Wolfgang Michal

Friedensnobelpreis für WikiLeaks!

Wolfgang Michal | 35 Kommentar(e)


Der Welterfolg der Whistleblower-Website WikiLeaks setzt die traditionellen Medien gewaltig unter Druck. Entweder, sie gründen nun flächendeckend eigene Recherche-Pools oder sie nutzen WikiLeaks als ultimative Nachrichtenagentur der Zukunft.

27.07.2010 | 

Lange Zeit hatten es die Whistleblower schwer. Sie galten als Nestbeschmutzer und Verräter, und wurden deshalb in ihrer unmittelbaren Umgebung geschnitten. Wer Interna oder Betriebsgeheimnisse der eigenen Firma „verriet“, weil diese gegen die Gesetze, die guten Sitten oder die öffentlich propagierten Firmenwerte verstoßen hatte, war zwar für Außenstehende ein Held (aus Gewissensgründen) – intern aber wurde er zum Outlaw, zum Ausgestoßenen, der beruflich nie wieder Tritt fassen würde. Es sei denn, die verratene Sache hatte eine Dimension, die nicht nur eine Firma und ihre Mitarbeiter, sondern alle etwas anging.

Als Daniel Ellsberg, ein hochrangiger Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums, im Sommer 1971 die so genannten Pentagon-Papiere an die Redaktionen der New York Times und der Washington Post schickte, versetzte er damit der amerikanischen Vietnam-Politik einen entscheidenden Schlag. Die streng geheimen Dokumente belegten auf mehr als 7000 Seiten, dass die amerikanische Öffentlichkeit über die Entwicklung und das Ausmaß der US-Kriegsführung in Vietnam systematisch von der eigenen Regierung hinters Licht geführt worden war.

Was Daniel Ellsberg vor fast 40 Jahren mit Hilfe etablierter, hochangesehener Medien gelang, erledigt heute ein kleiner mobiler Briefkasten mit Hilfe einiger Server und Laptops. Die Internetplattform WikiLeaks, hervorgegangen aus einem Computer-Hackerclub in Melbourne, Australien, aufgebaut von einer Handvoll idealistischer Leute der Generation Commodore-64, publiziert weltweit, was Regierungen, Konzerne, Parteien und kriminelle Organisationen am liebsten unter der Decke halten: brisante Dokumente über Korruptionsfälle, Waffengeschäfte, Politikerspenden, Polizeiübergriffe, Folterhandbücher, Kriegsverbrechen oder Finanzbetrügereien.

Der Vorteil für die neuen „Verräter“, die ihre Informationsangebote selbstständig auf die Internet-Plattform WikiLeaks hochladen können, liegt auf der Hand: Es gibt keine stationären Redaktionscomputer, die von der Polizei „bei Gefahr im Verzug“ beschlagnahmt werden können, es gibt keine Redakteure, die – wenn sie ihre Quellen nicht preisgeben – in Beugehaft genommen werden können, und es gibt keine Verleger, die auf Schadenersatz verklagt oder wegen Landesverrat vor Gericht gezerrt werden können – und dabei vielleicht einknicken.

Der Unsicherheitsfaktor Redaktion entfällt. Ein etabliertes Medium als Zwischenhändler wird nicht mehr gebraucht. Zwar überprüft auch WikiLeaks – wie eine ganz normale Redaktion – die hoch geladenen Dokumente vor Veröffentlichung auf Echtheit, beachtet Persönlichkeitsrechte, gewährleistet den Schutz von Unbeteiligten, stellt die Informationen in einen redaktionellen Zusammenhang, verfasst Überschriften und erklärende Vorspänne, reichert Informationen mit zusätzlichem Material an, doch die Überbringer der heiklen Dokumente spielen in dem ganzen Prozess keine Rolle. Die Gefahr, entdeckt und für das eigene Handeln zur Rechenschaft gezogen zu werden, entfällt.

