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Wolfgang Michal

Lebt Online von Print? Eine Zeitungs-Lektüre

Wolfgang Michal | 5 Kommentar(e)


Inzwischen geben selbst hartnäckige Printjournalisten zu, dass Journalismus im Internet existiert.

12.12.2008 | 

Sie beharren allerdings auf einer wesentlichen Unterscheidung. Sie behaupten, dass der gedruckte Journalismus – weil er über das nötige Geld verfügt – draußen in der Welt recherchiert (und somit aus erster Hand berichtet), während der arme Internetjournalismus nur die längst gedruckten Nachrichten und Geschichten aufwärmt und kommentiert. Der Internetjournalismus sei parasitär, er lebe vom Abfall – und sei deshalb Journalismus zweiter Klasse. Machen wir die Probe aufs Exempel.

Nehmen wir die Süddeutsche Zeitung vom 10. Dezember 2008. Im Politikteil steht eine größere Geschichte über die wachsende Kritik des linken Flügels der Demokraten an der Personalpolitik Barack Obamas. Im ersten Absatz legt der Korrespondent seine Quelle offen:

Noch beschränkt sich die Kritik vor allem auf Äußerungen in Blogs.

Eine Seite weiter, im Ressort Panorama, steht ein größerer Artikel über die wachsende Kritik an der Vogue-Chefin Anna Wintour. Im Text wird auch auf die Quelle verwiesen.

Also brodelt die Gerüchteküche, und schuld daran ist ein stets gut informierter Medienblogger namens ‚Gawker’.

Schließlich die Aufmacherseite des Feuilletons. Dort steht ein längerer Text über eine Berliner Tagung zum Thema Feindbild Muslim – Feindbild Jude. Der Text beginnt so:

Ein kurzer Blick auf die Homepage von ‚Politically Incorrect’….

Fazit: Ohne die Recherche im Netz sähe der Printjournalismus doch ziemlich alt aus. Oder?

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5 Kommentare

  1. 6 vor 9: Wintour, Wintersport, Glitzerwelt » medienlese.com |  15.12.2008 | 08:55 | permalink  

    [...] 3. “Lebt Online von Print? Eine Zeitungs-Lektüre” (carta.info, Wolfgang Michal) “Inzwischen geben selbst hartnäckige Printjournalisten zu, dass Journalismus im Internet existiert.” [...]

  2. Horst |  15.12.2008 | 21:45 | permalink  

    Jetzt könnte man natürlich die Gegenprobe auf Ihr Exempel machen und herausfinden, dass etliche Blogs vor allem über Inhalte diskutieren, die von Print-Anzeigen finanziert wurden. Drei fände man auch. Und was wissen wir dann?

  3. Robin Meyer-Lucht |  16.12.2008 | 10:28 | permalink  

    Dann wissen wir, dass wir eine neue Struktur der Öffentlichkeit haben.

  4. André Luce |  16.12.2008 | 12:09 | permalink  

    Kurt Imhof behauptete vergangene Woche (http://www.ijk.hmt-hannover.de/de/aktuelles/termine/archiv/2008/dezember/artikel/neuer-strukturwandel-der-oeffentlichkeit/) es gäbe keine neue Struktur der Öffentlichkeit durch Web-Medien. Argument: keine Anschlusskommunikation, diese gäbe es nur bei Zeitung und TV.
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    Ist ein Web-Medium nicht geradezu ein Synonym für Anschlusskommunikation?
    Dafür ist es unerheblich, wer Henne und wer Ei ist.
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    Was die o.g. Beispiele aber zeigen ist, dass ein Redakteur obwohl er im Münchner Gewerberandgebiet sitzt mit spannender Info aus aller Welt aufwarten kann. Ohne Korrespondent. Nur durch die unmittelbare, offene und individuelle Anschlusskommunikationsfähigkeit des Webs.

  5. Robin Meyer-Lucht |  16.12.2008 | 12:47 | permalink  

    @André: Danke für den Hinweis auf Kurt Imhof. Wir werden demnächst einen Text von Otfried Jarren veröffentlichen, der teilweise in die gleiche Richtung zu gehen scheint.

    Mir scheinen die Verfechter der alten Massenmedienordung zu stark auszubleiben, dass auch die Differenzierung im klassischen Mediensystem auch schon extrem hoch war und ist. Das Feuilleton der SZ lesen vielleicht auch nur 100.000 Leute am Tag – auch da stellt sich schon die Frage: Anschlusskommunikation – für wen eigentlich?

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