Wolfgang Michal | 98 Kommentar(e)
Zwei vernichtende Urteile ‚schockten’ in der vergangenen Woche die User: Das Internet ist out (Prince). Und: Das Internet ist eine Unterhosen-Vorzeige-Einrichtung für Verlierer (Horx). Die wahre Avantgarde sei längst offline.
10.07.2010 |
Es ist Sommer. Es ist sehr heiß. Die Menschen sind im Freibad, am Meer, in der Eisdiele, im Freien. In den Zeitungen steht der ranzige Stehsatz von gestern, beim kleinen Finale spielen die Reservisten von der Ersatzbank, und selbst Carta versucht, die verfrühten Hundstage mit allerlei Crossposts zu überstehen.
Jetzt braucht das virtuelle Sommerloch seine Debatte! Und weil das Netz – wie wir aus dem Feuilleton wissen – am liebsten über sich selbst diskutiert (und nicht etwa über die Frage, ob Roland Koch in der CDU noch gebraucht wird), muss bei knapp 40 Grad im Schatten eine steile These her.

Sommerloch: Wenn du auffallen musst, dann behaupte jetzt irgendeinen bullshit, der das nötige Echo auslöst. (Foto: Kalense Kid, cc by-nc-sa)
Da trifft es sich gut, dass es Trendforscher gibt. Deren Faustregel lautet: Wenn du auffallen musst, weil du ein neues Buch oder ein neues Album auf den Markt werfen willst – dann behaupte irgendeinen bullshit, der das nötige Echo auslöst.
Und so behauptete der Sänger Prince, 52, in der Boulevardzeitung Daily Mirror (die ihrer heutigen Ausgabe die neue Prince-CD beilegt): “The internet’s completely over.“ Das Internet sei so tot wie MTV, und zwar vor allem deshalb, weil ein Musiker wie Prince über iTunes oder YouTube nur die berüchtigten lousy pennies erlösen könne.
Dem Sänger zur Seite sprang der Trendforscher Matthias Horx, 55. Soziale Netzwerke wie Facebook, sagte er, seien „heute schon weit über ihren Hype hinaus“. In den USA könne man „massive Ausstiegswellen“ beobachten. Den Hauptgrund für den neuen „Offline-Trend“ sieht Horx in der „benutzerunfreundlichen Beschaffenheit des Internets“. Es sei „ein großer Irrtum, dass das Internet wahnsinnig schnell ist. In Wirklichkeit ist das Internet wahnsinnig langsam”. Und die Computer (pflichtet der kleine Prince bei) füllen dein Gehirn bloß mit Zahlen, „and that can’t be good for you.”
Flinke, kluge & trendige Menschen gehen deshalb laut Horx „bewusst weg vom Internet und verweigern es.“ Denn – Achtung, jetzt kommt die brutalstmögliche Vertreibungs-Keule!! – “nur soziale Verlierer verbleiben im Sozialen Netzwerk – diejenigen, die nichts Wichtigeres zu tun haben, als sich ständig gegenseitig die Unterhosen zu zeigen.”
Über Horx’ Unterhosenprovokation könnte man einfach nur lachen. Vor zehn Jahren gab es einen ähnlichen Feinripp-Angriff gegen das Handy – pardon – gegen das mobile phone. Wer sich als ständig erreichbar oute, hieß es, gehöre definitiv nicht zu den Wichtigen im Lande. Der sei nichts weiter als ein dienstbarer Knecht. Das hat der Durchsetzung des Handys nicht geschadet. Smartphones sind – wie gesagt – smart.
Trotzdem reagieren viele im Netz auf das neue Internet-Bashing leicht verunsichert. Die Stimmung hat sich etwas gedreht. Die überschäumende Hoffnung, schnell eine ernstzunehmende Medien-, Kommunikations- und Partizipationsalternative im Netz aufbauen zu können, hat sich (vorerst) verflüchtigt, gegenseitige Verlinkung und kommunitärer Austausch gehen zurück oder stagnieren. Der Dialog mit dem Nutzer beschränkt sich vielerorts auf einen harten Kern von Kommentatoren. Bei manchen „digital natives“ sind Desillusionierung und Erschöpfung an die Stelle von Begeisterung und Engagement getreten. Und so könnte die These „Das Internet ist out“ durchaus das Sommerloch füllen. Denn wenn in der kommenden Woche das Tagebuch des angesehenen SZ-Reporters Alex Rühle erscheint – Titel: „Ohne Netz. Mein halbes Jahr offline“ – wird es hymnische Besprechungen in Analog-Medien hageln (die möglicherweise übersehen, dass Rühles ausgewogenes Für und Wider mit dem klaren Ergebnis endet, dass es ohne Netz nicht mehr geht).
Doch das Internet könnte tatsächlich aus der Mode kommen. Und das wäre ein echter Fortschritt. Denn wie so oft bei der Integration technischer Neuerungen ist das Aus-der-Mode-kommen ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Innovation im Alltag angekommen ist. Und darüber müssen ein paar Trendsetter halt die Nase rümpfen.
.
P.S. Als man Orakel-Paul die Wahl zwischen Muschelfleisch in einem Offline- und in einem Online-Behälter ließ, soll sich der Krake sofort über den Online-Behälter hergemacht haben. Kein Wunder, dass uns BILD diese wichtige Information wieder einmal verschweigt.


[...] This post was mentioned on Twitter by Wolfgang Michal, Carta. Carta said: Das Internet als tote Unterhose http://goo.gl/fb/1cln9 [...]
Nett bei der Hitze! :))
Horx spricht auch nicht mehr von Kindern, sondern von Kids, genauer genommen von „Future Kids“: http://www.zukunftsinstitut.de/verlag/studien_detail.php?nr=83 . Kann ich sowas ernst nehmen? Nein!
So, nun weg vom PC und ab nach draußen, bin auch sehr für offline, für’s Kontemplative… ;)
[...] Furz im Internet Orkanstärke attestieren, werden kleinlaut. Zum Beispiel Wolfgang Michal: “Die Stimmung hat sich etwas gedreht. Die überschäumende Hoffnung, schnell eine [...]
Sehe ich ein wenig anders. Die Euphorie, die bei solchen Dingen am Anfang immer dabei ist, ist einer neuen Nüchternheit gewichen. Das Problem mit der Euphorie war, dass ihr Schwung zwar ausreichte, um Projekte anzufangen, aber das Interesse schnell erlahmte, so dass gut oder weniger gute Ideen eingeschlafen sind. Die Pragmatiker schauen genauer, wie viel Zeit und Energie sie einsetzen können und bringen ihre Sachen eher zu einem brauchbaren Ende.
Was Horx über das Internet sagt, ist mal wieder eiskalter und verschimmelter Kaffee. Ich kann mich an eine Artikelserie eines Amerikaners bei TP erinnern, der solche Thesen wesentlich eloquenter und fundierter vorgebracht hat, dass müsste so 2003 gewesen sein.
[...] Sicherlich gilt es zu bedenken, dass die zwei polarisierenden Zitatgeber der vergangenen Woche ein eigenes Interesse daran haben, sich mit provokativen Äußerungen ins Gespräch zu bringen: iTunes-Kritiker Prince vertreibt ein neues Album – ausschließlich als Beigabe zu Print-Titeln – und von Forscher und Autor Horx hat man schon länger nichts mehr gehört – da kommt das Sommerloch gerade recht. [...]
Horx:
Naja.
Er ist halt gezwungen, immer wieder mal auf sich aufmerksam zu machen.
Aber der Fairness halber muss man sagen, dass er sich von diesem ‘Interview’ distanziert.
…
Willkürlich verbogene Sätze aus einem längeren Gespräch, das ich mit einem Journalisten geführt habe, dem offensichtlich egal ist, was wahr und richtig ist.
…
Auf seiner homepage nachzulesen.
http://www.horx.com/FutureBlog/Thesen-zum-Internet.aspx
@Groo: Ich kann mir nicht vorstellen, dass der ORF die Unterhose erfunden hat. Die Zitate dort (sie stehen in Anführungszeichen) sind bislang nicht zurückgenommen worden. Insofern ist die ‘Distanzierung’ etwas wohlfeil.
Wir sollten ‘Trendforscher’ – schon das Wort ist ein Oxymoron – so betrachten, wie Menschen, die im Restaurant ständig Fürze lassen.
@domingos: Was sagt es über ein Land, dass diese Diskussionsschleifen und Sommermärchen ständig wiederholt werden müssen?
Das Internet ist out. Stimmt. Außer den Totalverweigerern sind inzwischen alle drin, die Claims sind verteilt und technische Hypes, die wirklich was am Erscheinungsbild des Internet ändern, gibt es nicht mehr. Vor ein paar Jahren konnte man mit seinen Blog und etwas Fleiß Top-Suchergebnisse erreichen, heute geht man unter in der Masse. Da hilft es auch nichts, dass jedes Social-Event-Shopping-Blabla-Portal inzwischen eine API hat.
Wir sind in der Konsolidierungsphase angekommen. Die ist nie so spannend wie neue Erfindungen. Dem Konsumenten ist es egal, ob das Video per HTML5 oder Flash ausgeliefert wird – Hauptsache es funktioniert. Und trotz des fortdauerden verzweifelten Kampfes hat die Musikindustrie verloren. Jetzt klaut nicht mehr der User direkt, sondern lässt es durch iTunes verwalten. Das verzweifelte Aufbäumen der Verlage, mit einem Leistungsschutzrecht verlorenes Terrain wett zu machen ist auch nicht besser.