Nicht ganz. Als WikiLeaks im April dieses Jahres seinen bislang größten Coup landete, wurde die Brisanz des Materials zwar weltweit beachtet (und WikiLeaks wurde mit Spenden geradezu überhäuft), doch plötzlich stand die Plattform unter einem schlimmen Verdacht. Die Veröffentlichung des Videofilms „Collateral Murder“, auf dem zu sehen ist, wie eine US-Helikopter-Besatzung im Jahr 2007 unbewaffnete Zivilisten, darunter Kinder und Journalisten, in Bagdad zusammenschießt und dabei zynische Witze reißt, brachte der „Enthüllungsplattform“ den „Supergau“. Derart harsch (und vielleicht auch etwas schadenfroh) urteilten erfahrene Journalisten, denen in der Whistleblower-Website eine echte Konkurrenz erwachsen war.

Und plötzlich war WikiLeaks nicht mehr die tolle kleine NGO, sondern eine reichlich suspekte, zur partiellen Verantwortungslosigkeit neigende Geheim-Organisation, die Spendengelder für teure Reisen verpulvert und außerhalb jeder demokratischen Kontrolle agiert. Die Reporter der großen Magazine und Zeitungen begannen zu recherchieren. Und im Netz kursierten bald Theorien und Andeutungen darüber, wer WikiLeaks insgeheim finanziere oder für bestimmte politische Zwecke benutze.

Dabei hatte es den „Supergau“ gar nicht gegeben. Der US-Soldat, der das Irak-Video an WikiLeaks gegeben haben soll, verriet sich selbst. In Chats und E-Mails hatte er sich angeblich mit der Tat gebrüstet und weitere Enthüllungen angekündigt, woraufhin ein Ex-Hacker den Mann ans US-Militär verraten habe. Bei WikiLeaks selbst hatte es keine undichte Stelle gegeben.

Trotzdem war diese Erfahrung für die junge Organisation ein Wendepunkt. Allein gegen alle – das konnte nicht funktionieren. Die Betreiber der Website sahen ein, dass sie sich öffnen und mit den etablierten Medien zusammenarbeiten mussten, wenn sie nicht Gefahr laufen wollten, als wirrer Haufen ess- und schlafgestörter Computerjunkies abgestempelt zu werden. Denn das Image von WikiLeaks (und damit die öffentliche Sympathie oder Antipathie) hing nach wie vor zu einem Großteil von den traditionellen Medien ab.

Nach den ärgerlichen Erfahrungen mit dem Irak-Video startete WikiLeaks deshalb eine regelrechte Öffentlichkeits-Offensive. Julian Assange, der Gründer, und Daniel Schmitt, der Pressesprecher der Organisation, absolvierten eine ganze Serie von Exklusiv-Interviews. Daniel Schmitt redete mit dctp, Spiegel Online, dem Freitag; Julian Assange ließ sich von Nikki Barrowclough für den Sidney Morning Herald über sein unstetes Leben ausfragen, Raffi Khatchadourian durfte im New Yorker die Gruppendynamik und das Undercover-Leben des Inner Circle beobachten und die persönlichen Motive und Verhaltensauffälligkeiten des Gründers beschreiben, und Chris Anderson konnte den locker plaudernden Assange im Rahmen seiner TED-Gesprächsreihe einem begeisterten Publikum präsentieren.

Auch inhaltlich trug die neue Charme-Offensive Früchte. Assange, der bislang ein freches Gegenmodell zur staatstragend und harmlos gewordenen Presse aufbauen wollte (Motto: Wir werden den Journalismus neu definieren!) und auch nicht mit spöttischen Bemerkungen sparte („WikiLeaks hat mehr Dokumente veröffentlicht als die gesammelte Weltpresse“), gab sich gegenüber Anderson ungewohnt konziliant. WikiLeaks, sagte er, sei „ein Offshore-Hafen für die freie Presse“. Man setze auf Kooperation, nicht auf Konfrontation.

