkampagne hereinfallen, vielleicht auch nicht hinter ihre Argumente steigen?
Wollen Sie mal etwas zum Thema Vererbung hören? Bildleser sind meistens männlich und haben/hatten meistens Bildleser als Väter. Die Wissenschaft, die man dafür braucht, ist nicht die Genetik, sondern die empirische Sozialkunde. Hat man etwas davon gehört, ist einem schnell klar, dass man woanders ansetzen muss: Man muss verhindern, dass die Kinder der Bildleser wieder Bild lesen und das geht nur in der Schule. Nicht nur einige Migranten haben ein Bildungsproblem.
Zum Thema selbst habe ich neulich ein schönes Zitat gefunden. Auf deutschem Boden gab es drei sozialististische Ideologien: Den Nationalsozialismus (zusammengebrochen), den Marxismus-Leninismus (zusammengebrochen), und die PoliticalCorrectnes (bricht gerade zusammen). Auch dank Bild, angeblich 12 Millionen Leser. Bild verkauft sich übrigens am Kiosk, und ist zwangsläufig auf Seiten der Leser. Beim Staatsfunk (Plasberg, Illner, Kleber, Beckmann und Co) dagegen müssen selbst Blinde fürs Ferrnsehen bezahlen, die sind wohl eher für ihre politisch dominierten Gremien da.
Ich habe mir dieses Buch bewusst noch nicht gekauft, um ohne vorgefasste Meinung die diversen Medien miteinander vergleichen zu können. In der FAZ standen einige gute Berichte (Fakten statt Meinung), der Rest war im Wesentlichen Meinung statt Fakten. Und die Meinung hat ja in einem sehr frühen Stadium Frau Merkel mit “unakzeptabel” vorgegeben. Und nun, nachdem es Gegenwind gibt (im Print vor allem durch Bild), heißt es zurückrudern. Für mich ein Genuss, dies zu beobachten. Und Zeit, Presseorgane abzubestellen bzw. gewisse Talkshows und Presseclubs nicht mehr anzuschauen, die sich offenbar an ihre Kollegen im politisch-medialen Komplex (sollten das nicht eigentlich zwei voneinander verschiedene Komplexe sein?) wenden, und nicht mehr an mich als zahlenden Leser/Seher.
Die Frage für mich ist, wie diese Diskussion vor zehn Jahren gelaufen wäre, also ohne Internet. Das ist für mich das Thema. Und da sage ich mal @robin meyer-lucht: Its the internet, stupid.
Wolfgang Wegener
[...] an, es ist doch noch einer meiner Meinung, für die ich in diversen Diskussionen geprügelt wurde. Wenn man korrekt zwischen dem Autor und [...]
[...] [...]
[...] Robin Meyer-Lucht befasst sich auf Carta mit diesem Thema – „BILD erliegt dem Boulevard-Gen – man wird doch wohl noch sagen dürfen – Kampagne für Sarrazin“ (in diesem Artikel kann man auch das abstoßende Titelblatt der BILD „bewundern“, in dem das [...]
Merkel, Sarrazin, Schirrmacher: “Über die Kälte der Macht”…
Frank Schirrmacher ist enttäuscht von der Kanzlerin – weil sie sich in der Sarrazin-Debatte als Konservative und Intellektuelle überfordert zeigt…….
Ein ziemlich einseitiger Artikel. Mir fehlen die Nazivergleiche (besonders gern vom Zentralrat der Juden) und die wahren Thesen des Buches (und nicht immer nur das vverwerfliche). Dann wird schnell klar, dass es eben ein Tabu gibt!
Der beste Indiz für ein Tabu ist, dass man direkt als Gen-Sarazzin abgestempelt wird. Nie darf man etwas Judenkritisches sagen, ohne mit Hitler assoziiert zu werden oder nicht als ein Antisemit zu gelten.
Ist der Ruf einmal da, braucht sich keiner mehr um die wahren Thesen zu kümmern.
Ging es nicht eigentlich – auch – um Meinungsfreiheit, im Sinne von Bild? Mir fallen dazu nur die Gedanken ein, die mir heute in den Kopf kamen, als ich das aktuelle Titelbild der Bild sah. Zusammengefasst abstoßend! Da wird das unverpixelte Photo der “Amokläuferin von Lörrach” gezeigt, online ergänzt um andere private Photos. Meinungsfreiheit, in der Tat ein hohes Gut, allerdings eines, das auch – bewusst – nicht schrankenlos gilt. Aber das braucht ja nicht zu interessieren, denn das muss ja mal gezeigt und gesagt werden, weil wir lassen uns den Mund nicht verbieten und das gaffen auf Kosten anderer schon gar nicht, wir ” die kleinen Leute”.Ja die kleinen Leute und ihr Anwalt. Den Banker wird man bald vergessen haben, die arme Frau und die Opfer aus Lörrach auch, aber die Freiheit, die sich diese Zeitung herausnimmt, werden wir noch lange ertragen müssen. Ach so, vielleicht kann ja mal jemand den Kollegen von der Bild bei der nächsten Debatte um das Leistungsschutzrecht zur Sicherung des Qualitätsjournalismus mal fragen, ob die hier diskutierten Fälle als Beispielsfälle gesehen werden können, oder ob’s noch besser wird, wenn der kleine Mann noch mehr googelt.