Für Ottonormaluser passiert nicht wirklich was Neues. Für die Fachleute gibt es allerdings noch viel Arbeit.
@Wolfgang Michal,
Kann schon sein.
Ist sogar recht wahrscheinlich, dass er sich in diesem Plauderstündchen etwas verplappert hat.
Horx ist ja in der blogosphere nicht sonderlich beliebt, um nicht zu sagen, eine Lachnummer.
Da ist es dann schon plausibel, dass er sich zu sowas hinreissen lässt.
Später ist es ihm dann peinlich.
Leute wie Schirrmacher, Bolz, Horx sind für mich alle im selben Sack.
Grunzen alle ähnlich.
Oder wie Chat sagt:
…die im Restaurant ständig Fürze lassen.
… sehr amüsant. :))
@Harald,
…
Das Internet ist out. Stimmt. Außer den Totalverweigerern sind inzwischen alle drin, die Claims sind verteilt
…
Widersprichst du Dir da nicht ein bisschen selber?
Das ist mE die Haltung eines Snobs.
Meine eigene Internet-Praxis ist mittlerweile recht simpel:
Es hat sich bei mir ein Stamm von ca 200 Seiten herausgebildet, die ich regelmässig Besuche.
Neue Seiten haben es verdammt schwer, da reinzukommen.
Ich stehe für den Satz: Sag mir wo Du hinsurfst, und ich sage Dir, wer Du bist.
Twitter oder facebook oder andere ‘social media’ besuche ich allenfalls für Feldstudien.
Klingt auch versnobt, soll es aber nicht sein.
Ist halt eine Frage der Denkökonomie.
@Groo: „Ich stehe für den Satz: Sag mir wo Du hinsurfst, und ich sage Dir, wer Du bist.“ Das klingt tiefenpsychologisch. 200 Webseiten? Viel! Und dann noch Feldstudien?
Jedenfalls bietet das Web eine Plattform für neue Ideen, Experimente, gar wissenschaftliche Studien… Und schließlich besinnen sich alle auf das Analoge, nachdem sie diesen ganzen Quatsch im Netz mal mitgemacht haben. ;)
ich habe jetzt den Artikel ein zweites mal gelesen.
Wieso, weiss ich momentan nicht recht.
Sicher habe ich meine guten Gründe dafür.
Sie sind mir halt grade nicht präsent.
…
“Trotzdem reagieren viele im Netz auf das neue Internet-Bashing leicht verunsichert.”
…
OK.
ICH gehöre jedenfalls nicht dazu.
Vielleicht bin ich auch zulang schon im Netz (1993, modem, CDs mit Internet-adressen und Links)
Dann kam die dotcom-bubble.
Da sind etliche ‘Trendforscher’ ordentlich auf die Schnauze gefallen.
Heute ist das Netz ungefähr da, wo manche es sich für 2003 hingeträumt haben.
Die ‘Verunsicherung’ kann doch allenfalls bei usern auftreten, die die Historie nicht miterlebt haben.
Was man beklagen kann, ist, dass die Entwicklung ungesund schnell ist.
Aber lässt man mal das glitzerig pfauenhafte weg, das mir zuwider ist, gibt es schon einen stetigen Trend zu wertigerer Information.
Aber nur, wenn man nicht wie ein kopfloses Huhn durch die Gegend pest.
Dass man sich dabei auch noch einen Sack voll Viren einsammelt, und am Ende des Tages nicht schlauer ist als am Anfang ist, ganz zu schweigen.
Das Netz ist für mich zuallererst ein reflexives Medium:
These–Gegenthese1-Gegenthese2-Synthese–, undsoweiter.
Die ex-kathedra-orientierten Holzmedien haben das sicher noch nicht begriffen.
Ein Prince soll meinetwegen Musik machen.
Irgendwelchen Quark kann er meinethalben auch absondern. Man ist ja tolerant.
Wenn er substantielleres absondern will, soll er sich mal mit seinem Kollegen Brian Eno zusammensetzen– board member der long-Now-Foundation.
Guckt man da:
http://www.longnow.org/people/board/
Damit hätte ich sozusagen im Nebenschlag die Mücke Horx auch erschlagen.
Soll er sich mal mit WICHTIGEN Themen beschäftigen, und sich nicht wie ein Modedesigner gerieren, zu dem er offenbar auch kein Talent hat.
Ich finde, die Unterhose wird unterschätzt. Was wäre das menschliche Dasein ohne Unterhosen?
@noname#14
200Seiten –sind meine bookmarks.
ich habe da eine sonderbare Technik entwickelt, das handzuhaben.
Geht aber. Nicht täglich, aber regelmässig.
(Firefox, scrapbook, lokale Suchmaschine, ein paar Terabyte offline-’Daten’. da ist dann nur das wichtige drin.)
…tiefenpsychologisch…
Klar. Bleibt zwangsläufig nicht aus.
…Und schließlich besinnen sich alle auf das Analoge…
Die Frustrierten treffen sich dann auf dem Jakobsweg, und meditieren so vor sich hin, würde ich sagen.
(Horx, Schrrimacher, Bolz und etliche andere stelle ich mir da so vor, wie sie Kilo um Kilo aus dem Gepäck werfen, und am Ende fast menschenähnlich werden.)
Es hat sie halt rausgekegelt.
Gut so!
@Groo: Nein, ich denke ich widerspreche mir nicht. Es hängt von der Definition “In” und “Out” ab. Eben jene Internetpraxis die du beschreibst führt dazu, dass es out ist. Es wird benutzt, mehr nicht. Ein Werkzeug. “Out” soll nicht heißen, dass man es nicht haben sollte. Viele haben auch einen Hammer. Es bring aber nichts mehr für das Image. Und wer es übermäßig benutzt, schadet seinem Image eher.
@surfer#16.
Jo.
Horx phantasiert sich da sicher ein paar braune Flecken dazu.
Und er ist die Waschmaschine.
Und dann leidet er schonmal prophylaktisch.
@harald#18
Bin nicht sicher, ob ich dich recht verstehe.
Für mich ist das Netz zweierlei:
1) ein beinhartes Werkzeug für meine beruflichen Recherchen: Datenblätter, Ideen etc.
2) für mein second life als ‘Mensch’ eine Bildungsquelle.
Damit ich MEHR Mensch, besserer Mensch, informierterer Mensch werde.
Alles andere blende ich eigentlich aus.
…Image…
Ich kaufe mir weder ein iPhone noch ein iPad.
Das wäre nämlich schlecht für mein SELBSTBILD!
(google und Apple sind die grössten Datenkraken, und mich zu deren Narren machen zu lassen/Stichwort: Bewegungsprofile kommt mir zB nicht in die Tüte)
Man will ja nicht in schlechter Gesellschaft sein :)
@Groo: „ich habe da eine sonderbare Technik entwickelt,…“ Das ist gut so. Ich inzwischen auch (s. unter noName). Gut, dass ich Sie missverstanden habe mit den 200 Seiten, tiefenpsychologisch meine ich. Bei mir sind’s vielleicht 20 Webseiten, moderat nicht?
Horx, Schirrmacher, Bolz – sehr gelungen, sie in einen Sack zu packen. :)
@Groo: „ich habe da eine sonderbare Technik entwickelt,“ Das ist gut so. Ich inzwischen auch (s. unter noName). Gut, dass ich Sie missverstanden habe mit den 200 Seiten, tiefenpsychologisch meine ich. Bei mir sind’s vielleicht 20 Webseiten, moderat nicht?
Horx, Schirrmacher, Bolz – sehr gelungen, sie in einen Sack zu packen. :)
(Hier nun der Link: http://zusammenhalt.wordpress.com/2010/07/07/die-digitale-zeitung-von-morgen/ (Ging komischerweise nicht durch.))
Nachtrag zu #20
vor ein paar Jahren ist mir aufgefallen, dass es eine Cyborgisierung gibt:
Leute, die immer einen Knopf im Ohr haben–ob Handy oder mp3-player.
Das ist definitiv eine Form von Kontrolle.
Wenn ich Prince/Horx irgendwas abgewinnen kann dann das:
Man muss über diesen unsichtbaren Einfluss nachdenken.
Wer steckt dahinter?
Welche Absichten hat er?
Welchen Einfluss kann er haben?
Da ist es gut, darüber mal offline nachzudenken.
Ich für meinen Teil meine, dass ich meine Hausaufgaben da schon gemacht habe.
Da muss jeder durch, zB was sein ‘Profil’ betrifft.
Hilfreich:
Die NSA hat vor ein paar Jahren die Absicht bekanntgemacht, für jeden Erdbewohner ein ca 40-seitiges Dossier anzulegen.
@Harald #18
Ok.
Jetzt verstehe ich Dich.
‘In’/'Out’ im Sinn ‘modisches accessoire’ verstanden.
Es ist nicht mehr ‘hip’.
Ich habe das so verstanden, dass die Herrschaften meinten, dass der Hammer eigentlich nur ein Gummihammer ist, um im Bild zu bleiben.
