Heiko Hilker | 16 Kommentar(e)
Günter Jauch kostet pro Sendeminute rund 40 Prozent mehr als Anne Will. Das sind nun doch ein paar Cent mehr als der ARD-Vorsitzende versprochen hat. Und: Wieso eigentlich Marktwert?
14.07.2010 |
Sicher, es gab „bei Mitgliedern der WDR-Gremien Unmut über den „halben Jauch“, der als Polit-Talker im Ersten auf seriös macht und als Moderator weiterhin das RTL-Showgesicht Nummer eins bleibt.“
Peter Boudgoust sagte als ARD-Vorsitzender zu, dass den Gebührenzahler diese Verpflichtung „keinen Cent mehr“ kosten werde. Ruth Hieronymi, die Vorsitzende des WDR-Rundfunkrates stellte gestern einen anderen Zusammenhang her. Der „finanzielle Rahmen der Verpflichtung bewege sich in der selben Größenordnung wie vor drei Jahren.“ Doch wer kann dies überprüfen?
„Die einzelnen Rundfunkanstalten müssten keine zusätzlichen Finanzierungsanteile leisten. Da Jauch Sendeminuten füllen werde, die auch vorher schon bezahlt werden mussten, sei nicht mit erheblichen Mehrkosten zu rechnen. Eine mögliche Differenz solle durch Umschichtungen innerhalb des Gesamtbudgets des Ersten erreicht werden“, vermeldet der Kölner Stadtanzeiger. Es gibt also Mehrkosten. Und diese gehen zu lasten des Gesamtprogramms. Denn das, was für Jauch ausgegeben werden muss, spart man an andere Stelle wieder ein.
BILD hat sich schon die Verträge aus dem WDR-Verwaltungsrat besorgt. Danach läuft der Vertrag über drei Staffeln bis 2014. Jedes Jahr soll es 38 Sendungen à 60 Minuten geben. Hinzu kommt ein „Best of“ pro Staffel. Jede dieser Staffeln kostet 10,5 Mio. Euro. Somit koste Jauch 4.487 Euro in der Minute. Das sind 1.323 Euro in der Minute mehr als „Anne Will“, die mit 3.164 Euro pro Minute schon Spitzenreiter der öffentlich-rechtlichen Talkshows war. Jauch sei damit 41,8 Prozent teurer als Will.
Die Vorsitzende des NDR-Rundfunkrates, Dagmar Gräfin Kerssenbrock, meint in BILD, dass der „Marktwert von Herrn Jauch“ höher sei als der von Frau Will. Nun, dass stimmt wohl so nicht. Denn wer wollte noch eine politische Talkshow mit Günther Jauch machen? Keiner. Damit kann es keinen Marktwert geben. Der Marktwert ist die Forderung.
Zudem würde die Produktion aufwendiger sein als die bisherige. Das wird sich zeigen.



[...] This post was mentioned on Twitter by Carta, Andreas Spiegler. Andreas Spiegler said: Da landet also meine GEZ… Günther Jauch: 4487 Euro pro Minute #fb http://icio.us/5hegy0 [...]
Die Frage des Marktwertes ist doch nicht alleine abhängig davon, ob noch ein Sender eine solche Show machen will. Auch die zu erwartende Zugkraft beim Publikum und die Erfolgschancen gehen in den Marktwert ein.
Die ARD soll einfach einen niveauvollen (!) Polit-Talk senden! Wer moderiert, ist ziemlich egal. Wenn die ARD aus dem Vollen über die Gelder der GEZ-Zahler verfügt, grenzt das an Untreue. Die Produktionsunternehmen mit den Moderatoren als Geschäftsführer nehmen mit, was ihnen geboten wird. Mauschelfernsehen. Und wem die Nase nicht passt, wird öffentlich rausgekickt – während der WM.
Die ÖR müssen umstrukturiert werden.
[...] wird der Jauch aber gut bezahlt von der ARD: 4.487 Euro pro Minute, 1.323 Euro mehr als Will. Das muss aber eine gute Sendung werden, die der Jauch da moderieren wird. Ähnliche [...]
Wieviel von den 4.487 € bleiben denn bei Günther Jauch? Ich nehme mal an das er die Sendung auch produziert. Somit fallen bei ihm ja Kosten an. Ist das bei Anne Will auch so?
„…Jauch: 4.487 Euro pro Minute…“
Dann werde ich mit meinen jährlichen Rundfunkgebühren genau 2,89 Sekunden Jauch finanzieren. Die werde ich mir wahrscheinlich auch ansehen, mehr aber auch nicht…
@uniquolol: Sehr hübsche Rechnung!