@Sara: Das beste Indiz für ein Tabut ist, dass man alle Kritiker direkt mit dem großen Hammer der Meinungsfreiheit kommt. Die Leier von Meinungsfreiheit und den Schlagzeilen “Das wird man ja mal noch sagen dürfen” haben in der Diskussion genausowenig was verloren wie Nazivergleiche.
Leider – und das ist das eigentlich schade daran – muss man in Deutschland mit solchen Thesen und einem solchen Rassenwahn vorsichtig umgehen. Das ist ein Tabut. Nicht wegen den Themen. Sondern vor allem wegen den rechtsextremen Gruppierungen, die mit einem Schlag salonfänhig gemacht wurden…
Das Buch bricht nicht mit Tabuts. Die Medien behaupten das. Wenn man sich die Politik des letzten Jahrzehnts anschaut, wurde viel getan. Schaut man sich den Koalitionsvetrag an, sieht man dass Deutsch im Grundgesetz verankert werden soll. All das vor Sarrazins Buch. Und all das hätte es nie gegeben, wenn es irgendwelche Tabuts gäbe.
Es bleibt von Sarrazins Buch bestenfalls der Zukunftsausblick. Da sich Sarrazin selbst nicht entscheiden kann ob er das ernst meint oder als Satire, erpsare ich mir einen Kommentar. Nur soviel: Handwerklich ist der auch für mich als Laie extrem fragwürdig.
Es bleibt von Sarrazins Buch der Rückschluss darauf, dass etwas in den Genen stecken müsse. Konkret sind es Sarrazins Worte, dass Dummheit genetisch vererbbar sei. Die zitierten Wissenschaftler haben das weit von sich gewiesen.
Es bleibt von Sarrazins Buch der Wirbel, der um das Buch veranstaltet wurde. In der Tat sieht das wie ein Tabutbruch aus. In der Tat hat man den Anschein, dass hier eine Art Nerv getroffen wurde. Es ist auch durchaus möglich, dass es hier in einigen Bereichen Versäumnisse bei der Politik gibt.
Aber wieso gab es diesen Aufschrei nicht als im Koalitionsvertrag geschrieben wurde, dass Deutsch ins Grundgesetz gehört? Darüber wurde sachlich berichtet. Hat sich wer aufgeregt? Über diesen Tabutbruch, Migranten zu Deutsch zu verpflichten? Nein. Man misst mit zweierlei Maß. Mir kommts so vor, dass die Medien sich empören und halb Deutschland rennt hinterher und schreit “Tabutbruch. Ihr blöden Politiker, ihr seid doch eh alle überbezahlt.”
P.S.: Ich habe keine inhaltliche Wertung der Probleme vorgenommen, die Sarrazin anspricht. Dort kann man nicht anders als in weiten Teilen zuzustimmen. Das betreitet aber auch niemand, auch in der Politik nicht.
[...] Carta / [...]
[...] (1) Quelle: Carta [...]
[...] man doch noch sagen dürfen!“-Ausruf. Dem stellt sie die Bild-Kampagne für Thilo Sarrazin „Wir wollen keine Sprechverbote“ gegenüber. Und kontrastiert das mit der Bild-Schlagzeile vom 15. Dezember: „Stephanie zu [...]
Heute ist wieder mal ein Artikel in Bild zu lesen “Thilo Sarrazin rechnet mit der Politik ab”.
Ich vergleiche dem heutigen Bild mit dem früheren Stürmer, die auch Volksverhetzung getrieben hat. Auffällig: Bild duldet keine kritischen Meinungen zu dem Artikel. Meine Beiträge wurden einfach nicht veröffentlicht!
Es mag sein, daß in bestimmten Punkten Sarrazin Recht hat, aber (!) das mit dem Gen-Thema zeigt, daß der Mann nicht ganz sauber im Kopf ist.
[...] Formen ziemliche Kampagnen gefahren haben. Dafür steht für mich vor allem dieser Bild-Titel hier. Verlogen, fast schon Realsatire. Lustig ist da eigentlich nur noch das Grinsen von Andrea Sawatzki rechts [...]
Ignoriert die Bild doch einfach! Dieses Blatt ist überhaupt nicht disukionswürdig.
Wer liest denn noch die Bildzeitung?!
Hoffentlich schrottet sich diese billige Blatt bald selber!