@noname#21
ist das Deine Seite?
Warum? ;)
Oh, dahinter steht bei einigen (wie mir zB) auch einfach das Bedürfnis nach Lärm-Vermeidung.
Seitdem ich einige Jahre kein Fernsehen mehr sehe, das Kino nach Hause verlagert habe und kein (werbefinanziertes) Radio mehr höre, bin ich empfindlich geworden gegen die penetrant-lärmende Aufmerksamkeitsheischerei des täglichen Lebens.
Rumlaufen im Supermarkt, zugeplärrt von Einkaufsradio, Werbung, Standverkäufern, Fernsehbildschirmen, übertönt von Handys auf Maximallautstärke und Frau Sowieso an die Kasse … – das treibt meinen Stresspegel ganz erheblich nach oben.
Seitdem ich aber In-Ear-Kopfhörer mit Schallisolierung habe, nehme ich die in der Öffentlichkeit nur noch sehr ungern aus den Ohren. Sogar wenn ich gerade gar nichts darüber höhre.
Der Gewinn an Lebensqualität ist ganz erheblich. Man sollte nur im Straßenverkehr umso mehr die Augen öffnen …
@crackpille#26
ok.
Verständlich.
Bei mir hat sich das nur anders entwickelt:
Ich schau die Leute an, sperr die Ohren auf, und wundere mich.
Wenn ich gut gelaunt bin, amüsier ich mich.
@Crackpille, seien Sie so ehrlich, wenn schon, denn schon: http://tinyurl.com/397pcfr ;)
@noName#28:
Nee, damit sieht man doof aus. Außerdem muss ich dann ja immer wechseln, wenn ich Chaos Radio hören will ;-)
1.) Prince ist ein fantastischer Musiker. Neulich hat er den letzten lebenden Über-Guitarristen gespielt und noch einen Gong in die Ewigkeit gefeuert. Er darf über das Internet sagen was er will, solange er seine Kunst entwickelt. Im Übrigen glaube ich, dass der Reporter gefoppt wird, das sieht man ganz deutlich an der Drums-Passage. Ähnlich ist wohl der Satz über das Internet zustande gekommen.
2.) Geht man zu Horxens Seite und den Bemerkungen über das Internet, bleibt nur noch Gelächter über. Ein Interview zum “20. Geburtstag des Internet”. Das sind ja, Frager wie Trendforscher ziemliche Nieten in punkto Technikgeschichte. Vor über 20 Jahren hat Horx sein letztes gutes Buch geschrieben “Schrift und Chips”, ein schöner Vergleich von Textverarbeitungen. –Detlef
Habe diesen Text auf meinem iPad am Strand gelesen – und ihn als perfekten Sommertext empfunden. Ich möchte hier vom Strand funken: Das Internet ist nicht out, sondern überall. Leider fehlt noch eine Live-Übertragung der Netzwerk Rechereche Tagung.
Prince und Horx: Alles natürlich ein Ergebnis des Hype-Zyklus. Dass das Netz gerade nicht supersexy ist, mag ja sogar stimmen. Macht aber nichts.
Herr Horx hat ja auch vorhergesagt, dass sich Bildtelefonie nie durchsetzen werde. Seit FaceTime denke ich daher wieder häufiger an Herrn Horx.
So, jetzt muss ich aber wieder an die Arbeit und die SPD zum blog-freundlichem NRW-Koalitionsvetrag befragen …
Danke fuer den sonnigen Text , rml
@robin#33
…
Herr Horx hat ja auch vorhergesagt, dass sich Bildtelefonie nie durchsetzen werde.
…
Das war ja wohl ein Nobrainer.
a) ungewaschen und fern der Heimat
b) geschniegelt und aufgebrezelt
Wer spricht jetzt genau mit wem via Bildtelephonie?
Das ist ein kommunikativer Spaltpilz.
Selbstdarsteller versus die, die sich die Haare raufen, würde ich mal sagen.
Narzissten versus Existentialisten.
Wäre ja nichts Neues.
Wird nur technisch abgebildet.
Den ‘Existentialisten’ erkenne ich an seiner minimalistischen, kargen Darstellung.
Den ‘Narzissten’ erkenne ich, dass er sich wie ein Pfau aufplustert.
Was ist dazu noch mehr zu sagen?
Solltet ihr Medienfuzzis vielleicht berücksichtigen.
Eine Simsende Kanzlerin zB identifiziere ich stante pede mit einer Lachnummer.
Ebenso das Gehebe ihrer Ärmchen und Simulation von Begeisterung während der WM.
Alles eine Frage von Interface-Design.
Oder was?
Kargheit der Darstellung korreliert für mich mit Content.
Bin gespannt, wann das mal jemand kapiert.
Nachtrag zu #34
Da ihr Medienfuzzis (sage ich mal salopp)
den Stellenwert von form und content nicht mehr zu erkennen scheint,
hier ein paar Tips:
1) content konzentriert sich auf informationelle optimierung (=reduktion des interfaces aufs wesentliche )
Keine bells and whistles
2) Karges interface ist nicht mehrheitsfähig, heisst es, recht unreflektiert.
Wo ist also das Optimum?
3) ist das Optimum dort, wo das maximale Publikum ist?
Könntet ihr das eventuell anzweifeln, und verdammt nochmal Euch eure eigenen Gedanken machen?
ZB: Welche Form ist dem Content angemessen?
wenn ich SPON oder SZ oder wasweissich ansurfe, bin ich angewidert.
Wieso?
Weil ich die Absicht spüre, und die ist nicht mich zu ‘informieren’ sondern ihren verdammten Nebenkontent an den mann zu bringen.
4) Google
Perfidie im Quadrat: Vortäuschung von Content und unterjubeln von paid interest unterhalb der Wahrnehmungsschwelle via ranking und sonstiger subliminaler Grössen
DANKE, DANKE, DANKE
Die community der content-anbieter sollte sich mal klar werden, ob sie einer Ver-a…
Branche angehören will, oder eventuell sogar altmodisches wie Aufklärung
und den informierten Bürger in den Blick nehmen sollte.
Unter konventionell monetären Aspekten ist das nicht zu machen.
Fragt sich also: wie?
Jedenfalls NICHT so!
Man sammelt Zustimmungspunkte.
OK.
Was nur funktioniert, wenn das Publikum die Ernsthaftigkeit des Unternehmens erkennt.
(vgl zB http://www.commondreams.org/ –sammelaktion)
DAS REICHT ABER NICHT, um content zu generieren.
Klar.
$200K/Jahr.
ein CIA-Agent hat $4mio/Jahr budget, um nur eine Zahl zu nennen.
Ich bin da selber ratlos.
Aber wenigstens habe ich das Problem erkannt.
oder?
Groo in Fahrt. :)) Bestimmt ein Obermedienfuzzi oder eine Fuzzeline. ;)
Wer ist eigentlich mit “Avantgarde” gemeint? Wenn es Horx sagt, könnte man vermuten, er meint die Trendsetter, deren Existenz er seinen eigenen beruflichen Erfolg verdankt. Ich werde den Verdacht nicht los, es gibt gar keine Avantgarde, sie wird nur bei Bedarf illusioniert. Und besonders wenig hat das dann mit jenen zu tun, die als stille Problemlöser hinter verschlossenen Türen die Nächte durch brüten, denen jeglicher medialer hype nur auf die Nerven geht. Die dann ins Internet gehen, um überhaupt mal mit jemandem “quatschen” zu können. Die sich dann gegenseitig als gefühlte Verlierer identifizieren… Wer weiß denn so genau, wer wo mit wem Gedanken austauscht? Horx weiß das so wenig wie jeder andere hier.
Vielleicht weiß es ja der Bundesnachrichtendienst. Dann ist es geheim und für zukunftswissenschaftliche Studien nicht zu verwerten. Für wen ist es denn attraktiv, zu wissen, daß alles Gesagte schnell vergessen ist? Für die (gefühlte) Avantgarde? Und was soll der gewöhnliche Zeitzeuge daraus schlußfolgern? Daß die Weisheit in der Stille liegt und nicht im Wort…
Das erinnert mich alles an einen guten Freund, über den ich mich immer lustig machte, wenn er zum Rauchen an die frische Luft hinaus ging. Das ist auch ein überzeugter Offliner, ich habe ihn lange nicht gesehen.
Nachtragzu #36
Das wertvollste asset, das die Medien, um die es hier geht, haben, sind die investigativen Reporter und whistle-blowers.
(John Pilger etc)
Schliesslich riskieren sie ihr Leben.
Alles weitere ist reinterpretieren, nachkauen, und was der sonstigen organismischen einer viel-Magen-Kuh namens ‘Gesellschaft’ noch sind.
Alles wertvoll.
Klar.
Aber wo nichts reinkommt, kommt auch nichts raus.
Wollte ich eine Wertskala in der Informationsbeschaffung aufstellen, und ihn angemessen entlohnen, so wäre der investigative Journalist irgendwo im Himmel, wo er buchstäblich schnell landen kann.
Mit das beste, was wir haben.
So ein Mensch ist ein säkularer Priester des Menschlichen, und meinen Hut zu ziehen ist ja schon das mindeste.
Womit belohnen wir ihn?