Gesagt, getan. Am Montag dieser Woche präsentierten der Spiegel, der Guardian und die New York Times gemeinsam und exklusiv die so genannten Afghanistan-Protokolle, Auszüge aus über 90.000 geheimen Berichten für das Pentagon. Stolz schreibt der Spiegel: „Der Londoner Guardian, die New York Times und der SPIEGEL haben das Material gründlich geprüft und mit unabhängigen Berichten verglichen. Alle drei Medien sind übereinstimmend zu dem Ergebnis gekommen, dass die Dokumente authentisch sind und ein ungefiltertes Bild des Krieges bieten – aus Sicht der Soldaten, die ihn kämpfen.“

Geprüft (und ausgesiebt) hatte das Material natürlich schon WikiLeaks, aber die Organisation wollte den inzwischen eher nachrichtenarmen Blättern doch den kleinen Triumph gönnen, die Afghanistan-Dokumente mit ihren großen Zeitungsnamen verbinden zu dürfen. Es sollte noch einmal ein bisschen so aussehen wie 1971 bei den Pentagon-Papers.

Die Medienpartnerschaft mit den großen Drei war sicher der schlaueste Coup, den Wikileaks bisher landen konnte. Mit ihm ist die kleine NGO endgültig etabliert und kann nun sogar ein wenig die Bedingungen diktieren. Wie heißt es doch so unnachahmlich selbstbewusst auf der Startseite der pfiffigen Whistleblower: „Wikileaks… could become as important a journalistic tool as the Freedom of Information Act.“

Allein deshalb sollte WikiLeaks – nach US-Präsident Barack Obama – den Friedensnobelpreis bekommen. Als Peacemaker des Jahres! Und natürlich als Retter der freien Presse!

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Crosspost vom Magazin der Autoren

Update 2.2.2011: WikiLeaks ist nun tatsächlich für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen!

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35 Kommentare

  1. Tweets that mention Friedensnobelpreis für WikiLeaks! — CARTA -- Topsy.com |  27.07.2010 | 14:09 | permalink  

    [...] This post was mentioned on Twitter by Martin Weigert, Carta, Matthias Schwenk, Frederike Tepe, Olaf and others. Olaf said: RT @carta_: Friedensnobelpreis für #WikiLeaks! http://bit.ly/aBoZJB – halte ich eher für kontraproduktiv im sinne von wikileaks ! [...]

  2. Raphael |  27.07.2010 | 15:43 | permalink  

    WikiLeaks sollte nicht – nach US-Präsident Barack Obama – den Friedensnobelpreis bekommen, sondern statt US-Präsident Barack Obama. Was hat Obama schon für den Frieden gemacht? Bushs Kriege sind jetzt Obamas Kriege. Er hat nichts verändert.

  3. Friedensnobelpreis für WikiLeaks! — CARTA » Andreas Mauf |  27.07.2010 | 18:49 | permalink  

    [...] Friedensnobelpreis für WikiLeaks! — CARTA [...]

  4. rauskucker |  27.07.2010 | 19:22 | permalink  

    Ich habe neulich (rauskuck vom 8.7.) angeregt, den Soldaten Bradley Manning für den Friedensnobelpreis vorzuschlagen, der, wie im Artikel erwähnt, wegen der Weitergabe des Videos vom Bagdader Massaker an Reuters-Reportern und anderen Zivilisten seit bald 2 Monaten inhaftiert ist.
    Ausführliche Infos zu dem Fall bei
    http://en.wikipedia.org/wiki/Bradley_Manning

  5. Dirk |  27.07.2010 | 19:30 | permalink  

    Friedens-Nobelpreis für Obama? Dafür, dass er die Menschenrechtswidrigen Geheimgefängnisse nicht geschlossen hat, oder noch mehr US-Truppen in den Kampf für Öl geschickt hat?

  6. rauskucker |  27.07.2010 | 19:41 | permalink  

    Hallo Dirk: der Obama HAT ihn schon bekommen.
    Und gerade darum sollte jetzt ein Kontrapunkt folgen, der ihm so richtig wehtun wird.

    Habe eben bei Democracy Now! noch ein sehr interessantes Video (ca.15 min.) entdeckt, ein Gespräch mit dem Hacker “Immanuel Goldstein” über den Fall Manning, über Assange und über WikiLeaks.
    “WikiLeaks is Not One Person…We Are All the Threat” :

    http://www.democracynow.org/2010/7/27/wikileaks_is_not_one_personwe_are

  7. Dirk |  27.07.2010 | 20:26 | permalink  

    @rausgucker: Jo, aber ich frage mich eben, WOFÜR. Er hat nichts getan, was im Vergleich zu den anderen Preisträgern, seine Auszeichnung rechtfertigt.

