Jürgen Kalwa

YouTube im sicheren Hafen

Jürgen Kalwa | 4 Kommentar(e)


Ein New Yorker Richter wehrt mit Hinweis auf die “Safe- Harbor-“Bestimmung eine Milliarden-Klage von Viacom ab. Zum Glück: Ein kaputt geklagtes YouTube wäre das Ende der neuen Online-Kommunikationskultur.

24.06.2010 | 

Ein Richter in New York hat am Mittwoch der Videoplattform YouTube neue Luft zum Atmen geschenkt. Der Sauerstoffanteil ist so hoch, dass wie ganz gemeine Netz-Videoten davon ebenfalls profitieren werden. Denn ein kaputt geklagtes YouTube wäre das Ende der neuen Online-Kommunikationskultur.

Die Firma, die 2006 von Google für ein Aktienpaket von rund 1,65 Milliarden Dollar aufgekauft worden war, verstößt nicht gegen das amerikanische Urheberrecht, wenn sie ihre Nutzer geschütztes Material hochladen lässt. Der Digital Millennium Copyright Act mit seiner sogenannten “Safe- Harbor-“Bestimmung schützt die Internetanbieter vor Regressansprüchen. Und zwar solange sie jedes Mal die Bilder aus Archiv nehmen, wenn sie vom Urheber darum gebeten werden.

Die erstinstanzliche Entscheidung, die vermutlich in die Revision gehen wird, hatte das Medienunternehmen Viacom mit einer Klage erzwungen. Viacom gehören solche Sendungen wie “The Daily Show with Jon Stewart” Die Schadensersatzforderung belief sich auf eine Milliarde Dollar. Der Richter erklärte schlicht und einfach: “Der Anbieter muss von einem Einzelfall wissen, ehe er ihn kontrollieren kann.” YouTube und andere seien nicht gezwungen, von sich aus und vorab eine etwaige Urheberrechtsverletzung zu ermitteln und abzustellen.

Ganz nebenbei erhielt im selben Verfahrenszug die englische Premier League einen Nasenstuber. Die wollte ebenfalls Geld von YouTube haben und musste sich belehren lassen, dass ihr Material in den USA urherberrechtlich gar nicht registriert sei.

Mal abgesehen von der offenen Frage danach wie die Berufungsinstanz das Gesetz interpretiert, gibt das Urteil Google eine beachtliche Gewissheit. Theoretisch könnten sie bei YouTube nun sogar die Filter-Arbeit einstellen, mit der sie seit einer Weile digital auch legitime “Fair-Use”-Filme abblocken. Ein Problem, über das ich im letzten Jahr aus eigener Erfahrung geschrieben hatte.

Sehr viel wichtiger allerdings sind dank der Verbreitung von YouTube die Konsequenzen für andere Urheberrechtssysteme in anderen Ländern. So müssen auch deutsche Rechteinhaber aus dem Film- und Fernsehbereich in Zukunft brav jedes Mal YouTube einen Brief schicken, wenn sie dafür sorgen wollen, dass ihre Bilder wieder aus dem Netz verschwinden. Denn YouTube sitzt nun mal in den USA und ist zunächst nur amerkanischem Recht unterworfen.

Solche Kopien zu lokalisieren, ist einfach, wenn Überschriften und Begleittexte von eingestellten Videos mit eindeutigen Stichwörtern wie “Bundesliga” oder “Raab” ausgestattet sind. Doch Tags und Info-Zeilen lassen sich auch verklausulierter formulieren.

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4 Kommentare

  1. Tweets that mention YouTube im sicheren Hafen — CARTA -- Topsy.com |  24.06.2010 | 17:10 | permalink  

    [...] This post was mentioned on Twitter by Carta and Birgit Dondorff, Carta. Carta said: YouTube im sicheren Hafen http://goo.gl/fb/g5Qs9 [...]

  2. JF |  24.06.2010 | 21:44 | permalink  

    Weil es irgendwie dazu passt in der Sache alter vs. neuer Medien,
    hier (schon einmal hier bei Carta gepostet), weil recht untehrhaltsam und gut
    gemacht und den erleichterten Seufzer unterstreichend, der:
    Mad Avenue Blues
    http://www.youtube.com/watch?v=6CqRcCHk_Pc

    Die “Alten” sind wirklich ein wenig zu geldgierig.

  3. Lesenswerte Artikel 25. Juni 2010 |  25.06.2010 | 12:07 | permalink  

    [...] YouTube im sicheren Hafen [...]

  4. vera |  25.06.2010 | 16:05 | permalink  

    Ich will nicht unken.
    Im Moment ist das zwar ein beruhigendes Ergebnis, wird aber à la longue die Musikindustrie und Artverwandte (“Content-Mafia”) nur zu verstärkten Bemühungen anspornen, um ihre bescheidenen Anliegen auf der internationalen Ebene zu geltendem Recht zu machen.

    Daß die Herrschaften mit nahezu unbegrenzten Geldmitteln, ausgezeichneten Anwälten und einem gerüttelt’ Maß Chuzpe ausgestattet sind, ist bekannt und läßt Einiges befürchten – ich vermute, nichts Gutes.

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