Mit ein paar dürren Worten, was für ein guter Mensch/Photograph er denn war?
Da ist doch zum Heulen!
Dann sitzen da die Absolventen von Journalismusschulen, und überlegen sich, wie sie noch ein paar Euro dazuverdienen können.
Was ich gut verstehe.
Ungefähr so gut wie einen Bischof Mixa, der seine Profession verrät, um seines schäbigen ‘Vorteils’ willen.
Fasst Euch an die Nase, Herren und Damen Medienfuzzi!
Was wollt ihr sein?
Ich gebe zu, das ist eine schwierige Entscheidung.
@noname#36
ich habe mit der Medienbranche nur insofern was zu tun, als ich mir sie täglich antun muss.
und das ist halt zum Kotzen.
(Bis auf wenige Ausnahmen, die ich dann in den Himmel lobe, weil es sonst nicht mehr auszuhalten wäre)
@linsenspaeller#37
Horx ist zunächst ein Selbstdarsteller.
Die ‘Substanz’ saugt er aus dem Zeitgeist, und verkauft sie dann für teures Geld vertütet an autistische Entscheider, die die Welt schon qua Veranlagung nicht verstehen können.
Ist halt ein Geschäftsmodell, wo der Einäugige dem Blinden was andreht.
@linsenspaeller: Avantgarde ist (siehe #33) supersexy. Und das ist das Netz nach nicht mehr. Es kommen die Mühen der Ebene. Das ist für Vordenker weniger interessant.
@groo: Sie geben sich alle Mühe mit dem Provozieren, das ist wirklich nett. Aber Max-Planck-Fuzzis sollten mit dem Begriff Fuzzi vorsichtiger umgehen. Ist denn niemand in der Kantine, mit dem Sie sich unterhalten können?
Zumindest über die Frage mal nachdenken: Was würde sich in meinem Leben ändern ohne Netzzugang?
@Groo, der ‘investigative Journalist’ wird meist als Aufdecker von brisanten Themen verstanden, aber was erkläre ich? ;) Ich würde die “Himmelskandidaten” noch erweitern um den analytisch arbeitenden Journlisten, der mit Fachleuten gemeinsam wichtige und neue Themen aufgreift, sie darstellt und ggf. dazu eine fundierte Meinung verfasst. Das ist wenig spektulär – und da ist auch das Problem, aber es wäre wichtig, wenn sich im Sachthemenbereich mehr täte.
Das Optimum ist nicht da, wo das ‘maximale Publikum’ ist. Die Welt ist zu kompliziert als das Themen überwiegend für die breite Masse mal eben rausgehauen werden oder von Reuters und dpa abgeschrieben werden. Es geht um die Sache und nicht nur um Auflage, Quote.
Bestimmt in 15 Artikeln habe ich derzeit überflogen, dass Herr Seibert Regierungssprecher wird. Themen müssen her, verdammt noch mal!
Jetzt habe ich mich vom Posting entfernt, sorry, aber Horx und Co., diese angeblichen Vordenker mit vorgegaukeltem (?) wissenschaftlichen Arbeiten kann ich nicht ernst nehmen.
@Michal#41,
ich dachte, Sie könnten verstehen.
Was Sie offenbar nicht können.
Ich bin heute nicht in der Kantine, sondern habe Urlaub, um ihre unglaubliche Indiskretion zu kommentieren.
Ihre Echauffierungen sind offenbar nichts weiter als Sandkastenspiele.
Schämen Sie sich!
DAS ist es, was ich nicht am Web mag…
@groo: Indiskret bin ich nur dann, wenn es in Richtung Beleidigung geht.
http://netzwertig.com/2010/07/09/identitaet-im-netz-das-glaubwuerdigkeitsproblem-anonymer-kritik/
Addendum zu #43
@Michal
nehmen Sie sich DAS zum Beispiel:
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1220879/
@noname#44.
es geht aktuell um einen Skandal des Herrn Michal, nämlich in einem Journalistenblog die Persönlichkeitssphäre eines Bloggers öffentlich zu machen. (MICH in diesem Fall, aber das tut garnichts zur Sache, ich werds zufällig überleben, ohne Not öffentlich zu machen.)
Last time I checked ist das so ziemlich DAS journalistische NONO, das Michal aus
trivialen Gründen–oder konnte er die Buchstaben nicht zu Worten zusammensetzen?–, verletzt hat!
Groo: Sie “forschen” doch.
Die Füßchen, weil ich es anmaßend finde (von Ihnen).
@noname#46
etwas präziser bitte.
ich spucke ungern in den Brei
@all,
ich bin für jeden Dummschwatz zu haben.
wer in diesem thread was Relevantes zu mir und dem was ich gesagt habe, anzumerken/einzuwenden hat, möge das gerne tun.
Aber bitte mit PRÄZISEN Verweisen!
Und er überlege sich seine Worte genau!
Ginge es hier um was Wichtiges–zB Iran, Kirgistan etc,
wäre Michal sicher der Alptraum für Leute, die was Wichtiges zu sagen haben.
Er würde sie, das müssten solche Leute befürchten, für fünf cent oder aus einer Laune heraus ans Messer liefern.
Gut, dass die einen weiten Bogen um ‘Carta’-Journalisten machen können.
Mir tuts nicht weh.
Obwohl, sich in den Sandkasten zurückversetzt zu fühlen, lässt etwas am Fortschritt zweifeln.
ich warte auf eine Antwort, Herr Michal,
abgesehen von dieser unglaublichen Indiskretion, die Sie sich hier geleistet haben
(ist mir in >15 Jahren Inet noch nicht untergekommen, und das von einem ‘PROFI’),
ist mir mittlerweile unklar, ob Sie überhaupt verstanden haben, was ich geschrieben habe.
Könnten wir das bitte/danke klären?
@Michal
was mein Pseudonm betrifft, haben Sie hoffentlich auch recherchiert:
Wenn nicht, DA:
http://en.wikipedia.org/wiki/Groo_the_Wanderer
Also, auf ein bisschen grimmigen Humor dürfen Sie also hoffen.
Obwohl ich Pappnasen ihr vorwitziges Pseudo-Riechwerkzeug auch mal gerne abschneide.
deafening silence.
also spreche ich mal in den Wind:
Was ist das Ethos des Journalisten?
nehmen wie an, ein armes Schwein von Falun Gong –nur als Beispiel, trifft auf SIE, herr Michal!
Welchen Grund sollte der/dieses haben, ausgerechnet mit IHNEN kritische Themen zu besprechen?
Welche Garantien geben SIE ihm, dass er nicht die nächsten 24h von der chinesischen Nomenklatura eingekastelt und nach brauchbaren Eingeweiden durchsucht wird?
Seien sie ehrlich, sofern sie das können.
KEINE.
Abgesehen von so seltenen Individuen wie John Pilger oder Heribert Prantl, würde ich Euch keine fünf Millimeter über den Weg trauen.
IHR HABT KEIN ETHOS!
Ergo: Ihr seid nicht Teil der Lösung, sondern des PROBLEMS!
Das Gejammere der Journaille kann ich allmählich nicht mehr hören.
Oder kann ich irgendwo einen hippokratischen Eid der Journaille nachlesen.
Gibts das?
Oder sind Mainstream- Journalisten auf der Brennsuppe dahergeschwommen,
die, vor die Wahl gestellt zwischen Ethos und Geld, halt doch den Fressnapf wählen.
Vgl Leif:
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1220879/
Meine Güte!
Ich höre!
Tote Unterhose, Groo: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/f/fb/Groo_rufferto.jpg
Provokateure als Forscher oder umgekehrt? ;(
mein lieber noname#54
Das Bild ist nicht ganz verkehrt.
Groo ist ein moderner Don Quixote.
Bitter, das!
Fragt sich nur, wer der Idiot ist.
Hoffe, Du hast zwei freie Hirnzellen, die das miteinander ausmachen.
nachtrag zu #53,
kennt man in der Journaille eigentlich den Begriff ‘default’ oder NULL-hypothese?
Lernt man das da irgendwo?
http://en.wikipedia.org/wiki/Null_hypothesis
Ach ja.
Meine Befürchtung/Null-hypothese ist, dass all die Schwachköpfe letztlich in den soft-sciences /soft skills enden, wo eigentlich die Besten sein sollten!
Man gibt die Hoffnung nicht auf,dass es anders sein könnte.
Früher war der Muff unter den Talaren.
Da ich hier Selbstgespräche zu führen scheine,
habe ich mal unter ‘Agenda’ nachgeguckt:
http://carta.info/kat/agenda/
Schlecht, schlecht, schlecht gemacht!
10 Thesen zur netzpolitischen Diskussion: Raus aus der Hobby-Ecke
Ist ja putzig.
…
2. ZENTRALER WERT: DATENSCHUTZ.
…
Da plappert ein Michal meine email-root aus.
Wo ich sitze und aus welchen Gründen/Kontexten ich wohl (ihm) unliebsame Meinungen absondere.
Habt ihr sie eigentlich noch alle?
———————
Alle Welt redet von ‘Werten’ und ‘Vertrauen’.
Sind das leere Worte oder was?
Da ihr meine email-Adresse nach Belieben nutzt, hier mal ein Vorschlag:
Sendet mir eine email, und ich werde euch mal ordentlich den Kopf waschen.
