Julius Endert | 11 Kommentar(e)
Ausgerechnet vor der durchsubventionierten Filmbranche setzt sich Angela Merkel für den “Schutz des geistigen Eigentums” ein. Dabei unterliegt diese Industrie derart staatlicher Förderarithmetik, dass ihre Werke nichts anderes als Allgemeingüter sein sollten.
25.04.2010 |
Liebe Leute, ihr müsst bitte immer genau hinhören, wenn unsere Kanzlerin spricht, dann kriegt ihr auch was mit. Beispielsweise, wie sie über die Themen Urheberrecht und “geistiges Eigentum” denkt. Gestern wurde ja der 60. Deutsche Filmpreis verliehen und ein Zusammenschnitt der Gala im Berliner Friedrichstadt Palast, inklusive der Rede unserer Bundeskanzlerin und obersten Filmförderin war im Ersten zu sehen.
Merkel im Kreis der LOLA-Preisträger: Geistiges Eigentum für die Förderarithmethik (Foto: Deutscher Filmpreis)
Klar, das ist nicht jedermanns Sache und die hochschwangere Barbara Schöneberger mit ihrem lustigen Pailettenkleid, welches sich wie eine Gummihaut über ihren gewaltigen Bauch spannte, lenkte sicher auch vom Inhaltlichen ab.
Und so platzierte Merkel ihre Botschaft zwischen Show und froher Erwartung auf die Preisträger gekonnt in einem Nebensatz, der schneller vorbei war, als man drüber nachdenken konnte:
“Ich kann Ihnen versichern, wir setzen dieses Engagement (in der Filmförderung) fort. Dazu gehört auch, dass uns der Schutz des geistigen Eigentums im Filmbereich ein Anliegen bleibt.”
Hallo! Wenn das mal keine klare Ansage war. Und obwohl ihr Redenschreiber absichtlich oder fahrlässig Urheberrecht und sogenanntes geistiges Eigentum durcheinander brachte, ist damit wohl glasklar wie die Kanzlerin über das Thema denkt und gibt eine Vorahnung zu den Entscheidungen in anderen Bereichen.
Ausgerechnet in einer voll durchsubventionierten Branche wie dem Film, in der Art vom Schutz geistigen Eigentums zu sprechen, hat allerdings etwas ziemlich Merkwürdiges an sich. Denn in einer Branche, die weniger dem Markt als viel mehr der Förderarithmethik unterliegt und wo vom Konzept über Drehbuch bis zur Produktion nichts aber auch gar nichts ohne den Staat geht, dürfte das, was am Ende herauskommt nichts anderes als Allgemeingut sein. Aber so ist es die geschickte Umwandlung öffentlicher Mittel in Privateigentum, wiedermal.
Also, Frau Bundeskanzlerin, lassen sie sich doch mal das Konzept Creative Commons erklären.
PS:
Lustig eigentlich, dass die Verleihung im Friedrichstadt Palast stattfindet, denn eigentlich sind die dort versammelten Stars ja tatsächlich alles Volksschauspieler – finanziert aus Steuergeld. Insofern passt wenigstens das.
crosspost von movinette.de.


Das ist ein schönes Foto. So sehen Menschen von vor 200 Jahren aus – zumindest deren “geistiges Eigentum”, also deren Denkorgane – was immer das auch sein mag, “geistiges Eigentum”.
Ich mag Dinosaurier, aber nur solang sie nichts kaputt trampeln. Ich würde die auch im Zoo besuchen und füttern und streicheln und so. Nur als Regierung und Gesetzgeber sind Dinosaurier erfahrungsgemäß nicht geeignet. Sie richten nur Schaden an – sehr großen Schaden.
Es ist unzutreffend, dass die gesamte deutsche Filmlandschaft nur über Filmförderung funktioniert. Natürlich gibt es auch sehr viele Projekte, die ohne Filmförderung angeschoben werden.
Und selbst wenn ein Projekt finanziell gefördert wird, so loegt imme rnoch die Leistung der Beteiligten darin.
Wenn ein Student ein Stipendium geniesst, so darf er danach auch seine eigene Karriere einschlagen und muss nicht für mehrere dekaden Sklavendienste des stipendiaten verrichten.
Wo ist da die Logik? Weil ein Film gefördert wurde, ist er autmatisch Allgemeingut?
@ Stefan Herwig “Wo ist da die Logik? Weil ein Film gefördert wurde, ist er autmatisch Allgemeingut?”
Ich denke, das ist der Ansatz – ähnlich wie in der Open-Access-Debatte: Staatlich gefördertes Wissen sollte als Allgemeingut im Internet verfügbar sein.
Ich denke, dass das Enderts Standpunkt ist, aber warten wir mal ab, was er sagt.
Selbstverständlich gibt es auch nichtgefördere Filme, doch für die großen Produktionen hat hat Endert sicher paradigmatisch recht, wenn er sagt “wo vom Konzept über Drehbuch bis zur Produktion nichts aber auch gar nichts ohne den Staat geht.”
Vielleicht sollten Politiker, Gewerkschaften und Medienindustrielle anlässlich des morgigen Tages zum Schutz des geistigen Eigentums eine Menschenkette bilden. Wir können unsere Zukunft doch nicht tatenlos der Filesharing-Lobby überlassen.