  8. Detlef Borchers |  27.07.2010 | 21:38 | permalink  

    Die Darstellung hat einen Hau. Die Kritik an “Collateral Murder” entzündete sich daran, dass Wikileaks eine (gut) geschnittene, “editierte” Fassung, mit Orwell-Zitaten unterlegt veröffentlichte und die ungeschnittene Version (“Orginaldokument”)nachreichte. Diese provozierende Aktion war durchaus beabsichtigt, man wollte ja Spenden sammeln. Man sollte Wikileaks darum nicht anhimmeln. Sie spielen taktisch gut auf der medialen Klaviatur, das hat nichts mit so einem Quatsch wie “Charme-Offensive” zu tun. Den wirklichen point aveugle werden wir (Journalisten) nicht erfahren: welche eingereichten Dokumente im Prüfungsprozess von Wikileaks eskamotiert wurden. –Detlef

  9. Raphael |  27.07.2010 | 22:50 | permalink  

    Warum nur reden jetzt alle über Wikileaks, aber kaum jemand über die kriegsverbrechen die Wikileaks veröffentlicht hat?

  10. Breitband - Retter der freien Presse? |  27.07.2010 | 23:02 | permalink  

    [...] anstatt selbst zu recherchieren? Ist damit Wikileaks der “Retter der freien Presse”, wie carta behauptet? Ist das die Zukunft des Journalismus – die Auswertung von im Internet vorliegenden [...]

  11. Dirk |  27.07.2010 | 23:53 | permalink  

    @Raphael: Weil die Taktik der US-Administration aufgegangen ist.

  12. linsenspaeller |  28.07.2010 | 01:35 | permalink  

    Die Leute von Wikileaks behaupten, sie würden sämtliches Material, das ihnen angeboten wird, vor der Veröffentlichung gründlich prüfen. Ich frage mich, wie man das bewerkstelligen will. Bei Filmen mag es ja noch gehen. Die meißten geheimen Gaunereien werden aber wohl nicht gefilmt, wenn es überhaupt offiziell etwas Schriftliches gibt. Was machen die denn mit einem Bericht über Gefängnisse im Iran oder auch über Folter in Deutschland? Gehen sie zu den Tätern und fragen, ob der Bericht korrekt ist? Deshalb gehe ich davon aus, daß die früher oder später mit gefälschtem Material gründlich hereingelegt werden, Da ist der gute Ruf schnell ruiniert und der Hype vorbei. Die Macher von Wikileaks sind auch nur Menschen.

  13. Raphael |  28.07.2010 | 01:45 | permalink  

    Julian Assange macht jedenfalls keinen besonders naiven Eindruck. Wie jeder Journalist wird aber auch er Fehler machen.

  14. Die neue Definition des Journalismus? « HEARTS at MINDS !? |  28.07.2010 | 02:42 | permalink  

    [...] neue Definition des Journalismus? 28. Juli 2010 Den Friedensnobelpreis für Wikileaks! fordert Carta, anlässlich der Veröffentlichung der Afghanistan-Protokolle mithilfe seiner drei [...]

  15. Torsten |  28.07.2010 | 09:16 | permalink  

    “Ein etabliertes Medium als Zwischenhändler wird nicht mehr unbedingt gebraucht. ”

    Ähm – falsch. Einfach Mal zuhören, was Wikileaks selbst sagt: sie brauchen die Medien weil sie eben die Analyse, das Anreichern der Informationen nicht leisten können. Das Ergebnis hat man bei “Collateral Murder” gesehen – die Anklagen des bearbeiteten Videos gingen ins Leere, weil die Fakten einfach nicht stimmten – sprich: es waren Waffen vorhanden, was die Kampagne entschieden bestritten hatte. Ergebnis: es gab nicht Mal eine neue Untersuchung des Vorfalls.

    Das Modell Medienpartnerschaft ist auch nicht neu: die Toll-Collect-Papiere wurden über den Stern und den Heise-Verlag veröffentlicht.