(Was ich eigentlich zur Genüge hier schon gemacht habe. Aber vielleicht reicht das noch nicht! )
Ein ETHOS muss her!
Und zwar eins, auf das man sich verlassen kann, und klein hohles Geschwafel.
Wie sollte sonst das Rote Kreuz funktionieren?
Die Ärzteschaft hat ihr hehres Ethos leider längst aufgegeben, aber mindestens als Idee ist es noch im Raum!
Wie wärs mit einem Neuanfang!?
NICHT f—ed up mit dem ipad am Strand rumliegen und Zeilenhonorar zusammenschreibseln.
SO GEHT DAS NICHT!
Erster Vorschlag für die Journaille:
Kein Lobbyismus.
Stick to the facts.
Be honest.
Konsequenzen ziehen, oder sich entschuldigen.
Wieso ‘Carta’?
Wieso nicht ‘Charta’?
Das wäre verbindlicher.
Ein ‘Charta’ ist ein Dokument.
‘Carta’ ist eine spitzfindige Ausflucht!
Alles andere ist–sorry – dummes Geschwafel– ganz unabhängig von der medialen Präsentation.
Von diffizilen Aspekten wie präzise/diffuse Semantik will ich hier garnicht reden, da das ein Privatcode ist, der erst länglich erläutert werden müsste.
Also reisst euch am Riemen, Leut’, und gebt euch einen HARTEN Codex.
Change we can believe in!
Das Internet ist out. Sagt Prince. Der ja selbst auch unheimlich in ist.
Diese Debatte ist keine Debatte, sondern nur ein Witz.
Jeder ist online, um
- Überweisungen zu tätigen
- Steuererklärungen abzugeben
- E-Mails zu schreiben
- zu telefonieren
- einzukaufen
- Nachrichten zu lesen
- Photos und Videos anzugucken
- seine Kontakte zu pflegen (Social Media)
Social Media ist ein Teil des Netzes. Mehr nicht.
Und wer hier einen Abgesang verfasst, der ist sich selber nicht im Klaren, wie wenig offline noch möglich ist. iPad, Kindle & Co. sorgen dafür, die Schriftmedien ins Netz zu bringen. Der iPod hat schon dafür gesorgt, die Musik ins Netz zu bringen. Google und Apple sorgen dafür, dass der mobile Kleinstcomputer für jeden mit GPS, Navi, Musikabspielgerät, E-Mailempfang, Radio, Diktiergerät und Terminkalender etc. ausgestattet ist.
Und das ist alles die Gegenwart.
In der Zukunft werden wir unsere Medien in der Cloud speichern, um sie per Internet / DLNA auf jedem beliebigen Abspielgerät auszugeben. Unsere Stromgeräte werden online sein und wir werden per Fernabfrage unsere Kaffeemaschinen ausschalten. Oder einschalten. Unseren Stromverbrauch fernsteuern lassen. Unsere Handys zusammenschalten, um zuverlässige Stauwarnungen zu haben. Dank Bilderkennung und Augmented Reality an jedem Ort dieser Welt jede Pflanzenart, Tierart, Krankheit, Gesteinsart, etc. erkennen können.
Dieser Trendforscher hat keine Phantasie. Und anscheinend weiss er auch nicht, was im Moment so abgeht in der Welt. Wer in 2010 immer noch nicht kapiert hat, dass Internet Web, dem ist nicht zu helfen.
Wir haben immer noch erst an der Oberfläche gekratzt. Das Netz durchdringt zwar schon die Welt, aber es wird alles noch wesentlich intensiver werden. In jedem Bereich.
Meiner Meinung nach besteht sehr wohl die Möglichkeit, daß die intellektuelle Essenz von Texten in der großen Masse von Belanglosem und Unsinn unterzugehen droht. Das ist sicher jedem beim Googeln nach Stichwörtern schon aufgefallen. Das Social Networking Web enthält zu 90% Wichtigtuerei und Phantasterei. Wenn ich in irgendeinem Forum irgendwelchen Unsinn schreibe, dann werde ich entweder erbost beschimpft, belächelt oder man schweigt mich kollektiv an. Geschieht nichts von all dem, weiß ich gleich, die kochen auch alle nur mit Wasser. Ergo habe mich erfolgreich wichtig gemacht. Könnte also einen weiteren Versuch wagen, meine Vorstellung von und mein Urteil über mich selbst zu falsifizieren. So perfekt und einfach geht das nur in Web, das ist eine wirklich neue Qualität. Natürlich darf sich jeder fragen: Wozu brauche ich das?
Damit so etwas möglich wird, wie es Flin oben andeutet, muß das Web eine Art eigene Ratio besitzen. Damit sich dieser vielschichtige und vielstimmige Prozess der Falsifikation der einzelnen Teilnehmer zu einem nutzbringendem Komplex verdichten kann. Das wäre dann schon ein Schritt zu einer übergeordneten integrierten Intelligenz mit eigener Erkenntnisfähigkeit. Nun frage mich niemand, wie das im Detail auszusehen hat. Ich wüßte es nicht einmal in der Fantasie. Vielleicht spielen die Suchmaschinen hier eines Tages die entscheidende Rolle.
@_Flin_ Richtig, online ist Alltag geworden für Mehrheiten.
Und das heißt eben auch, die Lust mancher Avantgardisten, jetzt (verbal) auszusteigen, wächst. Schwarzbrot ist nicht hip.
@linsenspaeller: Wenn eines Tages die Stufen 5 bis 7 des mittlerweile schon 10 Jahre alten Schichtenmodells von Internet-Erfinder Tim Berners-Lee (Logic, Proof, Trust) erreicht werden (= semantisches Web), könnte dies den Erfolg der (auf größtmögliche Resonanz schielenden) “Wichtigtuer” beschränken. Trotzdem bleibt natürlich – bislang – der wesentliche Unterschied, dass das Web eher resonanz-gesteuert funktioniert (oder resonanz-abhängig ist), während offline vor allem die hierarchischen und professionellen Filter vorherrschen (Offline-Befürworter finden das zuverlässiger und ordentlicher, weil sie annehmen, dass dort die Ebenen Logic, Proof und Trust bereits inklusiv sind).
Beide Modelle – Resonanz und Filter – haben Vor- und Nachteile. Die nähere Zukunft liegt vermutlich in Experimenten mit Hybrid-Modellen, die Resonanz und Filter kombinieren können (siehe die “Frank-Schirrmacher-Maschine” in meinem Beitrag über Frank Westphal und Rivva).
Horx hat ja die Social Media-Nase aber so etwas im Wind. Sein letzter Tweet: “Ab sofort werden Sie auch über Neuigkeiten aus dem Zukunftsinstitut informiert. Folgen Sie uns doch einfach: twitter.com/zi_news
1:53 PM Oct 2nd, 2009 via web”
Ein echter Trendsetter.
@Wolfgang Michal: Klar ist Schwarzbrot langweilig. Ausser mit nem Weissbrot drauf und ner guten Mettwurst dazwischen.
Internet wird einfach so normal, dass Geschäftsmodelle nicht mehr Internet-Geschäftsmodelle sind, sondern das Internet selbstverständlicher Teil aller erfolgreichen Geschäftsmodelle sein wird. Ich bin gespannt, was mit den Medien und Island passieren wird.
Das Social Web wird erst noch richtig lustig. Wenn nämlich jeder jedem anderen problemlos Geld geben kann. Weltweit. Und beliebige Beträge.
Wie bei Flickr.
Von mir aus können die Avantgardisten natürlich Vinylplatten hören und im Röhrenfernseher deutschen Autorenfilm gucken. Aber vielleicht lassen Sie sich ja spannende Kunstprojekte einfallen und finanzieren sie weltweit und zügig mit kickstarter.com.
Oder Sie lassen Sich was einfallen, wie Milliarden Menschen einen Dollar in der Woche gewinnbringend anlegen können.
Solange nicht verstaubte Machteliten alles in einem Maß ersticken, dass man nicht mehr drum rumrouten kann, solls mir recht sein.
@gsohn: Schöner Hinweis!
@_Flin_: Für alle, die Wurstbrot mögen:
Zuerst dachte ich noch der Redakteur des ORF (futurezone) hat ein bischen am Quotenrad gedreht. Langsam denke ich aber, daß Herrn Horx die plötzliche Medienaufmerksamkeit nicht ungelegen kam….
zum Thema:
http://kaffeeplausch.wordpress.com/2010/07/09/hat-die-internet-society-zukunft/
Das Internet ist doch zweifelsfrei zu einer lernfähigen Entität geworden, muß man daraus nicht dringend etwas schlußfolgern? Wird es sich nicht selbst so verändern, daß es für die “erwünschten” Teilnehmer attraktiv erscheint, während die unerwünschten oder unnützen User eher abgewimmelt werden? Bilde ich mir das nur ein oder hat das Web tatsächlich egoistische Qualitäten? Ist oder hat es bereits eine Persönlichkeit? Wenn wir, die wir ja niemals alles wissen können, was im Web geschieht, wenn wir das Bewußtsein dieser Entität wären, dann gibt es vielleicht sogar so etwas wie das Unbewußte?
