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Matthias Schwenk

Facebook Places: Ich bin hier, wie sag ich’s dir?

Matthias Schwenk | 10 Kommentar(e)


Geolocation ist ein interessantes Feature für Smartphones und Dienste im Web. Auch Facebook möchte mit “Places” ein Stück von diesem Kuchen, der einmal ein lukrativer Markt werden soll. Allerdings könnte er sich anders entwickeln, als die Protagonisten das erwarten.

20.08.2010 | 

Nun mischt also auch Facebook im Bereich der Location Based Services mit, ein Schritt der lange schon erwartet worden war. Mit der Funktion Places können die User ab jetzt ihren genauen Standort mitteilen (vorläufig erst in den USA, das weltweite Rollout folgt nach und nach). Wer das bisher schon praktizieren wollte, musste dafür Dienste wie Foursquare oder Gowalla nutzen, wo man der neuen Konkurrenz mit gemischten Gefühlen entgegen sieht.

Denn allgemein wird erwartet, dass Facebook mit seinen über 500 Millionen Usern damit den Durchbruch für diese Technologie bringen und Diensten wie Foursquare das Leben schwer machen wird: Immerhin hat Facebook in Deutschland rund 2 Millionen Mitglieder, während Foursquare nur auf etwa 20.000 kommt, wie Holger Schmidt in der FAZ eine Hamburger Agentur zitiert. Diese Zahlenrelation stimmt natürlich, aber der Schlussfolgerung muss man nicht unbedingt folgen.

Denn es erstaunt, dass hier einer (technischen) Funktion eine große Zukunft vorausgesagt wird, die kaum jemand in dieser Form braucht: Die jugendlichen Viel-Nutzer von Social Networks wie Facebook wissen ohnehin genau, wo sich die einzelnen Mitglieder ihrer Clique gerade befinden – denn das ist ein permanentes Gesprächsthema, nur eben in “verbaler” Form. Nicht ganz so avancierte Zeitgenossen nutzen für so etwas oft genug noch die gute alte SMS, nicht zuletzt um mitzuteilen, dass man “gut angekommen” ist.

Diese einfachen, verbalen Standort-Mitteilungen sind in technischer Hinsicht natürlich plump und rückschrittlich, während die neueren Location Based Services in Form von Applikationen auf Smartphones elegant scheinen und den neuesten Stand des technischen Fortschritts repräsentieren.

Allein die alte Verbal-Technik hat einen großen Vorteil: Sie ist diskret und bietet optimalen Datenschutz, weil derzeit noch kein Dienst der Welt Ortsangaben aus geschriebenen Texten zuverlässig auslesen und speichern kann. Wer also seinen Freunden mitteilen will, wo er sich gerade aufhält, kann dafür Facebook nutzen, ohne dass Facebook davon erfährt!

Ein weiterer Punkt, warum Foursquare, Gowalla und andere bislang nicht so recht aus ihrer Marktnische herausgekommen sind, könnte darin liegen, dass diese Dienste im Kern nur eine technisch sehr exakte Funktion bieten, während die Mehrheit der Menschen wohl viel umfassender kommunizieren will: Nicht nur wo man gerade ist, sondern auch was dort los ist und wie man sich selbst fühlt – das Mitteilungsbedürfnis reduziert sich selten auf eine reine Ortsangabe. Am Rande sei bemerkt, dass Twitter seit einigen Wochen ebenfalls Positionsangaben ermöglicht, ohne dass dies den Dienst erkennbar nach vorn gebracht hätte.

Damit bleibt abzuwarten, wie sich Facebook Places entwickeln wird. Denkbar ist jedoch, dass der Dienst in einer ganz anderen Hinsicht zum Erfolg wird, die Facebook bisher noch nicht aktiv bewirbt: Denn die Funktion der Lokalisierung kann von Unternehmen und Organisationen aller Art genutzt werden, um auf konkrete Orte hinzuweisen und so das Publikum anzuziehen.

Das können Sonderangebote in einzelnen Filialen sein, oder temporäre Aktionsflächen in der Fussgängerzone. Auch Carrotmobs und politische Demonstrationen werden davon profitieren können. Für all das war das Internet bisher nur eine Art diffuse Mitteilungsebene mit viel zu breiter Streuung, die sich nicht auf ein lokales Publikum ausrichten ließ. Das wird künftig anders werden und Facebook ist genau dafür eigentlich sehr gut aufgestellt.

Insbesondere, wenn man den Vergleich zu Twitter sieht: Facebook bietet mit seinen Seiten (für Marken, Produkte, Unternehmen) eine Art feste “Anlaufstelle” neben der Tatsache, dass die Inhalte von dort auch in der Timeline der Fans bzw. Freunde sichtbar werden. Wer also die Mitteilung erhält, dass in seiner Nähe ein interessantes Event stattfindet, kann, ohne Facebook zu verlassen, auf der jeweiligen Seite weitere Informationen abrufen. Dieses Element fehlt Twitter, wo dazu extern verlinkt werden muss.

Insgesamt also sind Geolocations ein durchaus interessanter Ansatz, dessen Markt sich aber eher aus der anderen Richtung entwickeln könnte: Nicht ich teile der Welt mit, wo ich gerade bin (was außer datenhungrige Unternehmen wie Apple, Facebook und Google ohnehin kaum jemanden interessiert), sondern die Welt teilt mir mit, was in meiner Umgebung gerade Interessantes passiert.