  16. Raphael |  28.07.2010 | 09:55 | permalink  

    Tatsächlich? Wer hatte denn Waffen? Die Journalisten, oder die Kinder im Kleinbus? Oder handelt es sich bei den Waffen um sogenannte “drop weapons“ (wovon uns die Veteranen von IVAW erzählt haben)?

  17. Wolfgang Michal |  28.07.2010 | 11:35 | permalink  

    @linsenspaeller: Wikileaks hat das Problem erkannt. Sie versuchen jetzt, so genannte Freundeskreise aufzubauen, in denen sich möglichst viele Spezialisten zusammenfinden sollen (d.h. Wissenschaftler), die das eingehende Material fachgerecht prüfen können. Es ist das Wikipedia-Prinzip, nach dem hier verfahren wird (mit seinen Stärken und mit seinen Schwächen).

    @Torsten: Im Prinzip wird ein Zwischenhändler nicht mehr gebraucht. Im Prinzip! Und das haben sie anfangs auch bewiesen. Aber nach dem Irak-Video hat die Kerngruppe wohl entschieden, dass Medienkooperationen sinnvoll sein können, auch, um die Prüfung des Materials besser abzusichern. Das schnelle Wachstum der Organisation (Zahl der Dokumente, öffentliche Aufmerksamkeit, steigende Verantwortung) müssen die erst mal verkraften.

  18. kralynx |  29.07.2010 | 00:41 | permalink  

    Obama hat den Friedensnobelpreis aus für mich unverständlichen Gründen erhalten, zwar ist er für eine Abrüstung der Atomwaffen, doch kämpfen die USA weiterhin an allen möglichen Kriesenherden, die unter anderem sie selbst verursacht haben. Die USA sollten endlich einsehen, dass sie nicht mehr die einzige Welt- und Wirtschaftsmacht sind und alle sich beugen.

    WikiLeaks kämpft für eine freie Presse, doch versuchen das alle Zeitungen, oder geben vor es zu tun. Das gelingt einigen mehr und anderen weniger. Ebenso wie WikiLeaks sind auch Carta oder theintelligence.com Beispiele für freie und unabhängige Presse.

    Ich halte WikiLeaks aber auf jeden Fall für Kandidaten für den Friedensnobelpreis, für mich wirkt es wie eine Aufklärung ähnlich wie die ersten Fernsehbilder aus dem Vietnam in den 70ern und hat eine internationale Diskussion ausgelöst.
    Schon dafür verdienen sie Anerkennung, und bisher war dies die größte Leistung, die irgendwer dieses Jahr vollbrachte.

  19. Bernd Oswald |  30.07.2010 | 10:18 | permalink  

    also die Forderung nach dem Friedensnobelpreis erscheint mir jetzt ein bisschen zu aktionistisch, vor allem im Vergleich mit Obama hinkt der Vorschlag doch sehr (auch wenn der Preis für Obama viel zu früh kam). Dass Wikileaks sich um die Pressefreiheit verdient macht, ist natürlich unbestritten.

  20. Jörg Hartmann |  30.07.2010 | 11:34 | permalink  

    An Stelle von WikiLeaks würde ich mir dreimal überlegen, ob ich den Preis annehme, den zuvor u.a. George C. Marshall, Dag Hammarskjöld, Henry Kissinger, Anwar as-Sadat/Menachem Begin, “Mutter Teresa”, UN-”Friedenstruppen”, “Dalai Lama”, Schimon Peres, IAEO, Muhammad Yunus/Grameen Bank – siehe http://www.dradio.de/dlf/sendungen/dasfeature/1204005/ – und zuletzt Barack Obama erhalten haben.

  21. Wolfgang Michal |  30.07.2010 | 11:55 | permalink  

    @Jörg Hartmann: Da ist was dran! Dann vielleicht doch lieber den Pulitzer-Preis?

  22. Jörg Hartmann |  30.07.2010 | 12:03 | permalink  

    “auch wenn der Preis für Obama viel zu früh kam”

    Weil er mit der “Afghanisierung” des Krieges samt “Friedensvertrag” mit den Taliban nebst Flächenbombardements in den Nachbarstaaten (“Rückzugsgebiete”) noch nicht so weit ist wie Kissinger 1973?