Jetzt wird mir aber heiß.
irgendwann wird das Internet gar nicht mehr als Internet wahrgenommen, weil die Intelligenz des Netzes in alle Dinge des Alltags einfließt. Die Offline-Debatte ist nichts anderes als Palaver, um sich wichtig zu machen.
Ich finde Herr Horx hat völlig recht. Wenn man eine Zeit lang sehr intensiv im Netz (Web 2.0) unterwegs war, dann hat man das ganze sehr schnell über. Twitter & Co. sind extrem substanzlos, die wenigsten Blogs haben Relevanz, man klebt letztlich doch an den großen Zeitungsangeboten im Netz, die einfach nach wie vor die beste Qualität liefern (siehe z.B. das Blog auf faz von Don Alphonso, das ist ganz große Schreiberkunst), für Facebook fehlt es Leuten, die wirklich was zu tun und zu sagen haben, an Zeit, wenn sie Zeit haben, lesen sie lieber ein gescheites Buch, das ist nachhaltiger. Insofern geht der Trend m.E. zur nachhaltigen Mediennutzung. Das Web 2.0 ist einfach zu schnell, zu kurzlebig, zu oberflächlich, zu trendy, zu giggelig, zu flach, als dass man es da lange aushielte.
Ganz davon abgesehen, m.E. ist der Trend selbst bei den ehemaligen (aktuellen?) Alphabloggern (ab 40 aufwärts) zu spüren. Wer ist denn von denen noch groß im Web 2.0 aktiv?
@K.Kopper: Solche Renegaten (Seitenwechsler) gehören immer zum Spiel. Die sind dann natürlich 150-prozentig dagegen. Jaron Lanier z.B.
@linsenspaeller: Das klingt nach Stanislav Lems “Solaris”. ;-)
Ja, es ist heiß.
@ W. Michael: Ja, aber sie haben recht – vor allem sind es allesamt sehr intelligente, kreative und gescheite Leute. Lanier, Prince, Jauch, siehe Terry Eagleton im Focus, etc., etc. – kaum ein Magazin, in dem sich nicht mindestens ein Intellektueller über den Informationsmüll im Internet beklagt, das macht stutzig. Ich würde gerne mal eine soziologische Studie sehen, wer sich überhaupt im Web 2.0 im Wesentlichen tummelt.
Die Informationsmüll-Klagen sind ja nicht wirklich neu. Das gab es schon im 18. Jahrhundert: Das Ende des Universalgelehrten und die Entstehung des modernen Buchmarkts in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erzeugten die krisenhafte Erfahrung, einer unabsehbaren ‘Bücherflut’ ausgesetzt zu sein: “Vielschreiberei” und “Lesewut” werden im “tintenkleksenden Säkulum” (Herder) als Nachtseite der Aufklärung breit diskutiert. So warnt der Pädagoge J.M. Beseke 1786: „Das Feld der Lektüre ist heut zu Tage so groß, dass es manchem höchst gefährlich ist, wenn er glaubt, sich darin selbst zurecht finden zu können; vielmehr sollte er nie allein sich in die weite offene Gegend wagen, in welcher es höchst schlüpfrige Wege, neben unnützen, giebt, wovon jene zum Verderben, diese aber zu seinem Ziele führen.“ (Beseke: Über Lektüre zum Selbststudium, in: Deutsches Museum. Bd. 1, Leipzig, S. 360).
Siehe auch: http://gunnarsohn.wordpress.com/2010/01/31/netznavigator-herder-statt-schirrmacher/
Wo viel Licht ist auch viel Schatten. Das ist mit dem Internet niht anders.
Ich möchte es trotzdem nicht missen. Ich arbeite shon seit mehr als 10 Jahren damit, und die Qualität an Information ist im Allgemeinen immer steigend gewesen.
Es wird halt immer wichtiger selbst beurteilen zu können, wie gut eine Information sein könnte, und ob es sich tatsächlich um wissenswertes oder nur eine persönliche Meinung eines EInzelnen handelt.
Nur weil einige Prozente Schrott im Netz im Umlauf sind, verurteile ich nicht das ganze System.
Ich lese ja auch nicht jede Zeitung…..
Das Internet per se zu verdammen ist natürlich Quatsch, aber nach dem Hype um das ganze Web 2.0 setzt nunmehr (zurecht, wie ich finde) Ernüchterung ein, kein Mensch mag den ganzen Tag vor dem Netz zubringen, kein Mensch mag auf Dauer seine Privatsphäre völlig nach außen kippen, kein Mensch mag sich überall und immer Apple und Facebook ausliefern, man mag es nennen wie man will, ich nenne es die neue deutsche Bürgerlichkeit. Es tut mir für die ganzen Nerds da draußen ja auch wirklich leid, aber wenn ich im Freundes- oder Bekanntenkreis sage, ich twitter oder blogge, dann gucken die mich an, als sei ich total meschugge, bzw. halbwegs asozial. Ich interpretiere die zunehmende Internet-Enthaltsamkeit als eine Form des modernen Biedermeiers, man kümmert sich eben ganz bewusst wieder mehr um andere, ganz handfeste Werte.
Werte? Da muss ich doch ein wenig grinsen. Manche Leute deuten schlicht ihre Partikular-Interessen zu universalen Werten um. Jauch verdient seine Millionen im TV, Prince im traditionellen Musikgeschäft, die wollen natürlich, dass ihr Publikum bei ihnen bleibt.
Dass manche Blogger das Netz nach Jahren des Rödelns auch mal satt haben und jetzt froh sind, dass sie von einer netten Redaktion betütelt und abgeschirmt werden, kann ich verstehen. Das ist biographie-bedingt, aber eben noch lange kein Trend. Auch diese Leute verallgemeinern ihren Gemütszustand – verständlich, aber letztlich irrelevant.
Im Übrigen habe ich großen Respekt vor Leuten, die tatsächlich aussteigen und auf eine Alm ziehen oder ihre Artikel künftig mit dem Gänsekiel schreiben. Leute wie Horx aber tun nur so. Die wissen ganz genau, dass es ohne Netz nicht mehr geht. Vorne reden sie vom Offline-Trend und hinten twittern sie, bis der Router raucht.
@ K.Kopper Der Hype 2.0 war mir, obwohl schon sehr lange im Internet tätig, wurscht. ich habe sogar sehr lange Werkzeuge wie Twitter und Facebook ignoriert. Erst vor einem halben Jahr habe ich mich überzeugen lassen, daß man sich eine Sache erst ansehen muß, um sagen zu können, das ist nichts.
Natürlich kann man auch nicht aus dem Fenster springen, um zu wissen, daß das nicht gut ist. Aber bei den Internet-Anwendungen passiert ja nicht gleich weiß Gott was. Und erst in der Praxis sieht man dann was diese Dinge wirklich leisten können und was nicht.
Ich bin der Meinung, daß selbst Twitter positives hat, man muß sich halt heraussuchen was man brauchen kann, den Rest lässt man.
Aber um mündiger Internet-Benutzer zu werden sollte man auch etwas versuchen.
Schließlich kostet man sich ja auch manchmal durch unbekannte Küche und stellt erstaunt fest, daß dies und jenes segr gut schmeckt.
Man kann aber auch immer nur Schweinsbraten mit Knödeln essen und nichts anderes….
@w.Michal:
“Solche Renegaten (Seitenwechsler) gehören immer zum Spiel. Die sind dann natürlich 150-prozentig dagegen. Jaron Lanier z.B. ”
Ich finde in Jaron Laniers Buch sind sehr viele intelligente und kritische Anmerkungen zur netzkultur, denen ich persönlich zu einem großen Teil zustimme.
Ich finde es ist nicht sinnvoll die faktisch vorhandene und immer mehr Fahrt aufnehmende Kritik am teilaspekten des Web2.0 so prinzipiell mit solchen Seitenwechsler Argumenten totzuschlagen.
Das hört sich fast so an, als hat jemand ein problem damit, wenn jemand anderes was wenig nettes über das eigene Spielzeug sagt. Nehmen wir die kritik an, untersuchen sie sinnvoll und schauen, ob da was dran ist, anstatt die Kritiker in einen sack zu stecken und drauf zu hauen.
Schaffen sie das, Herr Michal?
Stefan
Nun ja, den Erfolg des Blogs von Don Alphonso auf faz erkläre ich mir in erster Linie inhaltlich, das ist sowas von gegen den Mainstream gebürstet und wird von Beitrag zu Beitrag besser – und ja, ich denke DA setzt damit einen Trend, ich bin sehr gespannt auf die gesellschaftliche Wechselwirkung. Hand aufs Herz: Man kann diesen ganzen Medienkram in tausendfacher Ausführung wirklich nicht mehr lesen! Und DA verkörpert genau das Gegenteil, er tut das, wonach sich anscheinend viele sehnen. Dass er seine Beiträge im Web und in Blogform veröffentlicht, ist eher nebensächlich, ein Buch wird sicherlich bald erscheinen.
Dann formuliere ich es so: Internetkultur als Lebensstil, das ist es, was kaum ein Kreativer, intelligenter Mensch möchte – wozu sich unter Millionen Selbstdarstellern tummeln, wenn man ein Alleinstellungsmerkmal hat? Sicherlich spielt da auch der Aspekt der Exklusivität eine Rolle. Jauch ist für mich zutiefst bürgerlich. Er ist Geschäftsmann, ja, er ist dabei sehr erfolgreich, er hat nie etwas anderes behauptet oder spielt sich zum Idealisten auf (im Gegenteil zur Doppelmoral vieler Blogger) – so what?