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10 Kommentare

  1. Andreas |  20.08.2010 | 16:50 | permalink  

    Eine Funktion “zeige zusätzlich zu Kontakten/Followern Statusmitteilungen/Tweets die in meiner Umgebung geposted wurden” könnte doch interessant sein…

  2. Facebook reagiert auf Kritik von US-Datenschützern – Internet World | Hasen Chat Wissen |  20.08.2010 | 19:54 | permalink  

    [...] Facebook hat einen neuen Ortungsdienst: Internet-HysterieWELT ONLINEAreaMobile -CARTA -Hamburger AbendblattAlle 359 [...]

  3. zrendavir |  21.08.2010 | 03:49 | permalink  

    “Die jugendlichen Viel-Nutzer von Social Networks wie Facebook wissen ohnehin genau, wo sich die einzelnen Mitglieder ihrer Clique gerade befinden – denn das ist ein permanentes Gesprächsthema, nur eben in “verbaler” Form.”
    sicher?

    Bescheidwissen tut man meistens nur über die 3-4 engsten Freunde. Aber Facebook ist ja gerade dafür gedacht, auch den Kontakt mit “schwachen Bindungen” zu stärken, von denen man in der Regel nicht weiß, wo sie sich gerade aufhalten.

    Außerdem könnte man ja auch argumentieren Statusmeldungen hätten einen geringen Neuigkeitswert, weil man von seinen Freunden ohnehin schon weiß, was wie tun. Das ist aber eben nicht der Fall – daher denke ich, dass Geolocation durchaus etwas verändern werden und über die verbalen Standortmitteilungen eben weit hinausgehen.

  4. Kenzo |  21.08.2010 | 11:51 | permalink  

    Nur eine kleine Anmerkung zu den Facebook-Nutzern. In Deutschland sind es insgesamt wohl schon 10 Mio. Die Zahl auf die Holger Schmidt verweist, drückt etwas anderes aus. Hier das Zitat: “Auf einen Schlag könnten nach unseren Schätzungen 2 Millionen deutsche Facebook-User, die das Netzwerk bereits mobil nutzen,…”. Das sind alles potentielle Places-Nutzer, für die “Heimmitglieder” ist der Dienst wohl eher zur passiven Informationsbeschaffung vorerst. Nur zur Relation da davor auch von den insg. 0,5 Mrd. Nutzern gesprochen wurde.

  5. Facebook-Nutzer aufgepasst: Neue Features wie Places bieten eigentlich wenig nützliches | Hilfe beim Leben |  21.08.2010 | 14:15 | permalink  

    [...] interessante Artikel zum Thema Facebook Places gibt es u.a. bei Carta, bei Basic Thinking und beim [...]

  6. Personenverfolgung per Smartphone – WELT ONLINE | Blogle.org |  22.08.2010 | 09:43 | permalink  

    [...] Places – das "Wo-bin-ich-Internet"FAZ – Frankfurter Allgemeine ZeitungFacebook Places: Ich bin hier, wie sag ich's dir?CARTAFacebook Places – Social Network zeigt bald die Position der MitgliederPC Games [...]

  7. ulysses2711 |  23.08.2010 | 11:57 | permalink  

    Kann man da denn auch steuern, wer von meinen freunden erfahren soll, wo ich bin? Auch wenn ich das einigen Freunden mitteilen will, so kann es doch sein, in bestimmten Situationen, zb. wenn ich mich mit meiner Affäre treffen will und meine Freundin das natürlich nicht erfahren soll, meine Affäre aber auch nen Freund hat und er immer ihre sms prüft, so dass es besser wäre es über places zu machen, was ja unauffällig ist und so.. zum Beispiel ;)

  8. Christoph Kappes |  24.08.2010 | 15:57 | permalink  

    Danke, schöner Artikel.

    Finde die Richtung des letzten Absatzes richtig und setze noch einen drauf: Die Formulierung “Wo-Bin-Ich-Internet” trifft die Sache nicht, das ist erst die einfachste Stufe. Das wird das “Was-soll-ich-tun?”-Internet. Push von Veranstaltungen, Tipps für Orte, wo gibt´s was in meiner physischen Reichweite.

  9. Matthias Schwenk |  26.08.2010 | 11:08 | permalink  

    @ulysses2711: Das genau ist das Problem dieser Tools in ihrer heutigen Form! Sie sind zu pauschal und zeigen tendenziell alles jedem. Damit entsteht im Prinzip zu viel “Öffentlichkeit” und es fehlt noch an Möglichkeiten, zu dosieren und zu differenzieren.

    @Christoph Kappes: Danke, sehr gut auf den Punkt gebracht. Das “Push-Internet” sehe ich auch und es wird zur gigantischen Herausforderung: Wie bewahrt der Mensch seine Autonomie, Identität und persönliche Souveränität angesichts der ihn dann ständig erreichenden Handlungsempfehlungen, die ja immer zielgenauer und (in gewisser Weise) intelligenter werden.

  10. Die Woche im Rückspiegel – 34. KW « kadekmedien's Blog |  27.08.2010 | 09:37 | permalink  

    [...] CARTA – Facebook Places: Ich bin hier, wie sag ich’s dir? [...]

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