Die grundsätzliche Debatte, ob die Produktion einer einstündigen Diskussionsrunde Kosten in Höhe von 270.000 tsd Euro verursachen kann bzw. darf, finde ich legitim. Auch wenn ich selbst noch keine Kalkulation für Fernsehproduktionen in den Fingern gehalten habe, sagt mir der gesunde Menschenverstand: Da geht der eine oder andere Euro in Rauch auf bzw. wird in heisse Luft verwandelt.
Hier aber gleich mit Bild, Stern und Co. in die immer wieder gern genommene “scheiss Millionäre” Vuvuzela zu blasen, ist so einfach nicht korrekt. Noch niemand kennt das neue Format (gibts vielleicht Filmeinspieler, gibts ein 6-dimensionales virtuelles Studio mit Aussenstelle in der internationalen Raumstation, wird Dieter Bohlen und Lionel Messi als Gastkommentator eingekauft, wird der beste Redebeitrag des Jahres mit einer Million Euro dotiert …. oder oder). Kann sein, kann nicht sein, macht Sinn oder macht keinen Sinn, egal.
Der Punkt ist: wir wissens nicht, und weil wirs nicht wissen wissen wir auch nicht, welcher Teil des Kuchens an Günther Jauch persönlich fällt und wieviel für die Produktion verblasen wird. Ich würde bei den Zahlen mich nicht einmal wundern, wenn Günther Jauch im Vergleich zu anderen üblichen Verdächtigen (Kerner?, Bohlen?, Pocher?, Schmidt?) vergleichsweise bescheidene Forderungen gestellt hat.
Ob das Ganze zu Lasten meiner Gebühren passieren sollte, ist eine andere, aber natürlich berechtigte Frage.
4.487 Euro pro Minute – für eine Talkshow? Da müssten dem Zuschauer die weltbewegenden Erkenntnisse ja im Sekundentakt kommen, nur vom Zuschauen, bzw. Hören, damit das Berechtigung hat.
Aber das ist nur ein Beispiel in einer langen Kette. Es gibt ÖR-Anstalten, die haben sich schon bei Geldanlagen verzockt. Es gibt die Nebenjobs in der Werbung, die Skandale um gut bezahlte Drehbücher vom Ehemann unter Pseudonym, usw. usf…
Ja selbst der Rundfunk schafft es, ordentlich Geld zu verbrennen. Allerdings nicht mit dem Radioprogramm, sondern mit Veranstaltungen, bei denen von vornherein ein extremes Defizit eingeplant ist. Private Konzertveranstalter können da natürlich nicht mithalten, bei ihnen muss es sich rechnen. Auch die Angebote der Kommune (subventioniertes Orchester, z.B.) haben keine Chance, wenn die ÖR aufspielen lassen.
Nun ist gegen Unterhaltungsangebote nicht von vornherein etwas zu sagen. Auch Jugendliche freuen sich, wenn sie für ein Programm mit mehreren, auch hochkarätigen Bands nur ein Zehntel dessen zahlen müssen, was es eigentlich kostet.
Aber hier geht es ums Prinzip: Das Geld muss weg, damit mit man zur nächsten Gebührenrunde wieder mehr fordern kann!
Und dann beruft man sich, ohne rot zu werden, auch noch auf den tollen eigenen Beitrag zum Journalismus, zu Kultur und Unterhaltung. Das ganze System ist krank. Es kann nur in Verschwendung enden. Es fehlt die Kontrolle, es fehlt ein äußerer Zwang, mit dem zwangsweise eingetriebenen Geld sparsam und sinnvoll um zu gehen.
@Bastl: Bei anderen Talkshows wurde mit einem Moderatorenhonorar von 15.000 Euro und mehr je Sendung kalkuliert. Zudem wurden auf die Kalkulation 6% Handlungsunkosten (Miete für Büroräume, Entwicklung neuer Formate) sowie 7% garantierter Gewinn aufgeschlagen, die an die produzierende Firma gehen.
Ein fleißiges Milchmädchen war hier am Werk.
Danke für den kritischen Artikel
BILD als Quelle
:(
@ Schtuef: Warum nicht? In diesem Fall hatte Bild offenbar sehr gute Kontakte…
Die Zahlen wurde nicht dementiert – daher war die Verwendung aus meiner Sicht hier okay.
lg,
robin
Sollte keine Kritik am Artikel sein, mir macht vielmehr der (zugegeben sehr subjektive) Eindruck Angst, dass Springer-Presse immer öfter als Quelle herhält.
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