@s.Herwig: Wie sollte ich gegen Leute, die auf beiden Seiten aktiv sind, etwas einwenden? Kritisch sehe ich nur diejenigen, die – wie man so schön sagt – das Kind mit dem Bade ausschütten. Dazu zählen die Renegaten, die mal Netzenthusiasten waren, und dann mit der gleichen Leidenschaft zu pauschalen Netzgegnern werden.
Kritik am Netz(spielzeug) ist erlaubt, notwendig, sinnvoll, förderlich – was immer Sie wollen. Insofern, keine Angst, ich schaffe das.
@Kopper: Dass Sie hier fleißig für eine Zeitungskolumne trommeln, ist rührend. Mich interessiert’s zwar nicht, aber ich wünsche trotzdem viel Erfolg.
In einem könnte ich dem Bild der Unterhose was abgewinnen: Nämlich in dem, dass einfach zuviele Anbieter nur ihre großen Unterhosen ins Internet hängen. Das Blöde am Internet ist, dass es einfach zuviel in ihm zu lesen gibt. Das dürfte über kurz oder lang nicht nur zum bereits u.a. von Schirrmacher beklagten Information Overload, sondern zum regelrechten Information Overkill führen.
Wenn Onlinemedien, Blogs u.ä. ihre Portionen und Formate nicht langsam radikal reduzieren und viel stärker auf ihre Kerninformationen strukturieren, werden sie im absehbar immer größer werdenden Informationsmeer immer weniger gelesen werden. Weiteres Problem fehlende Internetkataloge als große Orientierungshauptwege, Suchmaschinen bringen es leider nicht allein.
Das Unterhosen-Phänomen ist nicht wirklich neu: Ein wenig erinnert mich Schirrmacher mit seinen Komplexitätsklagen an die Hampelmänner in dem Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ von Robert Musil. Und hier besonders an General Stumm, der auf der Suche nach dem erlösenden Gedanken ist: „‘Du erinnerst Dich’, sagte er, ‘dass ich mir in den Kopf gesetzt habe, den erlösenden Gedanken, den Diotima sucht, ihr zu Füßen zu legen. Es gibt, wie sich zeigt, sehr viele bedeutende Gedanken, aber einer muss schließlich der bedeutendste sein; das ist doch nur logisch? Es handelt sich also bloß darum, Ordnung in sie zu bringen.’“
Wenig vertraut mit Gedanken und ihrer Handhabung, noch weniger mit der Technik, neue zu entwickeln, beschließt General Stumm, sich in die Hofbibliothek zu begeben, ein grundsätzlich idealer Ort, um sich mit ungewöhnlichen Gedanken auszustatten, wo er sich „über die Stärke des Gegners Klarheit zu verschaffen“ und auf eine möglichst organisierte Weise zu der originellen Idee zu gelangen hofft, nach der er sucht.
Der Besuch in der Bibliothek versetzt den General allerdings in große Angst (siehe Schirrmacher, Lanier und Co.), da er mit einem Wissen konfrontiert wird, das ihm keinerlei Orientierung bietet und über das er nicht die vollständige Befehlsgewalt hat, die er als Militär oder Zeitungsherausgeber gewohnt ist:
„Wir sind den kolossalen Bücherschatz abgeschritten, und ich kann sagen, es hat mich weiter nicht erschüttert, diese Bücherreihen sind nicht schlimmer als eine Garnisonsparade. Nur habe ich nach einer Weile anfangen müssen, im Kopf zu rechnen, und das hatte ein unerwartetes Ergebnis. Siehst du, ich hatte mir vorher gedacht, wenn ich jeden Tag da ein Buch lese, so müsste das zwar sehr anstrengend sein, aber irgendwann müsste ich damit zu Ende kommen und dürfte dann eine gewisse Position im Geistesleben beanspruchen, selbst wenn ich das ein oder das andere auslasse. Aber was glaubst du, antwortet mir der Bibliothekar, wie unser Spaziergang kein Ende nimmt und ich ihn frage, wieviel Bände denn eigentlich diese verrückte Bibliothek enthält? Dreieinhalb Millionen Bände, antwortet er! Wir sind da, wie er das sagte, ungefähr beim siebenhunderttausendsten Buch gewesen, aber ich habe von dem Augenblick an ununterbrochen gerechnet (Google oder Wolfram Alpha könnten das in einer Nanosekunde ausspucken); ich will es dir ersparen, ich habe es im Ministerium noch einmal mit Bleistift und Papier nachgerechnet: Zehntausend Jahre würde ich auf diese Weise gebraucht haben, um mich mit meinem Vorsatz durchzusetzen!“
Die Unendlichkeit der Lektüremöglichkeit ist also kein Problem der Internetzeit. Jeder Leser ist eben auch ein Nicht-Leser. Es ist das alte Problem von Kultur und Unendlichkeit, die auch mit Boole’scher Mathematik nicht in den Griff zu kriegen ist. Das wäre auch anmaßend.
@surfer: Volle Zustimmung. In den Unterhosen der Welt findet sich eine unendliche Vielfalt. Und in einigen hätten Suchmaschinen auch ordentlich was zu tun! ;-)
@gsohn: Wunderbares Musil-Zitat. Schade nur, dass es nicht weiter oben steht.
@gsohn
Der Unterschied von Onlinemedien und Blogs zu Bibliotheken ist der, dass sie fast nur Aktuelles enthalten. Danach kann man in der Angst, was Interessantes oder gar Wichtiges zu verpassen viel süchtiger werden als nach Büchern. Natürlich auch “selbst schuld”.
Ich würde außerdem vermuten, dass das Internet im Zuge der Digitalisierung längst im Begriff ist, sich auch die Bibliotheken quasi einzuverleiben und sie ebenso wie die Printperiodika an Informationsrelevanz bereits heute zunehmend zu verdrängen.
Hinzu kommt der Unterschied der viel direkteren Verfügbarkeit von Informationen im Internet vom heimischen PC aus als von Büchern in Bibliotheken.
Außerdem würde ich vermuten, dass es im Internet längst mehr Informationen gibt als in Bibliotheken (?). Das Internet schafft also zumindest in Zukunft eine viel größere Informationsmenge als Bibliotheken. Die Ordnung dieser Informationsmassen mutet im Vergleich zu den Systematischen Katalogen in Bibliotheken geradezu noch vorsintflutlich an.
Noch was zum unterhosenartigen Format vieler Internetartikel in Onlinemedien und Blogs: http://www.youtube.com/watch?v=VqQBHpmjvh0
Viele Onlinemedien, darunter leider auch gute und angesehene, machen eben einfach so ins Internet rein, ohne sich groß Gedanken ums Format und die Lesbarkeit zu machen. Ein Problem, das das Internet wohl leider in alle Zukunft wie kein anderes Medium begleiten wird, weil eben jeder ins Internet “reinmachen” kann.
Das Problem des Information Overkills greift übrigens auch in der Wirtschaft um sich, wie ich gerade zum Stichwort gelesen habe: http://www.silicon.de/mittelstand/0,39038986,39193132,00/unternehmen+fuerchten+information_overkill.htm
Scheint sich tatsächlich zu einem allgemeinen Problem des Internets auszuwachsen.
@gsohn
Daß jeder ins Internet “reinmachen” darf, das ist auch der große Unterschied zu Bibliotheken. Früher haben Mönche und Gelehrte Bücher geschrieben, später mußte man zumindest einen Verlag überzeugen, daß die Arbeit auch gut genug ist. Da haben auch noch einige Menschen das Buch im Werdungsprozeß in der Hand gehabt, und es gab genug Möglichkeiten “auszusteigen”, und es war kein Buch geworden.
Heute schreibe ich schnell ein paar Zeilen, jage sie durch den Konverter und sie stehen im ePUB – Format der geschätzten Internetwelt als voll professionell gestaltetes Medium zur Verfügung. Wie gut der Inhalt ist, welche Bedeutung er hat ist von außen nicht mehr zu erkennen.
Und das ist das Problem, das in den nächsten Jahren noch stärker wird, nämlich wenn die Anzahl der eBooks signifikant größer als die Anzahl der relativ gesicherten Werke in unseren Bibliotheken ist.
Natürlich ist diese Betrachtungsweise ein wenig oberflächlich, aber die Tendenz ist schon die richtige.
Ein weiteres Problem wird noch die Archivierung des im Internet vorhandenen Wissens. Denn ich muß ja auch über Zeitepochen hinweg darin recherchieren können, verstehen können, warum vor Jahren diese und jene Idee verfolgt wurde.
Das geht nur, wenn das Internet endlich eine Geschichte bekommt.
“@s.Herwig: Wie sollte ich gegen Leute, die auf beiden Seiten aktiv sind, etwas einwenden? Kritisch sehe ich nur diejenigen, die – wie man so schön sagt – das Kind mit dem Bade ausschütten. Dazu zählen die Renegaten, die mal Netzenthusiasten waren, und dann mit der gleichen Leidenschaft zu pauschalen Netzgegnern werden.”