Den Aufhänger für das Thema finde ich etwas schwach. Das ist doch inzwischen der Standardsatz von vielen CDU- und SPD-Politikern bei Veranstaltungen, die auch nur annähernd mit Kultur zu tun haben.
Der Artikel ist in erster Linie ein politisches Statement, das ich nicht ganz nachvollziehen kann. Sollen jetzt die Subventionen abgeschafft werden oder soll die Filmindustrie Gemeingut werden? Soll der Staat jetzt alle Filme voll bezahlen?
@Harald
Ich sage es mal ganz provokant: ja, die Subventionen sollten abgeschafft werden.
Es mag ja schön und gut sein, zu versuchen, eine irgendwie kreative Branche zu fördern. Aber durch die für meinen Geschmack oftmals so unterirdische Qualität vieler deutscher Filme zucke ich jedesmal zusammen, wenn ich im Kino die Worte “gefördert durch” lese. Grund? Gerade diese Wortkombination taucht fast immer bei Filmen auf, deren Skripte ich nicht mal mit der Kohlezange angefasst hätte. Es macht dabei oft fast den Eindruck, als ob es nur darum ginge überhaupt zu fördern. Wie gut oder schlecht das Skript ist scheint dabei egal zu sein.
@Reiner/SB (#4)
Sie haben recht, so kann es nicht weitergehen. Wir müssen das Netz stärker kontrollieren. Viele scheinen zu vergessen, dass es Markenrecht, Patentrecht, Urheberrecht und Geschmacksmusterrecht gibt, das große Konzerne schützt und kleine Betriebe daran hindert, in den Markt einzutreten.
Wo kä en wir hin we jeder sage kö te, sich i for iere kö te, W rke schaff kö t , wi r will? s ist ut u d richti , dass s sowas wi ” st s e tu ” bt. s uss r kl l t vorb halt bl ib , s ch d r o opolr cht a W rk n zu b d . D nur w s l t a d r p tz t
Die Zeichen lassen vermuten, daß wir uns in Phase II – stereotype Affirmation und Konfession – befinden: “der Schutz des Geistigen Eigentums” wird zu einer ähnlichen Leerformel der Konzeptionslosigkeit wie es das “Allheilmittel” der F.D.P. geworden ist. “Staatsverschuldung?” – “Steuersenkung!” — “Filmförderung?” “Schutz des Geistigen Eigentums!”
Wer von kompletter Abschaffung der Subventionen nachdenkt, sollte in erster Linie versuchen Kulturförderung von Marktförderung zu unterscheiden. Gleichzeitig gibt es Förderinstrumentarien die sich alleinig durch den Markt tragen und keinen einzigen Cent vom Staat sehen.
Der Abbau von Förderungen sorgt ja nicht automatisch dafür, dass in Deutschland ein ernstzunehmender Markt für deutsche Filme entsteht. Gleiches gilt für Verwertungsmöglichkeiten im Internet. Ob mit oder ohne Förderung, viele deutsche Filmproduzenten stehen einer finanziell enorm schwierigen Situation gegenüber. Dabei ist die finanzielle Abhängigkeit von Staatsgeldern weit aus weniger gefährlich, als die Abhängigkeit von TV-Anstalten!
Dei derzeitigen Förderinstrumente des Staates unterstrichen in gewisser Hinsicht die Idee des Allgemeingutes: Filmproduktionsfirmen, deren letzter Film entsprechend erfolgreich gelaufen ist, bekommen auch erneut mehr Zuwendungen und dem Zuschauer wird damit erneut das geboten, was er sehen möchte. An dieser Stelle über Qualität der Filme zu sprechen ist müßig, da es sich hierbei um Marktförderung und nicht um Kulturförderung handelt. Wer gute Filme sehen möchte kann dies auch tun, die meisten Zuschauer wagen jedoch nicht einmal einen Schritt in ein Programmkino.
Wer Abschaffung von Förderung proklamiert soll bitte auch eine Alternative anbieten, wie neue Märkte geschaffen werden können. Auch zukünftige Filmproduktionen benötigen Unsummen an Budget. Woher also nehmen?
Sicherlich sind CreativeCommons Konzepte interessant, auch Entwicklungen wie z.B. http://www.flattr.com Dennoch sind dies eher Instrumente, welche altbackene Gatekeeper in die Knie zwingen können um neuen Marktteilnehmern eine Chance zu bieten. Es sind nicht wirklich Instrumente für die bestehenden Player. Dabei sollten wir nicht das eine gegen das andere, die alten Konzepte gegen die neuen abwägen. User-Generated-Content lässt sich nunmal nicht mit Kino-Film vergleichen!
[...] die Homo-Ehe segnen, eine Abtreibungsklinik eröffnen und dann a… 2 Tweets Immer schön aufpassen: Kanzlerin fordert den “Schutz des geistigen Eigentums” — … Ausgerechnet vor der durchsubventionierten Filmbranche setzt sich Angela Merkel für den Schutz [...]
[...] die mittels staatlicher Subventionen erst geschaffen werden, nicht unbedingt Sinn macht, wie carta.info-Blogger Julius Endert kritisch anmerkte. Wenn man sich die öffentliche Diskussion hier weiter anschaut, dann wird auch [...]