  23. nigecus |  30.07.2010 | 15:42 | permalink  

    linsenspaeller: “Die Leute von Wikileaks behaupten, sie würden sämtliches Material, das ihnen angeboten wird, vor der Veröffentlichung gründlich prüfen.”

    Genau das haben die Leute von wikileaks offensichtlich nicht getan, was ich als grob verantwortlos einstufe. Ich teile die Auffassung des US-Militärs, dass wikileaks Zivilisten ans Messer geliefert hat, die unter hohen persönlichen Risiken mit der ISAF kooperieren.

    Wikileaks will seine Informanten schützen. Aber für die nächste Stufe gilt das anscheinend nicht. Mit der Kurzsichtigkeit der westlichen Welt ist wirklich kein Wunder, dass Menschen in anderen Gegenden dieser Welt an dieser schizophrenen Absurdität verzweifeln.

    Dafür einen Friedensnobelpreis? Das ist lächerlich. Nein, es ist eine Anmaßung.

  24. Wolfgang Michal |  30.07.2010 | 20:07 | permalink  

    @nigecus: Einerseits wird gemeckert, die Veröffentlichung durch Wikileaks habe nichts Neues gebracht, andererseits wird über die Preisgabe von Geheimnissen geklagt. Das passt nicht zusammen.

  25. nigecus |  30.07.2010 | 20:45 | permalink  

    @Wolfgang

    Ich finde dass es ein Unterschied ist, ob man über kriminelle Machenschaften von Politiker, Banken, usw. etwas erfährt, oder auch ob irgendwelche durchgeknallte Soldaten Reporter aus dem Helikopter abknallen. Entweder stirbt dabei niemand, oder Leute sind bereits gestorben, verletzt, verseucht, abgezogen. Bei dem “war log” geht es um Leute die heute noch leben aber Dank wikileaks sehr simpel von irgendwen auf eine Abschussliste gesetzt werden. Hinzu kommt auch noch, dass militärische Dokumente nie fehlerfrei sind. Dort steht nicht selten Müll drin. Aber dafür können wir uns alle daran ergözen was für eine tolle Opfergabe wikileaks den Gott der Informationsfreiheit auf den Altar bereitet hat.

  26. Ingo Petz |  30.07.2010 | 21:23 | permalink  

    Friedensnobelpreis….immer gleich diese übertriebenen Forderungen. Auch Carta war bei den “traditionellen Medien” in der Lehre…

  27. Wolfgang Michal |  30.07.2010 | 22:03 | permalink  

    @nigecus: Sie haben Recht, das ist ein Unterschied. Aber sagen Sie doch mal, welche der vielen Dokumente jemanden ans Messer liefern könnten. Wikileaks hat rund 17.000 Dokumente vorher ausgesiebt.

    @Ingo Petz: Okay, wäre der Alternative Nobelpreis dann für Sie akzeptabel? Oder wäre das auch noch übertrieben?

  28. nigecus |  31.07.2010 | 01:34 | permalink  

    @Wolfgang

    Das ich kann ich nicht, weil ich nicht indirekt/direkt in den in Dokumenten beschriebenen Situationen involviert war — Genauso wie höchstwahrscheinlich Sie oder die Leute von wikileaks. Ich weiß nur dass in den Dokumenten tausende von Situationen beschrieben werden aus denen diejenigen die involviert waren/sind schließen können wer überraschenderweise “Freund” oder überraschenderweise “Feind” sein kann (“kann” weil auch Militär-Dokumente fehlerbehaftet sind). Schon allein die Tatsache, dass für eine Situationen einen Militärbericht existiert ist eine Information. Wissen Sie “was” diejenigen, die wirkliches Interesse an diesen Informationen haben bereits wissen bzw. glaubten zu wissen? Ich nicht.

    wikileaks hat mit einem Bumms Informationsasymmetrien aufgelöst, wodurch Optionen und Auszahlungsfunktion verändert wurden und somit tausende neue Entscheidungsalternativen über Tod und Leben die Folge sind (Und nicht ob irgendein Politiker stärker Steuersünder verfolgen solle). Ja man hat dem US-Militär “eins ausgewischt”, weil selbst die unmöglicherweise sagen können was aus dem Chaos rauskommen wird.