Kommt das von ungefähr? ich glaiube Jaron Laniers Kritik hat durchaus Hand und Fuss, und ich glaube auch nicht, dass er das Kind mit dem Bade ausschüpttet. auhc bei Davi gelernter waren jedeMenge interessante ansätze.
“Kritik am Netz(spielzeug) ist erlaubt, notwendig, sinnvoll, förderlich – was immer Sie wollen. Insofern, keine Angst, ich schaffe das.”
Mit verlaub: ich bin da immer noch etwas skeptisch. Das spielzeug eher als werkzeutg betrachten, und etwas wenigerpikiert an die sache herangehen, anstatt veruschen kritiker zu diskreditierenb, die – umindest teilweise auch sinnvoll kritisieren.
stichwort: Informationsmenge:
Ich glaube wir müssen feststellen, dass die Menge an information für uns nur soviel individuellen Nutzen für uns hat, wie sie auch überschaubar ist. Ich glaube es war Peter Kruse der ganz richtig behauptet: Das Internet hat keine eigene Redaktion. Die einzige Redaktion die wir systemisch haben, ist die, die Relevanz mit Popularität gleichsetzt . Und das ist ein richtiges Problem, denn bei der Informationsfilterung gibt es noch ganz andere Aspekte, zum Beispiel Aktualität oder Qualität. Die können wir im internet aber schwer bis garniichtindizieren, denn Googl le lebt ja mit diesem geschäftsmodell ganz gut.
Solange wir dieses Problem nicht gelöst haben, wir das internet seine angebliche funktion als “Informationsmedium” nicht oder nur subotpimal erfüllen.
Bis dahin ist Entertainment.
SH
Sagen wir mal so, das Internet hat noch große Mängel. Wen wollte das auch verwundern bei einem so großen, urwüchsigen Medium. Diese Mängel des Mediums erwachsen und entstehen aber gerade dadurch, dass es so “in” ist und soviel genutzt wird. Die Unterhose ist also keine tote Hose, sondern allenfalls ein großes, reichlich ungepflegtes und zerknittertes Riesenzelt von Unterhose. Sie stinkt zwar ganz schön, aber es ist auch viel Leben in ihr. Ich denke, die Riesigkeit, Urwüchsigkeit und Ungeordnetheit dieser Riesenhose ist längst Herausforderung genug für viele in der stillen Ecke bastelnden Werkler und Tüftler, mehr Ordnung, Struktur, quasi mehr Falte in die Hose zu kriegen.
@Surfer: Bügelfalten in der Unterhose – ob das sinnvoll ist? Es gibt übrigens ein schönes Gedicht von Christian Morgenstern zur U., finden Sie es?
@Stefan Herwig: Wenn Jaron Lanier pauschal von “Webmaoisten” spricht – ist das dann Ihrer Meinung nach Kritik und keine Diskreditierung? Wie es in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.
Ihre Überlegungen finde ich interessant. Filter und Resonanz beschäftigen mich schon länger (siehe Kommentar #60)
@Gerald Pechoc: Das, was Sie fordern, wird kommen. In 50 Jahren – wenn das Web schon zur Zeitgeschichte gehört – werden die User lächelnd auf das grobschlächtige Google zurückblicken. Die Information über die Information ist heute noch unterentwickelt, siehe die Utopie “Semantisches Web”.
@Wolfgang Michal:
Ja, ich habe kein Problem mit dem Begriff “Webmaoisten”. Es ist sicherlich eine Verallgemeinerung, aber er spricht in diesem Zusammenhang immer von einem Teilbreich der Nutzer, und das gilt sicherlich auch für Teile unserer Netzkultur, die zum beispiel Bezahlmodelle per se ablehnen und die leistung Anderer prinzipiell umsonst assimilieren wollen.
Insofern: Ja, das ist m.E. Kritik, keine Diskreditierung.
Stichwort filter: die richtige filterung “kostet” uns etwas, nur die Filterung nach Popularität erzeugt zwar maximale Netzwerkeffekte für diese Inhalte und für den Filternden, aber sie hilft uns in anderen Bereichen nicht wirklich weiter.
Ich nenne diesen effekt “demokratisierung der Wahrheit”, denn es werden nicht Informationen verstärkt, die für uns besonders relevant sind, sondern lediglich informationen denen besonders viele Leute zustimmen. Das ist ein Riesenunterschied, führt zur Zementierung von Netzmythen/Fehlinformationen, zu einer Informations-Mainstreamisierung die (in Hinsicht auf wissensvermittlung) ggf. mehr desinformiert als das sie informiert. Wahrheit ist nicht demokratisch.
Und was genauso wichtig ist: die ganze debatte über Netzneutralität ist damit hinfällig, ja aktuell sogar gefährlich, weil sie suggeriert, dass wir einer neutralen Wissensvermittlung im Netz unterliegen, solange nur auf Zugangsprovider-Ebene kein schindluder getrieben wird. Dafür akzeptieren wir aber auf der zweiten stufe dieser Leiter eine sehr subjektive Filterung von suchergebnissen. Das heisst: netzneutralität, wie sie bisher gefordert wird, ist eine Illusion, denn wir haben keine neutrale indizierung von Inhalten.
Sh
Hier ist übrigens das beste Unterhosengedicht aller Zeiten: “Heilig ist die Unterhose!” Es passt nahtlos (!) zum Internet und seiner Sommerlochdebatte.
http://www.gedichtepool.de/autor/autor_m/morgenstern.htm#20
@Sh: Da haben Sie aber ein sehr entspanntes Verhältnis zur Geschichte. Warum nicht gleich eine Internet-”Kritik” mit Hilfe von Stalin, Hitler oder Pol Pot? ;-)
@wolgang michal:
Wenn ihnen zum Thema Maoismus lediglich Pol Pot, Stalin und Hitler einfällt, kann ich Ihnen leider auch nicht mehr helfen. es gibt gute Geschichtsliteratur zu dem Thema.
Es bleibt mir lediglich, Sie an folgendes Zitat zu erinnern:
“Nehmen wir die kritik an, untersuchen sie sinnvoll und schauen, ob da was dran ist, anstatt die Kritiker in einen sack zu stecken und drauf zu hauen.
Schaffen sie das, Herr Michal?”
Augenscheinlich leider nicht.
SH
Der neue SPIEGEL-Titel nimmt übrigens die Sommerloch-Offline-Debatte auf.
@sefan herwig:
Kritik und Schmähkritik sind nicht dasselbe.
“Kritik und Schmähkritik sind nicht dasselbe.”
Neutrale Recherche und unzulässige Verallgemeinerung auch nicht.
SH
[...] Unterhosen: Auf dem Autorenblog Carta entwickelt sich zur Zeit eine köstliche Debatte über die Web-Untergangst… Soziale Netzwerke wie Facebook seien „heute schon weit über ihren Hype hinaus“. In den USA [...]
Das Internet ist eine mediale Wundertüte mit Verheißungen der Vielfalt, Interaktivität und sofortigen Verfügbarkeit von allem und jedem wie in keinem anderen Medium. Wie in jeder Wundertüte könnte sich jetzt auch in der Wundertüte Internet zunehmend herausstellen, dass sie nicht bzw.nicht alles enthält, was man sich in ihr in den ersten Jahren der Begeisterung versprochen hat.. Insbesondere kristiallisiert sich wohl heraus, dass man sich selbst garantiert nicht im Internet findet. Als Universalmedium ohne Zweifel ein sehr nützliches Medium, aber jetzt wird es mit der Zeit in der Wahrnehmung vielleicht auf seine trotz Überfülle ebenfalls beschränkten Möglichkeiten und damit auf ein normales Maß zurechtgestutzt.
Nicht zu vergessen, diese Überfülle ist nicht nur einer der größten Vorteile des Internets, sondern längst tatsächlich auch ein Nachteil. Es fehlen im Internet m.E. tatsächlich Orte der Konzentration, Bündelung, Verdichtung und Strukturen sowieso.
Out wird das Internet sicher nicht werden, aber ganz so skeptisch sehe ich den verbreiteten Internetskeptizismus mittlerweile auch nicht mehr.
Was ist denn nun mit der Unterhose? Lebt sie noch? Jaaaa, sie lebt noch.
Und was mach ich denn dagegen?
http://www.youtube.com/watch?v=29saweMrAs4
:-)
Hilfe, es gibt so viele Seiten im Internet. Was kann ich denn dagegen tun? Was mach ich denn dagegen?
Surfer!? Sie wollen die 100 Kommentare voll machen, stimmt’s?
Nö, stimmt nich direkt. An solchem Quatsch bin ich nicht besonders interessiert, sondern an solchem: Ich find die Assoziation des Internets als Unterhose so reizvoll, dass mir ständig was dazu einfällt. Zum Beispiel, dass Unterhosen ja auch richtige Biotope sind, in denen es tatsächlich vielfältiges Leben gibt.
Das Wort Unterhose ist für das Internet garnicht so abwegig. Es ist viel Leben in ihr drin, leider noch viel zu wenig Ordnung, Struktur und auch zu wenige und unausgereifte Werkzeuge zum Management des vielen überbordenden Lebens.
Das Internet befindet sich insofern noch im Stadium des urwüchsigen und weitgehend ungepflegten und ungerodeten Urwalds einer sti°^WUnterhose.