  29. Wolfgang Michal |  31.07.2010 | 13:21 | permalink  

    @nigecus: Das Pentagon, das ja jetzt bekanntgegeben hat, “aggressiv” gegen “Verräter” zu ermitteln (was werden die Ihrer Meinung nach unter “aggressiv” verstehen?), versucht mittlerweile, WikiLeaks die Gefährdung von Soldaten und afghanischen Informanten anzulasten. Dazu muss man wissen, dass WikiLeaks exakt deshalb vor der Veröffentlichung beim Weißen Haus angefragt hatte, um mögliche Gefährdungen auszuschließen. Man bekam jedoch keine Antwort.

    Wenn jetzt ein hoher General (im Sinne der psychologischen Kriegführung) behauptet, es könne bereits Blut an den Händen der WikiLeaks-Leute kleben, dann frage ich mich, ob er, der diesen schmutzigen Krieg ja mit betreibt, eigentlich ahnt, dass beim Zeigen auf Wikileaks vier Finger seiner Hand auf ihn selber verweisen.

    WikiLeaks will, dass der Krieg in Afghanistan gestoppt wird. Es geht ihnen nicht vorrangig um die Frage, ob die Soldaten dort möglichst ungestört kämpfen können. Das ist ein moralisches Dilemma. Denn auch WikiLeaks verliert mit solchen Veröffentlichungen seine Unschuld. Die Tragik ist den Leuten bewusst. Aber was wäre die Alternative?

  30. Raphael |  31.07.2010 | 14:47 | permalink  

    @nigecus: Da ist wohl jemand auf die Propaganda der Obama Administration reingefallen. Warum sollte ein Afghane ob dieser Information eine Entscheidung über Leben und Tod revidieren? Die Leute vorort kennen die Gräuel des Krieges aus eigener Erfahrung. Es sind die amerikanischen Steuerzahler, die ein Recht darauf haben zu erfahren, was in dem von ihnen finanzierten Krieg passiert.

  31. Raphael |  02.08.2010 | 12:58 | permalink  

    Warum ich in dieser Frage recht habe? Sogar der Afghanische Verteidigungsminister begrüßt das Leak.

    http://news.smh.com.au/breaking-news-world/leaked-war-files-no-surprise-to-afghans-20100802-112su.html

  32. Wolfgang Michal |  03.08.2010 | 11:32 | permalink  

    Das zeigt, wohin der Hase läuft.
    Aber im Netz sind die Macken des iPhone G4 offenbar wichtiger als die Grausamkeiten des Afghanistan-Krieges.
    http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2010/08/02/AR2010080202627.html

  33. Alles nur böse Gerüchte, aber ziemlich wahr. « rauskuckers Blog |  12.08.2010 | 16:03 | permalink  

    [...] damit dieser Schlüssel nicht öffentlich bekannt wird. (Vermutlich wird nun Obama selber Bradley Manning für den Friedensnobelpreis [...]

  34. Fritz Wüthrich |  03.02.2011 | 08:45 | permalink  

    Wikileaks hat zwar viele Informationen an die Öffentlichkeit gebracht, aber haben sie damit nicht auch zu Aufständen und Unruhen geführt? Unter diesem Aspekt ist die Vergabe des Friedensnobelpreises doch ein zweischneidiges Schwert. Nichtsdestotrotz bin ich ein Verfechter der Informationstransparenz und man kann eine Organisation wie Wikileaks nicht immer für die Auswirkungen verantwortlich machen.

    Eine Umfrage, ob Wikileaks den Friedensnobelpreis bekommen sollte findet ihr unter:
    http://www.pupoll.de/Umfrage/45_Der_Friedensnobelpreis_fuer_Wikileaks_-_Haette_Wikileaks_diese_Auszeichnung_verdient

  35. noName |  03.02.2011 | 09:06 | permalink  

    ‚Friedensnobelpreis für WikiLeaks!‘ habe ich eher unter Satire eingeordnet. Wie man sich täuschen kann! Meinem Vorredner unter #34 schließe ich mich inhaltlich an.

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